Posts Tagged ‘Deutschland’

Watschen für den Weltmeister

14/08/2012

Der deutsche Export floriert, ist derzeit Weltspitze. Da könnte man sich doch eigentlich freuen. Sich freuen, über deutschen Erfolg!? Schon gut, schon gut. Zu viel verlangt von unseren europäischen Nachbarn oder den Amerikanern, bei denen es nicht so glatt läuft.

Aber damit auch hier in Deutschland erst gar keine Freude aufkommt oder gar so etwas wie Stolz auf die deutschen Tugenden, die zumindest in unserem Wirtschaftsleben noch immer wirksam sind, werden wir künftig von der EU für gute Leistungen abgemahnt. Denn wir selbst kaufen nicht genug von unseren eigenen Produkten – und sind mit dieser Import-Export-Bilanz „einer der zentralen Auslöser der weltweiten Finanzkrise“.

Jetzt wissen wir also endlich, wo sie herrührt, die Krise! Da ist es ja nur recht und billig, dass wir die Zeche für alle zahlen…

Das Guttenberg-Komplott

22/02/2011

Eine Hypothese

1. Die Dissertation des Freiherrn zu Guttenberg ist offenbar zu großen Teilen ein Mosaik aus Textfragmenten, die aus fremder Feder stammen, doch nicht als solche gekennzeichnet sind. Die FAZ spricht von „strategischem Vorgehen“ und nennt jenes virtuose Flechtwerk ungenannter Quellen eine „aufwendige und liebevoll hergestellte Täuschung“. Die FAZ folgert: „Wer hier am Werk war, wusste, was er tat, und dass es nicht gestattet ist.“

Guttenbergs Stellungnahme am heutigen Montagabend in Kelkheim, sein Verzicht auf den Doktortitel, da seine Arbeit wissenschaftlichen Standards nicht genüge, Fehler enthalte und er beim Verfassen den Überblick über die Quellen verloren habe, kommt wenig überzeugend rüber. Also?

2. Wir folgern: der Freiherr kann unmöglich selbst hier am Werk gewesen sein. Karl-Theo mit seiner Gelfrisur mag zwar etwas geleckt daherkommen, aber unehrenhaft wirkt er nicht, siehe sein familiäres Umfeld, seine Erziehung, seinen Lebenswandel. Guttenberg gibt es ja bislang nicht zu, aber der Betrug von seiner Seite besteht vielleicht eher im – unrechtmässigen – Engagement eines Ghostwriters. Oder, die mildere Variante, in allzu blindem Vertrauen auf die ausgeweiteten Dienste eines „wissenschaftlichen Assistenten“, welcher vielleicht bewusst beauftragt wurde, die Dissertation auf eben diese dreiste, wenn auch raffinierte Art zu „komponieren“. Falls es sich so verhält, kam dieser Auftrag aber sicher nicht von Guttenberg selbst. Einen fremdverfassten Text als einen eigenen auszugeben ist aber so oder so unehrenhaft – hier beisst sich die Katze in den Schwanz.

Vielleicht ist Guttenbergs überraschende Erkenntnis über die Qualitätsmängel seiner Wochenendlektüre  tatsächlich eine Überraschung gewesen. Vielleicht hat der vielbeschäftigte Jungpolitiker und Familienvater die Arbeit damals tatsächlich keiner so genauen Prüfung unterzogen, ganz sicher keiner Plagiatsprüfung, wie sie zur Zeit geschieht. Nein, ihm wurde die Seriosität des „Assistenten“ zugesichert, und er hat sich darauf verlassen. Warum aber würde jemand dem Freiherrn einen solchen Fallstrick legen wollen?

3. Guttenbergs Ansichten und die seines unmittelbaren parteipolitischen Umfelds, bezüglich Deutschlands Rolle in der EU und der EU-Politik im Allgemeinen, passen nicht zur Schiene, die die CDU und Frau Merkel fahren. Im Anhang der Dissertation heißt es u.a. über die damals noch im Entwurfsstadium befindliche EU-Verfassung: „Es muss verhindert werden, dass es zu einer zentralen Steuerung der Wirtschaftspolitik kommt.“, S. 409. Genau das aber wird inzwischen auf jedem G20-Gipfel lautstark gefordert, und nicht nur da.

Auszug Guttenberg-Dissertation, S. 409

Weiters fragt sich, ob Merkel vornehmlich da so brav im Gleis bleibt, weil sie mit ihrer – angeblich nicht existenten – Stasi-Akte erpressbar ist. Sie war politisch kein unbeschriebenes Blatt, als sie kurz nach dem Mauerfall ihre kometenhafte Karriere in der BRD-Regierung begann. Auch wenn sie sich zunächst meist gegen die Vorstöße zu mehr EU-Kollektivkontrolle wehrt, am Ende knickt sie ja doch ein. Derzeit stärkt sie Guttenberg den Rücken: Wie lange noch? Deutschlands Interessen, soviel steht fest, vertritt Merkel schon lange nicht mehr.

Weiterlesen:

Karl Theo zu Guttenberg und seine Ansichten zur EU-Politik

Angela Merkels DDR-Vergangenheit I

Angela Merkels DDR-Vergangenheit II

War ein Ghostwriter am Werk?

Zentralrat is watching you

22/07/2009

Bundesverdienstkreuz für Israelkritikerin – Skandal! Der jüdische Zentralrat zeigt sich wie üblich, empört.

Ob Eva Hermann, Hans-Werner Sinn, oder wiederholt Papst Benedikt: dem wachsamen Hüter der politischen Korrektheit entgeht nicht die geringste Abweichung von der gewünschten Verhaltensnorm.

Wer die Schiene der „immerwährenden Verantwortung für die moralische Katastrophe in der deutschen Geschichte“ (Angela Merkel vor der Knesset 2008) durch eine mehr oder weniger unbedachte Bemerkung verlässt, dem zischt sogleich der giftige Hauch der selbsternannten Sittenwächter entgegen.

Alles jüdische ist sakrosankt, ebenso die Politik des Staates Israel. Die Deutschen hingegen sind auf immer stigmatisiert, nicht einmal frei denken sollen sie, geschweige denn frei sprechen oder handeln.

Die ständige Erwartung einer Entschuldigung, einer Referenz zum Schrecken, der pauschalen Übernahme der Verantwortung, ermüdet ungemein. Zudem fehlt jede Aussicht auf Amnestie. Im Gegenteil: Wir tun alles, um die Erinnerung an die Schuld aufrecht zu erhalten, wir schüren Scham über das Geschehene, denn das wird von uns erwartet.

Ist es also Müdigkeit, die durchschiesst, wenn Horst Köhler der jüdischen Menschenrechtlerin und Israelkritikerin Felicia-Amalia Langer das Bundesverdienstkreuz überreicht?

Oder ist es nicht vielmehr legitim, dass ein Volk, das gelitten, bezahlt und bereut hat, mündig denken und reden und handeln darf?

Der Zentralrat überschreitet jedenfalls zunehmend seinen Zuständigkeitsbereich, indem er sich zu einer Art Überwachungs- und Zensurbehörde aufbläst, die kein kritisches Wort duldet. Seiner Kernaufgabe, der „Förderung der Verständigung und der gegenseitigen Achtung zwischen Juden und Nichtjuden“ trägt er mit diesem Gebaren sicherlich nicht Rechnung: Thema verfehlt.