Jesus gebietet dem Sturm auf dem See

28/01/2012

zum Evangelium vom Samstag, 28.01.2012: Markus 4,35-41

Ein Segelboot, nicht besonders gross, aber auch nicht gerade klein, ein Fischerboot, auf dem sich gut fünf bis sechs Personen bewegen können, durchfurcht die tiefblauen Wasser des Sees von Genesareth.

Jesus schläft im Heck. Er ist wie üblich weiss gekleidet und hat das Haupt auf den linken Arm gelegt, der auf seinem blaugrauen, mehrfach zusammengefalteten Mantel ruht. Er liegt nicht, vielmehr sitzt er im hinteren Teil des Schiffes und lehnt sich an das Brett am äussersten Bootsende. Ich weiss nicht, wie die Schiffsleute es nennen. Er schläft still und friedlich, denn er ist müde.

Petrus ist am Steuer. Andreas kümmert sich um die Segel. Johannes und zwei andere – ich weiss nicht, wer sie sind – bringen die Netze und Taue im hinteren Teil des Schiffes in Ordnung, als wollten sie sich auf den Fischfang vorbereiten, der vielleicht bei Einbruch der Nacht beginnt. Ich würde sagen, dass der Tag sich neigt, denn die Sonne steht schon im Westen. Die Jünger haben ihre Mäntel abgelegt und alle ihre Kleider geschürzt und mit den Gürteln festgebunden, damit sie freier in ihren Bewegungen sind beim Hin- und Hergehen im Boot und beim Hantieren nicht durch Ruder, Bänke, Körbe und Netze behindert werden.

Ich sehe, dass der Himmel sich verdunkelt und die Sonne sich hinter plötzlich aufgezogenen Gewitterwolken verbirgt, die vom Gebirge her kommen. Der Wind, der im Augenblick noch nur in der Höhe weht, treibt die Wolken rasch dem See zu. Der See ist noch ruhig, wird jedoch dunkler und beginnt, sich an der Oberfläche zu kräuseln. Es sind noch keine Wellen, aber schon kleine Wellenbewegungen.  Petrus und Andreas beobachten Himmel und See und treffen alle Vorkehrungen, um an Land zu gehen. Doch der Wind bricht nun mit Macht über den See, und in wenigen Minuten wallt und schäumt alles ; die Brecher überschlagen sich gegenseitig, krachen gegen das Boot, heben es hoch und senken es, so dass es sich nach allen Seiten neigt und weder Ruder noch Segel mehr gebraucht werden können. Wegen des Sturmes wird das Segel eingezogen.

Jesus schläft. Weder die schweren Schritte noch die aufgeregten Stimmen der Jünger, noch das Heulen des Windes, noch die Schläge der Wellen gegen die Bootsplanken wecken ihn.  Seine Haare flattern im Winde, und manchmal trifft ihn auch ein Wasserspritzer, doch er schläft. Johannes eilt vom Bug zum Heck und deckt ihn mit seinem Mantel zu, den er aus einem Holzverschlag hervorgezogen hat.

Der Sturm wird immer heftiger. Der See ist nun schwarz, als sei Tinte hineingeschüttet worden, und der Schaum der Wellen zieht Streifen darüber. Wasser ergiesst sich ins Boot, das der Wind immer weiter vom Ufer abtreibt. Die Jünger schwitzen vor Anstrengung, das Boot in die richtige Fahrtrichtung zu lenken und das eingedrungene Wasser auszuschöpfen. Doch alles ist vergebens. Sie waten fast bis zu den Knien im Wasser, und das Boot wird immer schwerer.

Petrus verliert die Ruhe und die Geduld. Er übergibt seinem Bruder das Ruder, geht schwankend zu Jesus hin und schüttelt ihn heftig. Jesus erwacht und erhebt das Haupt. « Rette uns, Meister, wir gehen zugrunde ! » schreit Petrus. (Er muss schreien, damit man ihn hört.)

Jesus schaut seinen Jünger fest an, dann blickt er auf die anderen und auf das Wasser. « Glaubst du, dass ich euch retten kann ? » « Schnell, Meister », schreit Petrus, während sich eine riesengrosse Woge von der Mitte des Sees her rasch auf die armselige Barke zu bewegt. Es scheint eine Wasserhose zu sein, so hoch und schreckenerregend ist sie. Als die Jünger diesen Wasserberg herankommen sehen, knien sie nieder und klammern sich fest, wo und wie sie nur können ; sie sind überzeugt, dass dies das Ende ist.

Jesus erhebt sich und steigt auf den Holzverschlag : eine weisse Gestalt vor dem Hintergrund des Unwetters. Er breitet die Arme gegen die Sturzwelle aus und gebietet dem Wind : « Halt ein und schweige », und dem Wasser : « Beruhige dich. Ich will es ! » Die Sturzwelle fällt in sich zusammen, löst sich in Schaum auf und zerfliesst, ohne zu schaden, während der Wind mit einem letzten Pfeifen in einem Seufzer verstummt. Über dem beruhigten See wird der Himmel wieder heiter, und in die Herzen der Jünger kehrt die Zuversicht zurück.

Die Majestät, die Jesus ausstrahlt, kann ich nicht beschreiben. Man muss sie gesehen haben, um sie begreifen zu können. Ich koste sie innerlich aus, denn sie ist mir immer noch gegenwärtig, und ich denke darüber nach, wie friedvoll doch der Schlaf Jesu und wie gewaltig seine Macht über Wind und Wellen war. 

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. III von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Unterweisung Jesu zur Sturm-Vision

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