Die Zeit der Ernte

27/06/2010

(zum Sonntags-Evangelium vom 27. Juni 2010: Lk 9,51-62)

Sie machen einen Bogen um Thersa, zwischen halbdunklen Feldern und Gärten, aber der Bogen ist nicht so gross, als dass sie nicht Männer an den Ausgängen der Stadt sehen würden, die um Feuer herumsitzen…

„Sie lauern uns auf…“ sagt Matthäus.

„Die Verfluchten!“ zischt Philippus zwischen den Zähnen.

Petrus sagt nichts. Er erhebt nur die Arme zum Himmel und schüttelt sie, eine stumme Bitte oder ein Protest.

Aber Jakobus und Johannes des Zebedäus, die den anderen etwas vorausgegangen sind und eifrig miteinander geredet haben, kehren nun zurück und sagen: „Meister, wenn du in deiner vollkommenen Liebe nicht strafen willst, sollen wir es dann an deiner Stelle tun? Willst du, dass wir Feuer vom Himmel herabrufen, damit es diese Sünder vernichtet? Du hast uns gesagt, dass wir alles vermögen, wenn wir mit Glauben darum bitten, und…“

Jesus, der etwas gebeugt gegangen ist, so als wäre er müde, richtet sich mit einem Ruck auf und blitzt sie mit zwei Augen an, die im Mondschein aufflammen. Die beiden verstummen und weichen schweigend und furchtsam vor diesem Blick zurück. Jesus, der sie immer noch so anschaut, sagt: „Ihr wisst nicht, wessen Geistes Kinder ihr seid! Der Menschensohn ist nicht gekommen, um die Seelen zu richten, sondern um sie zu retten. Erinnert ihr euch nicht mehr meiner Worte? Ich habe im Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut gesagt: „Lasst den Weizen und das Unkraut zusammen wachsen. Denn wolltet ihr sie jetzt trennen, könntet ihr mit dem Unkraut auch den Weizen ausreissen. Lasst sie daher bis zur Ernte zusammen wachsen. Zur Zeit der Ernte will ich den Schnittern sagen: Sammelt nun das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen. Den Weizen aber bringt in meine Scheune.“

Jesus hat seinen Unmut über die Beiden schon gemässigt, die in ihrem Zorn aus Liebe zu ihm darum bitten, Thersa bestrafen zu dürfen, und nun mit gesenktem Haupt vor ihm stehen. Er nimmt sie, den einen rechts, den anderen links, beim Ellbogen und setzt seinen Weg fort, wobei er sie so führt und zu allen spricht, die sich um ihn gesammelt haben, als er stehengeblieben ist: „Wahrlich, ich sage euch, die Zeit der Ernte ist nahe. Meine erste Ernte. Für viele wird es keine zweite geben. Doch preisen wir den Allerhöchsten, denn einige, die zu meiner Zeit nicht zur guten Ähre geworden sind, werden nach der Reinigung durch das österliche Opfer mit einer neuen Seele wiedergeboren werden… Bis zu jenem Tag werde ich niemanden strafen… Danach wird die Gerechtigkeit walten…“

Fra Angelico: Christus als Weltenrichter

„Nach dem Passahfest?“ fragt Petrus.

„Nein, nach der Zeit. Ich spreche nicht von diesen Menschen, von heute. Ich schaue in die künftigen Jahrhunderte. Der Mensch erneuert sich immer, wie das Getreide auf den Feldern. Und die Ernten wiederholen sich. Ich werde das Nötige hinterlassen, damit die Menschen der Zukunft guter Weizen werden können. Wenn sie es nicht wollen, dann werden am Ende der Welt meine Engel das Unkraut vom Weizen trennen. Das wird der ewige Tag sein, der Gott allein gehört. Jetzt ist auf der Welt der Tag Gottes und des Satans. Der erste sät den guten Samen aus, der zweite wirft sein verfluchtes Unkraut unter den Samen Gottes, sein Ärgernis, seine Bosheit, seinen Samen, der Bosheit und Ärgernisse hervorruft. Denn es wird immer solche geben, die gegen Gott aufwiegeln, so wie hier, mit diesen, die in Wahrheit weniger schuldig sind als jene, die sie zum Bösen angereizt haben.“

„Meister, jedes Jahr reinigen wir uns zum Passahfest, und doch bleiben wir immer so, wie wir sind. Wird es vielleicht dieses Jahr anders sein?“ fragt Matthäus.

„Ganz anders.“

„Warum? Erkläre es uns.“

„Morgen… Morgen, oder wenn wir unterwegs sind und auch Judas des Simon bei uns ist, werde ich es euch sagen…“

„O ja, du wirst es uns sagen, und wir werden uns bessern… Verzeih uns inzwischen, Jesus“, sagt Johannes.

„Ich habe euch durchaus den richtigen Namen gegeben. Aber der Donner schadet nicht. Der Blitz kann töten. Doch kündigt der Donner oft den Blitz an. So geschieht es dem, der nicht alle Unordnung gegen die Liebe aus seinem Geist entfernt. Heute bittet er darum, bestrafen zu dürfen. Morgen bestraft er, ohne vorher zu fragen. Übermorgen bestraft er auch ohne Grund. Der Abstieg ist leicht… Deshalb sage ich euch, vermeidet jede Härte eurem Nächsten gegenüber. Handelt so wie ich, und ihr werdet sicher sein, niemals fehlzugehen. Habt ihr jemals gesehen, dass ich mich an denen gerächt habe, die mir Schmerz zugefügt haben?“

„Nein, Meister. Du…“

„Meister! Meister! Wir sind hier. Ich und Elisa. Oh Meister, wieviel Aufregung deinetwegen! Und wieviel Angst vor dem Tod!“ ruft Judas von Kerioth, der hinter einer Reihe Weinstöcke hervorkommt und auf Jesus zueilt. Um die Stirne trägt er eine Binde. Elisa folgt ihm mit mehr Ruhe.

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. X von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Apokalypse und Antichrist

Vorzeichen für das zweite Kommen Jesu

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: