Archive for the 'VALTORTA: Die Passion' Category

Das Hohepriesterliche Gebet Jesu

14/05/2013

zum Sonntagsevangelium vom 12. Mai 2013: Johannes 17,20-26

Flandrin- Abendmahl

In Band XI des Werkes “Der Gottmensch” schildert Maria Valtorta ausführlich das Letzte Abendmahl und die Geschehnisse um das Hohepriesterliche Gebet Jesu, von dem sie sagt, dass Johannes es so wie heute im Sonntagsevangelium wortwörtlich wieder gibt. Hier geht es zum entsprechenden Auszug.

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Frohe Ostern, liebe Blogleser!

30/03/2013

 Ostern

Triumph, Triumph!
Es kommt mit Pracht der Siegesfürst
heut aus der Schlacht.
Wer seines Reiches Untertan,
schau heute sein‘ Triumph fest an.
Halleluja!

Vor Freuden Tal und Wald erklingt
die Erde frisches Blumwerk bringt;
ihr schöner Schmuck zu dieser Frist
zeugt, daß ihr Schöpfer Sieger ist.
Halleluja!

Die Sonne sich aufs schönste schmückt
und wieder durch das Blaue blickt,
die vor im schwarzen Trauerkleid
beschaut den blutgen Todesstreit.
Halleluja!

Das stille Lamm jetzt nicht mehr schweigt,
sich mutig als ein Löwe zeigt;
kein harter Fels ihn hält und zwingt,
Grab, Siegel, Riegel vor ihm springt.
Halleluja!

Herr Jesu, wahrer Siegesfürst,
wir glauben, daß du schenken wirst
uns deinen Frieden, den du bracht
mit aus dem Grab und aus der Schlacht.
Halleluja!

Triumph, Triumph! Dich ehren wir
und wollen durch dich kämpfen hier,
daß wir als Reichsgenossen dort
dir folgen durch die Siegespfort.
Halleluja!

(B. Prätorius)

Die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus

Karsamstag

30/03/2013

O göttliche Mutter, ich bitte Dich, grabe in meine Seele die Wunden meines Erlösers ein. Alle Leiden Jesu haben in Deinem Herzen ein Echo gefunden: 

mache, dass wir Deine Abbilder seien. Mögen wir nach Deinem Beispiel bis zum letzten Tag unseres Lebens der Schmerzen des Kalvarienberges eingedenk sein. Mögen wir überall, bei unseren Arbeiten und Leiden, das Andenken derselben bewahren. Amen.

Pieta

Passionszeit

27/03/2013

Der Frühling kommt auf leisen Schritten, und mit ihm wie immer auch die Passionszeit. Zur Einstimmung, oder auch zur vertiefenden Betrachtung der Geschehnisse von Palmsonntag bis Ostern hier eine Auswahl an Valtorta-Auszügen.

Celtic Crosses

21. November: Christkönigssonntag

20/11/2010
(zum Sonntagsevangelium vom 21. November 2010: Lukas 23, 35-43)

Die Dornenkrönung

Sie binden ihm erneut die Hände. Der Strick schneidet dort ein, wo schon ein roter Streifen abgeschürfter Haut ist.

„Und nun? Was tun wir mit ihm? Mir ist langweilig.“

„Warte. Die Juden wollen einen König. Nun, wir geben ihnen einen. Diesen da…“ sagt ein Soldat.

Er eilt hinaus, gewiß in einen weiter hinten liegenden Hof, von wo er mit einem Bündel Weißdorn zurückkommt. Jetzt, im Frühling, sind die Zweige noch relativ weich und biegsam, die langen, spitzen Dornen aber sehr hart. Mit ihren Dolchen entfernen sie Blätter und Blüten, biegen die Zweige zu einem Kranz und drücken ihn auf das arme Haupt. Aber die barbarische Krone fällt auf den Hals.

„Sie paßt nicht. Wir müssen sie kleiner machen. Nimm sie wieder weg.“

Sie nehmen die Krone herunter, zerkratzen ihm dabei die Wangen, stechen ihm beinahe die Augen aus und reißen ihm auch Haare aus. Sie machen sie kleiner. Aber nun ist sie zu klein, und soviel sie auch drücken und dadurch die Dornen in Jesu Kopf treiben, droht sie doch herunterzufallen. Wieder nehmen sie sie herunter und reißen noch mehr Haare aus. Sie verändern sie noch einmal, und nun paßt sie. Vorne ist ein dreifacher Dornenreif. Hinten, wo die Enden der drei Zweige ineinandergeschlungen sind, ist ein richtiger Knoten aus Dornen, die Jesus in den Nacken dringen.

„Siehst du, wie gut sie dir steht? Naturbronze und echte Rubine. Spiegle dich in meinem Harnisch, o König!“ spottet der Erfinder dieser Qual.

„Eine Krone allein genügt nicht, um einen König zu machen. Er braucht auch Purpur und ein Szepter. Im Stall ist ein Rohr, und auf dem Abfall liegt ein roter Mantel. Hole sie, Cornelius.“

Bald darauf legen sie Jesus den schmutzigen roten Fetzen um die Schultern, und bevor sie ihm das Rohr in die Hände geben, schlagen sie ihn damit auf das Haupt, verneigen sich und grüßen: „Ave, König der Juden!“ Dabei schütteln sie sich vor Lachen.


Jesus läßt sie gewähren. Er läßt sich auf einen „Thron“ setzen, eine umgestülpte Wanne, die sonst wohl als Pferdetränke dient; er läßt sich schlagen und verspotten, ohne jemals etwas zu sagen. Er schaut sie nur an… und sein Blick ist so voll Güte, aber auch so voll des furchtbarsten Schmerzes, daß ich ihn nicht ertragen kann, ohne mein Herz dadurch verwundet zu fühlen.

Die Soldaten hören erst auf zu spotten, als ihnen die rauhe Stimme eines Vorgesetzten gebietet, den Schuldigen wieder vor Pilatus zu bringen.

Schuldig? Wessen?

Jesus wird in das Atrium zurückgeführt, das nun durch einen kostbaren Vorhang vor der Sonne geschützt ist. Jesus hat noch die Krone, den Umhang und das Rohr.

„Komm nach vorne, damit ich dich dem Volk zeigen kann.“

Obwohl er schon völlig gebrochen ist, richtet sich Jesus doch würdevoll auf. Oh, er ist wirklich ein König!

„Hört, Hebräer! Hier ist der Mensch. Ich habe ihn bestraft. Aber nun laßt ihn gehen.“

„Nein, nein! Wir wollen ihn sehen! Heraus mit ihm! Wir wollen den Gotteslästerer sehen!“

„Führt ihn hinaus und gebt acht, daß man sich seiner nicht bemächtigt!“

Während Jesus in die Vorhalle hinausgeht und sich im Viereck der Soldaten dem Volk zeigt, weist Pontius Pilatus mit der Hand auf ihn und sagt: „Seht, welch ein Mensch! Euer König! Ist es noch nicht genug?“

Die Sonne eines schwülen Tages, die nun fast im Zenit steht, denn es ist schon zwischen der dritten und der sechsten Stunde, entzündet und akzentuiert noch die Blicke und die Gesichter. Sind das noch Menschen? Nein. Es sind tollwütige Hyänen. Sie heulen, sie schütteln die Fäuste und fordern den Tod…


Jesus steht aufrecht da, und ich kann versichern: Niemals war er so erhaben wie jetzt. Nicht einmal, als er die größten Wunder vollbrachte. Der Adel des Schmerzes!  Aber so göttlich, daß er schon allein deshalb als Gott anerkannt werden müßte. Doch um diesen Namen sagen zu können, muß man wenigstens ein Mensch sein. In Jerusalem gibt es heute aber keine Menschen, sondern nur Dämonen.

Jesus läßt seine Blicke über die Menge schweifen, sucht und findet im Meer der haßerfüllten Gesichter die Gesichter der Freunde. Wie viele? Weniger als zwanzig unter Tausenden von Feinden… Er neigt das Haupt in Trauer über diese Verlassenheit. Eine Träne fällt… noch eine… und noch eine… Der Anblick seiner Tränen erzeugt kein Mitleid, sondern noch wilderen Haß.

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band XI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR),www.mariavaltorta.com,dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


„Das Brot, das Gott ist und der Wein, der Blut ist“

16/05/2010

(zum Sonntags-Evangelium vom 16. Mai 2010: Joh 17,20-26)

„Nun glaubt ihr? In der letzten Stunde? Seit drei Jahren spreche ich zu euch! Aber in euch wirkt schon das Brot, das Gott ist und der Wein, der Blut ist und nicht vom Menschen stammt. Sie verleihen euch den ersten Schauer der Vergöttlichung. Wenn ihr ausdauernd in meiner Liebe seid und mich immer besitzt, werdet ihr zu Göttern.

Nicht wie Satan es Adam und Eva versprach, sondern wie ich es euch sage. Es ist dies die wahre Frucht vom Baum des Guten und des Lebens. Das Böse ist besiegt in dem, der sich davon nährt und der Tod ist überwunden. Wer davon ißt, wird ewig leben und „Gott“ im Reich Gottes werden. Ihr werdet Götter sein, wenn ihr in mir bleibt. Und doch… obwohl ihr dieses Brot und dieses Blut in euch habt – denn die Stunde naht, da ihr zerstreut werdet – werdet ihr eures Weges gehen und mich alleinlassen…

Aber ich bin nicht allein. Ich habe den Vater bei mir. Vater! Vater! Verlaß mich nicht! Ich habe euch alles gesagt… Um euch den Frieden zu geben. Meinen Frieden. Noch werdet ihr betrübt sein. Doch glaubt mir. Ich habe die Welt überwunden.“

Jesus erhebt sich, öffnet weit die Arme und spricht mit leuchtendem Antlitz das erhabene, an den Vater gerichtete Gebet. Johannes gibt es uns wortwörtlich wieder.

Rio de Janeiro - Foto: Welch14

Die Apostel weinen mehr oder weniger laut und offen. Zuletzt singen sie ein Loblied.

Jesus segnet sie. Dann gebietet er: „Wir wollen jetzt die Mäntel anlegen und gehen. Andreas, sage dem Hausherrn, daß er alles so lassen soll. Das ist mein Wille. Morgen… werdet ihr euch freuen, diesen Ort wiederzusehen.“  Jesus betrachtet ihn. Er scheint die Wände, die Möbel, alles zu segnen. Dann hüllt er sich in seinen Mantel und geht, gefolgt von den Aposteln und Johannes an seiner Seite, auf den er sich stützt.

„Grüßt du deine Mutter nicht?“ fragt ihn der Sohn des Zebedäus.

„Nein. Es ist schon alles geschehen. Macht keinen Lärm.“

Simon, der eine Fackel an der Lampe entzündet hat, leuchtet voran im weiten Korridor, der zur Tür führt. Petrus öffnet vorsichtig das Haustor. Sie gehen auf die Straße hinaus und riegeln durch eine Vorrichtung von außen zu. Dann machen sie sich auf den Weg.

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. XI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Das Hohepriesterliche Gebet Jesu (Johannes 17,1-26):

Dies sagte Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.

Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.

Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt. Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.

Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.Aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.

Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt.

Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.

„Die Heilige Messe wiederholt die drei wichtigsten Punkte Meines Lebens“

Die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus

04/04/2010

Nun, es schien mir, vom Willen Gottes in den kühlen Garten geführt worden zu sein in dem das Grab sich befindet; sein schwerer Stein war ummauert und auf dem Kalk waren die Siegel angebracht, große in den Putz gedrückte Rosetten, die nicht entfernt werden konnten, ohne Spuren zu hinterlassen. Davor waren die schlaftrunkenen Tempelwachen, teils sitzend, teils stehend und an den Grabfelsen gelehnt.

Der Himmel begann sich gerade etwas aufzuhellen, so dass man in dem grünlichen unbestimmten Licht, das im frischen Morgenlüftchen zu erschauern scheint, schon etwas erkennen kann. Alles ist still. Die Vöglein sind noch nicht erwacht.

Meteor

Vom Himmel, an dem noch vereinzelte Sternlein stehen und der blauer Seide gleicht, heller im Osten, dunkler im Westen, kommt etwas wie eine feurige Rakete oder ein Blitz, der in einer lichtsprühenden Kugel endet. Er saust mit außerordentlicher Geschwindigkeit herab, schiesst durch den stillen Raum und die Atmosphäre. Der strahlende Meteor erzeugt bei seinem Fall das Dröhnen eines Erdbebens; aber es ist kein unharmonischer Klang und ähnlich dem, den die größten Pfeifen einer Riesenorgel unter dem Gewölbe einer Kathedrale bei einem festlichen Gloria hervorbringen. Er ist machtvoll, harmonisch und erfüllt die Morgenluft.

Die Wachen springen erschrocken auf und blicken um sich. Doch der leuchtende Blitz ist schon über ihnen und schlägt in den schweren Stein, dessen Verschluß man mit Strebepfeilern aus Kalk gesichert hat. Er gibt nach, als wäre er ein zerbrechlicher Schutz aus Seidenpapier und stürzt krachend und mit einer erbebenähnlichen Erschütterung um, die die Wachen vornüber oder rücklings zu Boden schleudert, wo sie wie ohnmächtig liegenbleiben. Betäubt. Sie kommen nicht wieder zu sich. Sie liegen da wie ein Haufen Marionetten, deren Schnüre man abgeschnitten hat. Sie sind lächerlich.

Der Feuerstrahl ist viel schneller herabgekommen, als ich es beschreiben kann, denn von seinem Erscheinen am Himmel bis zu seiner Ankunft am Grab sind nicht Minuten, sondern Bruchteile von Minuten vergangen, ein Augenblick. Er dringt in das Dunkel des Grabes und erhellt es mit einem zauberhaften Licht, das die Felswände, die Decke und den Boden mit allen erdenklichen Edelsteinen zu schmücken scheint. Und während der Schein, das Wesen dieses Lichtes, gleichsam in der Luft hängenbleibt, dringt das Licht selbst in den unter den Grabtüchern liegenden Leichnam ein.

Die reglose Form atmet tief ein. Ich sehe die Tücher über der Brust sich heben und wieder senken. Ein Augenblick Pause, dann erhebt sich Christus mit einer plötzlichen Bewegung. Er muss unter dem Linnen seine über dem Unterleib gekreuzten Hände voneinander lösen, die Arme ausbreiten, sich aufsetzen und dann auf die Füße stellen; denn das Schweißtuch, die sonstigen Tücher und das Leichentuch fallen ruckartig auseinander; erstere fallen zu Boden, das Grabtuch verschiebt sich auf dem Einbalsamierungsstein und hängt von dort zur Hälfte wie eine schlaffe, tote Schale herab.

Fra Angelico: Die Auferstehung Christi

Jesus ist schon mit seinem herrlichen weißen Gewand bekleidet, ohne Blut und Wunden, das göttliche Haupt strahlend und schön, ohne andere Zeichen seiner schrecklichen Passion als die Strahlen, die aus den Wunden kommen und wie fünf Feuer ihren Schein über die göttliche Person werfen und sie mit einem Kranz sich überkreuzender Strahlen umgeben. Sie dringen aus Händen und Füßen und kreisförmig aus der Mitte der Brust.

Die Seitenwunde sieht man nicht. Sie ist vom Gewand bedeckt. Aber ein Leuchten, das heller ist, als bei allen anderen Wunden, geht von der Brust aus und gleicht einer hinter Seide verborgenen Sonne…

Weniger strahlend, doch sehr schön, sind die beiden Engelwesen, die gewiss mit dem Licht in das Grab gelangt sind und die ich, da ganz in die Betrachtung Jesu versenkt, vorher nicht gesehen habe. Sie knien zu beiden Seiten der Öffnung und beten an. Es sind körperlose Wesen, von menschlichem Aussehen, aber ganz aus Licht; aus dem seligen „Licht“, das ich bei der Betrachtung des Paradieses als Eigenschaft seiner geistigen Bewohner gesehen habe.

Jesus verlässt das Grab nach der Anbetung durch die Engel, geht an den betäubten Wachen vorbei und in den Garten hinein. Bei seinem Erscheinen wird alles von seinem göttlichen Glanz erfüllt. Die taubdeckten Gräser erstrahlen unter einer Sonne, die schöner ist als die nun am Himmel erschienene Sonne, und verneigen sich sanft unter dem Kuss eines lauen, duftenden Lüftchens, wie um den Erlöser zu verehren, der lächelnd und segnend vorübergeht. Die Apfelbäume, die zuvor wenige weiße Blüten hatten, öffnen nun ihre Myriaden von Knospen, und über dem Haupt Jesu bildet sich ein zarter, duftender Wolkenschaum aus tausend und abertausend gerade aufgesprungenen weißen, rosa überhauchten Blüten, zu dem ein kleines Wölkchen am azurblauen Himmel, das einem rosa Schleier gleicht, das Gegenstück bildet. Die von soviel Licht aufgeweckten Vöglein singen ihre Triller in dem blühenen Garten.

Jesus bleibt, um mit mir zu sprechen, unter einem Apfelbaum stehen – ein ganzer Ball aus Blüten; und einige Blütenblätter, die verliebter als die anderen sind, fallen herab, um die Wangen ihres Herrn zu liebkosen und sich auf seinen Füßen niederzulassen, Blumen unter den Blumen auf dem Boden.

Fra Angelico: Noli me tangere

Ich sehe Maria Magdalena erst, als Jesus sie mir zeigt. Ich bin ganz in ihn versenkt und sehe nicht, was mit den Wachen geschieht, und werde auch nicht gewahr, wie sie sich davonschleichen. Nicht einmal die Engel sehe ich mehr, aber ich erkenne, dass sie im Grabgewölbe sind, da dessen Dunkel von ihrem Licht erhellt wird.

Magdalena weint untröstlich. Ich verstehe nicht, wie es möglich ist, dass sie Jesus nicht erkennt. Vielleicht verschleiert er ihren Blick, um sie als erste rufen zu können. Doch als er sie ruft, „sieht“ sie ihn als den, der er ist: als Sieger,  stößt ihren Schrei grenzenloser, anbetender Liebe aus, der den ganzen blühenden Garten erfüllt, und berührt mit der Stirn das taubedeckte Gras zu Füßen Jesu.

Die Vision endet hier.

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. XII von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Die Kreuzigung unseres Herrn Jesus Christus

02/04/2010

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Die Räuber werden an die Kreuze gebunden und an ihre Plätze getragen, einer rechts und der andere links von dem für Jesus bestimmten Platz. Sie schreien, verwünschen und fluchen, besonders als man die Kreuze zu den Löchern trägt und die Stricke durch die Erschütterung in die Gelenke einschneiden. Ihre Flüche gegen Gott, gegen das Gesetz, gegen die Römer und gegen die Juden sind höllisch.

Nun ist Jesus an der Reihe. Er legt sich ohne Widerstand zu leisten auf das Holz. Die beiden Räuber waren so rebellisch, dass die vier Henker allein mit ihnen nicht fertigwurden und Soldaten zu Hilfe rufen mussten, um sie festzuhalten, damit sie nicht beim Anbinden der Handgelenke Fußtritte bekämen. Bei Jesus braucht es keine Hilfe. Er legt sich nieder, legt das Haupt an die bezeichnete Stelle. Er öffnet die Arme, wie sie ihm zu tun gebieten, und streckt die Beine aus, wie es befohlen wird. Er sorgt nur dafür, dass das Tuch richtig sitzt.

Nun hebt sich sein schlanker, weißer Körper von dem dunklen Holz und dem gelben Erdboden ab. Zwei Henker setzen sich auf seinen Oberkörper, um ihn festzuhalten. Ich denke darüber nach, welche Beklemmung und welchen Schmerz ihm dieses Gewicht verursachen muss. Ein dritter nimmt den rechten Arm und hält mit einer Hand den Unterarm und mit der anderen die Finger fest. Der vierte, der schon den langen, spitzen viereckigen Nagel mit dem großen, flachen, runden Kopf in der Hand hat, prüft, ob das bereits in das Holz gebohrte Loch sich an der dem Handgelenk entsprechenden Stelle, wo Elle und Speiche zusammen treffen, befindet. Es passt. Der Henker setzt den Nagel an den Puls, hebt den Hammer und führt den ersten Schlag.

Gustave Doré: Die Kreuzigung unsers Herrn Jesus Christus

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Jesus, der die Augen geschlossen hatte, schreit bei diesem Schmerz auf, zuckt zusammen und öffnet weit die in Tränen schwimmenden Augen. Es muss ein schrecklicher Schmerz sein, den er fühlt… Der Nagel dringt ein, zerreißt Muskeln, Adern und Nerven und zerbricht die Knochen…

Maria antwortet auf den Schrei ihres gequälten Sohnes mit einem Stöhnen, das dem Klagen eines geschlachteten Lammes gleicht. Sie krümmt sich vor Schmerz und fasst sich mit den Händen an den Kopf. Jesus gibt nun keinen Laut mehr von sich, um sie nicht zu quälen. Aber die Schläge sind regelmäßig und hart, Eisen auf Eisen… und darunter ist ein lebendiges Glied, das sie empfängt.

Die rechte Hand ist angenagelt. Nun kommt die linke. Das Loch entspricht nicht dem Gelenk. Also nehmen sie einen Strick, binden ihn an das linke Gelenk und ziehen daran, bis die Knochen ausgerenkt und die Sehnen und Muskeln und die schon von den Stricken der Gefangennahme wunde Haut zerrissen sind. auch die andere Hand leidet natürlich darunter, denn durch das Zerren vergrößert sich die Nagelwunde. Nun liegt das Loch gerade zwischen Handfläche und Handgelenk. Sie finden sich damit ab und schlagen den Nagel ein, wo sie können, zwischen dem Daumen und den anderen Fingern, genau in der Mitte der Handfläche. Hier dringt er leichter ein, so dass die Finger nun unbeweglich sind, während die Finger der rechten Hand zittern und zucken als Beweis ihrer Beweglichkeit. Doch Jesus schreit nicht mehr. Er stöhnt nur noch heiser mit aufeinandergepreßten Lippen, und Tränen des Schmerzes rinnen zur Erde, nachdem sie zuerst auf das Holz getropft sind.

Nun sind die Füße an der Reihe. Ungefähr zwei Meter oder mehr vom Ende des Kreuzes entfernt ist ein kleiner Keil, kaum ausreichend für einen Fuss. Auf dieses Holz legen sie die Füße, um zu sehen, ob das Maß stimmt. Da es etwas zu weit unten ist und die Füße nicht ganz bis zu dem Keil reichen, ziehen sie den armen Märtyrer an den Knöcheln. Das rauhe Holz des Kreuzes scheuert an den Wunden, verrückt die Dornenkrone, die noch mehr Haare ausreißt und herunterzufallen droht… Ein Henker drückt sie ihm durch einen Schlag mit der Hand wieder auf das Haupt.

Nun rücken die Männer, die auf der Brust Jesu gesessen sind, auf die Knie hinunter, denn Jesus zieht unwillkürlich die Beine an, als er in der Sonne den langen Nagel glänzen sieht, der doppelt so lang und doppelt so dick wie die Nägel für die Hände ist. Sie setzen sich auf seine zerschundenen Knie und drücken auf die armen zerschlagenen Schienbeine, während die beiden anderen das viel schwierigere Unternehmen, einen Fuß über den anderen anzunageln, beginnen. Dabei sollen auch die Gelenke an der Fußwurzel aufeinanderliegen.

Aber so sehr sie auch achtgeben und die Füße am Knöchel und an den Zehen gegen den Keil drücken, verschiebt sich doch der untere Fuß wegen der Erschütterung durch den Nagel, und sie müssen diesen wieder fast ganz herausziehen. Denn nachdem er durch die weicheren Teile gedrungen ist, muss er nun etwas weiter in der Mitte eingeschlagen werden. Und er ist beim Durchbohren des rechten Fußes schon stumpf geworden. Sie hämmern und hämmern und hämmern… Man hört nichts als den schrecklichen Klang des Hammers auf dem Kopf des Nagels, denn alle auf dem Kalvarienberg sind ganz Auge und Ohr und verfolgen gespannt jede Bewegung und jeden Laut, um sich daran zu ergötzen…

Unsere Liebe Frau der Sieben Schmerzen

Die leise Klage einer Taube begleitet das harte Klingen des Eisens: das heisere Stöhnen Marias, die sich bei jedem Hammerschlag mehr zusammenkrümmt, als ob der Hammer auf sie, die Mutter-Märtyrerin, niedersausen würde. Und sie ist zu recht von dieser Tortur zutiefst erschüttert. Die Kreuzigung ist furchtbar. Wenn auch die großen Schmerzen denen der Geißelung gleichen, so ist sie doch schrecklicher anzusehen, denn man sieht den Nagel in das lebendige Fleisch eindringen. Aber dafür dauert sie nur kurz, während die Geißelung durch ihre Länge erschöpft hat.

Für mich sind die Todesangst am Ölberg, die Geisselung und die Kreuzigung die furchtbarsten Augenblicke. Sie enthüllen mir die ganze Qual des Christus. Der Tod ist für mich eine Erleichterung, denn ich sage mir: „Es ist vollbracht.“ Doch diese Qualen sind nicht das Ende, sondern der Beginn neuer Leiden.

Nun schleifen sie das Kreuz zu dem Loch; es hüpft auf dem unebenen Boden und schüttelt den armen Gekreuzigten. Beim Aufrichten entgleitet es zweimal ihren Händen und fällt einmal auf die Rückseite, das andere Mal auf die rechte Seite, was Jesus neue schreckliche Schmerzen bereitet, denn die plötzlichen Erschütterungen zerren an den verletzten Gliedern. Als sie aber dann das Kreuz in sein Loch fallen lassen, schwankt es, bevor sie es mit Steinen und Erde befestigen, samt dem an drei Nägeln daran hängenden armen Körper in alle Richtungen, und das Leiden muss unaussprechlich sein.

Das ganze Gewicht des Körpers hängt nach vorn und nach unten, und die Löcher der Wunden erweitern sich, besonders an der linken Hand. Auch die Wunden der Füße werden größer und das Blut fließt stärker. Während das Blut der Füße von den Zehen zu Boden tropft und am Balken des Kreuzes entlangrinnt, rinnt das Blut von den Händen, die sich in größerer Höhe befinden als die Schultern, über den Unterarm zu den Achseln und an den Rippen hinunter bis zum Gürtel. Die Dornenkrone verschiebt sich, als das Kreuz schwankt, bevor man es befestigt; denn das Haupt fällt nach hinten, und der Nacken schlägt mit dem dicken dornigen Knoten am Ende der stacheligen Krone auf das Holz. Dann rutscht sie wieder auf die Stirn zurück und kratzt und kratzt erbarmungslos.

Endlich ist das Kreuz befestigt, und es bleibt nur noch der Schmerz, angenagelt zu sein. Man richtet auch die Räuber auf, die, kaum dass sie sich in der Vertikalen befinden, brüllen, als ob sie lebendig gekocht würden, denn die Stricke, die in die Gelenke einschneiden, die Adern dick anschwellen und die Hände schwarz werden lassen, bereiten große Schmerzen. Jesus schweigt. Das Volk aber schweigt nicht mehr, sondern schreit noch teuflischer.

Nun hat der Gipfel des Golgotha sein Siegeszeichen und seine Ehrenwache. An der höchsten Erhebung das Kreuz Jesu. Zu beiden Seiten die Schächer. Die halbe Centurie der Soldaten mit ihren Waffen unten rings um den Gipfel, und in diesem Kreis von Bewaffneten die zehn Fußsoldaten, die mit Würfeln um die Kleider der Verurteilten spielen. Zwischen dem Kreuz Jesu und dem rechten Schächer steht Longinus. Es scheint, als würde er dem Märtyrer-König die Ehrenwache halten. Die andere halbe Centurie ist in Ruhestellung und wartet auf dem Feldweg links und auf dem unteren Platz auf einen Befehl des Adjudanten des Longinus, falls sie zu etwas gebraucht würden. Die Soldaten zeigen fast völlige Teilnahmslosigkeit. Nur ab und zu schaut einer zu den Gekreuzigten empor.

Longinus hingegen betrachtet alles neugierig und interessiert, vergleicht und zieht seine Schlüsse. Er betrachtet die Gekreuzigten, besonders Christus, und die Zuschauer. Seinem forschenden Auge entgeht nicht die geringste Einzelheit. Um besser sehen zu können, beschattet er die Augen mit der Hand, da ihn die Sonne sicher stört.

Es ist wirklich eine eigenartige Sonne, rot und gelb wie das Feuer eines Brandes. Dann scheint es, als ob das Feuer plötzlich erlöschen würde, denn eine pechschwarze Wolke steigt hinter den Bergen Judäas auf, zieht mit großer Geschwindigkeit über den Himmel und verschwindet hinter einem anderen Gebirge. Als die Sonne nun wieder erscheint, ist sie so grell, dass das Auge sie kaum erträgt.

Als er um sich schaut, sieht er direkt unterhalb des höchsten Punktes Maria, die ihr schmerzgequältes Gesicht zu ihrem Sohn erhebt. Er ruft einen der würfelnden Soldaten und sagt: „Wenn die Mutter und ihr Sohn, der sie begleitet, heraufkommen wollen, sollen sie es tun. Begleite sie und hilf ihr.“

Maria steigt mit Johannes, dem vermeintlichen Sohn, die in den Tuffstein gehauenen Stufen empor, geht durch die Absperrung der Soldaten und an den Fuß des Kreuzes. Aber sie bleibt in geringer Entfernung davon stehen, damit sie von Jesus gesehen wird und ihn auch selbst sieht. Das Volk überhäuft sie sofort mit den schmutzigsten Schmähungen und schließt sie in die Lästerungen gegen ihren Sohn mit ein. Aber sie, mit bebenden und blutleeren Lippen, versucht nur, ihn zu trösten durch ein schmerzliches Lächeln, das Tränen überströmen, die kein noch so starker Wille in den Augen zurückhalten kann.

Das Volk, angefangen von den Priestern, den Schriftgelehrten, den Pharisäern, den Sadduzäern, den Herodianern und ähnlichen, hat seinen Spaß daran, wie bei einem Karussell den steilen Weg hinaufzusteigen, entlang der höchsten Erhebung zu gehen und dann auf der anderen Seite wieder hinunter, oder umgekehrt. Jedesmal, wenn sie am Fuß des Gipfels vorüberkommen, versäumen sie es nicht, dem Sterbenden zu Ehren lästerliche Worte hinaufzuschreien. Die ganze Schändlichkeit und Grausamkeit, der ganze Hass und Wahnsinn, deren die Zunge des Menschen fähig ist, wird hier ausgiebig von diesen höllischen Mäulern demonstriert. Die Erbarmungslosesten sind die Angehörigen des Tempels, unterstützt von den Pharisäern.

„Nun? Du Erlöser des Menschengeschlechtes, warum rettest du dich nicht? Hat dein König Beelzebub dich verlassen? Hat er dich verleugnet?“ schreien drei Priester.

Und ein Schwarm der Juden: „Du, der du vor kaum fünf Tagen mit Hilfe Satans den Vater hast sagen lassen… ha, ha, ha, dass er dich verherrlichen würde, warum erinnerst du ihn nicht daran, dass er sein Versprechen hält?“

Drei Pharisäer: „Gotteslästerer! Er sagt, er habe die anderen mit Gottes Hilfe gerettet. Und sich selbst kann er nicht retten! Du willst, dass man dir glaubt? So wirke doch ein Wunder! Du kannst es wohl nicht mehr? Nun haben wir dir die Hände angenagelt und dich entblößt.“

Einige Sadduzäer und Herodianer zu den Soldaten: „Vorsicht mit dem Zauber, ihr, die ihr seine Kleider genommen habt! Ein Zeichen der Hölle ist daran.“

Eine Volksmenge schreit: „Steige vom Kreuz, und wir werden dir glauben. Du, du willst den Tempel zerstören… Verrückter! Sieh in dir an, den herrlichen und heiligen Tempel Israels. Er ist unzerstörbar, du Schänder! Und du stirbst.“

Andere Priester sagen: „Gotteslästerer! Du willst der Sohn Gottes sein? Dann steige doch von dort herab! Zerschmettere uns, wenn du Gott bist. Wir fürchten dich nicht und spucken auf dich.“

Andere gehen vorüber und schütteln die Köpfe: „Er kann nur weinen! Rette dich doch, wenn es wahr ist, dass du der Erwählte bist!“

Die Soldaten: „So rette dich doch. Lass Feuer auf diesen Abschaum des Abschaums fallen! Ja, der Abschaum des Reiches seid ihr, jüdische Kanaillen! Tue es, und Rom wird dich auf das Kapitol erheben und dich wie einen Gott verehren!“

Die Priester mit ihrem Gefolge: „Die Arme der Frauen waren zarter als die des Kreuzes, nicht wahr? Aber schau, sie sind schon zu deinem Empfang bereit, deine… (und sie sagen ein häßliches Wort). Ganz Jerusalem steht dir zur Verfügung als Brautjungfer“, und sie pfeifen wie Fuhrleute.

Andere werfen Steine: „Verwandle sie in Brot, du Brotvermehrer!“

Wieder andere äffen die Hosannarufe des Palmsonntags nach, werfen Zweige und schreien: „Verflucht sei, der da kommt im Namen des Teufels! Verflucht sei sein Reich! Ehre sei Sion, das die Lebenden von ihm befreit!“

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. XI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Die Geißelung unseres Herrn Jesus Christus

01/04/2010

„Kreuzige ihn! Kreuzige ihn! Er muß sterben! Du schützt die Verbrecher! Heide! Auch du bist ein Teufel!“

Die Menge kommt näher, und die erste Reihe der Soldaten wankt unter dem Aufprall und kann die Lanzen nicht gebrauchen. Doch die zweite Reihe kommt eine Stufe herunter, legt die Speere ein und befreit die Gefährten.

„Er soll gegeißelt werden“, befiehlt Pilatus einem der Centurionen.

„Wann?“

„Wann du willst… damit es ein Ende hat. Ich bin sehr verärgert. Geh!“

Jesus wird von vier Soldaten in den Hof hinter dem Atrium geführt, der einen Boden aus buntem Marmor hat und in dessen Mitte eine hohe Säule steht, ähnlich denen des Portikus. Daran befindet sich etwa drei Meter über dem Boden eine eiserne Querstange, die in einem Ring endet. An diesen wird Jesus mit über den Kopf erhobenen Händen gebunden, nachdem er sich entkleidet hat. Er hat jetzt nur noch eine kurze Leinenhose und Sandalen an. Die an den Gelenken zusammengebundenen Hände werden hinaufgezogen bis zu dem Ring, so dass er trotz seiner Größe den Boden nur noch mit den Fußspitzen berührt… Schon diese Stellung muss eine Tortur sein.

Ich habe irgendwo gelesen, dass die Säule niedrig gewesen sei und Jesus gebückt stehen musste. Mag sein. Ich sehe es so und sage es so.

Hinter Jesus stellt sich einer mit einem Henkergesicht reinsten hebräischen Profils. Vor Jesus ein anderer mit demselben Aussehen. Sie haben eine Geißel aus sieben Lederriemen, die an einem Griff befestigt sind und in einem Hämmerchen aus Blei enden. Rhythmisch , als wäre es eine Übung, fangen sie an zu schlagen. Der eine von vorne, der andere von hinten, so dass der Körper Jesu ringsum von Schlägen getroffen wird. Die vier Soldaten, denen man ihn übergeben hat, machen gleichgültig mit drei anderen Soldaten, die noch dazugekommen sind, ein Würfelspiel.

W. Bouguereau: Die Geisselung unseres Herrn Jesus Christus

 

Die Stimmen der Spieler vermischen sich mit dem Geräusch der Geißeln, die wie Schlangen zischen und sich dann anhören wie Steine, die auf das straff gespannte Leder einer Trommel fallen, wenn sie den armen schlanken Körper von der Farbe alten Elfenbeins treffen. Zuerst hinterlassen sie rosarote Streifen, die immer dunkler und schließlich violett werden, dann bilden sich dunkelblaue, blutgefüllte Schwellungen, die aufreißen und am ganzen Körper Blut fließen lassen. Sie schlagen hauptsächlich auf den Oberkörper und den Unterleib, aber auch Beine, Arme und sogar den Kopf lassen sie nicht aus, damit kein schmerzfreies Fleckchen Haut übrigbleibt.

Und keine Klage… Wenn der Strick ihn nicht halten würde, würde er zu Boden fallen. Aber er fällt nicht und er stöhnt nicht. Nur der Kopf sinkt ihm auf die Brust nach so vielen Schlägen, als wenn er ohnmächtig geworden wäre.

„Halt! Hört auf! Er muss noch lebendig hingerichtet werden!“ höhnt ein Soldat.

Die beiden Henker halten ein und trocknen sich den Schweiß ab.

„Wir sind völlig erledigt“, sagen sie. „Gebt uns den Lohn, damit wir trinken und uns erholen können.“

„Hängen sollte man euch! Doch nehmt…“ und ein Decurio wirft jedem der beiden eine große Münze zu.

„Ihr habt eure Pflicht getan. Er gleicht einem Mosaik. Titus, sag, war dieser Mensch wirklich die Liebe des Alexander? Dann wollen wir ihn benachrichtigen, damit er Trauer tragen kann. Binden wir ihn jetzt los.“

Sie binden Jesus los, und dieser sinkt wie tot zu Boden. Sie lassen ihn liegen und stoßen ihn nur ab und zu mit den Stiefeln an, um zu sehen, ob er klagt.

Aber er schweigt.

„Ob er tot ist? Wäre es möglich? Er ist jung und ein Handwerker, hat man mir gesagt… aber er gleicht einer zarten Dame…“

„Lass mich nur machen“, sagt ein Soldat. Er setzt ihn auf und lehnt ihn mit dem Rücken an die Säule. Wo er gelegen ist, sind Blutlachen… Dann geht der Soldat zu einem Brunnen, der unter dem Tor plätschert, füllt einen Eimer mit Wasser und schüttet es über den Kopf und den Körper Jesu. „So, den Blumen tut das Wasser gut.“

Jesus seufzt tief und will aufstehen, aber noch bleibt er mit geschlossenen Augen sitzen.

„Oh! Gut! Auf, Schöner! Eine Dame wartet auf dich!…“

Aber vergebens stemmt Jesus die Hände auf den Boden, um aufzustehen.

„Los, rasch! Bist du schwach? Hier ist eine Erfrischung“, grinst ein anderer Soldat. Mit dem Schaft seiner Hellebarde versetzt er Jesus einen Schlag ins Gesicht und trifft ihn zwischen dem rechten Jochbogen und der Nase, die zu bluten beginnt.

Jesus öffnet die Augen und blickt um sich. Ein verschleierter Blick. Er schaut den Soldaten an, der ihn geschlagen hat, wischt sich mit der Hand das Blut ab und stellt sich mit grosser Mühe auf die Füße.

„Zieh dich an. Es ist nicht anständig, so herumzustehen, Schamloser!“ Alle umringen Jesus und lachen.

Jesus gehorcht wortlos. Aber während er sich bückt – und nur er weiß, was er dabei leidet, zerschlagen wie er ist und mit Wunden, die sich durch die Anspannung der Haut noch weiter öffnen, und blutgefüllten Schwellungen, die aufbrechen – gibt ein Soldat den Kleidern einen Tritt und zerstreut sie. Und jedesmal, wenn Jesus sich nach ihnen bücken will, nachdem er sie wankend erreicht hat, stößt oder wirft ein Soldat sie in eine andere Richtung. Jesus, der furchtbar leidet, sagt nichts und versucht sie zu holen, während die Soldaten obszöne Späße über ihn machen.

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. XI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Die Todesangst unseres Herrn Jesus Christus in Gethsemane

31/03/2010

Er betet wieder stehend, mit zum Kreuz ausgebreiteten Armen. Dann kniet er nieder wie zuvor, neigt das Gesicht über die kleinen Blümchen, denkt… schweigt. Dann beginnt er laut zu seufzen und zu schluchzen. Fast liegt er am Boden, so weit neigt er sich zurück, und ruft den Vater. Immer flehender, immer angstvoller…

„Oh!“ sagt er. „Zu bitter ist dieser Kelch! Ich kann nicht! Ich kann nicht! Es geht über meine Kräfte. Alles konnte ich! Aber dies nicht… Nimm ihn von mir, Vater, von deinem Sohn! Erbarme dich meiner!… Was habe ich getan? Womit habe ich dies verdient?“ Dann beruhigt er sich und sagt: „Mein Vater, höre nicht auf meine Worte, wenn sie erbitten, was gegen deinen Willen ist. Denke nicht daran, dass ich dein Sohn bin, sondern nur daran, dass ich dein Diener bin. Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“

Einige Zeit bleibt er so. Dann stößt er einen gedämpften Schrei aus und erhebt sein von Schmerz zerwühltes Gesicht. Nur einen Augenblick, dann fällt er zu Boden, das Gesicht zur Erde, und bleibt so liegen. Ein Bild des Elends, der Mensch, auf dem die Sünden der ganzen Welt lasten, den die ganze Gerechtigkeit des Vaters trifft, auf den sich die Finsternis herabsenkt, die Trostlosigkeit, die Bitterkeit, und das Furchtbare, Furchtbare, Allerfurchtbarste, das Verlassensein von Gott, während Satan quält… Es ist das Ersticken der Seele, das lebendig Begrabensein in diesem Kerker, der die Welt ist, wenn man die Verbindung zwischen Gott und uns nicht mehr fühlt. Man fühlt sich in Ketten, geknebelt, gesteinigt sogar von den eigenen Gebeten, die scharf und sengend auf uns zurückfallen. Man stößt an den verschlossenen Himmel, den weder die Stimme noch die Blicke unserer Angst durchdringen, man fühlt sich als „Waise“ Gottes. Es ist Wahnsinn, Todesangst, der Zweifel, sich bisher getäuscht zu haben, es ist die Überzeugung, von Gott verworfen zu sein, verdammt zu sein. Es ist die Hölle!… (…)

Jesus stöhnt unter Röcheln und Todesseufzern: „Nichts!… Nichts!… Fort!… Der Wille des Vaters! Dieser! Nur dieser allein… Dein Wille, Vater, dein Wille, nicht meiner… Es ist nutzlos! Ich habe nur einen Herrn: den allerheiligsten Gott. Nur ein Gesetz: den Gehorsam. Nur eine Liebe: die Erlösung… Nein. Ich habe keine Mutter mehr. Ich habe kein Leben mehr. Ich habe keine Göttlichkeit mehr. Ich habe keine Aufgabe mehr. Vergeblich versuchst du mich, Dämon, mit der Mutter, mit dem Leben, mit meiner Göttlichkeit und meiner Mission. Meine Mutter ist die Menschheit, und ich liebe sie so sehr, dass ich für sie sterben werde. Das Leben gebe ich dem zurück, der es mir gegeben hat und es nun von mir verlangt, dem höchsten Herrn alles Lebenden. Die Göttlichkeit bestätige ich, da ich zu dieser Sühne fähig bin. Die Mission vollende ich durch meinen Tod. Nichts habe ich mehr. Ich kann nur noch den Willen des Herrn, meines Gottes, tun. Weiche Satan! Ich habe es das erste und das zweite Mal gesagt. Ich sage es zum dritten Mal: ‚Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.‘ Weiche Satan! Ich gehöre Gott!“

Dann sagt er nur noch keuchend: „Gott! Gott! Gott!“ Bei jedem Schlag seines Herzens ruft er ihn, und es scheint, als quelle bei jedem dieser Schläge Blut hervor. Der über den Schultern gespannte Stoff seines Gewandes wird nass und ist nun wieder dunkel, trotz des Mondes, der alles in sein helles Licht taucht.

Francisco de Goya: Christus am Ölberg

 

Da erscheint eine noch größere Helligkeit über seinem Haupt, etwa einen Meter über ihm, eine so lebhafte Helligkeit, dass auch der Darniederliegende sie durch die Wellen seines schon blutgetränkten Haares und durch den Schleier des Blutes vor seinen Augen bemerkt. Er hebt den Kopf… Der Mond beleuchtet sein armes Antlitz, und stärker noch leuchtet das dem bläulichen Diamanten, der Venus ähnliche Licht des Engels. Und nun erkennt man die ganze furchtbare Todesangst an dem Blut, das aus allen Poren dringt. Brauen, Haar, Bart sind voll Blut, getränkt von Blut. Blut fließt von den Schläfen, Blut dringt aus den Adern am Hals, Blut tropft von den Händen, und als er die Hände dem Engelslicht entgegenstreckt und die weiten Ärmel bis zum Ellenbogen zurückgleiten, sind auch die Unterarme Christi voll Blut. In seinem Gesicht hinterlassen die Tränen zwei helle Bahnen auf der roten Maske.

Jesus legt den Mantel ab und trocknet Hände, Antlitz, Hals und Arme. Aber er fährt fort, Blut zu schwitzen. Immer wieder drückt er das Tuch auf sein Antlitz, hält es eine Weile darauf, und jedesmal, wenn er eine andere Stelle nimmt, sieht man deutlich die Spuren auf dem dunkelroten Stoff, denn da sie nass sind, erscheinen sie schwarz. Das Gras am Boden ist von Blut gerötet.

Jesus ist einer Ohnmacht nahe. Er öffnet das Gewand am Hals, als wäre er am Ersticken. Er führt die Hand zum Herzen und dann zum Haupt und bewegt sie vor seinem Antlitz, als wolle er sich Luft zufächeln; sein Mund ist leicht geöffnet. Er kriecht zu dem Fels, mehr dem Rand des Hanges zu, und lehnt sich mit dem Rücken an den Stein. Seine Arme hängen herunter, und das Haupt hängt auf die Brust, fast als wäre er schon tot. Er rührt sich nicht mehr.

Das Licht des Engels nimmt ganz langsam ab. Dann scheint es sich im Mondschein aufzulösen. Jesus öffnet die Augen wieder. Mit Mühe hebt er das Haupt und blickt um sich. Er ist allein. Aber er leidet jetzt weniger. Er streckt eine Hand aus, zieht den Mantel an sich, der im Gras liegengeblieben ist, und trocknet sich wieder das Antlitz, die Hände, den Hals, den Bart und die Haare. Er nimmt ein großes, ganz taunasses Blatt, das gerade dort am Rand des Hanges wächst, säubert sich damit, wäscht sich Gesicht und Hände und trocknet sie. Das wiederholt er mehrmals mit anderen Blättern, bis alle Spuren seines furchtbaren Schweisses getilgt sind. Nur das Gewand ist noch befleckt, besonders an den Schultern, in den Beugen der Ellbogen, am Hals, am Gürtel und an den Knien. Er betrachtet es und schüttelt den Kopf. Dann schaut er auch den Mantel an und da er sieht, dass er zu sehr befleckt ist, faltet er ihn und legt ihn auf den Stein, dort auf den Sims, neben die Blümchen.

In seiner Schwäche dreht er sich mit Mühe um, kniet nieder und betet, das Haupt auf den Mantel gelegt, auf dem bereits die Hände ruhen. Dann stützt er sich auf den Stein und steht auf. Leicht wankend begibt er sich zu den Jüngern. Sein Antlitz ist totenbleich, aber nicht mehr verstört. Es ist ein Antlitz voll göttlicher Schönheit, obwohl blutleer und trauriger denn je.

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. XI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch