Bereitet dem Herrn den Weg!

13/12/2009
(zum Sonntags-Evangelium vom 13. Dezember 2009: Lukas 3, 10-18)

Ich befinde mich also am Jordan, und die verlassene Gegend auf meiner rechten Seite ist die Wüste Juda. Ob man von Wüste sprechen kann, um damit einen Ort zu bezeichnen, an dem es keine Häuser und keine arbeitenden Menschen gibt? Nach unseren Begriffen sicher nicht. Hier sind keine vom Wind gewellten Sandflächen; nur nackte Erde, mit Steinen und Geröll übersät, wie bei einem Überschwemmungsgebiet nach überstandenem Hochwasser.

In der Ferne liegen Hügel. Hier am Jordan herrscht ein tiefer Friede, ein gewisses Etwas, das über alles Gewöhnliche hinausgeht, wie man es auch am Trasimenischen See erleben kann. Es ist eine Gegend, die an Engelsflug und himmlische Stimmen erinnert. Ich kann nicht ausdrücken, was ich empfinde. Doch ich fühle mich an einem Ort, der zur Seele spricht.

Während ich dies beobachte, bemerke ich, dass die Szene sich bevölkert. Längs des rechten Ufers des Jordan (von mir aus gesehen) haben sich viele Männer in verschiedenartiger Kleidung eingefunden. Die einen machen einen volkstümlichen Eindruck, andere scheinen reich zu sein; es fehlen auch nicht etliche Pharisäer, die an ihren mit Fransen besetzten Gewändern zu erkennen sind.

Bartolomäus Breenbergh - Johannes der Täufer predigt

In ihrer Mitte, auf einem Felsblock stehend, befindet sich ein Mann, den ich, obwohl ich ihn zum ersten Mal sehe, als den Täufer erkenne. Er spricht zum Volk, und ich kann euch versichern, es ist keine sanfte Predigt. Jesus nannte Jakob und Johannes „Donnersöhne“. Wie soll ich nun diesen gewaltigen Redner nennen? Johannes der Täufer verdient die Namen: Blitz, Lawine, Erdbeben… so eindrucksvoll und machtvoll ist seine Sprache und sein Gebaren. Er verkündet den Messias und fordert auf, die Herzen für seine Ankunft vorzubereiten, alles Hinderliche aus dem Weg zu räumen und die Gedanken geradeaus zu richten. Es ist eine harte und rauhe Rede. Der Vorläufer hat nicht die leichte Hand Jesu für die Wunden der Herzen. Jesus ist wie ein Arzt- auch Johannes, doch einer, der entblößt, wühlt und erbarmungslos schneidet. Während ich zuhöre- ich wiederhole die Worte nicht, denn es sind dieselben, die uns von den Evangelisten überliefert worden sind- sehe ich auf einem Sträßlein, das dem bewachsenen und schattigen Verlauf des Jordan folgt, meinen Jesus.

Auszug aus “Der Gottmensch″, Band I von Maria Valtorta, mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören.


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