Hl. Rafael Arnaiz Baron (13)

18/02/2011

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

An seine Tante Maria, Herzogin von Maqueda, von Oviedo aus

11. November 1935 – Montag – im Alter von 24 Jahren

(TEIL 2)

(zurück zu TEIL 1 dieses Briefes)

Wie einfältig bin ich, mein Gott! Wie wirst du über mich lachen, liebste Schwester! Aber das macht mir nichts aus. Ich habe mir vorgenommen, Dich dahin zu bringen, die Gottesmutter sehr zu lieben, weil ich erkenne, dass es das erste ist, was du tun musst, um heilig zu werden. Und da dir noch viel fehlt, sage ich Dir: der schnellste Weg, um anzufangen Gott zu lieben, ist der, Seine Mutter innig zu lieben. Siehst du einen anderen? Sag es mir mit aller Klarheit, so wie ich es auch Dir deutlich sage! Zeig mir meine Fehler oder wenigstens diejenigen, die Du beobachtet hast! Ich tue es auch bei Dir.

Beim Aufstieg müssen wir viele Dinge nach und nach abschleifen und andere aufgreifen, die uns zur Erklimmung des Berges der Vollkommenheit erforderlich sind. Manchmal genügen wir uns nicht selbst, um uns wirklich zu kennen, und wenn wir in den anderen nur Vollkommenheiten und Tugenden sehen und es ihnen auch noch sagen, haben wir eine falsche Liebe zu ihnen – jedenfalls kommt es mir so vor. Und was Dich und mich betrifft, sind wir so gering und so armselig und elend, dass es wirklich eine Schande ist, dass wir – mit allem, was uns Gott gegeben hat – noch nicht heilig sind.

Wie ist es nur möglich, mein Gott, so zu leben? Wie ist es möglich, so vielen Gnaden, so vielem Trost, so vielem Licht und so grosser Klarheit, wie Du uns schenkst, zu widerstehen? Sehr elende Wesen müssen wir sein, wenn Du uns, damit wir Dich ein wenig lieben, so unendlich viel geben musst. Wieviel Geduld bringst Du auf, Herr! Anderen hätte der hundertste Teil genügt von dem, was Du uns gibst, um sich Dir ganz zu schenken… Und doch: trotz unseres Widerstandes Deiner Gnade gegenüber gibst Du nicht nach und bestehst hartnäckig darauf, Dein Werk fortzusetzen und ein wenig Liebe von uns zu bekommen. Wie blind sind wir, wie schwerfällig! Wieviel Lehm und Schmutz haften an uns, die uns daran hindern, Dir entgegenzufliegen!

Aber es ist nie zu spät, mein Gott. Jetzt geben wir Dir voll und ganz das, wozu wir vorher so lange gebraucht haben, es Dir zu überlassen. Einverstanden, Tante Maria? Wie armselig sind wir, und wie sehr liebt uns Gott! Nie werden wir es ganz verstehen. Lass uns jetzt tun, was wir können, denn der Herr ist schon mit wenig zufrieden!

Bruder Rafael mit seiner Tante Maria

Heute habe ich den Herrn gefragt, ob ich Dir das alles schreiben soll. Es sieht aus, als habe Er mir zu verstehen gegeben, dass wir – wenn Er durch uns etwas in einer Seele wirken kann – grossmütig sein sollen und uns anbieten müssen und nicht das „Licht unter den Scheffel stellen“ dürfen. Ich versichere Dir, liebe Schwester, der Herr hat mir so viel Licht gegeben, dass ich nicht weiss, was ich anfangen soll. Wenn ich es nur irgendwie mitteilen könnte! Trotz allem bin ich so glücklich! Der Herr ist so gut zu mir! Tante Maria, ich habe Angst! Ich weiss nicht, was mit mir los ist!

Gut, ich will Dir nicht von mir reden. Wozu? Ich sage Dir aber, dass es mir gesundheitlich weiterhin gut geht. Jetzt passe ich besser auf mich auf. Mein Leib gehört nicht mir, sondern Gott, und wenn ich ihn in Seinen Dienst stellen will, muss er so gesund wie möglich sein, obwohl das nicht so wichtig ist. Ich zähle schon die Tage… Hier läuft alles ganz normal.

Ist Onkel Polin aus Toro zurück? Auch wenn es Dir schwerfällt, erzähl mir alles, was Euch betrifft, weil es auch mich angeht! Wie geht’s Pili? Oft denke ich an Euch alle und besonders an Dich. Nun gut, wie gross ist Gott, und was lässt Er nicht alles zu! Er wird wissen, warum.

Die Aufmerksamkeit mit dem Bildchen, das Du mir schicktest, ist eine Aufmerksamkeit Gottes. Wie gut bist Du! Ich habe nichts, was ich Dir senden könnte, es sei denn das Salve, das ich Dir versprach. Ich weiss nicht, ob Du es lesen kannst; das Bildchen ist nichts wert. P. Vicente, ein Trappist, gab es mir, als ich die Abtei verliess, damit ich die Gottesmutter nicht vergessen sollte. Jetzt, wo ich dorthin zurückkehre, ist es vielleicht Dir von Nutzen. Als ich so krank war, habe ich oft vor diesem Bild geweint und an die ‚Trapa‘ gedacht… Was will man machen? Das sind Schwächen… Gott lässt sie zu, und wer hat sie nicht?

In diesen Tagen schreibe ich Dir häufiger, und das tröstet mich sehr: auch eine Schwäche!

Gut, ich höre auf. Heute habe ich überhaupt keine Zeit. In einem der nächsten Briefe erzähle ich Dir von meinem Leben zu Hause und von dem, was ich tue, damit wir dann unsere Gebetszeiten aufeinander abstimmen können. Für heute verabschiede ich mich. Antworte mir, auch wenn es nur mit zwei Zeilen ist. Tust Du es?

Nimm an die riesengroße Liebe zu Dir von Deinem

Bruder Maria Rafael

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