„Ich habe ihn verherrlicht, und ich werde ihn wieder verherrlichen“

25/03/2012

zum 5. Fastensonntag 2012: Johannes 12,20-33:

(…) Philippus stellt sich auf die Fußspitzen, um zu sehen, ob er irgendeinen Apostel in der Nähe des Herrn entdeckt. Er sieht Andreas und schreit, nachdem er ihn mit Namen gerufen hat: „Hier sind Heiden, die den Meister grüßen möchten. Frage ihn, ob er für sie Zeit hat.“

Andreas, der sich einige Meter von Jesus in der Menge befindet, drängt sich energisch, unter großzügigem Einsatz der Ellbogen, durch und schreit: „Macht Platz! Macht Platz, sage ich euch. Ich muss zum Meister!“

Schließlich schafft er es und teilt ihm den Wunsch der Heiden mit.

„Führe sie in die Ecke dort. Ich komme zu ihnen.“

Und als Jesus versucht, sich durch die Leute zu drängen, helfen ihm Johannes, der mit Petrus zurückgekommen ist, Petrus selbst, Judas Thaddäus, Jakobus des Zebedäus und Thomas, der seine Verwandten in der Menge gefunden hat und sie nun verlässt.

Nun ist Jesus bei den Heiden, die ihm huldigen.

„Der Friede sei mit euch. Was wollt ihr von mir?“

„Wir wollen dich sehen, dich sprechen. Deine Worte haben uns beunruhigt. Wir wollten schon lange mit dir sprechen, um dir zu sagen, dass deine Worte uns sehr beeindrucken. Aber wir wollten einen geeigneten Moment abwarten. Heute… Du sprichst von Tod… Wir fürchten, dich nicht mehr sprechen zu können, wenn wir es nicht sofort tun. Aber ist es denn möglich, dass die Hebräer ihren besten Sohn töten? Wir sind Heiden, und deine Hand hat uns nichts Gutes getan. Dein Wort war uns unbekannt. Wir hatten nur Unbestimmtes über dich gehört. Wir haben dich nie gesehen, waren nie in deiner Nähe. Und doch, du siehst es! Wir verehren dich. Die ganze Welt ehrt dich mit uns.“

„Ja, die Stunde ist gekommen, da der Menschensohn verherrlicht werden muss, von den Menschen und den Seelen.“

Nun drängen sich die Leute wieder um Jesus. Aber mit dem Unterschied, dass in der ersten Reihe die Heiden sind und dahinter die anderen.

„Aber wenn dies die Stunde deiner Verherrlichung ist, dann wirst du nicht sterben, wie du sagst, oder wie wir es verstanden haben. Denn auf diese Art zu sterben, ist keine Verherrlichung. Wie kannst du die Welt unter deinem Szepter verherrlichen, wenn du vorher stirbst? Wenn dein Arm im Tod erstarrt, wie kann er dann triumphieren und die Völker versammeln?“

„Indem ich sterbe, gebe ich das Leben. Indem ich sterbe, baue ich auf. Indem ich sterbe, schaffe ich das neue Volk. Im Opfer erringt man den Sieg. Wahrlich, ich sage euch, wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es unfruchtbar. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben liebt, wird es verlieren. Wer sein Leben in dieser Welt hasst, wird es für das ewige Leben bewahren. Daher muss ich sterben, um allen, die mir nachfolgen und der Wahrheit dienen, dieses ewige Leben zu schenken. Wer mir dienen will, komme: Die Plätze in meinem Reich sind nicht diesem oder jenem Volk vorbehalten. Jeder, der mir dienen will, komme und folge mir. Und wo ich bin, wird auch mein Diener sein. Und wer mir dient, wird meinen Vater ehren, den einen, wahren Gott, den Herrn des Himmels und der Erde, den Schöpfer alles dessen, was ist; er ist Geist, Wort, Liebe, Leben, Weg, Wahrheit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, der Eine und doch Dreieine, der Dreieine und doch Eine, der einzige, wahre Gott. Doch nun ist meine Seele erschüttert. Soll ich vielleicht sagen: Vater, errette mich vor dieser Stunde? Nein. Denn dazu bin ich gekommen: diese Stunde zu erleben. Und daher sage ich: Vater, verherrliche deinen Namen.“

 

Jesus breitet die Arme in Kreuzform aus, ein purpurrotes Kreuz vor dem weissen Marmor des Portikus, erhebt das Antlitz, opfert sich betend auf und erhebt seine Seele zum Vater. 

Und eine Stimme, mächtiger als der Donner, eine unwirkliche Stimme insofern, dass sie keiner menschlichen Stimme gleicht und doch von allen gut verstanden wird, erfüllt den ganzen heiteren Himmel dieses herrlichen Apriltages, tönt gewaltiger als die Akkorde einer riesigen, wunderbar klingenden Orgel und verkündet: „Ich habe ihn verherrlicht, und ich werde ihn wieder verherrlichen.“

Die Leute haben Angst bekommen. Diese so mächtige Stimme, die die Erde und alles auf ihr erzittern lässt, diese geheimnisvolle Stimme unbekannten Ursprungs, die so verschieden ist von allen anderen, diese Stimme, die alles erfüllt, von Norden bis Süden, von Osten bis Westen, erschreckt die Hebräer und versetzt die Heiden in Staunen. Erstere werfen sich, so weit sie können, zu Boden und flüstern zitternd: „Nun werden wir sterben. Wir haben die Stimme des Himmels vernommen. Ein Engel hat zu ihm gesprochen.“ Und sie schlagen sich an die Brust in Erwartung des Todes. Die anderen rufen: “ Ein Donnern! Ein Tosen! Fliehen wir! Die Erde grollt! Sie hat gebebt!“ Aber die Flucht ist unmöglich bei dem Andrang derer, die außerhalb der Tempelmauer gewesen sind und nun herein wollen und schreien: „Erbarmen! Schnell. Dies ist ein heiliger Ort. Der Berg, auf dem der Altar Gottes steht, wird nicht bersten.“ Jeder bleibt deshalb, wo er ist, wo ihn die Menge und der Schrecken festhält.

Priester, Schriftgelehrte, Pharisäer, Leviten und die Tempelwachen, die irgendwo im Labyrinth des Tempels waren, eilen auf die Terrassen. Sie sind erregt und verstört, aber keiner von ihnen geht zu den Leuten in die Vorhöfe außer Gamaliel und sein Sohn. Jesus sieht in vorübergehen in seinem ganz weissen, in der Sonne leuchtenden Leinengewand. (…)

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. XI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

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