Posts Tagged ‘Erlösung’

8. Dezember: Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria

08/12/2011

Die demütige und große Königin der Welt

In Kapitel 122 des „Gottmensch“ spricht Jesus zu Anfang seines öffentlichen Wirkens mit seinem Apostel Simon, dem Zeloten, über seine Heimat Galiläa und drückt aus, wie sehr er den See, Nazaret, die Berge, die Ebenen usw. liebt. Und er fügt hinzu:

„… Und dann… und dann, oh, Simon! Dort blüht eine Blume! Eine Blume, die einsam leuchtet und duftet in Reinheit und Liebe für ihren Gott und ihren Sohn! Dort ist meine Mutter, und du wirst sie kennenlernen, Simon, und mir dann sagen, ob es auf dieser Erde ein anderes Geschöpf gibt, das ihr, auch in menschlicher Anmut, gleichkommt.

Sie ist schön, doch alles wird von dem übertroffen, was ihr Inneres ausstrahlt. Wenn ein Rohling sie entkleiden, sie verunstalten und sie zum Umherirren verurteilen würde, sie wäre immer noch die Königin in königlichem Gewand, weil ihre Heiligkeit sie mit einem Mantel der Herrlichkeit umkleiden würde. 

Alles kann mir die Welt an Bösem antun, aber alles werde ich der Welt verzeihen, denn um auf die Welt zu kommen und um diese zu erlösen, hatte ich sie: die demütige und große Königin der Welt, welche die Welt nicht kennt, durch die aber der Welt das Heil gewährt wurde und in allen Jahrhunderten gewährt werden wird. …“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. II von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Um Fleisch zu werden, bedurfte ich einer Mutter“

Die heilige Jungfrau Maria ist das vollkommene Werk des Schöpfers

„Das Heil der Welt liegt in Maria“

Gesegnetes Osterfest

24/04/2011

Wir wünschen all unseren Lesern und ihren Lieben ein frohes, gesegnetes Osterfest.

Valtorta-Vision: Die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus

Kreuzweg mit dem hl. Pfarrer von Ars (9. und 10. Station)

08/04/2011

An den Freitagen vor Ostern geben wir jeweils zwei Stationen der Kreuzweg-Betrachtung des hl. Pfarrers von Ars wieder.


Vorbereitungsgebet

Ewiger Vater, nimm hin das göttliche Blut, das Jesus Christus, dein Sohn, bei seinem Leiden vergossen hat! Im Blick auf seine Wunden, auf sein von Dornen durchbohrtes Haupt, auf sein liebendes Herz, um aller seiner Verdienste willen verzeihe den Seelen ihre Schuld und rette sie!

Göttliches Blut meines Erlösers, ich bete dich mit großer Ehrfurcht und Liebe an, um die Beleidigungen zu sühnen, welche dir so viele Menschen zufügen.

Mein Jesus, schenk mir Verzeihung und Barmherzigkeit um der Verdienste deines bitteren Leidens und deiner heiligen Wunden willen! Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die ganze Welt erlöst.

O Maria, Schmerzensmutter, drücke deines Sohnes Wunden tief in unsere Herzen ein.


IX. Station: Jesus fällt zum dritten Male unter dem Kreuz

Es gibt viele Arten, Fortschritte zu machen, sogar durch Versagen. Fürchte dich nicht, mich anzurufen, wenn du gefallen bist! Trägst du die Scherben deiner Fehler zu mir, wird mein Erbarmen dich neu machen. Fühlst du dich leer – im Innersten leer und kraftlos, werde ich deine Leere füllen mit meinem Erbarmen, und du darfst es miterleben. Jeder Fall ist für mich ein Ausgangspunkt, dich zu wandeln zur echten Liebe, mit der zu echter Wandlungskraft gelangst. Blick auf mich, der ich jedes Leiden auskostete bis zum Ende! Ich wollte alles leiden, damit du mir auf halbem Wege deines Leidens begegnen könntest. Ich komme dir stets entgegen und helfe dir, froh mit deinem Erlöser alles Schwere zu tragen. Sei zu jedem Opfer und Leiden bereit, ohne dich dabei aufzuhalten! Für dich heisst es, nicht mit dir, wohl aber mit mir umzugehen. Gebete und Bußwerke sind der Kaufpreis für die Seelen.

So bitte ich dich, mein Jesus: Hilf uns, dass wir um deiner opfernden Liebe willen den am Boden liegenden Lastträgern mit dem Blick des Mitleids und auf dem Wort und der Tat der Liebe aufstehen helfen und sie zu deiner Kreuzesnachfolge bewegen! Lass uns alle, um die wir in Sorge sind oder die uns Leid bereiten, in unser Gebet und Opfer hineinnehmen und ihnen so Hilfe und Zuversicht sein!


X. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt

Fürchte dich nicht, meine blutroten Wunden zu sehen! Sie sind dein. Habe ich sie nicht für dich erlitten? Man muss sie grüssen wie Wohltäterinnen, die dich gerettet haben.

Kann dein Herz kalt und verschlossen bleiben vor meinen offenen Wunden? Kannst du da noch zögern, für mich Opfer zu bringen? Mein Blut fliesst in Strömen aus meinem ganzen Körper. Ich lasse meine Adern sich entleeren von ihrem Blut, denn ich habe meine ganze Kraft eingesetzt zu leiden. Du musst dich einfühlen in das Innere meiner bekannten und unbekannten Leiden. Es geht dir dann auf: Ich bin der „lebende Schmerz“ aus Liebe für dich geworden. Warum wollen die Menschen nicht an meine Liebe glauben? Mein Leben, Wirken und Sterben war nur Liebe zu den Seelen. Was du tust für sie, betrachte ich als „MIR“ erwiesen.

Mögest du an Jesus die Bitte richten: Herz Jesu, Opferlamm der Liebe, lass mich vor dir eine heilige Opferflamme für dich werden!

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Kreuzweg mit dem hl. Pfarrer von Ars (7. und 8. Station)

01/04/2011

An den Freitagen vor Ostern geben wir jeweils zwei Stationen der Kreuzweg-Betrachtung des hl. Pfarrers von Ars wieder.


Vorbereitungsgebet

Ewiger Vater, nimm hin das göttliche Blut, das Jesus Christus, dein Sohn, bei seinem Leiden vergossen hat! Im Blick auf seine Wunden, auf sein von Dornen durchbohrtes Haupt, auf sein liebendes Herz, um aller seiner Verdienste willen verzeihe den Seelen ihre Schuld und rette sie!

Göttliches Blut meines Erlösers, ich bete dich mit großer Ehrfurcht und Liebe an, um die Beleidigungen zu sühnen, welche dir so viele Menschen zufügen.

Mein Jesus, schenk mir Verzeihung und Barmherzigkeit um der Verdienste deines bitteren Leidens und deiner heiligen Wunden willen! Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die ganze Welt erlöst.

O Maria, Schmerzensmutter, drücke deines Sohnes Wunden tief in unsere Herzen ein.


VII. Station: Jesus fällt zum zweiten Male unter dem Kreuz

Christus hat die Sünden aller Menschen getragen. Was ihn erneut zu Boden wirft, sind die Wiederholungssünden, die oft begangen werden aus Schwäche, Gleichgültigkeit und Bosheit. Jesus allein weiss, was im Menschen ist. Alle will er retten mit seiner opfernden und sühnenden Liebe. Seine Lehre für uns lautet:

Du kannst mir dabei helfen, wenn du auf dem Weg nach Kalvaria mutig den Opferkelch füllst mit deinen Opfern und Leiden, damit ich ihn zum Segenskelch mache für alle, deren Heil gefährdet ist. Dazu braucht es meine Liebe und meine Gnade.

Denke oft an alle Christen in der Welt: an die Leidenden, die Verfolgten, die Verlassenen, die Flüchtlinge, die Märtyrer, die Schwerkranken und Sterbenden, die sich bemühen, mir zu dienen und mich ihrer Liebe zu versichern! Bete für sie! Biete meine Verdienste dem Vater an! Sie gehören dir. Ich habe sie mit grossen Schmerzen erkauft, habe alles für sie bezahlt und für dich verdient.

Du kennst zu wenig die Macht des Gebetes: Es ist wie ein starker Arm, der meinen Arm stützt, und ich erlaube dir, dass du mich stärkst. Dein Gebet ist der Schlüssel zur Öffnung der Schatzkammer meiner Gnaden. Je mehr du ihn benützt, desto mehr vermittelst du Gnaden an die Menschen.

VIII. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen

Weinet nicht über mich, sondern über die Sünde! Ich sprach so wegen den Henkern, die mich umgaben und die ich so gerne retten wollte. Was hätte ich nicht alles für sie getan?

Wenn ich dich leiden sehe für mich – geduldig und ergeben – nehme ich deine Leiden als Zeichen der Liebe an, so als ob die deinen meine Leiden überstiegen und so wertvoll wären, dass mein Herz sie reichlich belohnen will. Lasse mich deshalb nicht ohne Leiden sein! Sie weben gleichsam den Sündern das Gloriengewand der Gotteskindschaft.

Die mich liebenden Seelen ziehen mein Erbarmen auf sich, sie sind meine Gehilfen an der Rettung der Welt. Deine Sehnsucht sei, mein Herz zu trösten, das von Bitterkeit erfüllt ist. Biete meinem Vater meine Verdienste an, um die Sünden der Menschen zu sühnen! Zu wenige bedienen sich ihrer. Dir stehen sie zur Verfügung. Benütze sie eifrigst und vermittle Ströme der Gnaden aus meinen heiligen Wunden denen, die krank sind an Seele und Leib!


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Kreuzweg von Sr. Josefa Menendez


Die Samariterin Fotinai

27/03/2011
(zum Sonntags-Evangelium vom 27. März 2011: Johannes 4,5-42)

„Ich bleibe hier. Geht in die Stadt und kauft, was wir für die Mahlzeit benötigen. Wir werden hier essen.“

„Sollen wir alle gehen?“

„Ja, Johannes. Es ist gut, wenn ihr alle miteinander geht.“

„Du bleibst allein?… Es sind Samariter…“

„Sie werden nicht die Schlimmsten unter den Feinden Christi sein. Geht, geht nur. Während ich hier auf euch warte, will ich für euch und für sie beten.“

Die Jünger gehen schweren Herzens davon; drei- oder viermal drehen sie sich nach Jesus um und betrachten ihn, wie er auf einem kleinen sonnenbeschienenen Mäuerchen sitzt, das sich in der Nähe des breiten, niedrigen Randes eines Brunnens befindet; eines großen Brunnens, fast einer Zisterne gleich, so breit ist er. Im Sommer ist er von den großen, jetzt kahlen Bäumen beschattet. Das Wasser des Brunnens kann man nicht sehen, doch zeigen kleine Pfützen und Abdrücke der abgestellten Krüge auf dem Erdboden rundherum, dass Wasser geschöpft worden ist. Jesus ist in seine Gedanken vertieft. Er hat die gewohnte Haltung angenommen: die Ellbogen auf die Knie gestützt und die nach vorne gerichteten Hände gefaltet, den Oberkörper leicht gebeugt und das Haupt zur Erde geneigt. Er spürt die wärmende Sonne und lässt den Mantel vom Kopf und den Schultern gleiten, hält ihn aber doch zusammengefaltet auf seinem Schoß.


Jesus hebt das Haupt und lächelt einer Schar rauflustiger Spatzen zu, die sich um eine am Brunnen verlorene Brotkrume streiten. Doch die Spatzen werden durch das Erscheinen einer Frau aufgeschreckt und fliegen davon. Die Frau hält mit der linken Hand einen leeren Krug am Henkel, während sie mit der rechten überrascht den Schleier zur Seite schiebt, um zu sehen, wer der Mann ist, der dort sitzt. Jesus lächelt der Frau zu, die um die 35-40 Jahre alt und hochgewachsen ist und markante, doch schöne Gesichtszüge hat. Ein Menschenschlag, den wir als spanisch bezeichnen möchten, wegen ihrer fahlen, olivfarbenen Haut, den gewölbten und leuchtenden Lippen, ihren geradezu übermäßig großen und schwarzen Augen unter den sehr dichten Augenbrauen und den rabenschwarzen Zöpfen, die durch den leichten Schleier hindurchscheinen. Auch die etwas üppigen Körperformen sind typisch orientalisch, wie bei den Araberinnen.

Die Frau trägt ein buntgestreiftes Kleid, welches in der Taille eng zusammengezogen ist und an den molligen Hüften und der vollen Brust eng anliegt und dann in einer Art loser Falten bis zum Boden reicht. Viele Ringe und Armbänder schmücken ihre fleischigen, braunen Hände, und unter den leinenen Unterärmeln kommen ihre mit Armbändern geschmückten Handgelenke hervor. Am Halse trägt sie eine schwere Kette, von der Medaillen, ich möchte fast sagen Amulette, da sie so verschiedenförmig sind, herabhängen, während der reiche Ohrschmuck bis zum Halse reicht und unter dem Schleier glitzert.

„Der Friede sei mit dir, Frau. Willst du mir zu trinken geben? Ich habe einen weiten Weg hinter mir und bin durstig.“

„Aber bist denn nicht ein Jude? Und du bittest mich, eine Samariterin, um Wasser? Was soll denn das bedeuten? Ist unsere Ehre wieder hergestellt, oder seid ihr gar in Verfall geraten? Es muss schon ein großes Ereignis stattgefunden haben, wenn ein Jude höflich zu einer Samariterin spricht. Eigentlich sollte ich dir antworten: ‚Ich gebe dir nichts, um an dir alle Beleidigungen zu rächen, die uns die Juden seit Jahrhunderten zufügen.‘ „

„Du hast recht. Etwas Großes hat sich ereignet, und dadurch haben sich viele Dinge geändert, und mehr noch: werden sich ändern. Gott hat der Welt ein großes Geschenk gemacht, und dadurch hat sich vieles geändert. Wenn du dieses Geschenk kennen würdest und wüsstest, wer zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken‘, dann hättest du ihn vielleicht selbst um Wasser gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“

„Lebendiges Wasser gibt es in unterirdischen Quellen. In diesem Brunnen ist solches, doch er gehört uns“, entgegnet die Frau spöttisch und rechthaberisch.

„Das Wasser kommt von Gott, so wie auch die Güte, das Leben und alles von einem einzigen Gott kommt, Frau. Alle Menschen sind von Gott erschaffen worden: Samariter wie Juden. Ist dies nicht der Brunnen Jakobs, und ist Jakob nicht der Stammvater unseres Geschlechtes? (*) Wenn später ein Irrtum das Volk geteilt hat, so bleibt der Ursprung doch derselbe.“

„Ein Irrtum unsererseits, nicht wahr?“ fragt die Frau herausfordernd.

„Weder unsererseits noch eurerseits. Es war der Fehler eines Menschen, der Liebe und Gerechtigkeit aus den Augen verloren hatte. Ich beleidige weder dich noch dein Geschlecht, warum verhältst du dich also feindselig mir gegenüber?“

„Du bist der erste Jude, den ich so reden höre. Die anderen… Der Brunnen, ja, es ist der Brunnen Jakobs, und er hat so reichlich klares Wasser, dass wir von Sichar ihn allen anderen Brunnen vorziehen. Doch er ist sehr tief, und du hast weder Krug noch einen Schlauch. Wie könntest du für mich lebendiges Wasser schöpfen? Bist du vielleicht mehr als Jakob, unser heiliger Patriarch, der diese reiche Quelle für sich, seine Kinder und seine Herden gefunden und sie uns als Geschenk und zu seinem Gedächtnis hinterlassen hat?“

„Das stimmt! Doch wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen. Ich hingegen habe ein Wasser, das bei dem, der es trinkt, keinen Durst mehr aufkommen lässt. Doch es gehört mir allein. Und ich werde es denen geben, die mich darum bitten. Wahrlich, ich sage dir, wer dieses Wasser besitzt, das ich ihm geben werde, wird immer von ihm durchströmt werden und nie mehr Durst leiden, weil mein Wasser in ihm zur sicheren ewigen Quelle werden wird.“


„Wie? Ich verstehe dich nicht. Bist du ein Magier? Wie kann ein Mensch zu einem Brunnen werden? Das Kamel trinkt und schafft sich Wasservorräte in seinem geräumigen Bauch. Doch dann verbraucht es das Wasser, und es genügt nicht für das ganze Leben. Du aber sagst, dass dein Wasser für das ganze Leben reicht?“

„Mehr noch: es wird bis zum ewigen Leben fliessen. Es wird in denen, die es getrunken haben, bis zum ewigen Leben fliessen und aus ihm wird ewiges Leben spriessen, weil es eine Quelle des Heils ist.“

„Gib mir von diesem Wasser, wenn du es wirklich besitzest. Es ermüdet mich, bis hierher zu kommen. Ich werde so keinen Durst mehr haben und werde nie krank oder alt werden.“

„Nur das ermüdet dich? Nichts anderes? Hast du nur das Bedürfnis, für deinen armseligen Leib von diesem Wasser zu schöpfen? Überlege, es gibt etwas, das mehr wert ist als der Körper. Es ist die Seele. Jakob gab sich und den Seinen nicht nur das Wasser dieser Erde, sondern er war auch darum besorgt, sich und den anderen die Heiligkeit, nämlich das Wasser Gottes, zu vermitteln.“

„Ihr nennt uns Heiden… Wenn das, was ihr sagt, wahr ist, dann können wir nicht heilig sein…“ Die Frau hat den unverschämten, ironischen Ton in der Stimme verloren und zeigt sich nun unterwürfig und leicht verwirrt.

„Auch ein Heide kann tugendhaft sein, und Gott, der gerecht ist, wird ihn für seine guten Werke belohnen. Es wird keine vollkommene Belohnung sein, doch kann ich dir sagen, dass Gott auf einen Heiden ohne Schuld mit weniger Strenge blickt als auf einen Gläubigen in schwerer Schuld. Warum kommt ihr also nicht zum wahren Gott, wenn ihr doch wisst, dass ihr ohne Schuld seid? Wie heißest du?“

„Fotinai.“

„Gut, Fotinai, antworte mir. Schmerzt es dich, dass du nicht zur Heiligkeit streben kannst, weil du, wie du sagst, Heidin bist, weil du, wie ich behaupte, noch immer von den Nebeln eines alten Irrtums umgeben bist?“

„Ja, es schmerzt mich.“

„Warum lebst du dann nicht wenigstens als tugendhafte Heidin?“

„Herr!…“

„Ja. Kannst du es leugnen? Hole deinen Mann und komme mit ihm hierher zurück.“

„Ich habe keinen Gatten…“ Die Frau wird immer verwirrter.

„Das stimmt, du hast keinen Gatten. Fünf Männer hast du gehabt, und nun hast du einen bei dir, der nicht dein Mann ist. War dies nötig? Auch deine Religion rät nicht zur Unzucht. Auch ihr habt die zehn Gebote. Warum also führst du ein solches Leben, Fotinai? Belastet es dich nicht, allen zu gehören, anstatt die ehrsame Gattin eines einzigen zu sein? Fürchtest du nicht deinen Lebensabend, an dem du allein mit deinen schmerzlichen Erinnerungen sein wirst, mit deinen Ängsten, mit deinem Bedauern? Ja, auch mit diesem: Angst vor Gott und den Schreckensbildern! Wo sind deine Kinder?“

Die Frau senkt ihr Haupt tief und schweigt.

„Du hast sie nicht auf dieser Erde, aber ihre kleinen Seelen, denen du es verwehrt hast, das Licht der Welt zu erblicken, werden dich ohne Unterlass anklagen. Schmuck, schöne Kleider… ein prächtiges Haus… eine reichhaltige Tafel… Ja! Aber daneben Leere, Tränen und innere Trostlosigkeit. Du bist ein unglücklicher Mensch, Fotinai. Nur durch aufrichtige Reue, die Vergebung Gottes und mit ihr auch die Verzeihung deiner Geschöpfe kannst du wieder reich werden.“

„Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist und ich schäme mich…“

„Doch vor dem Vater im Himmel hast du dich nicht geschämt, als du Böses tatest? Weine nicht aus Beschämung vor den Menschen… Komm her, neben mich, Fotinai, ich werde dir von Gott erzählen. Vielleicht wusstest du zu wenig von ihm, und sicherlich hast du deshalb so viele Fehler begangen. Wenn du den wahren Gott gekannt hättest, dann hättest du dich nicht so entwürdigt. Er hätte dir zugesprochen und dir geholfen…“


„Herr, unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet. Ihr sagt, dass man nur in Jerusalem anbeten soll. Doch du sagst, es gibt nur einen Gott. Hilf mir zu verstehen, wo und wie ich es tun soll…“

„Frau, glaube mir. Es naht die Stunde, da man den Vater weder auf dem Berge von Samaria noch in Jerusalem anbeten wird. Ihr betet den an, den ihr nicht kennt. Wir beten den an, den wir kennen, denn das Heil geht aus den Juden hervor. Erinnerst du dich an die Worte des Propheten? Doch es kommt die Stunde, vielmehr, sie hat schon begonnen, da die wahren Verehrer Gottes den Vater im Geiste und in der Wahrheit anbeten werden, und zwar nicht im alten, sondern nach einem neuen Ritus, bei dem es keine Opfertiere mehr geben wird, sondern das ewige Opfer, die sich im Feuer der Liebe verzehrende, unversehrte Opfergabe. Die Verehrung Gottes wird sich in diesem geistigen Reich in geistiger Weise vollziehen und von denen verstanden werden, welche fähig sind, Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Gott ist Geist. Wer ihn anbetet, muss ihn in geistiger Weise anbeten.“

„Du sprichst heilige Worte. Ich weiß, denn auch wir wissen einiges, dass die Ankunft des Messias bevorsteht. Er wird auch „Christus“ genannt. Er wird uns alles lehren, wenn er da ist. Hier in der Nähe lebt jener, den sie seinen Vorläufer nennen, und viele gehen zu ihm, um ihn anzuhören. Aber er ist so streng!… Du bist gütig… und die armseligen Menschen fürchten dich nicht. Ich glaube, dass Christus gütig sein wird. Sie nennen ihn den Friedensfürst.  Werden wir noch lange auf ihn warten müssen?“

„Ich habe dir gesagt, dass seine Zeit schon da ist.“

„Wie kannst du das wissen? Bist du vielleicht sein Jünger? Der Vorläufer hat viele Jünger. Auch Christus wird sie haben.“

„Ich, der ich zu dir spreche, bin Christus Jesus.“

„Du!… Oh!…“ Die Frau, die sich neben Jesus niedergelassen hatte, springt auf und will fliehen.

„Warum fliehst du, Frau?“

„Weil ich davor erschauere, bei dir zu verweilen. Du bist heilig…“

„Ich bin der Retter. Ich bin hierhergekommen – aus freiem Willen – da ich wußte, dass deine Seele des Umherirrens müde ist. Deine „Speise“ ekelt dich an… Ich bin gekommen, dir eine neue Speise zu geben, die Ekel und Überdruss von dir nehmen wird… Doch da kommen meine Jünger, die Brot für mich geholt haben. Doch ich bin schon gesättigt, da ich dir die ersten Brosamen deiner Erlösung geben konnte.“

Die Jünger werfen der Frau mehr oder weniger diskrete, verstohlene Blicke zu, doch keiner sagt ein Wort. Sie geht davon, ohne weiter an das Wasser und den Krug zu denken.

„Hier sind wir, Meister“, sagt Petrus. „Sie haben uns gut behandelt. Da sind Käse, frisches Brot, Oliven und Äpfel. Nimm, was du willst. Die Frau hat gut daran getan, den Krug zurückzulassen. Damit wird es schneller gehen als mit unseren kleinen Wasserbeuteln. Zuerst trinken wir, dann füllen wir sie auf. So brauchen wir die Samariter um nichts anderes zu bitten, nicht einmal darum, zu ihren Brunnen gehen zu dürfen. Isst du nicht? Ich wollte Fisch für dich kaufen, habe aber keinen gefunden. Vielleicht hättest du ihn vorgezogen. Du bist müde und bleich.“

„Ich habe eine Speise, die ihr nicht kennt. Sie wird mir als Nahrung dienen und mich sehr erquicken.“

Die Jünger schauen sich fragend an.

Jesus antwortet auf ihr stummes Fragen: „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und das Werk zu Ende zu führen, von dem er wünscht, dass ich es vollende. …“

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(*) S. Geschichte Jakobs in Gen 25,19-37,36; 45,16-50,14. Jakob, dem Gott den Namen Israel gab, wurde zum Oberhaupt des israelitischen Stammes. S. Gen 32,23-31. Er erwarb sich ein Grundstück bei Sichem, schlug dort sein Zelt auf und baute einen Altar. In der Genesis deutet nichts darauf hin, dass dort ein Brunnen war, es lässt sich jedoch vermuten, dass es einen gab, da Jakob sich dort während einiger Zeit niederliess. Sichem heißt auf Aramäisch Sichar.

Auszug aus “Der Gottmensch″ Band III von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


„Vor Liebe sterben im Anblick meines leidenden Jesus“

12/10/2010

Der 12. Oktober 2010 ist der 49. Todestag von Maria Valtorta, nachfolgend ihre Aufzeichungen vom 7. März 1944:

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(Maria Valtorta - mit Genehmigung des Centro Editoriale Valtortiano)

Am Abend des 7. März

Wem darf ich sagen, was ich leide? Niemand auf dieser Erde, denn es ist kein irdisches Leid und würde nicht verstanden.

Es ist ein Leiden, das Süßigkeit und eine Süßigkeit, die Leiden ist. Ich würde gern zehn-, hundertmal so viel leiden. Um nichts auf der Welt würde ich auf dieses Leiden verzichten wollen. Aber das schließt nicht aus, dass ich leide, als ob ich an der Kehle gewürgt, in einen Schraubstock gepreßt, in einem Glutofen brennen, bis ins Herz durchbohrt werden würde.

Wenn mir gewährt wäre, mich zu bewegen, mich von allem zu isolieren und singend und in Gesten meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen – denn es ist ja ein Leiden des Gefühls – hätte ich eine Linderung. Aber ich bin so wie Jesus an Seinem Kreuz. Bewegung oder Isolation sind mir nicht mehr gewährt, und ich muss die Lippen zusammenpressen, um nicht der Neugier den Anblick meiner seligen Todesnot preiszugeben.

Es ist keine bloße Redensart: die Lippen zusammenpressen! Ich muss eine ungeheure Anstrengung machen, um den Impuls zu unterdrücken, einen zugleich freudigen und übernatürlich peinvollen Schrei, der in mir gärt, auszustoßen, der wie eine Stichflamme oder wie ein Strahl herausbrechen möchte.

Die schmerzumflorten Augen Jesu: Ecce Homo (1) ziehen mich wie ein Magnet an. Ich habe Ihn vor mir, aufrecht auf den Stufen des Prätoriums, und Er schaut mich mit Seinem dornengekrönten Haupt, den gebundenen Händen über seinem weißen Narrenkleid, mit dem sie Ihn haben verhöhnen wollen, und doch haben sie Ihn damit in die Weiße gekleidet, die des Unschuldigen würdig ist.


Er spricht nicht. Aber alles an Ihm spricht, ruft mich an und verlangt. Was verlangt er denn? Dass ich Ihn liebe! Das weiß ich und das schenke ich Ihm, bis hin zu dem Mich-selbst-sterben-Fühlen, als hätte ich eine Klinge in meiner  Brust. Aber er verlangt noch etwas anderes von mir, das ich nicht verstehe. Das ich jedoch verstehen möchte. Und das ist meine Qual. Ich möchte Ihm alles, was Er nur wünschen kann, hingeben, auch bis zu einem qualvollen Tode. Aber das gelingt mir nicht.

Sein Schmerzensantlitz zieht mich an und fesselt mich. Schön ist es als das Antlitz des Meisters oder das des auferstandenen Christus. Aber Ihn als solchen zu schauen, erfüllt mich lediglich mit Freude. Dieses hier flößt mir eine tiefe Liebe ein, wie die einer Mutter für ihr leidendes Kind nicht tiefer sein könnte.

Ja, ich verstehe Ihn jetzt. Die Liebe der compassio (2) ist die Kreuzigung des Geschöpfes, das dem göttlichen Meister bis in die allerletzte Qual hinein folgt. Es ist eine geradezu despotische Liebe, die jeden anderen Gedanken in uns unterdrückt, der nicht Seinen Schmerz betrifft. Wir gehören nicht mehr uns selbst. Wir leben, um Seinen Qualen Trost zu spenden, und Seine Qualen sind unser Leid, das uns, nicht nur metaphorisch ausgedrückt, umbringt. Und doch ist uns jede Träne, die der Schmerz uns auspreßt, kostbarer als eine Perle, und jeder Schmerz, den wir als dem Seinen ähnlich erkennen, willkommen und wie ein kostbarer Schatz geliebt.

Pater, ich habe mich angestrengt, das, was ich empfinde, auszudrücken. Aber es ist unnütz. Von allen Ekstasen, deren Gott mich würdigen kann, wird es immer die Seines Leidens sein, die meine Seele in ihren siebten Himmel bringt. Vor Liebe sterben im Anblick meines leidenden Jesus, das, finde ich, ist der schönste Tod.

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(1) vgl. Joh 19,5

(2) Die mit-leidende (compassione) oder teil-habende (compartecipazione) Liebe, von der im Diktat vom 13. Februar die Rede ist.

Auszug aus “Die Hefte 1944″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


Gleichnis von der verlorenen Drachme

11/09/2010
zum Sonntagsevangelium vom 12. September 2010: Lukas 15,1-32

Viel Volk hat sich auf der Straße angesammelt.

Jesus beginnt zu reden: „Eine Frau hatte zehn Drachmen in ihrem Beutel. Aber bei einer Bewegung fiel ihr der Beutel von der Brust, öffnete sich, und die Münzen rollten auf den Boden. Sie sammelte sie mit Hilfe der Umstehenden und zählte sie. Es waren neun. Die zehnte war nicht zu finden. Da es Abend war, zündete die Frau eine Lampe an, stellte sie auf den Boden, nahm einen Besen und begann sorgfältig zu kehren, um zu sehen, ob die Drachme weit weggerollt war. Doch die Drachme war nicht zu finden. Die Freundinnen gingen, des Suchens müde, davon. Die Frau rückte nun die Truhe, die Bank und den schweren Kasten beiseite, sie verschob die Krüge und Töpfe in der Mauernische; doch die Drachme war nicht zu finden. Da suchte sie auf allen Vieren im Kehrichthaufen vor der Türe, um zu sehen, ob die Drachme aus dem Haus gerollt sei und sich unter die Abfälle gemischt habe. Dort fand sie schließlich die Drachme, ganz schmutzig und unter dem auf sie gefallenen Kehricht begraben.

James Tissot: Die verlorene Drachme

Die Frau nahm sie jubelnd in die Hand, wusch sie und trocknete sie. Jetzt war sie schöner als zuvor, und sie zeigte sie ihren Nachbarinnen, die sie mit lauter Stimme zurückgerufen hatte. Sie sagte: „Seht her! Seht her! Ihr habt mir geraten, mich nicht weiter zu mühen. Doch ich habe beharrlich weitergesucht und die verlorene Drachme schließlich wiedergefunden. Freut euch daher mit mir, da ich nun nicht mehr befürchten muß, einen Teil meines Schatzes verloren zu haben.“

Auch euer Meister und mit ihm seine Apostel machen es so wie die Frau im Gleichnis. Gott weiß, daß eine Bewegung den Fall eines Schatzes zur Folge haben kann. Jede Seele ist ein Schatz, und Satan, der neidisch auf Gott ist, verursacht unglückliche Bewegungen, um die armen Seelen zu Boden fallen zu lassen. Mache fallen nicht weit von der Börse, entfernen sich also nicht allzu sehr vom Gesetz Gottes, das die Seelen im Schutz der Gebote zusammenhält. Andere aber entfernen sich weit von Gott und seinen Geboten, und einige gelangen bis zum Kehricht, zum Abfall, zum Schmutz. Und dort würden sie in das ewige Feuer geworfen und zugrunde gehen, ebenso wie Abfälle an besonderen Plätzen verbrannt werden.

Der Meister weiß dies und sucht unermüdlich die verlorenen Münzen. Er sucht liebevoll an allen Orten nach ihnen. Es sind seine Schätze. Und er wird nicht müde und empfindet vor nichts Ekel, sondern durchstöbert, kehrt und verschiebt, bis er sie findet. Und wenn er sie gefunden hat, dann wäscht er die wiedergefundene Seele mit seiner Verzeihung und ruft seine Freunde, das ganze Paradies und alle Guten der Erde, und sagt: „Freut euch mit mir, denn ich habe wiedergefunden, was sich verirrt hatte, und es ist schöner als zuvor, denn meine Verzeihung hat es erneuert!“

Wahrlich, ich sage euch, im Himmel ist ein großes Fest, und die Engel Gottes und die Guten der Erde jubeln, wenn sich ein Sünder bekehrt. Wahrlich, ich sage euch, es gibt nichts Schöneres als die Tränen der Reue. Wahrlich, ich sage euch, nur die Dämonen können sich nicht über die Bekehrungen freuen, die ein Sieg Gottes sind. Und weiter sage ich euch, daß die Art, die Bekehrung eines Sünders aufzunehmen, ein Maßstab für die Güte eines Menschen und seine Vereinigung mit Gott ist.

Der Friede sei mit euch!“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band IV von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Kommt doch, arme Kinder, kommt zu Mir

Mariä Heimsuchung

14/08/2010

(Lukas 1, 39-56)

Anstelle Saras erscheint oben an der Treppe an der Hausseite eine sehr betagte Frau voller Runzeln und mit sehr ergrautem Haar, das früher wohl tiefschwarz gewesen sein muss; denn sie hat noch schwarze Wimpern und Augenbrauen. Einen eigenartigen Kontrast zu ihrem offenbaren Alter bildet die trotz des weiten Gewandes sichtbare Schwangerschaft. Sie blickt nach unten, indem sie die Hand zum Schutz gegen die Sonne vor die Augen hält. Da erkennt sie Maria, hebt die Arme mit einem freudigen und erstaunten Ausruf zum Himmel und eilt, so gut sie kann, Maria entgegen. Auch Maria, die sonst in ihren Bewegungen immer ruhig ist, läuft nun schnell wie ein junges Reh und erreicht den Treppenabsatz gleichzeitig mit Elisabeth. Maria umarmt mit lebhafter Herzlichkeit die Base, die bei ihrem Anblick Freudentränen weint.

Sie bleiben einen Augenblick umschlungen, dann löst sich Elisabeth von der Umarmung mit einem: „Ah!“, einem Gemisch von Schmerz und Freude, und legt die Hände auf ihren schwangeren Mutterschoss. Sie neigt ihr Antlitz, das abwechselnd erbleicht und errötet. Maria und der Diener strecken ihre Hände aus, um sie zu stützen, denn sie wankt, als fühle sie sich übel. Aber nachdem sie eine Weile wie in sich gesammelt geblieben ist, erhebt sie ihr Gesicht so strahlend, dass sie ganz verjüngt erscheint; lächelnd und mit einer Ehrfurcht, als erblicke sie einen Engel, verneigt sie sich tief und sagt:

„Du bist gebenedeit unter den Frauen! Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes! Wie habe ich es verdient, dass zu mir, deiner Dienerin, die Mutter meines Herrn kommt? Sieh: Beim Ton deiner Stimme jubelte das Knäblein in meinem Schoss, und als ich dich umarmte, hat der Geist der Herrn erhabene Wahrheiten zu meinem Herzen gesprochen. Selig bist du, weil du geglaubt hast, dass bei Gott auch das möglich sei, was dem menschlichen Verstand unmöglich erscheint! Gebenedeit bist du, denn durch deinen Glauben lässt du die Verheissungen in Erfüllung gehen, die der Herr dir gegeben und die von den Propheten für diese Zeit vorausgesagt worden sind! Gebenedeit bist du, weil du meinem Sohn die Heiligkeit gebracht hast; denn ich fühle, dass er aufhüpft wie ein fröhliches Zicklein in meinem Schoss; denn er fühlt sich befreit von der Last der Schuld und dazu berufen, der Vorläufer zu sein, der geheiligt ist vor der Erlösung durch den Heiligen, der in dir heranwächst!“

Maria ruft nun unter Tränen, die wie Perlen aus den Augen zum lächelnden Mund herabfliessen, und mit zum Himmel erhobenem Blick und Händen, in einer Körperhaltung, die später so oft ihr Jesus annehmen wird: „Hochpreise meine Seele den Herrn“, und fährt fort mit dem Lobgesang, so wie er uns überliefert ist. Zum Schluss, beim Vers: „Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen usw.“, kreuzt sie die Hände über der Brust und verneigt sich bis zur Erde, in die Anbetung Gottes versunken.

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band I von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


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Der Lobgesang Marias: Magnificat

Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und läßt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,
das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

3. Juni: Fronleichnam – Hochfest des Leibes und Blutes Christi

03/06/2010

“Die Heilige Messe wiederholt die drei wichtigsten Punkte meines Lebens.”

18. Mai 1944

Jesus sagt:

“ (…) Mein Blut hört nicht auf, sich auf die Erde zu ergießen. Schon zwanzig Jahrhunderte erglänzt es als Zeugnis der Liebe vor der Schöpfung und fällt wie Tau überall dorthin, wo ein Kreuz steht und sagt: „Hier ist Christi Territorium“.

Die Engel eines jeden Gläubigen, ja, die jedes Menschen, der den Namen „Christ“ trägt, tun nichts anderes als zwischen Himmel und Erde einher zu eilen, um für jeden ihrer Schutzbefohlenen aus den göttlichen Schatzkammern zu schöpfen. Aber das macht nicht das ganze Wirken der Engel aus. denn auch das übrige ungezählte Engelvolk betet auf ewige Anordnung für die Nichtchristen an, die nicht den wahren Gott verehren, und fleht mein Göttliches Blut an, sich auf alle Geschöpfe zu ergießen, damit Es von diesen angebetet wird.

Die Engel der Gerechten beten frohlockend an, vereint mit den Seelen derer, die schon auf Erden die ewige Anbetung vorwegnehmen. Die Engel der Nichtchristen beten hoffend an; sie hoffen, im Zeichen des Kreuzes deren Beschützer werden zu können. Die Engel der Sünder, die nicht mehr Gotteskinder sind, beten weinend an. Und weinend flehen sie das göttliche Blut an, es möge jene Herzen durch seine Kraft erlösen. Und schließlich beten die Engel alle auf der Erde verstreuten Kirchen an, indem sie das in jeder hl. Messe Mir zum Gedächtnis erhobene Blut zu Gott tragen.

In unaufhörlichem Rhythmus fließt das Kostbare Blut herab und steigt wieder zum Himmel hinauf. Es gibt keinen Augenblick des Tages, in dem nicht Mein Blut zu Gott hinaufsteigt und in dem es nicht von Gottes Thron auf die Erde herabfließt.

Darüber hast du niemals nachgedacht, Maria. Die hl. Messe wiederholt die drei wichtigsten Punkte Meines Lebens als Jesus Christus, das Fleischgewordene Wort Gottes.


Simone Martini

Wenn in der Wandlung die Gestalten Fleisch und Blut werden, inkarniere Ich Mich wie damals. Nicht im Schoss der hl. Jungfrau. Aber in den Händen eines Jungfräulichen. Deshalb sollen Meine Priester von engelgleicher Jungfräulichkeit sein. Wehe den Entweihern (Profanierern), die mit von fleischlicher Verunreinigung besudeltem Körper den Leib Gottes berühren!

Wenn nämlich euer Körper der Tempel des Heiligen Geistes ist und deshalb heilig und keusch gehalten werden soll, so muss der Körper des Priesters, auf dessen Befehl hin Ich vom Himmel herabsteige, um göttliches Fleisch und Blut zu werden, und Mich wie in eine Wiege in seine Hände lege, reiner als eine Lilie sein. Und mit dem Körper der Sinn, das Herz und die Zunge.

In der Erhebung (der hl. Gestalten) geschieht die Kreuzigung. „Wenn ich erhöht sein werde, werde ich alles an mich ziehen“ (vgl. Joh 12,32), und wenn Ich von einem Altar erhoben werde, ziehe Ich alle Herzschläge der Anwesenden, alle ihre Bedürfnisse, alle ihre Schmerzen, alle ihre Gebete an Mich und stelle Mich so dem himmlischen Vater vor und sage: „Hier bin Ich, der von der Liebe Verzehrte bittet Dich, Vater, diesen ‚Meinen‘ alles zu gewähren, denn Ich habe für sie alles hingegeben“.

Und wenn das Opfer mit dem Verzehr der hl. Gestalten beendet wird, dann kehre Ich zu Meinem Vater zurück und sage euch wie am Morgen der Himmelfahrt: „Ich segne euch. Ich bleibe bei euch bis ans Ende der Welt“.

Aus Liebe nehme Ich Fleisch an, aus Liebe verzehre Ich Mich, aus Liebe fahre Ich zum Himmel auf. Um zu euren Gunsten zu beten. Immer ist es die Göttliche Liebe, die in allen Meinen Werken vorherrscht. (…)“

Diktat Jesu an Maria Valtorta am 18. Mai 1944. Auszug aus „Die Hefte 1944“ , veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Das Brot, das Gott ist und der Wein, der Blut ist“

„Das Brot, das Gott ist und der Wein, der Blut ist“

16/05/2010

(zum Sonntags-Evangelium vom 16. Mai 2010: Joh 17,20-26)

„Nun glaubt ihr? In der letzten Stunde? Seit drei Jahren spreche ich zu euch! Aber in euch wirkt schon das Brot, das Gott ist und der Wein, der Blut ist und nicht vom Menschen stammt. Sie verleihen euch den ersten Schauer der Vergöttlichung. Wenn ihr ausdauernd in meiner Liebe seid und mich immer besitzt, werdet ihr zu Göttern.

Nicht wie Satan es Adam und Eva versprach, sondern wie ich es euch sage. Es ist dies die wahre Frucht vom Baum des Guten und des Lebens. Das Böse ist besiegt in dem, der sich davon nährt und der Tod ist überwunden. Wer davon ißt, wird ewig leben und „Gott“ im Reich Gottes werden. Ihr werdet Götter sein, wenn ihr in mir bleibt. Und doch… obwohl ihr dieses Brot und dieses Blut in euch habt – denn die Stunde naht, da ihr zerstreut werdet – werdet ihr eures Weges gehen und mich alleinlassen…

Aber ich bin nicht allein. Ich habe den Vater bei mir. Vater! Vater! Verlaß mich nicht! Ich habe euch alles gesagt… Um euch den Frieden zu geben. Meinen Frieden. Noch werdet ihr betrübt sein. Doch glaubt mir. Ich habe die Welt überwunden.“

Jesus erhebt sich, öffnet weit die Arme und spricht mit leuchtendem Antlitz das erhabene, an den Vater gerichtete Gebet. Johannes gibt es uns wortwörtlich wieder.

Rio de Janeiro - Foto: Welch14

Die Apostel weinen mehr oder weniger laut und offen. Zuletzt singen sie ein Loblied.

Jesus segnet sie. Dann gebietet er: „Wir wollen jetzt die Mäntel anlegen und gehen. Andreas, sage dem Hausherrn, daß er alles so lassen soll. Das ist mein Wille. Morgen… werdet ihr euch freuen, diesen Ort wiederzusehen.“  Jesus betrachtet ihn. Er scheint die Wände, die Möbel, alles zu segnen. Dann hüllt er sich in seinen Mantel und geht, gefolgt von den Aposteln und Johannes an seiner Seite, auf den er sich stützt.

„Grüßt du deine Mutter nicht?“ fragt ihn der Sohn des Zebedäus.

„Nein. Es ist schon alles geschehen. Macht keinen Lärm.“

Simon, der eine Fackel an der Lampe entzündet hat, leuchtet voran im weiten Korridor, der zur Tür führt. Petrus öffnet vorsichtig das Haustor. Sie gehen auf die Straße hinaus und riegeln durch eine Vorrichtung von außen zu. Dann machen sie sich auf den Weg.

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. XI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Das Hohepriesterliche Gebet Jesu (Johannes 17,1-26):

Dies sagte Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.

Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.

Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt. Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.

Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.Aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.

Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt.

Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.

„Die Heilige Messe wiederholt die drei wichtigsten Punkte Meines Lebens“