„Bemüht euch, durch die enge Pforte einzutreten“

21/08/2010
(zum Sonntagsevangelium v. 22. August 2010: Lukas 13,22-30)

„… Wer Christus verfolgt und ihn verleugnet, wer nicht nach dem lebt, was er lehrt, wird keinen Anteil haben an seinem Reich“, sagt Thomas mit seiner mächtigen Stimme.

Einer zieht ihn am Ärmel, zeigt auf Jesus und fragt: „Ist er sehr streng?“

„Nein! Im Gegenteil, er ist zu gut.“

„Was meinst du, werde ich gerettet werden? Ich gehöre nicht zu den Jüngern. Aber du weißt, wie ich bin und wie ich immer an das geglaubt habe, was du mir gesagt hast. Aber mehr als das bin ich nicht imstand zu tun. Was genau muß ich tun, außer dem, was ich schon tue, um gerettet zu werden?“

„Frage ihn selbst. Er hat eine viel weichere Hand und ein sanfteres Urteil als ich.“

Der Mann wagt sich vor. Er sagt: „Meister, ich beachte das Gesetz, und seit Thomas mir deine Worte wiederholt hat, versuche ich, noch besser danach zu leben. Aber ich bin nicht sehr großzügig. Ich tue das, was ich unbedingt tun muß. Ich meide die Sünde, weil ich mich vor der Hölle fürchte. Aber ich liebe meine Bequemlichkeiten… Ich bekenne, daß ich darauf achte, nicht zu sündigen, aber es darf mich keine allzu große Anstrengung kosten. Wenn ich so handle, werde ich dann gerettet werden?“

„Du wirst gerettet werden. Aber warum so kleinlich sein mit Gott, der so großmütig ist? Warum erstrebst du mehr schlecht als recht die Rettung und strebst nicht nach großer Heiligkeit, die den ewigen Frieden sofort schenkt? Auf, Mann! Sei hochherzig mit deiner eigenen Seele!“

Der Mann sagt demütig: „Ich werde darüber nachdenken, Herr! Ich werde nachdenken. Ich fühle, daß du recht hast und daß ich meiner Seele unrecht tue,  wenn ich sie einer langen Reinigung unterwerfe, bevor sie zum Frieden gelangt.“

„Bravo! Dieser Gedanke ist schon der Beginn der Vervollkommnung.“

Ein anderer von Rama fragt: „Herr, werden es nur wenige sein, die gerettet werden?“

„Wenn der Mensch Achtung vor sich selbst und liebevolle Ehrfurcht vor Gott hätte, dann würden alle Menschen gerettet werden, wie Gott es wünscht! Aber der Mensch handelt nicht so. In seiner Torheit gibt er sich mit Flittergold ab, anstatt echtes Gold zu erwerben. Seid großzügig im Streben nach dem Guten. Kostet euch das etwas? Gerade darin liegt das Verdienst. Bemüht euch, durch die enge Pforte einzutreten, denn die andere, die weitgeöffnete geschmückte Pforte, ist eine Verführung Satans, um euch auf Abwege zu führen.

Demutspforte, Eingang zur Geburtskirche in Bethlehem

Die Himmelspforte ist eng, niedrig, kahl und schmucklos. Um hindurchzukommen, muß man beweglich, unbelastet, ohne Prunk und ohne Hang zur Materie sein. Ihr müßt geistig sein, um es zu schaffen, andernfalls werdet ihr, wenn einst die Stunde des Todes schlägt, nicht hindurchkommen. In Wahrheit wird man dann viele sehen, die einzutreten versuchen, aber es nicht können, weil sie mit materiellen Dingen überlastet sind, mit weltlichem Prunk geziert, verhärtet durch eine Kruste von Sünden, unfähig sich zu beugen wegen des Hochmuts, der ihr Rückgrat versteift.

Und dann wird der Herr des Reiches kommen und das Tor schließen, und diejenigen, die nicht zur rechten Zeit hindurchgehen konnten, werden vor dem Eingang stehen, anklopfen und schreien: „Herr, öffne uns! Auch wir sind da.“ Aber er wird sagen: „Wahrlich, ich kenne euch nicht, noch weiß ich woher ihr kommt.“ Und sie: „Aber wie? Erinnerst du dich nicht an uns? Wir haben doch mit dir getrunken und gegessen, und dir zugehört, als du auf unsren Plätzen lehrtest.“ Aber er wird antworten: „Wahrlich, ich kenne euch nicht. Je länger ich euch anschaue, desto mehr scheint ihr mir gesättigt zu sein mit dem, was ich als unreine Speise bezeichnet habe. Wahrlich, je mehr ich euch durchforsche, desto mehr erkenne ich, daß ihr nicht von meiner Familie seid. Wahrlich, jetzt erkenne ich, wessen Kinder und Untergebene ihr seid: die des anderen.

Ihr habt Satan zum Vater und das Fleisch zur Mutter, als Amme den Hochmut, als Knecht den Haß, als Schatz die Sünde und als Perlen die Laster. In euren Herzen steht geschrieben: ‚Selbstsucht‘, und eure Hände sind beschmutzt vom Raub an euren Brüdern. Fort von hier! Weichet von mir, ihr alle, die ihr Werkzeuge der Bosheit seid.“


Und dann, während aus der Tiefe der Himmel in strahlender Herrlichkeit Abraham, Isaak, Jakob und alle Propheten und Gerechten des Reiches Gottes erscheinen werden, werden jene, die keine Liebe gehabt, sondern nur Egoismus gekannt haben, die kein Opfer auf sich genommen, sondern sich ihrer eigenen Weichlichkeit ergeben haben, weit fortgejagt, verbannt werden an jenen Ort, wo ewiges Klagen herrscht und es nichts als Schrecken gibt.

Doch die glorreich Auferstandenen, die von Osten und Westen, von Norden und Süden gekommen sind, werden sich versammeln an der Hochzeitstafel des Lammes, des Königs des Reiches Gottes. Und dann wird es sich zeigen, daß viele, die als die „Geringsten“ im Heer der Erde galten, die Ersten sein werden unter den Bewohnern des Reiches. Und man wird auch sehen, daß nicht alle Mächtigen Israels Mächtige im Himmel sind und daß nicht alle der von Christus zu seinem Dienste Erwählten es verdient haben, zum Hochzeitsmahl geladen zu werden. Vielmehr werden viele, die als die „Ersten“ angesehen wurden, nicht einmal die „Letzten“ sein. Denn viele sind berufen, aber nur wenige imstand, aus ihrer Erwählung eine wahre Ehre zu machen.“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band VI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

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2 Antworten to “„Bemüht euch, durch die enge Pforte einzutreten“”

  1. Daniel Meyer Says:

    Maria Valtortas Gottmensch stand lange auf dem Index und Kardinal Ratzinger hat sich persönlich vor kurzem, als er noch Chef der Glaubenskongregation war, negativ über das Werk geäußert. Es könne keinesfalls als Privatoffenbarung des Herrn gesehen werden.

    Wer an solchen interessiert ist, dem empfehle ich eher
    http://www.sofc.org/BLUEBKI/bb1_ix.htm.

    • abitene Says:

      @Daniel: Die Position der Kirche so darzustellen, ist stark verkürzt und oberflächlich, so entsteht der Eindruck als sei die Kirche dagegen, dass das Werk gelesen wird, was NICHT der Fall ist:

      Nachdem Papst Pius XII 1947/48 eine maschinengeschriebene Kopie des Werkes gelesen und eine Veröffentlichung gutgeheissen hatte, wurden nach seinem Tod die daraufhin gedruckten vier Bände des Werkes im Jahr 1959 auf den Index gesetzt. Dieser wurde 1966 formell abgeschafft, tatsächlich stand das Werk also 7 Jahre auf dem Index.

      Was die Stellungnahme Kard. Ratzingers betrifft, sind seine beiden Briefe von 1985 und 1993 interessant: er schreibt darin, dass die Index-Entscheidung damals getroffen worden sei, um zu verhindern, dass die einfachen Gläubigen das Werk lesen und wünscht für die künftigen Veröffentlichungen den Zusatz „Visionen und Diktate nach persönlicher Art des Erzählens durch die Autorin“ und den Hinweis, dass nicht feststeht, ob es sich um ein übernatürliches Ereignis handelt (3. Kategorie der Privatoffenbarungen).

      Monsignore Tettamanzi, der damalige Generalsekretär der italienischen Bischofskonferenz, hat im Jahr 1992 geschrieben, dass das Werk niemandem, nicht einmal den einfachsten Gläubigen, schaden könne.

      Ein treuer Katholik kann die Bücher also guten Gewissens lesen, auch wenn die Anerkennung als Privatoffenbarung, sowie die Seligsprechung Maria Valtortas noch aussteht. Es ist doch auch klar, dass Satan überall Sand ins Getriebe streut, um die Verbreitung des Werkes zu verhindern, weil es die Gläubigen erleuchtet und stärkt und zahlreiche Bekehrungen erwirkt (bei uns zum Beispiel)!

      Danke jedenfalls für den Kommentar, ein Blogbeitrag zur Position der Kirche hinsichtlich Maria Valtorta steht schon lange aus und folgt in Kürze!


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