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Missbrauch – ein katholisches Problem?

24/03/2010

Die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sind für sämtliche Medien ein gefundenes Fressen. Die Berichterstattung trägt Züge einer Hetzkampagne. Wagt es jemand, das auszusprechen oder gar einen Vergleich zu Verleumdungskampagnen des NS-Regimes zu ziehen, wie etwa der Regensburger Bischof Müller am vergangenen Wochenende, hagelt es Proteste.

Der Medientenor suggeriert, Missbrauch finde vor allem in der katholischen Kirche statt. Und weiter: der Zölibat sei schuld und gehöre endlich abgeschafft. Untersucht man den Tatbestand jedoch genauer, stellt sich heraus, dass sich der Grossteil aller Missbrauchsfälle im Familienkreis ereignet. Kriminalstatistiken belegen, dass in den bekanntgewordenen Fällen zwischen 1995 und 2009 nur 0,1 % der Täter Priester waren.

Wie scheinheilig die Debatte ausserdem geführt wird, zeigt sich am Beispiel der  Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger, die zwar besonders laut gegen die katholische Kirche wettert, aber gleichzeitig Vorsitzende der “Humanistischen Union” ist, einem Verein, der Pädophilie unterstützt und gegen den bereits strafrechtlich vorgegangen wurde.

Der Präsident des deutschen Kinderschutzbundes Hilgers kritisiert, dass die Medien Fälle fokussierten, die Jahre oder Jahrzehnte zurückliegen. Er erinnert daran, dass Kindesmissbrauch weiterhin täglich geschieht, bis zu 120 000 Fälle pro Jahr allein in Deutschland, hauptsächlich innerhalb der Familien.

Unerwähnt bleibt die Rolle, die das allmähliche Wegbrechen traditioneller Familienstrukturen bei häuslichen Vergehen spielt. Den oftmals wechselnden Stiefvätern in so lässig betitelten “Patchworkfamilien” fehlt die gesunde Bindung, die ein leiblicher Vater zu seinen Kindern aufbaut. Es würde daher nicht verwundern, wenn oben erwähnte Statistiken entsprechende Zusammenhänge aufzeigten.

Doch Diskurse über Quantität helfen nicht weiter. Was geschehen ist, und handelte es sich auch nur um einen einzigen Fall, verursacht nicht bloss immenses Leid auf Seiten der Opfer, ist Betrug am Priesteramt und an der Kirche Christi.

Die jahrzehntelange Vertuschungstaktik der Kirche hat das Übel nicht an der Wurzel packen können. Vielmehr scheint sie darauf hinzuweisen, dass in den Reihen der Kirche einiges im Argen liegt. Umso wichtiger, dass nun die Wahrheit ans Licht kommt. Die Katharsis der Kirche könnte Vorreiter für einen gesamtgesellschaftlichen Reinigungsprozess sein, da der Umgang mit dem Geschlechtlichen heutzutage immer weiter verkommt und pervertiert wird.

Papst Benedikt schreibt in seinem Hirtenbrief an das irische Volk von “nicht ausreichender menschlicher, moralischer, intellektueller und geistlicher Ausbildung in Seminarien und Noviziaten“. Der einzige Weg aus dem Sumpf führt folglich über präventive Massnahmen, etwa in Form von gründlicher Selbsterforschung, wie sie in der Primärtherapie durchgeführt wird. Es gilt, die dunklen Seiten, die im Unterbewusstsein schlummern, aufzuarbeiten, damit jene Energien des Jung’schen Schattens nicht unkontrolliert über uns hereinbrechen.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass wir bei aller Bestürzung und dem Schmerz über das Vorgefallene nicht vergessen dürfen, dass die katholische Kirche an sich, trotzdem sie mit den Folgen menschlicher Sündhaftigkeit aus der eigenen Mitte zu kämpfen hat, den alleinigen Weg zum ewigen Heil weist.

Herr, schau nicht auf unsere Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche.

Weiterführende Lektüre zu primärtherapeutischer Selbsterfahrung:

Fühlen, und was dann?‘ Die Primärtherapie nach Munk, Shaker Media 2009