Die erste wunderbare Brotvermehrung (Teil 1)

31/07/2011

(zum Sonntags-Evangelium vom 31. Juli 2011: Mt 14,13-21)

(…) „Meister, der Abend nähert sich. Der Ort ist einsam, fern von Häusern und Dörfern, dunkel und feucht. Bald wird man sich hier nicht mehr sehen und nicht einmal mehr gehen können. Der Mond geht spät auf. Entlasse die Menschen, damit sie nach Tarichäa oder in die Dörfer am Jordan gehen und sich Nahrung kaufen und ein Obdach suchen können.“

„Es ist nicht nötig, dass sie weggehen. Gebt ihr ihnen zu essen. Sie können hier schlafen, wie sie hier geschlafen haben, als sie auf mich warteten.“

„Wir haben nur noch fünf Brote und zwei Fische, Meister. Du weißt es.“

„Bringt sie mir!“

„Andreas, geh und suche den Knaben. Er hat die Aufsicht über die Tasche. Soeben war er noch mit dem Sohn des Schriftgelehrten und zwei anderen Knaben zusammen; sie haben sich Blumenkränze gemacht, weil sie König spielen.“

Andreas geht rasch weg. Auch Johannes und Philippus suchen Margziam in der Menge, die ständig in Bewegung ist. Sie finden ihn fast gleichzeitig, mit dem Sack mit den Lebensmitteln auf dem Rücken, einem blühenden Zweig um den Kopf und einem Gürtel von Waldreben, von dem als Schwert ein Schilfrohr herabhängt. Bei ihm sind sieben weitere, ebenso aufgeputzte Kinder. Sie bilden das Gefolge des Sohnes des Schriftgelehrten, eines sehr zarten Knaben mit ernstem Blick, der viel gelitten haben muss. Er ist reichlicher geschmückt als die anderen und spielt den König.

„Komm, Margziam, der Meister will dich haben!“

Margziam läßt die Freunde stehen und eilt weg, ohne seine blumigen Ehrenzeichen abzulegen. Aber die anderen folgen ihm, und bald darauf ist Jesus von einer kleinen Gruppe blumengeschmückter Knaben umgeben. Er liebkost sie, während Philippus aus dem Sack ein Bündel mit dem Brot und zwei dicken Fischen holt; etwa zwei Kilo Fisch. Sie würden nicht einmal für die siebzehn, mit Margziam eigentlich achtzehn Personen des Gefolges Jesu reichen. Sie bringen Brot und Fisch zu Jesus.

„Gut! Bringt mir jetzt Körbe. Siebzehn, so viele ihr seid. Margziam soll an die Kinder Brot und Fisch austeilen…“ Jesus blickt den Schriftgelehrten scharf an, der immer noch in seiner Nähe steht, und fragt ihn: „Willst auch du unter die Hungrigen Speisen verteilen?“

„Ich würde es gerne tun, doch ich habe selbst nichts.“

„Gib von dem Meinen, ich erlaube es dir.“

„Aber… hast du denn die Absicht, fünftausend Männer und dazu noch die Frauen und die Kinder mit diesen zwei Fischen und fünf Broten zu speisen?“

„Ohne Zweifel! Sei nicht ungläubig! Wer glaubt, sieht, wie das Wunder geschieht!“

„Oh, dann möchte ich auch helfen, die Speisen zu verteilen!“

„So lass dir einen Korb geben.“

Die Apostel kommen mit hohen, schmalen, niedrigen und breiten Körben zurück. Der Schriftgelehrte bringt einen ziemlich kleinen Brotkorb. Man sieht, dass sein Glaube oder sein Unglaube ihn diesen hat aussuchen lassen, da er meint, keinen größeren zu brauchen.

„Gut! Stellt sie alle vor mich hin. Die Leute sollen sich in Reihen hinsetzen, so gut es geht.“

Während dies geschieht, hebt Jesus das Brot mit den Fischen darauf zum Himmel, opfert beides auf, betet und segnet es. Der Schriftgelehrte lässt ihn keinen Moment aus den Augen. Dann bricht Jesus die fünf Brote in achtzehn Teile, mach auch aus den Fischen achtzehn Stücklein und legt davon je eines in jeden Korb. Aus den Brotstücken macht er je zwanzig Brocken, nicht mehr, und legt sie wieder in die Körbe. 

„Nun nehmt die Körbe, verteilt, bis alle satt sind. Geh, Margziam, und teile an deine Spielgefährten aus.“

„Uh, wie schwer er ist!“ sagt Margziam, als er seinen Korb nimmt und damit gleich zu seinen kleinen Freunden geht. Er geht gebeugt, als sei er schwer beladen.

Die Apostel, die Jünger, Manaen und der Schriftgelehrte sehen ihm, unsicher geworden, nach… Dann nehmen auch sie ihre Körbe, blicken sich kopfschüttelnd an und sagen: „Das Kind scherzt! Sie wiegen nicht mehr als zuvor.“

Der Schriftgelehrte schaut in seinen Korb und greift mit der Hand hinein; denn es ist bereits dunkel im Dickicht, in dem Jesus sich befindet, während es auf der Lichtung noch halbwegs hell ist. Trotz der Bestätigung ihrer Zweifel gehen sie auf das Volk zu und beginnen auszuteilen. Und sie verteilen, verteilen und verteilen. Ab und zu wenden sie sich erstaunt um, und blicken auf Jesus, der in immer größerer Entfernung und mit verschränkten Armen an einem Baum lehnt, während er über ihr Erstaunen fein lächelt.

Sie verteilen lange und reichlich… Margziam, der einzige, der nicht verblüfft ist, lacht fröhlich, während er den Schoß vieler armer Kinder mit Brot und Fischen anfüllt. Er ist auch der erst, der zu Jesus zurückkommt und sagt: „Ich habe viel, viel, sehr viel gegeben… denn ich weiss, was Hunger ist…!“ Er hebt sein jetzt nicht mehr mageres Gesichtlein, erbleicht und reißt die Augen auf… Doch Jesus liebkost ihn, und das Lächeln kehrt wieder auf das Kindergesicht zurück, das sich vertrauensvoll an Jesus, seinen Lehrer und Beschützer, schmiegt.

Langsam kommen auch die Apostel und Jünger zurück, stumm vor Staunen. Der letzte ist der Schriftgelehrte, der auch nichts sagt, aber eine Geste macht, die mehr ausdrückt als eine lange Rede. Er kniet nieder und küßt den Saum des Gewandes Jesu. 

weiter zu Teil 2: Das Gespräch zwischen Jesus und den Jüngern nach der ersten Brotvermehrung

Auszug aus “Der Gottmensch″ Bd. V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

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