„Ich bin gekommen, um zu dienen“

17/10/2009
(zum Sonntags-Evangelium vom 18. Oktober 09: Mk 10, 35-45)

 

Während sie sich vom langen Gehen etwas ausruhen und einige etwas Brot essen, nähert sich die Mutter des Jakobus und des Johannes Jesus und wirft sich vor ihm nieder. Jesus hat sich nicht einmal gesetzt und hat es eilig, sich wieder auf den Weg zu machen.

Da sie offensichtlich um etwas bitten will, fragt Jesus sie : « Was willst du, Frau? Sprich. »

« Gewähre mit eine Gnade, bevor du fortgehst, wie du sagst. »

« Und welche? »

« Sage, dass diese meine Söhne, die alles für dich verlassen haben, einer zu deiner Rechten und der andere zu deiner Linken sitzen sollen, wenn du in deiner Herrlichkeit in deinem Reich auf dem Thron sitzen wirst. »

Jesus schaut die Frau und dann die beiden Apostel an und sagt : « Ihr habt eure Mutter auf diesen Gedanken gebracht und also meine Verheissungen von gestern völlig falsch verstanden. Das Hundertfache dessen, was ihr verlassen habt, werdet ihr nicht in einem Reich auf dieser Welt erhalten. Seid nun auch ihr gierig und töricht geworden? Nein, es ist nicht eure Schuld. Die trübe Dämmerung der Finsternis breitet sich schon aus, und die verpestete Luft des nahen Jerusalem verdirbt und blendet euch… Ich sage euch, ihr wisst nicht, um was ihr mich bittet! Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? »

« Wir können es, Herr. »

« Wie könnt ihr dies sagen, da ihr nicht einmal verstanden habt, wie bitter mein Kelch sein wird? Es wird nicht nur die Bitterkeit sein, die ich euch gestern geschildert habe, meine Bitterkeit als Mann aller Schmerzen. Es werden auch Qualen sein, die ihr nicht begreifen könntet, selbst wenn ich sie euch beschreiben würde… Und doch, obwohl ihr noch zwei Kindern gleicht, die nicht wissen, worum sie bitten, so seid ihr doch auch zwei ehrliche und mich liebende Seelen und werdet von meinem Kelch trinken. Aber das Sitzen zu meiner Rechten und zu meiner Linken, das habe nicht ich zu vergeben, sondern es wird denen zuteil werden, denen mein Vater es vorbehalten hat. »

 

Giovanni A. da Lodi: Apostel Petrus u. Johannes

Giovanni A. da Lodi: Apostel Petrus u. Johannes

Während Jesus noch redet, empören sich die anderen Apostel über die Bitte der Söhne des Zebedäus und ihrer Mutter. Petrus sagt zu Johannes : « Auch du! Ich erkenne dich nicht wieder als der, der du immer gewesen bist! »

Und Iskariot sagt mit seinem hämischen Lächeln : »Wahrlich, die Ersten werden die Letzten sein! Welch eine Zeit der Erkenntnisse und der Überraschungen… » und er wird ganz grün vor Hohn.

« Sind wir etwa der Ehren wegen dem Meister gefolgt? » rügt Philippus.

Thomas wendet sich an Maria Salome anstatt an die beiden und sagt : »Warum beschämst du deine Söhne? Wenn sie nicht nachgedacht haben, dann hättest du es tun sollen, um dies zu vermeiden. »

« Das ist wahr. Unsere Mutter hätte nicht so gehandelt », sagt Thaddäus.

Bartholomäus spricht nicht, aber sein Gesicht drückt seine ganze Missbilligung aus.

Simon der Zelote sagt, um die Entrüsteten zu beruhigen : »Alle können wir Fehler machen… »

Matthäus, Andreas und Jakobus des Alphäus schweigen und leiden sichtlich unter dem Vorfall, der auf die schöne Vollkommenheit des Johannes einen Schatten wirft.

Jesus gebietet Schweigen durch eine Geste und sagt : »Sollen nun aus einem Fehler viele werden? Ihr, die ihr entrüstet tadelt, merkt ihr denn nicht, dass ihr selbst sündigt? Lasst eure Brüder in Ruhe. Mein Tadel genügt. Ihre Beschämung ist offensichtlich, und ihre Reue demütig und aufrichtig. Ihr müsst euch gegenseitig lieben und helfen. Denn wahrlich, keiner von euch ist schon vollkommen. Ihr dürft die Welt und die Menschen in ihr nicht nachahmen. Ihr wisst, dass in der Welt die Herrscher der Völker sie unterjochen und die Grossen in ihrem Namen Gewalt an ihnen verüben. Aber bei euch soll es nicht so sein. Ihr sollt nicht danach trachten, die Menschen oder eure Gefährten zu beherrschen. Wer unter euch der Grösste sein will, soll euer Diener sein, und wer unter euch der Erste sein will, soll euer Knecht sein. So wie es euch euer Meister gezeigt hat. Bin ich etwa gekommen, um euch zu unterdrücken und euch zu beherrschen? Oder um mich bedienen zu lassen? Nein. Wahrlich, nein. Ich bin gekommen, um zu dienen. Und so, wie der Menschensohn nicht gekommen ist, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zur Rettung vieler hinzugeben, so sollt auch ihr handeln, wenn ihr sein wollt, wie ich bin und wo ich bin. Nun geht. Und bleibt in Frieden untereinander, wie ich es mit euch bin. »

Jesus sagt mir:

« Ich weise ausdrücklich darauf hin: ‘… ihr werdet von meinem Kelch trinken.’ In den Übersetzungen steht : ‘meinen Kelch‘. Ich habe gesagt: ‘von meinem’, nicht ‘meinen’. Kein Mensch hätte meinen Kelch trinken können. Nur ich, der Erlöser,  musste meinen ganzen Kelch austrinken. Gewiss, meinen Jüngern, denen, die mich nachahmen und lieben, ist es gewährt, von dem Kelch zu trinken, den ich getrunken habe, den Tropfen, den Schluck oder die Schlücke, den die Auserwählung durch Gott ihnen zu trinken gewährt. Aber niemals wird irgend jemand den ganzen Kelch trinken, wie ich ihn getrunken habe. Daher ist es richtig zu sagen: ‘von meinem Kelch’ und nicht ‘meinen Kelch’. » (1)

_______________________

 

(1) Im Aramäischen, der Sprache Jesu, gibt es keinen Unterschied zwischen Dativ und Akkusativ; Jesus kann also sehr wohl ‚von meinem Kelch’ gesagt haben.

x

Auszug aus “Der Gottmensch″, Band X  von Maria Valtorta, mit  der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: