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Papst zur Kondombenutzung

22/11/2010

So, Christkönigssonntag ist vorbei, dann schreiben wir auch mal etwas zu der Kondomgeschichte. Als erstes: wer ist dafür zuständig, dass dieser Auszug im Osservatore Romano veröffentlicht worden ist? Wer suchte den Auszug aus, wer erteilte die Genehmigung für diesen Vorabdruck? Und das ausgerechnet zu Christkönig?

Es war doch von vornherein klar, dass eine Aussage des Papstes zu diesem Thema – und erst recht eine aus dem „halbprivaten“ noch unveröffentlichten Interviewbuch von Peter Seewald – in den Medien grosse Beachtung finden würde. Vorauszusehen war auch, dass in den Medien verbreitete, aus dem Zusammenhang gerissene Zitate ein Eigenleben entwickeln und die ursprüngliche Intention verfälschen würden. Und ebenso ist damit zu rechnen, dass sich ein grosser Teil der Menschen überhaupt nicht genau mit dem Kontext beschäftigen, sondern oberflächlich registrieren wird, dass der Papst/ die katholische Kirche anscheinend jetzt Kondombenutzung befürwortet. Das alles sieht nach abgekartetem Spiel aus und verstärkt den Eindruck, dass in den wichtigen Kommunikations-Schlüsselpositionen des Vatikans Leute sitzen, die bewusst und zielstrebig antikatholische Arbeit leisten (siehe Williamson-Affäre).


Festzuhalten ist erstens, dass der Papst nirgends Kondombenutzung zur Empfängnisverhütung befürwortet hat (und sicher auch niemals befürworten wird). In besagtem Interview geht es um Aids und der Papst bekräftigt hier – genau wie während seiner Afrikareise- , dass Kondome das Aidsproblem nicht lösen können, sondern der gesamte Umgang mit der Sexualität („eine Art Droge“) verändert werden muss. Weiter sagt er: „Es mag begründete Einzelfälle geben, etwa wenn ein Prostituierter ein Kondom verwendet, wo dies ein erster Schritt zu einer Moralisierung sein kann, ein erstes Stück Verantwortung, um wieder ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass nicht alles gestattet ist und man nicht alles tun kann, was man will.“

Festzuhalten ist zweitens, dass der Papst hier nicht die Benutzung von Kondomen für alle Aidskranken propagiert, sondern er spricht von einer Art Übergangslösung, einem vorübergehenden Hilfsmittel auf dem Weg zu einer moralischen und verantwortlichen Lebensweise in einem krassen Fall, wo eine grosse Unordnung herrscht, weiteres Schlimmes vermieden und Lichts ins Dunkel des Bewusstseins fallen soll. Er zeigt, dass er eben kein weltfremder, abgehobener Moralist ist, sondern sehr wohl weiss, wie schwer eine echte Umkehr für unsere schwache menschliche Natur ist und dass diese in den meisten Fällen schrittweise stattfindet.

Dass sündhafte Menschen in der katholischen Kirche auf Milde, Mitgefühl und Unterstützung auf dem Weg der Umkehr treffen, ist jedenfalls für uns nichts Neues, sondern selbst so erlebt und im Übrigen im Neuen Testament immer wieder eindrücklich bezeugt. Auch spricht die Tatsache, dass die katholische Kirche „als einzige Institution ganz nah und ganz konkret bei den Menschen, präventiv, erziehend, helfend, ratend, begleitend“ wie der Papst sagt, in der Aidsbekämpfung tätig ist, ja wohl für sich! Keine andere Institution behandelt so viele Aidskranke. „Die Kirche tut mehr als die anderen, weil sie nicht nur von der Tribüne der Zeitung aus redet, sondern den Schwestern, den Brüdern vor Ort hilft“, so der Papst und recht hat er.

Wir hoffen, dass die schlechten Absichten der Kirchenfeinde durch Gottes Eingreifen in etwas Gutes umgewandelt werden, wie etwa eine Steigerung der Verkaufszahlen des übermorgen erscheinenden Buches, ein grösseres Verständnis für die katholische Lehre und die Aussagen des Papstes, dringend anstehende Veränderungen in den für die Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Abteilungen im Vatikan usw.


Harvard-Studie bestätigt Papst-Position zu Aids