14. September: Fest des Kreuzesopfers

14/09/2010

 

Rundschreiben an die Freunde des Kreuzes (Hl. Ludwig Maria Grignion v. Montfort)

Die Wissenschaft des Kreuzes

Freunde des Kreuzes, Schüler eines gekreuzigten Gottes, die Lehre des Kreuzes ist ein Geheimnis, das den Heiden verborgen, von den Juden verworfen, von den Häretikern und den schlechten Katholiken verachtet wird, aber trotzdem ein großes Geheimnis ist, das man nur in der Schule Jesu Christi lernen kann.

Vergebens werdet ihr in allen Hochschulen des Altertums einen Philosophen suchen, der es gelehrt hätte, vergebens die Erfahrung der Sinne und das Licht der Vernunft zu Rate ziehen: Jesus Christus allein kann euch mittels seiner siegreichen Gnade dieses Geheimnis lehren und seine Süßigkeit verkosten lassen. Suchet daher Fortschritte zu machen in dieser erhabenen Wissenschaft unter der Leitung eines so großen Lehrers; bald werdet ihr alle anderen Wissenschaften erlangen, denn sie schließt alle anderen in höherer Weise in sich ein. Das ist die Frucht unserer natürlichen und übernatürlichen Philosophie, und das Ergebnis unserer göttlichen und geheimnisvollen Theologie. Das ist der Stein der Weisen, der bei geduldigem Ausharren das roheste Metall in Edelsteine, die ärgsten Schmerzen in Wonne, die Armut in Reichtum, die tiefsten Verdemütigungen in Ehre verwandelt. Wer unter euch am besten sein Kreuz zu tragen weiß, ist, selbst wenn er das ABC nicht könnte, der weiseste von allen.

Höret den hl. Paulus, welcher bei seiner Rückkehr aus dem dritten Himmel, wo er Geheimnisse schaute, die selbst Engeln verborgen sind, beseligt ausrief, dass er nichts anderes wissen wolle, als nur Jesus Christus, den Gekreuzigten. Freue dich, du einfacher, ungelehrter Mann, du arme Frau ohne Talent und ohne Wissenschaft! Wenn du mit Freuden zu leiden weißt, weißt du mehr als der gelehrteste Doktor der Sorbonne, der nicht so gut wie du zu leiden versteht. Ihr seid wahrhaft Glieder des Leibes Christi. Welche Ehre! Wie notwendig ist es aber für euch, in dieser Eigenschaft zu leiden.

Das Haupt ist mit Dornen gekrönt, und die Glieder sollten mit Rosen geschmückt sein? Das Haupt wird angespieen und auf dem Kreuzweg mit Kot beworfen, und die Glieder sollten weichlich auf Federn und Flaum gebettet sein? Das wäre ein unerhörter Widerspruch, eine sonderbare Missgestalt. Nein, teure Freunde des Kreuzes, täuschet euch nicht! Jene Christen, die ihr überall sehet, nach der Mode gekleidet, fein geschmückt, gebildet und eingebildet bis zum Übermaß, sind nicht die wahren Jünger, noch die wahren Glieder Jesu Christi, des Gekreuzigten. Ihr würdet diesem mit Dornen gekrönten Haupte und der Wahrheit des Evangeliums einen Schimpf antun, wenn ihr das Gegenteil glauben würdet. O mein Gott, wie viele Scheinchristen gibt es, welche sich für Glieder des Erlösers ausgeben, in Wahrheit aber seine Verräter und Verfolger sind, weil sie zwar mit der Hand das Zeichen des Kreuzes machen, in ihrem Herzen aber seine Feinde sind.

Wenn du vom gleichen Geiste geleitet wirst, wenn du ein ähnliches Leben führst wie Jesus Christus, dein ganz mit Dornen gekröntes Haupt, so mache dich auf Dornen, auf Geißelhiebe und Nägel, mit einem Worte, auf das Kreuz gefasst.

Denn es ist notwendig, dass die Schüler behandelt werden wie die Lehrer, die Glieder wie das Haupt. Und wenn der Himmel dir, wie der hl. Katharina von Siena, eine Dornenkrone und eine Rosenkrone anbieten würde, so wähle wie sie, ohne Bedenken, die Dornenkrone und drücke sie auf dein Haupt, um Jesus Christus ähnlich zu sein.

Auszug aus „Rundschreiben an die Freunde des Kreuzes“ in  „Das Goldene Buch“ vom hl. Louis Marie Grignon de Montfort. Neuauflage der ursprünglichen Übersetzung erschienen im Lins-Verlag, 6800 Feldkirch, Österreich

Die beiden Parteien

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