Das Guttenberg-Komplott

22/02/2011

Eine Hypothese

1. Die Dissertation des Freiherrn zu Guttenberg ist offenbar zu großen Teilen ein Mosaik aus Textfragmenten, die aus fremder Feder stammen, doch nicht als solche gekennzeichnet sind. Die FAZ spricht von „strategischem Vorgehen“ und nennt jenes virtuose Flechtwerk ungenannter Quellen eine „aufwendige und liebevoll hergestellte Täuschung“. Die FAZ folgert: „Wer hier am Werk war, wusste, was er tat, und dass es nicht gestattet ist.“

Guttenbergs Stellungnahme am heutigen Montagabend in Kelkheim, sein Verzicht auf den Doktortitel, da seine Arbeit wissenschaftlichen Standards nicht genüge, Fehler enthalte und er beim Verfassen den Überblick über die Quellen verloren habe, kommt wenig überzeugend rüber. Also?

2. Wir folgern: der Freiherr kann unmöglich selbst hier am Werk gewesen sein. Karl-Theo mit seiner Gelfrisur mag zwar etwas geleckt daherkommen, aber unehrenhaft wirkt er nicht, siehe sein familiäres Umfeld, seine Erziehung, seinen Lebenswandel. Guttenberg gibt es ja bislang nicht zu, aber der Betrug von seiner Seite besteht vielleicht eher im – unrechtmässigen – Engagement eines Ghostwriters. Oder, die mildere Variante, in allzu blindem Vertrauen auf die ausgeweiteten Dienste eines „wissenschaftlichen Assistenten“, welcher vielleicht bewusst beauftragt wurde, die Dissertation auf eben diese dreiste, wenn auch raffinierte Art zu „komponieren“. Falls es sich so verhält, kam dieser Auftrag aber sicher nicht von Guttenberg selbst. Einen fremdverfassten Text als einen eigenen auszugeben ist aber so oder so unehrenhaft – hier beisst sich die Katze in den Schwanz.

Vielleicht ist Guttenbergs überraschende Erkenntnis über die Qualitätsmängel seiner Wochenendlektüre  tatsächlich eine Überraschung gewesen. Vielleicht hat der vielbeschäftigte Jungpolitiker und Familienvater die Arbeit damals tatsächlich keiner so genauen Prüfung unterzogen, ganz sicher keiner Plagiatsprüfung, wie sie zur Zeit geschieht. Nein, ihm wurde die Seriosität des „Assistenten“ zugesichert, und er hat sich darauf verlassen. Warum aber würde jemand dem Freiherrn einen solchen Fallstrick legen wollen?

3. Guttenbergs Ansichten und die seines unmittelbaren parteipolitischen Umfelds, bezüglich Deutschlands Rolle in der EU und der EU-Politik im Allgemeinen, passen nicht zur Schiene, die die CDU und Frau Merkel fahren. Im Anhang der Dissertation heißt es u.a. über die damals noch im Entwurfsstadium befindliche EU-Verfassung: „Es muss verhindert werden, dass es zu einer zentralen Steuerung der Wirtschaftspolitik kommt.“, S. 409. Genau das aber wird inzwischen auf jedem G20-Gipfel lautstark gefordert, und nicht nur da.

Auszug Guttenberg-Dissertation, S. 409

Weiters fragt sich, ob Merkel vornehmlich da so brav im Gleis bleibt, weil sie mit ihrer – angeblich nicht existenten – Stasi-Akte erpressbar ist. Sie war politisch kein unbeschriebenes Blatt, als sie kurz nach dem Mauerfall ihre kometenhafte Karriere in der BRD-Regierung begann. Auch wenn sie sich zunächst meist gegen die Vorstöße zu mehr EU-Kollektivkontrolle wehrt, am Ende knickt sie ja doch ein. Derzeit stärkt sie Guttenberg den Rücken: Wie lange noch? Deutschlands Interessen, soviel steht fest, vertritt Merkel schon lange nicht mehr.

Weiterlesen:

Karl Theo zu Guttenberg und seine Ansichten zur EU-Politik

Angela Merkels DDR-Vergangenheit I

Angela Merkels DDR-Vergangenheit II

War ein Ghostwriter am Werk?

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2 Antworten to “Das Guttenberg-Komplott”

  1. SK Says:

    Im Bemühen, v. Guttenberg zu schützen, schießt Du hier ein Eigentor. Wenn er in seiner Arbeit fremde Werke zitiert hat, ohne dies kenntlich zu machen und so als seine eigene Leistung ausgegeben hat, ist das ein Grund, die Arbeit mit „ungenügend“ zu bewerten und ihm nachträglich den Doktortitel abzuerkennen. Das ist Sache der Uni Bayreuth und dürfte nach v. Guttenbergs Erklärung wohl auch ohne weitere Detailprüfung erfolgen.
    Wenn v. Guttenberg aber einen „Ghostwriter“ hat arbeiten lassen und die Dissertation oder auch nur Teile davon von einer anderen Person verfasst und anschließend von v. Guttenberg als seine Arbeit eingereicht wurde, liegt der Tatbestand des Betrugs vor und der Staatsanwalt muss tätig werden!

    • perpetualux Says:

      Ja, das Engagement eines Ghostwriters wäre wohl wenig ehrenhaft, sogar strafbar, wie du schreibst. Wie auch immer sich der Fall aufklären wird, selbst geschrieben oder schreiben lassen: falls jemand Guttenberg schaden wollte und daher die Nachforschungen über die Dissertation ins Rollen gebracht hat, ist ihm das gelungen.


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