Die Bekehrung des Augustinus (4)

18/11/2009

Er vernimmt eine unerklärbare Stimme und bekehrt sich daraufhin völlig

Als ich so in tiefschürfender Betrachtung mein ganzes Elend aus seinem geheimen Grunde hervorzog und vor die Augen meines Geistes stellte, da erhob sich ein gewaltiger Sturm, der einen ungeheuren Tränenregen mit sich führte. Und um ihn auch in Worten sich völlig austoben zu lassen, stand ich auf und ging von Alypius weg; denn die Einsamkeit schien mir zum Weinen geeigneter. So weit ging ich fort, dass mir seine Anwesenheit nicht mehr lästig sein konnte. Denn so war damals meine Stimmung, und jener fühlte es. Ich hatte wohl einige Worte gesprochen, deren Ton tränenschwer klang, und so war ich aufgestanden. Er blieb also, wo wir gesessen hatten, vor Staunen ganz ausser sich.

Ich aber warf mich, ohne zu wissen wie, unter einem Feigenbaume auf den Boden und liess meinen Tränen freien Lauf; und wie Ströme brach es aus meinen Augen hervor, dir ein wohlgefällig Opfer; zwar nicht mit denselben Worten, aber doch in demselben Sinne sprach ich zu dir: „Und du, o Herr, wie lange noch?“ „Wie lange noch wirst du zürnen bis zum Ende? Sei unserer vorigen Missetaten nicht eingedenk!“ Denn ich fühlte, wie sie mich festhielten, und stiess die Klagelaute aus: „Wie lange noch? Wie lange noch: Morgen und immer wieder morgen? Warum nicht sogleich? Warum soll diese Stunde nicht das Ende meiner Schande bedeuten?“ So sprach ich und weinte in der grössten Bitterkeit meines Herzens.

Und siehe, ich höre da aus dem benachbarten Hause die Stimme eines Knaben oder eines Mädchens in singendem Tone sagen und öfters wiederholen: „Nimm und lies, nimm und lies.“ Sogleich veränderte sich mein Gesichtsausdruck, und aufs angestrengteste begann ich nachzudenken, ob etwa die Kinder bei irgendeinem Spiele etwas Derartiges zu singen pflegten, aber ich entsann mich nicht, jemals solches gehört zu haben. Da hemmte ich den Strom meiner Tränen und stand auf; konnte ich mir doch keine andere Erklärung geben, als dass eine göttliche Stimme mir befehle, die Schrift zu öffnen und das erste Kapitel, auf das ich gestossen, zu lesen.


Denn ich hatte von Antonius gehört, dass für ihn bestimmend gewesen sei eine Stelle im Evangelium, auf die er zufällig gestossen war, gleich als ob ihm die Worte gälten: „Gehe hin, verkaufe alles, was du hast, gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach“ – und dass er sich auf diesen Ausspruch hin sogleich zu dir bekehrt habe.

Quelle: Hl. Augustinus (354-430 n. Chr.): „Bekenntnisse“, Buch 8

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3 Antworten to “Die Bekehrung des Augustinus (4)”


  1. Wenn Ihr Euch wagt über das Leben und Bekehrung
    Augustinus zu schreiben,
    so müsst Ihr auch so ehrlich sein vor Gott und seinem Christus,
    und den Menschen mitteilen,
    dass Augustinus zweimal verheiratet war, mit der Monika zuerst, von der er sich und ihrem Sohn scheiden ließ als er ein Katholik werden wollte.
    Dann verheiratete er sich mit einer reichen Frau, welche der Grund war seiner Scheidung von Monika und ihrem gemeinsamen Sohn.
    Pfiu sagt Christus,
    denn nur um Ehebruch und Hurerei darf sich ein Partner
    von dem Partner der Sünde trennen, und nicht um des lieben Mammon wegen. Matthäus 5, 32

    • abitene Says:

      Wir schreiben nicht über Augustinus, die Auszüge stammen aus seiner Autobiographie, den „Bekenntnissen“, also von ihm selbst. Er hatte 14 Jahre ein Verhältnis mit einer Frau u. auch einen Sohn mit ihr, bevor er sich bekehrte und sein Leben änderte. Verheiratet war er nie, Monika war seine Mutter. Er selbst hat nichts beschönigt oder verschwiegen in seiner ausführlichen, mehrere Bücher umfassenden Lebensbeschreibung und sein Ringen und Kämpfen wird in den veröffentlichen Auszügen auch deutlich, gerade deshalb veröffentlichen wir die Auszüge ja hier.

    • Diethelm Henrici Says:

      Wenn Sie kritisieren und Behauptungen aufstellen, dann bitte unter Angabe von Belegen und Quellen. Wo steht, daß Augustinus ein zweites Mal und mit wem verheiratet war? Anderenfalls sind solche Beiträge sinnlos.


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