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Das Scherflein der Witwe

07/11/2009

zum Sonntags-Evangelium vom 8. November 09: Mk 12, 38-44:

Zuerst sehe ich nur Säulengänge und Vorhöfe, die ich als zum Tempel gehörig erkenne, und Jesus, der einem Herrscher gleicht – so feierlich ist er in seinem leuchtend roten Gewand und dem etwas dunkleren Mante l- und an einer riesigen viereckigen Säule lehnt, die einen Bogen der Säulengänge stützt.

Er schaut mich fest an. Ich verliere mich in seiner Betrachtung und beselige mich an seinem Anblick, da ich ihn seit zwei Tagen nicht gesehen und gehört habe. Diese Vision dauert lange. Und solange sie dauert, schreibe ich nicht, denn sie erfüllt mich mit Freude. Aber nun, da die Szene sich belebt, verstehe ich, dass etwas geschieht, und schreibe.

Der Platz füllt sich mit Menschen, die aus allen Richtungen kommen. Es sind Priester und Gläubige, Männer, Frauen und Kinder. Die einen gehen spazieren, andere bleiben stehen, um den Lehrern zuzuhören, wieder andere ziehen Lämmer hinter sich her oder tragen Tauben irgendwohin, vielleicht Opfertiere.

Jesus steht an seiner Säule gelehnt und schaut. Er sagt nichts. Zweimal schon hat er auf Fragen seiner Apostel nur mit einem Kopfschütteln geantwortet, ohne ein Wort zu sagen. Er beobachtet sehr aufmerksam. Aus seinem Ausdruck schließe ich, dass er ein Urteil fällt über das, was er sieht. Seine Augen und sein Antlitz erinnern mich an die Vision des Paradieses, als er beim besonderen Gericht die Seelen richtete. Nun ist er natürlich Jesus, der Mensch; dort oben war er der verherrlichte Jesus und deshalb noch beeindruckender. Aber der Gesichtsausdruck ist ähnlich. Er ist ernst, prüfend, manchmal so streng, dass auch der Frechste erzittern muss, und manchmal so sanft, von einer lächelnden Traurigkeit, die mit Blicken zu liebkosen scheint.

Anscheinend hört er nichts. Aber er muss wohl alles genau hören, denn als sich aus einer Gruppe, die einige Meter entfernt um einen Lehrer versammelt ist, eine näselnde Stimme erhebt und erklärt: „Wichtiger als jedes andere Gebot ist dieses: Was für den Tempel ist, soll dem Tempel gegeben werden. Der Tempel steht über dem Vater und der Mutter, und wenn jemand dem Herrn zu Ehren alles geben will, was er übrig hat, so soll er es tun, und er wird gesegnet sein, denn kein Blut und keine Liebe steht über dem Tempel.‘, da wendet Jesus sein Haupt in diese Richtung und schaut mit einem Blick… den ich nicht auf mich gerichtet sehen wollte.

Er scheint jetzt nur allgemein umherzuschauen. Doch als ein zitternder Greis sich bemüht, die fünf Stufen zu einer Art Terrasse hinaufzusteigen, die sich in der Nähe Jesu befindet und wohl zu einem anderen, weiter innen liegenden Vorhof führt, und beim Aufsetzen des Stockes, der sich in den Kleidern verfängt, beinahe fällt, streckt Jesus seinen Arm aus und fängt ihn auf. Er stützt ihn und lässt ihn nicht los, bis er wieder sicher auf den Beinen steht. Das alte Männchen erhebt sein graues Haupt, sieht seinen hochgewachsenen Retter an und flüstert ein Wort des Segens. Jesus lächelt ihm zu und liebkost seinen halbkahlen Kopf. Dann lehnt er sich wieder an seine Säule, verlässt sie aber noch einmal, um ein Kind aufzurichten, das sich von der Hand der Mutter losgemacht hat, gerade vor seinen Füßen gegen die erste Stufe gefallen ist und weint. Er hebt es auf, liebkost es, tröstet es. Die verwirrte Mutter dankt ihm, und Jesus lächelt auch ihr zu und gibt ihr das Kind zurück.

Aber er lächelt nicht mehr, als ein aufgeblasener Pharisäer vorübergeht, und auch nicht, als eine Gruppe von Schriftgelehrten und anderen Männern – ich weiss nicht, wer sie sind – vorbeikommt. Diese Gruppe grüßt ihn mit großen Gesten und tiefen Verbeugungen. Jesus schaut sie so fest an, als wolle er sie mit seinem Blick durchbohren, und grüßt sie trocken. Er ist streng. Auch einen Priester, der vorbeikommt und ein hohes Tier sein muss, da die Leute den Weg freigeben und ihn grüßen, während er selbst wie ein Pfau vorbeistolziert, sieht Jesus lange an. Mit einem Blick, der diesen trotz seines Hochmuts den Kopf senken lässt. Er grüßt nicht. Aber er kann dem Blick Jesu nicht standhalten.


Jesus wendet die Augen von ihm ab und beobachtet ein armes, dunkelbraun gekleidetes Frauchen, das verschämt die Stufen hinaufsteigt zu einer Wand, an der sich etwas wie ein Löwen- oder ähnliche Tierköpfe mit offenen Mäulern befinden. Viele gehen dorthin. Doch Jesus scheint bisher nicht darauf geachtet zu haben. Nun blickt er aufmerksam diesem Weiblein nach. Sein Auge drückt Mitleid aus und wird liebevoll, als er sieht, wie die Frau eine Hand ausstreckt, um etwas in das steinerne Maul eines dieser Löwen zu werfen. Als die Frau zurückkommt und nahe an ihm vorbeigeht, sagt er: „Der Friede sei mit dir, Frau.“

Diese hebt erstaunt den Kopf und ist sprachlos.

„Der Friede sei mit dir“, wiederholt Jesus. „Geh, der Allerhöchste segnet dich.“ Die arme Frau kann es gar nicht fassen. Dann flüstert sie einen Gruß und geht.

„Sie ist glücklich in ihrem Unglück“, sagt Jesus und bricht endlich sein Schweigen. „Nun ist sie glücklich, denn der Segen Gottes begleitet sie. Hört, Freunde, und ihr, die ihr mich umgebt. Seht ihr diese Frau? Sie hat nur zwei kleine Münzen gegeben, nicht einmal genug, um dafür Futter für einen Sperling im Käfig zu kaufen, und doch hat sie mehr gegeben als alle anderen, die ihren Beitrag in den Tempelschatz geworfen haben, seit der Tempel bei Sonnenaufgang geöffnet wurde.

Hört. Ich habe eine große Anzahl reicher Leute beobachtet, die in die Mäuler dort Geldmengen geworfen haben, die ausreichen würden, diese Arme ein Jahr lang zu ernähren und ihre Armut zu kleiden, die nur deshalb anständig aussieht, weil sie sauber ist. Ich habe gesehen, wie Reiche mit sichtlicher Genugtuung Summen dort hineingelegt haben, die ausgereicht hätten, die Armen der Heiligen Stadt einen oder mehrere Tage satt zu machen und Gott preisen zu lassen. Aber wahrlich, ich sage euch, niemand hat mehr gegeben als sie. Ihr Almosen ist Liebe, das der anderen nicht. Ihres ist Großmut, das der anderen nicht. Ihres ist Opfer, das der anderen nicht. Heute wird die Frau nichts essen, denn sie hat nichts mehr. Sie muss erst wieder um Lohn arbeiten, um ihren Hunger mit Brot stillen zu können. Sie hat keine Reichtümer und sie hat keine Verwandten, die für sie verdienen. Sie ist allein. Gott hat ihr die Eltern, den Mann und die Kinder genommen, er  hat ihr das wenige genommen, was diese ihr hinterlassen hatten, und mehr als Gott haben es ihr die Menschen genommen; diese Menschen, die nun, ihr seht es, weiterhin mit großmütiger Geste von ihrem Überfluss dort hineinwerfen, den sie zu einem guten Teil durch Wucher den armen Händen der Schwachen und Hungernden entrissen haben.  Sie sagen, es gibt kein Blut und keine Liebe, die höher stehen als der Tempel, und so lehren sie, den Nächsten nicht zu lieben.

Ich sage euch, über dem Tempel steht die Liebe. Das Gesetz Gottes ist die Liebe, und wer kein Mitleid mit dem Nächsten hat, liebt nicht. Das überflüssige Geld, das von Wucher, Habgier, Härte und Heuchelei beschmutzte Geld singt nicht das Lob des Herrn und zieht auf seinen Spender den himmlischen Segen nicht herab. Gott lehnt es ab. Es füllt diese Kasse. Aber es taugt nicht für den Weihrauch. Es ist Schlamm, in dem ihr versinkt, ihr Diener, die ihr nicht Gott, sondern den eigenen Interessen dient. Es ist ein Strick, der euch erdrosselt, ihr Lehrer, die ihr eure eigene Lehre lehrt. Es ist Gift, das euch den Rest der Seele verdirbt, ihr Pharisäer, der euch noch verblieben ist. Gott will nicht, was mit tränenerstickter Stimme schreit: „Ich hätte einen Hungernden sättigen sollen, aber man hat mich ihm verweigert, um hier zu prahlen. Ich hätte einem alten Vater, einer hinfälligen Mutter helfen sollen, und man hat es nicht gestattet, da diese Hilfe vor der Welt verborgen geblieben wäre. Ich muss meine Glocke ertönen lassen, damit die Welt den Geber erkennt.“

Nein, Rabbi, der du lehrst, dass der Überfluss Gott gegeben werden soll, und dass es erlaubt ist, dem Vater oder der Mutter etwas vorzuenthalten, um es Gott zu geben. Das erste Gebot ist: „Liebe Gott mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele, deinem ganzen Verstand und deinen ganzen Kräften.“ Daher muss man ihm nicht den Überfluss, sondern das eigene Blut geben, und man soll es lieben, für ihn zu leiden. Leiden. Nicht leiden machen. Und wenn es schwerfällt, viel zu geben, weil man sich nicht gerne von seinem Reichtum trennt, weil die Schätze der Mittelpunkt des von Natur aus verderbten Menschenherzens sind, dann muss man sich von ihnen trennen, gerade weil es schwerfällt. Aus Gerechtigkeit: denn alles, was man besitzt, besitzt man durch die Güte Gottes. Aus Liebe: denn es ist ein Beweis der Liebe, das Opfer zu lieben, um dem Freude zu schenken, den man liebt. Man soll leiden, um schenken zu können. Aber selbst leiden! Nicht leiden machen, ich wiederhole es. Denn das zweite Gebot heisst: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Das Gesetz erklärt, dass nach Gott die Eltern die Nächsten sind, denen man verpflichtet ist, Ehre und Hilfe zu erweisen.

Daher sage ich euch, diese arme Frau hat das Gesetz wahrhaft besser verstanden als die Weisen und ist mehr als alle anderen gerechtfertigt und gesegnet; denn in ihrer Armut hat sie Gott alles gegeben, während ihr gebt, was übrig bleibt, und es nur gebt, um in der Achtung der Menschen zu steigen. Ich weiss, dass ihr mich hasst, weil ich so spreche. Aber solange dieser Mund sprechen kann, wird er solche Worte sprechen. Vereinigt euren Hass auf mich mit der Verachtung für die Arme, die ich lobe. Aber glaubt nicht, dass ihr aus diesen beiden Steinen ein doppeltes Postament für euren Hochmut errichten könnt. Sie werden die Mühlsteine sein, die euch zermalmen.

Gehen wir. Lassen wir die Vipern einander beissen, um ihr Gift zu vermehren. Wer rein, gut, demütig und zerknirscht ist und das wahre Antlitz Gottes kennenlernen will, soll mir folgen.“

Auszug aus “Der Gottmensch″, Band XI  von Maria Valtorta, mit  der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören.

Die Begegnung mit dem reichen Jüngling

11/10/2009

(zum Sonntags-Evangelium vom 11. Oktober 09: Mk 10, 17-30)

Jesus verlässt die Strasse nach Jericho und nimmt einen Seitenweg, der nach Doko führt. Kurz darauf stoßen sie auf eine Karawane, die ich weiss nicht woher kommt, eine reiche Karawane, die gewiss von sehr weit herkommt, denn die Frauen reiten auf Kamelen in schwankenden Aufbauten oder Sänften auf den Höckern der Tiere, während die Männer auf feurigen Pferden oder anderen Kamelen reiten. Ein junger Mann löst sich aus der Gruppe. Er lässt sein Kamel niederknien, gleitet aus dem Sattel und geht auf Jesus zu. Ein rasch herbeigeeilter Diener hält das Kamel am Zaum.

Der Jüngling wirft sich vor Jesus auf die Knie, verneigt sich tief und sagt: „Ich bin Philippus des Kanatha und Sohn wahrer Israeliten, und ich bin ein wahrer Israelit geblieben. Bis zum Tod meines Vaters war ich ein Jünger des Gamaliel; dann musste ich das Geschäft übernehmen. Mehr als einmal habe ich dir zugehört. Ich kenne deine Werke. Ich strebe ein besseres Leben an, um das ewige Leben zu erwerben, das du denen verheissen hast, die dein Reich in ihrem Innern errichten. Sage mir also, guter Meister: was muss ich tun, um das ewige Leben zu haben?“

„Warum nennst du mich gut? Gott allein ist gut.“

„Du bist der Sohn Gottes und gut wie dein Vater. Oh, sage mir, was ich tun muss.“

„Um in das ewige Leben einzugehen, musst du die Gebote halten.“

„Welche, mein Herr? Die alten oder deine Gebote?“

„In den alten sind meine Gebote enthalten. Meine Gebote ändern nichts an den alten. Es sind immer dieselben: Du sollst mit wahrer Liebe den einen, wahren Gott anbeten und die Vorschriften des Kultes befolgen; du sollst nicht töten, nicht stehlen, nicht Ehebruch begehen, kein falsches Zeugnis ablegen, Vater und Mutter ehren und dem Nächsten nicht schaden, sondern ihn lieben wie dich selbst. Wenn du dies tust, wirst du das ewige Leben erwerben.“

„Meister, alle diese Dinge habe ich von Kindheit an befolgt.“

Jesus schaut ihn liebevoll an und fragt sanft: „Und es scheint dir noch nicht genug zu sein?“

Heinrich Hofmann

„Nein, Meister. Das Reich Gottes in uns und im anderen Leben ist etwas Großes. Eine unendliche Gabe ist Gott, der sich uns schenkt. Ich fühle, das alles, was Pflicht ist, zu wenig ist im Vergleich zum Allumfassenden, Unendlichen, Vollkommenen, der sich uns schenkt, und ich glaube, dass wir ihn verdienen müssen durch Größeres als das, was verlangt wird, um nicht verdammt zu werden und ihm wohlgefällig zu sein.“

„Du hast recht. Um vollkommen zu sein, fehlt dir noch eines. Wenn du vollkommen sein willst, wie unser Vater im Himmel es wünscht, geh hin, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen; dann wirst du einen Schatz im Himmel haben und vom Vater geliebt werden, der seinen Schatz für die Armen auf Erden hingegeben hat. Dann komm und folge mir nach.“

Der Jüngling wird traurig und nachdenklich. Dann steht er auf und sagt: „Ich werde deinen Rat bedenken… “ und er entfernt sich betrübt.

Judas lächelt spöttisch und murmelt: „Also ich bin nicht der einzige, der das Geld liebt!“

Jesus wendet sich um und schaut ihn an… Dann schaut er die anderen elf Gesichter an, die ihn umgeben, und seufzt: „Wie schwer ist es für einen Reichen, ins Himmelreich einzugehen, denn sein Tor ist schmal und der Weg dorthin beschwerlich, und wer beladen ist mit der großen Last der Reichtümer kann ihn nicht gehen noch das Tor durchschreiten. Um dort einzugehen, darf man nur geistige Schätze der Tugend sammeln und muss sich von aller Anhänglichkeit an irdische und eitle Dinge befreien.“ Jesus ist sehr traurig…

Die Apostel schauen einander heimlich an…

Jesus fährt fort, während er der Karawane des reichen Jünglings, die sich entfernt, nachblickt: „Wahrlich, ich sage euch, leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher in den Himmel.“

„Aber wer kann dann gerettet werden? Durch das Elend wird man oft zum Sünder, aus Neid oder mangelnder Achtung vor dem Eigentum anderer, oder aus Zweifel an der Vorsehung. Der Reichtum ist ein Hindernis für die Vollkommenheit… Wer also kann dann noch gerettet werden?“

Jesus schaut sie an und sagt: „Was für die Menschen unmöglich ist, ist für Gott möglich, denn für ihn ist alles möglich. Es genügt, dass der Mensch ihm, seinem Herrn, mit gutem Willen hilft. Guten Willen haben heisst, den erhaltenen Rat annehmen und sich bemühen, den Reichtümern entsagen zu lernen und frei zu werden. Frei von allen irdischen Banden, um Gott nachfolgen zu können. Denn die wahre Freiheit hat der Mensch erlangt, wenn er der Stimme Gottes folgt, die ihre Befehle leise seinem Herzen eingibt, wenn er weder der Sklave seiner selbst, noch der Welt, und daher auch nicht der Sklave Satans ist. Der Mensch soll die herrliche Willensfreiheit gebrauchen, die Gott ihm geschenkt hat, um frei und ausschließlich das Gute zu wollen und so das ewig strahlende, freie, selige Leben zu erlangen. Auch der Sklave des eigenen Lebens soll man nicht sein, wenn man sich, um es zu erhalten, dem Willen Gottes widersetzt. Ich habe es euch gesagt: ‚Wer sein Leben verliert aus Liebe zu mir und um Gott zu dienen, wird es für alle Ewigkeit gewinnen.‘ „

„Schau! Wir haben alles verlassen, um dir zu folgen, auch die erlaubten Dinge. Was werden wir dafür erhalten? Werden wir in dein Reich eingehen?“ fragt Petrus.

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, alle, die mir auf diese Weise nachgefolgt sind und auch in Zukunft nachfolgen werden – denn man hat immer Zeit, um die bisher begangenen Fehler und Sünden wiedergutzumachen, man  hat immer Zeit, solange man auf Erden weilt und Tage bleiben, in denen man für das begangene Böse Sühne leisten kann – sie werden mit mir in meinem Reich sein. Wahrlich, ich sage euch, ihr, die ihr mir nachgefolgt seid und wiedergeboren wurdet, werdet auf Thronen sitzen und die Stämme der Erde richten, zusammen mit dem Menschensohn, der auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen wird. Wahrlich, ich sage euch noch, jeder, der aus Liebe zu meinem Namen Haus, Felder, Vater, Mutter, Brüder, Frau, Kinder und Schwestern verlässt, um die Frohe Botschaft zu verbreiten und mein Nachfolger in dieser Welt zu sein, wird das Hundertfache in dieser Zeit und das ewige Leben in der kommenden Zeit haben.“

„Aber wenn wir alles verlieren, wie können wir dann unseren Besitz hundertfach vermehren?“ fragt Judas von Kerioth.

„Ich wiederhole euch: Was den Menschen unmöglich ist, das ist Gott möglich. Und Gott wird denen das Hundertfache an geistiger Freude geben, die es als Menschen in dieser Welt verstanden haben, Kinder Gottes zu sein, also geistige Menschen. Sie werden wahre Freude hier und im Jenseits erleben. Und weiter sage ich euch, nicht alle, die scheinbar die Ersten sind, sind wirklich die Ersten. Und nicht alle, die scheinbar die Letzten sind, und weniger als die Letzten, da sie scheinbar nicht zu meinen Jüngern und nicht einmal zu meinem auserwählten Volk gehören, werden die Letzten sein. Wahrlich, viele der Ersten werden die Letzten sein, und viele der Letzten, Allergeringsten, werden die Ersten sein… Aber dort ist schon Doko. Geht alle voraus, mit Ausnahme des Judas von Kerioth und des Zeloten. Geht und kündigt mich denen an, die mich brauchen.“

Und Jesus wartet mit den beiden zurückgebliebenen Aposteln auf die drei Marien, die in einigem Abstand folgen.

Auszug aus “Der Gottmensch″, Band X  von Maria Valtorta, mit  der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören.