Archive for the 'VALTORTA: Episoden nicht im Evangelium' Category

8. Dezember: Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria

08/12/2011

Die demütige und große Königin der Welt

In Kapitel 122 des „Gottmensch“ spricht Jesus zu Anfang seines öffentlichen Wirkens mit seinem Apostel Simon, dem Zeloten, über seine Heimat Galiläa und drückt aus, wie sehr er den See, Nazaret, die Berge, die Ebenen usw. liebt. Und er fügt hinzu:

„… Und dann… und dann, oh, Simon! Dort blüht eine Blume! Eine Blume, die einsam leuchtet und duftet in Reinheit und Liebe für ihren Gott und ihren Sohn! Dort ist meine Mutter, und du wirst sie kennenlernen, Simon, und mir dann sagen, ob es auf dieser Erde ein anderes Geschöpf gibt, das ihr, auch in menschlicher Anmut, gleichkommt.

Sie ist schön, doch alles wird von dem übertroffen, was ihr Inneres ausstrahlt. Wenn ein Rohling sie entkleiden, sie verunstalten und sie zum Umherirren verurteilen würde, sie wäre immer noch die Königin in königlichem Gewand, weil ihre Heiligkeit sie mit einem Mantel der Herrlichkeit umkleiden würde. 

Alles kann mir die Welt an Bösem antun, aber alles werde ich der Welt verzeihen, denn um auf die Welt zu kommen und um diese zu erlösen, hatte ich sie: die demütige und große Königin der Welt, welche die Welt nicht kennt, durch die aber der Welt das Heil gewährt wurde und in allen Jahrhunderten gewährt werden wird. …“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. II von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Um Fleisch zu werden, bedurfte ich einer Mutter“

Die heilige Jungfrau Maria ist das vollkommene Werk des Schöpfers

„Das Heil der Welt liegt in Maria“

„… preist die Leiden…“

07/12/2011

In Kapitel 119 des „Gottmensch“ schildert Maria Valtorta, wie Jesus mit drei seiner Apostel bei einem Landwirt zu Gast ist:

„(…) Glücklich ihr, die ihr immer bei ihm sein dürft!“ sagt er [Anm.: der Landwirt] dann zu Johannes, Simon und Judas, die auf einer niedrigen Mauer sitzen und saftige Feigen essen. Und der Bauer endet: „Ich bin glücklich, dass du hier für eine Nacht mein Gast sein willst. Nun fürchte ich kein Unglück mehr, denn dein Segen ist in mein Haus eingekehrt.“

Jesus antwortet: „Der Segen wirkt und bleibt, wenn die Seelen dem Gesetze Gottes und meiner Lehre treu bleiben. Andernfalls geht die Gnade verloren. Und es ist recht so. Denn wenn es wahr ist, dass Gott Sonne und Luft sowohl den Guten als auch den Bösen schenkt, damit die Guten besser werden und die Schlechten sich bekehren, so ist es auch gerecht, dass der Schutz des Vaters sich zur Strafe vom Bösen abwendet und er durch das Leid zu Gott zurückgerufen werde.“

„So ist der Schmerz nicht immer ein Nachteil?“

„Nein, Freund. Menschlich gesehen, ist er etwas Negatives, im Übernatürlichen aber etwas Gutes. Das Leid vermehrt die Verdienste der Gerechten, die es ohne Verzweiflung und Auflehnung ertragen und es aufopfern in Ergebenheit, als Opfer der Sühne für die eigenen Verfehlungen und für die Sünden der Welt; es bedeutet Erlösung für alle, die nicht gerecht sind.“

„Es ist so schwer, zu leiden!“ sagt der Landwirt, dem sich die Familienangehörigen, etwa zehn Kinder und Erwachsene, zugesellt haben.

„Ich weiss, dass der Mensch es schwierig findet. Der Vater will seinen Kindern den Schmerz ersparen, da er weiss, wie schwer er zu ertragen ist. Doch das ist die Folge der Schuld. Wie lange aber dauert irdisches Leiden in einem Menschenleben? Wahrlich, nur kurze Zeit. Nur kurze Zeit, selbst wenn es sich um das ganze Leben handelt. Ich aber sage: Ist es nicht besser, eine kurze Zeit zu leiden, als ewig leiden zu müssen? Ist es nicht besser, hier zu leiden als im Fegefeuer? Vergesst nicht, dass dort die Zeit tausendmal länger ist. Oh, wahrlich, ich sage euch, verwünscht eure Schmerzen nicht, sondern preist die Leiden, die man besser „Gnaden“ und „Barmherzigkeit“ nennen sollte.“

„Oh, deine Worte, Meister! Wir trinken sie, wie ein Dürstender im Sommer das Honigwasser aus einem frischen Krug trinkt. Willst du uns wirklich schon morgen verlassen, Meister?“

„Ja, morgen. Doch ich werde wiederkommen, um dir zu danken für alles, was du für mich und die Meinigen getan hast, und um dich nochmals um Brot und ein Lager zu bitten.“

„Immer, Meister, wirst du beides hier finden.“

Es kommt ein Mann mit einem Esel, der mit Gemüse beladen ist. (…)

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. II von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

29. Juli: Gedenktag Hl. Martha

28/07/2011

Der heldenhafte Mut der Martha

Ich sehe die Stadt Dora nicht. Die Sonne geht unter, und die Wanderer sind auf dem Weg nach Caesarea. Den Aufenthalt in Dora habe ich nicht gesehen. Vielleicht war es ein Aufenthalt ohne bedeutendes Ereignis. Das Meer scheint in Flammen zu stehen.Es spiegelt die Röte des Himmels wieder, ein unwirkliches Rot, so intensiv ist es. Es sieht aus, als wäre Blut über das Himmelsgewölbe gegossen worden.

Es ist noch warm, doch die Meeresluft macht diese Wärme erträglich. Sie wandern am Ufer entlang, um der Hitze des trockenen Bodens zu entfliehen, und einige haben sich der Sandalen entledigt und die Gewänder geschürzt, um im Wasser gehen zu können. Petrus erklärt: „Wenn nicht die Jüngerinnen da wären, würde ich mich ausziehen und bis zum Hals im Wasser gehen.“

Doch er muss heraus, denn Magdalena, die mit den anderen vorausgegangen war, kehrt zurück und sagt: „Meister, ich kenne diese Gegend. Siehst du, dort, wo das Meer einen gelblichen Streifen in seinem Blau hat, mündet ein Fluss, auch in der Sommerszeit, und man muss wissen, wie man ihn durchwatet…“

„Wir haben schon viele durchwatet! Er wird doch nicht so gross sein wie der Nil. Wir werden auch durch diesen kommen“, sagt Petrus.

„Es ist nicht der Nil. Aber in seinen Gewässern und an seinen Ufern leben gefährliche Wassertiere. Man muss sehr vorsichtig sein und darf nicht barfuss gehen, um nicht verletzt zu werden.“

„Oh! Welche denn? Vielleicht Ungeheuer?“

„Ja, so ist es, Simon! Es sind Krokodile; kleine zwar, aber sie genügen, um dich für eine gute Weile am Gehen zu hindern.“

„Und was tun sie hier?“

„Sie sind für den Kult hergebracht worden, als die Phönizier hier herrschten, glaub ich. Sie sind hier geblieben und wurden immer kleiner, aber nicht weniger agressiv, seit man sie aus den Tempeln in das schlammige Wasser brachte. Jetzt sind es große Eidechsen mit scharfen Zähnen! Die Römer kommen zu Jagdpartien und verschiedenen Belustigungen hierher… Auch ich bin mit ihnen hier gewesen. Alles dient dazu, sich die Zeit zu vertreiben. Ausserdem sind die Häute schön, und sie werden für viele Zwecke verwendet. Erlaubt mir daher, dass ich meine Erfahrung nütze und euch führe.“

„Gut! Ich möchte sie aber gerne sehen…“ sagt Petrus.

„Vielleicht werden wir eines der Tiere sehen, obgleich sie durch die Jagd fast ausgerottet sind.“

Sie verlassen das Ufer und gehen landeinwärts, bis sie auf halber Strecke zwischen Hügeln und Meer eine Hauptstraße finden. Auf dieser gelangen sie bald zu einer stark gewölbten Brücke, die über einen kleinen Fluss führt, der zwar ein breites Flussbett hat, doch zur Zeit nur in der Mitte ein wenig Wasser führt. Schilf und Rohrpflanzen, die jetzt im Sommer halb verbrannt sind, bilden in anderen Jahreszeiten kleine Inselchen im Wasser. An den Ufern wachsen Sträucher und dichtbelaubte Bäume.

So sehr sie auch Ausschau halten, sie sehen kein einziges Tier, und viele sind darüber enttäuscht. Aber als sie die Brücke schon fast überschritten haben, deren einziger Bogen sehr hoch ist, vielleicht um in den Regenzeiten nicht von den Fluten überschwemmt zu werden – ein starker, möglicherweise römischer Bau – stösst Martha einen schrillen Schrei aus und fährt entsetzt zurück. Eine übergroße Eidechse, viel mehr scheint es nicht zu sein, jedoch mit dem klassischen Krokodilkopf, ist dabei, die Straße zu überqueren und stellt sich nun tot.

„Hab keine Angst!“ ruft Magdalena. „Wenn man sie sieht, besteht keine Gefahr. Schlimm ist es, wenn sie verborgen sind und man unversehens auf sie tritt.“

Doch Martha hält sich vorsichtigerweise zurück. Auch Susanna scherzt nicht… Maria des Alphäus ist mutiger bei aller Vorsicht, und da sie von ihren Söhnen begleitet wird, geht sie etwas näher heran, um das hässliche Tier zu sehen. Die Apostel sind nicht gerade ängstlich; sie schauen und machen ihre Bemerkungen über das Untier, das sich herablässt, langsam den Kopf zu wenden, um sich von vorne ansehen zu lassen. Aber nun beginnt es sich zu bewegen und scheint auf die Störenfriede zukommen zu wollen. Ein neuer Schrei Marthas, die, von Susanna und Maria des Kleophas gefolgt, in den Hintergrund flieht. Maria Magdalena ergreift einen Stein und wirft ihn auf das Tier, das, an der Seite getroffen, auf dem Kiesweg davonläuft und im Wasser verschwindet.

„Komm her, du Angsthase. Es ist weggerannt“, sagt sie zu ihrer Schwester. Die Frauen kommen näher.

„Es ist wirklich hässlich“, bemerkt Petrus.

„Ist es wahr, Meister, dass man ihnen einst Menschenopfer vorgeworfen hat?“ will Iskariot wissen.

„Es galt als heiliges Tier und stellte eine Gottheit dar, und so wie wir unserem Gott ein Opfer darbringen, so machten es auch die armen Götzendiener in ihrer irrigen Auffassung.“

„Aber jetzt wohl nicht mehr?“ fragt Susanna.

„Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass es in heidnischen Gegenden noch geschieht“, sagt Johannes von Endor.

„Mein Gott, aber sie opfern ihnen wohl Tote?“

„Nein! Sie werden ihnen lebendig vorgeworfen. Mädchen und Kinder besonders. Die Erstlinge des Volkes! Das wenigstens habe ich gelesen“, antwortet wiederum Johannes von Endor den Frauen, die sich entsetzt ansehen.

„Ich würde schon vor Schrecken sterben, wenn ich mich ihnen nähern müsste“, sagt Martha.

„Wirklich? Aber dies hier ist nichts im Vergleich zu einem echten Krokodil, das mindestens dreimal länger und breiter ist.“

„Und auch hungriger. Dieses hier war sicher schon satt von Schlangen und Hasen.“

„Barmherzigkeit! Auch Schlangen! Wohin hast du uns nur geführt, Herr!“, jammert Martha, die so erschrocken ist, dass eine unwiderstehliche Heiterkeit alle erfasst.

Ermatheus, der die ganze Zeit über geschwiegen hat, sagt: „Du brauchst keine Angst zu haben. Es genügt, Lärm zu machen, und sie laufen alle weg. Ich habe Erfahrung. Ich bin öfters in Unterägypten gewesen.“

Sie gehen weiter und klatschen in die Hände oder schlagen gegen die Baumstämme, bis die gefährliche Stelle überwunden ist.

Martha hat sich Jesus genähert und fragt mehrmals: „Aber gibt es nun wirklich keine mehr?“

Jesus blickt sie an und schüttelt lächelnd den Kopf; er beruhigt sie: „Die Ebene von Saron ist nur Schönheit, und wir haben sie jetzt erreicht. Aber heute haben die Jüngerinnen mich wirklich überrascht. Ich verstehe nicht, warum du so furchtbar bist.“

„Das weiss ich auch nicht. Aber alles, was kriecht und schleicht, erschreckt mich. Mir ist, als ob ich die Kälte dieser sicherlich schleimigen Tiere auf meiner Haut fühle. Und ich frage mich, warum es sie überhaupt gibt. Sind sie denn notwendig?“

„Das müsste man den fragen, der sie erschaffen hat. Aber glaube mir, wenn er sie gemacht hat, dann ist das ein Zeichen dafür, dass sie zu etwas gut sind, und wenn sie auch nur dazu dienten, den heldenhaften Mut der Martha zu bestätigen“, sagt Jesus mit einem schelmischen Augenzwinkern.

„Oh, Herr, du scherzest mit mir und du hast recht. Aber ich habe einfach Angst und werde mich nie überwinden können.“

„Das werden wir noch sehen… Was bewegt sich dort vorne im Gebüsch?“ fragt Jesus und schaut aufmerksam nach vorne auf ein Dorngestrüpp und sonstige Sträucher mit langen Zweigen, die an einem Mauerwerk mit Kaktuspflanzen emporklettern.

„Noch ein Krokodil, Herr…?“ jammert Martha entsetzt.

Aber das Rascheln wird lauter, und das menschliche Gesicht einer Frau kommt zum Vorschein. (…)

Auszug aus “Der Gottmensch″ Bd. V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Novene zur hl. Martha mit Erläuterung der provenzalischen Tradition, in der die hl. Martha ein Untier bezähmt

Jesus und die Kinder: Alexander von Askalon

14/06/2011

(Jesus und die Apostel haben die Küstenstadt Askalon betreten und Jesus sagt:)

„Wir wollen uns in vier Gruppen teilen. Ich gehe, das heisst, ich lasse euch gehen. Dann wähle ich. Geht! Nach der neunten Stunde treffen wir uns am Tor, durch das wir gekommen sind. Seid klug und geduldig!“

Jesus schaut ihnen nach. Er ist mit Judas Iskariot allein geblieben, der erklärt hat, dass er hier nicht reden wird, da die Leute schlimmer als die Heiden sind.

Als er aber hört, dass Jesus da und dorthin gehen will, ohne zu reden, überlegt er es sich anders und sagt: „Missfällt es dir nicht, allein zu bleiben? Ich möchte mit Matthäus, Jakobus und Andreas gehen; sie sind die Unbeholfensten…“

„Geh nur! Leb wohl!“

Und Jesus wandelt allein durch die Stadt. Er durchschreitet sie der Länge und der Breite nach, ohne dass die geschäftigen Menschen auf ihn aufmerksam werden. Nur zwei oder drei Kinder heben neugierig den Kopf, und eine nachlässig gekleidete Frau kommt ihm entschlossen und mit einem zweideutigen Lächeln entgegen. Doch Jesus blickt sie so streng an, dass sie purpurrot wird und, weitergehend, die Augen niederschlägt. An der Ecke wendet sie sich noch einmal um, und da ein Mann, der die Szene beobachtet hat, ihr beissende Worte des Spottes für ihre Niederlage zuwirft, hüllt sie sich in ihren Mantel und eilt davon.

Die Kinder jedoch umringen Jesus, sehen zu ihm auf und erwidern sein Lächeln. Das mutigste unter ihnen fragt: „Wer bist du?“

„Jesus“, antwortet er, indem er es liebkost.

„Was machst du?“

„Ich warte auf Freunde.“

„Von Askalon?“

„Nein, aus meinem Dorf und aus Judäa.“

„Bist du reich? Ich bin es. Mein Vater hat ein schönes Haus, in dem er Teppiche anfertigt. Komm, ich will es dir zeigen; es ist in der Nähe.“

Jesus folgt dem Kind in einen langen Hausflur, der wie eine überdachte Gasse ist. Im Hintergrund des halbdunklen Hausflurs glänzt ein Stückchen Meer in der Sonne. Sie begegnen einem schmächtigen Mädchen, das weint.

„Das ist Dina. Sie lebt arm, weisst du? Meine Mutter gibt ihr zu essen. Ihre Mutter kann nichts mehr verdienen. Der Vater ist schon gestorben, auf dem Meer. Bei einem Gewitter, als er von Gaza zum Hafen des grossen Flusses fuhr, um Waren abzuliefern und andere zu holen. Da die Waren meinem Vater gehörten und der Vater der Dina einer unserer Seeleute war, sorgt meine Mama nun für sie. Doch viele sind auf diese Weise ohne Vater geblieben… Was sagst du dazu? Es muss schlimm sein, ein Waisenkind und arm zu sein. 

Hier ist mein Haus. Sage nicht, dass ich auf der Strasse war. Ich hätte in der Schule sein müssen; aber man hat mich weggeschickt, weil ich die Kameraden mit dem da zum Lachen brachte…“ Er zieht ein wirklich lustiges, geschnitztes Püppchen aus dem Gewand, mit einem wahrhaft karikaturistischen, vorstehenden Kinn und einer langen Nase.

Jesus hat ein Lächeln auf den Lippen, aber er beherrscht sich und sagt: „Das ist doch nicht der Lehrer, nicht wahr? Und auch kein Verwandter! Das wäre nicht recht.“

„Nein, es ist der Synagogenvorsteher der Juden. Er ist alt und hässlich; wir ärgern ihn immer.“

„Auch das ist nicht recht. Er ist bestimmt viel älter als du und…“

„Oh, er ist ein sehr alter Mann, bucklig und blind; aber er ist so hässlich… Ich kann doch nichts dafür, dass er so hässlich ist!“

„Nein. Aber es ist schlecht, über einen Alten zu spotten. Auch du wirst als alter Mann hässlich sein; denn du wirst gebückt gehen, wenig Haare auf dem Kopf haben, halb blind sein; du wirst an Stöcken gehen und genauso ein Gesicht haben… Und dann? Würde es dir gefallen, von einem respektlosen Jungen verspottet zu werden?

Warum ärgerst du den Lehrer und störst die Kameraden? Das ist nicht recht! Wenn dein Vater es wüsste, würde er dich strafen und deine Mutter würde es schmerzen. Ich sage ihnen nichts. Aber du musst mir sofort zwei Dinge geben: das Versprechen, nicht mehr solche Spässe zu machen und diesen Hampelmann. Wer hat ihn gemacht?“

„Ich, Herr…“ sagt der Junge beschämt, nunmehr der Schwere seiner Fehler bewusst. Er fügt hinzu: „Ich mache sehr gerne Holzschnitzereien! Manchmal verfertige ich Blumen, wie sie auf Teppichen dargestellt sind, oder Drachen, Sphinxe und andere Tiere…“

„Das sollst du tun. Es ist so viel Schönes auf der Erde. Also gib mir dein Versprechen und den Hampelmann. Sonst sind wir keine Freunde mehr. Ich behalte ihn als Andenken an dich und werde für dich beten. Wie heisst du?“

„Alexander. Und du, was gibst du mir?“

Jesus hat immer so wenig! Aber er erinnert sich, dass er am Gewand eine sehr schöne Schnalle hat. Er sucht in seiner Tasche, findet sie, trennt sie vom Gewand ab und gibt sie dem Knaben. „Und nun gehen wir. Aber pass auf, auch wenn ich fortgehe, weiss ich doch alles. Wenn ich merke, dass du böse bist, dann komme ich zurück und erzähle alles deiner Mutter.“ Das Bündnis ist geschlossen.

Sie treten in das Haus. (…)

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. IV von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.chwww.parvis.ch

Jesus befragt seine Mutter über die Apostel

05/04/2011

Nun sehe ich – ungefähr zwei Stunden später – das Haus von Nazareth. Ich erkenne das Zimmer des Abschieds, zum Garten hin geöffnet, wo die Pflanzen in voller Reife stehen.

Jesus und Maria sitzen beisammen. Sie sitzen nebeneinander auf der Steinbank vor dem Hause. Es scheint, dass sie das Abendbrot bereits eingenommen haben und die anderen (ich sehe niemand) sich schon zurückgezogen haben. Mutter und Sohn erfreuen sich gegenseitig an einem innigen Gespräch. Die innere Stimme sagt mir, dass dies wohl das erste Mal ist, dass Jesus nach der Taufe, nach dem Fasten in der Wüste und besonders nach der Bildung des Apostelkollegiums in Nazareth weilt. Er erzählt der Mutter von den ersten Tagen der Verkündigung des Evangeliums, von den ersten Siegen über die Herzen. Maria hängt an den Lippen ihres Jesus.

Sie ist magerer, viel bleicher, als habe sie in der letzten Zeit gelitten. Unter ihren Augen sind tiefe Schatten eingegraben, wie bei jemand, der viel nachgedacht und geweint hat. Doch nun ist sie glücklich und freut sich. Sie lächelt und streichelt die Hand ihres Jesus. Sie ist glücklich, ihn bei sich zu haben: von Herz zu Herz mit ihm im Schweigen des hereinbrechenden Abends.


Es muss Sommer sein, denn Jesus hat die ersten reifen Früchten des Feigenbaums gepflückt; er braucht dazu nur aufzustehen, so tief hängen sie herab. Er gibt die schönsten seiner Mutter , nachdem er sie zuvor sorgfältig geschält hat, so dass sie wie rotgestreifte Knospen aussehen in einer Blütenkrone von weissen Blütenblättern innen und violetten aussen. Er bietet der Mutter die Frucht auf seiner Handfläche an und freut sich darüber, dass sie ihr schmeckt.

Dann fragt er sie plötzlich: „Mama, du hast die Jünger gesehen. Was denkst du über sie?“

Maria, die soeben eine dritte Feige zum Mund führen wollte, schaut auf, hält in der Bewegung inne und blickt Jesus an.

„Was hältst du von ihnen, nun, da ich sie dir alle vorgeführt habe?“ fragt Jesus noch einmal.

„Ich glaube, dass sie dich lieben und dass du viel von ihnen erwarten kannst. Johannes… liebe Johannes, wie nur du lieben kannst. Er ist ein Engel. Ich bin beruhigt, wenn ich weiss, dass er bei dir ist. Auch Petrus ist gut, etwas rauh, denn er ist schon älter, aber aufrichtig und überzeugt. Auch sein Bruder. Sie lieben dich jetzt, so gut sie können. Aber sie werden dich immer mehr lieben. Auch unsere Vettern. Jetzt, da sie sich durchgerungen haben, werden sie dir treu bleiben. Doch der Mann von Kerioth… er gefällt mir nicht. Mein Sohn, sein Auge ist nicht klar und sein Herz noch weniger. Ich habe Angst vor ihm!“

„Dir gegenüber ist er voller Achtung.“

„Zuviel Respekt. Auch dir gegenüber ist er respektvoll. Doch du bist für ihn nicht der Meister, sondern der zukünftige König, von dem er sich Nutzen und Ehre verspricht. Er war ein Nichts, ein klein wenig mehr als die anderen von Kerioth. Nun hofft er, an deiner Seite eine wichtige Rolle spielen zu können; o Jesus, ich will nicht gegen die Liebe fehlen, doch ich denke, auch wenn es mir schwerfällt, dass er im Falle einer Enttäuschung versuchen würde, an deine Stelle zu treten. Er ist ehrgeizig, habsüchtig, voller Sinnlichkeit und eher dazu geneigt, Höfling eines irdischen Herrschers zu sein als dein Apostel, mein Sohn! Ich fürchte ihn.“ Und die Mutter betrachtet ihren Jesus mit angstvollen Augen in ihrem blassen Antlitz.

Jesus seufzt. Er denkt nach. Er betrachtet seine Mutter. Er lächelt ihr zu, um sie zu ermutigen. „Auch er ist notwendig, Mama. Wenn er es nicht wäre, wäre ein anderer an seiner Stelle. Meine Jüngerschaft muss die Welt darstellen, und in der Welt sind nicht alle Engel, und nicht alle sind vom Schlag des Petrus und des Andreas. Wenn ich nur Vollkommenheiten wählte, wie könnten die armen, kranken Seelen hoffen, meine Jünger zu werden? Ich bin gekommen, um das Verlorene zu retten, Mama. Johannes ist von sich aus gerettet. Doch wie viele sind es nicht!“

„Für Levi habe ich keine Angst. Er wurde gerettet, weil er sich erlösen lassen wollte. Er hat seine Sünde mit seiner Zollbank verlassen und hat seine Seele erneuert, um zu dir zu kommen. Doch Judas von Kerioth ist anders. Der Hochmut nimmt seine alte, hässliche Seele immer mehr in Besitz. Doch du weisst diese Dinge, Sohn! Warum fragst du mich? Ich kann für dich nur beten und weinen. Du bist der Meister! Auch deiner armen Mutter.“

Die Vision endet hiermit.

Auszug aus “Der Gottmensch″ Band II von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

23. Januar: Gedenktag Mariä Verlobung

23/01/2011

Die berührende Vision Maria Valtortas, in der der hl. Joseph durch den blühenden Mandelzweig zum Bräutigam Marias bestimmt wird und anschliessend die Begegnung des Handwerkers aus Nazareth mit der Tempeljungfrau Maria stattfindet, kann bei mariavaltorta.info nachgelesen werden. Kapitel 19 – Joseph wird zum Bräutigam der Jungfrau bestimmt. (Hinweis: Pdf Seite 61/ Buch Seite 74)

Sei gegrüßt, heiliger Josef,

du Abbild Gottes, des himmlischen Vaters.

Sei gegrüßt, heiliger Josef,

der du Vater des Sohnes Gottes genannt wirst.

Sei gegrüßt, du Heiligtum des Heiligen Geistes.

Sei gegrüßt, du Geliebter

der Allerheiligsten Dreifaltigkeit.

Sei gegrüßt, du treuester Mithelfer Gottes

bei der Ausführung seiner heiligsten Ratschlüsse.

Sei gegrüßt, du würdigster Bräutigam

der jungfräulichen Mutter.

Sei gegrüßt, du geistlicher Vater der Gläubigen.

Sei gegrüßt, du besonderer Beschützer jungfräulicher Seelen.

Sei gegrüßt, du innigster Freund der Armut.

Sei gegrüßt, du Vorbild der Sanftmut und Geduld.

Sei gegrüßt, du Beispiel der Demut und des Gehorsams.

Sei gegrüßt, du Beschützer der heiligen Kirche.

 

Jesu Begegnung mit Johannes und Jakobus

22/01/2011
(zum Sonntags-Evangelium vom 23. Januar 2011: Matthäus 4,12-23)

Ich sehe Jesus auf dem schmalen grünen Pfad längs des Jordan dahinschreiten. Er ist in der Nähe des Ortes, wo er getauft worden ist, und zwar beim Flußübergang, der sehr bekannt zu sein scheint und von vielen zum Überqueren benützt wird. Doch der Ort, den ich noch vor kurzem voller Leute gesehen habe, erscheint nun menschenleer. Nur einige Wanderer, zu Fuß oder auf einem Reittier, sind zu sehen.

Jesus scheint in Gedanken versunken und schreitet nach Norden weiter. Bei der Furt angekommen, begegnet er einer Gruppe von Männern verschiedenen Alters, die eifrig miteinander diskutieren und sich dann trennen, die einen schreiten in nördlicher, die anderen in südlicher Richtung weiter. Unter denen, welche sich nach Norden wenden, sehe ich Johannes und Jakobus. Johannes bemerkt Jesus zuerst und macht seinen Bruder auf ihn aufmerksam. Sie reden noch etwas miteinander, dann beeilt sich Johannes, Jesus einzuholen. Jakobus folgt langsam. Die anderen achten nicht darauf und gehen diskutierend weiter.

Als Johannes Jesus bis auf zwei oder drei Meter eingeholt hat, ruft er: „Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt!“

Jesus wendet sich um und schaut ihn an. Sie stehen sich nun gegenüber und betrachten sich. Jesus tut dies ernst und eindringlich; Johannes mit reinen Augen und einem Lächeln im kindlichen Gesicht, das beinahe mädchenhaft wirkt. Er dürfte ungefähr 20 Jahre alt sein, und auf den rosigen Wangen ist nur ein leichter, blonder Flaum, der wie ein goldener Schleier aussieht.

Jesus fragt: „Wen suchst du?“

„Dich, Meister.“

„Woher weißt du, dass ich Meister bin?“

„Der Täufer hat es mir gesagt.“

„Warum nennst du mich Lamm?“

„Ich hörte Johannes dich so nennen. Es war vor ungefähr einem Monat, als du hierhergekommen bist.“

„Was willst du von mir?“

„Dass du uns Worte des ewigen Lebens verkündest und uns tröstest.“

„Wer bist du?“

„Ich bin Johannes, Sohn des Zebedäus, und dies ist mein Bruder, Jakobus. Wir sind aus Galiläa und Fischer. Wir sind jedoch auch Jünger des Johannes des Täufers. Er verkündete uns Worte des Lebens, und wir nahmen sie in unser Herz auf, da wir Gott folgen wollen und unsere Herzen durch Buße auf die Ankunft des Messias vorbereiten, um Vergebung zu erlangen. Du bist der Messias. Johannes hat es uns gesagt; denn er hat das Zeichen der Taube gesehen, die sich auf dir niedergelassen hat. Er sagte zu uns: „Seht das Lamm Gottes!“ Ich bitte dich, Lamm Gottes, das du hinwegnimmst die Sünden der Welt, gib uns den Frieden! Wir haben nämlich niemanden mehr, der uns leitet, und unsere Seele ist betrübt.“

„Wo ist Johannes?“

„Herodes hat ihn gefangennehmen lassen. Nun befindet er sich im Gefängnis. Seine Getreuen haben versucht, ihn zu befreien. Doch es ist unmöglich. Wir kommen gerade von dort. Lass uns mit dir gehen, Meister, zeige uns, wo du wohnst!“


„Kommt mit! Doch wisst ihr, um was ihr bittet? Wer mir nachfolgen will, muss auf alles verzichten: auf Haus, Verwandte, seine Art zu denken und selbst das Leben. Ich werde euch zu meinen Jüngern und Freunden machen, wenn ihr wollt. Doch habe ich keine Reichtümer oder Gönner. Ich bin arm und werde noch ärmer werden, bis ich nichts mehr habe, um mein Haupt darauf zu legen. Und ich werde verfolgt werden, mehr als ein verirrtes Lamm von hungrigen Wölfen verfolgt wird. Meine Lehre ist noch strenger als die Lehre des Täufers, da sie sogar verbietet, nachtragend zu sein. Meine Lehre richtet sich mehr an die Seele als an das Äußere. Ihr müsst wiedergeboren werden, wenn ihr mir gehören wollt. Wollt ihr das?“

„Ja, Meister, denn du allein hast Worte, die uns Licht geben. Sie erleuchten uns, und wo zuerst finstere Trostlosigkeit herrschte, weil wir ohne Führung waren, erfüllen sie uns mit Sonnenlicht.“

„Kommt also, und gehen wir! Unterwegs werde ich euch belehren.“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band I von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


26. Dezember: Fest der Heiligen Familie

25/12/2010

Die Heilige Familie in Ägypten

Eine liebliche Vision von der Heiligen Familie. Der Ort befindet sich in Ägypten; darüber besteht kein Zweifel, denn ich sehe die Wüste und eine Pyramide.

Ich sehe ein Häuschen, das aus einem weissen Erdgeschoß besteht. Ein armes Haus sehr armer Leute. Seine Mauern sind kaum verputzt und mit einer schwachen Kalkschicht bestrichen. Das Häuschen hat zwei nebeneinanderliegende Türen, die in die zwei einzigen Räume führen, in die ich vorerst nicht eintrete. Das Häuschen steht auf einem sandigen Boden, der von einem Schilfrohrhag eingezäunt ist. Nur ein schwacher Schutz gegen Diebe; er kann wohl höchstens Hunde oder umherirrende Katzen abwehren. Wer möchte auch dort etwas stehlen, wo offenbar keine Spur von Reichtum zu finden ist?

Um den Zaun etwas solider und weniger armselig erscheinen zu lassen, hat man an ihm eine einfache Ackerwinde emporklettern lassen. Nur auf der einen Seite ist ein blühender Jasminstrauch und ein Rosenstock von der allergewöhnlichsten Sorte. Das kleine Stück Land innerhalb des Rohrzauns ist sorgfältig bebaut. Trotz des trockenen und mageren Geländes ist ein kleines Gärtchen angelegt worden. Ich sehe das bescheidene Grün der wenigen Beete unter einem Baum mit hohem Stamm, dessen Namen ich nicht kenne; dieser gibt dem der Sonne sehr ausgesetzten Gelände und dem Häuschen etwas Schatten. An dem Baumstamm ist eine schwarzweiße Ziege angebunden, die Blätter von Zweigen, die auf dem Boden liegen, abreißt und wiederkäut.


Im Schatten des Baumes, auf einer am Boden ausgebreiteten Matte, sitzt das Jesuskind. Es scheint mir zwei, höchstens zweieinhalb Jahre alt zu sein. Es spielt mit einigen geschnitzten Figuren, die Schäfchen oder Pferdchen darstellen, und mit einigen hellen Holzspänen, die weniger geringelt sind als seine goldenen Locken. Mit den Patschhändchen versucht es, Hobelspäne um den Hals seiner Tierchen zu legen.

Das Jesuskind ist brav und lächelt. Ein wunderschöner Anblick! Ein Köpfchen voller goldener, sehr dichter Locken. Die Haut hell und zart gerötet; lebhafte, strahlende, tiefblaue Augen. Der Ausdruck ist natürlich nicht der frühere, aber an der Farbe der Augen erkenne ich meinen Jesus: zwei dunkle, überaus schöne Saphire. Es trägt eine Art langes weißes Hemdchen, das sicher als Tunika dient. Die Ärmel reichen bis zu den Ellbogen. Er ist zurzeit barfuß. Die Sandälchen liegen auf der Matte, und auch sie dienen dem Kind als Spielzeug; es legt seine Tiere auf die Sohle und zieht an den Nesteln des Sandälchens, als wäre es ein kleines Fuhrwerk. Es sind sehr einfache Sandälchen: eine Sohle und zwei Nesteln, von denen eine an der Spitze, die andere an der Ferse befestigt ist. Die an der Spitze teilt sich an einem bestimmten Punkt, und ein Teil geht durch die Öse des Riemens an der Ferse, um sich dann mit dem anderen Teil verflechten zu lassen und auf dem Rist des Fußes einen Ring zu bilden.

In geringer Entfernung, ebenfalls im Schatten des Baumes, sitzt die Muttergottes. Sie webt an einem einfachen Webstuhl und überwacht das Kind. Ich sehe, wie die feinen, weissen Hände das Weberschiffchen hin-und herbewegen; ihr mit Sandalen bekleideter Fuß tritt das Pedal. Sie trägt eine malvenfarbige Tunika: rötlich-violett wie gewisse Amethyste. Sie ist barhaupt, und so kann ich erkennen, dass ihre auf dem Haupt gescheitelten blonden Haare einfach gekämmt, zu zwei Zöpfen geflochten und am Nacken zu einem zierlichen Knoten zusammengefasst sind. Sie trägt lange, fast enge Ärmel. Sie hat keinen anderen Schmuck als ihre Schönheit und ihren lieblichen Gesichtsausdruck. Die Farbe des Gesichtes, der Haare, der Augen und die Gesichtsform sind so, wie ich sie immer sehe. Hier scheint sie sehr jung, höchstens zwanzig Jahre alt.

Auf einmal erhebt sie sich, beugt sich über das Kind, legt ihm die Sandälchen an und schnürt sie mit Sorgfalt. Dann liebkost sie es und küßt es auf das Köpfchen und die Äuglein. Das Jesuskind lallt etwas, und sie antwortet; aber ich verstehe die Worte nicht. Dann kehrt sie zu ihrem Webstuhl zurück, breitet über Leinwand und Gestell ein Tuch aus, nimmt den Schemel, auf dem sie gesessen hat, und trägt ihn ins Haus. Das Knäblein folgt ihr mit dem Blick, ohne sich zu ängstigen, weil sie es allein läßt.

Man sieht, dass die Arbeit beendet ist und der Abend hereinbricht. Tatsächlich senkt sich die Sonne über die nackte Landschaft, und ein wahrer Feuerbrand zieht am Himmel hinter der fernen Pyramide auf.

Maria erscheint wieder; sie nimmt Jesus bei der Hand und lässt ihn von seiner Strohmatte aufstehen. Das Kind gehorcht ohne Widerstand, während die Mutter das Spielzeug und die Matte zusammenrafft und ins Haus trägt. Es trippelt auf seinen wie gedrechselten Beinchen zur kleinen Ziege und wirft ihr die Ärmchen um den Hals. Die Ziege meckert und streift ihr Mäulchen an der Schulter Jesu.

Maria kommt wieder. Jetzt hat sie einen langen Schleier auf dem Haupt und einen Krug in der Hand. Sie nimmt Jesus beim Händchen, und beide gehen um das Häuslein herum auf die Vorderseite.

Ich folge ihnen mit meinen Augen und bewundere die Anmut des Bildes. Die Muttergottes bemisst ihren Schritt nach dem des Kindes, und das Kind trippelt an ihrer Seite. Ich sehe die rosigen Fersen, die mit der den Kinderschritten eigenen Grazie sich erheben und im Sand des Pfades aufsetzen. Es fällt mir auf, dass seine Tunika nicht bis zu den Füssen, sondern nur bis zur Mitte der Waden reicht. Sie ist sehr reinlich, sehr einfach und wird um die Lenden von einer ebenfalls weissen Kordel festgehalten.

Ich sehe, dass vor dem Haus der Zaun von einer einfachen Gartentür unterbrochen wird, die Maria öffnet, um auf den Weg hinauszutreten. Ein armseliger Weg am Rand einer Stadt oder eines Dorfes, was es auch immer sein mag, dort, wo es auf dem sandigen Boden endet; noch ein anderes Häuschen steht hier, arm wie das ihrige, mit einem kleinen Garten. Ich sehe niemanden. Maria schaut zur Ortsmitte hin, nicht zum Land, als ob sie jemanden erwarte; dann geht sie auf eine Quelle oder einen Brunnen zu, der  zehn, zwanzig Meter weit entfernt und von einigen schattigen Palmen umgeben ist. Ich sehe, dass der Boden dort auch grüne Gräser aufweist.

Ich sehe einen Mann des Weges kommen; er ist nicht sehr gross, aber kräftig. Ich erkenne in ihm Joseph. Er lächelt; er ist jünger als zu dem Zeitpunkt, da ich ihn in der Paradiesesvision sah. Er scheint höchstens vierzig Jahre zu zählen. Haut und Barthaare sind dicht und schwarz, die Haut etwas gebräunt, die Augen dunkel. Er hat ein ehrliches und ansprechendes Gesicht und einen Blick, der Vertrauen einflösst. Sobald er Jesus und Maria sieht, beschleunigt er seine Schritte. Auf der linken Schulter trägt er eine Säge und eine Art Hobel, und in der Hand hält er andere Werkzeuge seines Handwerks, die den heutigen ähnlich sind. Es scheint, dass er von einer Arbeit heimkehrt, die er in irgendeinem Haus geleistet hat.

Sein Gewand hat die Farbe zwischen nuss- und haselnussbraun; es ist nicht sehr lang; es endet ein gutes Stück über den Knöcheln, und die Ärmel reichen bis zu den Ellbogen. Um die Lenden trägt er einen Ledergurt, wie mir scheint; ein wahres Arbeitergewand. An den Füssen Sandalen, die um die Knöchel geschnürt sind.

Maria lächelt, das Kind gibt Freudenschreie von sich und streckt das freie Ärmchen aus. Bei der Begegnung der drei beugt sich Joseph über das Kind und gibt ihm eine Frucht, offenbar einen Apfel, nach Farbe und Form zu schliessen. Dann hält er ihm die Arme entgegen, und das Kind verlässt die Mutter und stürzt sich in Josephs Arme, neigt das Köpfchen zum Hals Josephs, küsst ihn und wird von ihm geküsst. Eine Szene voll zärtlicher Anmut.

Ich vergaß zu sagen, dass Maria bereitwillig die Arbeitswerkzeuge Josephs übernommen hat, um ihn für die Umarmung des Kindes frei zu machen.

Joseph erhebt sich wieder; er hatte sich bis zur Höhe Jesu niedergebeugt. Nun nimmt er mit der linken Hand seine Werkzeuge wieder und hält auf dem rechten Arm den kleinen Jesus fest an seine starke Brust. Er nähert sich dem Haus, während Maria zur Quelle geht, um ihren Krug mit Wasser zu füllen. Nachdem er in die Umzäunung des Hauses eingetreten ist, stellt Joseph das Knäblein zu Boden, nimmt den Webstuhl Marias und trägt ihn ins Haus; dann melkt er die Ziege. Und Jesus beobachtet aufmerksam jede Handlung, auch wie die Ziege in ihren kleinen Stall auf einer Seite des Hauses gebracht wird.

Der Abend sinkt hernieder. Ich sehe, wie das Rot des Sonnenuntergangs auf dem Sand in Violett übergeht; die Luft scheint vor Wärme zu zittern, und die Pyramide wird dunkler.

Joseph geht in das Haus, in ein Zimmer, das zugleich Werkstatt, Küche und Esszimmer ist. Es scheint, dass das andere Zimmer als Schlafraum dient. Aber dort sehe ich nicht hinein. Hier ist eine niedrige brennende Feuerstelle, dort eine Hobelbank, ein kleiner Tisch, ein Schemel, ein Gestell mit Geschirr und zwei Öllampen. In einem Winkel steht der Webstuhl.

Es herrscht sehr gute Ordnung und Reinlichkeit. Eine arme, aber äusserst saubere Wohnung.

Folgende Beobachtung mache ich immer wieder: Bei allen Visionen, die das menschliche Leben Jesu betreffen, habe ich bemerkt, dass sowohl Jesus als auch Maria, Joseph und ebenso Johannes immer ordentlich und reinlich sind in ihren Kleidern und in der Haarpflege. Bescheidene Gewänder und einfache Frisur, aber eine Reinlichkeit, die sie vornehm erscheinen lässt.

Maria kommt mit ihrem Krug zurück, und die Tür wird von der plötzlich hereinbrechenden Dämmerung geschlossen. Der Raum wird von einer Lampe erhellt, die Joseph angezündet und auf eine Bank gestellt hat. Dort hat er wieder begonnen, an kleinen Holzstücken zu basteln, während Maria das Abendbrot bereitet. Auch das Feuer erhellt den Raum.

Die Händchen auf die Bank gestützt und das Köpfchen nach oben gerichtet, beobachtet Jesus, was Joseph tut. Dann setzen sie sich nach einem Gebet zu Tisch. Sie machen natürlich nicht das Kreuzzeichen, aber sie beten. Joseph betet vor, und Maria antwortet. Ich verstehe nichts. Es muss ein Psalm sein. Aber es ist eine Sprache, die mir völlig unbekannt ist.

Dann setzen sie sich an den Tisch, auf dem jetzt die Lampe steht. Maria hat Jesus auf dem Schoß und gibt ihm Ziegenmilch zu trinken, in welche sie Brotstückchen eintunkt, die sie von runden Brotscheiben abgebrochen hat. Die Kruste des Brotes ist dunkel, aber auch die Krume. Das Brot ist aus Roggen- oder Gerstenmehl hergestellt, jedenfalls enthält es viel Kleie und ist grau. Dann setzt Maria Jesus neben sich auf ein Sesselchen und bringt gekochtes Gemüse auf den Tisch; es scheint mir gekocht und angemacht zu sein, wie wir es zu tun pflegen. Nachdem Joseph sich bedient hat, isst auch Maria davon. Jesus knabbert ruhig an seinem Apfel und lächelt, wobei seine weissen Zähnchen sichtbar werden. Die Mahlzeit endet mit Oliven oder Datteln; ich bin mir nicht sicher; für Oliven sind sie zu hell und für Datteln zu hart; Wein fehlt. Ein Nachtmahl armer Leute. Aber der Raum strahlt einen grossen Frieden aus; der Anblick eines prunkvollen Königspalastes könnte mir keinen so tiefen Eindruck vermitteln. Und welch eine Harmonie!

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band I von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Maria von Nazareth spricht sich mit Joseph aus

18/12/2010
(zum Sonntags-Evangelium vom 19. Dezember 2010: Matthäus 1,18-24)

Nach 53 Tagen zeigt die Mutter sich wieder mit der folgenden Vision, die ich nach ihrer Anweisung in dieses Buch einfügen soll. Die Freude erneuert sich in mir. Denn Maria sehen heißt Freude besitzen.

Ich sehe also das Gärtlein von Nazareth. Maria spinnt im Schatten eines dicht belaubten Apfelbaums, der voll beladen ist mit Früchten, die sich zu röten beginnen und rosig und rund wie Kinderbäcklein sind.


Aber Maria ist es durchaus nicht rosig zumute. Die schöne Farbe, die ihre Wangen in Hebron belebte, ist verschwunden. Ihr Antlitz ist bleich wie Elfenbein. Nur die Lippen zeichnen einen Bogen von bleichem Korall. Unter den gesenkten Wimpern liegen zwei dunkle Schatten, und die Augenränder sind geschwollen wie bei jemandem, der geweint hat. Ich sehe ihre Augen nicht, denn ihr Haupt ist nach vorne geneigt. Ihre Aufmerksamkeit ist auf ihre Arbeit gerichtet und mehr noch auf betrübliche Gedanken, denn ich höre sie seufzen wie jemanden, der im Herzen schmerzlich leidet. Sie ist weiß gekleidet, in weißes Linnen; es ist sehr warm, obwohl die noch volle Frische der Blumen mir sagt, dass es Morgen sein muss. Ihr Haupt ist unbedeckt, die mit dem von einem leichten Wind bewegten Blätterwerk des Apfelbaumes spielt und wie mit Lichtbündeln bis zur braunen Erde der Blumenbeete vordringt, zeichnet Lichtkreise auf ihr blondes Haupt, und die Haare leuchten dort wie Dukatengold.

Vom Haus her dringt kein Geräusch, ebensowenig von den benachbarten Gärten. Man hört nur das Murmeln eines kleinen Wasserrinnsals, das hinten im Garten in ein Becken plätschert.

Ein kräftiges Klopfen an der Außentür des Hauses lässt Maria auffahren. Sie legt Spinnrocken und Spindel nieder und geht, um zu öffnen. Wenn auch ihr Gewand noch so locker und weit ist, es gelingt ihm nicht vollständig, die Rundung des Leibes zu verbergen.

Vor ihr steht Joseph. Maria erbleicht bis zu den Lippen. Jetzt gleicht ihr Antlitz einer Hostie, so blutleer ist es. Maria schaut ihn an mit einem traurigen, fragenden Blick. Joseph sieht sie an mit fast flehenden Augen. Schweigend schauen sie sich an. Maria öffnet den Mund: „Zu dieser Stunde, Joseph? Brauchst du etwas? Was willst du mir sagen? Komm!“

Joseph tritt ein und schließt die Tür. Er spricht noch nicht.

„Sprich, Joseph! Was willst du von mir?“

„Dein Verzeihen.“ Joseph beugt sich nieder, als wollte er niederknien. Aber Maria, sonst immer so zurückhaltend, ihn zu berühren, fasst ihn entschlossen bei den Schultern und hindert ihn daran. Die Farbe im Antlitz Marias wechselt ständig. Bald ist sie ganz rot, bald schneeweiß wie vorher.

„Nicht Verzeihen! Ich habe dir nichts zu verzeihen, Joseph. Ich kann dir immer nur danken für alles, was du hier drinnen während meiner Abwesenheit getan hast, und für die Liebe, die du mir entgegenbringst.“

Joseph schaut sie an, und ich sehe, wie sich zwei große Tränen in der Höhlung seiner tiefen Augen bilden; sie stehen wie auf dem Rand eines Gefäßes und rollen dann über Wangen und Bart. „Verzeih, Maria! Ich habe dir misstraut. Jetzt weiß ich (Matth 1, 19-24). Ich bin nicht würdig, einen solchen Schatz zu besitzen. Ich habe gegen die Liebe gefehlt, ich habe dich in meinem Herzen angeklagt. Ich habe dich ungerechterweise angeklagt, denn ich habe dich nicht nach der Wahrheit gefragt. Ich habe gegen das Gesetz Gottes gefehlt, weil ich dich nicht geliebt habe, wie ich mich selbst geliebt hätte…“ (Lev 19,18).

„Oh! Nein! Du hast nicht gefehlt!“

„Doch, Maria! Wenn ich eines solchen Fehlers angeklagt worden wäre, hätte ich mich verteidigt. Du jedoch… Ich habe dir nicht ermöglicht, dich zu verteidigen, denn ich war daran, Entscheidungen zu treffen, ohne dich zu fragen. Ich habe gegen dich gefehlt, weil ich dich mit meinem Verdacht beleidigt habe. Schon ein Verdacht ist eine Beleidigung, Maria. Wer Verdacht schöpft, versteht nicht. Ich habe dich nicht verstanden, wie ich hätte sollen. Aber um des Schmerzes willen, den ich gelitten habe… drei Tage der Qual, verzeih mir, Maria!“


„Ich habe dir nichts zu verzeihen. Im Gegenteil: Ich bitte dich um Verzeihung für den Schmerz, den ich dir bereitet habe.“

„O ja, das war ein Schmerz! Welch ein Schmerz! Schau: Heute morgen hat man mir gesagt, dass ich um die Schläfen weiß geworden bin, dass ich im Gesicht Falten habe. Um mehr als zehn Lebensjahre bin ich in diesen Tagen älter geworden! Aber warum, Maria, bist du so demütig gewesen, vor mir, deinem Bräutigam, deinen Ruhm zu verbergen, und hast gestattet, dass ich dich verdächtige?“

Joseph kniet nicht mehr, aber er steht so gebeugt da, dass es fast so scheint. Maria legt ihre kleine Hand auf sein Haupt und lächelt. Sie scheint ihm zu verzeihen und sagt: „Wenn meine Demut nicht vollkommen gewesen wäre, hätte ich nicht verdient, den zu empfangen, der kommt, die Schuld jenes Hochmuts zu tilgen, der den Menschen zugrunde gerichtet hat. Und dann  habe ich gehorcht… Gott hat diesen Gehorsam von mir verlangt. Er hat mich sehr viel gekostet… um deinetwillen, um des Schmerzes willen, den du erlitten hast. Aber ich konnte nur gehorchen. Ich bin die Magd Gottes, und die Diener widersprechen den Anordnungen nicht, die sie erhalten. Sie führen sie aus, Joseph, auch wenn es sie blutige Tränen kostet.“ Maria weint leise, während sie spricht. So still, dass Joseph, gebeugt wie er ist, es erst bemerkt, als eine Träne zu Boden fällt.

Da erhebt er das Haupt, und – es ist das erste Mal, dass ich ihn dies tun sehe – er nimmt die zarten Hände Marias in seine braunen, starken Hände und küsst die Spitzen der zarten Finger, die wie Pfirsichknospen aus den umschließenden Händen Josephs hervorragen.

„Aber jetzt muss vorgesorgt werden, weil… „Joseph spricht nicht weiter, sondern blickt auf den Leib Marias. Sie wird purpurrot und setzt sich sogleich, um ihre Körperformen nicht so seinem Blick auszusetzen. „Es muss schnell etwas geschehen. Ich werde hierherkommen. Wir werden die Ehe schliessen… (Matth 1,24) in der kommenden Woche… passt es dir?“

„Alles, was du tust, ist gut, Joseph. Du bist der Hausherr, ich deine Dienerin.“

„Nein. Ich bin dein Diener. Ich bin der glückliche Knecht meines Herrn, der in deinem Schoß heranwächst. Du bist gebenedeit unter allen Frauen Israels. Heute abend werde ich die Verwandten benachrichtigen und dann…, wenn ich hier sein werde, werden wir alles vorbereiten für sein Kommen… Oh! Wie werde ich Gott in meinem Haus empfangen können? Gott in meinen Armen? Ich werde sterben vor Freude! … Ich werde nie wagen, ihn zu berühren! …“

„Du wirst es können, wie ich es können werde, durch die Gnade Gottes.“

„Aber du bist du! Ich bin ein armer Mensch, der ärmste der Söhne Gottes… !“


„Jesus kommt für uns Arme, um uns reich zu machen in Gott; er kommt zu uns beiden, denn wir sind die Ärmsten und erkennen an, es zu sein! Freue dich, Joseph! Der Stamm Davids hat den erwarteten König, und unser Haus wird prächtiger sein als der Königspalast Salomons; denn hier wird der Himmel sein. Wir werden mit Gott das Geheimnis des Friedens teilen, das die Menschen später kennen werden. Er wird unter uns aufwachsen, und unsere Arme werden die Wiege des heranwachsenden Erlösers sein, und unsere Mühen werden ihm das Brot sichern… Oh, Joseph, wir werden die Stimme Gottes vernehmen, die „Vater und Mutter“ zu uns sagen wird! Oh!“ Maria weint vor Freude: ein glückliches Weinen!

Und Joseph kniet jetzt zu ihren Füssen und weint, das Haupt fast in ihrem weiten Gewand verborgen, das in Falten auf den armen Ziegelboden des Zimmers fällt.

Hier endet die Vision.

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band I von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Die Passionszeit des heiligen Joseph

Die Zeit der Ernte

27/06/2010

(zum Sonntags-Evangelium vom 27. Juni 2010: Lk 9,51-62)

Sie machen einen Bogen um Thersa, zwischen halbdunklen Feldern und Gärten, aber der Bogen ist nicht so gross, als dass sie nicht Männer an den Ausgängen der Stadt sehen würden, die um Feuer herumsitzen…

„Sie lauern uns auf…“ sagt Matthäus.

„Die Verfluchten!“ zischt Philippus zwischen den Zähnen.

Petrus sagt nichts. Er erhebt nur die Arme zum Himmel und schüttelt sie, eine stumme Bitte oder ein Protest.

Aber Jakobus und Johannes des Zebedäus, die den anderen etwas vorausgegangen sind und eifrig miteinander geredet haben, kehren nun zurück und sagen: „Meister, wenn du in deiner vollkommenen Liebe nicht strafen willst, sollen wir es dann an deiner Stelle tun? Willst du, dass wir Feuer vom Himmel herabrufen, damit es diese Sünder vernichtet? Du hast uns gesagt, dass wir alles vermögen, wenn wir mit Glauben darum bitten, und…“

Jesus, der etwas gebeugt gegangen ist, so als wäre er müde, richtet sich mit einem Ruck auf und blitzt sie mit zwei Augen an, die im Mondschein aufflammen. Die beiden verstummen und weichen schweigend und furchtsam vor diesem Blick zurück. Jesus, der sie immer noch so anschaut, sagt: „Ihr wisst nicht, wessen Geistes Kinder ihr seid! Der Menschensohn ist nicht gekommen, um die Seelen zu richten, sondern um sie zu retten. Erinnert ihr euch nicht mehr meiner Worte? Ich habe im Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut gesagt: „Lasst den Weizen und das Unkraut zusammen wachsen. Denn wolltet ihr sie jetzt trennen, könntet ihr mit dem Unkraut auch den Weizen ausreissen. Lasst sie daher bis zur Ernte zusammen wachsen. Zur Zeit der Ernte will ich den Schnittern sagen: Sammelt nun das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen. Den Weizen aber bringt in meine Scheune.“

Jesus hat seinen Unmut über die Beiden schon gemässigt, die in ihrem Zorn aus Liebe zu ihm darum bitten, Thersa bestrafen zu dürfen, und nun mit gesenktem Haupt vor ihm stehen. Er nimmt sie, den einen rechts, den anderen links, beim Ellbogen und setzt seinen Weg fort, wobei er sie so führt und zu allen spricht, die sich um ihn gesammelt haben, als er stehengeblieben ist: „Wahrlich, ich sage euch, die Zeit der Ernte ist nahe. Meine erste Ernte. Für viele wird es keine zweite geben. Doch preisen wir den Allerhöchsten, denn einige, die zu meiner Zeit nicht zur guten Ähre geworden sind, werden nach der Reinigung durch das österliche Opfer mit einer neuen Seele wiedergeboren werden… Bis zu jenem Tag werde ich niemanden strafen… Danach wird die Gerechtigkeit walten…“

Fra Angelico: Christus als Weltenrichter

„Nach dem Passahfest?“ fragt Petrus.

„Nein, nach der Zeit. Ich spreche nicht von diesen Menschen, von heute. Ich schaue in die künftigen Jahrhunderte. Der Mensch erneuert sich immer, wie das Getreide auf den Feldern. Und die Ernten wiederholen sich. Ich werde das Nötige hinterlassen, damit die Menschen der Zukunft guter Weizen werden können. Wenn sie es nicht wollen, dann werden am Ende der Welt meine Engel das Unkraut vom Weizen trennen. Das wird der ewige Tag sein, der Gott allein gehört. Jetzt ist auf der Welt der Tag Gottes und des Satans. Der erste sät den guten Samen aus, der zweite wirft sein verfluchtes Unkraut unter den Samen Gottes, sein Ärgernis, seine Bosheit, seinen Samen, der Bosheit und Ärgernisse hervorruft. Denn es wird immer solche geben, die gegen Gott aufwiegeln, so wie hier, mit diesen, die in Wahrheit weniger schuldig sind als jene, die sie zum Bösen angereizt haben.“

„Meister, jedes Jahr reinigen wir uns zum Passahfest, und doch bleiben wir immer so, wie wir sind. Wird es vielleicht dieses Jahr anders sein?“ fragt Matthäus.

„Ganz anders.“

„Warum? Erkläre es uns.“

„Morgen… Morgen, oder wenn wir unterwegs sind und auch Judas des Simon bei uns ist, werde ich es euch sagen…“

„O ja, du wirst es uns sagen, und wir werden uns bessern… Verzeih uns inzwischen, Jesus“, sagt Johannes.

„Ich habe euch durchaus den richtigen Namen gegeben. Aber der Donner schadet nicht. Der Blitz kann töten. Doch kündigt der Donner oft den Blitz an. So geschieht es dem, der nicht alle Unordnung gegen die Liebe aus seinem Geist entfernt. Heute bittet er darum, bestrafen zu dürfen. Morgen bestraft er, ohne vorher zu fragen. Übermorgen bestraft er auch ohne Grund. Der Abstieg ist leicht… Deshalb sage ich euch, vermeidet jede Härte eurem Nächsten gegenüber. Handelt so wie ich, und ihr werdet sicher sein, niemals fehlzugehen. Habt ihr jemals gesehen, dass ich mich an denen gerächt habe, die mir Schmerz zugefügt haben?“

„Nein, Meister. Du…“

„Meister! Meister! Wir sind hier. Ich und Elisa. Oh Meister, wieviel Aufregung deinetwegen! Und wieviel Angst vor dem Tod!“ ruft Judas von Kerioth, der hinter einer Reihe Weinstöcke hervorkommt und auf Jesus zueilt. Um die Stirne trägt er eine Binde. Elisa folgt ihm mit mehr Ruhe.

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. X von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Apokalypse und Antichrist

Vorzeichen für das zweite Kommen Jesu