Archive for 5. November 2010

Gebet für die Seligsprechung Pius XII.

05/11/2010

Herr Jesus Christus,
Wir danken Dir dafür, dass Du der Kirche Papst Pius XII. geschenkt hast, einen treuen Lehrer Deiner Wahrheit und „Pastor Angelicus“.

Er hat mit sicherer Lehre und milder Festigkeit das höchste apostolische Amt ausgeübt und dabei Deine Kirche durch das aufgewühlte Meer der totalitären Ideologien geführt;

er hat die Arme von Petrus unterschiedslos allen Opfern der grausamen Tragödie des II. Weltkrieges geöffnet und gemahnt, dass mit dem Frieden, dem Werk der Gerechtigkeit, nichts verloren ist;

er hat mit Demut und Besonnenheit der Heiligen Liturgie neuen Glanz verliehen und er hat die Herrlichkeit der Allerheiligsten Jungfrau Maria durch die Verkündigung ihrer Aufnahme in den Himmel bekundet.

Gib, o Herr, dass auch wir nach seinem Beispiel lernen die Wahrheit zu verteidigen, dem katholischen Lehramt voller Freude zu gehorchen und unsere Liebe zu vergrössern.

Daher bitten wir Dich inständig, wenn es Deiner größten Ehre und dem Wohl unserer Seelen förderlich ist, Deinen Diener Papst Pius XII. zu verherrlichen.

Amen.

(Übersetzung nach Veröffentlichung im Corriere della Sera vom 4. November 2010. Imprimatur Angelo Kard. Bagnasco)

Anmerkung zu dem obigen Gebet: wieso wird eigentlich für die ‘Verherrlichung’ und nicht für die ‘Seligsprechung’ gebetet? Ist das so üblich, kennt sich da jemand aus?

Audio: Papst Pius XII betet das Vaterunser

Die “schwarze Legende” um Pius XII

Hl. Rafael Arnaiz Baron (7)

05/11/2010

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

Hl. Rafael Arnaiz Baron

(Den folgenden Brief schrieb er von seinem Elternhaus aus, nachdem er sein Noviziat wegen der plötzlich auftretenden Diabetes unterbrechen musste.)

An Rosa Calvo von Oviedo aus

15. September 1943 – Samstag – im Alter von 23 Jahren

Liebe Tante Rosa! Schon vor längerem wollte ich dir schreiben. Jetzt, da ich Gelegenheit dazu habe, weil ich außerhalb meiner geliebten Abtei lebe, greife ich zur Feder, um Dir kurz zu schreiben und Dir damit zu sagen, daß ich meine gute Rosica nicht vergesse, von der ich immer wieder annehme, daß sie Gott lobt mit jedem Stempel, den sie auf ihre Lotteriescheine setzt. Zuerst berichte ich dir von Merceditas [seine Schwester], der es – Gott sei Dank! – weiterhin besser geht, wenn auch sehr langsam. Sie ißt sehr gut, obwohl sie keinen Appetit hat. Der Arzt sagt, daß es leicht zu einer Lösung kommen wird.

In bezug auf den anderen, den Novizen, kann ich Dir sagen, daß er schon fast wiederhergestellt ist. Er ißt von allem und bekommt keine Medikamente mehr. Ich glaube, daß ich ihn bald sehen werde, wie er in seinem weißen Habit sein Leben in der ‘Trapa’ wieder aufnimmt.

Liebe Tante Rosa, wenn Du wüßtest, wie sehr ich mich danach sehne! Manchmal denke ich, daß es nicht sehr vollkommen ist, wenn man einen solch heftigen Wunsch hegt. Aber wenn man einmal die Milde und Güte des Herrn erfahren hat, möchte man nichts anderes mehr. Was meinst Du? Wenn Du wüßtest, wie sehr Er mich liebt! Diese Krankheit, die Er mir geschickt hat, ist ein Beweis dafür. Das war auch so, als es mir so schlecht ging, daß ich dem Tode nahe war. Jetzt, wo ich neues Leben in mir spüre, höre ich nicht auf, Ihm für alles zu danken.

Was würde ich Dir nicht alles von der ‘Trapa’ erzählen, wenn ich in Toro wäre! In jenem Toro, wo mein größtes Vergnügen darin bestand, in einer Lotterieverwaltung von frommen Dingen zu reden. Erinnerst Du Dich? In der ‘Trapa’ habe ich manchmal vor dem Allerheiligsten an die Verwalterin des gelb angestrichenen Lotteriekiosks gedacht, wo es wenig Geld, aber viel Liebe zu Gott gab.

Du merkst schon, daß alles eintrifft, sogar das scheinbar Unmögliche, aber für Gott gibt es nichts, was unmöglich wäre [vgl. Mt 19,26]. Erinnerst Du Dich an jenen ‘kleinen dummen Jungen’, der eines Tages mit seinem Onkel Polin ankam? Nun, auch wenn Du mich in Deinen Gedanken im weißen Habit und mit geschorenem Kopf vor Dir siehst, bin ich doch immer noch derselbe, und ich nehme an, daß ich mich in Deinen Augen nicht verändert habe.

Ich weiß nicht, ob wir uns eines Tages wiedersehen. Gott weiß es. Aber irgendwann werden wir dort im Himmel und zusammen mit der Jungfrau Maria unsere Gespräche über Gott wieder aufnehmen. Was kümmern uns die Dinge von hier unten? Meinst Du nicht auch? Wenn wir auch durch die Entfernung voneinander getrennt sind, sind wir vor dem Tabernakel sehr verbunden miteinander. Jesus im Altarsakrament ist ja derselbe in der Stiftskirche von Toro wie in der ‘Trapa’ zu Venta de Banos. Vergiß nicht, hin und wieder vor Ihm für mich zu beten! Ich tue es auch für Dich. Er möge Dir Leid, Trübsal, Enttäuschungen, in einem Wort, Dein Kreuz schicken! Du siehst schon, daß ich Dich auf Trappistenart liebe; denn wenn die Liebe zu Gott uns Geschöpfe eint, so vereinigt uns das Kreuz, das der Herr trug, mit Ihm, und das soll uns wichtig sein. Und wenn man alles mit Liebe, Hingabe und Freude erduldet, was können wir dann noch weiter wünschen und erbitten? Nichts, Tante Rosa, nichts! Und wären wir so, wie wir sein sollten, würden wir nicht einmal darum bitten. Alles würde sich darauf beschränken, Seinen göttlichen Willen zu erfüllen.

Gut, entschuldige meine Predigt, aber – obwohl ich außerhalb meines Klosters lebe – der Trappist, der in mir steckt, kommt fast immer durch, ohne daß ich es beabsichtige.


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