Erdogan-Besuch

01/03/2011

Auszug aus dem Interview mit dem Union-Franktionschef Volker Kauder, in der Rheinischen Post vom 26.02.2011:

Volker Kauder

Am Sonntag kommt der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan nach Deutschland. Gerade wurde das Eigentum eines christlichen Klosters in der Türkei enteignet. Wie bewerten Sie das?

Kauder Ich verlange von der EU, dass in den Gesprächen über eine Aufnahme der Türkei keine neuen Verhandlungskapitel eröffnet werden, solange die Türkei nicht die volle Religionsfreiheit gewährleistet. Die Türkei muss sich hier nicht mehr nur an Worten, sondern an klaren Zeichen messen lassen. Dazu gehört für mich, dass die griechisch-orthodoxen Christen ihre Priester wieder in der Türkei ausbilden dürfen.

Auch Mor Gabriel ist ein kritischer Punkt. Ich habe den Eindruck, dass die aramäischen Christen hier bewusst bedrängt werden, um aus einem aktiven Kloster ein stilles Museum zu machen. Die Situation muss politisch befriedet werden. Ich würde mich freuen, wenn der türkische Ministerpräsident Erdogan auf seinem Deutschlandbesuch an diesem Wochenende hier einmal ein klares Wort sagt. Die Türkei sollte sich zu wahrer Toleranz gegenüber allen Religionen verpflichten, gerade gegenüber dem Christentum, das in der Türkei eine ihrer Wurzeln hat.

Wie zu erwarten, hat der türkische Ministerpräsident Erdogan auch diesmal bei seinem Besuch die in Deutschland lebenden Türken aufgewiegelt: er sprach sich erneut gegen „Assimilierung“ aus („Niemand kann uns unsere Kultur wegnehmen“) und forderte, dass türkischstämmige Kinder als erste Sprache Türkisch und dann erst Deutsch lernen sollen. Vielen Dank, das wird die verzweifelten Lehrer an den deutschen Schulen nicht ermutigen, geschweige denn zu besseren Ausbildungschancen und Integration beitragen. Für die Christen in der Türkei gelten allerdings andere Regeln, deren Kultur wird gnadenlos zerstört.

Auch die Aussage Erdogans, die Türkei sei die Schutzmacht für alle Türken in Deutschland und Libyen ist eine bodenlose Unverschämtheit! Hans-Peter Friedrich von der CSU spricht Klartext: „Erdogan geht es nicht darum, dass Auswanderer aus der Türkei sich ihrer Heimat möglichst lange verbunden fühlen. Er will sie als Interessenvertreter der Türkei in Deutschland missbrauchen.“

Gott sei Dank fällt der für heute vorgesehene Besuch Erdogans in Brüssel, bei dem es um den EU-Beitritt der Türkei gehen sollte, wegen der Beerdigung des ersten islamistischen Regierungschefs der Türkei ins Wasser. Der französische Präsident Sarkozy fiel letzte Woche übrigens positiv auf: er sprach sich erneut gegen einen EU-Beitritt der Türkei aus.

Broschüre der Unionsfraktion „Religionsfreiheit verteidigen, Christen schützen“

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