Weltuntergang, made in Hollywood

07/12/2009

„2012“ bewegt sich dicht am hier und heute: die Handlung beginnt 2009. Der schwarze US-Präsident ist mit Danny Glover glaubwürdiger besetzt als durch den tatsächlichen Amtsinhaber; die blonde deutsche Kanzlerin ist jünger, aber ähnlich spröde wie das Original. Der Dollar hat als Leitwährung ausgedient, die Fahrkarte für die rettende Schiffspassage wird in Euro bezahlt.

Eine Ahnung bevorstehender apokalyptischer Ereignisse liegt in der Luft. Hollywood greift sie auf und setzt sie in Szene. Nichts Neues, wirkte doch angesichts 9/11 der fünf Jahre zuvor inszenierte „Independence Day“ mit seinen in sich zusammenstürzenden Wolkenkratzern wie eine bizarre Vorwegnahme.

Neben der Maya-Prophezeihung leistete sicher die zur Pseudo-Religion erhobene Klimaerwärmungsdebatte ihren Beitrag zur Entstehung des Films. Jedoch fällt kein Wort über CO2. Es ist vielmehr die Sonne, deren Eruptionen ein nie gekanntes Ausmaß erreichen und dadurch die Erde derart beeinflussen, dass gigantische Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis die Folge sind.

Der Film bedient sich vielfach christlicher Symbolik und Referenzen, so verbringt z.B. der US-Präsident lieber Zeit in der Kapelle des Weißen Hauses als sich evakuieren zu lassen. In seiner Abschiedsansprache zitiert er Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte“, bevor die Übertragung zusammenbricht.

Gleichzeitig aber wird geradezu genüsslich der Einsturz christlich-katholischer Monumente wie Petersdom und Christus-Statue von Rio gezeigt, während der schwarze Stein von Mekka unbeschadet bleibt. Das ist mehr als nur ein spielerischer Seitenhieb auf das Christentum. Hier wird die trügerische Botschaft verbreitet, das Christentum habe nicht mehr Bestand als die Mauern seiner Kirchen, der Islam hingegen sei unangreifbar.

Letzteres gilt im doppelten Sinne, nicht nur wegen der klaren Bildsprache, sondern auch, weil der Regisseur zugab, dass die Darstellungen zerstörter islamischer Bauwerke vor Filmstart herausgeschnitten wurden, um bei Anhängern dieser Ideologie keinen Anstoß zu erwecken. Das duldende Christentum muss wieder einmal als Zielscheibe für religionskritische Attacken herhalten, vor dem Islam wird gekuscht. An dieser Inkonsequenz scheint sich aber keiner der eifrigen Verfechter von Respekt und Gleichwertigkeit unter den Religionen zu stoßen.

Es mangelt dem Film an Authentizität, da man seinen Urhebern das christliche Erbe anmerkt, sie jenes aber nicht beim Namen nennen. Schuld, Reue, Vergebung, Aufopferung als zentrale psychologische Themen der Handlung versanden im dramaturgischen Flachwasser. So kommt der Film nicht über die übliche Mixtur aus rührseligen Beziehungsklischees und politisch korrektem Gutmenschentum hinaus, welche für Hollywood-Produktionen so typisch ist.

Die nächsten Jahre bis 2012 werden sicher von drastischen Veränderungen erfüllt sein. Halten wir uns daher fest am Versprechen Jesu, das in dem Film leider unerwähnt geblieben ist: „Himmel und Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen.“

Anmerkung: In den Trümmern von Ground Zero fand man bei Aufräumarbeiten den intakten Teil eines Stahlträgers in Form eines Kreuzes.



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