Die klugen und die törichten Jungfrauen

05/11/2011

zum Sonntagsevangelium vom 6. November 2011: Mt 25,1-13

„… Die fünf Törichten gingen weinend mit den nun nutzlosen Lampen, den zerknitterten Kleidern, den zerrissenen Schleiern und den aufgelösten oder verlorenen Blumenkränzen auf der finsteren Straße fort.

Und nun hört die im Gleichnis enthaltene Lehre! Ich habe euch anfangs gesagt, dass das Himmelreich das Haus der Vereinigung der Seelen mit Gott ist. Zur himmlischen Hochzeit sind alle Gläubigen geladen, denn Gott liebt alle seine Kinder. Die einen finden sich früher, die anderen später zur Hochzeit ein, und wer dort ankommt hat großes Glück.

Nun hört weiter! Ihr wisst, wie die Mädchen es als Ehre und Glück betrachten, als Mägde der Braut eingeladen zu werden. Wir wollen in unserem Fall die Rollen verteilen, so werdet ihr besser begreifen. Der Bräutigam ist Gott. Die Braut ist die Seele eines Gerechten, die die Zeit der Verlobung im Haus des Vaters, also in dessen Fürsorge und im Gehorsam zu ihm und zur Lehre Gottes, in Gerechtigkeit verbracht hat und nun zur Hochzeit in das Haus des Bräutigams gebracht wird. Die Jungfrauen sind die Seelen der Gläubigen, die dem Beispiel der Braut folgend versuchen, zur selben Ehre zu gelangen, indem sie nach Heiligkeit streben; denn die Tatsache, dass der Bräutigam die Frau wegen ihrer Tugenden gewählt hat, ist ein Zeichen dafür, dass sie ein lebendes Beispiel der Heiligkeit war. Diese Seelen haben ein weisses, reines und frisches Gewand, weisse Schleier und sind mit Blumenkränzen gekrönt. Sie haben brennende Lampen in den Händen. Die Lampen sind gereinigt, der Docht vom feinsten Öl getränkt, damit es nicht übel riecht.

Im weissen Gewand. Die beharrlich geübte Gerechtigkeit verleiht ein weisses Gewand, und bald kommt der Tag, an dem es herrlich sein wird, ohne den leisesten Schimmer eines Makels, mit einem übernatürlichen Glanz und einer engelhaften Reinheit.

In einem reinen Gewand. Es ist nötig, durch die Demut das Kleid immer rein zu halten. Sehr leicht kann die Reinheit des Herzens getrübt werden. Und wer nicht reinen Herzens ist, kann Gott nicht sehen. Die Demut ist wie Wasser, das wäscht. Da sein Auge nicht vom Rauch des Stolzes getrübt ist, wird der Demütige sich sofort bewusst, wenn sein Gewand beschmutzt wird; er eilt zu seinem Herrn und sagt: „Ich habe mein Herz der Reinheit beraubt. Ich weine, um mich zu reinigen; ich weine zu deinen Füßen. Und du, meine Sonne, mache mit deinem gütigen Verzeihen, mit deiner väterlichen Liebe, mein Herz wieder weiss.“

In frischem Gewand. Oh, die Frische des Herzens! Die Kinder haben sie als Gabe Gottes. Die Gerechten haben sie als Gabe Gottes und durch eigenen Willen. Die Heiligen haben diese Frische als Gabe Gottes und aus eigenem, zum Heroismus gesteigerten Willen. Aber die Sünder mit ihrer zerlumpten, angesengten, vergifteten und beschmutzten Seele; werden sie nie mehr ein reines Gewand haben können? Oh doch, sie können es haben! Sie beginnen es wiederzubekommen in dem Augenblick, da sie sich mit Abscheu betrachten, und es wird um so weisser, je mehr sie sich bemühen, ihr Leben zu ändern. Sie vervollkommnen es, wenn sie sich mit der Buße reinigen und entgiften und ihre arme Seele wieder aufrichten, immer betend um die Hilfe Gottes, der seinen Beistand nie denen versagt, die darum bitten, und auch mit dem eigenen Willen, der zum Heroismus gelangen muss; denn sie haben es nicht nur nötig, das zu hüten, was sie haben, sondern sie müssen wiederaufbauen, was sie abgebrochen haben, also doppelte, dreifache, siebenfache Mühe aufwenden. Schließlich müssen sie mit unermüdlichen, unerbittlichen Bußübungen des eigenen Ich, das gesündigt hat, ihre Seele zu einer neuen Frische der Kindheit führen, die wertvoll wird durch die Erfahrung und sie zu Lehrern macht für die anderen, die Sünder sind, wie sie selbst es zuvor gewesen sind.

Die weissen Schleier. Die Demut! Ich habe gesagt: „Wenn ihr betet oder Buße tut, dann macht es so, dass die Welt nichts davon bemerkt.“ In den Büchern der Weisheit steht geschrieben: „Es ist nicht gut, das Geheimnis des Königs zu enthüllen.“ Die Demut ist der weisse Schleier, der als Schutz über das Gute, das man tut, und über das Gute, das Gott gewährt, ausgebreitet wird. Kein Rühmen für das Privileg der Liebe, die Gott gewährt; kein törichter menschlicher Ruhm! Die Gabe würde sofort entzogen. Vielmehr innerlicher Lobgesang des Herzens für seinen Gott: „Hochpreise meine Seele den Herrn, denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd gesehen.“ „

Jesus macht eine kurze Pause und wirft einen Blick auf seine Mutter, die sich fester in ihren Schleier hüllt und sich tief beugt, als wolle sie die Haare des Kindes, das zu ihren Füßen sitzt, in Ordnung bringen, in Wirklichkeit jedoch, um zu verbergen, wie tief die Erinnerung sie bewegt…

„Mit Blumen gekrönt. Die Seele muss sich schmücken mit Girlanden täglicher Tugendhaftigkeit, denn vor dem Antlitz des Allerhöchsten kann Fehlerhaftes nicht bestehen; man darf nicht nachlässig werden. Täglich, habe ich gesagt! Denn die Seele weiss nicht, wann Gott-Bräutigam erscheint, um zu sagen: „Komm!“ Daher darf sie nie müde werden, den Kranz zu erneuern. Habt keine Angst, wenn die Blumen verwelken. Die Blumen der Tugendhaftigkeit welken nicht. Der Engel Gottes, den jeder Mensch an seiner Seite hat, sammelt diese täglichen Kränze und trägt sie in den Himmel. Dort zieren sie den Thron des neuen Seligen, wenn er als Braut in den Hochzeitssaal eintritt. 

Ihre Lampen brennen. Um den Bräutigam zu ehren und für sich selbst den Weg zu beleuchten. Wie strahlend ist der Glaube und welch ein holder Freund ist er! Er ist wie eine strahlende Flamme, wie ein Stern, eine lachende Flamme, sicher ihrer Gewissheit; eine Flamme, die auch das Gefäß, das sie trägt, leuchten lässt. Auch der menschliche Körper, der vom Glauben genährt wird, scheint schon auf dieser Erde strahlender, vergeistigter und immun gegen heftige Leidenschaften; denn wer glaubt, richtet sich nach den Worten und Geboten Gottes, um Gott, sein Ziel, zu besitzen; er flieht daher alles Verderbliche und kennt keine Unruhe, Ängste und Selbstvorwürfe. Er braucht sich nicht anzustrengen, um sich seiner Lügen zu erinnern oder seine bösen Taten zu verbergen, und er bleibt schön und jung in der schönen Unberührtheit des Heiligen. Ein Fleisch und ein Blut, ein Geist und ein Herz, gereinigt von aller Unzucht, um das Öl des Glaubens zu bewahren und rauchfreies Licht zu spenden. Ein beständiger Wille, stets dieses Licht zu nähren. Das tägliche Leben mit seinen Enttäuschungen, Feststellungen, Berührungen, Versuchungen und Angriffen führt nicht zur Verminderung des Glaubens. Das darf nicht geschehen! Geht täglich zu den Quellen des sanften Öles, des weisen Öles, des göttlichen Öles.

Die wenig genährte Lampe kann vom leisesten Windhauch und den schweren Regentropfen der Nacht ausgelöscht werden. Die Nacht, die Stunde der Finsternis, der Sünde, der Versuchung, kommt für alle. Es ist die Nacht der Seele. Aber wenn diese voller Glauben ist, kann die Flamme nicht vom Wind der Welt und vom Nebel der Sinnlichkeit gelöscht werden.

Wachsamkeit, Wachsamkeit, Wachsamkeit! Wer unklug ist, vertraut unklugerweise und sagt: „Oh, Gott kommt rechtzeitig, solange noch Licht in mir ist.“ Wer schläft statt zu wachen; wer weiterschläft, ohne sich beim ersten Ruf sofort zu erheben; wer sich auf den letzten Augenblick verlässt, um sich das Öl des Glaubens oder den starken Docht des guten Willens zu verschaffen, lebt in der Gefahr, draussen bleiben zu müssen, wenn der Bräutigam kommt. Wacht also mit Klugheit, Ausdauer, Reinheit und Vertrauen, um immer bereit zu sein, wenn Gott euch ruft, denn ihr wisst wirklich nicht, wann er kommen wird.

Meine lieben Jünger, ich will nicht, dass ihr vor Gott zittert; vielmehr sollt ihr Vertrauen in seine Güte haben. Sowohl ihr, die ihr bleibt, als auch ihr, die ihr nun geht, denkt alle daran, dass ihr, wenn ihr es wie die klugen Jungfrauen macht, gerufen werdet, nicht nur um dem Bräutigam das Geleit zu geben, sondern wie die junge Esther, die anstelle Waschtis Königin wurde, auserwählte Bräute zu sein, da der Bräutigam in euch jede Anmut und Gunst vor jeder anderen gefunden hat. Ich segne euch, die ihr gehen müsst. Tragt in euch und zu den Gefährten dieses mein Wort. Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch!“

Jesus nähert sich den Landarbeitern, um sie noch einmal zu grüßen, aber Johannes von Endor flüstert im zu: „Meister, Judas ist da…“

„Das ist gleichgültig! Begleite sie zum Wagen und tue, was ich dir aufgetragen habe.“

Die Versammlung löst sich langsam auf. Viele reden noch mit Lazarus, und dieser wendet sich an Jesus, lässt die Leute stehen und sagt: „Meister, bevor du uns verlässt, sprich noch einmal zu uns. Die Leute von Bethanien wünschen es.“

„Der Abend sinkt hernieder. Er ist friedlich und klar. Wenn ihr euch auf dem gemähten Heu versammeln wollt, will ich noch einmal sprechen, bevor ich diesen freundlichen Ort verlasse. Oder sonst morgen, bei Sonnenaufgang, denn es ist schon spät.“

„Später! Aber diesen Abend!“ schreien alle.

„Wie ihr wollt. Geht nun! Zur Mitte der ersten Nachtwache werde ich zu euch reden…“

Auszug aus “Der Gottmensch“ Band IV von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: