Posts Tagged ‘ewiges Leben’

„Selig, selig, selig die, welche wahrhaftig an Mich zu glauben wissen. Immerdar.“

15/09/2012

zum Evangelium vom 16. September 2012: Mk 8,27-35

28. September [1943]

Jesus sagt:

„Ein Beispiel begrenzten Glaubens und der Folgen davon haben wir in Petrus.

Petrus hatte in der Schwerfälligkeit seines Seins Mein Wort noch nicht vollständig angenommen. Das Feuer des Heiligen Geistes hatte ihn noch nicht entzündet und Meine Hinopferung ihn noch nicht gestärkt, wie das mit ihm und mit allen geschehen sollte – Ich liebte ihn nämlich sehr, Meinen großzügigen, impulsiven, aber auch so menschlichen Petrus, in dem so viele gute Anlagen, aber auch so viel Menschliches war: ein wahres Muster des menschlich guten Menschen, der um heilig zu werden, seine Güte in die göttliche Güte einzupfropfen hatte. Gerade seine große Liebe zu Mir – und diese hat ihn schließlich von jeder Schuld reingewaschen – führte ihn dazu, jene Mir aufgesparten blutigen Wahrheiten, die Ich angekündigt hatte, zurückzuweisen.

„Herr, das sei ferne von dir“, hatte er einmal gesagt. Und wenn er es auch nach Meinem Tadel nicht mehr wiederholte, in seinem Herzensgrund lehnte er sich gegen die Vorstellung auf, dass seinem Herrn ein so grausames Los beschieden sein sollte und dass das Reich seines Königs den Gipfel eines Berges als Palast und ein Kreuz als Thron haben sollte.

Johannes, der reine und liebende Gläubige blieb treu. Petrus, der nur jene Wahrheiten der göttlichen Wahrheit annehmen wollte, die seinen noch allzu sehr mit dem Fleisch verquickten Geist begeisterten, verleugnete Mich. Seine Schuld in jener Stunde war mangelnde Tapferkeit und fehlender Glaube.

Wenn er ganz treu an Mich geglaubt hätte, hätte er verstanden, dass sein Meister niemals so sehr König, Meister und Herr war, wie in jener Stunde, in der er ein gewöhnlicher Verbrecher zu sein schien.

Ich habe also den Höhepunkt des Lehrens dadurch erreicht, dass Ich nicht eine Theorie lehrte, sondern diese zu einer echten Tat machte. 

Da habe Ich die Herrschaft über alle, die vor Mir waren, die waren und die noch sein würden, angetreten, und habe Mich in Purpur und Krone gekleidet, wie Ich glänzendere nicht hätte annehmen können, denn ersterer bestand aus Gottes eigenem Blut und letztere war das Zeugnis dafür, mit welcher Kraft Gott euch liebte, Gott, der den Martertod stirbt, um den Menschen die ewigen Martyrien zu ersparen.

Da habe Ich voll und ganz Meine Investitur als Herr des Himmels und der Erde wieder an Mich genommen, denn nur der Herr des Himmels konnte dem Herrn und Gott Genugtuung leisten, und nur der Herr der Erde konnte die Schuld der Erde tilgen; als Herr über Leben und Tod, denn Ich habe dem Leben geboten, in euch zurückzukehren und dem Tod, nicht mehr umzubringen. Ich spreche von dem geistigen Leben und dem geistigen Tod, denn in Meinen Augen hat nur das, was Geist ist, Wert. 

Selig, selig, selig die, welche wahrhaftig an Mich zu glauben wissen. Immerdar. Was auch immer geschehe, und in welchem Licht es sich zeige. Auch wenn etwas sich wie eine rauhe, schwarze Mauer vor euch auftürmt, um eure Seele zu ängstigen, dann denkt immer, dass hinter diesem kurzfristigen Hindernis immer unwandelbar Gott, Sein Licht, Seine Wahrheit stehen, die unwandelbar zu eurem Heil wirken.

Haltet das mit eurem ganzen Herzen und eurem ganzen Sinn fest, dann versteht ihr als Meine wahren Jünger zu handeln. Und wenn ihr so handelt, werdet ihr die göttliche Wahrheit besitzen. Und die göttliche Wahrheit, die als Leben im Mittelpunkt eures Daseins steht, wird euch in das ewige Leben führen.“

Auszug aus “Die Hefte 1943″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

„Weiche von Mir…!“

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Die Rede über das Himmelsbrot: „Ich bin das Brot des ewigen Lebens“ (3)

25/08/2012

zum Evangelium vom 26. August 2012: Johannes 6,60-69

„Aber dieser ist ja wahnsinnig! Wer kann denn auf solche Weise leben? In unserer Religion ist es nur der Priester, der rein sein muss, um das Opfer darzubringen. Dieser hier aber will aus uns lauter Opfer seines Wahnsinns machen. Seine Lehre ist zu mühselig und diese Sprache ist zu hart! Wer kann sie anhören und sie verwirklichen?“ flüstern mehrere Anwesende, und viele von diesen gelten bereits als seine Jünger.

Das Volk geht diskutierend weg und die Anzahl der Jünger scheint sich sehr verringert zu haben, als in der Synagoge nur noch der Meister und seine Getreuesten zurückbleiben. Ich zähle sie nicht, aber ich kann sagen, dass es grob geschätzt kaum mehr als hundert sind. Auch in den Reihen der alten Jünger, die schon im Dienste Gottes standen, muss der Abfall bedeutend gewesen sein. Unter den Übriggebliebenen sind die Apostel, der Priester Johannes und der Schriftgelehrte Johannes, Stephanus, Hermas, Timoneus, Ermastheus, Agapus, Joseph, Salomon, Abel von Bethlehem in Galiläa und Abel, der frühere Aussätzige von Chorazim mit seinem Freund Samuel, Elias (jener, der das Begräbnis seines Vaters der Nachfolge Jesu hintangestellt hatte), Philippus von Arbela, Aser und Ismael von Nazareth. Ferner sind hier noch andere, deren Namen ich nicht kenne. Sie alle reden leise miteinander und machen Bemerkungen über den Abfall der vielen und über die Worte Jesu, der nachdenklich mit verschränkten Armen dasteht und sich an ein hohes Lesepult lehnt.

„Ihr nehmt Anstoß an dem, was ich gesagt habe? Und wenn ich euch sagen würde, dass ihr eines Tages den Menschensohn zum Himmel, wo er zuvor gewesen ist, auffahren und ihn zur Rechten des Vaters sitzen sehen werdet? Was habt ihr denn bis zu dieser Stunde verstanden, aufgenommen und geglaubt? Und womit habt ihr gehört und aufgenommen? Nur mit eurer Menschheit? Der Geist ist es, der lebendig macht und Wert hat. Das Fleisch nützt zu nichts. Meine Worte sind Geist und Leben und müssen mit dem Geist angehört und verstanden werden, um durch sie das Leben zu erlangen. Aber viele sind unter euch, deren Geist abgestorben ist, weil er ohne Glaube ist. Viele von euch glauben nicht wahrhaft, und so folgen sie mir vergeblich. Sie werden nicht das ewige Leben, sondern den Tod ernten. Denn wie ich schon im Anfang gesagt habe, sind sie entweder aus Neugierde, aus menschlichem Interesse, was noch schlimmer ist, oder aus noch viel unwürdigeren Absichten hier.

Sie sind nicht vom Vater hergeführt worden als Belohnung für ihren guten Willen, sondern vom Satan. Wahrlich, niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht von meinem Vater gewährt wird. Geht nur, ihr, da es euch schwer fällt, bei mir zu bleiben und ihr euch nur schämt, mich zu verlassen; die ihr euch aber andererseits noch mehr schämt, weil ihr im Dienste eines Meisters steht, der euch „verrückt und hart“ vorkommt. Geht! Besser ist es, ihr seid weit weg, als dass ihr hier bleibt, um zu schaden!“

Viele weitere Jünger ziehen sich zurück, unter ihnen der Schriftgelehrte Johannes und Markus, der einst besessene Gerasener, der geheilt wurde, nachdem die Dämonen in Schweine gefahren waren. Die guten Jünger beraten sich und laufen hinter diesen Treubrüchigen her, um sie zurückzuhalten. In der Synagoge sind jetzt Jesus, der Synagogenvorsteher und die Apostel…

Jesus wendet sich an die Zwölf, die niedergeschlagen in einer Ecke stehen, und fragt ohne Bitterkeit und Traurigkeit, doch sehr ernst: „Wollt auch ihr gehen?“

Petrus antwortet ihm in einem schmerzlichen Ausbruch: „Herr, wohin sollen wir gehen? Zu wem? Du bist unser Leben und unsere Liebe. Nur du hast Worte des ewigen Lebens. Wir haben erkannt, dass du Christus, der Sohn Gottes, bist. Wenn du willst, jage uns fort. Aber von uns aus werden wir dich nicht verlassen, selbst… selbst, wenn du uns nicht mehr lieben würdest…“ Und Petrus weint lautlos viele Tränen… Auch Andreas, Johannes und die beiden Söhne des Alphäus weinen ohne es zu verbergen, und die anderen, bleich oder rot vor Erregung weinen nicht, leiden jedoch sichtlich.

„Warum sollte ich euch fortjagen? Habe ich euch Zwölft nicht selbst erwählt…?“

Jairus hat sich klugerweise zurückgezogen, um Jesus die Freiheit zu lassen, seine Apostel zu trösten oder zu tadeln. Jesus, der den schweigenden Rückzug bemerkt hat, sagt, indem er sich bedrückt niedersetzt, als ob die Offenbarung seine Kräfte übersteigen würde, müde, angeekelt und schmerzvoll: „Und doch ist einer unter euch ein Dämon.“

Auszug aus “Der Gottmensch″, Bd. VI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

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Die Rede über das Himmelsbrot: „Ich bin das Brot des ewigen Lebens“ (1)

11/08/2012

zum Evangelium vom 12. August 2012: Johannes 6,41-51

„… In mir sind alle Schätze Gottes, und mir ist alles auf Erden gegeben. Daher sind in mir die glorreichen Himmel und die streitende Erde vereinigt, und sogar die leidenden, wartenden Seelen der in der Gnade Gottes Verschiedenen sind in mir, denn in mir und bei mir ist alle Gewalt. Ich sage es euch: Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen, und ich verjage den nicht, der zu mir kommt; denn ich bin vom Himmel herabgestiegen, nicht um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Der Wille meines Vaters aber, der mich gesandt hat, ist dieser: dass ich nicht einen einzigen von denen verliere, die er mir gegeben hat, sondern sie auferwecke am Jüngsten Tag. Nun will der Vater, der mich gesandt hat, dass wer immer den Sohn kennt und an ihn glaubt, das ewige Leben habe und am Jüngsten Tag von mir auferweckt werde, wenn ich ihn genährt sehe vom Glauben an mich und gezeichnet mit meinem Siegel.“

Ein Murmeln geht durch die Menge in und außerhalb der Synagoge wegen der neuen und gewagten Worte des Meisters. Dieser wendet, nachdem er einen Augenblick Atem geschöpft hat, seine vor Verzückung leuchtenden Augen dorthin, wo das Murmeln am stärksten ist, also zu den Gruppen, in denen sich die Judäer befinden. Dann fährt er fort zu reden.

„Warum murrt ihr unter euch? Ja, ich bin der Sohn Marias von Nazareth, der Tochter Joachims aus dem Geschlechte Davids, der im Tempel geweihten Jungfrau, die sich dann mit Joseph des Jakobus aus dem Geschlecht Davids vermählte. Viele von euch haben die Gerechten gekannt, die Joseph, dem königlichen Zimmermann, und Maria, der jungfräulichen Erbtochter aus königlichem Geschlecht, das Leben schenkten, und dies veranlasst euch zu sagen: „Wie kann dieser behaupten, er sei vom Himmel herabgestiegen?“ und Zweifel steigen in euch auf.

Ich erinnere euch an die Propheten, an ihre Weissagungen über die Menschwerdung des Wortes, und daran, dass für uns Israeliten mehr als für jedes andere Volk feststeht, dass der, den wir nicht zu nennen wagen, nicht nach den Gesetzen der Menschheit, und noch dazu einer gefallenen Menschheit, Fleisch werden konnte. Der Reinste, der Unerschaffene, der sich aus Liebe zu den Menschen dazu erniedrigt hat, Menschengestalt anzunehmen, konnte nur den Schoß einer Jungfrau wählen, die keuscher war als Lilien, um seine Gottheit mit Fleisch zu umhüllen. Das zur Zeit des Moses vom Himmel herabgekommene Brot wurde aufbewahrt in der goldenen Schublade, bedeckt mit der Versöhnungsplatte und bewacht von Cherubim, hinter den Vorhängen des Bundeszeltes. Mit dem Brot war auch das Wort Gottes dort. Es war gerecht, dass es so war, denn höchste Achtung gebührt den Gaben Gottes und den Tafeln seines heiligsten Wortes. Aber was wird Gott erst für sein eigenes Wort und das wahre Brot, das vom Himmel gekommen ist, vorbereitet haben? Eine viel unversehrtere und kostbarere Lade als die goldene Bundeslade, bedeckt mit dem kostbaren Mantel ihrer keuschen Opferbereitschaft, behütet von den Cherubim Gottes, umhüllt vom Schleier jungfräulicher Reinheit, von vollkommener Demut, erhabener Liebe und allen heiligsten Tugenden.

Also? Habt ihr noch nicht verstanden, dass mein Vater im Himmel ist, und dass ich daher von dort komme? Ja, ich bin vom Himmel herabgestiegen, um den Beschluss meines Vaters zu erfüllen, den Beschluss zur Rettung der Menschen, gemäß seinem Versprechen im Augenblick der Verurteilung, das er den Patriarchen und Propheten wiederholte. Aber das ist Glaubenssache, und der Glaube wird von Gott nur dem gegeben, der guten Willens ist. Daher kann niemand zu mir kommen, wenn ihn mein Vater nicht zu mir führt, da er ihn in der Finsternis sieht, jedoch mit dem sehnlichsten Verlangen nach Licht. Bei den Propheten heisst es: „Sie werden alle belehrt werden von Gott.“ Das ist es! Gott zeigt ihnen, wohin sie gehen sollen, um von Gott unterrichtet zu werden. Wer immer also in der Tiefe seines Herzens Gottes Stimme hören konnte, hat vom Vater gelernt, zu mir zu kommen.“

„Und wer hat Gott gehört und sein Antlitz gesehen?“ fragen einige, die bereits Anzeichen von Gereiztheit und Ärgernis geben, und fügen hinzu: „Entweder bist du in einem Wahn befangen oder du bist ein Träumer.“

„Niemand hat Gott geschaut, außer dem, der von Gott kommt: dieser hat den Vater gesehen, und ich bin es! Nun hört das Glaubensbekenntnis vom künftigen Leben, ohne das niemand selig werden kann.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ich bin das Brot des ewigen Lebens.

Eure Väter verzehrten das Manna in der Wüste und sind gestorben, denn das Manna war wohl eine heilige, jedoch zeitliche Speise und gab das Leben, dessen sie bedurften, um in das von Gott seinem Volke verheissene Land zu gelangen. Aber das Manna, das ich bin, wird weder Grenzen der Zeit noch der Macht haben. Nicht nur himmlisch, sondern göttlich ist es, und bewirkt, was göttlich ist: die Unverweslichkeit, die Unsterblichkeit dessen, den Gott nach seinem Ebenbild erschaffen hat. Dieses göttliche Brot wird nicht nur vierzig Tage, vierzig Monate, vierzig Jahre oder vierzig Jahrhunderte, sondern so lange dauern, als die Zeiten dauern, und es wird allen gegeben werden, die heiligen und dem Herrn wohlgefälligen Hunger haben. Frohlocken wird der Herr darüber, sich grenzenlos den Menschen hinzugeben, für die er Fleisch geworden ist, auf dass sie das ewige Leben erlangen, das unsterbliche Leben.

Ich kann mich verschenken, ich kann mich verwandeln aus Liebe zu den Menschen, damit das Brot Fleisch und das Fleisch Brot werde für den geistigen Hunger der Menschen, die ohne diese Nahrung an Hunger und geistigen Krankheiten sterben würden. Wenn jemand würdig von diesem Brot isst, wird er ewig leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, geopfert für das Leben der Welt; es wird meine Liebe sein, ausgegossen in den Gotteshäusern, auf dass alle, die sich nach Liebe sehnen oder unglücklich sind, zum Tisch des Herrn kommen und Erquickung finden in ihrem Verlangen, sich mit Gott zu vereinen, und Trost in ihrem Leiden.“

Auszug aus “Der Gottmensch″, Bd. VI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

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“Die Heilige Messe wiederholt die drei wichtigsten Punkte meines Lebens”

„Ich bin die Erlösung“

15/03/2012

zum Evangelium des 4. Fastensonntags 2012: Joh 3,14-21

„… Ich komme, um euch mit mir zu nehmen. Kommt! Wer an den Eingeborenen Sohn glaubt, wird nicht gerichtet. Er ist schon gerettet, denn der Sohn bittet den Vater und sagt: „Dieser liebt mich.“ Doch wer nicht glaubt, dem nützen heilige Werke nicht. Er ist schon gerichtet, denn er hat nicht an den Namen des Einen Sohnes Gottes geglaubt. Kennst du meinen Namen, Nikodemus?“

„Jesus.“

„Nein, Erlöser. Ich bin die Erlösung. Wer nicht an mich glaubt, lehnt sein Heil ab und ist von der Ewigen Gerechtigkeit gerichtet. Und das Urteil wird lauten: „Das Licht war dir gesandt worden, dir und der Welt, um für euch Rettung zu sein. Du und die anderen Menschen, ihr habt dem Licht die Finsternis vorgezogen, denn ihr habt die schlechten Werke, die euch zur Gewohnheit geworden sind, den guten vorgezogen. Er hat euch diese gezeigt, damit ihr heilig werdet. Ihr habt das Licht gehasst, denn die Übeltäter lieben die Finsternis für ihre Verbrechen, und ihr seid dem Lichte entflohen, damit es eure verborgenen Wunden nicht beleuchte.“ Das gilt nicht für dich, Nikodemus. Das ist die Wahrheit. Und die Strafe wird dem Urteil entsprechen, für den Einzelnen wie für die Gemeinschaft.

Was nun sie betrifft, die mich lieben und die die Wahrheiten, die ich lehre, in die Tat umsetzen und so zum zweiten Mal im Geist geboren werden – das ist die echtere Geburt -, sage ich dir, dass sie das Licht nicht scheuen, sondern sich ihm nähern, damit ihr Licht das Licht vermehre, von dem sie erleuchtet worden sind, in einer gegenseitigen Verherrlichung, die Gott in seinen Kindern und die Kinder im Vater beglückt.

Nein, die Kinder des Lichtes fürchten nicht, erleuchtet zu werden. Sie sagen vielmehr in ihrem Herzen und durch ihre Werke: „Nicht ich, sondern Er, der Vater, Er, der Sohn, und Er, der Heilige Geist, haben in mir das Gute vollbracht! Ihnen sei Ehre in Ewigkeit.“

Und vom Himmel antwortet der ewige Hymnus der Drei Personen, die sich in vollkommener Einheit lieben: „Du seist gesegnet in Ewigkeit, wahrer Sohn unseres Willens.“ Johannes, denke an diese Worte, wenn es an der Zeit sein wird, sie niederzuschreiben…

Nikodemus, bist du nun überzeugt?“

„Ja, Meister. Wann kann ich dich wieder sprechen?“

„Lazarus wird wissen, wohin er dich führen kann. Ich werde zu ihm gehen, bevor ich mich von hier entferne.“

„Ich gehe, Meister. Segne deinen Diener!“

„Mein Friede sei mit dir!“

Nikodemus geht mit Johannes hinaus.

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. II von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Ein Talent der Ewigkeitswährung

12/11/2011

zum Evangelium vom 13. November 2011: Mt 25,14-30

Hier erläutert Jesus das Gleichnis in den Heften 1944 von Maria Valtorta


Die Samariterin Fotinai

27/03/2011
(zum Sonntags-Evangelium vom 27. März 2011: Johannes 4,5-42)

„Ich bleibe hier. Geht in die Stadt und kauft, was wir für die Mahlzeit benötigen. Wir werden hier essen.“

„Sollen wir alle gehen?“

„Ja, Johannes. Es ist gut, wenn ihr alle miteinander geht.“

„Du bleibst allein?… Es sind Samariter…“

„Sie werden nicht die Schlimmsten unter den Feinden Christi sein. Geht, geht nur. Während ich hier auf euch warte, will ich für euch und für sie beten.“

Die Jünger gehen schweren Herzens davon; drei- oder viermal drehen sie sich nach Jesus um und betrachten ihn, wie er auf einem kleinen sonnenbeschienenen Mäuerchen sitzt, das sich in der Nähe des breiten, niedrigen Randes eines Brunnens befindet; eines großen Brunnens, fast einer Zisterne gleich, so breit ist er. Im Sommer ist er von den großen, jetzt kahlen Bäumen beschattet. Das Wasser des Brunnens kann man nicht sehen, doch zeigen kleine Pfützen und Abdrücke der abgestellten Krüge auf dem Erdboden rundherum, dass Wasser geschöpft worden ist. Jesus ist in seine Gedanken vertieft. Er hat die gewohnte Haltung angenommen: die Ellbogen auf die Knie gestützt und die nach vorne gerichteten Hände gefaltet, den Oberkörper leicht gebeugt und das Haupt zur Erde geneigt. Er spürt die wärmende Sonne und lässt den Mantel vom Kopf und den Schultern gleiten, hält ihn aber doch zusammengefaltet auf seinem Schoß.


Jesus hebt das Haupt und lächelt einer Schar rauflustiger Spatzen zu, die sich um eine am Brunnen verlorene Brotkrume streiten. Doch die Spatzen werden durch das Erscheinen einer Frau aufgeschreckt und fliegen davon. Die Frau hält mit der linken Hand einen leeren Krug am Henkel, während sie mit der rechten überrascht den Schleier zur Seite schiebt, um zu sehen, wer der Mann ist, der dort sitzt. Jesus lächelt der Frau zu, die um die 35-40 Jahre alt und hochgewachsen ist und markante, doch schöne Gesichtszüge hat. Ein Menschenschlag, den wir als spanisch bezeichnen möchten, wegen ihrer fahlen, olivfarbenen Haut, den gewölbten und leuchtenden Lippen, ihren geradezu übermäßig großen und schwarzen Augen unter den sehr dichten Augenbrauen und den rabenschwarzen Zöpfen, die durch den leichten Schleier hindurchscheinen. Auch die etwas üppigen Körperformen sind typisch orientalisch, wie bei den Araberinnen.

Die Frau trägt ein buntgestreiftes Kleid, welches in der Taille eng zusammengezogen ist und an den molligen Hüften und der vollen Brust eng anliegt und dann in einer Art loser Falten bis zum Boden reicht. Viele Ringe und Armbänder schmücken ihre fleischigen, braunen Hände, und unter den leinenen Unterärmeln kommen ihre mit Armbändern geschmückten Handgelenke hervor. Am Halse trägt sie eine schwere Kette, von der Medaillen, ich möchte fast sagen Amulette, da sie so verschiedenförmig sind, herabhängen, während der reiche Ohrschmuck bis zum Halse reicht und unter dem Schleier glitzert.

„Der Friede sei mit dir, Frau. Willst du mir zu trinken geben? Ich habe einen weiten Weg hinter mir und bin durstig.“

„Aber bist denn nicht ein Jude? Und du bittest mich, eine Samariterin, um Wasser? Was soll denn das bedeuten? Ist unsere Ehre wieder hergestellt, oder seid ihr gar in Verfall geraten? Es muss schon ein großes Ereignis stattgefunden haben, wenn ein Jude höflich zu einer Samariterin spricht. Eigentlich sollte ich dir antworten: ‚Ich gebe dir nichts, um an dir alle Beleidigungen zu rächen, die uns die Juden seit Jahrhunderten zufügen.‘ „

„Du hast recht. Etwas Großes hat sich ereignet, und dadurch haben sich viele Dinge geändert, und mehr noch: werden sich ändern. Gott hat der Welt ein großes Geschenk gemacht, und dadurch hat sich vieles geändert. Wenn du dieses Geschenk kennen würdest und wüsstest, wer zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken‘, dann hättest du ihn vielleicht selbst um Wasser gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“

„Lebendiges Wasser gibt es in unterirdischen Quellen. In diesem Brunnen ist solches, doch er gehört uns“, entgegnet die Frau spöttisch und rechthaberisch.

„Das Wasser kommt von Gott, so wie auch die Güte, das Leben und alles von einem einzigen Gott kommt, Frau. Alle Menschen sind von Gott erschaffen worden: Samariter wie Juden. Ist dies nicht der Brunnen Jakobs, und ist Jakob nicht der Stammvater unseres Geschlechtes? (*) Wenn später ein Irrtum das Volk geteilt hat, so bleibt der Ursprung doch derselbe.“

„Ein Irrtum unsererseits, nicht wahr?“ fragt die Frau herausfordernd.

„Weder unsererseits noch eurerseits. Es war der Fehler eines Menschen, der Liebe und Gerechtigkeit aus den Augen verloren hatte. Ich beleidige weder dich noch dein Geschlecht, warum verhältst du dich also feindselig mir gegenüber?“

„Du bist der erste Jude, den ich so reden höre. Die anderen… Der Brunnen, ja, es ist der Brunnen Jakobs, und er hat so reichlich klares Wasser, dass wir von Sichar ihn allen anderen Brunnen vorziehen. Doch er ist sehr tief, und du hast weder Krug noch einen Schlauch. Wie könntest du für mich lebendiges Wasser schöpfen? Bist du vielleicht mehr als Jakob, unser heiliger Patriarch, der diese reiche Quelle für sich, seine Kinder und seine Herden gefunden und sie uns als Geschenk und zu seinem Gedächtnis hinterlassen hat?“

„Das stimmt! Doch wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen. Ich hingegen habe ein Wasser, das bei dem, der es trinkt, keinen Durst mehr aufkommen lässt. Doch es gehört mir allein. Und ich werde es denen geben, die mich darum bitten. Wahrlich, ich sage dir, wer dieses Wasser besitzt, das ich ihm geben werde, wird immer von ihm durchströmt werden und nie mehr Durst leiden, weil mein Wasser in ihm zur sicheren ewigen Quelle werden wird.“


„Wie? Ich verstehe dich nicht. Bist du ein Magier? Wie kann ein Mensch zu einem Brunnen werden? Das Kamel trinkt und schafft sich Wasservorräte in seinem geräumigen Bauch. Doch dann verbraucht es das Wasser, und es genügt nicht für das ganze Leben. Du aber sagst, dass dein Wasser für das ganze Leben reicht?“

„Mehr noch: es wird bis zum ewigen Leben fliessen. Es wird in denen, die es getrunken haben, bis zum ewigen Leben fliessen und aus ihm wird ewiges Leben spriessen, weil es eine Quelle des Heils ist.“

„Gib mir von diesem Wasser, wenn du es wirklich besitzest. Es ermüdet mich, bis hierher zu kommen. Ich werde so keinen Durst mehr haben und werde nie krank oder alt werden.“

„Nur das ermüdet dich? Nichts anderes? Hast du nur das Bedürfnis, für deinen armseligen Leib von diesem Wasser zu schöpfen? Überlege, es gibt etwas, das mehr wert ist als der Körper. Es ist die Seele. Jakob gab sich und den Seinen nicht nur das Wasser dieser Erde, sondern er war auch darum besorgt, sich und den anderen die Heiligkeit, nämlich das Wasser Gottes, zu vermitteln.“

„Ihr nennt uns Heiden… Wenn das, was ihr sagt, wahr ist, dann können wir nicht heilig sein…“ Die Frau hat den unverschämten, ironischen Ton in der Stimme verloren und zeigt sich nun unterwürfig und leicht verwirrt.

„Auch ein Heide kann tugendhaft sein, und Gott, der gerecht ist, wird ihn für seine guten Werke belohnen. Es wird keine vollkommene Belohnung sein, doch kann ich dir sagen, dass Gott auf einen Heiden ohne Schuld mit weniger Strenge blickt als auf einen Gläubigen in schwerer Schuld. Warum kommt ihr also nicht zum wahren Gott, wenn ihr doch wisst, dass ihr ohne Schuld seid? Wie heißest du?“

„Fotinai.“

„Gut, Fotinai, antworte mir. Schmerzt es dich, dass du nicht zur Heiligkeit streben kannst, weil du, wie du sagst, Heidin bist, weil du, wie ich behaupte, noch immer von den Nebeln eines alten Irrtums umgeben bist?“

„Ja, es schmerzt mich.“

„Warum lebst du dann nicht wenigstens als tugendhafte Heidin?“

„Herr!…“

„Ja. Kannst du es leugnen? Hole deinen Mann und komme mit ihm hierher zurück.“

„Ich habe keinen Gatten…“ Die Frau wird immer verwirrter.

„Das stimmt, du hast keinen Gatten. Fünf Männer hast du gehabt, und nun hast du einen bei dir, der nicht dein Mann ist. War dies nötig? Auch deine Religion rät nicht zur Unzucht. Auch ihr habt die zehn Gebote. Warum also führst du ein solches Leben, Fotinai? Belastet es dich nicht, allen zu gehören, anstatt die ehrsame Gattin eines einzigen zu sein? Fürchtest du nicht deinen Lebensabend, an dem du allein mit deinen schmerzlichen Erinnerungen sein wirst, mit deinen Ängsten, mit deinem Bedauern? Ja, auch mit diesem: Angst vor Gott und den Schreckensbildern! Wo sind deine Kinder?“

Die Frau senkt ihr Haupt tief und schweigt.

„Du hast sie nicht auf dieser Erde, aber ihre kleinen Seelen, denen du es verwehrt hast, das Licht der Welt zu erblicken, werden dich ohne Unterlass anklagen. Schmuck, schöne Kleider… ein prächtiges Haus… eine reichhaltige Tafel… Ja! Aber daneben Leere, Tränen und innere Trostlosigkeit. Du bist ein unglücklicher Mensch, Fotinai. Nur durch aufrichtige Reue, die Vergebung Gottes und mit ihr auch die Verzeihung deiner Geschöpfe kannst du wieder reich werden.“

„Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist und ich schäme mich…“

„Doch vor dem Vater im Himmel hast du dich nicht geschämt, als du Böses tatest? Weine nicht aus Beschämung vor den Menschen… Komm her, neben mich, Fotinai, ich werde dir von Gott erzählen. Vielleicht wusstest du zu wenig von ihm, und sicherlich hast du deshalb so viele Fehler begangen. Wenn du den wahren Gott gekannt hättest, dann hättest du dich nicht so entwürdigt. Er hätte dir zugesprochen und dir geholfen…“


„Herr, unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet. Ihr sagt, dass man nur in Jerusalem anbeten soll. Doch du sagst, es gibt nur einen Gott. Hilf mir zu verstehen, wo und wie ich es tun soll…“

„Frau, glaube mir. Es naht die Stunde, da man den Vater weder auf dem Berge von Samaria noch in Jerusalem anbeten wird. Ihr betet den an, den ihr nicht kennt. Wir beten den an, den wir kennen, denn das Heil geht aus den Juden hervor. Erinnerst du dich an die Worte des Propheten? Doch es kommt die Stunde, vielmehr, sie hat schon begonnen, da die wahren Verehrer Gottes den Vater im Geiste und in der Wahrheit anbeten werden, und zwar nicht im alten, sondern nach einem neuen Ritus, bei dem es keine Opfertiere mehr geben wird, sondern das ewige Opfer, die sich im Feuer der Liebe verzehrende, unversehrte Opfergabe. Die Verehrung Gottes wird sich in diesem geistigen Reich in geistiger Weise vollziehen und von denen verstanden werden, welche fähig sind, Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Gott ist Geist. Wer ihn anbetet, muss ihn in geistiger Weise anbeten.“

„Du sprichst heilige Worte. Ich weiß, denn auch wir wissen einiges, dass die Ankunft des Messias bevorsteht. Er wird auch „Christus“ genannt. Er wird uns alles lehren, wenn er da ist. Hier in der Nähe lebt jener, den sie seinen Vorläufer nennen, und viele gehen zu ihm, um ihn anzuhören. Aber er ist so streng!… Du bist gütig… und die armseligen Menschen fürchten dich nicht. Ich glaube, dass Christus gütig sein wird. Sie nennen ihn den Friedensfürst.  Werden wir noch lange auf ihn warten müssen?“

„Ich habe dir gesagt, dass seine Zeit schon da ist.“

„Wie kannst du das wissen? Bist du vielleicht sein Jünger? Der Vorläufer hat viele Jünger. Auch Christus wird sie haben.“

„Ich, der ich zu dir spreche, bin Christus Jesus.“

„Du!… Oh!…“ Die Frau, die sich neben Jesus niedergelassen hatte, springt auf und will fliehen.

„Warum fliehst du, Frau?“

„Weil ich davor erschauere, bei dir zu verweilen. Du bist heilig…“

„Ich bin der Retter. Ich bin hierhergekommen – aus freiem Willen – da ich wußte, dass deine Seele des Umherirrens müde ist. Deine „Speise“ ekelt dich an… Ich bin gekommen, dir eine neue Speise zu geben, die Ekel und Überdruss von dir nehmen wird… Doch da kommen meine Jünger, die Brot für mich geholt haben. Doch ich bin schon gesättigt, da ich dir die ersten Brosamen deiner Erlösung geben konnte.“

Die Jünger werfen der Frau mehr oder weniger diskrete, verstohlene Blicke zu, doch keiner sagt ein Wort. Sie geht davon, ohne weiter an das Wasser und den Krug zu denken.

„Hier sind wir, Meister“, sagt Petrus. „Sie haben uns gut behandelt. Da sind Käse, frisches Brot, Oliven und Äpfel. Nimm, was du willst. Die Frau hat gut daran getan, den Krug zurückzulassen. Damit wird es schneller gehen als mit unseren kleinen Wasserbeuteln. Zuerst trinken wir, dann füllen wir sie auf. So brauchen wir die Samariter um nichts anderes zu bitten, nicht einmal darum, zu ihren Brunnen gehen zu dürfen. Isst du nicht? Ich wollte Fisch für dich kaufen, habe aber keinen gefunden. Vielleicht hättest du ihn vorgezogen. Du bist müde und bleich.“

„Ich habe eine Speise, die ihr nicht kennt. Sie wird mir als Nahrung dienen und mich sehr erquicken.“

Die Jünger schauen sich fragend an.

Jesus antwortet auf ihr stummes Fragen: „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und das Werk zu Ende zu führen, von dem er wünscht, dass ich es vollende. …“

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(*) S. Geschichte Jakobs in Gen 25,19-37,36; 45,16-50,14. Jakob, dem Gott den Namen Israel gab, wurde zum Oberhaupt des israelitischen Stammes. S. Gen 32,23-31. Er erwarb sich ein Grundstück bei Sichem, schlug dort sein Zelt auf und baute einen Altar. In der Genesis deutet nichts darauf hin, dass dort ein Brunnen war, es lässt sich jedoch vermuten, dass es einen gab, da Jakob sich dort während einiger Zeit niederliess. Sichem heißt auf Aramäisch Sichar.

Auszug aus “Der Gottmensch″ Band III von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


„Wehe den Hirten, die sich selbst weiden“

04/02/2011

28. Oktober [1943]

Jesus sagt:

„(…) Tochter, schreibe: „Wehe den Hirten, die sich selbst weiden“ (1). Seelenhirten und Menschenhirten, Meine Priester und die Oberhäupter der Nationen.

Die furchtbare Verantwortung, Verwalter von Menschenleben und von ewigen Menschenleben zu sein, kann nicht anders als in Heiligkeit und Gerechtigkeit wahrgenommen werden, nicht anders als wenn ihr in Meiner Heiligkeit und Meiner Gerechtigkeit verbleibt. Es gibt keine anderen. Ausserhalb Gottes und Seines Gesetzes gibt es keine beständige Ehrlichkeit in den Werken. Ihr könnt für einige Zeit an der Herrschaft bleiben, aber dann stürzt ihr und seid euer eigener und der Ruin der anderen.

Ihr entstellt eure Mission; ihr weidet euch selbst statt die anderen zu weiden. Ihr verausgabt euch nicht in der heiligen und anmutigen Aufgabe, die Seelen zu stärken und zu heilen, ihr, ihre ersten Hirten, und in der rechten und gesegneten Aufgabe, eure Untertanen zu schützen, ihr, ihre zweiten Hirten. Ihr habt sie verfolgt oder habt sie vernachlässigt. Ihr habt sie verurteilt oder habt sie umgebracht. O furchtbares Urteil, das euch erwartet!

Ich wiederhole es (2): die Verzweiflungen der Untertanen fallen auf die zurück, die diese hervorgerufen haben. Jede Verirrung, jeder Fluch auf den, der ihn auf dem Gewissen hat. Jede seelische Todesnot auf jene Priester, die nur lieblose Rigoristen zu sein verstehen.


Wehe, wehe, wehe euch Mächtigen! Aber sieben Mal wehe euch Priestern! Wenn die Ersteren eher den Leibern als den Seelen den Tod bringen, so seid ihr für den Tod der Seelen verantwortlich, angefangen von denen der Mächtigen, die ihr nicht zurückzuhalten versteht oder wenigstens nicht mit einem entschiedenen „Es ist dir nicht erlaubt“ zurückzuhalten sucht, die ihr sie durch eine verlogene Ehrerbietung ruhig ihr Böses wirken lasst; das ist Verrat an Christus.

Ich habe es euch gesagt: „Der gute Hirte gibt sein Leben hin für das seiner Schafe“. Ihr achtet darauf, das eure zu bewahren; und die Schafe, die grossen und die kleinen, haben sich als Beute der wilden Tiere verstreut und sind verendet, weil sie sich auf ungesunden Weiden ernährt haben.

Ihr müsst die Axt an den grossen schädlichen Baum zu setzen wissen, nicht aber das Risiko erwägen, ob dieser oder seine Ableger sich mit dem Messer gegen euch empören werden, um euch das Leben zu nehmen, sondern handeln, um das ewige Leben zu bewahren. Das tut ihr immer weniger, und der Niedergang verwüstet die Erde, und der Niedergang verwüstet die Geister. (…)“

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(1) Mit Bleistift angefügt: Vers 2.

(2) Schon in früheren Diktaten, besonders in denen vom 22. Juli und 5. August.

Auszug aus “Die Hefte 1943″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

1. November: Hochfest Allerheiligen

01/11/2010

„Die Gemeinschaft der Heiligen ist nicht auf die Glaubensbrüder beschränkt“

12. Januar [1944]

Jesus sagt:

(…) Aber wenn ihr „Kinder Gottes“ sein wollt, wahre Kinder, müsst ihr Liebe zu den im Geiste armen, für die im Geiste darbenden, für die im Geiste kranken, für die im Geiste unreinen Brüder haben. Erbärmlich sind ja die Götzendiener und notleidend die Schismatiker, krank die Sünder; unrein die von noch verhängnisvolleren Lehren abtrünnig gemachten als diejenigen der minderen christlichen Religionen, die zwar an Christus glauben, jedoch nicht Zweige des wahren Baumes sind, da sie nicht in Christus eingepfropfte Zweige, also wilde Schößlinge, die saure Frucht bringen, und der himmlischen Tischgemeinschaft nicht würdig sind. Die Güte Gottes beurteilt ja die Werke aller nach der Gerechtigkeit und gibt den „Guten“ ihren Lohn, denn das ist gerecht; dieser Lohn wird allerdings niemals so strahlend und voll sein wie der für die, welche wahre Kinder der wahren Kirche sind.

Viel wird dem vergeben, der viel liebt und auch als Angehöriger einer anderen Religion im Wahren zu sein glaubt. Aber da das Evangelium auch in den von Rom getrennten Ländern verkündet wird, wird auch viel von jenen Tauben verlangt werden, die die göttliche Stimme nicht hören und das göttliche Licht Jesu Christi nicht sehen wollten, das in Seiner Römisch-Apostolischen Kirche lebt.

Es steht euch Katholischen aber nicht zu, zu verurteilen. Ich habe gesagt: „Urteilt nicht“. (1) Ich habe gesagt: „Ziehe zuerst den Balken aus deinem Auge und dann den Splitter aus dem Auge des Bruders“. Viele Balken sind in euren Augen, o ihr katholischen Christen mit beschädigtem Glauben, mit allzu lauer Liebestätigkeit und den ganz verloschenen vier Kardinaltugenden. Viele. Allzu viele. Gebt Acht, dass euch nicht Götzendiener und Heiden in der Liebe Christi übertreffen und vor euch gelobt zu werden verdienen für ihren sicheren Glauben in der Religion ihrer Väter, für ihre Liebe zu dem ihnen bekannten Gott, für ihre tapfer gelebte Tugend.


Die Liebe reinigt auch das, das unrein und profan ist. Die Liebe hat Maria von Magdala (2) und Levi gereinigt. Wir können die nicht-katholischen Religionen mit diesen beiden im Evangelium genannten Erlösten, die durch ihre Liebe erlöst wurden, vergleichen. Ihr könnt glauben, Meine Kinder, dass die Anhänger dieser Religionen, die in der Gottesliebe leben, wie sie es gelehrt worden sind (Gott wird für den Irrtum ihrer Trennung von Rom allenfalls die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen), in Meinen Augen durch die in ihnen lebende Liebe gereinigt sind. Ich wiederhole: Sie werden danach gefragt werden, warum sie das von Rom gepredigte Evangelium nicht annehmen wollten; aber der Blick Gottes wird sich nicht von ihnen abwenden, da ihr unreiner Altar, der Altar ihres Geistes, durch ihre Liebe gereinigt erscheinen wird.

Haltet euch die Worte des hl. Petrus vor Augen: „Ich erkenne, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern in jeder Nation ist ihm der genehm, der ihn fürchtet und der Gerechtigkeit übt“. (3) Betrachtet also ohne geistige Überheblichkeit und Lieblosigkeit im Herzen die von Rom getrennten Brüder mit übernatürlichem Sinn und gießt eure tätige Liebe auf sie aus, um sie mit dem Rom Christi zu vereinen. Was auch immer ihr Irrtum sei.

Wenn ihr euch über Fleisch und Blut, über menschliches Denken erhoben haltet, können fleischliche und geistige Verbindungen euch nicht schaden, da ihr dann in Sphären lebt, in die keine Ansteckung vordringt. Bleibt in Mir. Ich bin die Verteidigung dessen, der in Mir lebt. Und gießt über alle jene Liebe aus, die ihr in Meinem Herzen für alle lebendig und allen als Lehrmeisterin findet.

Die Gemeinschaft der Heiligen ist nicht auf die Glaubensbrüder beschränkt. Sie ergießt sich über alle Lebenden, denn Ich bin es, der sie als Erster eingesetzt und ausgeübt hat, als Ich für alle Mein göttliches Blut vergossen habe.

Das Gebet für die von Mir Getrennten – für Schismen, Lehren, Sekten, Ungläubige – ist nichts anderes als Eifer für Meine Sache. Es ist nichts anderes als die Nachfolge eures Meisters, der sich keinen Schmerz ersparte, um die von Gott, dem himmlischen Vater getrennten Kinder zu Ihm zurückzubringen. (…)


(1) Vgl. Mt 7,1-5; Lk 6,37.41-42.

(2) Maria von Magdala, die in den valtortianischen Schriften mit der Sünderin identifiziert ist, der vergeben wird; vgl. Lk 7,36-50; Levi wurde bereits am 2. Januar erwähnt

(3) Vgl. Apg 10,34-35

Auszug aus “Die Hefte 1944“ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Ich und der Vater sind eins“

24/04/2010

(zum Sonntags-Evangelium vom 25. April 2010: Joh 10,27-30)

„… Meine Schafe kennen mich und werden mich kennen, und sie werden mir immer folgen, auch auf den Wegen des Blutes und des Schmerzes, die ich als erster gehe und die sie nach mir gehen werden. Die Wege, die die Seelen zur Weisheit führen. Die Wege, die das Blut und die Tränen der als Lehrer der Gerechtigkeit  Verfolgten lichtvoll machen, da sie sie von dem finsteren Rauch der Welt und Satans befreien, damit sie seien wie Sternenbahnen und alle führen, die den Weg, die Wahrheit und das Leben suchen und niemanden finden, der sie führt. Denn dies brauchen die Seelen: Einen, der sie zum Leben, zur Wahrheit und auf den richtigen Weg führt.

Gott ist erbarmungsvoll mit den Seelen, die suchen und nicht finden, nicht aus eigener Schuld, sondern wegen der Trägheit ihrer götzendienerischen Hirten. Gott erbarmt sich der Seelen, die sich selbst überlassen, umherirren und aufgefangen werden von Dienern Luzifers, die immer bereit sind, die Verirrten zu sammeln und Anhänger ihrer Lehren aus ihnen zu machen. Gott erbarmt sich derer, die der Täuschung nur anheimfallen, weil die Rabbis Gottes, die sogenannten Rabbis Gottes, sich nicht um sie kümmern. Gott erbarmt sich all dieser, die der Mutlosigkeit, der Finsternis, dem Tod anheimfallen durch die Schuld der falschen Meister, die von Meistern nichts haben als das Gewand und den Stolz, so genannt zu werden. Und wie er für sein Volk die Prophten gesandt hat, so wird er später, nach mir, für diese armen Seelen Diener des Wortes, der Wahrheit und der Liebe senden, damit sie meine Worte wiederholen. Denn meine Worte sind es, die das Leben geben.

Bernhard Plockhorst - Der Gute Hirte

So werden meine Schafe von heute und von morgen das Leben haben, das ich ihnen durch mein Wort gebe und das ewiges Leben für den ist, der es aufnimmt; und sie werden nie umkommen, und niemand wird sie meinen Händen entreissen können.“

„Wir haben nie die Worte des wahren Propheten abgelehnt. Wir haben immer Johannes, den letzten Propheten, anerkannt“, antwortet zornig ein Jude, und seine Gefährten stimmen ihm zu.

„Er ist zu früh gestorben, um sich bei euch unbeliebt zu machen und auch von euch verfolgt zu werden. Wenn er noch unter den Lebenden wäre, würde er sein ‚Es ist dir nicht erlaubt‘, das er angesichts der fleischlichen Blutschande sagte, auch euch entgegenschleudern, die ihr geistigen Ehebruch begeht, indem ihr mit Satan und gegen Gott Unzucht treibt; und ihr würdet ihn töten, so wie ihr jetzt die Absicht habt, mich zu töten.“

Wutentbrannt toben die Juden, schon jetzt bereit zuzuschlagen. Sie sind es müde, Sanftmut vortäuschen zu müssen.

Aber Jesus kümmert sich nicht darum. Er erhebt die Stimme, um das allgemeine Geschrei zu übertönen, und ruft: „Habt ihr mich nicht gefragt, wer ich bin, ihr Heuchler? Habt ihr nicht gesagt, dass ihr es wissen wollt, um sicher zu sein? Und jetzt sagt ihr, dass Johannes der letzte Prophet gewesen ist? Ihr bezeugt euch selbst in zweifacher Weise der Lüge. Einmal, weil ihr sagt, ihr hättet nie die Worte der wahren Propheten abgelehnt; zum anderen, weil ihr, indem ihr sagt, dass Johannes der letzte Prophet gewesen sei und dass ihr an die wahren Propheten glaubt, ausschliesst, dass auch ich ein Prophet, wenigstens ein Prophet, und ein wahrer bin. Ihr Lügner und trügerischen Herzen! Ja, wahrlich, wahrlich, hier im Haus meines Vaters erkläre ich, dass ich mehr bin als ein Prophet. Ich habe, was mein Vater mir gegeben hat. Und was mein Vater mir gegeben hat, ist kostbarer als alles auf der Welt, denn der Wille und die Macht der Menschen können nicht die räuberischen Hände danach ausstrecken. Ich besitze, was Gott mir gegeben hat, und obwohl es in mir ist, ist es immer in Gott. Und niemand kann es den Händen meines Vaters entreissen, denn es ist die göttliche Natur. Ich und der Vater sind eins.“

„Oh! Entsetzlich! Gotteslästerung! Anathema!“ Das Geschrei der Juden hallt im Tempel wider, und noch einmal sind die Steine, die die Wechsler und Viehhändler der besseren Ordnung halber für ihre Einfriedungen benutzen, das Arsenal für alle, die Waffen suchen, um ihn zu treffen.

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. IX von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Die Begegnung mit dem reichen Jüngling

11/10/2009

(zum Sonntags-Evangelium vom 11. Oktober 09: Mk 10, 17-30)

Jesus verlässt die Strasse nach Jericho und nimmt einen Seitenweg, der nach Doko führt. Kurz darauf stoßen sie auf eine Karawane, die ich weiss nicht woher kommt, eine reiche Karawane, die gewiss von sehr weit herkommt, denn die Frauen reiten auf Kamelen in schwankenden Aufbauten oder Sänften auf den Höckern der Tiere, während die Männer auf feurigen Pferden oder anderen Kamelen reiten. Ein junger Mann löst sich aus der Gruppe. Er lässt sein Kamel niederknien, gleitet aus dem Sattel und geht auf Jesus zu. Ein rasch herbeigeeilter Diener hält das Kamel am Zaum.

Der Jüngling wirft sich vor Jesus auf die Knie, verneigt sich tief und sagt: „Ich bin Philippus des Kanatha und Sohn wahrer Israeliten, und ich bin ein wahrer Israelit geblieben. Bis zum Tod meines Vaters war ich ein Jünger des Gamaliel; dann musste ich das Geschäft übernehmen. Mehr als einmal habe ich dir zugehört. Ich kenne deine Werke. Ich strebe ein besseres Leben an, um das ewige Leben zu erwerben, das du denen verheissen hast, die dein Reich in ihrem Innern errichten. Sage mir also, guter Meister: was muss ich tun, um das ewige Leben zu haben?“

„Warum nennst du mich gut? Gott allein ist gut.“

„Du bist der Sohn Gottes und gut wie dein Vater. Oh, sage mir, was ich tun muss.“

„Um in das ewige Leben einzugehen, musst du die Gebote halten.“

„Welche, mein Herr? Die alten oder deine Gebote?“

„In den alten sind meine Gebote enthalten. Meine Gebote ändern nichts an den alten. Es sind immer dieselben: Du sollst mit wahrer Liebe den einen, wahren Gott anbeten und die Vorschriften des Kultes befolgen; du sollst nicht töten, nicht stehlen, nicht Ehebruch begehen, kein falsches Zeugnis ablegen, Vater und Mutter ehren und dem Nächsten nicht schaden, sondern ihn lieben wie dich selbst. Wenn du dies tust, wirst du das ewige Leben erwerben.“

„Meister, alle diese Dinge habe ich von Kindheit an befolgt.“

Jesus schaut ihn liebevoll an und fragt sanft: „Und es scheint dir noch nicht genug zu sein?“

Heinrich Hofmann

„Nein, Meister. Das Reich Gottes in uns und im anderen Leben ist etwas Großes. Eine unendliche Gabe ist Gott, der sich uns schenkt. Ich fühle, das alles, was Pflicht ist, zu wenig ist im Vergleich zum Allumfassenden, Unendlichen, Vollkommenen, der sich uns schenkt, und ich glaube, dass wir ihn verdienen müssen durch Größeres als das, was verlangt wird, um nicht verdammt zu werden und ihm wohlgefällig zu sein.“

„Du hast recht. Um vollkommen zu sein, fehlt dir noch eines. Wenn du vollkommen sein willst, wie unser Vater im Himmel es wünscht, geh hin, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen; dann wirst du einen Schatz im Himmel haben und vom Vater geliebt werden, der seinen Schatz für die Armen auf Erden hingegeben hat. Dann komm und folge mir nach.“

Der Jüngling wird traurig und nachdenklich. Dann steht er auf und sagt: „Ich werde deinen Rat bedenken… “ und er entfernt sich betrübt.

Judas lächelt spöttisch und murmelt: „Also ich bin nicht der einzige, der das Geld liebt!“

Jesus wendet sich um und schaut ihn an… Dann schaut er die anderen elf Gesichter an, die ihn umgeben, und seufzt: „Wie schwer ist es für einen Reichen, ins Himmelreich einzugehen, denn sein Tor ist schmal und der Weg dorthin beschwerlich, und wer beladen ist mit der großen Last der Reichtümer kann ihn nicht gehen noch das Tor durchschreiten. Um dort einzugehen, darf man nur geistige Schätze der Tugend sammeln und muss sich von aller Anhänglichkeit an irdische und eitle Dinge befreien.“ Jesus ist sehr traurig…

Die Apostel schauen einander heimlich an…

Jesus fährt fort, während er der Karawane des reichen Jünglings, die sich entfernt, nachblickt: „Wahrlich, ich sage euch, leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher in den Himmel.“

„Aber wer kann dann gerettet werden? Durch das Elend wird man oft zum Sünder, aus Neid oder mangelnder Achtung vor dem Eigentum anderer, oder aus Zweifel an der Vorsehung. Der Reichtum ist ein Hindernis für die Vollkommenheit… Wer also kann dann noch gerettet werden?“

Jesus schaut sie an und sagt: „Was für die Menschen unmöglich ist, ist für Gott möglich, denn für ihn ist alles möglich. Es genügt, dass der Mensch ihm, seinem Herrn, mit gutem Willen hilft. Guten Willen haben heisst, den erhaltenen Rat annehmen und sich bemühen, den Reichtümern entsagen zu lernen und frei zu werden. Frei von allen irdischen Banden, um Gott nachfolgen zu können. Denn die wahre Freiheit hat der Mensch erlangt, wenn er der Stimme Gottes folgt, die ihre Befehle leise seinem Herzen eingibt, wenn er weder der Sklave seiner selbst, noch der Welt, und daher auch nicht der Sklave Satans ist. Der Mensch soll die herrliche Willensfreiheit gebrauchen, die Gott ihm geschenkt hat, um frei und ausschließlich das Gute zu wollen und so das ewig strahlende, freie, selige Leben zu erlangen. Auch der Sklave des eigenen Lebens soll man nicht sein, wenn man sich, um es zu erhalten, dem Willen Gottes widersetzt. Ich habe es euch gesagt: ‚Wer sein Leben verliert aus Liebe zu mir und um Gott zu dienen, wird es für alle Ewigkeit gewinnen.‘ „

„Schau! Wir haben alles verlassen, um dir zu folgen, auch die erlaubten Dinge. Was werden wir dafür erhalten? Werden wir in dein Reich eingehen?“ fragt Petrus.

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, alle, die mir auf diese Weise nachgefolgt sind und auch in Zukunft nachfolgen werden – denn man hat immer Zeit, um die bisher begangenen Fehler und Sünden wiedergutzumachen, man  hat immer Zeit, solange man auf Erden weilt und Tage bleiben, in denen man für das begangene Böse Sühne leisten kann – sie werden mit mir in meinem Reich sein. Wahrlich, ich sage euch, ihr, die ihr mir nachgefolgt seid und wiedergeboren wurdet, werdet auf Thronen sitzen und die Stämme der Erde richten, zusammen mit dem Menschensohn, der auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen wird. Wahrlich, ich sage euch noch, jeder, der aus Liebe zu meinem Namen Haus, Felder, Vater, Mutter, Brüder, Frau, Kinder und Schwestern verlässt, um die Frohe Botschaft zu verbreiten und mein Nachfolger in dieser Welt zu sein, wird das Hundertfache in dieser Zeit und das ewige Leben in der kommenden Zeit haben.“

„Aber wenn wir alles verlieren, wie können wir dann unseren Besitz hundertfach vermehren?“ fragt Judas von Kerioth.

„Ich wiederhole euch: Was den Menschen unmöglich ist, das ist Gott möglich. Und Gott wird denen das Hundertfache an geistiger Freude geben, die es als Menschen in dieser Welt verstanden haben, Kinder Gottes zu sein, also geistige Menschen. Sie werden wahre Freude hier und im Jenseits erleben. Und weiter sage ich euch, nicht alle, die scheinbar die Ersten sind, sind wirklich die Ersten. Und nicht alle, die scheinbar die Letzten sind, und weniger als die Letzten, da sie scheinbar nicht zu meinen Jüngern und nicht einmal zu meinem auserwählten Volk gehören, werden die Letzten sein. Wahrlich, viele der Ersten werden die Letzten sein, und viele der Letzten, Allergeringsten, werden die Ersten sein… Aber dort ist schon Doko. Geht alle voraus, mit Ausnahme des Judas von Kerioth und des Zeloten. Geht und kündigt mich denen an, die mich brauchen.“

Und Jesus wartet mit den beiden zurückgebliebenen Aposteln auf die drei Marien, die in einigem Abstand folgen.

Auszug aus “Der Gottmensch″, Band X  von Maria Valtorta, mit  der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören.