Zeit und Ewigkeit (II) – Das Gleichnis von den Talenten

10/05/2011

Unter Talent verstehen wir eine Begabung, eine Fähigkeit, etwas besonders gut zu tun. Es fällt uns leichter, das zu tun, worin wir talentiert sind. Man möchte daher meinen, dass jeder also seine Talente ausbaut und sich zu Nutzen macht. Und doch, wie oft lassen wir sie einfach links liegen, oder sie gehen verschüttet im Hürdenlauf des Alltags. Das biblische Gleichnis von den Talenten mag eine Mahnung sein, ihnen mehr Beachtung zu schenken und diese Gaben entsprechend auch einzusetzen. 

Gegenüber Maria Valtorta erklärt Jesus das Gleichnis aber noch in einem anderen Sinne. Das Talent, das jeder erhält, ist unser „Begrüssungsgeld“ in Ewigkeitswährung. Seine Höhe richtet sich nach der uns zur Verfügung stehenden Zeitspanne, die wir hier auf Erden haben. Und am Ende unseres Lebens heisst es dann: „Was hast du aus deinem Leben gemacht?“  

Jesus sagt: „Jedes lebende Wesen und alle Dinge der Lebewesen sterben dahin und verschwinden ohne Wiederkehr. Freude, Schmerz, Gesundheit, Krankheit, Leben sind Episoden, die sich früher oder später verflüchtigen und in dieser Form niemals wiederkehren. Freude und Schmerz, Gesundheit oder Krankheit können in anderer Gestalt und unter anderem Gesicht wiederkehren. Aber diese bestimmte Freude, dieser bestimmte Schmerz, diese Krankheit, diese Gesundheit kehren nicht wieder. Sie sind Augenblicksdinge. Ist der Augenblick vorüber, kommt ein anderer, ähnlicher herbei, aber niemals wieder dieser.

Und das Leben… Oh! das Leben, einmal vergangen, kommt es nicht wieder. Es ist euch eine Ewigkeitsstunde geschenkt, ein Ewigkeitsaugenblick, um die Ewigkeit für euch zu erobern.

Hast du niemals darüber nachgedacht, dass es dieses Motiv sein könnte, das dem Gleichnis von den Talenten bei Lukas zu Grunde liegt?

Es wird euch ein Talent der Ewigkeitswährung übergeben. Der Herr vertraut es euch an und sagt: „Nun geht. Wirtschaftet mit eurem Talent, bis ich wiederkomme. Und bei seiner Wiederkehr, vielmehr bei eurer Rückkehr zu Ihm, fragt Er euch: „Was hast du mit dem erhaltenen Talent angefangen?“ Dann kann der getreue Knecht glücklich antworten: „Hier, mein König. Mit diesem Ewigkeitstalent habe ich dies, dies und das gearbeitet. Und nicht auf Grund meiner Berechnung, sondern wegen des Wortes des hl. Evangeliums weiss ich, das Zehnfache dafür verdient zu haben.“ Und der Herr sagt diesem: „Du tüchtiger treuer Knecht! Weil du über Weniges getreu warst, soll dir Macht über zehn Städte gegeben werden, und in deinem Falle sollst du, weil du so gearbeitet hast, wie du mehr und besser gar nicht konntest, unverzüglich hier regieren, wo Ich in Ewigkeit regiere.“

Ein anderer, von Gott Gerufener, wird sagen: „Mit Deinem Talent habe ich dies und das angefangen. Schau nach, mein König, was über mich geschrieben steht.“ Und Ich werde ihm sagen: „Tritt auch du ein, denn du hast auf die Weise und soviel du vermochtest, gearbeitet.“

Aber dem, der Mir sagen wird: „Hier ist dein Talent, so wie Du es mir übergeben hast. Ich habe keinen Handel damit getrieben, weil ich mich vor Deiner Gerechtigkeit fürchtete“, werde Ich erwidern: „Geh und lerne die Liebe kennen im Reinigungsort und arbeite dort, um dir das Reich zu erobern, denn du warst ein fauler Knecht und hast dich auch nicht gemüht zu erkennen, wer Ich bin; du hast Mich als ungerecht verdächtigt und an Meiner göttlichen Gerechtigkeit gezweifelt und vergessen, dass Ich göttliche Liebe bin. Dein Talent soll nun in Sühneleistung umgewandelt werden.“

Dem hingegen, der mit diesen Worten vor Mich hintritt: „Ich habe dein Talent verschwendet und habe es mir damit wohl sein lassen, denn ich glaubte nicht, dass es dieses himmlische Reich wirklich gäbe, und habe lieber den mir geschenkten Augenblick geniessen wollen“, werde Ich entrüstet erwidern: „Du törichter und gotteslästerlicher Knecht! Mein Geschenk soll dir fortgenommen werden und wieder in den Ewigen Schatz zurückfallen, du aber, geh dorthin, wo Gott nicht ist und es kein ewiges Leben gibt, denn es war dein Wille, nicht zu glauben, sondern zu geniessen. Du hast es genossen. Du hast also bereits deine seelenlose Fleischeslust gehabt. Genug. Das Reich der Ewigkeit bleibt dir für immer verschlossen.“

Wie viele Male müsste ich diese Worte donnern, wenn Ich lediglich göttliche Gerechtigkeit wäre! Aber die göttliche Liebe ist grösser als Meine Gerechtigkeit. Die eine wie die andere sind vollkommen. Die Liebe ist jedoch Mein Wesen und steht über allen anderen Vollkommenheiten. Deswegen lasse Ich dem Sünder Zeit und wirke auf eine solche Weise, dass der Schuldige nicht ganz und gar verloren gehe.“

Auszug aus “Die Hefte 1944″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

Zu Teil I

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