Das Wunder am gelähmten Kinde

20/09/2009

Jesus erhebt sich, breitet die Arme aus und ruft mit sehr lauter Stimme  aus : « Der Herr segne euch und behüte euch! Er zeige euch sein Angesicht und habe Erbarmen mit euch! Der Herr zeige euch sein Antlitz und gebe euch seinen Segen! Der Name des Herrn sei in eurem Herzen, über euren Häusern und über euren Feldern ». Die kleine versammelte Schar jubelt dem Messias zu. Doch dann verstummt sie, teilt sich und lässte eine Mutter durchgehen, die auf den Armen einen etwa zehn Jahre alten gelähmten Jungen trägt. Am Fusse der Treppe angelangt, hält sie das Kind in die Höhe, als wolle sie es Jesus darbieten.

« Sie ist eine meiner Mägde. Der Knabe fiel im vergangenen Jahr von der hohen Terrasse und brach sich das Kreuz. Er wird nun das ganze Leben auf dem Rücken liegen müssen », erklärt der Herr. « Sie hat all die letzten Monate auf dich gehofft », sagt die Herrin. « Sag ihr, sie möge zu mir kommen ».

Doch die arme Frau ist so erregt, dass es aussieht, als wäre sie gelähmt. Sie zittert am ganzen Leibe und stolpert über ihr eigenes langes Kleid, als sie mit dem Kind in den Armen die hohen Stufen hinaufsteigt. Maria steht mitleidig auf und geht der Frau mit dem Kind entgegen. « Komm, habe keine Angst! Mein Sohn liebt dich. Gib mir dein Kind! Dann kannst du besser hinaufsteigen. Komm, meine Tochter! Auch ich bin eine Mutter! » Und sie nimmt ihr den Knaben ab, dem sie sanft zulächelt, und geht nun mit der Mitleid erregenden Last auf ihren Armen die Treppe hinauf. Die Mutter des Jungen folgt ihr weinend.

Maria steht nun vor Jesus. Sie kniet nieder und sagt : «Sohn! Um dieser Mutter willen! » Sonst nichts. Jesus fragt nicht einmal wie gewöhnlich : « Was willst du, dass ich für dich tue? Glaubst du, dass ich es tun kann? » Nein, heute lächelt er nur und sagt : » Frau, komm hierher! » Die Frau geht an die Seite Marias. Jesus legt eine Hand auf ihr Haupt und sagt nur : »Freue dich! » und er hat noch nicht zu Ende gesprochen, als der Knabe, der bis dahin schwer auf den Armen Marias gelegen hatte mit regungslosen Beinen, sich mit einem Ruck aufsetzt, um mit dem Freudenschrei : »Mama! » an die mütterliche Brust zu flüchten. Die Hosanna-Rufe scheinen bis zum Himmel zu steigen, der in der Abendröte glüht. Die Frau hat ihren Knaben ans Herz gedrückt und fragt : » Was muss ich tun, um zu bezeugen, wie glücklich ich bin ? » Jesus liebkost sie noch einmal : « Gut sein, Gott und deinen Nächsten lieben und in dieser Liebe auch deinen Sohn erziehen. » Doch die Frau ist noch nicht zufrieden. Sie möchte… sie möchte… und endlich bittet sie : « Deinen Kuss und den Kuss deiner Mutter für mein Kind ! »

Jesus beugt sich und küsst den Jungen. Maria tut dasselbe. Und während die Frau strahlend davoneilt, von beifallklatschenden Freunden gefolgt, erklärt Jesus der Hausherrin : « Es bedufte nicht mehr. Das Kind befand sich in den Armen meiner Mutter. Auch ohne bittende Worte hätte ich es geheilt; denn sie ist glücklich, wenn sie eine Not lindern kann, und ich will sie glücklich machen. » Und Jesus und Maria wechseln einen der Blicke, die nur jemand, der sie gesehen hat, verstehen kann, so tief und bedeutungsvoll sind sie!

Auszug aus dem Band “Der Gottmensch Bd II″ von Maria Valtorta, mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören.

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