Posts Tagged ‘Barmherzigkeit’

Die Erweckung der Tochter des Jairus

30/06/2012

zum Evangelium vom 1. Juli 2012: Markus 5,21-43

(…) Jesus betrachtet sie [Anm: die geheilte Frau, die ihm gerade gestanden hat, heimlich sein Gewand berührt zu haben und nun geheilt zu sein] mit unendlicher Güte. Er lächelt ihr zu und sagt zu ihr: „Geh in Frieden, Tochter! Dein Glaube hat dir geholfen! Sei für immer geheilt. Sei gut und glücklich. Geh!“

Während er noch spricht, kommt ein Mann herbei, anscheinend ein Knecht, der sich an den Vater wendet. Dieser ist die ganze Zeit in einer ehrfürchtigen Erwartung neben Jesus gewandelt, obgleich er ein gequältes Gesicht hat, als stände er auf heissen Kohlen. „Deine Tochter ist tot. Es ist zwecklos, weiterhin den Meister zu belästigen. Sie hat den Geist aufgegeben, und die Frauen halten schon die Totenklage. Die Mutter lässt dir dies sagen und dich bitten, sofort zu kommen.“

Der arme Vater schluchzt laut. Er führt seine Hände zur Stirne, drückt sich die Augen zu und krümmt sich, wie von einem Hieb getroffen.

Jesus, der aufmerksam mit der Frau gesprochen hat und anderes zu sehen und zu hören scheint, dreht sich jetzt um, legt seine Hand auf die gebeugten Schultern des armen Vaters und sagt: „Mann, ich habe es dir doch gesagt, habe Glauben! Ich wiederhole, habe Glauben! Hab keine Angst, dein Kind wird leben. Gehen wir zu ihm.“ Und er geht weiter und drückt den vernichteten Mann an sich. Die Menge bleibt vor diesem Schmerz und der bereits erfolgten Heilung erschrocken stehen, teilt sich, lässt Jesus und die Seinen ungehindert durch und folgt wie Kielwasser der Gnade, die vorausgeht.

Sie gehen etwa hundert Meter, vielleicht auch mehr – ich kann es nicht gut schätzen -, und kommen immer näher zur Stadtmitte. Eine große Menge hat sich vor einem bürgerlichen Haus versammelt. Mit lauten Stimmen wird der Todesfall im Haus beklagt und auf die lauten Rufe geantwortet, die aus der weitgeöffneten Tür kommen. Es sind schrille, auf einer Höhe bleibende Töne, und sie scheinen von einer beherrschenden Stimme vorgetragen und von einer Gruppe schwacher und einer Gruppe stärkerer Stimmen beantwortet zu werden. Ein Lärm, der auch Gesunde umzubringen imstande ist.

Jesus gibt den Seinen die Weisung, vor dem Ausgang stehenzubleiben, und ruft Petrus, Jakobus und Johannes zu sich. Mit ihnen geht er in das Haus, den weinenden Vater immer noch am Arm festhaltend.

Es scheint, dass er ihm die Gewissheit geben will, dass er da ist, und ihn glücklich machen möchte mit dieser Umklammerung. Die Klagenden (ich würde sie eher die Heulenden nennen) verdoppeln ihr Geschrei beim Anblick des Hausvaters und des Meisters. Sie klatschen in die Hände, hauen auf die Pauken, schlagen an die Triangeln, und auf diese… Musik stützen sie ihr Gejammer.

„Schweigt!“ sagt Jesus. „Hier ist kein Grund zum Weinen. Das Mädchen ist nicht gestorben, es schläft nur!“

Die Frauen stoßen noch stärkere Schreie aus, und einige wälzen sich auf der Erde, zerkratzen sich, reißen sich die Haare aus (oder besser gesagt, tun so als ob…), um zu beweisen, dass die Tochter wirklich tot ist. Die Musikanten und die Freunde schütteln den Kopf über die Illusion Jesu. Aber er wiederholt: „Schweigt“, und zwar in einem so energischen Ton, dass der Lärm zwar nicht aufhört, doch sehr abnimmt. Dann schreitet er weiter vorwärts.

Er betritt eine kleine Kammer. Auf dem Lager liegt ein totes Mädchen ausgestreckt. Mager und totenbleich liegt es mit sorgfältig geordneten Haaren da. Die Mutter steht weinend auf der rechten Seite des Bettes und hält die wächserne Hand der Toten. Jesus!… Oh, wie schön ist er jetzt! So habe ich ihn selten gesehen! Jesus nähert sich eilig. Es scheint, als schwebe er über dem Boden, so schnell eilt er auf das Bettlein zu.

Die drei Apostel stehen an der Türe und schließen sie vor den Augen der Neugierigen. Der Vater bleibt am Fußende des Bettes stehen.

Jesus geht auf die linke Seite des Lagers, streckt seine linke Hand aus und erfasst damit das leblose Händchen des Kindes. Die linke Hand. Ich habe es gut gesehen. Es ist sowohl die linke Hand Jesu als auch die linke Hand des Kindes. Er hebt den rechten Arm und bringt die geöffnete Hand bis zur Schulterhöhe. Schliesslich senkt er sie, mit einer Geste, die einem Schwur oder einem Befehl entsprechen könnte. Er sagt: „Mädchen, ich sage dir, steh auf!“

Für einen Augenblick sind alle, mit Ausnahme Jesu und des Mädchens, überrascht. Die Apostel recken die Hälse, um besser sehen zu können. Der Vater und die Mutter schauen mit traurigen Augen auf ihr Kind. Nur einen Augenblick. Dann hebt ein Atemzug die Brust der kleinen Toten. Eine leichte Röte breitet sich über das wachsbleiche Gesicht; die Totenblässe schwindet. Ein schwaches Lächeln spielt auf den noch bleichen Lippen, bevor die Augen sich öffnen, als ob das Kind etwas Schönes träumte. Jesus hält seine Hand immer noch in der seinen. Das Kind öffnet langsam die Augen und schaut umher, als ob es soeben erwacht wäre. Zuerst sieht es das Antlitz Jesu, der es mit seinen strahlenden Augen anblickt und ihm ermutigend zulächelt, worauf das Kind ebenfalls lächelt.

„Steh auf!“ wiederholt Jesus, und er schiebt mit seiner Hand die auf dem Bett ausgebreiteten Leichengeschenke zur Seite (Blumen, Schleier usw.) und hilft dem Mädchen beim Herabsteigen und bei den ersten Schritten; er hält es weiterhin an der Hand.

„Gebt ihm jetzt zu essen!“ befiehlt er. „Es ist geheilt. Gott hat es euch zurückgegeben. Dankt ihm dafür! Und sagt niemandem, was vorgefallen ist. Ihr wisst, was mit ihr geschehen war. Ihr habt geglaubt und damit das Wunder verdient. Die anderen hatten keinen Glauben; es ist zwecklos, sie überzeugen zu wollen. Dem, der das Wunder leugnet, zeigt sich Gott nicht. Und du, Mädchen, sei brav! Lebt wohl! Der Friede sei mit diesem Haus!“ Und er geht hinaus, die Tür hinter sich schließend.

Die Vision ist zu Ende.

Ich will Ihnen sagen, welche beiden Stellen mich besonders erfreut haben: die eine, wo Jesus in der Menge die Frau sucht, die ihn berührt hat, und besonders die andere, wo er die Hand des Mädchens nimmt und diesem befiehlt aufzustehen. Friede und Sicherheit haben mich erfüllt. Es ist nicht möglich, dass ein Barmherziger und ein Mächtiger wie er nicht Mitleid mit uns hat und das Übel, das uns sterben lässt, nicht besiegt.

Jesus sagt im Augenblick nichts dazu, so wie er über viele Dinge nichts sagt. Er sieht, dass ich fast am Ende bin, und findet es nicht angebracht, dass es mir heute abend besser gehe. Sein Wille geschehe! Ich bin schon froh genug, dass ich seine Vision in mir habe.

Auszug aus “Der Gottmensch″ Bd. IV von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

„Der Himmel sah schön aus“

Das Wunder am gelähmten Kinde

Die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus

„… preist die Leiden…“

07/12/2011

In Kapitel 119 des „Gottmensch“ schildert Maria Valtorta, wie Jesus mit drei seiner Apostel bei einem Landwirt zu Gast ist:

„(…) Glücklich ihr, die ihr immer bei ihm sein dürft!“ sagt er [Anm.: der Landwirt] dann zu Johannes, Simon und Judas, die auf einer niedrigen Mauer sitzen und saftige Feigen essen. Und der Bauer endet: „Ich bin glücklich, dass du hier für eine Nacht mein Gast sein willst. Nun fürchte ich kein Unglück mehr, denn dein Segen ist in mein Haus eingekehrt.“

Jesus antwortet: „Der Segen wirkt und bleibt, wenn die Seelen dem Gesetze Gottes und meiner Lehre treu bleiben. Andernfalls geht die Gnade verloren. Und es ist recht so. Denn wenn es wahr ist, dass Gott Sonne und Luft sowohl den Guten als auch den Bösen schenkt, damit die Guten besser werden und die Schlechten sich bekehren, so ist es auch gerecht, dass der Schutz des Vaters sich zur Strafe vom Bösen abwendet und er durch das Leid zu Gott zurückgerufen werde.“

„So ist der Schmerz nicht immer ein Nachteil?“

„Nein, Freund. Menschlich gesehen, ist er etwas Negatives, im Übernatürlichen aber etwas Gutes. Das Leid vermehrt die Verdienste der Gerechten, die es ohne Verzweiflung und Auflehnung ertragen und es aufopfern in Ergebenheit, als Opfer der Sühne für die eigenen Verfehlungen und für die Sünden der Welt; es bedeutet Erlösung für alle, die nicht gerecht sind.“

„Es ist so schwer, zu leiden!“ sagt der Landwirt, dem sich die Familienangehörigen, etwa zehn Kinder und Erwachsene, zugesellt haben.

„Ich weiss, dass der Mensch es schwierig findet. Der Vater will seinen Kindern den Schmerz ersparen, da er weiss, wie schwer er zu ertragen ist. Doch das ist die Folge der Schuld. Wie lange aber dauert irdisches Leiden in einem Menschenleben? Wahrlich, nur kurze Zeit. Nur kurze Zeit, selbst wenn es sich um das ganze Leben handelt. Ich aber sage: Ist es nicht besser, eine kurze Zeit zu leiden, als ewig leiden zu müssen? Ist es nicht besser, hier zu leiden als im Fegefeuer? Vergesst nicht, dass dort die Zeit tausendmal länger ist. Oh, wahrlich, ich sage euch, verwünscht eure Schmerzen nicht, sondern preist die Leiden, die man besser „Gnaden“ und „Barmherzigkeit“ nennen sollte.“

„Oh, deine Worte, Meister! Wir trinken sie, wie ein Dürstender im Sommer das Honigwasser aus einem frischen Krug trinkt. Willst du uns wirklich schon morgen verlassen, Meister?“

„Ja, morgen. Doch ich werde wiederkommen, um dir zu danken für alles, was du für mich und die Meinigen getan hast, und um dich nochmals um Brot und ein Lager zu bitten.“

„Immer, Meister, wirst du beides hier finden.“

Es kommt ein Mann mit einem Esel, der mit Gemüse beladen ist. (…)

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. II von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„In der Höhe verschließt sich der Himmel“

02/10/2011

zum Sonntags-Evangelium vom 2. Oktober 2011: Mt 21,33-43

7. Juni [1943]

„(…) Ich sage dir in Wahrheit, dass über zwei Drittel der menschlichen Rasse dieser Kategorie angehören, die unter der Fahne des Tieres lebt. Für sie bin Ich vergebens gestorben.

Das Gesetz der von dem Tier Gezeichneten steht in Antithese zu meinem Gesetz. Es beherrscht das Fleisch und bringt zugleich Werke des Fleisches hervor. Das andere Gesetz beherrscht den Geist und bringt Werke des Geistes hervor. Wenn der Geist herrscht, ist das Reich Gottes da. Wenn das Fleisch herrscht, ist das Reich Satans da.

Die unendliche Barmherzigkeit, welche die göttliche Trias bewegt, hat eurem Geist sämtliche Hilfen gegeben, um Sieger zu bleiben. Sie hat euch das Sakrament, das in eurem Fleisch das Zeichen des Tieres der Adamssöhne tilgt und mein Zeichen einprägt, gegeben. Es hat euch mein Wort des Lebens, Mich Selbst, euren Lehrer und Erlöser, gegeben, hat euch mein göttliches Blut in der hl. Eucharistie und am Kreuz gegeben, hat euch den Parakleten, den Geist der Wahrheit, gegeben.

Der, welcher im Heiligen Geist zu bleiben weiß, bringt Werke des Geistes hervor. Aus dem vom Heiligen Geist erfüllten Geschöpf quellen Liebe, Milde, Reinheit, Wissenschaft und jedes andere gute Werk, zusammen mit großer Demut. Aus den anderen kommen wie zischende Schlangen Laster, Betrug, Ausschweifung, Verbrechen hervor, denn ihr Herz ist eine höllische Schlangengrube.

Wo aber sind die, welche das Leben des Geistes anzustreben und sich würdig zu machen wissen, die lebensnotwendige Eingießung des Tröstergeistes zu empfangen, der mit allen Seinen Gaben kommt, aber als seinen Thron einen willigen, ihn ersehnenden Geist erwartet? Nein, die Welt diesen Gottesgeist, der euch gut macht, nicht haben. Die Welt will nämlich Macht um jeden Preis, Reichtum um jeden Preis, die Befriedigung der Sinne um jeden Preis, alle irdischen Freuden um jeden Preis, aber den Heiligen Geist weist sie ab und lästert Ihn; sie bekämpft Seine Wahrheit, kleidet sich in Prophetenmäntel und führt Reden, die nicht aus dem Schoße der Heiligsten Trinität, sondern aus der Spelunke Satans kommen.

Das aber wird nie und nimmer vergeben werden. Niemals. Ihr könnt sehen, dass dies nicht vergeben wird. Gott zieht sich in seine Himmelshöhen zurück, weil der Mensch seine Liebe abweist und für das Fleisch und nur im Fleisch lebt. Hier seht ihr die Gründe für euren Ruin und für Unser Schweigen.  Aus der Tiefe kommen die Fangarme Satans hervor, auf der Erde erklärt der Mensch sich zu Gott und lästert den wahren Gott, in der Höhe verschließt sich der Himmel. Und auch das ist schon Mitleid, denn indem er sich verschließt, hält er die Blitze, die ihr verdient, zurück.

Ein neues Pfingsten fände die Herzen härter und schmutziger als einen Felsblock mitten in einem Schlammteich. Bleibt also doch in dem von euch gewollten Schlamm in der Erwartung, dass ein Befehl, der keinen Widerspruch duldet, euch daraus hervorzieht, um euch zu richten und die Kinder des Geistes von den Kindern des Fleisches zu scheiden.“

Auszug aus “Die Hefte 1943″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Siebenundsiebzigmal verzeihen

10/09/2011

zum Sonntagsevangelium vom 11. Sept. 2011: Mt 18,21-35

„… So wird auch mein Vater mit euch verfahren, wenn ihr unbarmherzig gegen die Brüder seid; denn nachdem ihr so viel von Gott erhalten habt, seid ihr ihm mehr schuldig als ein einfacher Gläubiger. Bedenkt, dass ihr mehr als alle anderen die Pflicht habt, ohne Sünde zu sein. Bedenkt, dass Gott euch eine große Summe vorstreckt, aber auch verlangt, dass ihr Rechenschaft darüber ablegt. Denkt daran, dass niemand mehr als ihr Liebe üben und verzeihen können muss. 


Seid keine Knechte, die viel für sich haben wollen, aber nichts denen abgeben, die sie darum bitten. Wie ihr tut, so wird auch euch getan werden. Und es wird von euch auch Rechenschaft gefordert über die Taten derjenigen, die durch euer Beispiel zum Guten oder zum Bösen angeleitet worden sind. Oh, wahrlich, wenn ihr andere heiligt, werdet ihr eine große Herrlichkeit im Himmel besitzen! Aber wenn ihr Verderber oder träge im Heiligen seid, werdet ihr hart bestraft werden.

Ich sage es euch noch einmal! Wenn einer von euch sich nicht bereit fühlt, Opfer seiner eigenen Mission zu sein, soll er weggehen, aber nicht gegen sie fehlen. Er lasse es weder an seiner eigenen Ausbildung noch an der der anderen fehlen, wo es sich um wahrhaft schwerwiegende Dinge handelt. Er muss sich Gott zum Freund machen, indem er in seinem Herzen immer Vergebung für die Schwachen hegt. Denn seht, jeder, der dem Nächsten zu verzeihen weiss, wird auch von seinem Vater Verzeihung erlangen. …“

Auszug aus “Der Gottmensch″ Band V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“

21/05/2011
(zum Sonntags-Evangelium vom 22. Mai 2011: Johannes 14,1-12)

„(…) Wenn Satan Herr der Stunde ist, stirbt das Gute und herrscht das Böse, unterliegt der Geist und gewinnt das Menschliche die Oberhand. Dann werdet ihr führerlosen, vom Feind verfolgten Kriegern gleichen, und mit der Kopflosigkeit von Besiegten werdet ihr euren Rücken vor dem Sieger beugen und den gefallenen Helden verleugnen, damit man euch nicht tötet. Aber ich bitte euch, euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich. Glaubt an meine Barmherzigkeit und an die des Vaters, sowohl der, der bleibt, als auch der, der flieht. Sowohl der, der schweigt, als auch der, der den Mund öffnet und sagt: „Ich kenne ihn nicht.“ Und glaubt ebenso an meine Verzeihung. Glaubt, was immer ihr in Zukunft tut, an das Gute und an meine Lehre, an meine Kirche also. So werdet ihr einen Platz im Himmel haben. 

Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen. Wäre es nicht so, hätte ich es euch gesagt. Ich gehe voraus, um euch einen Platz zu bereiten. Machen es die guten Väter nicht so, wenn sie mit ihren Kindern die Wohnung wechseln? Sie gehen voraus, richten das Haus her, stellen die Möbel auf und sorgen für Vorräte. Dann kehren sie zurück und holen ihre lieben Kinder. Sie tun es aus Liebe. Damit es den Kleinen an nichts fehlt und sie sich in der neuen Umgebung wohlfühlen. Ich mache es ebenso. Und aus demselben Grund. Nun gehe ich. Wenn ich für jeden den Platz im himmlischen Jerusalem bereitet habe, komme ich wieder und nehme euch mit mir, damit ihr seid, wo ich bin und wo es keinen Tod und keine Trauer, noch Tränen, Jammer, Hunger, Schmerz, Finsternis oder Betrübnis gibt, sondern nur Licht, Frieden, Seligkeit und Gesänge. Oh, Himmelsklänge, wenn die zwölf Auserwählten mit den zwölf Patriarchen der Stämme Israels auf den Thronen sitzen und im Feuerbrand der geistigen Liebe und im Meer der Seligkeiten das ewige Lied singen werden, begleitet von den Harfenklängen des ewigen Halleluja der Heerscharen der Engel… Ich will, dass auch ihr seid, wo ich sein werde. Und ihr wisst, wohin ich gehe, und kennt den Weg.“

„Aber Herr! Wir wissen nichts. Du sagst uns nicht, wohin du gehst. Wie können wir wissen, welchen Weg wir nehmen müssen, um zu dir zu kommen und die Wartezeit zu verkürzen?“ fragt Thomas.


„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ihr habt es mich oft sagen und erklären gehört, und wahrlich, einige, die nicht einmal wussten, dass es einen Gott gibt, haben sich auf meinen Weg gemacht und sind euch schon vorausgegangen. Oh, wo bist du, verlorenes Schaf Gottes, das ich in den Schafstall zurückgeführt habe? Und wo bist du, auferstandene Seele?“

„Wer? Von wem sprichst du? Von Maria des Lazarus? Sie ist drüben, bei deiner Mutter. Willst du, dass wir sie rufen? Oder Johanna? Sie ist sicher in ihrem Palast. Aber wenn du willst, holen wir sie…“

„Nein, nicht diese… Ich denke an jene, die erst im Himmel entschleiert wird… und an Photinai… Sie haben mich gefunden. Sie haben meinen Weg nicht mehr verlassen. Der einen habe ich den Vater als wahren Gott gezeigt und den Geist als Leviten zu ihrer besonderen Verehrung. Der anderen, die nicht einmal wusste, dass sie eine Seele hat, habe ich gesagt: „Mein Name ist ‚Erlöser‘. Ich rette, die den guten Willen haben, gerettet zu werden. Ich bin der, der die Verlorenen sucht, der das Leben, die Wahrheit und die Reinheit gibt. Wer mich sucht, findet mich.“ Und beide haben Gott gefunden… Ich segne euch, schwache Evas, die ihr stärker als Judith geworden seid… Ich komme dorthin, wo ihr seid, ich komme… Ihr tröstet mich… Seid gesegnet…“

„Zeige uns den Vater, Herr, und wir werden diesen gleich sein“, sagt Philippus.

„Schon so lange bin ich bei euch, und du, Philippus, kennst mich noch nicht? Wer mich sieht, sieht meinen Vater. Wie kannst du also sagen: „Zeige uns den Vater?“ Kannst du glauben, dass ich im Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, sage ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir lebt, tut alle meine Werke. Ihr glaubt nicht, dass ich im Vater bin und er in mir ist? Was muss ich sagen, damit ihr glaubt? Wenn ihr den Worten nicht glaubt, dann glaubt wenigstens den Werken. Ich sage euch, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke tun, die ich tue, und er wird noch grössere tun, denn ich gehe zum Vater. Und alles, um was ihr den Vater in meinem Namen bitten werdet, werde ich tun, damit der Vater in seinem Sohn verherrlicht werde. 

Um was ihr mich in meinem Namen bitten werdet, das werde ich tun. Mein wirklicher Name ist nur mir allein, dem Vater, der mich gezeugt hat, und dem Heiligen Geist, der aus unserer Liebe hervorgeht, bekannt. Und in diesem Namen ist alles möglich. Wer mit Liebe an meinen Namen denkt, liebt mich und wird erhalten, um was er bittet. (…)“

Auszug aus “Der Gottmensch″ Band XI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch


Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner

23/10/2010
zum Sonntagsevangelium vom 24. Oktober 2010: Lukas 18,9-14

„… Nachdem sie ihre Angelegenheiten erledigt hatten, stiegen die beiden zum Tempel hinauf, und als sie am Opferkasten vorüberkamen, zog der Pharisäer ostentativ einen großen Geldbeutel aus seiner Brusttasche und schüttete den Inhalt bis zum letzten Heller in den Tempelschatz. In dieser Geldbörse waren vor allem die Geldstücke, die er den Kaufleuten abverlangt hatte, und der Erlös für das Öl, das er dem Verwalter abgenommen und sofort an einen Händler verkauft hatte. Der Zöllner hingegen warf eine Handvoll kleiner Münzen hinein und behielt soviel zurück, als er für die Rückreise in die Heimat benötigte. Der eine wie der andere gaben alles, was sie hatten. Scheinbar war sogar der Pharisäer der Großzügigere, da er alles bis zum letzten Heller hergab. Aber man muß bedenken, daß er in seinem Palast noch viel Geld hatte und außerdem Kredit bei reichen Geldwechslern.

Dann begaben sich beide vor den Herrn. Der Pharisäer ging nach vorn, bis zur Grenze des Atriums der Hebräer vor dem Heiligtum. Der Zöllner blieb hinten stehen, fast unter dem Gewölbe, das zum Vorhof der Frauen führt. Er stand da, gebeugt und niedergeschmettert bei dem Gedanken an sein Elend im Vergleich zur göttlichen Vollkommenheit. Beide beteten.


Der Pharisäer stand aufrecht, fast anmaßend da, als ob er der Hausherr wäre, der sich herabläßt, einen Besucher zu empfangen, und sprach: „Sieh, ich bin gekommen, um dich in dem Haus zu verehren, das unser Ruhm ist. Ich bin gekommen, obwohl ich fühle, daß du in mir bist, da ich ein Gerechter bin. Ich bin kein Räuber. Ich bin nicht ungerecht, kein Ehebrecher und kein Sünder, wie jener Zöllner dort, der fast gleichzeitig mit mir eine Handvoll Kupermünzen in den Schatz geworfen hat. Ich, du hast es gesehen, habe dir alles gegeben, was ich bei mir hatte. Dieser Geizhals dagegen hat zwei Teile gemacht und dir den kleineren gegeben. Den anderen Teil wird er wohl für Schwelgereien und für Frauen behalten haben. Ich bin rein. Ich beflecke mich nicht. Ich bin rein und gerecht, faste zweimal in der Woche und bezahle den Zehnten von allem, was ich besitze. Ja, ich bin rein, gerecht und gesegnet, weil ich heilig bin. Erinnere dich daran, Herr.“

Der Zöllner in seinem entfernten Winkel wagte kaum, die Augen zu den kostbaren Pforten des Heiligtums zu erheben. Er schlug an seine Brust und betete so: „Herr, ich bin nicht würdig, an diesem Ort zu stehen. Aber du bist gerecht une heilig, und du gestattest es mir, weil du weißt, daß der Mensch ein Sünder und ein Teufel wird, wenn er nicht zu dir kommt. Oh, mein Herr, ich möchte dich ehren Tag und Nacht, aber ich bin so viele Stunden der Sklave meiner Arbeit. Es ist eine harte Arbeit, die mich demütigt, denn ich füge meinem unglücklichen Nächsten Schmerz zu. Aber ich muß meinen Vorgesetzten gehorchen, um mein tägliches Brot zu verdienen. Hilf mir, o mein Gott, daß ich das Pflichtgefühl gegenüber meinen Vorgesetzten immer mäßige durch die Liebe zu meinen armen Brüdern, damit meine Arbeit nicht zu meiner Verdammung führe. Jede Arbeit ist heilig, wenn sie mit Liebe getan wird. Laß deine Liebe stets in meinem Herzen gegenwärtig sein, damit ich, armselig wie ich bin, mit meinen Untergebenen Mitleid habe, wie du mit mir, dem großen Sünder, Mitleid hast. Ich hätte dich gern mehr geehrt, o Herr, du weißt es. Aber ich hielt es für besser, mit dem für den Tempel bestimmten Geld acht unglückliche Herzen zu trösten als es in den Opferkasten zu werfen und dann acht unschuldige und unglückliche Menschen verzweifelt weinen zu lassen. Wenn ich jedoch gefehlt habe, laß es mich wissen, o Herr, denn ich bin ein großer Sünder.“

Das ist das Gleichnis. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, während der Pharisäer den Tempel verließ, nachdem er noch eine Sünde zu den schon bevor der den Moriah erstieg begangenen hinzugefügt hatte, ging der Zöllner gerechtfertigt hinaus, und der Segen Gottes begleitete ihn bis zu seinem Haus und ruhte darauf. Denn er war demütig und barmherzig, und seine Werke waren noch heiliger als seine Worte; der Pharisäer dagegen war nur mit Worten und nach außen hin gut, in seinem Inneren aber und mit seinem Hochmut und seiner Hartherzigkeit vollbrachte er Werke des Teufels, weshalb er Gott verhaßt war.

Wer sich selbst erhöht, wird immer, früher oder später, erniedrigt werden; wenn nicht in diesem, dann im anderen Leben. Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden, besonders droben im Himmel, wo die Handlungen der Menschen in ihrem wahren Wert erscheinen.

Komm, Zachäus. Kommt ihr, die ihr mit ihm seid, und ihr, meine Apostel und Jünger. Ich werde noch allein mit euch sprechen.“

Er hüllt sich in seinen Mantel und kehrt in das Haus des Zachäus zurück.

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band IX von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


Gleichnis von der verlorenen Drachme

11/09/2010
zum Sonntagsevangelium vom 12. September 2010: Lukas 15,1-32

Viel Volk hat sich auf der Straße angesammelt.

Jesus beginnt zu reden: „Eine Frau hatte zehn Drachmen in ihrem Beutel. Aber bei einer Bewegung fiel ihr der Beutel von der Brust, öffnete sich, und die Münzen rollten auf den Boden. Sie sammelte sie mit Hilfe der Umstehenden und zählte sie. Es waren neun. Die zehnte war nicht zu finden. Da es Abend war, zündete die Frau eine Lampe an, stellte sie auf den Boden, nahm einen Besen und begann sorgfältig zu kehren, um zu sehen, ob die Drachme weit weggerollt war. Doch die Drachme war nicht zu finden. Die Freundinnen gingen, des Suchens müde, davon. Die Frau rückte nun die Truhe, die Bank und den schweren Kasten beiseite, sie verschob die Krüge und Töpfe in der Mauernische; doch die Drachme war nicht zu finden. Da suchte sie auf allen Vieren im Kehrichthaufen vor der Türe, um zu sehen, ob die Drachme aus dem Haus gerollt sei und sich unter die Abfälle gemischt habe. Dort fand sie schließlich die Drachme, ganz schmutzig und unter dem auf sie gefallenen Kehricht begraben.

James Tissot: Die verlorene Drachme

Die Frau nahm sie jubelnd in die Hand, wusch sie und trocknete sie. Jetzt war sie schöner als zuvor, und sie zeigte sie ihren Nachbarinnen, die sie mit lauter Stimme zurückgerufen hatte. Sie sagte: „Seht her! Seht her! Ihr habt mir geraten, mich nicht weiter zu mühen. Doch ich habe beharrlich weitergesucht und die verlorene Drachme schließlich wiedergefunden. Freut euch daher mit mir, da ich nun nicht mehr befürchten muß, einen Teil meines Schatzes verloren zu haben.“

Auch euer Meister und mit ihm seine Apostel machen es so wie die Frau im Gleichnis. Gott weiß, daß eine Bewegung den Fall eines Schatzes zur Folge haben kann. Jede Seele ist ein Schatz, und Satan, der neidisch auf Gott ist, verursacht unglückliche Bewegungen, um die armen Seelen zu Boden fallen zu lassen. Mache fallen nicht weit von der Börse, entfernen sich also nicht allzu sehr vom Gesetz Gottes, das die Seelen im Schutz der Gebote zusammenhält. Andere aber entfernen sich weit von Gott und seinen Geboten, und einige gelangen bis zum Kehricht, zum Abfall, zum Schmutz. Und dort würden sie in das ewige Feuer geworfen und zugrunde gehen, ebenso wie Abfälle an besonderen Plätzen verbrannt werden.

Der Meister weiß dies und sucht unermüdlich die verlorenen Münzen. Er sucht liebevoll an allen Orten nach ihnen. Es sind seine Schätze. Und er wird nicht müde und empfindet vor nichts Ekel, sondern durchstöbert, kehrt und verschiebt, bis er sie findet. Und wenn er sie gefunden hat, dann wäscht er die wiedergefundene Seele mit seiner Verzeihung und ruft seine Freunde, das ganze Paradies und alle Guten der Erde, und sagt: „Freut euch mit mir, denn ich habe wiedergefunden, was sich verirrt hatte, und es ist schöner als zuvor, denn meine Verzeihung hat es erneuert!“

Wahrlich, ich sage euch, im Himmel ist ein großes Fest, und die Engel Gottes und die Guten der Erde jubeln, wenn sich ein Sünder bekehrt. Wahrlich, ich sage euch, es gibt nichts Schöneres als die Tränen der Reue. Wahrlich, ich sage euch, nur die Dämonen können sich nicht über die Bekehrungen freuen, die ein Sieg Gottes sind. Und weiter sage ich euch, daß die Art, die Bekehrung eines Sünders aufzunehmen, ein Maßstab für die Güte eines Menschen und seine Vereinigung mit Gott ist.

Der Friede sei mit euch!“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band IV von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Kommt doch, arme Kinder, kommt zu Mir

„… wählt immer den letzten Platz.“

28/08/2010
zum Sonntagsevangelium v. 29. August 2010: Lukas 14,1.7-14.

„… Warum glaubt ihr immer, vollkommen zu sein, nur weil das Schicksal euch einen hohen gesellschaftlichen Rang zugteilt hat? Selbst wenn ihr in einigen Dingen höher gestellt wäret, warum sucht ihr dann nicht, es in allem zu sein? Warum hasst ihr mich, weil ich eure Fehler aufdecke? Ich bin der Arzt eurer Seelen, und wie kann denn ein Arzt heilen, wenn er nicht die Wunden aufdeckt und sie reinigt? Wisst ihr nicht, dass viele, und auch jene Frau, die soeben fortgegangen ist, die ersten Plätze beim Gastmahl Gottes verdienen, obwohl sie ihrem Äusseren nach gering erscheinen? Nicht auf das Äussere kommt es an, sondern im Herzen und in der Seele ist der Wert eines Menschen. Gott sieht euch und richtet euch von der Höhe seines Thrones. Wie viele sieht er, die besser sind als ihr! Daher hört mir zu!


Dies soll eure Verhaltensregel sein: Wenn man euch zu einem Hochzeitsmahl einlädt, wählt immer den letzten Platz. Doppelte Ehre wird euch zuteil, wenn der Hausherr euch auffordert: „Freund, komm nach vorn.“ Ehre des Verdienstes und Ehre der Demut. Welch traurige Stunde ist es jedoch für den Hochmütigen, wenn er beschämt wird und hören muss, wie man ihn zurechtweist: „Geh dort nach hinten, denn hier ist einer, der höher steht als du.“ Handelt ebenso beim geheimnisvollen Gastmahl eures Geistes, beim Hochzeitsmahl mit Gott. Wer sich erniedrigt, wird erhöht werden, und wer sich erhöht, wird erniedrigt werden.

Ismael, hasse mich nicht, weil ich dich heilen will. Ich hasse dich nicht und bin gekommen, um dich zu heilen. Du bist kränker als jener Mann, denn du hast mich eingeladen um deines eigenen Ruhmes willen und um deine Freunde zufriedenzustellen. Oft gibst du Einladungen, aber aus Hochmut und zum Vergnügen. Tue das nicht! Lade nicht Reiche, Verwandte und Freunde ein, sondern öffne dein Haus, öffne dein Herz den Armen, den Bettlern, den Krüppeln, den Lahmen, den Waisen und Witwen. Sie werden dir nur Segen bringen als Entgelt, doch Gott wird ihn in Gnaden für dich umwandeln. Dann, am Ende… Oh, welch glückliches Los erwartet alle Barmherzigen, die einst bei der Auferstehung der Toten von Gott belohnt werden!

Wehe denen, die nur der Hoffnung auf Nutzen schmeicheln und ihr Herz dem Bruder verschliessen, der ihnen nicht mehr dienen kann. Wehe ihnen! Ich werde mich anstelle der Verlassenen rächen.“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band VI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Gleichnis vom reichen Kornbauern

31/07/2010
(zum Sonntagsevangelium vom 1. August 2010: Lk 12, 13-21)

„… Bereitet jetzt euren Schatz vor. Beginnt schon in der Jugend, ihr, die ihr noch jung seid; arbeitet unablässig, ihr Älteren, die ihr wegen eures Alters dem Tod näher seid. Und da ihr nicht wißt, wann ihr diese Welt verlaßt und der Jüngling oft vor dem Greis stirbt, verschiebt diese Arbeit nicht und schafft euch einen Schatz an Tugenden und guten Werken für das andere Leben, damit euch nicht der Tod ereilt, bevor ihr einen Schatz an Verdiensten im Himmel habt. Viele sagen: „Oh, ich bin noch jung und stark! Jetzt will ich mein Leben genießen, später will ich mich bekehren!“ Großer Irrtum!

Hört dieses Gleichnis. Einem reichen Mann haben seine Ländereien eine reichliche Ernte gebracht. Wirklich eine wunderbare Ernte. Er betrachtet glücklich all seinen Reichtum, der sich in Hülle und Fülle auf seinen Feldern und seinen Tennen anhäuft; und da er keinen Platz mehr in den Scheunen hat, um ihn unterzubringen, benützt er sogar die Räume seines Hauses. Dann sagt er zu sich: „Ich habe gearbeitet wie ein Sklave, aber die Erde hat mich nicht enttäuscht. Ich habe für zehn Ernten gearbeitet, und jetzt will ich mich entsprechend ausruhen. Wie kann ich alles unterbringen? Ich will nichts verkaufen, denn ich wäre dann gezwungen, wieder zu arbeiten für eine neue Ernte im nächsten Jahre. Ich mache es so: Ich will meine Scheunen abreißen und größere bauen, in denen meine ganze Ernte, und was ich besitze, Platz hat. Dann will ich zu meiner Seele sagen: ‚O meine Seele! Du hast nun Vorrat für viele Jahre. Ruhe dich aus, iß und trink und laß es dir gut gehen.‘ „


Dieser Mann verwechselt so wie viele andere den Körper mit der Seele und vermischt das Heilige mit dem Unheiligen, denn wahrlich, in der Schwelgerei und im Müßiggang erfreut sich die Seele nicht, sondern sie verkümmert; so ruht er sich wie viele andere nach der ersten großen Ernte auf den Feldern des Guten aus, da ihm scheint, daß schon alles getan ist.

Wißt ihr denn nicht, daß man, wenn man die Hand an den Pflug gelegt hat, durchhalten muß, zehn oder hundert Jahre, solange das Leben dauert; denn Aufhören ist ein Verbrechen gegen sich selbst, durch das man die Erlangung einer größeren Herrlichkeit unmöglich macht; es ist ein Rückschritt, denn wer beim Durchschnittlichen stehenbleibt, kommt nicht nur nicht mehr vorwärts, er geht vielmehr rückwärts. Der Schatz des Himmels muß sich von Jahr zu Jahr vermehren, um Wert zu haben.

Denn, wenn die Barmherzigkeit auch mit dem gütig sein wird, der nur wenige Jahre Zeit hatte, so ist sie nicht Helfershelfer der Trägen, die viele Jahre haben und wenig tun. Es ist ein Schatz, der ständig anwachsen muss, sonst ist er kein gewinnbringendes, sondern totes Kapital, und dies auf Kosten des im Himmel wartenden Friedens.

Gott sagte zum Törichten: „Du törichter Mensch, der du den Körper und die irdischen Güter mit dem, was Geist ist, verwechselst und die Gnade Gottes in Schlechtes verkehrst, wisse, daß noch heute nacht deine Seele von dir gefordert werden und der Körper leblos zurückbleiben kann. Was du vorbereitet hast, wem wird es gehören? Kannst du es mitnehmen? Du wirst ohne deine irdische Ernte und ohne Verdienste für den Himmel erworben zu haben vor mir erscheinen und im anderen Leben arm sein. Besser wäre es für dich gewesen, du hättest mit deiner Ernte Barmherzigkeit am Nächsten geübt. Denn wenn du gegen deinen Nächsten barmherzig bist, ist Gott auch dir barmherzig. Anstatt an Müßiggang zu denken, hättest du Tätigkeiten nachgehen sollen, die deinem Körper wahren Nutzen und deiner Seele Verdienste einbringen, bis ich dich rufen werde.“ Und der Mann starb in der Nacht und wurde streng gerichtet.

Wahrlich, ich sage euch, so geht es dem, der irdische Reichtümer sammelt, aber in den Augen Gottes arm bleibt. Nun geht und zieht einen Nutzen aus der Lehre, die ich euch gegeben  habe. Der Friede sei mit euch!“

Jesus segnet das Volk und zieht sich mit den Aposteln und den Jüngern in einen dichten Hain zurück, um etwas zu essen und sich auszuruhen.

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch




„Ich bin der gute Samariter“

11/07/2010

(zum Sonntags-Evangelium vom 11. Juli 2010: Lk 10,25-37)

G. Conti - Der gute Samariter

3. Januar [1944]

Jesus sagt:

„Ich bin der gute Samariter (1). Ich allein habe Mitleid mit euren Verwundungen und beuge Mich über euch ohne Widerwillen und Ermüdung, und giesse das von der Liebe ausgepresste Öl und den Wein über sie aus.

Für die ganze Galle und den Essig, den ihr Mir gebt, ihr Menschen, die ihr Mich in Meiner Natur und in Meiner Lehre beleidigt, gebe Ich euch den Wein Meines weniger von den Kreuzigern als von der Liebe für euch aus den Venen wie aus einer Traube in der Kelter gepressten Blutes, der Liebe, die Mich für euch den Händen der Kreuziger überliefert hat, und gebe euch das Öl meines Erbarmens, das auch noch nach dem Tode aus dem zerspaltenen Herzen (2) rinnt, weil noch nicht einmal Mein Leichnam von Beleidigungen verschont bleiben und ich auch keinen Tropfen Meines Blutes zurückbehalten sollte.

Der Räuber Satan greift euch an und verwundet euch und lässt euch dann im Stich. Die Welt schaut euch an und verhöhnt euch, wenn sie sich nicht gar mit Satan vereint, um euch zu verwunden. Ich allein komme und habe Mitleid mit eurem Zustand.

Stosst den göttlichen Freund nicht zurück, der euch retten will. Lasst euch von Ihm heilen. Kommt zu Ihm, der euch liebt.“

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(1) Vgl. Lukas 10, 29-37

(2) Vgl. Joh 19,31-37

Auszug aus “Die Hefte 1944″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch