Posts Tagged ‘Barmherzigkeit’

Besondere Aufgaben Mariä für die letzten Zeiten (6)

11/05/2010

3. Die Apostel der letzten Zeiten

Aus all diesen Gründen will Gott, dass Maria jetzt mehr erkannt, geliebt und geehrt werde als jemals, was ohne Zweifel geschehen wird, wenn die Auserwählten unter dem Gnadenbeistande und der Erleuchtung des Heiligen Geistes in die Übung der vollkommenen und inneren Andacht zu Maria eintreten werden, die ich ihnen im folgenden klar legen will.

Dann werden sie, soweit es die Gnade des Glaubens gestattet, diesen schönen Meeresstern klar erschauen und unter seinem Lichte trotz der Stürme und zahlreichen Feinde glücklich im Hafen landen. Sie werden die Grösse dieser Herrscherin erkennen und sich als Untergebene und Sklaven der Liebe ganz ihrem Dienste weihen. Ihre Milde und mütterliche Güte wird in ihnen die zärtlichste Gegenliebe wecken. Die ganze Fülle ihrer Barmherzigkeit und die Kraft ihrer Hilfe werden sie in jeder Not erfahren und stets bei ihr als treue Sachwalterin und Mittlerin Zuflucht finden. Jene vollkommene Andacht aber werden sie als das sicherste, leichteste, kürzeste und vollkommenste Mittel erproben, um zu Christus zu gelangen, so dass sie mit Leib und Seele sich Maria ohne Rückhalt schenken werden, um in gleicher Weise dem Heiland anzugehören.

Welche Bedeutung aber werden diese Diener und Kinder Mariä besitzen? Sie werden in ihrem brennenden Eifer für die Ehre Gottes überall das Feuer der göttlichen Liebe entzünden. Sie werden wie scharfe Pfeile in der Hand der mächtigen Jungfrau sein, um ihre Feinde zu durchbohren.

Als Söhne Levis, wohlgeläutert durch das Feuer grosser Trübsale und fest vereint mit Gott, werden sie in ihrem Herzen das Gold der Liebe, in ihrem Geiste den Weihrauch des Gebetes, an ihrem Leib die Myrrhe der Abtötung tragen und überall den Armen und Geringen ein Wohlgeruch Christi sein, während sie bei den Grossen, den Reichen und stolzen Weltkindern den Geruch des Todes hinterlassen werden.

Auszug aus “Das Goldene Buch” vom hl. Ludwig Maria Grignion v. Montfort, zu beziehen über den Lins-Verlag,  A-6804 Feldkirch

„Der Schuldigen weise ich den Weg der Rettung“

22/03/2010

(Erklärungen Jesu zur Episode „Jesus, die Pharisäer und die Ehebrecherin“ – Entsprechung im Johannesevangelium: 8,1-11)

Jesus spricht:

„Was mich verletzt hat, war der Mangel an Liebe und Aufrichtigkeit der Ankläger. Nicht dass ihre Anklage falsch gewesen wäre, die Frau war wirklich schuldig. Aber sie waren unaufrichtig und taten, als ob sie Ärgernis nähmen an einer Sünde, die sie selbst tausendmal begangen hatten und die nur wegen ihrer größeren Schlauheit und weil sie mehr Glück gehabt hatten, unbekannt geblieben war. Die Frau war bei ihrer ersten Sünde weniger schlau und hatte nicht viel Glück. Aber keiner ihrer Ankläger und Anklägerinnen – denn auch die Frauen, die zwar ihre Stimmen nicht zur Anklage erhoben, beschuldigten sie in ihrem Herzen – war frei von Schuld.

Ehebrecher ist, wer die Tat begeht, aber auch, wer mit seinem ganzen Sein danach verlangt. Unzucht begeht sowohl der, der sündigt, als auch der, der zu sündigen begehrt. Es genügt nicht, das Böse nicht zu tun, man darf auch nicht danach begehren.

Wer sich sinnlichen Gedanken hingibt und sinnliche Gefühle durch Lektüre und durch vorsätzlich und aus ungesunder Gewohnheit gesuchte Schauspiele erregt, ist ebenso unrein wie der, der sich tatsächlich schuldig macht. Ich wage zu sagen: er ist noch schuldiger; denn er verstößt mit seinen Gedanken gegen die Natur, nicht nur gegen die Sittlichkeit. Ich spreche nicht von dem, der wirklich naturwidrige Akte begeht. Die einzige Entschuldigung für einen solchen wäre eine organische oder psychische Krankheit. Wer aber diese Entschuldigung nicht hat, steht um zehn Stufen tiefer als das schmutzigste Tier. Damit einer gerecht urteilen kann, muss er selbst frei von Schuld sein.

Bezüglich der wichtigsten Vorraussetzungen für einen Richter verweise ich euch auf die früheren Diktate.

Mir waren die Herzen jener Pharisäer und Schriftgelehrten nicht unbekannt, ebenso wie die der anderen, die sich ihnen angeschlossen hatten, um gegen die Schuldige loszuziehen. Sünder gegen Gott und gegen den Nächsten waren sie, schuldig gegenüber der Religion, schuldig gegenüber den Eltern und den Nächsten, schuldig vor allem auch, und am häufigsten, gegenüber ihren Frauen. Wenn ich durch ein Wunder ihrem Blut befohlen hätte, ihre Sünden auf ihre Stirn zu schreiben, dann hätte unter den vielen Anklagen die des tatsächlichen oder gedanklichen Ehebrechers vorgeherrscht. Ich habe gesagt: „Was aus dem Herzen des Menschen kommt, ist es, was den Menschen befleckt.“ Abgesehen von mir selbst war dort niemand unter den Richtern, der ein reines Herz gehabt hätte.

Unaufrichtig und lieblos waren sie. Nicht einmal ihre eigene Ähnlichkeit mit ihr in bezug auf die Begierlichkeit, konnte sie zur Barmherzigkeit bewegen. Ich, der ich als einziger Abscheu hätte empfinden müssen, übte Liebe gegenüber dieser gedemütigten Frau. Erinnert euch jedoch daran: Je besser einer ist, desto barmherziger ist er mit den Schuldigen. Nicht die Sünde selbst entschuldigt er, das nicht, aber er bedauert die Schwachen, die der Sünde nicht widerstehen konnten.

Der Mensch! Oh! Leichter als ein schwaches Rohr und eine feine Zaunwinde gibt er der Versuchung nach und klammert sich an Dinge, von denen er Trost und Stütze erhofft.

Oft kommt es ja gerade beim schwachen Geschlecht zur Sünde, weil man Trost zu finden sucht. Daher sage ich, wer es seiner Frau oder auch der eigenen Tochter an Liebe fehlen lässt, ist zu neunzig Prozent an der Sünde seiner Frau oder seiner Tochter schuld und wird an ihrer Stelle Rechenschaft dafür ablegen müssen. Sowohl die übertriebene Liebesbezeigung, die zur törichten Sklaverei eines Mannes gegenüber der Frau oder eines Vaters gegenüber der Tochter führt, als auch die Vernachlässigung, oder schlimmer die Sünde der sinnlichen Lust, die den Mann zu fremder Liebe treibt und die Eltern zu anderen Interessen als die der Erziehung ihrer Kinder, sind der Ursprung der Hurerei und des Ehebruchs, und daher verurteile ich sie. Ihr seid vernunftbegabte Wesen, die von einem göttlichen Gesetz oder von einem Sittengesetz geleitet werden. Sich zu einer wilden oder tierischen Lebensweise zu erniedrigen, müsste eurem Hochmut verabscheuenswert erscheinen. Aber den Stolz, der in diesem Falle sogar nützlich wäre, habt ihr nur für ganz andere Dinge.

Ich habe Petrus und Johannes auf verschiedene Art angeschaut, denn dem ersten, einem Mann,  wollte ich sagen: „Petrus, fehle auch du nicht gegen die Liebe und die Aufrichtigkeit.“ Außerdem wollte ich ihm als meinem zukünftigen Hohenpriester sagen: „Erinnere dich dieser Stunde und urteile in Zukunft wie dein Meister.“ Dem anderen hingegen, einem Jüngling mit der Seele eines Kindes, wollte ich sagen: „Du kannst urteilen und urteilst nicht, weil du ein Herz wie das meine hast. Danke, Geliebter, der du so sehr mein eigen bist, dass du mein zweites Ich geworden bist.“ Ich habe beide fortgeschickt, bevor ich die Frau rief, um ihre Demütigung nicht zu vermehren durch die Anwesenheit zweier Zeugen.

Lernt, ihr Menschen ohne Barmherzigkeit: Wie schuldbeladen einer auch sein mag, soll er doch immer mit Achtung und Liebe behandelt werden. Freut euch nicht über seine Demütigung. Zieht nicht über ihn her, nicht einmal mit neugierigen Blicken. Erbarmen, Erbarmen für den, der gefallen ist!

Der Schuldigen weise ich den Weg zur Rettung: Die Rückkehr nach Hause, das demütige Bitten um Verzeihung und das Erlangen der Verzeihung durch ein rechtschaffenes Leben. Sie soll nicht mehr den Versuchungen des Fleisches nachgeben und die Güte Gottes und der Menschen nicht missbrauchen, um nicht durch eine zweifache oder vielfache Sünde noch schwerer büssen zu müssen als bisher. Gott verzeiht, und er verzeiht, weil er die Güte ist. Aber der Mensch weiß nicht zweimal zu verzeihen, obwohl ich gesagt habe: „Verzeih deinem Bruder siebenmal siebzigmal.“

Ich gebe ihr nicht den Frieden und den Segen, weil ich bei ihr noch nicht die entschiedene Absage an die Sünde gefunden habe, die erforderlich ist, um Verzeihung zu erlangen. In ihrem Fleisch und leider auch in ihrem Herzen herrscht nicht die Abscheu vor der Sünde. Maria von Magdala hatte, als sie mein Wort begriff, Abscheu vor der Sünde und war zu mir gekommen mit dem unbeugsamen Willen, ein anderer Mensch zu werden. In dieser Frau jedoch schwankten die Stimmen des Fleisches und des Geistes noch. Sie konnte in der Verwirrung der Stunde noch die Axt an den Wurzelstock des Fleisches legen und ihn ausreißen, um befreit von ihrer Last sehnsüchtig dem Reiche Gottes entgegenzugehen; befreit von dem, was zum Untergang führt, und bereichert mit dem, was Rettung bedeutet.

Willst du wissen, ob sie später gerettet wurde? Nicht für alle bin ich der Erlöser gewesen. Für alle wollte ich es sein, und doch war ich es nicht, denn nicht alle sehnten sich danach, gerettet zu werden. Und das ist einer der furchtbarsten Pfeile gewesen, die mein Herz durchbohrten in der Agonie von Gethsemane. (…)“

Auszug aus “Der Gottmensch″ (Band IX) von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch

Besondere Aufgaben Mariä für die letzten Zeiten (3)

16/03/2010

Gott will also Maria, das Meisterwerk seiner Hände, in den letzten Zeiten offenbaren und verherrlichen:

1. weil sie sich in dieser Welt verborgen und aufs tiefste verdemütigt hat, indem sie es sich von Gott, von seinen Aposteln und Evangelisten erwirkte, dass ihre Herrlichkeit der Welt nicht geoffenbart wurde.

2. Wie Maria einst hier auf Erden durch die Gnade, so ist sie jetzt im Himmel durch die Glorie das Meisterwerk der Hände Gottes, weswegen ihn preisen und verherrlichen sollen alle Geschlechter auf Erden.

3. Weil Maria die Morgenröte ist, die dem Heiland als der Sonne der Gerechtigkeit vorausgeht und sie ankündigt, so muß sie erkannt und verstanden werden, um die Menschen zur Erkenntnis Jesu Christi zu führen.

4. Wie Maria der Weg ist, auf dem Jesus Christus das erste Mal zu uns gelangte, so wird sie dies auch bei seiner zweiten Ankunft sein, wenn auch nicht auf gleiche Weise.

5. Da Maria der sichere, gerade und makellose Pfad ist, um Jesus zu finden und ihn vollkommen zu erkennen, so müssen alle Seelen, die nach Heiligkeit streben, dieses Ziel durch Maria erreichen. Denn wer Maria findet, findet das Leben, nämlich Jesus Christus, welcher der Weg ist, die Wahrheit und das Leben. Man kann aber Maria nur finden, wenn man sie kennt; denn niemand sucht und verlangt etwas, was er nicht kennt. Zur Erkenntnis und Verherrlichung der heiligsten Dreifaltigkeit ist daher mehr als je die Erkenntnis Mariä notwendig.

Sixtinische Madonna (Raffael)

6. Maria soll deswegen mehr als je zuvor in ihrer Barmherzigkeit, Macht und Gnadenfülle gerade in den letzten Zeiten erkannt und geliebt werden: in ihrer Barmherzigkeit, damit sie die armen Sünder und irrenden Söhne zurückführe und liebreich aufnehme, welche sich bekehren und zur katholischen Kirche zurückkehren wollen; in ihrer Macht gegen die Feinde Gottes, die Götzendiener, Schismatiker und Mohammedaner, die Juden und alle verhärteten Gottlosen, welche sich erheben werden, um mit furchtbarer Wut möglichst viele zu verführen und durch Versprechen und Drohungen zum Abfall zu bringen. Endlich soll Maria auch leuchten in ihrer Gnadenfülle, um die tapferen Streiter und die treuen Diener Jesu Christi, welche für seine Kirche kämpfen werden, zu begeistern und zu stärken.

7. Schließlich soll Maria der Schrecken der Dämonen und ihres Anhanges werden, gleich einem in Schlachtordnung aufgestellten Heere, und zwar gerade in den letzten Zeiten, weil der Satan wohl weiß, dass ihm dann nur noch wenig Zeit zur Verfügung steht, um die Seelen zu verderben, und er daher seine feindlichen Anstrengungen und Angriffe von Tag zu Tag verdoppeln wird. Alle Kraft wird er zusammenfassen, um neue Verfolgungen gegen die Kirche heraufzubeschwören und besonders den treuen Dienern und wahren Kindern Mariä schreckliche Nachstellungen zu bereiten, weil er sie am wenigsten zu überwinden vermag.

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Auszug aus “Das Goldene Buch” vom hl. Ludwig Maria Grignion v. Montfort, zu beziehen über den Lins-Verlag,  A-6804 Feldkirch

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„Kommt doch, arme Kinder, kommt zu Mir“

13/03/2010
zum Sonntags-Evangelium vom 14. März 2010: Lukas 15,1-3.11-32

22. Juli 1943

Jesus sagt:

„Gott wird nicht geliebt. Weder von den bloßen Namenschristen, noch von denen, die eifrige Christen zu sein scheinen. Sie scheinen es zu sein, sind es aber nicht. Sie geben sich vielen religiösen Praktiken hin, sprechen viele Gebete, aber alles oberflächlich, mehr aus Aberglauben als aus eigentlicher Religion. Viele fürchten, Gott würde sie strafen, wenn sie nicht eine bestimmte Anzahl von Gebeten sprächen, nicht bestimmte Riten vollzögen, oder sogar – wobei sie Gott ganz beiseite lassen – dass ihre Geschäfte dann nicht erfolgreich gingen. Auch hier nur Egoismus.

Sie haben die Liebe des göttlichen Vaters zu seinen Kindern und der Kinder zu ihrem Vater nicht verstanden. Es gibt Gott, das glauben sie schon. Aber Er ist in so weiter Ferne, ganz abstrakt… so, als ob Er gar nicht da wäre. Sie glauben Gott nicht nur in weiter Ferne, sondern finster und geizig. Sie halten Ihn für einen, der Strafen austeilt.

Nein. Euer Gott ist euch immer nahe. Nicht Er entfernt sich, sondern ihr. Nicht er ist geizig und mürrisch, sondern ihr. Nicht Er verschließt die Pforten der Gnade, sondern ihr. Ihr verschließt sie dadurch, dass ihr keinen Glauben, keine Liebe und keine Hoffnung zu Ihm hegt.

Aber kommt doch, arme Kinder, kommt zu Mir, der Ich von dem Verlangen brenne, euch glücklich zu machen. Kommt zu Mir, der ich mich betrübe, euch nicht an Meine Brust ziehen zu können, um eure Tränen zu trocknen. Kommt zu dem Einzigen, der euch Gutes und Frieden und wahre, ewige Liebe schenkt.

In meiner Nähe leben, bedeutet Freude auch im Schmerz. Mit Mir an der Seite sterben, heißt in die Freude eintreten. Wer sich Mir anvertraut, braucht vor nichts auf der Erde und vor nichts in der Ewigkeit Angst zu haben, denn dem, der Mir ein wahrer Sohn ist, öffne ich das Herz eines wahren Vaters voll Verständnis und Verzeihung.“

Rembrandt: Die Rückkehr des verlorenen Sohnes

Auszug aus “Die Hefte 1943″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Ihr folgt den Stimmen der Unordnung

Bleibt in Mir

Und er konnte dort keine Wunder wirken

Die heilige Fastenzeit (2)

18/02/2010

Ebenso wie die Kirche unter dem Namen Fasten aller Werke christlicher Abtötung begreift, so versteht sie unter dem Namen Gebet alle frommen Übungen, mit welchen sich die Seele an Gott wendet. Der häufige Besuch der Kirche, die tägliche Beiwohnung der heiligen Messe, fromme Lesungen, Betrachtungen über die Heilswahrheiten und das bittere Leiden und Sterben des Erlösers, Gewissenserforschung, der Besuch der Fastenpredigten und vor allem der Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares, das sind die wichtigsten Mittel, wodurch die Gläubigen dem Herrn die Huldigung des Gebetes darbringen können. Das Almosen umfaßt alle Werke der Barmherzigkeit gegen den Nächsten (…).

Ein Mittel, um uns der Früchte des Fastens zu versichern, ist der Geist der Zürückgezogenheit und der Trennung von der Welt. Die Bräuche dieser heiligen Zeit sollen sich in allem von dem übrigen Teil des Jahres unterscheiden; sonst würde der heilsame Eindruck, welchen wir in dem Augenblick empfangen, da die Kirche uns mit dem Kreuz von Asche bezeichnete, in wenigen Tagen verwischt sein. Der Christ soll daher die eiteln Vergnügungen, die weltlichen Unterhaltungen und Zusammenkünfte abbrechen.

Zum wahrhaften Fasten gehört auch die Flucht vor der Sünde, die Unterdrückung der bösen Neigungen, der Eifer im Gebete, Tränen und Zerknirschung und die Sorge für die Armen (…). Alle haben die Pflicht, sich ein geistiges Fasten aufzuerlegen, welches in Änderung des Lebens, Flucht vor der Sünde, Streben nach allen guten Werken besteht. Vereinige das wenige, was du dir während der heiligen Fastenzeit zu tun vornimmst, mit allem, was das Haupt aller Büßer während seines 40tägigen Fastens für uns getan.

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tägliche Gewissenserforschung

Jesaja 58,1-10

17/02/2010

Rufe aus voller Kehle, halte dich nicht zurück! Lass deine Stimme ertönen wie eine Posaune! Halt meinem Volk seine Vergehen vor und dem Haus Jakob seine Sünden! Sie suchen mich Tag für Tag; denn sie wollen meine Wege erkennen. Wie ein Volk, das Gerechtigkeit übt und das vom Recht seines Gottes nicht ablässt, so fordern sie von mir ein gerechtes Urteil und möchten, dass Gott ihnen nah ist.

Warum fasten wir und du siehst es nicht? Warum tun wir Buße und du merkst es nicht? Seht, an euren Fasttagen macht ihr Geschäfte und treibt alle eure Arbeiter zur Arbeit an. Obwohl ihr fastet, gibt es Streit und Zank und ihr schlagt zu mit roher Gewalt. So wie ihr jetzt fastet, verschafft ihr eurer Stimme droben kein Gehör. Ist das ein Fasten, wie ich es liebe, ein Tag, an dem man sich der Buße unterzieht: wenn man den Kopf hängen lässt, so wie eine Binse sich neigt, wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt? Nennst du das ein Fasten und einen Tag, der dem Herrn gefällt?

Nein, das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen. Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach. Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich. Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest, dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.

Das Scherflein der Witwe

07/11/2009

zum Sonntags-Evangelium vom 8. November 09: Mk 12, 38-44:

Zuerst sehe ich nur Säulengänge und Vorhöfe, die ich als zum Tempel gehörig erkenne, und Jesus, der einem Herrscher gleicht – so feierlich ist er in seinem leuchtend roten Gewand und dem etwas dunkleren Mante l- und an einer riesigen viereckigen Säule lehnt, die einen Bogen der Säulengänge stützt.

Er schaut mich fest an. Ich verliere mich in seiner Betrachtung und beselige mich an seinem Anblick, da ich ihn seit zwei Tagen nicht gesehen und gehört habe. Diese Vision dauert lange. Und solange sie dauert, schreibe ich nicht, denn sie erfüllt mich mit Freude. Aber nun, da die Szene sich belebt, verstehe ich, dass etwas geschieht, und schreibe.

Der Platz füllt sich mit Menschen, die aus allen Richtungen kommen. Es sind Priester und Gläubige, Männer, Frauen und Kinder. Die einen gehen spazieren, andere bleiben stehen, um den Lehrern zuzuhören, wieder andere ziehen Lämmer hinter sich her oder tragen Tauben irgendwohin, vielleicht Opfertiere.

Jesus steht an seiner Säule gelehnt und schaut. Er sagt nichts. Zweimal schon hat er auf Fragen seiner Apostel nur mit einem Kopfschütteln geantwortet, ohne ein Wort zu sagen. Er beobachtet sehr aufmerksam. Aus seinem Ausdruck schließe ich, dass er ein Urteil fällt über das, was er sieht. Seine Augen und sein Antlitz erinnern mich an die Vision des Paradieses, als er beim besonderen Gericht die Seelen richtete. Nun ist er natürlich Jesus, der Mensch; dort oben war er der verherrlichte Jesus und deshalb noch beeindruckender. Aber der Gesichtsausdruck ist ähnlich. Er ist ernst, prüfend, manchmal so streng, dass auch der Frechste erzittern muss, und manchmal so sanft, von einer lächelnden Traurigkeit, die mit Blicken zu liebkosen scheint.

Anscheinend hört er nichts. Aber er muss wohl alles genau hören, denn als sich aus einer Gruppe, die einige Meter entfernt um einen Lehrer versammelt ist, eine näselnde Stimme erhebt und erklärt: „Wichtiger als jedes andere Gebot ist dieses: Was für den Tempel ist, soll dem Tempel gegeben werden. Der Tempel steht über dem Vater und der Mutter, und wenn jemand dem Herrn zu Ehren alles geben will, was er übrig hat, so soll er es tun, und er wird gesegnet sein, denn kein Blut und keine Liebe steht über dem Tempel.‘, da wendet Jesus sein Haupt in diese Richtung und schaut mit einem Blick… den ich nicht auf mich gerichtet sehen wollte.

Er scheint jetzt nur allgemein umherzuschauen. Doch als ein zitternder Greis sich bemüht, die fünf Stufen zu einer Art Terrasse hinaufzusteigen, die sich in der Nähe Jesu befindet und wohl zu einem anderen, weiter innen liegenden Vorhof führt, und beim Aufsetzen des Stockes, der sich in den Kleidern verfängt, beinahe fällt, streckt Jesus seinen Arm aus und fängt ihn auf. Er stützt ihn und lässt ihn nicht los, bis er wieder sicher auf den Beinen steht. Das alte Männchen erhebt sein graues Haupt, sieht seinen hochgewachsenen Retter an und flüstert ein Wort des Segens. Jesus lächelt ihm zu und liebkost seinen halbkahlen Kopf. Dann lehnt er sich wieder an seine Säule, verlässt sie aber noch einmal, um ein Kind aufzurichten, das sich von der Hand der Mutter losgemacht hat, gerade vor seinen Füßen gegen die erste Stufe gefallen ist und weint. Er hebt es auf, liebkost es, tröstet es. Die verwirrte Mutter dankt ihm, und Jesus lächelt auch ihr zu und gibt ihr das Kind zurück.

Aber er lächelt nicht mehr, als ein aufgeblasener Pharisäer vorübergeht, und auch nicht, als eine Gruppe von Schriftgelehrten und anderen Männern – ich weiss nicht, wer sie sind – vorbeikommt. Diese Gruppe grüßt ihn mit großen Gesten und tiefen Verbeugungen. Jesus schaut sie so fest an, als wolle er sie mit seinem Blick durchbohren, und grüßt sie trocken. Er ist streng. Auch einen Priester, der vorbeikommt und ein hohes Tier sein muss, da die Leute den Weg freigeben und ihn grüßen, während er selbst wie ein Pfau vorbeistolziert, sieht Jesus lange an. Mit einem Blick, der diesen trotz seines Hochmuts den Kopf senken lässt. Er grüßt nicht. Aber er kann dem Blick Jesu nicht standhalten.


Jesus wendet die Augen von ihm ab und beobachtet ein armes, dunkelbraun gekleidetes Frauchen, das verschämt die Stufen hinaufsteigt zu einer Wand, an der sich etwas wie ein Löwen- oder ähnliche Tierköpfe mit offenen Mäulern befinden. Viele gehen dorthin. Doch Jesus scheint bisher nicht darauf geachtet zu haben. Nun blickt er aufmerksam diesem Weiblein nach. Sein Auge drückt Mitleid aus und wird liebevoll, als er sieht, wie die Frau eine Hand ausstreckt, um etwas in das steinerne Maul eines dieser Löwen zu werfen. Als die Frau zurückkommt und nahe an ihm vorbeigeht, sagt er: „Der Friede sei mit dir, Frau.“

Diese hebt erstaunt den Kopf und ist sprachlos.

„Der Friede sei mit dir“, wiederholt Jesus. „Geh, der Allerhöchste segnet dich.“ Die arme Frau kann es gar nicht fassen. Dann flüstert sie einen Gruß und geht.

„Sie ist glücklich in ihrem Unglück“, sagt Jesus und bricht endlich sein Schweigen. „Nun ist sie glücklich, denn der Segen Gottes begleitet sie. Hört, Freunde, und ihr, die ihr mich umgebt. Seht ihr diese Frau? Sie hat nur zwei kleine Münzen gegeben, nicht einmal genug, um dafür Futter für einen Sperling im Käfig zu kaufen, und doch hat sie mehr gegeben als alle anderen, die ihren Beitrag in den Tempelschatz geworfen haben, seit der Tempel bei Sonnenaufgang geöffnet wurde.

Hört. Ich habe eine große Anzahl reicher Leute beobachtet, die in die Mäuler dort Geldmengen geworfen haben, die ausreichen würden, diese Arme ein Jahr lang zu ernähren und ihre Armut zu kleiden, die nur deshalb anständig aussieht, weil sie sauber ist. Ich habe gesehen, wie Reiche mit sichtlicher Genugtuung Summen dort hineingelegt haben, die ausgereicht hätten, die Armen der Heiligen Stadt einen oder mehrere Tage satt zu machen und Gott preisen zu lassen. Aber wahrlich, ich sage euch, niemand hat mehr gegeben als sie. Ihr Almosen ist Liebe, das der anderen nicht. Ihres ist Großmut, das der anderen nicht. Ihres ist Opfer, das der anderen nicht. Heute wird die Frau nichts essen, denn sie hat nichts mehr. Sie muss erst wieder um Lohn arbeiten, um ihren Hunger mit Brot stillen zu können. Sie hat keine Reichtümer und sie hat keine Verwandten, die für sie verdienen. Sie ist allein. Gott hat ihr die Eltern, den Mann und die Kinder genommen, er  hat ihr das wenige genommen, was diese ihr hinterlassen hatten, und mehr als Gott haben es ihr die Menschen genommen; diese Menschen, die nun, ihr seht es, weiterhin mit großmütiger Geste von ihrem Überfluss dort hineinwerfen, den sie zu einem guten Teil durch Wucher den armen Händen der Schwachen und Hungernden entrissen haben.  Sie sagen, es gibt kein Blut und keine Liebe, die höher stehen als der Tempel, und so lehren sie, den Nächsten nicht zu lieben.

Ich sage euch, über dem Tempel steht die Liebe. Das Gesetz Gottes ist die Liebe, und wer kein Mitleid mit dem Nächsten hat, liebt nicht. Das überflüssige Geld, das von Wucher, Habgier, Härte und Heuchelei beschmutzte Geld singt nicht das Lob des Herrn und zieht auf seinen Spender den himmlischen Segen nicht herab. Gott lehnt es ab. Es füllt diese Kasse. Aber es taugt nicht für den Weihrauch. Es ist Schlamm, in dem ihr versinkt, ihr Diener, die ihr nicht Gott, sondern den eigenen Interessen dient. Es ist ein Strick, der euch erdrosselt, ihr Lehrer, die ihr eure eigene Lehre lehrt. Es ist Gift, das euch den Rest der Seele verdirbt, ihr Pharisäer, der euch noch verblieben ist. Gott will nicht, was mit tränenerstickter Stimme schreit: „Ich hätte einen Hungernden sättigen sollen, aber man hat mich ihm verweigert, um hier zu prahlen. Ich hätte einem alten Vater, einer hinfälligen Mutter helfen sollen, und man hat es nicht gestattet, da diese Hilfe vor der Welt verborgen geblieben wäre. Ich muss meine Glocke ertönen lassen, damit die Welt den Geber erkennt.“

Nein, Rabbi, der du lehrst, dass der Überfluss Gott gegeben werden soll, und dass es erlaubt ist, dem Vater oder der Mutter etwas vorzuenthalten, um es Gott zu geben. Das erste Gebot ist: „Liebe Gott mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele, deinem ganzen Verstand und deinen ganzen Kräften.“ Daher muss man ihm nicht den Überfluss, sondern das eigene Blut geben, und man soll es lieben, für ihn zu leiden. Leiden. Nicht leiden machen. Und wenn es schwerfällt, viel zu geben, weil man sich nicht gerne von seinem Reichtum trennt, weil die Schätze der Mittelpunkt des von Natur aus verderbten Menschenherzens sind, dann muss man sich von ihnen trennen, gerade weil es schwerfällt. Aus Gerechtigkeit: denn alles, was man besitzt, besitzt man durch die Güte Gottes. Aus Liebe: denn es ist ein Beweis der Liebe, das Opfer zu lieben, um dem Freude zu schenken, den man liebt. Man soll leiden, um schenken zu können. Aber selbst leiden! Nicht leiden machen, ich wiederhole es. Denn das zweite Gebot heisst: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Das Gesetz erklärt, dass nach Gott die Eltern die Nächsten sind, denen man verpflichtet ist, Ehre und Hilfe zu erweisen.

Daher sage ich euch, diese arme Frau hat das Gesetz wahrhaft besser verstanden als die Weisen und ist mehr als alle anderen gerechtfertigt und gesegnet; denn in ihrer Armut hat sie Gott alles gegeben, während ihr gebt, was übrig bleibt, und es nur gebt, um in der Achtung der Menschen zu steigen. Ich weiss, dass ihr mich hasst, weil ich so spreche. Aber solange dieser Mund sprechen kann, wird er solche Worte sprechen. Vereinigt euren Hass auf mich mit der Verachtung für die Arme, die ich lobe. Aber glaubt nicht, dass ihr aus diesen beiden Steinen ein doppeltes Postament für euren Hochmut errichten könnt. Sie werden die Mühlsteine sein, die euch zermalmen.

Gehen wir. Lassen wir die Vipern einander beissen, um ihr Gift zu vermehren. Wer rein, gut, demütig und zerknirscht ist und das wahre Antlitz Gottes kennenlernen will, soll mir folgen.“

Auszug aus “Der Gottmensch″, Band XI  von Maria Valtorta, mit  der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören.

Die Seligpreisungen

31/10/2009
(Entsprechung zum Sonntags-Evangelium vom 1. November 09: Mt 5, 1-12)

Jesus geht durch den Talgrund und steigt etwas höher die Wiese empor, lehnt sich an die Felswand und beginnt zu sprechen:

Carl Bloch: Die Bergpredigt

« … Wie gewinnt man Gott und sein Reich auf einem leichteren Weg als dem mühsamen Pfad des Sinai? » fragt ihr. Es gibt keinen anderen Weg. Nur dieser ist es. Doch lasst ihn uns betrachten, nicht in der Farbe der Drohung, sondern in jener der Liebe. Sagen wir nicht: « Wehe, wenn ich das nicht tue! » während man aus Angst, der Sünde nicht wiederstehen zu können, furchtsam erzittert. Sagen wir: « Selig, wenn ich dies tue »; und schwingen wir uns mit übernatürlicher Freude jubelnd empor, um diese Seligkeiten zu erreichen, die der Befolgung des Gesetzes entspringen, und wie Rosenblüten aus einem Dornenstrauch hervorwachsen.

Selig, wenn ich arm im Geiste bin, denn mein ist das Himmelreich!

Selig, wenn ich sanftmütig bin, denn ich werde das Land erben!

Selig, wenn ich mich nicht gegen den Schmerz auflehne, denn ich werde getröstet werden!

Selig, wenn ich mehr hungere und dürste nach Gerechtigkeit als nach Brot und Wein, um mein Fleisch zu sättigen, denn die Gerechtigkeit wird mich sättigen!

Selig, wenn ich Barmherzigkeit übe, denn ich werde göttliche Barmherzigkeit erfahren!

Selig, wenn ich reinen Herzens bin, denn Gott wird sich über mein reines Herz neigen, und ich werde Gott schauen!

Selig, wenn ich den Geist des Friedens in mir habe, denn ich werde Kind Gottes genannt werden; denn im Frieden ist Liebe, und Gott ist Liebe und er liebt jene, die ihm ähnlich sind.

Selig, wenn ich um der Gerechtigkeit willen verfolgt werde, denn Gott, mein Vater, wird mir als Belohnung für die irdischen Verfolgungen das Himmelreich geben.

Selig, wenn ich geschmäht und verleumdet werde, weil ich dein Kind bin, o Gott! Nicht Trostlosigkeit sondern Freude wird mir daraus erwachsen, denn so werde ich deinen besten Dienern, den Propheten, gleich, die aus demselben Grund verfolgt wurden. Ich glaube beharrlich, dass ich mit ihnen einst an der erhabenen, ewigen Belohnung teilhaben werde: am Himmel, der mein sein wird. »

Auszug aus “Der Gottmensch″, Band III  von Maria Valtorta, mit  der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören.

Eine kleine weiße Blume

01/10/2009

1. Oktober: Gedenktag der heiligen Therese vom Kinde Jesu

Kleine Therese

Am 9. Juni dieses Jahres, am Fest der Heiligen Dreifaltigkeit, wurde mir die Gnade zuteil, klarer denn je zu erkennen, wie sehr Jesus sich danach sehnt, geliebt zu werden (1).

Ich dachte an jene Seelen, die sich der Gerechtigkeit Gottes anbieten, um die über die Sünder verhängten Strafen abzuwenden und auf sich zu lenken. Diese Aufopferung erschien mir groß und hochherzig, doch fühlte ich keine Neigung, ein Gleiches zu tun. Oh mein Gott, rief ich aus Herzensgrund, soll denn nur deine Gerechtigkeit Seelen empfangen, die sich als Schlachtopfer darbringen?… Bedarf denn deine Erbarmende Liebe ihrer nicht ebenso?…

Von allen Seiten wird sie verkannt, verworfen; die Herzen, an die du sie verschwenden möchtest, kehren sich den Geschöpfen zu und erbetteln von ihrer erbärmlichen Zuneigung das Glück, statt sich in deine Arme zu werfen und deine unendliche Liebe anzunehmen… O mein Gott! soll deine verschmähte Liebe nunmehr in deinem Herzen verbleiben?

Fändest du Seelen, die sich deiner Liebe als Ganz-Brandopfer darböten, ich meine, du würdest sie schnell verzehren; mir scheint, du wärest glücklich; die Fluten unendlicher Zärtlichkeit, die in dir sind, nicht länger zurückzudrängen… Wenn deine Gerechtigkeit die Neigung hat, sich zu entladen, sie, die sich doch nur auf die Erde erstreckt, wieviel mehr verlangt dann deine erbarmende Liebe danach, die Seelen zu entflammen, weil doch eine Barmherzigkeit sich erhebt bis zum Himmel (2)…

Oh mein Jesus, lass mich dies glückliche Opfer sein, verzehre dein Brandopfer mit dem Feuer deiner Göttlichen Liebe!…“

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(1) Am 11. Juni 1895 vollzog Therese den Akt ihrer Hingabe an die barmherzige Liebe. (2) Vgl. Psalm 35,5

aus: Therese von Lisieux: Selbstbiographische Schriften, erschienen im Johannes Verlag, Einsiedeln, Freiburg

Therese Martin

Therese, geboren 1873, trat mit fünfzehn Jahren in den Karmel von Lisieux ein. Damals hatte sie bereits eine ungewöhnlich reiche religiöse Erfahrung. Sie selbst betrachtete Weihnachten 1886 als entscheidendes Ereignis in ihrem Leben; sie erfuhr die Gnade einer „völligen Umkehr“ und verstand von da an die Liebe zu Christus und zu den Menschen als die eigentliche Berufung ihres Lebens. Ihr Leben im Karmel verlief äußerlich sehr einfach; ihr innerer Weg ging steil nach oben. Sie begriff, dass ihre Christusliebe sich in der Kreuzesnachfolge verwirklichen musste. Die Heilige Schrift wurde mehr und mehr ihre einzige Lektüre; innere Prüfungen und körperliche Krankheit waren ihr Alltag. In der Nacht zum Karfreitag 1896 hatte sie ihren ersten Bluthusten; am 30. September 1897 starb sie mit den Worten: „Mein Gott, ich liebe dich.“ Über ihre innere Welt sind wir durch ihre Aufzeichnungen „Geschichte einer Seele“ und ihre von der Priorin gesammelten „Worte“ unterrichtet. Therese ging auf das Ganze, auf das Große. Sie wollte Jesus mehr lieben, als er jemals geliebt wurde; sie brachte sich der barmherzigen Liebe Gottes als Brandopfer dar; sie wollte alle Menschen lieben, wie Jesus sie liebte. Vor Hochmut wurde sie durch die Erkenntnis bewahrt, dass sie selbst zu alledem völlig unfähig war und nur durch die Kraft der zuvorkommenden Liebe Gottes überhaupt etwas tun konnte. – Papst Pius XI. hat sie 1925 heilig gesprochen und zur Patronin der Missionen erhoben. (Quelle: katholisch.de)