Posts Tagged ‘Gleichnis’

Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner

23/10/2010
zum Sonntagsevangelium vom 24. Oktober 2010: Lukas 18,9-14

„… Nachdem sie ihre Angelegenheiten erledigt hatten, stiegen die beiden zum Tempel hinauf, und als sie am Opferkasten vorüberkamen, zog der Pharisäer ostentativ einen großen Geldbeutel aus seiner Brusttasche und schüttete den Inhalt bis zum letzten Heller in den Tempelschatz. In dieser Geldbörse waren vor allem die Geldstücke, die er den Kaufleuten abverlangt hatte, und der Erlös für das Öl, das er dem Verwalter abgenommen und sofort an einen Händler verkauft hatte. Der Zöllner hingegen warf eine Handvoll kleiner Münzen hinein und behielt soviel zurück, als er für die Rückreise in die Heimat benötigte. Der eine wie der andere gaben alles, was sie hatten. Scheinbar war sogar der Pharisäer der Großzügigere, da er alles bis zum letzten Heller hergab. Aber man muß bedenken, daß er in seinem Palast noch viel Geld hatte und außerdem Kredit bei reichen Geldwechslern.

Dann begaben sich beide vor den Herrn. Der Pharisäer ging nach vorn, bis zur Grenze des Atriums der Hebräer vor dem Heiligtum. Der Zöllner blieb hinten stehen, fast unter dem Gewölbe, das zum Vorhof der Frauen führt. Er stand da, gebeugt und niedergeschmettert bei dem Gedanken an sein Elend im Vergleich zur göttlichen Vollkommenheit. Beide beteten.


Der Pharisäer stand aufrecht, fast anmaßend da, als ob er der Hausherr wäre, der sich herabläßt, einen Besucher zu empfangen, und sprach: „Sieh, ich bin gekommen, um dich in dem Haus zu verehren, das unser Ruhm ist. Ich bin gekommen, obwohl ich fühle, daß du in mir bist, da ich ein Gerechter bin. Ich bin kein Räuber. Ich bin nicht ungerecht, kein Ehebrecher und kein Sünder, wie jener Zöllner dort, der fast gleichzeitig mit mir eine Handvoll Kupermünzen in den Schatz geworfen hat. Ich, du hast es gesehen, habe dir alles gegeben, was ich bei mir hatte. Dieser Geizhals dagegen hat zwei Teile gemacht und dir den kleineren gegeben. Den anderen Teil wird er wohl für Schwelgereien und für Frauen behalten haben. Ich bin rein. Ich beflecke mich nicht. Ich bin rein und gerecht, faste zweimal in der Woche und bezahle den Zehnten von allem, was ich besitze. Ja, ich bin rein, gerecht und gesegnet, weil ich heilig bin. Erinnere dich daran, Herr.“

Der Zöllner in seinem entfernten Winkel wagte kaum, die Augen zu den kostbaren Pforten des Heiligtums zu erheben. Er schlug an seine Brust und betete so: „Herr, ich bin nicht würdig, an diesem Ort zu stehen. Aber du bist gerecht une heilig, und du gestattest es mir, weil du weißt, daß der Mensch ein Sünder und ein Teufel wird, wenn er nicht zu dir kommt. Oh, mein Herr, ich möchte dich ehren Tag und Nacht, aber ich bin so viele Stunden der Sklave meiner Arbeit. Es ist eine harte Arbeit, die mich demütigt, denn ich füge meinem unglücklichen Nächsten Schmerz zu. Aber ich muß meinen Vorgesetzten gehorchen, um mein tägliches Brot zu verdienen. Hilf mir, o mein Gott, daß ich das Pflichtgefühl gegenüber meinen Vorgesetzten immer mäßige durch die Liebe zu meinen armen Brüdern, damit meine Arbeit nicht zu meiner Verdammung führe. Jede Arbeit ist heilig, wenn sie mit Liebe getan wird. Laß deine Liebe stets in meinem Herzen gegenwärtig sein, damit ich, armselig wie ich bin, mit meinen Untergebenen Mitleid habe, wie du mit mir, dem großen Sünder, Mitleid hast. Ich hätte dich gern mehr geehrt, o Herr, du weißt es. Aber ich hielt es für besser, mit dem für den Tempel bestimmten Geld acht unglückliche Herzen zu trösten als es in den Opferkasten zu werfen und dann acht unschuldige und unglückliche Menschen verzweifelt weinen zu lassen. Wenn ich jedoch gefehlt habe, laß es mich wissen, o Herr, denn ich bin ein großer Sünder.“

Das ist das Gleichnis. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, während der Pharisäer den Tempel verließ, nachdem er noch eine Sünde zu den schon bevor der den Moriah erstieg begangenen hinzugefügt hatte, ging der Zöllner gerechtfertigt hinaus, und der Segen Gottes begleitete ihn bis zu seinem Haus und ruhte darauf. Denn er war demütig und barmherzig, und seine Werke waren noch heiliger als seine Worte; der Pharisäer dagegen war nur mit Worten und nach außen hin gut, in seinem Inneren aber und mit seinem Hochmut und seiner Hartherzigkeit vollbrachte er Werke des Teufels, weshalb er Gott verhaßt war.

Wer sich selbst erhöht, wird immer, früher oder später, erniedrigt werden; wenn nicht in diesem, dann im anderen Leben. Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden, besonders droben im Himmel, wo die Handlungen der Menschen in ihrem wahren Wert erscheinen.

Komm, Zachäus. Kommt ihr, die ihr mit ihm seid, und ihr, meine Apostel und Jünger. Ich werde noch allein mit euch sprechen.“

Er hüllt sich in seinen Mantel und kehrt in das Haus des Zachäus zurück.

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band IX von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


Werbeanzeigen

Gleichnis von der verlorenen Drachme

11/09/2010
zum Sonntagsevangelium vom 12. September 2010: Lukas 15,1-32

Viel Volk hat sich auf der Straße angesammelt.

Jesus beginnt zu reden: „Eine Frau hatte zehn Drachmen in ihrem Beutel. Aber bei einer Bewegung fiel ihr der Beutel von der Brust, öffnete sich, und die Münzen rollten auf den Boden. Sie sammelte sie mit Hilfe der Umstehenden und zählte sie. Es waren neun. Die zehnte war nicht zu finden. Da es Abend war, zündete die Frau eine Lampe an, stellte sie auf den Boden, nahm einen Besen und begann sorgfältig zu kehren, um zu sehen, ob die Drachme weit weggerollt war. Doch die Drachme war nicht zu finden. Die Freundinnen gingen, des Suchens müde, davon. Die Frau rückte nun die Truhe, die Bank und den schweren Kasten beiseite, sie verschob die Krüge und Töpfe in der Mauernische; doch die Drachme war nicht zu finden. Da suchte sie auf allen Vieren im Kehrichthaufen vor der Türe, um zu sehen, ob die Drachme aus dem Haus gerollt sei und sich unter die Abfälle gemischt habe. Dort fand sie schließlich die Drachme, ganz schmutzig und unter dem auf sie gefallenen Kehricht begraben.

James Tissot: Die verlorene Drachme

Die Frau nahm sie jubelnd in die Hand, wusch sie und trocknete sie. Jetzt war sie schöner als zuvor, und sie zeigte sie ihren Nachbarinnen, die sie mit lauter Stimme zurückgerufen hatte. Sie sagte: „Seht her! Seht her! Ihr habt mir geraten, mich nicht weiter zu mühen. Doch ich habe beharrlich weitergesucht und die verlorene Drachme schließlich wiedergefunden. Freut euch daher mit mir, da ich nun nicht mehr befürchten muß, einen Teil meines Schatzes verloren zu haben.“

Auch euer Meister und mit ihm seine Apostel machen es so wie die Frau im Gleichnis. Gott weiß, daß eine Bewegung den Fall eines Schatzes zur Folge haben kann. Jede Seele ist ein Schatz, und Satan, der neidisch auf Gott ist, verursacht unglückliche Bewegungen, um die armen Seelen zu Boden fallen zu lassen. Mache fallen nicht weit von der Börse, entfernen sich also nicht allzu sehr vom Gesetz Gottes, das die Seelen im Schutz der Gebote zusammenhält. Andere aber entfernen sich weit von Gott und seinen Geboten, und einige gelangen bis zum Kehricht, zum Abfall, zum Schmutz. Und dort würden sie in das ewige Feuer geworfen und zugrunde gehen, ebenso wie Abfälle an besonderen Plätzen verbrannt werden.

Der Meister weiß dies und sucht unermüdlich die verlorenen Münzen. Er sucht liebevoll an allen Orten nach ihnen. Es sind seine Schätze. Und er wird nicht müde und empfindet vor nichts Ekel, sondern durchstöbert, kehrt und verschiebt, bis er sie findet. Und wenn er sie gefunden hat, dann wäscht er die wiedergefundene Seele mit seiner Verzeihung und ruft seine Freunde, das ganze Paradies und alle Guten der Erde, und sagt: „Freut euch mit mir, denn ich habe wiedergefunden, was sich verirrt hatte, und es ist schöner als zuvor, denn meine Verzeihung hat es erneuert!“

Wahrlich, ich sage euch, im Himmel ist ein großes Fest, und die Engel Gottes und die Guten der Erde jubeln, wenn sich ein Sünder bekehrt. Wahrlich, ich sage euch, es gibt nichts Schöneres als die Tränen der Reue. Wahrlich, ich sage euch, nur die Dämonen können sich nicht über die Bekehrungen freuen, die ein Sieg Gottes sind. Und weiter sage ich euch, daß die Art, die Bekehrung eines Sünders aufzunehmen, ein Maßstab für die Güte eines Menschen und seine Vereinigung mit Gott ist.

Der Friede sei mit euch!“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band IV von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Kommt doch, arme Kinder, kommt zu Mir

Das Gleichnis vom guten Landmann (Feigenbaum)

06/03/2010
(zum Sonntags-Evangelium vom 7. März 2010: Lukas 13,1-9)

„(…) Eines Tages wird das, was ich gesät habe, aufgehen. Man darf sich nicht von den ersten Niederlagen entmutigen lassen. Hört dieses Gleichnis. Es könnte den Titel tragen: Das Gleichnis vom guten Landmann.

Ein reicher Mann hatte einen großen und schönen Weinberg, in dem auch Feigenbäume verschiedener Güte waren. Die Arbeiten im Weinberg besorgte einer seiner Knechte mit viel Erfahrung als Winzer und im Beschneiden der Obstbäume, der seine Pflicht in Liebe zu seinem Herrn und zu den Pflanzen erfüllte. Alle Jahre ging der Reiche in der schönsten Jahreszeit mehrmals in seinen Weinberg, um das Heranreifen der Weintrauben und der Feigen zu betrachten und um sie zu genießen, indem er sie mit eigenen Händen von den Pflanzen pflückte.

Eines Tages kam er zu einem besonders edlen Feigenbaum, dem einzigen Baum dieser Art im Weinberg. Wie in den beiden letzten Jahren, fand er ihn auch jetzt wieder voller Blätter, aber ohne Früchte. Er rief den Winzer herbei und sagte: ‚Es sind nun schon drei Jahre, daß ich komme und an diesem Feigenbaum Früchte suche, jedoch nur Laub vorfinde. Ich sehe nun, daß dieser Baum nie mehr Früchte tragen wird. Haue ihn um. Es ist zwecklos, daß er hier den Platz beansprucht und deine Zeit verschwendet, um schließlich doch nichts hervorzubringen. Säge ihn ab, verbrenne ihn, grabe seine Wurzeln aus und setze an die Stelle einen neuen Baum; in einigen Jahren wird er Früchte bringen.‘

 

Jan Luyken – Das Gleichnis vom Feigenbaum

Der Winzer, der geduldig und liebevoll war, antwortete: ‚Du hast recht, aber laß mich ihn noch ein Jahr pflegen. Ich werde ihn nicht absägen, sondern vielmehr mit noch größerer Sorgfalt den Boden um ihn herum auflockern, ihn düngen und bewässern. Vielleicht wird dann doch noch Früchte tragen. Wenn er nach diesem letzten Versuch keine Früchte tragen sollte, werde ich deinen Wunsch erfüllen und ihn umhauen.‘

Chorazim ist der Feigenbaum, der keine Früchte trägt; ich bin der gute Gärtner, und ihr seid der ungeduldige Reiche. Laßt den guten Gärtner wirken!“

„Gut! Aber du hast dein Gleichnis nicht beendet. Hat der Feigenbaum dann im nächsten Jahr Früchte getragen?“ fragt der Zelote.

„Er hat keine Früchte getragen und ist umgehauen worden. Aber der Gärtner konnte eine noch junge kräftige Pflanze mit gutem Gewissen fällen, denn er hatte seine Pflicht getan. Auch ich will gerechtfertigt sein hinsichtlich derer, an die ich die Axt anlegen werde, um sie aus meinem Weinberg zu entfernen, wo es unfruchtbare und giftige Pflanzen, Schlangennester, Parasiten und Schädlinge gibt, welche den Jüngern schaden oder sie gar verderben, oder auch ungerufen, mit ihren bösartigen Wurzeln und widerspenstig gegen jede Veredelung, in meinen Weinberg eindringen, um sich dort zu vermehren. Sie haben sich nur eingeschlichen, um auszukundschaften, anzuschwärzen und mein Feld unfruchtbar zu machen. Diese werde ich ausrotten, nachdem ich alles versucht habe, um sie zu bekehren.

Vorerst jedoch, bevor ich die Axt zur Hand nehme, ergreife ich das Messer und die Baumschere und beschneide und veredle… Oh, es wird eine harte Arbeit sein, sowohl für mich, der sie ausführt, als auch für jene, an denen sie vorgenommen wird. Aber es muss geschehen, damit man im Himmel sagen kann: ‚Alles hat er getan, doch sie sind immer unfruchtbarer und bösartiger geworden, je mehr er sie bewässerte und veredelte, je mehr er das Erdreich auflockerte und düngte, mit Schweiß und Tränen, mit Mühen und Blut…‘ Nun sind wir im Dorf angekommen. Geht alle voraus und fragt nach einer Unterkunft. Du, Judas von Kerioth, bleibe bei mir!“

Sie bleiben und gehen im Halbdunkel des Abends schweigend nebeneinander.

Schließlich sagt Jesus, so als rede er mit sich selbst: „Und doch, auch wenn man bei Gott in Ungnade gefallen ist, weil man sich gegen sein Gesetz gehandelt hat, kann man immer noch zurückkehren und das werden, was man vorher war, wenn man der Sünde entsagt…“

Judas sagt nichts.

Auszug aus “Der Gottmensch″ (Band VI) von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch