Archive for the 'VALTORTA: Wunder u. Gleichnisse Jesu' Category

Das Gleichnis vom König, der seinem Sohn die Hochzeit bereitet

09/10/2011

zum Sonntags-Evangelium vom 9. Oktober 2011: Mt 22,1-14

„… Die Verbündeten, die Freunde, die Großen seines Volkes hat Gott wirklich durch seine Diener eingeladen, und er wird sie immer dringender einladen, je näher die Stunde der Hochzeit rückt. Aber sie werden die Einladung nicht annehmen, denn sie sind falsche Verbündete, falsche Freunde und nur dem Namen nach Große; denn Niederträchtigkeit steckt in ihnen.“

Jesus läßt seine Stimme immer mehr anschwellen; seine Augen sind wahre Lichtbündel im Schein des Feuers, das für ihn und die Zuhörer angezündet worden ist, um den Abend zu erhellen, da der im letzten Viertel stehende Mond erst spät aufgeht. „Ja, Niederträchtigkeit steckt in ihnen, und daher verstehen sie nicht, dass es eine Pflicht und eine Ehre für sie ist, der Einladung des Königs zu folgen.

Hochmut, Härte und Fleischeslust bilden ein Bollwerk in ihren Herzen. Und – Unglückliche, die sie sind! – sie hassen mich und wollen daher nicht zur Hochzeit kommen. Sie wollen nicht kommen. Sie ziehen der Hochzeit schmutzige Verbindungen mit der Politik, schmieriges Geld und schmutzige Sinnenlust vor. Sie ziehen die schmählichen Berechnungen, Verschwörungen, heimtückische Verschwörungen, die Täuschung und das Verbrechen vor.

Dies alles verurteile ich im Namen Gottes. Und gerade deshalb hasst man die Stimme, die spricht, und die Feste, zu welchen sie einlädt. In diesem Volk werden Henker der Diener Gottes, der Propheten gesucht. Die Propheten waren die Diener Gottes bis jetzt; meine Jünger sind die Diener von jetzt an. In diesem Volk werden Spötter gesucht, die sagen: „Ja, wir kommen“, während sie im Innern denken: „Nie und nimmer.“ Das geschieht in Israel.

Damit der Sohn eine würdige Hochzeitsfeier habe, schickt der König des Himmels seine Diener an die Wegkreuzungen, um jene einzuladen, die keine Freunde, keine Vornehmen und keine Verbündeten sind, sondern einfaches, vorüberziehendes Volk. Durch meine Hand, die Hand des Sohnes und Dieners Gottes, ist schon mit der Ernte begonnen worden.

Wer es auch sein mag, kann kommen… Es sind ihrer schon gekommen. Ich helfe ihnen, sich rein und schön für das Hochzeitsfest zu machen. Aber es sind Menschen darunter, die zu ihrem Unglück von der Hochherzigkeit Gottes Wohlgerüche und königliche Gewänder annehmen, um sich selbst erscheinen zu lassen, was sie nicht sind: als reich und würdig; sie missbrauchen die Güte, um in unwürdiger Weise zu verführen und zu verdienen… Individuen mit niederträchtiger Seele in den Fängen des abstoßenden Polyps der Laster. Sie unterschlagen wohlriechende Essenzen und Gewänder, um unerlaubten Gewinn daraus zu ziehen und sie nicht für die Hochzeit des Königssohnes, sondern für ihre Hochzeit mit dem Satan zu verwenden.

Dies alles wird geschehen, denn viele sind berufen, aber nur wenige, die in der Berufung auszuharren verstehen, auserwählt. 

Es wird aber auch geschehen, dass diese Hyänen, die das Aas der lebendigen Nahrung vorziehen, zur Strafe aus dem Festsaal in die Finsternis des ewigen Sumpfes geworfen werden, in welchem Satan bei jedem Sieg über eine Seele sein schreckliches Gelächter ausstößt, und in dem auf ewig das Klagen der Verzweiflung der Törichten ertönt, die dem Bösen folgten statt der Güte, die sie gerufen hatte.

 


Erhebt euch und lasst uns zur Ruhe gehen. Ich segne euch alle, ihr Bewohner von Bethanien, alle. Ich segne euch und schenke euch meinen Frieden. Und ich segne besonders dich, Lazarus, mein Freund, und dich, Martha. Ich segne meine alten und meine neuen Jünger, die ich in die Welt sende, um zur Hochzeit des Königs einzuladen. Kniet euch alle nieder, ich will euch segnen.

Petrus, sag das Gebet, das ich euch gelehrt habe; sage es hier, an meiner Seite stehend, denn so muss es von dem gesagt werden, der von Gott dazu bestimmt ist.“

Die ganze Versammlung kniet nieder im Heu. Nur Jesus steht in seinem Leinenkleid groß und schön da, Petrus neben ihm, ist aufgeregt, beinahe zitternd. Er betet mit seiner nicht schönen, aber männlichen Stimme langsam, aus Angst, einen Fehler zu machen: „Vater unser…“

Man hört vereinzelt Schluchzen… von Männern, von Frauen… 

Auszug aus “Der Gottmensch″ Band IV von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Das wird nicht verziehen“ – Gleichnis von den zwei Söhnen

25/09/2011

zum Sonntagsevangelium vom 25. Sept. 2011: Mt 21,28-32

Jesus sagt:

„Der Friede sei mit euch. Euch allen, die ihr mich umgebt, möchte ich ein Gleichnis erzählen, und ein jeder mache sich die Lehre daraus und den für ihn passenden Teil zu eigen.

Hört. Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zu dem einen und sagte: „Mein Sohn, komm und arbeite heute im Weinberg deines Vaters.“ Es war dies ein Zeichen der Anerkennung vonseiten des Vaters. Er hielt den Sohn für fähig, dort zu arbeiten, wo bisher der Vater selbst gearbeitet hatte. Es war auch ein Zeichen dafür, dass der Vater im Sohn guten Willen, Standhaftigkeit, Fähigkeit, Erfahrung und Liebe zum Vater sah. 

Aber der Sohn wurde von irdischen Angelegenheiten abgelenkt; er schämte sich auch, im Arbeitsgewand zu erscheinen (Satan bedient sich solcher Ansichten, um vom Guten abzuhalten) und fürchtete den Spott und vielleicht auch Racheakte seitens der Feinde des Vaters, die gegen ihn selbst nicht die Hand zu erheben wagten, wohl aber gegen seinen schwächeren Sohn. So antwortete er: „Ich gehe nicht. Ich habe keine Lust dazu.“ Da ging der Vater zum anderen Sohn und sagte ihm dasselbe, was er zum ersten gesagt hatte. Der zweite antwortete sofort: „Ja Vater, ich gehe sogleich.“

Was geschah? Der erste Sohn war an sich von guter Gesinnung, aber im ersten Augenblick der Versuchung zur Auflehnung erlegen; er bereute jedoch, seinen Vater beleidigt zu haben, und ging ohne ein Wort zu sagen in den Weinberg und arbeitete den ganzen Tag bis zu später Stunde. Dann kehrte er nach Hause zurück mit Frieden im Herzen wegen der erfüllten Pflicht. Der zweite hingegen, lügnerisch und schwächlich wie er war, ging aus dem Haus, schlenderte dann aber im Dorf herum und machte unnütze Besuche bei einflussreichen Freunden, von denen er irgendetwas erhoffte, und sagte sich in seinem Herzen: „Der Vater ist alt und geht nicht aus dem Haus. Ich werde ihm sagen, dass ich ihm gehorcht habe, und er wird es glauben…“

Als der Abend auch für ihn kam kehrte er mit dem gelangweilten Gesicht eines Müßiggängers, jedoch mit sauberen Kleidern nach Hause zurück. Der Vater bemerkte den unsicheren Gruß und verglich ihn mit dem des ersten Sohnes, der müde, schmutzig und abgearbeitet, aber heiter war und einen aufrichtigen, demütigen und liebevollen Blick hatte, der, ohne sich mit der erfüllten Pflicht zu brüsten, sagen wollte: „Ich liebe dich, und zwar aufrichtig. Um dich zufriedenzustellen, habe ich mich überwunden.“ Der Vater umarmte den müden Sohn und sprach: „Sei gesegnet, denn du hast die Liebe verstanden.“

Was haltet ihr davon? Welcher von den beiden hat den Vater geliebt? Sicher werdet ihr sagen: „Der, der den Willen seines Vaters erfüllt hat.“ Und wer hat ihn erfüllt, der erste oder der zweite Sohn?“

„Der erste“, antwortet die Menge einstimmig.

„Ja, der erste. Auch in Israel gibt es so etwas. Nicht die sind die Guten, die da sagen: „Herr, Herr!“ und sich an die Brust schlagen, ohne im Herzen Reue über die begangenen Sünden zu empfinden. Sie werden sogar immer hartherziger. Nicht die sind die Guten, die fromme Riten zur Schau tragen, um als Heilige zu erscheinen, dann aber in ihrem Leben ohne Liebe und Gerechtigkeit sind. Sie handeln gegen den Willen Gottes, der mich entsandt hat und den sie bekämpfen, als ob ich im Auftrag Satans käme. Das wird nicht verziehen. 

Sie sind keine Heiligen in den Augen Gottes; vielmehr sind es die, die anerkennen, dass Gott alles gut macht, was er tut, die den Gesandten Gottes aufnehmen und sich sein Wort anhören, um zu wissen, wie man besser wird, und immer mehr zu erkennen, was der Vater will. Das sind die wahren Heiligen, die dem Allerhöchsten wohlgefällig und teuer sind.

Wahrlich, ich sage euch: die Unwissenden, die Armen, die Zöllner, die Dirnen werden viele übertreffen, die sich „heilig“ nennen, die sich „mächtig“ und „Meister“ nennen; und sie werden in das Reich Gottes gelangen, und Gerechtigkeit wird walten. Johannes ist nach Israel gekommen, um das Volk auf die Wege der Gerechtigkeit zu führen, und sehr viele in Israel haben ihm nicht geglaubt, in Israel, das sich selbst „gelehrt und heilig“ nennt. Aber Zöllner und Dirnen haben ihm geglaubt. Nun bin ich gekommen, und die „gelehrten Heiligen“ glauben mir nicht, aber Arme, Unwissende und Sünder glauben an mich. Ich habe Wunder gewirkt, und nicht einmal an diese haben sie geglaubt; und sie haben es auch nicht bereut, nicht an mich geglaubt zu haben. Im Gegenteil, sie haben mich und jene, die mich lieben, mit Hass überschüttet.

Daher sage ich: „Gesegnet, die an mich glauben und den Willen des Vaters tun, in dem ewiges Heil ist.“ Wachst in eurem Glauben und seid tugendhaft. Ihr werdet den Himmel besitzen, denn ihr habt die Wahrheit zu lieben gewußt.

Geht nun. Gott sei immer mit euch.“

Er segnet und entläßt sie: dann geht er an der Seite des Nikodemus zum Haus des Jüngers, um sich in den heissen Stunden dort aufzuhalten…

Auszug aus “Der Gottmensch″ Band VII von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg

17/09/2011

zum Sonntagsevangelium vom 18. Sept. 2011: Mt 20,1-16a

„… Als die letzten an der Reihe waren, die von der ersten Stunde des Tages an gearbeitet hatten, waren sie erstaunt darüber, dass auch sie nur einen Dinar erhielten, und beklagten sich untereinander und beim Verwalter, der ihnen erwiderte: „Ich habe diese Anordnung erhalten. Geht und beklagt euch bei meinem Herrn und nicht bei mir.“ Diese gingen hin und sprachen: „Siehe, du bist nicht gerecht. Wir haben zwölf Stunden lang gearbeitet, erst in der Nässe des Taus, dann unter der stechenden Sonne und schließlich wieder in der Feuchtigkeit des Abends, und du hast uns denselben Lohn gegeben wie jenen Faulpelzen, die nur eine Stunde gearbeitet haben…! Warum das?“ Besonders einer unter ihnen erhob seine Stimme und behauptete, betrogen und in unwürdiger Weise ausgenützt worden zu sein. 

„Freund, worin tue ich dir unrecht? Was habe ich in der Frühe mit dir vereinbart? Die Arbeit eines Tages, und als Lohn einen Dinar, nicht wahr?“

„Ja, das ist wahr. Aber du hast jenen dasselbe gegeben, obwohl sie viel weniger gearbeitet haben…“

„Du warst doch mit diesem Lohn einverstanden und er schien dir gerecht zu sein?“

„Ja, ich war damit einverstanden, weil andere mir vielleicht weniger gegeben hätten.“

„Bist du bei mir überfordert worden?“

„Nein, gewiss nicht.“

„Ich habe dir während des Tages eine lange Ruhepause gewährt und dir auch Nahrung gegeben! Drei Mahlzeiten hast du erhalten, und Speisen und Ruhepausen waren nicht vereinbart. Nicht wahr?“

„Nein, sie waren nicht vereinbart.“

„Warum hast du sie dann angenommen?“

„Aber… Du hast gesagt: ‚Es ist besser so, damit ihr nicht zu müde nach Hause kommt.‘ Wir glaubten, nicht recht zu hören… Deine Mahlzeiten waren gut, es war für uns eine Ersparnis, es war…“

„Es war eine Gnade, die ich euch umsonst gab und die niemand verlangen konnte. Nicht wahr!?“

„Das stimmt.“

„So bin ich also auch mit euch gut gewesen. Warum beklagt ihr euch dann? Ich müsste mich über euch beklagen, denn als ihr gesehen habt, dass ihr es mit einem guten Herrn zu tun habt, habt ihr langsam gearbeitet. Jene hingegen, die nach euch gekommen sind, haben mit der Zugabe einer einzigen Mahlzeit, und die letzten ganz ohne Verpflegung, eifriger gearbeitet und in kürzerer Zeit das gleiche geleistet wie ihr in zwölf Stunden. Ich hätte euch betrogen, wenn ich euch nur den halben Lohn gegeben hätte, um mit der anderen Hälfte die übrigen Arbeiter zu bezahlen. Aber dies ist nicht der Fall. Daher nimm das Deine und geh! Willst du mir in meinem Hause vorschreiben, was ich zu tun habe? Ich tue, was ich will und was gerecht ist. Sei nicht böse und verleite mich nicht zur Ungerechtigkeit. Ich bin gut!“

Wahrlich, ich sage euch allen, die ihr mir zuhört, dass Gott, der Vater, mit allen Menschen dasselbe Bündnis schließt und den gleichen Lohn verspricht. Wer dem Herrn gewissenhaft dient, wird von ihm mit Gerechtigkeit belohnt werden, selbst wenn er eines kurzen Lebens wegen nur noch wenig arbeiten kann. Wahrlich, ich sage euch, nicht immer werden die Ersten auch die Ersten im Himmelreich sein. Dort werden wir oft die Ersten als Letzte und die Letzten als Erste sehen. Dort werden wir heilige Menschen sehen, die nicht aus Israel stammen, jedoch heiliger als viele aus Israel sind. Ich bin gekommen, um alle im Namen Gottes zu berufen, doch viele sind berufen, wenige aber auserwählt, denn nur wenige sind es, die nach der Weisheit verlangen.

Nicht weise ist, wer für die Welt und das Fleisch lebt und nicht für Gott. Er ist weder für die Erde noch für den Himmel weise, denn auf Erden schafft er sich Feinde, Strafen und Gewissensbisse, und den Himmel verliert er doch für alle Ewigkeit.

Ich wiederhole: Seid gut zu eurem Nächsten, wer immer er auch sein mag. Seid gehorsam und überlasst es Gott, den zu bestrafen, der nicht gerecht ist in seinen Befehlen. Seid enthaltsam und widersteht der Sinnlichkeit; seid redlich und widersteht der Habsucht. Verurteilt nur, wenn es gerechtfertigt ist, und nicht, wenn es euch nützlich erscheint. Fügt einem anderen nicht zu, was ihr selbst nicht wollt, dass euch zugefügt werde…“

„Mach, dass du fortkommst, du lästiger Prophet! Du hast uns das Geschäft verdorben…! Du hast uns die Kundschaft vertrieben…!“ schreien die Verkäufer, während sie in den Hof eindringen… Die, die schon bei den ersten Belehrungen Jesu im Hof gelärmt haben – und es sind nicht nur Phönizier, sondern auch Juden, die, ich weiss nicht aus welchem Grund, in der Stadt sind – vereinigen ihre Stimmen mit denen der Verkäufer und schimpfen und drohen, ihn fortzujagen… Jesus gefällt ihnen nicht, weil er nicht zum Bösen rät… Er steht mit verschränkten Armen da und betrachtet sie traurig und ernst.

Auszug aus “Der Gottmensch″ Band VI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Wisst zu handeln wie weise Perlenhändler…“

23/07/2011

(zum Sonntags-Evangelium vom 24. Juli 2011: Mt 13,44-52)

„Meister, vor einigen Tagen hast du gesagt, dass es viele gibt, die sich von den Dingen der Welt verführen lassen. Sind es sie, die für Satan fischen?“ fragt Jakobus des Alphäus.

„Ja, mein Bruder! In diesem Gleichnis lässt sich der Mensch verführen vom vielen Geld, das viele Ergötzlichkeiten verschaffen kann, und er verliert so jegliches Recht auf den Schatz des Reiches Gottes. Wahrlich, ich sage euch, von hundert Menschen ist nur ein Drittel darum bemüht, der Versuchung des Geldes oder anderen Verführungen zu widerstehen; und von diesem Drittel versteht es nur die Hälfte, es auf heroische Weise zu tun.

Die Welt stirbt an Erstickung, weil sie sich freiwillig von den Stricken der Sünde erdrosseln lässt. Es ist besser, von allem entblößt zu sein, als törichte und blendende Reichtümer zu besitzen. Wisst zu handeln, wie weise Perlenhändler, die erfahren haben, dass irgendwo eine große, seltene Perle gefunden wurde, und sich nicht von kleinen Perlen in ihrer Werkstatt aufhalten lassen, sondern sich von allem entledigen, um diese wunderbare Perle zu erwerben.“

„Aber warum machst du selbst Unterschiede in der Mission, die du deinen Nachfolgern überträgst, und sagst uns, dass wir diese Mission als ein Geschenk Gottes halten sollen? Also müssten wir auch darauf verzichten, denn auch dies sind Brosamen im Vergleich zum Himmelreich“, sagt Bartholomäus.

„Keine Brosamen, Mittel sind es! Krumen wären es, oder besser noch, schmutzige Strohhalme, wenn sie menschlichen Zwecken im Leben dienen würden. Wer bemüht ist, einen menschlichen Gewinn aus einem solchen heiligen Posten zu ziehen, macht aus diesem einen schmutzigen Strohhalm. Aber macht daraus einen Akt des Gehorsams, eine freudige Pflicht, ein wirkliches Opfer, und es wird für euch eine wirkliche Perle sein. Die apostolische Mission ist eine vollkommene Aufopferung, wenn sie ohne Vorbehalt geübt wird, ein Martyrium und eine Glorie. Sie trieft von Tränen, Schweiss und Blut, doch sie bildet die Krone der ewigen Herrlichkeit.“

„Du weisst wirklich auf alles eine Antwort!“

„Aber habt ihr mich wirklich verstanden? Begreift ihr, was ich euch mit Vergleichen sage, die sich auf alltägliche Dinge beziehen, die aber, vom übernatürlichen Licht erleuchtet, eine Erklärung für die ewigen Dinge sind?“

„Ja, Meister!“

„Dann erinnert euch dieser Methode bei der Belehrung der Menge. Denn eines der Geheimnisse der Schriftgelehrten und der Rabbis ist das Gedächtnis. In Wahrheit sage ich euch, dass ein jeder von euch, der in der Wissenschaft vom Besitz des Himmelreiches erfahren ist, einem Familienvater gleicht, der aus seinem Schatz herausholt, was der Familie dienlich ist, indem er alte und neue Dinge zum einzigen Zweck benützt, das Wohlbefinden seiner eigenen Kinder zu fördern… Es hat aufgehört zu regnen. Lassen wir jetzt die Frauen im Frieden, und gehen wir zum alten Tobias, der dabei ist, seine geistigen Augen der Morgenröte des Jenseits zu öffnen.

Der Friede sei mit euch, Frauen!“

Auszug aus “Der Gottmensch″ Bd. IV von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Gleichnis vom Unkraut – Die Verantwortung des Verräters

16/07/2011

(zum Sonntags-Evangelium vom 17. Juli 2011: Mt 13,24-43)

[Anm: Jesus deutet das Gleichnis zuerst wie in Mt 13 – d.h. er bezieht es auf das Jüngste Gericht. Dann aber ergänzt er, dass es für die Apostel noch eine andere Bedeutung habe, insbesondere sei es die Antwort auf die am Vorabend gestellte Frage, ob es in der Schar der Jünger einen Verräter geben könne. Jesus sagt, dass es Verräter geben kann, dessen sei er sicher. Dann deutet er die Äcker des Gleichnisses als seine Jünger:]

„… Zu den Jüngern, den Äckern des Meisters, kommen die Feinde. Es sind ihrer viele. Der erste ist Satan, die anderen seine Diener: also die Menschen, die Leidenschaften, die Welt und das Fleisch. Somit ist der Jünger am meisten gefährdet, der nicht ganz auf der Seite des Meisters, sondern zwischen dem Meister und der Welt steht. Er kann und will sich nicht von all dem trennen, was Welt, Fleisch, Leidenschaften und Satan ist, um ganz dem anzugehören, der ihn zu Gott führt. So streuen die Welt, das Fleisch, die Leidenschaft und der Teufel ihre Samen auf einen solchen Jünger aus; es ist das Gold, die Macht, das Weib, der Stolz, die Angst vor einem abfälligen Urteil und das Nützlichkeitsdenken. „Die Großen sind die Stärkeren. Also werde ich ihnen dienen, damit sie meine Freunde seien.“ So wird man um elender Dinge willen zum Verbrecher und zum Verworfenen!… 

Warum aber entlässt der Meister, der die Unvollkommenheit des Jüngers sieht, auch wenn er nicht dem Gedanken nachgeben will: „Er wird mein Mörder sein“, ihn nicht sofort aus den Reihen der Seinen? So werdet ihr euch fragen. Weil es nichts nützen würde. Selbst wenn er es tun würde, könnte er nicht verhindern, ihn sich zum Feind zu machen, nur um so früher; ausserdem zum zweifachen Feind; dies aus Zorn oder Schmerz, erkannt und fortgejagt worden zu sein; denn das Wirken des Teufels ist so subtil, dass der Mensch es nicht merkt. Satan ergreift von ihm zunehmend Besitz, und der Mensch ahnt nichts von seinem Einfluss. 

Aus Zorn! Ja, aus Zorn darüber, dass er erkannt wurde als das, was er wirklich ist, wenn er um das Wirken Satans und seines Gefolges weiss; eines Gefolges aus den Menschen, die ihn, den Schwachen, in seinen Schwächen versuchen, um den Heiligen aus der Welt zu schaffen, dessen Güte sie kränkt, da sie im deutlichen Gegensatz zu ihrem eigenen Leben steht. Dann kann der Heilige nur noch beten und sich Gott übergeben: „Was du geschehen lassen willst, soll geschehen“, sagt er, und fügt einzig diesen Vorbehalt bei: „Vorausgesetzt, es dient deinem Ziel.“ 

Der Heilige weiss, dass die Stunde kommen wird, da aus seiner Ernte das Unkraut ausgeschieden wird. Von wem? Von Gott selbst, der nur noch zulässt, was dem Triumph seines liebenden Wirkens dient.“

„Aber wenn du zugibst, dass es immer Satan und seine Anhänger sind… dann scheint mir, dass du der Verantwortung des Jüngers eine geringe Bedeutung zuschreibst“, sagt Matthäus.

„Das darfst du nicht denken. Wie das Böse existiert, existiert auch das Gute, und ebenso besitzt der Mensch Unterscheidungsvermögen und die Freiheit.“

„Du sagst, dass Gott nur zulässt, was dem Triumph seiner liebenden Absichten nützt. Also ist auch dieser Irrtum nützlich, wenn er ihn zulässt, und er dient dem Triumph seines göttlichen Willens“, sagt Iskariot.

„So urteilst du wie Matthäus, dass dies das Verbrechen des Jüngers rechtfertigt. Gott hatte den Löwen ohne Raubgier und die Schlange ohne Gift erschaffen. Nun ist der eine wild und die andere giftig. Gott aber hat sie deswegen vom Menschen abgesondert. Denk darüber nach und wende es an. Gehen wir ins Haus. Die Sonne brennt schon zu stark, wie vor dem Ausbruch eines Gewitters, und ihr seid müde nach der schlaflosen Nacht.“

„Das Haus hat ein geräumiges, kühles Obergemach. Dort könnt ihr euch ausruhen“, sagt Elias.

Sie steigen die äussere Treppe hinauf. Aber nur die Apostel legen sich auf die Matten zur Ruhe. Jesus geht auf die von einer hohen Eiche beschattete Terrasse hinaus, setzt sich in einen Winkel und vertieft sich in seine Gedanken.

Auszug aus “Der Gottmensch″ Bd. III von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Vier Arten von Äckern – vier Arten von Seelen

10/07/2011

(zum Sonntags-Evangelium vom 10. Juli 2011: Mt 13,1-23)

„… Jetzt hört den Sinn des Gleichnisses:

Wir haben vier verschiedene Arten von Äckern: die fruchtbaren, die dornigen, die steinigen und die von vielen Wegen durchzogenen. So haben wir auch vier Arten von Seelen.

Wir haben die ehrlichen Seelen, die Menschen guten Willens, die durch ihren guten Willen und das Wirken eines wahren Apostels vorbereitet sind; denn es gibt Apostel, die zwar den Namen, aber nicht den Geist eines Apostels besitzen. Dies wirkt sich auf die Bereitschaft des Willens der ihnen anvertrauten Seelen schädlich aus, noch schädlicher, als es die Vögel, die Dornensträucher und die Steine für die Getreidefelder sind. Mit ihrer Unnachgiebigkeit, ihrer Hast, ihren Vorwürfen, ihren Drohungen verwirren sie so sehr, dass sich die betroffenen Menschen für immer von Gott abwenden. Andere hingegen tun das Gegenteil mit ihrem ständigen wohlwollenden Begießen – einer Methode, die fehl am Platz ist – und bringen dadurch den Samen im weichen Erdreich zum Faulen. Sie schwächen mit ihrer Weichlichkeit die Seelen, um die sie sich bemühen. 

Doch bleiben wir bei den wahren Aposteln, bei den getreuen Abbildern Gottes. Sie sind väterlich, barmherzig, geduldig und zugleich stark wie der Herr. Nun, die durch sie und den eigenen guten Willen vorbereiteten Seelen sind mit den fruchtbaren Äckern zu vergleichen, frei von Steinen, Dornenbüschen, Unkraut und Ungeziefer, in denen das Wort Gottes gedeiht und jedes Wort zu einem Samen wird, der in der Ähre hundert-, sechzig- oder dreissigfach Frucht bringt. Sind solche Menschen unter denen, die mir nachfolgen? Gewiß, und sie werden Heilige sein. Unter ihnen wird es Leute aus allen Ständen und allen Ländern geben, auch Heiden, die durch ihren eigenen guten Willen oder durch den guten Willen eines Apostels oder Jüngers, der sie vorbereitet hat, hundertfach Frucht bringen werden.

Die dornigen Felder sind jene, in denen die menschliche Nachlässigkeit ein ganzes Dickicht von persönlichen Interessen hat wuchern lassen, die den guten Samen ersticken. Man muss sich ständig selbst überwachen, immerfort, immer, immer! Nie darf man sagen: „Oh, nun bin ich geschult, der Samen hat bei mir Wurzeln geschlagen, und ich kann beruhigt sein, dass ich Samen des ewigen Lebens hervorbringen werde.“ Man muss sich beobachten: Der Kampf zwischen Gut und Böse geht ununterbrochen weiter. 

Habt ihr jemals Ameisen betrachtet, die sich in einem Haus einnisten? Sie machen sich an den Herd. Die Hausfrau lässt daraufhin keine Lebensmittel mehr dort stehen, sondern stellt sie auf den Tisch. Doch die Ameisen wittern den Geruch und stürmen auf den Tisch. Die Frau stellt die Speisen in den Schrank, und die Ameisen schlüpfen durch das Schlüsselloch in den Schrank. Die Frau hängt ihre Vorräte an der Decke auf, und die Ameisen machen den langen Weg der Wand und dem Gebälk entlang und den Strick hinunter, um schliesslich dort über sie herzufallen. Die Frau verbrüht und vergiftet sie. Dann ist sie beruhigt im Glauben, alle vernichtet zu haben. Doch welch eine Überraschung, wenn man nicht wachsam ist! Aus den Eiern sind wieder Ameisen ausgeschlüpft, und es fängt von vorne an. 

Solange man lebt, muss man sich selbst überwachen, um das Unkraut beim ersten Erscheinen auszujäten. Andernfalls bildet sich ein Dickicht aus dornigem Gestrüpp, unter dem die Saat erstickt. Die weltlichen Sorgen, der trügerische Reichtum sind es, die dieses wirre Gestrüpp schaffen, die Pflanze des Sames Gottes ersticken und die Bildung von Ähren verhindern.

 

Nun die Äcker voller Steine! Wie viele solcher Äcker gibt es in Israel! Es sind die der „Kinder des Gesetzes“, wie mein Vetter Judas sehr genau gesagt hat. In ihnen ist nicht der einzige Stein des Zeugnisses, der Stein des Gesetzes, sondern vielmehr ein Haufen erbärmlicher, kleiner Gesetze, die der Mensch ersonnen hat. Unzählige Gesetzchen, die mit ihrem Gewicht auch den Stein des Gesetzes zum Splittern gebracht haben. Ein Trümmerhaufen, der jedes Wurzelfassen des Samens verhindert. Der Wurzel fehlt die Nahrung. Sie hat keine Erde und keinen Saft mehr. Das Wasser, das sich auf dem steinigen Grund ansammelt, lässt die Pflanze verfaulen; und die Sonne macht die Steine glühend heiss, und die Pflänzchen verbrennen. Es sind dies jene Menschen, die die einfache Lehre Gottes durch komplizierte menschliche Lehren ersetzen. Sie nehmen mein Wort zwar freudig, sind wohl auch zuerst beeindruckt und begeistert. Doch dann… wäre Heldentum nötig, um das Feld, nämlich Seele und Geist, von allen Steinhaufen der Phrasendrescherei zu säubern. Nur dann könnte der Same Wurzel fassen und sich zu einer kräftigen Pflanze entwickeln. So aber verkümmert sie! Es genügt die Angst vor menschlichen Vergeltungsmaßnahmen oder die Überlegung: „Ja, und dann? Was habe ich dann von den Mächtigen zu gewärtigen?“ Und der arme, nahrungslose Same kann nicht gedeihen. Es genügt, dass der ganze Steinhaufen mit dem eitlen Gedröhn der hundert und aberhundert Vorschriften, die das Gesetz ersetzt haben, in Bewegung gerät, und der Mensch geht mit dem Samen darin zugrunde… Israel ist voll von solchen Menschen. Dies erklärt, wie das Sich-Hinwenden zu Gott von der menschlichen Macht wegführt und in entgegengesetzten Richtungen verläuft.

Als letztes, die staubigen, kahlen Felder voller Wege: Es sind die der Lebemenschen, der Egoisten; ihre Bequemlichkeit ist ihnen Gesetz, das Vergnügen ihr Lebensziel. Sich nicht anstrengen, schlummern, lachen, essen… Ihr König ist der Geist der Welt. Der Staub der großen Welt bedeckt das Erdreich, das zum unfruchtbaren Acker wird. Die Vögel, d.h. der Mensch in seiner vielfältigen Gier nach Genuss, stürzt sich auf alle offenen Wege, um das Leben zu erleichtern. Der Weltgeist, d.h. der Böse, pickt alle Samen auf, die auf das der Fleischeslust und Leichtfertigkeit zugängliche Feld fallen, und vernichtet sie.

Habt ihr verstanden? Habt ihr noch andere Fragen? Nein? Dann können wir uns zur Ruhe begeben, um morgen nach Kapharnaum zu gehen. Ich muss noch einen Ort besuchen, bevor ich die österliche Reise nach Jerusalem antrete.“

„Werden wir an Arimathäa vorbeikommen?“ fragt Iskariot.

„Das ist nicht sicher. Je nach… „

Da klopft jemand stürmisch an die Tür.

„Wer kann das sein zu dieser Stunde?“ fragt Petrus und steht auf, um zu öffnen.

Es ist Johannes, ganz erschöpft, mit Staub bedeckt und deutlichen Tränenspuren im Gesicht.

„Du bist hier?“ rufen alle. „Aber was ist geschehen?“

Jesus, der sich erhoben hat, fragt nur: „Wo ist die Mutter?“

Johannes kniet vor dem Meister nieder, streckt ihm hilfesuchend die Arme entgegen und sagt: „Der Mutter geht es gut, aber sie vergiesst Tränen wie ich und viele andere, und sie bittet dich, nicht dem Jordan auf unserer Seite zu folgen. Sie hat mich deshalb zurückgeschickt, weil… weil Johannes, dein Vetter, gefangengenommen wurde.“ Johannes weint, während die Anwesenden durch die Nachricht in Aufregung geraten sind.

Jesus erbleicht, doch er bleibt ruhig. Er sagt nur: „Steh auf und erzähle.“ (…)

Auszug aus “Der Gottmensch″ Bd. III von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch

Die Auferweckung des Lazarus

10/04/2011
(zum Sonntags-Evangelium vom 10. April 2011: Johannes 11,1-45)

(…) Jesus betrachtet den schweren Stein, der als Türe dient und und ein ebenso schweres Hindernis bildet zwischen ihm und dem toten Freund. Er weint. Das Weinen der Schwestern und auch das der Nahestehenden und Angehörigen wird stärker.

„Entfernt diesen Stein!“ ruft Jesus plötzlich, nachdem er seine Tränen getrocknet hat.

Eine Bewegung des Erstaunens und ein Flüstern geht durch die Menge, die sich noch um einige Bewohner Bethaniens vergrössert hat, die in den Garten zu den übrigen Besuchern gekommen sind. Ich sehe einige Pharisäer, die sich an die Stirn greifen und den Kopf schütteln, als ob sie sagen wollten: „Er ist verrückt!“

Niemand befolgt den Befehl. Auch die Getreuesten schrecken zurück und zögern.

Jesus wiederholt seinen Befehl noch lauter und versetzt die Anwesenden in noch grössere Bestürzung. Sie schwanken zwischen einander entgegengesetzten Gefühlen, einerseits dem Wunsch zu fliehen, und andererseits dem Wunsch, sich noch mehr zu nähern, um zu sehen, ungeachtet des Geruches, der aus dem Grab dringen wird, das Jesus zu öffnen gebietet.

„Meister, es ist nicht möglich“, sagt Martha, die sich bemüht, die Tränen zurückzuhalten, um sprechen zu können. „Seit vier Tagen ist er schon unter der Erde, und du weisst, an welcher Krankheit er gestorben ist! Nur unsere Liebe konnte ihn pflegen… Nun riecht er gewiss schon viel stärker, trotz aller Salben… Was willst du sehen? Seinen verwesten Leib?… Es geht nicht… auch wegen der Verunreinigung durch die Zersetzung und…“

„Habe ich dir nicht gesagt, dass du die Herrlichkeit Gottes sehen wirst, wenn du glaubst? Entfernt diesen Stein. Ich will es!“

Es ist eine laute Kundgebung göttlichen Willens… Und ein unterdrücktes „Oh!“ kommt aus den Mündern aller. Die Gesichter erbleichen. Einige zittern, als ob eisige Todeskälte sie umweht hätte.

Martha gibt Maximinus ein Zeichen, und dieser gebietet den Dienern, Werkzeuge zu holen, mit denen man den Stein entfernen kann.

Die Diener eilen fort und kommen mit Pickeln und starken Brecheisen zurück. Sie schlagen die glänzenden Spitzen der Pickel zwischen den Fels und die Grabplatte, nehmen dann statt der Pickel die Brecheisen, heben bedächtig den Stein, schieben ihn zur Seite und lehnen ihn vorsichtig an den Fels. Ein pestartiger Gestank dringt aus der dunklen Höhle und lässt alle zurückweichen.

Martha fragt leise: „Meister, willst du hinuntersteigen? Wenn ja, dann lasse ich Fackeln holen…“ Aber sie erbebt bei dem Gedanken, dies tun zu müssen.

Jesus antwortet ihr nicht. Er erhebt die Augen zum Himmel, breitet die Arme in Kreuzform aus und betet mit lauter Stimme, jedes Wort betonend: „Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast! Ich wusste ja, dass du mich immer erhörst. Aber wegen der hier Anwesenden, wegen des ringsum stehenden Volkes habe ich es gesagt, damit sie glauben an dich, an mich und daran, dass du mich gesandt hast!“

Jesus verweilt noch einige Zeit in derselben Haltung. Er scheint in Ekstase zu sein, so verklärt ist er, während er lautlos noch andere geheime Worte des Gebetes oder der Verehrung spricht, ich weiss es nicht. Was ich weiss, ist, dass Jesus so übermenschlich erscheint, dass einem das Herz in der Brust erzittert, wenn man ihn ansieht. Es sieht aus, als ob sein Körper sich in Licht verwandeln, vergeistigen, grösser werden und über der Erde schweben würde. Obwohl die Farben der Haare, der Augen, der Haut und der Kleider sich nicht verändern wie bei der Verklärung auf dem Tabor, als alles zu blendendem Licht und Glanz wurde, scheint Jesus Licht auszustrahlen und selbst zu Licht zu werden. Das Licht scheint ihn ganz einzuhüllen, besonders das zum Himmel erhobene, gewiss durch die Schauung des Vaters verzückte Antlitz.

Jesus steht eine Weile so da, dann kommt er wieder zu sich: der Mensch, aber nun angetan mit Macht und Majestät. Er begibt sich zur Schwelle des Grabes und streckt die Arme, die er bisher in Kreuzform und mit zum Himmel gekehrten Handflächen gehalten hat, nach vorne. Die Hände sind jetzt schon in der Höhle des Grabes und heben sich hell von deren Dunkel ab. Aus den Augen Jesu sprüht bläuliches Feuer, dessen wundertätiger Schein heute, in dieser stummen Schwärze, unerträglich ist, und mit mächtiger Stimme, mit einem noch lauteren Ruf als dem, mit welchem er auf dem See dem Sturm befahlt, mit einer Stimme, wie ich sie bei keinem anderen Wunder gehört habe, ruft er: „Lazarus, komm heraus!“ Die Stimme hallt als Echo aus der Grabeshöhle wider und verbreitet sich dann durch den ganzen Garten, schallt von den Hügeln Bethaniens zurück, und ich meine, sie erreicht sogar die Hänge jenseits der Felder und kehrt von dort vielstimmig und nur etwas gedämpft wieder, wie in unwiderruflicher Befehl. Von vielen Seiten hört man das Echo: „Heraus! Heraus! Heraus!“

Alle erschauern zutiefst, und wenn auch die Neugierde sie an ihre Plätze bannt, so sind doch die Gesichter bleich, die Augen weit offen, und die Münder öffnen sich unbewusst, während aus den Kehlen Rufe des Staunens dringen.

Martha, die etwas weiter hinten seitlich steht, schaut Jesus verzückt an. Maria fällt auf die Knie, sie, die nie von der Seite ihres Meisters gewichen ist, fällt am Eingang des Grabes auf die Knie. Eine Hand presst sie aufs Herz, um sein heftiges Schlagen zu beruhigen, mit der anderen hält sie unbewusst und krampfhaft einen Zipfel des Mantels Jesu, und man merkt, dass sie zittert, denn eine leichte Erschütterung überträgt sich von der Hand auf den Mantel.

Etwas Weisses scheint aus der dunklen Tiefe der Höhle zu kommen. Erst ist es nur eine schmale geschweifte Linie, dann wird es ein Oval, und schliesslich fügen sich dem Oval breitere und längere, immer länger werdende Linien an. Und der Tote in seinen Binden kommt langsam vorwärts, jetzt immer besser erkennbar, geisterhaft, beeindruckend.

Jesus weicht zurück, weiter zurück, fast unmerklich, doch fortwährend, je weiter Lazarus herauskommt, und so bleibt die Entfernung zwischen beiden immer dieselbe.

Maria ist gezwungen, den Zipfel des Mantels loszulassen, aber sie rührt sich nicht von der Stelle. Die Freude, die Erregung, alles zusammen hält sie an ihrem Platz fest.

Ein immer deutliches „Oh!“ dringt aus den zuvor in gespannter Erwartung wie zugeschnürten Kehlen, und aus dem kaum hörbaren Flüstern werden laute Stimmen, aus den Stimmen mächtige Schreie.

Lazarus hat nun die Schwelle erreicht und bleibt dort stehen, steif und stumm wie eine Gipsstatue, die eben aus der Form kommt… Ein unförmiges, langes Etwas, am Kopf und an den Beinen dünn, am Rumpf etwas breiter, grausig wie der Tod selbst, geisterhaft in den weissen Tüchern vor dem dunklen Hintergrund des Grabes. Im Licht der Sonne scheinen die Bandagen da und dort schon von Fäulnis durchtränkt.

Jesus ruft laut: „Befreit ihn von den Binden und lasst ihn gehen. Gebt ihm Kleider und zu essen!“

„Meister… !“ sagt Martha, und sie würde vielleicht mehr sagen, aber Jesus sieht sie fest an, unterwirft sie mit seinem flammenden Blick und spricht: „Hier! Sofort! Bringt ein Gewand! Kleidet ihn in Gegenwart aller an und gebt ihm dann zu essen!“ Jesus befiehlt und beachtet die neben und hinter ihm Stehenden nicht. Er blickt nur auf Lazarus, auf Maria, die neben dem Auferstandenen steht und sich nicht um den Ekel kümmert, den die fleckigen Binden bei allen hervorrufen, und auf Martha, die keucht, als ob ihr das Herz zerspringen wollte, und nicht weiss, ob sie vor Freude schreien oder weinen soll…

Die Diener beeilen sich, die Befehle Jesu auszuführen. Noemi eilt als erste fort und kommt auch als erste zurück mit den über den Arm geworfenen Gewändern. Einige lösen die Enden der Bandagen, nachdem sie sich die Ärmel aufgekrempelt und die Gewänder geschürzt haben, damit sie nicht mit der durchsickernden Fäulnis in Berührung kommen. Marcella und Sara kommen mit Gefässen voll wohlriechender Salben. Diener folgen ihnen mit dampfend heissem Wasser in Becken und Krügen, Bechern mit Milch und Wein, mit Obst und Honigkuchen.


Die schmalen, sehr langen Binden, mir scheint aus Linnen, mit Borten an beiden Seiten und sicher eigens für diesen Gebrauch gewoben, werden wie Bänder von einer grossen Spule abgerollt und fallen schwer zu Boden, da sie von Essenzen und Fäulnis durchtränkt sind. Die Diener schieben sie mit Stöcken beiseite. Sie haben am Kopf begonnen, und auch dort ist Fäulnis, die wohl aus Nase, Ohren und Mund kommt. Das über das Gesicht gebreitete Schweisstuch ist nass von diesem Ausfluss, und das Antlitz des Lazarus, mit der Salbe auf den geschlossenen Augen, mit den verklebten Haaren und dem spärlichen Bärtchen am Kinn ist ganz und gar nicht schön. Langsam fällt das Leichentuch, das Grabtuch, das um den Körper gewickelt war, so wie auch die Binden immer weiter fallen, allmählich den seit Tagen eng umwundenen Rumpf freigeben und dem, was bisher einer grossen Larve ähnlich war, wieder menschliche Gestalt verleihen. Die knochigen Schultern, die zum Skelett abgemagerten Arme, die kaum von Haut bedeckten Hüften und der eingefallene Leib kommen nach und nach zum Vorschein. Und so wie die Binden fallen, bemühen sich die Schwestern, Maximinus und die Diener, die dicke Schicht von Fäulnis und Salben zu entfernen. Und sie tun es so lange, mit immer wieder erneuertem Wasser, dessen reinigende Wirkung man durch hinzugefügte Essenzen verstärkt hat, bis die Haut vollkommen sauber ist.

Kaum ist sein Gesicht ausgewickelt und gereinigt, so dass er sehen kann, und noch bevor er die Schwestern ansieht, richtet Lazarus mit einem Lächeln der Liebe auf den blassen Lippen und einem feuchten Schimmer in den tiefliegenden Augen seinen Blick auf Jesus. Alles andere, was um ihn herum vorgeht, übersieht er und beachtet es nicht. Auch Jesus lächelt ihm zu, und Tränen glänzen in seinen Augen. Dann weist er wortlos zum Himmel, und Lazarus begreift und bewegt die Lippen in lautlosem Gebet.

Martha glaubt, dass Lazarus etwa sagen will, aber noch nicht fähig ist, und fragt: „Was willst du mir sagen, mein Lazarus?“

„Nichts, Martha. Ich habe dem Allerhöchsten gedankt.“ Seine Stimme ist klar und kräftig.

Das Volk stösst wieder ein erstauntes „Oh!“ aus. (…)

Auszug aus “Der Gottmensch″ Band X von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Unterweisung Jesu: Gedanken über die Auferweckung des Lazarus

„… doch das Haus hielt stand.“

05/03/2011
(zum Sonntags-Evangelium vom 6. März 2011: Matthäus 7,21-27)

„(…) Vieles habe ich euch gesagt, meine Kinder! Hört auf meine Worte! Wer sie hört und sie befolgt, gleicht dem bedächtigen Menschen, der für den Bau seines Hauses einen felsigen Grund wählte. Gewiß kostete es viel Mühe, das Fundament zu errichten. Er brauchte Spitzhacke und Stemmeisen, seine Hände bekamen Schwielen und sein Rücken schmerzte. Doch schließlich konnte er den Mörtel in die Felsspalten gießen und die Bausteine dicht aneinanderfügen, wie bei einer Festungsmauer. Das Haus wurde immer größer und stark wie ein Berg. Es kamen Unwetter, Wolkenbrüche, durch die Regenfälle traten die Flüsse über die Ufer, die Winde heulten und die Wellen schlugen an das Haus, doch das Haus hielt stand.


So ist es auch bei dem Menschen mit fest gegründetem Glauben. Wer jedoch oberflächlich zuhört und sich nicht bemüht, meine Worte in sein Herz einzugraben, weil er weiß, dass er sich zu sehr anstrengen müsste, dass es ihm Schmerzen bereiten würde und er zu viele tiefsitzende Dinge ausmerzen müsste, der gleicht dem Menschen, der aus Trägheit und Torheit sein Haus auf Sand baut. Kaum kommen die Unwetter, zerfällt das rasch erstellte Haus ebenso rasch, und der Törichte betrachtet untröstlich seine Trümmer und den Ruin seines Vermögens. Hier handelt es sich nicht nur um eine Ruine, die mit Aufwand und Mühe wieder hergestellt werden kann. Vielmehr ist hier das nicht tief gegründete Bauwerk des Glaubens eingestürzt, und nichts bleibt mehr, um es wieder aufzubauen. Im jenseitigen Leben wird nicht mehr aufgebaut. Wehe dem, der dort mit Trümmern erscheint!

Ich habe geendet. Nun will ich zum See hinuntergehen. Ich segne euch um Namen des dreieinigen Gottes. Mein Friede sei mit euch!“

Doch die Menschen rufen: „Wir kommen mit dir! Lass uns mitgehen! Keiner hat Worte wie du!“

Sie machen sich daran, Jesus zu folgen, der nun auf der dem Anstieg entgegengesetzten Seite hinabsteigt und die Richtung nach Kapharnaum einschlägt. Der Abstieg ist hier steiler, doch kürzer, und bald haben sie den Fuß des Berges erreicht, der in eine grüne und blühende Ebene ausläuft.

Auszug aus “Der Gottmensch″, Band III von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner

23/10/2010
zum Sonntagsevangelium vom 24. Oktober 2010: Lukas 18,9-14

„… Nachdem sie ihre Angelegenheiten erledigt hatten, stiegen die beiden zum Tempel hinauf, und als sie am Opferkasten vorüberkamen, zog der Pharisäer ostentativ einen großen Geldbeutel aus seiner Brusttasche und schüttete den Inhalt bis zum letzten Heller in den Tempelschatz. In dieser Geldbörse waren vor allem die Geldstücke, die er den Kaufleuten abverlangt hatte, und der Erlös für das Öl, das er dem Verwalter abgenommen und sofort an einen Händler verkauft hatte. Der Zöllner hingegen warf eine Handvoll kleiner Münzen hinein und behielt soviel zurück, als er für die Rückreise in die Heimat benötigte. Der eine wie der andere gaben alles, was sie hatten. Scheinbar war sogar der Pharisäer der Großzügigere, da er alles bis zum letzten Heller hergab. Aber man muß bedenken, daß er in seinem Palast noch viel Geld hatte und außerdem Kredit bei reichen Geldwechslern.

Dann begaben sich beide vor den Herrn. Der Pharisäer ging nach vorn, bis zur Grenze des Atriums der Hebräer vor dem Heiligtum. Der Zöllner blieb hinten stehen, fast unter dem Gewölbe, das zum Vorhof der Frauen führt. Er stand da, gebeugt und niedergeschmettert bei dem Gedanken an sein Elend im Vergleich zur göttlichen Vollkommenheit. Beide beteten.


Der Pharisäer stand aufrecht, fast anmaßend da, als ob er der Hausherr wäre, der sich herabläßt, einen Besucher zu empfangen, und sprach: „Sieh, ich bin gekommen, um dich in dem Haus zu verehren, das unser Ruhm ist. Ich bin gekommen, obwohl ich fühle, daß du in mir bist, da ich ein Gerechter bin. Ich bin kein Räuber. Ich bin nicht ungerecht, kein Ehebrecher und kein Sünder, wie jener Zöllner dort, der fast gleichzeitig mit mir eine Handvoll Kupermünzen in den Schatz geworfen hat. Ich, du hast es gesehen, habe dir alles gegeben, was ich bei mir hatte. Dieser Geizhals dagegen hat zwei Teile gemacht und dir den kleineren gegeben. Den anderen Teil wird er wohl für Schwelgereien und für Frauen behalten haben. Ich bin rein. Ich beflecke mich nicht. Ich bin rein und gerecht, faste zweimal in der Woche und bezahle den Zehnten von allem, was ich besitze. Ja, ich bin rein, gerecht und gesegnet, weil ich heilig bin. Erinnere dich daran, Herr.“

Der Zöllner in seinem entfernten Winkel wagte kaum, die Augen zu den kostbaren Pforten des Heiligtums zu erheben. Er schlug an seine Brust und betete so: „Herr, ich bin nicht würdig, an diesem Ort zu stehen. Aber du bist gerecht une heilig, und du gestattest es mir, weil du weißt, daß der Mensch ein Sünder und ein Teufel wird, wenn er nicht zu dir kommt. Oh, mein Herr, ich möchte dich ehren Tag und Nacht, aber ich bin so viele Stunden der Sklave meiner Arbeit. Es ist eine harte Arbeit, die mich demütigt, denn ich füge meinem unglücklichen Nächsten Schmerz zu. Aber ich muß meinen Vorgesetzten gehorchen, um mein tägliches Brot zu verdienen. Hilf mir, o mein Gott, daß ich das Pflichtgefühl gegenüber meinen Vorgesetzten immer mäßige durch die Liebe zu meinen armen Brüdern, damit meine Arbeit nicht zu meiner Verdammung führe. Jede Arbeit ist heilig, wenn sie mit Liebe getan wird. Laß deine Liebe stets in meinem Herzen gegenwärtig sein, damit ich, armselig wie ich bin, mit meinen Untergebenen Mitleid habe, wie du mit mir, dem großen Sünder, Mitleid hast. Ich hätte dich gern mehr geehrt, o Herr, du weißt es. Aber ich hielt es für besser, mit dem für den Tempel bestimmten Geld acht unglückliche Herzen zu trösten als es in den Opferkasten zu werfen und dann acht unschuldige und unglückliche Menschen verzweifelt weinen zu lassen. Wenn ich jedoch gefehlt habe, laß es mich wissen, o Herr, denn ich bin ein großer Sünder.“

Das ist das Gleichnis. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, während der Pharisäer den Tempel verließ, nachdem er noch eine Sünde zu den schon bevor der den Moriah erstieg begangenen hinzugefügt hatte, ging der Zöllner gerechtfertigt hinaus, und der Segen Gottes begleitete ihn bis zu seinem Haus und ruhte darauf. Denn er war demütig und barmherzig, und seine Werke waren noch heiliger als seine Worte; der Pharisäer dagegen war nur mit Worten und nach außen hin gut, in seinem Inneren aber und mit seinem Hochmut und seiner Hartherzigkeit vollbrachte er Werke des Teufels, weshalb er Gott verhaßt war.

Wer sich selbst erhöht, wird immer, früher oder später, erniedrigt werden; wenn nicht in diesem, dann im anderen Leben. Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden, besonders droben im Himmel, wo die Handlungen der Menschen in ihrem wahren Wert erscheinen.

Komm, Zachäus. Kommt ihr, die ihr mit ihm seid, und ihr, meine Apostel und Jünger. Ich werde noch allein mit euch sprechen.“

Er hüllt sich in seinen Mantel und kehrt in das Haus des Zachäus zurück.

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band IX von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


Gleichnis vom Richter und der Witwe

16/10/2010
zum Sonntagsevangelium vom 17. Oktober 2010: Lukas 18,1-8

Er schaut auf das Volk, das sich versammelt hat, an die hundert Menschen, und spricht: „Hört dieses Gleichnis, das euch den Wert des ausdauernden Gebetes erklären wird!

Ihr wißt, was das Deuteronomium über die Richter und Beamten sagt. Sie müssen gerecht und barmherzig sein und ohne Voreingenommenheit alle anhören, welche sich an sie wenden. Sie sollen deren Angelegenheiten so behandeln, als wären es ihre eigenen, keine Geschenke annehmen, nicht auf Drohungen achten, schuldig gewordene Freunde nicht begünstigen und solche, die mit den Freunden des Richters verfeindet sind, nicht benachteiligen. Und wenn auch die Worte des Gesetzes gerecht sind, so sind es doch die Menschen, die dem Gesetz nicht zu gehorchen wissen, nicht immer. Man sieht also, daß die menschliche Gerechtigkeit oft unvollkommen ist; denn selten sind die Richter, die sich nicht durch Bestechlichkeit beflecken, die barmherzig und geduldig sind sowohl mit den Reichen als auch mit den Armen, mit den Witwen und Waisen, wie auch mit denen, die dies nicht sind.

In einer Stadt lebte ein seines Amtes, das er nur durch mächtige Verwandte erlangt hatte, sehr unwürdiger Richter. Er war äußerst ungerecht in seinen Urteilen und immer geneigt, den Reichen und Mächtigen, den von Reichen und Mächtigen Empfohlenen, und auch denen, die ihn mit reichen Geschenken bestachen, recht zu geben. Er fürchtete Gott nicht und lachte über die Klagen der Armen und Schwachen, die keinen mächtigen Verteidiger hatten. Wenn er jemanden nicht anhören wollte, der so überzeugende Beweise gegen einen Reichen vorbrachte, daß er ihm in keiner Weise Unrecht geben konnte, ließ er ihn von sich jagen und drohte ihm mit Kerker. Die meisten ertrugen seine Gewaltakte stillschweigend, zogen sich geschlagen zurück und akzeptierten ihre Niederlage, noch bevor ihr Fall vor Gericht erörtert worden war.

In dieser Stadt lebte auch eine Witwe mit vielen Kindern, der ein reicher, einflußreicher Herr eine große Summe für Arbeiten, die ihr verstorbener Gatte für diesen Mächtigen ausgeführt hatte, schuldig geblieben war. Getrieben von Not und mütterlicher Liebe hatte sie sich bemüht, die Summe zu erhalten, die es ihr ermöglicht hätte, ihre Kinder zu ernähren und sie für den kommenden Winter mit Kleidung zu versehen. Aber all ihr Drängen und Flehen war erfolglos geblieben, und so wandte sie sich an den Richter.

Harold Copping: Die hartnäckige Witwe

Der Richter war ein Freund dieses Reichen, und letzterer hatte zu ihm gesagt: „Wenn du mir recht gibst, gehört ein Drittel der Summe dir.“ Daher war der Richter taub gegenüber den Worten der Witwe, die ihn bat: „Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher. Du siehst, wie sehr ich dieses Geldes bedarf. Alle können dir bestätigen, daß ich ein Anrecht auf diese Summe habe.“ Der Richter aber blieb taub und ließ sie von seinen Dienern fortjagen. Doch die Frau kehrte ein-, zwei-, zehnmal zurück, am Morgen, zur sechsten und neunten Stunde, am Abend, unermüdlich. Sie lief ihm nach auf der Straße und rief ihm zu: „Schaffe mir Recht. Meine Kinder haben Hunger und frieren, und ich habe kein Geld, um Mehl und Kleider zu kaufen.“

Sie war an der Schwelle seines Hauses, wenn er heimkehrte, um sich mit seinen Kindern zu Tisch zu setzen. Und der Schrei der Witwe: „Schaffe mir Recht, denn ich leide zusammen mit meinen Kindern Hunger und Kälte“, drang bis ins Haus, bis in den Speisesaal und in das Schlafgemach während der Nacht, durchdringend wie das Geschrei eines Wiedehopfs: „Erweise mir Gerechtigkeit, wenn du nicht willst, daß Gott dich bestrafe! Erweise mir Gerechtigkeit! Bedenke, daß die Witwen und Waisen Gott heilig sind, und wehe dem, der sie bedrückt. Erweise mir Gerechtigkeit, wenn du nicht eines Tages erleiden willst, was wir jetzt leiden. Hunger leiden und frieren, wie wir jetzt, wirst du im anderen Leben, wenn du nicht Gerechtigkeit walten läßt, du Elender!“

Der Richter fürchtete weder Gott noch den Nächsten. Doch er hatte es satt, von der Hartnäckigkeit der Witwe beständig verfolgt und zum Gegenstand des Spottes und auch des Tadels der ganzen Stadt zu werden. Daher sagte er eines Tages zu sich selbst: „Wenn ich auch weder Gott noch die Drohungen der Frau oder das Urteil der Mitbürger fürchte, so will ich doch all diesen Belästigungen ein Ende setzen und der Witwe Gehör schenken. Ich werde Gerechtigkeit walten lassen und den Reichen verpflichten zu zahlen, damit sie mich nicht mehr verfolgt und mich in Ruhe läßt.“ So rief er denn den reichen Freund zu sich und sagte ihm: „Mein Freund, es ist mir nicht länger möglich, dich zufriedenzustellen. Tue deine Pflicht und zahle, denn ich ertrage es nicht länger, deinetwegen belästigt zu werden.“ So mußte der Reiche die Summe zahlen, wie es die Gerechtigkeit wollte.

Das ist das Gleichnis. Nun ist es an euch, es anzuwenden.

Ihr habt die Worte eines Ungerechten gehört: „Um den vielen Belästigungen ein Ende zu setzen, will ich der Frau Gehör schenken.“ Er war ein Ungerechter! Sollte etwa Gott, der gütigste Vater, weniger gut sein als der schlechte Richter? Wird er nicht diesen seinen Kindern Gerechtigkeit erweisen, die ihn Tag und Nacht anrufen? Wird er sie so lange auf die Gnade warten lassen, bis ihr niedergeschlagenes Herz aufhört zu beten? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich Gerechtigkeit widerfahren lassen, damit ihre Seele den Glauben nicht verliere. Man muß aber auch zu beten wissen und nicht gleich nach den ersten Gebeten ermüden, und man muß um Gutes zu bitten wissen. Auch muß man sich Gott anvertrauen und sagen: „Es möge jedoch geschehen, was deine Weisheit für uns als das Beste erachtet.“

Habt Vertrauen! Wißt zu beten im Vertrauen auf das Gebet und auf Gott, euren Vater, und er wird euch Gerechtigkeit erweisen gegenüber euren Bedrückern, mögen sie nun Menschen oder Dämonen, Krankheiten oder andere Unglücksfälle sein. Das beharrliche Gebet öffnet den Himmel, und das Vertrauen rettet die Seele, in welcher Weise auch immer das Gebet gehört und erhört wird. Laßt uns gehen!“

Er geht auf den Ausgang zu. Und als er beim Hinausgehen sein Haupt erhebt und sieht, wie wenige ihm folgen und wie viele ihm gleichgültig und feindselig von weitem nachschauen, ruft er traurig aus: „Wenn der Menschensohn wiederkehrt, wird er dann noch Glauben finden auf Erden?“ Und seufzend hüllt er sich enger in seinen Mantel und begibt sich mit langen Schritten zur Vorstadt Ophel.

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band IX von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch