Hl. Rafael Arnaiz Baron (4)

06/10/2010

Hl. Rafael Arnaiz BaronAm 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

An seine Eltern von San Isidro de Duenas aus (Teil 2)

Darum, liebste Eltern, wenn ich hier im Kloster so glücklich bin, obwohl ich als einzigen Besitz nur einen Habit und einen weißen Mantel habe, und sehe, daß man nicht mehr benötigt, um glücklich zu sein auf Erden, dann denke ich an Euch. Dann habe ich das brennende Verlagen, Euch mitzuteilen, was ich verspüre, und Euch und meinen Geschwistern zu sagen: Sorgt Euch nicht um die Welt und ihre Geschäfte; beunruhigt Euch nicht wegen der Zukunft; überlaßt sie Gottes Hand; faßt keine Zuneigung zu den Dingen der Erde, denn das bedeutet

Zeitverlust! Wendet Euch an Gott, und in Ihm werdet Ihr Frieden finden – schon hier auf Erden und später im Himmel! Ich möchte Euch in gewissen Augenblicken meine Seele mitteilen und meine Liebe zu Gott, damit Ihr sehen könntet, daß Euer Sohn den wahren Weg gefunden hat und – wie das Evangelium sagt – einen Schatz, und daß er sich schnellstens daranmacht, ihn auszugraben. Aber gleichzeitig – da ich kein Egoist bin – möchte ich all meine Mitmenschen herbeirufen und ihnen sagen: „Kommt mit und seht, daß es wahr ist, was ich euch sage! Sucht Gott, und ihr werdet Ihn finden, und wenn ihr Ihn gefunden habt, dann seid sicher, daß nichts und niemand euch dazu bewegen kann, wieder von Ihm abzulassen!“

Gut, da ist mir die Predigt herausgerutscht! Ich weiß wirklich nicht, wie ich das anstelle. Wenn Ihr zu Besuch kommt, werde ich eine kleine Predigt und sonst noch einiges vom Stapel lassen.

Jetzt gehen wir die Vesper beten, denn es ist gleich vier Uhr.

Es scheint, daß ich mich langsam an die Kapuze gewöhne …, besser gesagt, langsam gewöhne ich mich an alles. Der Leib ist ein Gewohnheitstier; man muß ihn nur zu bändigen wissen.

Befolgt das, was Pater Magister Euch sagte, und kommt jetzt nicht, denn im Gästehaus ist es noch kalt! Aber im Frühjahr ist es hier sehr angenehm. (…)

Noch mehr Einzelheiten: ich kann schon mit all meiner charakteristischen Eleganz Kartoffeln schälen. Wenn Du im Leben der Heiligen lesen solltest, daß sie sich – als bedeutende Eigenschaft – niedrigen Diensten widmeten, nimm es nicht so ernst; denn in Wirklichkeit ist es nichts Besonderes, wenn man mit einem Besen umzugehen versteht, weil alles relativ ist. Wenn ich mir zu Hause im Treppenhaus eine Schürze umgebunden und der Pfortenfrau geholfen hätte, die Treppe zu putzen, wäre ich aufgefallen, so wie hier ein Herr auffiele, der im Refektorium wie in einem Café in die Hände klatschte, um den Kellner zu rufen … Hier fegen wir alle und helfen uns gegenseitig bei allem. Vergangene Woche war mein verehrter Pater Magister Tischdiener … Heute morgen half mir beim Einpacken der Schokolade ein ehrwürdiger Priester mit weißen Haar, und später diente ich ihm bei der Konventsmesse.

Aus weltlicher Sicht ist es also nicht so leicht, das Leben in der ‚Trapa‘ zu verstehen, da das weltliche Leben so ganz anders ist.

In bezug auf die Arbeit, das Essen und das Schlafen und ebenso auf dem Friedhof sind wir alle gleich …, auch wenn es eine Reihenfolge vom Pater Abt bis hin zum letzten Novizen gibt. Jeder hat seinen Platz, sein Amt und seine Würde. Das heißt, daß im Orden der Zisterzienser Hierarchie und Gleichheit miteinander verknüpft sind: er bildet – in gewisser Hinsicht – eine vollkommene Gesellschaft, auch wenn es um menschliche Dinge geht.

Wenn Du das Ave Maria von Gounod singst, denk bitte nicht an mich! Es ist besser, Du denkst an Maria; dann wirst du mehr Nutzen daraus ziehen, und es wird besser klingen.

Keine Erinnerung an mich soll Dich traurig stimmen, ganz im Gegenteil! Laß uns keine unnützen Tränen vergießen!

Immer wenn Dich die Erinnerung an mich traurig stimmt, denk an die Jungfrau Maria! Auch sie hatte viel aufzuopfern. Ich freue mich, daß Vater sich nicht aufgehalten hat. Wäre es anders gewesen, hätte man ihm erlaubt, mit mir zu sprechen, und das wäre sowohl für ihn als auch für mich sehr schwer gewesen. Es ist nicht gut, wenn man die Dinge gewaltsam angeht. Ihr werdet natürlich verstehen, daß mein Noviziat die Zeit der größten Zurückgezogenheit in meinem Ordensleben ist.

Kurz und gut, auch ich hätte Euch vieles zu erzählen und möchte mein Herz am liebsten ausschütten auf dem Papier, aber Ihr müßt Euch mit der guten Absicht begnügen. Ich will diesen Brief beenden, der schon länger geworden ist, als er eigentlich sollte. Das Übrige hebe ich also für das nächste Mal auf.

Verteilt in meinem Namen alles, was Ihr wollt, und seid ganz lieb gegrüßt von Eurem Sohn

Br. M. Rafael


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