Die heilige Fastenzeit (1)

15/02/2010

Auszug aus dem Missale Romanum von 1910, erschienen in der Herder’schen Verlagsbuchhandlung, Freiburg:

Mit dem Namen Fastenzeit bezeichnet die Kirche die 40tägige Vorbereitung auf Ostern. Die Einsetzung dieser feierlichen, durch das Beispiel Jesu Christi geheiligten Zeit, reicht bis in die Anfänge des Christentums hinauf und rührt nach dem Hl. Hieronymus, Leo dem Großen usw. schon von den Aposteln her. Sie ist eine vor allen andern der Buße gewidmete Zeit, welche hauptsächlich in der Übung des Fastens zum Ausdruck kommt, d.h. jener freiwilligen Enthaltung von Speisen, die der Mensch zur Sühne seiner Sünden sich auferlegt.

Die Zahl der 40 Tage, welche die heilige Fastenzeit dauert, ist bedeutungsvoll. 40 Tage und 40 Nächte regnete es bei der Sündflut; 40 Jahre irrten die Israeliten in der Wüste umher; 40 Tage fastete Moses, ehe er sich Gott auf dem Sinai, und ebensolang Elias, als er sich dem Herrn auf dem Berg Horeb nahte; 40 Tage und 40 Nächte fastete der Sohn Gottes. (…)

Die Wüste in Judäa (Foto D. Shankbone)

Der Mensch ist Sünder, darum ist auch die Sühne notwendig, die er mit Hilfe der unschätzbaren Verdienste Christi leisten kann. „Wenn ihr nicht Buße tut“, sprach der Heiland selbst, „so werdet ihr alle gleicherweise zu Grunde gehen“ (Lk 13,3). Die Buße besteht aber in der Zerknirschung des Herzens und in der Abtötung des Leibes; der Mensch, aus Leib und Seele zusammengesetzt, kann nicht mit dem einen Teile Gott die schuldige Huldigung darbringen, mit dem anderen aber nicht; es wäre keine rechte Buße, wenn nicht die innerlichen Gefühle der Reue auch in äußeren Bußwerken zu Tage träten, wie auch der Heiland sich damit nicht begnügt, bloß innerlich über unsere Sünden zu seufzen.

Da der Leib als Werkzeug der Sünde ebenfalls der Sünde gedient, so muß er auch mitbüßen, und es wäre eitle Selbsttäuschung, wollte man die körperliche Abtötung für überflüssig halten. (…) So wollen wir denn entschlossen den heiligen Pfad betreten, welchen die Kirche uns eröffnet. Wir wollen unser Fasten noch durch die beiden anderen Mittel, die Gott uns in der Heiligen Schrift vorstellt, Gebet und Almosen, befruchten.

weiter zu Teil 2

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: