Die Bekehrung des Augustinus (5)

03/12/2009

Daher kehrte ich eiligst auf den Platz zurück, wo Alypius sass; denn dort hatte ich die Briefe des Apostels liegen lassen, als ich aufgestanden war. Ich griff nach ihnen, öffnete sie und las für mich das Kapitel auf das zuerst meine Augen fielen: „Nicht in Schmausereien und Trinkgelagen, nicht in Schlafkammern und Unzucht, nicht in Zank und Neid; sondern ziehet den Herrn Jesum Christum an und pfleget nicht des Fleisches in seinen Lüsten.“ Ich wollte nicht weiter lesen, es war auch nicht nötig; denn bei dem Schlusse dieses Satzes strömte das Licht der Sicherheit in mein Herz ein, und alle Zweifel der Finsternis verschwanden.

Dann legte ich den Finger oder ein anderes Zeichen auf die Stelle, schloss das Buch und machte mit bereits ruhiger Miene dem Alypius Mitteilung von dem Vorfalle. Er aber tat mir kund, was in ihm vorging und was ich natürlich nicht wusste, auf folgende Weise. Er bat, die Stelle einsehen zu dürfen; ich zeigte sie ihm, und er las noch über meine Stelle hinaus. Was folgte, wusste ich nicht. Es folgte aber: „Des Schwachen aber im Glauben nehmet euch an“. Dies bezog jener, wie er mir eröffnete, auf sich. Durch diese Ermahnung wurde er nur noch bestärkt; ohne Zaudern und Unruhe trat er meinem Entschlusse und meinen guten Vorsätzen bei; entsprachen sie doch so ganz seinen Sitten, in denen er sich schon längst zu seinem grössten Vorteile von mir unterschied.

Dann gingen wir zur Mutter und erzählten ihr; gross war ihre Freude. Wir erzählten ihr, wie es sich zugetragen: sie jubelte und triumphierte und pries dich, der du die Macht hast, mehr zu tun, als was wir bitten oder verstehen; sah sie doch, dass du mir weit mehr gegeben, als sie in ihrem Jammer und ihrem tränenreichen Seufzen für mich zu erbitten pflegte.

Denn du hast mich zu dir bekehrt, so dass ich nun auch kein Weib mehr begehrte noch sonst etwas, worauf die Hoffnung dieser Welt gerichtet ist. Ich stand nunmehr mit ihr auf dem Richtscheite des Glaubens, auf dem du mich ihr vor so vielen Jahren gezeigt hattest, „Und du hast ihre Trauer in Freude umgekehrt“ und zwar in weit reicherem Masse, als sie selbst es gewollt hatte, und ihre Freude war viel köstlicher und keuscher, als wenn sie sie in leiblichen Enkeln gesucht hätte.

Quelle: Hl. Augustinus (354-430 n. Chr.): „Bekenntnisse“, Buch 8

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Sandro Botticelli - Der Heilige Augustinus

Der Fernsehsender BR-alpha zeigt am 25. und 26. Dezember 2009 um 20.15 Uhr die auf Anregung des Papstes entstandene Verfilmung des Lebens des Hl. Augustinus,  näheres siehe HIER.

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