Vier Arten von Äckern – vier Arten von Seelen

10/07/2011

(zum Sonntags-Evangelium vom 10. Juli 2011: Mt 13,1-23)

„… Jetzt hört den Sinn des Gleichnisses:

Wir haben vier verschiedene Arten von Äckern: die fruchtbaren, die dornigen, die steinigen und die von vielen Wegen durchzogenen. So haben wir auch vier Arten von Seelen.

Wir haben die ehrlichen Seelen, die Menschen guten Willens, die durch ihren guten Willen und das Wirken eines wahren Apostels vorbereitet sind; denn es gibt Apostel, die zwar den Namen, aber nicht den Geist eines Apostels besitzen. Dies wirkt sich auf die Bereitschaft des Willens der ihnen anvertrauten Seelen schädlich aus, noch schädlicher, als es die Vögel, die Dornensträucher und die Steine für die Getreidefelder sind. Mit ihrer Unnachgiebigkeit, ihrer Hast, ihren Vorwürfen, ihren Drohungen verwirren sie so sehr, dass sich die betroffenen Menschen für immer von Gott abwenden. Andere hingegen tun das Gegenteil mit ihrem ständigen wohlwollenden Begießen – einer Methode, die fehl am Platz ist – und bringen dadurch den Samen im weichen Erdreich zum Faulen. Sie schwächen mit ihrer Weichlichkeit die Seelen, um die sie sich bemühen. 

Doch bleiben wir bei den wahren Aposteln, bei den getreuen Abbildern Gottes. Sie sind väterlich, barmherzig, geduldig und zugleich stark wie der Herr. Nun, die durch sie und den eigenen guten Willen vorbereiteten Seelen sind mit den fruchtbaren Äckern zu vergleichen, frei von Steinen, Dornenbüschen, Unkraut und Ungeziefer, in denen das Wort Gottes gedeiht und jedes Wort zu einem Samen wird, der in der Ähre hundert-, sechzig- oder dreissigfach Frucht bringt. Sind solche Menschen unter denen, die mir nachfolgen? Gewiß, und sie werden Heilige sein. Unter ihnen wird es Leute aus allen Ständen und allen Ländern geben, auch Heiden, die durch ihren eigenen guten Willen oder durch den guten Willen eines Apostels oder Jüngers, der sie vorbereitet hat, hundertfach Frucht bringen werden.

Die dornigen Felder sind jene, in denen die menschliche Nachlässigkeit ein ganzes Dickicht von persönlichen Interessen hat wuchern lassen, die den guten Samen ersticken. Man muss sich ständig selbst überwachen, immerfort, immer, immer! Nie darf man sagen: „Oh, nun bin ich geschult, der Samen hat bei mir Wurzeln geschlagen, und ich kann beruhigt sein, dass ich Samen des ewigen Lebens hervorbringen werde.“ Man muss sich beobachten: Der Kampf zwischen Gut und Böse geht ununterbrochen weiter. 

Habt ihr jemals Ameisen betrachtet, die sich in einem Haus einnisten? Sie machen sich an den Herd. Die Hausfrau lässt daraufhin keine Lebensmittel mehr dort stehen, sondern stellt sie auf den Tisch. Doch die Ameisen wittern den Geruch und stürmen auf den Tisch. Die Frau stellt die Speisen in den Schrank, und die Ameisen schlüpfen durch das Schlüsselloch in den Schrank. Die Frau hängt ihre Vorräte an der Decke auf, und die Ameisen machen den langen Weg der Wand und dem Gebälk entlang und den Strick hinunter, um schliesslich dort über sie herzufallen. Die Frau verbrüht und vergiftet sie. Dann ist sie beruhigt im Glauben, alle vernichtet zu haben. Doch welch eine Überraschung, wenn man nicht wachsam ist! Aus den Eiern sind wieder Ameisen ausgeschlüpft, und es fängt von vorne an. 

Solange man lebt, muss man sich selbst überwachen, um das Unkraut beim ersten Erscheinen auszujäten. Andernfalls bildet sich ein Dickicht aus dornigem Gestrüpp, unter dem die Saat erstickt. Die weltlichen Sorgen, der trügerische Reichtum sind es, die dieses wirre Gestrüpp schaffen, die Pflanze des Sames Gottes ersticken und die Bildung von Ähren verhindern.

 

Nun die Äcker voller Steine! Wie viele solcher Äcker gibt es in Israel! Es sind die der „Kinder des Gesetzes“, wie mein Vetter Judas sehr genau gesagt hat. In ihnen ist nicht der einzige Stein des Zeugnisses, der Stein des Gesetzes, sondern vielmehr ein Haufen erbärmlicher, kleiner Gesetze, die der Mensch ersonnen hat. Unzählige Gesetzchen, die mit ihrem Gewicht auch den Stein des Gesetzes zum Splittern gebracht haben. Ein Trümmerhaufen, der jedes Wurzelfassen des Samens verhindert. Der Wurzel fehlt die Nahrung. Sie hat keine Erde und keinen Saft mehr. Das Wasser, das sich auf dem steinigen Grund ansammelt, lässt die Pflanze verfaulen; und die Sonne macht die Steine glühend heiss, und die Pflänzchen verbrennen. Es sind dies jene Menschen, die die einfache Lehre Gottes durch komplizierte menschliche Lehren ersetzen. Sie nehmen mein Wort zwar freudig, sind wohl auch zuerst beeindruckt und begeistert. Doch dann… wäre Heldentum nötig, um das Feld, nämlich Seele und Geist, von allen Steinhaufen der Phrasendrescherei zu säubern. Nur dann könnte der Same Wurzel fassen und sich zu einer kräftigen Pflanze entwickeln. So aber verkümmert sie! Es genügt die Angst vor menschlichen Vergeltungsmaßnahmen oder die Überlegung: „Ja, und dann? Was habe ich dann von den Mächtigen zu gewärtigen?“ Und der arme, nahrungslose Same kann nicht gedeihen. Es genügt, dass der ganze Steinhaufen mit dem eitlen Gedröhn der hundert und aberhundert Vorschriften, die das Gesetz ersetzt haben, in Bewegung gerät, und der Mensch geht mit dem Samen darin zugrunde… Israel ist voll von solchen Menschen. Dies erklärt, wie das Sich-Hinwenden zu Gott von der menschlichen Macht wegführt und in entgegengesetzten Richtungen verläuft.

Als letztes, die staubigen, kahlen Felder voller Wege: Es sind die der Lebemenschen, der Egoisten; ihre Bequemlichkeit ist ihnen Gesetz, das Vergnügen ihr Lebensziel. Sich nicht anstrengen, schlummern, lachen, essen… Ihr König ist der Geist der Welt. Der Staub der großen Welt bedeckt das Erdreich, das zum unfruchtbaren Acker wird. Die Vögel, d.h. der Mensch in seiner vielfältigen Gier nach Genuss, stürzt sich auf alle offenen Wege, um das Leben zu erleichtern. Der Weltgeist, d.h. der Böse, pickt alle Samen auf, die auf das der Fleischeslust und Leichtfertigkeit zugängliche Feld fallen, und vernichtet sie.

Habt ihr verstanden? Habt ihr noch andere Fragen? Nein? Dann können wir uns zur Ruhe begeben, um morgen nach Kapharnaum zu gehen. Ich muss noch einen Ort besuchen, bevor ich die österliche Reise nach Jerusalem antrete.“

„Werden wir an Arimathäa vorbeikommen?“ fragt Iskariot.

„Das ist nicht sicher. Je nach… „

Da klopft jemand stürmisch an die Tür.

„Wer kann das sein zu dieser Stunde?“ fragt Petrus und steht auf, um zu öffnen.

Es ist Johannes, ganz erschöpft, mit Staub bedeckt und deutlichen Tränenspuren im Gesicht.

„Du bist hier?“ rufen alle. „Aber was ist geschehen?“

Jesus, der sich erhoben hat, fragt nur: „Wo ist die Mutter?“

Johannes kniet vor dem Meister nieder, streckt ihm hilfesuchend die Arme entgegen und sagt: „Der Mutter geht es gut, aber sie vergiesst Tränen wie ich und viele andere, und sie bittet dich, nicht dem Jordan auf unserer Seite zu folgen. Sie hat mich deshalb zurückgeschickt, weil… weil Johannes, dein Vetter, gefangengenommen wurde.“ Johannes weint, während die Anwesenden durch die Nachricht in Aufregung geraten sind.

Jesus erbleicht, doch er bleibt ruhig. Er sagt nur: „Steh auf und erzähle.“ (…)

Auszug aus “Der Gottmensch″ Bd. III von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch

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