Posts Tagged ‘Demut’

… den Du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast.

08/05/2012

Eine kleine Betrachtung des Freudenreichen Rosenkranzes aus dem Goldenen Buch des hl. Grignion de Montfort:

Erstes Geheimnis: Verkündigung der Menschwerdung –

Frucht des Geheimnisses: Demut

Betrachte mit Maria die wunderbare Erniedrigung, die der Sohn Gottes, der Abglanz des ewigen Lichtes, der fleckenlose Spiegel der göttlichen Güte, auf sich nimmt, indem er sich zur Sühne für deinen Stolz von einem Geschöpf abhängig macht.

Die Tiefe der Demut Mariens hat sie zur Würde einer Gottesmutter erhoben.

O wie eitel bist du noch, wie begierig nach der Achtung der Welt! Ergreife doch alle Mittel, die Tugend der Demut zu erflehen und zu üben, ohne die alle anderen keine Bedeutung haben.

Wir opfern Dir auf, Herr Jesus Christus, diesen ersten Zehner zu Ehren Deiner Menschwerdung im Schoße der reinsten Jungfrau; wir bitten Dich durch dieses Geheimnis und die Fürsprache Mariens um eine tiefe Demut.

Vater unser im Himmel…, 10 Gegrüßet seist du Maria…, Ehre sei dem Vater…, O Jesus…

Durch das Geheimnis der Menschwerdung steige herab, o Heiliger Geist, in unsere Seelen. Amen.

Anleitung zum Rosenkranzbeten

zur entsprechenden Valtorta-Vision

weiter zum zweiten freudenreichen Geheimnis

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8. Dezember: Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria

08/12/2011

Die demütige und große Königin der Welt

In Kapitel 122 des „Gottmensch“ spricht Jesus zu Anfang seines öffentlichen Wirkens mit seinem Apostel Simon, dem Zeloten, über seine Heimat Galiläa und drückt aus, wie sehr er den See, Nazaret, die Berge, die Ebenen usw. liebt. Und er fügt hinzu:

„… Und dann… und dann, oh, Simon! Dort blüht eine Blume! Eine Blume, die einsam leuchtet und duftet in Reinheit und Liebe für ihren Gott und ihren Sohn! Dort ist meine Mutter, und du wirst sie kennenlernen, Simon, und mir dann sagen, ob es auf dieser Erde ein anderes Geschöpf gibt, das ihr, auch in menschlicher Anmut, gleichkommt.

Sie ist schön, doch alles wird von dem übertroffen, was ihr Inneres ausstrahlt. Wenn ein Rohling sie entkleiden, sie verunstalten und sie zum Umherirren verurteilen würde, sie wäre immer noch die Königin in königlichem Gewand, weil ihre Heiligkeit sie mit einem Mantel der Herrlichkeit umkleiden würde. 

Alles kann mir die Welt an Bösem antun, aber alles werde ich der Welt verzeihen, denn um auf die Welt zu kommen und um diese zu erlösen, hatte ich sie: die demütige und große Königin der Welt, welche die Welt nicht kennt, durch die aber der Welt das Heil gewährt wurde und in allen Jahrhunderten gewährt werden wird. …“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. II von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Um Fleisch zu werden, bedurfte ich einer Mutter“

Die heilige Jungfrau Maria ist das vollkommene Werk des Schöpfers

„Das Heil der Welt liegt in Maria“

Hl. Rafael Arnaiz Baron (15)

20/07/2011

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

Den folgenden Brief schrieb er von seinem Elternhaus aus an seine Tante (mit der er verabredet hatte, sich gegenseitig mit ‘Bruder’ und ‘Schwester’ anzureden), nachdem er ca. 2 Jahre vorher die Abtei aufgrund seiner Erkrankung  verlassen musste. 

An seine Tante Maria, Herzogin von Maqueda, von Oviedo aus

15. Dezember 1935 – 3. Adventssonntag – im Alter von 24 Jahren

Liebste Schwester! (…) 

Morgen muss ich nach der hl. Messe zur Werkstatt, um etwas – ich weiss nicht was – am Auto herrichten zu lassen. Nun gut, ich tue es mit wahrer Freude. Ich sehe Gott zwischen dem Öl und den Schrauben… Ich denke daran, dass die Mechaniker um mich herum Gott nicht kennen, und bete für sie… Ich kenne Ihn; Er ist auch dort an meiner Seite. Ich rede über alles und mit allen und tue es sehr gern; denn es ist der Herr, der es so haben möchte. Ich übe mich in der Geduld, in der Liebe, in der Nächstenliebe… Aber nimm nur ja nichts Großartiges an, denn es kostet mich keine Mühe; ich sagte ja schon, dass ich all das mit Freude tue. Wie sollte ich es nicht? Gott ist in mir; ich habe Ihn am Morgen empfangen, und er begleitet mich durch den ganzen Tag. Es gibt keinen Kampf mehr, nichts reizt mich mehr… Warum wohl?

Früher wollte ich, dass alle Welt im Schweigen verharren, alle Welt Gott erkennen und allein schon beim Anklingen des Namens des Herrn sogar die Straßenbahnen innehalten sollten. Es war eine besondere Art, Gott zu lieben, und auch Liebe zu mir selbst, die besonderer Art war. Ich weiss nicht, ob du mich verstehst, aber in der äusseren Sammlung suchte ich mich selbst.

Jetzt ist es nicht mehr so, dank sei Gott und der Jungfrau Maria! Und wenn mich ein Mitmensch für eine Sache braucht, die nicht Gott ist, dann tue ich es im Namen Gottes… So erfülle ich zwei Dinge gleichzeitig, aber ganz besonders das Eine: ich erfülle Seinen heiligen Willen.

Mut, Schwesterlein, Du kannst fliegen, o ja, das glaube ich! Die Welt soll Dich nicht beunruhigen; bereite einen Tabernakel in Deinem Herzen und gib dem Herrn Raum darin. Und Du selbst? Was soll’s? Du bist der Tempel, in dem sich dieser Tabernakel befindet… Du bist der Tempel, in dem Gott verborgen lebt. Öffne deine Türen und mach keinen Hehl daraus! Sei wie diese bescheidenen Kapellchen, von Zerstörung bedroht durch unbarmherzige Witterungseinflüsse. Es soll Dir nichts ausmachen, wenn hin und wieder neue Dachziegel eingesetzt oder der Glockenturm repariert werden muss… Alles, was Lehm und Materie ist, wird abgenutzt und fällt manchmal zusammen, aber das macht nichts, denn alles kommt wieder in Ordnung. Dein Weg ist der kleine Pfad, und Du musst keine großen Dinge vollbringen… Aber wer sagt Dir denn, dass der Laienbruder nicht sehr hoch flog und dass er sich nicht – während er den kleinen Krug in einer Hand hielt – mit der anderen an Gottes Hand festhielt? (*)

(…) Der Gedanke, dass Gott Dich liebt, wird Dir Flügel verleihen… Dieser Gedanke muss Dir genügen. Du wirst Dich in der Welt bewegen, und die Welt wird es nicht bemerken… Und wenn Du jetzt Gelegenheit gibst, dass die Geschöpfe Unfreundlichkeit in Dir sehen statt Geduld, Ungeduld statt Liebe, und wenn Du Dich verdriesslich zeigst, wo Ruhe und Milde herrschen sollten…, dann misstraue der Sache, Schwesterlein, misstraue (vielleicht bin ich hart), aber dann bist Du entweder nicht demütig oder der Teufel steckt dazwischen…

Mach Dir keine Sorgen, denn alles geht vorüber! Du wirst sehen, wie sich der böse Geist mit der Hilfe Mariens zurückzieht. Zögere nicht, Dich Gott ganz hinzugeben. Wenn Du Dir nur bewusst würdest, wie sehr Er Dich liebt!

Du würdest gerne fliegen und nicht wieder herunterkommen… Aber Du kannst dort, wo Du bist, so viel Gutes tun. (…)

Ich bin sehr zufrieden, obwohl mir heute etwas fehlt: ich konnte nicht kommunizieren. Mein Vater hat mich nicht geweckt. Ich habe eine ziemlich schlechte Nacht hinter mir und weiss nicht warum… Aber an den Tagen, an denen ich den Herrn nicht empfangen kann, fehlt mir die Mitte, dann vermisse ich etwas, was für mich alles bedeutet. Kurz und gut, der Herr sei gepriesen!

Ich weiss nicht, ob ich mit meinem Brief das Richtige getroffen habe, aber schau – ich wiederhole es -, nimm heraus, was Dir zusagt, und lass das übrige. Ich möchte nicht, dass ich vielleicht – und trotz meiner guten Absicht – Anlass gebe, dass Du durcheinander gerätst. Verstehst Du mich? Ein andermal schreibe ich Dir mehr.

Onkel Polin erzählte mir, dass er Dich habe weinen sehen beim Lesen einer meiner Briefe…; mach bitte keinen Unsinn!

Nimm entgegen die ungeheuer große Liebe Deines Bruders,

Bruder Maria Rafael O.C.R.

Lass uns in der Zwischenzeit die Krippe für das Jesuskind bereiten.

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(*) In der ‚Ballade von den Zweifeln des Laienbruders‘ von Josef Maria Peman

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Wir sind nicht allein

07/02/2011

… und nicht die einzigen. Die NASA hat dank Weltraumteleskop „Kepler“ ein weiteres Sonnensystem mit mehreren Planeten entdeckt, etwa 2000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Auch wenn Wissenschaftler meinen, für Leben sei es auf den Planeten zu heiß – so sicher ist das nicht. Wer sagt, dass Leben nur unter den Bedingungen, die wir von der Erde her kennen, gedeihen kann? Bisher wurden zudem erst 60 Sonnen mit zugehörigen Planeten entdeckt, und das bei einer unerfassbaren, vielleicht unendlichen Ausdehnung des Universums.

Jesus sagt dazu am 22. August 1943, in einem Kommentar zur Apokalypse:

„…Warum aber haben sie nie daran gedacht, dass das „große Babylon“ die ganze Erde sein könnte? Ich wäre ein sehr kleiner und beschränkter Schöpfergott, wenn Ich nur die Erde als bewohnte Welt erschaffen hätte! Mit einem Pulsschlag meines Wollens habe Ich Welten über Welten aus dem Nichts hervorgerufen und als leuchtenden Staub in das All des Firmaments hinausgesandt.

Die Erde, auf die ihr so stolz und so wild erpicht seid, ist nur eines dieser im All kreisenden Staubkörnchen, und nicht einmal das größte. Sie ist allerdings das verdorbenste. Leben über Leben wimmeln in den Millionen Welten, die euren Blick in den klaren Nächten erfreuen, und die Vollkommenheit Gottes wird euch aufscheinen, wenn ihr mit dem inneren Auge des mit Gott verbundenen Geistes die Wunder dieser Welten werdet erschauen können.

Maria Valtorta, Hefte 1943, S. 280

Als Christ, angesichts des Heilsplans Gottes, läuft man ja durchaus Gefahr, mit einem Exklusivitätsgedanken zu liebäugeln. Wir müssen ganz was besonderes sein, wenn Gott uns solche Aufmerksamkeit und Mühe widmet. Sich aufopfert für uns. Hier lauert aber die Versuchung zum Hochmut. Verhält es sich hingegen so, wie Jesus der Valtorta sagt, und wir sind nicht die einzigen, müssen wir noch viel dankbarer, demütiger, ehrfürchtiger sein Gott gegenüber, der trotz unserer Nicht-Exklusivität soviel auf sich genommen hat, um uns zu helfen und uns zu retten.

Auszug aus “Die Hefte 1943″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch

Die Armen im Geiste

30/01/2011
(zum Sonntags-Evangelium vom 30. Januar 2011: Matthäus 5,1-12)

19. Juli [1944]

Jesus sagt:

“ (…) Die große Kategorie der „Armen im Geiste“, die Ich als erste aufgezählt habe – Ich könnte nämlich auch sagen, dass ohne eine solche Freiheit des Geistes über alle Annehmlichkeiten des Lebens die übrigen Tugenden, durch die man die Seligkeiten erlangt, nicht zu gewinnen sind – diese große Kategorie teilt und unterteilt sich in viele Formen.


Demut des Denkens, das nicht geschwollen daher kommt und sich als ein Superdenken proklamiert, sondern das Geschenk Gottes in Anerkennung seines Göttlichen Ursprungs zum Guten benutzt. Allein dafür.

Hochherzigkeit in den Anhänglichkeiten, und diesen zu entsagen wissen, um Gottes Willen zu folgen. Sogar dem Leben entsagen zu wissen. Das animalische Geschöpf hält dieses ja für den wahrsten und instinktiv festzuhaltendsten Reichtum. Meine Märtyrer sind in dieser Hinsicht alle hochherzig gewesen; ihr Geist hat arm zu werden verstanden, um „reich“ an dem einzigen ewigen Reichtum: an Gott, zu werden.

Rechtschaffenheit hinsichtlich der Liebe zu den eigenen Dingen. Es ist Pflicht, sie als Zeugnis der göttlichen Vorsehung uns gegenüber zu schätzen. Ich habe bereits in früheren Diktaten darüber gesprochen. Sie jedoch nicht mehr als Gott und Seinen Willen selbst zu lieben, sie nicht so zu lieben, dass man Gott flucht, wenn Menschenhand sie diesem entwindet.

Und schließlich wiederhole ich noch einmal: Freiheit von der Sklaverei des Geldes.

Das sind also die verschiedenen Formen der geistigen Armut, von denen Ich sagte, dass sie gerechter Weise das Himmelreich erhalten werden. Alle die labilen Reichtümer des menschlichen Lebens soll man mit Füssen treten, um die ewigen zu erhalten. Die Erde mit dem trügerischen Geschmack ihrer Früchte, die süß an der Oberfläche, aber bitter in ihrem Innern sind, auf den letzten Platz verweisen und an der Eroberung des Himmels arbeiten. Ach! Dort gibt es keine Früchte von täuschender Würze. Dort gibt es nur die unaussprechliche Frucht des Gottesgenusses. (…) „

Auszug aus “Die Hefte 1944″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com,dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Auszug aus „Der Gottmensch“: Die Seligpreisungen


Gestatten: Schlammspringer

19/01/2011

Unser Vorfahre, schenkt man der Doku Glauben, die Montagabend in der ARD lief.

Davon abgesehen, ist der Schlammspringer ein ziemlich imposantes kleines Wesen. Mich hat gerührt, wie er seinen Schlammtunnel immer wieder neu graben muss und das einfach tut, nach jeder Flut. Sich nicht entmutigen lässt, nicht rebelliert.

Rührt mich allgemein, wie die Tiere so gehorsam sind und alle Plagen und Unannehmlichkeiten einfach annehmen, die das Leben so mit sich bringt. In dieser Hinsicht haben sie uns Menschen echt so einiges voraus.

Ausschnitt aus der Doku im englischen Original (der kleine Tunnelbauer hat ab ca. Minute 2:36 seinen Auftritt):

Die gesamte Doku auf deutsch kann man sich hier ansehen.

Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner

23/10/2010
zum Sonntagsevangelium vom 24. Oktober 2010: Lukas 18,9-14

„… Nachdem sie ihre Angelegenheiten erledigt hatten, stiegen die beiden zum Tempel hinauf, und als sie am Opferkasten vorüberkamen, zog der Pharisäer ostentativ einen großen Geldbeutel aus seiner Brusttasche und schüttete den Inhalt bis zum letzten Heller in den Tempelschatz. In dieser Geldbörse waren vor allem die Geldstücke, die er den Kaufleuten abverlangt hatte, und der Erlös für das Öl, das er dem Verwalter abgenommen und sofort an einen Händler verkauft hatte. Der Zöllner hingegen warf eine Handvoll kleiner Münzen hinein und behielt soviel zurück, als er für die Rückreise in die Heimat benötigte. Der eine wie der andere gaben alles, was sie hatten. Scheinbar war sogar der Pharisäer der Großzügigere, da er alles bis zum letzten Heller hergab. Aber man muß bedenken, daß er in seinem Palast noch viel Geld hatte und außerdem Kredit bei reichen Geldwechslern.

Dann begaben sich beide vor den Herrn. Der Pharisäer ging nach vorn, bis zur Grenze des Atriums der Hebräer vor dem Heiligtum. Der Zöllner blieb hinten stehen, fast unter dem Gewölbe, das zum Vorhof der Frauen führt. Er stand da, gebeugt und niedergeschmettert bei dem Gedanken an sein Elend im Vergleich zur göttlichen Vollkommenheit. Beide beteten.


Der Pharisäer stand aufrecht, fast anmaßend da, als ob er der Hausherr wäre, der sich herabläßt, einen Besucher zu empfangen, und sprach: „Sieh, ich bin gekommen, um dich in dem Haus zu verehren, das unser Ruhm ist. Ich bin gekommen, obwohl ich fühle, daß du in mir bist, da ich ein Gerechter bin. Ich bin kein Räuber. Ich bin nicht ungerecht, kein Ehebrecher und kein Sünder, wie jener Zöllner dort, der fast gleichzeitig mit mir eine Handvoll Kupermünzen in den Schatz geworfen hat. Ich, du hast es gesehen, habe dir alles gegeben, was ich bei mir hatte. Dieser Geizhals dagegen hat zwei Teile gemacht und dir den kleineren gegeben. Den anderen Teil wird er wohl für Schwelgereien und für Frauen behalten haben. Ich bin rein. Ich beflecke mich nicht. Ich bin rein und gerecht, faste zweimal in der Woche und bezahle den Zehnten von allem, was ich besitze. Ja, ich bin rein, gerecht und gesegnet, weil ich heilig bin. Erinnere dich daran, Herr.“

Der Zöllner in seinem entfernten Winkel wagte kaum, die Augen zu den kostbaren Pforten des Heiligtums zu erheben. Er schlug an seine Brust und betete so: „Herr, ich bin nicht würdig, an diesem Ort zu stehen. Aber du bist gerecht une heilig, und du gestattest es mir, weil du weißt, daß der Mensch ein Sünder und ein Teufel wird, wenn er nicht zu dir kommt. Oh, mein Herr, ich möchte dich ehren Tag und Nacht, aber ich bin so viele Stunden der Sklave meiner Arbeit. Es ist eine harte Arbeit, die mich demütigt, denn ich füge meinem unglücklichen Nächsten Schmerz zu. Aber ich muß meinen Vorgesetzten gehorchen, um mein tägliches Brot zu verdienen. Hilf mir, o mein Gott, daß ich das Pflichtgefühl gegenüber meinen Vorgesetzten immer mäßige durch die Liebe zu meinen armen Brüdern, damit meine Arbeit nicht zu meiner Verdammung führe. Jede Arbeit ist heilig, wenn sie mit Liebe getan wird. Laß deine Liebe stets in meinem Herzen gegenwärtig sein, damit ich, armselig wie ich bin, mit meinen Untergebenen Mitleid habe, wie du mit mir, dem großen Sünder, Mitleid hast. Ich hätte dich gern mehr geehrt, o Herr, du weißt es. Aber ich hielt es für besser, mit dem für den Tempel bestimmten Geld acht unglückliche Herzen zu trösten als es in den Opferkasten zu werfen und dann acht unschuldige und unglückliche Menschen verzweifelt weinen zu lassen. Wenn ich jedoch gefehlt habe, laß es mich wissen, o Herr, denn ich bin ein großer Sünder.“

Das ist das Gleichnis. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, während der Pharisäer den Tempel verließ, nachdem er noch eine Sünde zu den schon bevor der den Moriah erstieg begangenen hinzugefügt hatte, ging der Zöllner gerechtfertigt hinaus, und der Segen Gottes begleitete ihn bis zu seinem Haus und ruhte darauf. Denn er war demütig und barmherzig, und seine Werke waren noch heiliger als seine Worte; der Pharisäer dagegen war nur mit Worten und nach außen hin gut, in seinem Inneren aber und mit seinem Hochmut und seiner Hartherzigkeit vollbrachte er Werke des Teufels, weshalb er Gott verhaßt war.

Wer sich selbst erhöht, wird immer, früher oder später, erniedrigt werden; wenn nicht in diesem, dann im anderen Leben. Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden, besonders droben im Himmel, wo die Handlungen der Menschen in ihrem wahren Wert erscheinen.

Komm, Zachäus. Kommt ihr, die ihr mit ihm seid, und ihr, meine Apostel und Jünger. Ich werde noch allein mit euch sprechen.“

Er hüllt sich in seinen Mantel und kehrt in das Haus des Zachäus zurück.

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band IX von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


„… wählt immer den letzten Platz.“

28/08/2010
zum Sonntagsevangelium v. 29. August 2010: Lukas 14,1.7-14.

„… Warum glaubt ihr immer, vollkommen zu sein, nur weil das Schicksal euch einen hohen gesellschaftlichen Rang zugteilt hat? Selbst wenn ihr in einigen Dingen höher gestellt wäret, warum sucht ihr dann nicht, es in allem zu sein? Warum hasst ihr mich, weil ich eure Fehler aufdecke? Ich bin der Arzt eurer Seelen, und wie kann denn ein Arzt heilen, wenn er nicht die Wunden aufdeckt und sie reinigt? Wisst ihr nicht, dass viele, und auch jene Frau, die soeben fortgegangen ist, die ersten Plätze beim Gastmahl Gottes verdienen, obwohl sie ihrem Äusseren nach gering erscheinen? Nicht auf das Äussere kommt es an, sondern im Herzen und in der Seele ist der Wert eines Menschen. Gott sieht euch und richtet euch von der Höhe seines Thrones. Wie viele sieht er, die besser sind als ihr! Daher hört mir zu!


Dies soll eure Verhaltensregel sein: Wenn man euch zu einem Hochzeitsmahl einlädt, wählt immer den letzten Platz. Doppelte Ehre wird euch zuteil, wenn der Hausherr euch auffordert: „Freund, komm nach vorn.“ Ehre des Verdienstes und Ehre der Demut. Welch traurige Stunde ist es jedoch für den Hochmütigen, wenn er beschämt wird und hören muss, wie man ihn zurechtweist: „Geh dort nach hinten, denn hier ist einer, der höher steht als du.“ Handelt ebenso beim geheimnisvollen Gastmahl eures Geistes, beim Hochzeitsmahl mit Gott. Wer sich erniedrigt, wird erhöht werden, und wer sich erhöht, wird erniedrigt werden.

Ismael, hasse mich nicht, weil ich dich heilen will. Ich hasse dich nicht und bin gekommen, um dich zu heilen. Du bist kränker als jener Mann, denn du hast mich eingeladen um deines eigenen Ruhmes willen und um deine Freunde zufriedenzustellen. Oft gibst du Einladungen, aber aus Hochmut und zum Vergnügen. Tue das nicht! Lade nicht Reiche, Verwandte und Freunde ein, sondern öffne dein Haus, öffne dein Herz den Armen, den Bettlern, den Krüppeln, den Lahmen, den Waisen und Witwen. Sie werden dir nur Segen bringen als Entgelt, doch Gott wird ihn in Gnaden für dich umwandeln. Dann, am Ende… Oh, welch glückliches Los erwartet alle Barmherzigen, die einst bei der Auferstehung der Toten von Gott belohnt werden!

Wehe denen, die nur der Hoffnung auf Nutzen schmeicheln und ihr Herz dem Bruder verschliessen, der ihnen nicht mehr dienen kann. Wehe ihnen! Ich werde mich anstelle der Verlassenen rächen.“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band VI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Im Vaterunser ist die ganze Vollkommenheit eines Gebetes vorhanden“ (3)

26/08/2010

Jesus sagt (Fortsetzung):

Nachdem ihr den Bitten um die geistigen Dinge nachgekommen seid, erbittet, da ihr arm seid und unter den Bedürfnissen des Fleisches lebt, das Brot von Dem, der die Vögel des Himmels mit Nahrung und die Lilien des Feldes mit Kleidung versieht: „Gib uns heute unser tägliches Brot.“

Ich habe heute gesagt, und habe Brot gesagt. Ich sage niemals etwas Unnötiges.

Heute. Bittet Tag für Tag um die Hilfen des göttlichen Vaters. Das ist ein Maß der Klugheit, der Gerechtigkeit und der Demut.

Klugheit: Wenn ihr alles auf einmal bekämet, würdet ihr viel davon vergeuden. Ihr seid nämlich ewige und dazu noch launische Kinder. Die Gaben Gottes sollen aber nicht vergeudet werden. Und zudem würdet ihr Gott vergessen, wenn ihr alles auf einmal erhieltet.

Gerechtigkeit: Warum solltet ihr alles auf einmal erhalten, wenn auch Ich doch Tag für Tag die Hilfe des Vaters erhalten habe? Und wäre es nicht auch ungerecht zu denken, Gott sollte euch alles auf einmal geben, weil ihr, in ganz menschlicher Besorgtheit den Hintergedanken hegen würdet, dass es – wer weiß es schon – gut wäre, alles auf einmal zu erhalten, in der Angst, Gott könnte morgen vielleicht nichts mehr geben? Das Mißtrauen – daran denkt ihr freilich nicht – ist eine Sünde. Man darf Gott nicht mißtrauen. Er liebt euch in Vollkommenheit. Er ist der vollkommenste Vater.

Demut: Das Tag-für-Tag-Bitten hält in eurem Geist die Vorstellung eurer Nichtigkeit, eurer Armutsverfassung lebendig, sowie die Vorstellung, dass Gott das Alles und der Reichtum ist.

Brot. Ich sagte „Brot“, weil das Brot das königliche Nahrungsmittel, das dem Leben unerläßliche, ist. Mit einem Wort und in diesem Wort habe ich alle die Bedürfnisse eures irdischen Aufenthaltes ausgedrückt und eingeschlossen, damit ihr um alle diese bitten sollt. Aber so unterschiedlich auch die Temperaturgrade eurer Geistigkeit sind, so unterschiedlich sind auch die Bedeutungsnuancen dieses Wortes.

„Nahrungsbrot“ für die, welche von so embryonaler Geistigkeit sind, dass es schon viel bedeutet, wenn sie Gott um die Nahrung zur Sättigung ihres Leibes zu bitten wissen. Es gibt die, welche nicht darum bitten und sie mit Gewalt an sich reißen und Gott und die Brüder verfluchen. Auf solche schaut der himmlische Vater zornig herab; sie treten ja seine Vorschrift, aus der sich alle übrigen ergeben, mit Füßen: „Du sollst deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen, und deinen Nächsten wie dich selbst.“

„Brot der Hilfe“ für die seelischen und materiellen Bedürfnisse derjenigen, die nicht allein für ihren Bauch, sondern auch für ihren Geist zu leben wissen, die eine ausgebildetere Spiritualität haben.

„Brot der Religion“ für diejenigen, die, noch ausgebildeter, Gott den Befriedigungen der Sinne und der menschlichen Gefühle voranzustellen und die Flügel schon ins Übernatürliche zu schwingen wissen.

„Brot des Geistes, Brot des Opfers“ für die, welche, ins Vollalter des Geistes getreten, im Geist und in der Wahrheit zu leben wissen und sich um das für Fleisch und Blut Erforderliche auf das Allernötigste beschränken, auf gerade soviel, dass sie davon ihr sterbliches Leben bis zu der Stunde fristen können, in der sie zu Gott gehen. Diese sind es, die sich nach Meinem Vorbild beschnitten haben und Meine lebendigen Abbilder sind, auf die sich der göttliche Vater mit einer Liebesumarmung herniederbeugt.

Zu Teil 1

Zu Teil 4

Auszug aus “Die Hefte 1943“ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Besondere Aufgaben Mariä für die letzten Zeiten (4)

08/04/2010

2. Der Kampf Mariä und ihrer Kinder gegen Satan und seinen Anhang

Hauptsächlich von jenen letzten grausamen Angriffen des Teufels, welche sich bis zur Herrschaft des Antichristen von Tag zu Tag vermehren, ist jene erste und berühmte Weissagung und jener Fluch Gottes zu verstehen, der schon im irdischen Paradies gegen die Schlange geschleudert wurde. Es ist sicher angebracht, in diesem Zusammenhang zum Ruhme der allerseligsten Jungfrau, zum Heile ihrer Kinder und zur Beschämung des bösen Feindes näher auf die erste frohe Botschaft einzugehen. „Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, zwischen deiner Nachkommenschaft und ihrer Nachkommenschaft; sie wird dir den Kopf zertreten und du wirst ihrer Ferse nachstellen.“ (Gen. 3,15).

Nur einmal hat Gott eine Feindschaft und zwar eine unversöhnliche Feindschaft gestiftet, welche fortdauern, ja sogar zunehmen soll bis ans Ende der Zeiten: die Feindschaft zwischen Maria, der Mutter Gottes, und dem Teufel und damit auch zwischen ihren beiderseitigen Anhängern.

Die furchtbarste und stärkste Gegnerin, welche Gott dem Satan gegenüberstellen konnte, ist Maria, die gebenedeite Jungfrau und Mutter des Erlösers. Gott verlieh ihr schon vom Paradiese an, obgleich sie damals nur in seiner Idee existierte, einen solchen Haß gegen diesen verfluchten Feind Gottes, einen so großen Eifer, die Bosheit dieser alten Schlange aufzudecken, und so große Macht, um diesen stolzen und ruchlosen Geist zu besiegen, niederzuwerfen und zu zertreten, daß dieser Maria mehr fürchtet, als alle Engel und Menschen, ja in einem gewissen Sinn sogar mehr als Gott selbst.

 
 
 
 
 

Botticelli: Madonna Magnifikat

Damit soll gewiss nicht gesagt sein, daß die Feindschaft, der Haß und die Macht Gottes nicht unendlich größer wären, als die der heiligen Jungfrau, deren Vollkommenheiten begrenzt sind.  Es soll vielmehr besagen, daß Satan in seinem Hochmut unendlich mehr leidet, von einer geringen und demütigen Magd des Herrn als von diesem selbst besiegt und bestraft zu werden, und daß ihre Demut für ihn vernichtender wirkt, als die Allmacht Gottes. Zudem hat Gott der allerseligsten Jungfrau eine solche Gewalt über die Teufel verliehen, daß diese einen ihrer Seufzer zugunsten einer Seele mehr fürchten als die Fürbitten aller übrigen Heiligen und durch eine einzige ihrer Drohungen mehr zu leiden haben als durch alle anderen Qualen, wie dies die Teufel selbst schon oft genug wider Willen durch den Mund der Besessenen bekennen mußten.

Was Luzifer durch seinen Stolz verloren hat, das hat Maria durch ihre Demut zurückerobert. Was Eva durch ihren Ungehorsam verdorben und eingebüßt hat, das hat Maria durch ihren Gehorsam wieder gutgemacht. Indem Eva der Schlange folgte, hat sie alle ihre Kinder mit sich ins Verderben gerissen und sie der Schlange überliefert; indem Maria sich vollständig Gott unterwarf, hat sie alle Kinder und Diener gerettet und mit sich der göttlichen Majestät geweiht.

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Auszug aus “Das Goldene Buch” vom hl. Ludwig Maria Grignion v. Montfort, zu beziehen über den Lins-Verlag,  A-6804 Feldkirch

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