Posts Tagged ‘Gott’

Vision der hl. Hildegard von Bingen

16/03/2011

(… aus dem 12. Jahrhundert wohlgemerkt!)

„Und ich hörte, wie sich die vier Elemente mit einem wilden Geschrei bei Gott beklagten: ‚Wir können nicht mehr laufen und unsere Arbeit nach unserem Auftrag erfüllen, denn die Menschen kehren uns mit ihren schlechten Taten wie in einer Mühle von unten nach oben. Wir stinken schon wie die Pest und vergehen vor Hunger nach Gerechtigkeit. Der Mensch ist ein Rebell. Er liegt quer zur Schöpfung. Er zerreißt die Schöpfung in ihre Einzelteile und vergisst seinen Schöpfer und hat keine Freude mehr an der Schöpfung.‘ Gott aber antwortet ihnen:

‚Mit meinem Besen will ich euch reinigen und die Menschen so lange heimsuchen, bis sie sich wieder zu mir wenden. Mit den Qualen derer, die euch verunreinigt haben, will ich euch reinigen, sooft ihr besudelt werdet. Doch nun stinken alle Winde wie Moder, und die Luft ist verschmutzt, sodass die Menschen nicht einmal mehr wagen, den Mund aufzumachen. Seht ihr mich denn nicht mehr bei Tag und bei Nacht? Seht ihr mich denn nicht, wenn ihr sät und die Saat aufgeht? Jedes andere Geschöpf erkennt seinen Schöpfer, nur der Mensch ist ein Rebell!'“

Hildegard v. Bingen: Der Kosmosmensch

„Ihr folgt den Stimmen der Unordnung“

„… wählt immer den letzten Platz.“

28/08/2010
zum Sonntagsevangelium v. 29. August 2010: Lukas 14,1.7-14.

„… Warum glaubt ihr immer, vollkommen zu sein, nur weil das Schicksal euch einen hohen gesellschaftlichen Rang zugteilt hat? Selbst wenn ihr in einigen Dingen höher gestellt wäret, warum sucht ihr dann nicht, es in allem zu sein? Warum hasst ihr mich, weil ich eure Fehler aufdecke? Ich bin der Arzt eurer Seelen, und wie kann denn ein Arzt heilen, wenn er nicht die Wunden aufdeckt und sie reinigt? Wisst ihr nicht, dass viele, und auch jene Frau, die soeben fortgegangen ist, die ersten Plätze beim Gastmahl Gottes verdienen, obwohl sie ihrem Äusseren nach gering erscheinen? Nicht auf das Äussere kommt es an, sondern im Herzen und in der Seele ist der Wert eines Menschen. Gott sieht euch und richtet euch von der Höhe seines Thrones. Wie viele sieht er, die besser sind als ihr! Daher hört mir zu!


Dies soll eure Verhaltensregel sein: Wenn man euch zu einem Hochzeitsmahl einlädt, wählt immer den letzten Platz. Doppelte Ehre wird euch zuteil, wenn der Hausherr euch auffordert: „Freund, komm nach vorn.“ Ehre des Verdienstes und Ehre der Demut. Welch traurige Stunde ist es jedoch für den Hochmütigen, wenn er beschämt wird und hören muss, wie man ihn zurechtweist: „Geh dort nach hinten, denn hier ist einer, der höher steht als du.“ Handelt ebenso beim geheimnisvollen Gastmahl eures Geistes, beim Hochzeitsmahl mit Gott. Wer sich erniedrigt, wird erhöht werden, und wer sich erhöht, wird erniedrigt werden.

Ismael, hasse mich nicht, weil ich dich heilen will. Ich hasse dich nicht und bin gekommen, um dich zu heilen. Du bist kränker als jener Mann, denn du hast mich eingeladen um deines eigenen Ruhmes willen und um deine Freunde zufriedenzustellen. Oft gibst du Einladungen, aber aus Hochmut und zum Vergnügen. Tue das nicht! Lade nicht Reiche, Verwandte und Freunde ein, sondern öffne dein Haus, öffne dein Herz den Armen, den Bettlern, den Krüppeln, den Lahmen, den Waisen und Witwen. Sie werden dir nur Segen bringen als Entgelt, doch Gott wird ihn in Gnaden für dich umwandeln. Dann, am Ende… Oh, welch glückliches Los erwartet alle Barmherzigen, die einst bei der Auferstehung der Toten von Gott belohnt werden!

Wehe denen, die nur der Hoffnung auf Nutzen schmeicheln und ihr Herz dem Bruder verschliessen, der ihnen nicht mehr dienen kann. Wehe ihnen! Ich werde mich anstelle der Verlassenen rächen.“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band VI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Das Brot, das Gott ist und der Wein, der Blut ist“

16/05/2010

(zum Sonntags-Evangelium vom 16. Mai 2010: Joh 17,20-26)

„Nun glaubt ihr? In der letzten Stunde? Seit drei Jahren spreche ich zu euch! Aber in euch wirkt schon das Brot, das Gott ist und der Wein, der Blut ist und nicht vom Menschen stammt. Sie verleihen euch den ersten Schauer der Vergöttlichung. Wenn ihr ausdauernd in meiner Liebe seid und mich immer besitzt, werdet ihr zu Göttern.

Nicht wie Satan es Adam und Eva versprach, sondern wie ich es euch sage. Es ist dies die wahre Frucht vom Baum des Guten und des Lebens. Das Böse ist besiegt in dem, der sich davon nährt und der Tod ist überwunden. Wer davon ißt, wird ewig leben und „Gott“ im Reich Gottes werden. Ihr werdet Götter sein, wenn ihr in mir bleibt. Und doch… obwohl ihr dieses Brot und dieses Blut in euch habt – denn die Stunde naht, da ihr zerstreut werdet – werdet ihr eures Weges gehen und mich alleinlassen…

Aber ich bin nicht allein. Ich habe den Vater bei mir. Vater! Vater! Verlaß mich nicht! Ich habe euch alles gesagt… Um euch den Frieden zu geben. Meinen Frieden. Noch werdet ihr betrübt sein. Doch glaubt mir. Ich habe die Welt überwunden.“

Jesus erhebt sich, öffnet weit die Arme und spricht mit leuchtendem Antlitz das erhabene, an den Vater gerichtete Gebet. Johannes gibt es uns wortwörtlich wieder.

Rio de Janeiro - Foto: Welch14

Die Apostel weinen mehr oder weniger laut und offen. Zuletzt singen sie ein Loblied.

Jesus segnet sie. Dann gebietet er: „Wir wollen jetzt die Mäntel anlegen und gehen. Andreas, sage dem Hausherrn, daß er alles so lassen soll. Das ist mein Wille. Morgen… werdet ihr euch freuen, diesen Ort wiederzusehen.“  Jesus betrachtet ihn. Er scheint die Wände, die Möbel, alles zu segnen. Dann hüllt er sich in seinen Mantel und geht, gefolgt von den Aposteln und Johannes an seiner Seite, auf den er sich stützt.

„Grüßt du deine Mutter nicht?“ fragt ihn der Sohn des Zebedäus.

„Nein. Es ist schon alles geschehen. Macht keinen Lärm.“

Simon, der eine Fackel an der Lampe entzündet hat, leuchtet voran im weiten Korridor, der zur Tür führt. Petrus öffnet vorsichtig das Haustor. Sie gehen auf die Straße hinaus und riegeln durch eine Vorrichtung von außen zu. Dann machen sie sich auf den Weg.

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. XI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Das Hohepriesterliche Gebet Jesu (Johannes 17,1-26):

Dies sagte Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.

Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.

Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt. Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.

Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.Aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.

Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt.

Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.

„Die Heilige Messe wiederholt die drei wichtigsten Punkte Meines Lebens“

„Das Gebet ist ein Akt der Liebe“

11/03/2010

Jesus sagt:

„Das Gebet ist ein Akt der Liebe.

Und lieben kann man, wenn man betet und wenn man Brot bäckt, wenn man betrachtet, wenn man einem Gebrechlichen beisteht, wenn man zum Tempel pilgert, wenn man sich der Familie widmet, wenn man ein Lämmlein darbringt, oder wenn man, um sich im Herrn zu sammeln, die eigenen selbstgerechten Wünsche opfert. Es genügt, daß man sein ganzes Sein und alles, was man tut, in Liebe kleidet.

Habt keine Angst! Der Vater sieht euch. Der Vater versteht euch. Der Vater hört euch an. Der Vater gibt euch. Wieviel Gnaden werden schon für einen einzigen, wahrhaftigen, vollkommenen Liebesseufzer gewährt! Welche Fülle für ein geheimes, mit Liebe dargebrachtes Opfer!

Seid nicht wie die Heiden. Gott hat es nicht nötig, dass ihr ihm sagt, was er tun und geben soll, um euch zu helfen. Das können die Heiden ihren Götzen sagen, die nichts verstehen, nicht aber ihr eurem Gott, dem wahren, geistigen Gott, der nicht nur Gott und König, sondern auch euer Vater ist und weiß, was ihr braucht, noch bevor ihr ihn darum bittet.

Bittet, und ihr werdet empfangen, sucht, und ihr werdet finden, klopft an, und es wird euch aufgetan. Denn wer bittet, empfängt, wer sucht, der findet und wer anklopft, dem wird aufgetan. Wenn eines eurer Kinder das Händchen hinhält und sagt: „Vater, ich habe Hunger“, gebt ihr ihm dann vielleicht einen Stein? Gebt ihr ihm eine Schlange, wenn es euch um einen Fisch bittet? Nein, im Gegenteil, ihr gebt ihm Brot, Fisch und noch mehr: Liebkosung und Segen, denn für einen Vater ist es wunderbar, sein Geschöpf zu ernähren und sein glückliches Lächeln sehen zu können.

Wenn ihr also, trotz eures unvollkommenen Herzens euren Kindern aus natürlicher Liebe heraus gute Gaben zu geben wißt, wie auch das Tier mit seiner Brut es tut, wieviel mehr wird euer Vater, der im Himmel ist, denen geben, die ihn um gute und ihrem Wohl zuträgliche Dinge bitten. Habt keine Angst zu bitten, und fürchtet nicht, das Erbetene zu erhalten.

Jedoch –  hier muss ich euch vor einem Irrtum warnen, dem man leicht verfallen kann – macht es nicht wie die Schwachen im Glauben und in der Liebe, die Heiden der wahren Religion – denn auch unter den Gläubigen gibt es Heiden, deren armseliger Glaube ein Gewirr von Aberglauben und wahrem Glauben, ein heruntergekommenes Gebäude ist, in dessen Mauerrissen sich Unkraut und Schmarotzerpflanzen jeglicher Art eingenistet haben, so dass die Mauer abzubröckeln beginnt, wenn sie sehen, dass sie nicht erhört werden.“

Auszug aus “Der Gottmensch″ (Band III) von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch

Die Seligpreisungen

31/10/2009
(Entsprechung zum Sonntags-Evangelium vom 1. November 09: Mt 5, 1-12)

Jesus geht durch den Talgrund und steigt etwas höher die Wiese empor, lehnt sich an die Felswand und beginnt zu sprechen:

Carl Bloch: Die Bergpredigt

« … Wie gewinnt man Gott und sein Reich auf einem leichteren Weg als dem mühsamen Pfad des Sinai? » fragt ihr. Es gibt keinen anderen Weg. Nur dieser ist es. Doch lasst ihn uns betrachten, nicht in der Farbe der Drohung, sondern in jener der Liebe. Sagen wir nicht: « Wehe, wenn ich das nicht tue! » während man aus Angst, der Sünde nicht wiederstehen zu können, furchtsam erzittert. Sagen wir: « Selig, wenn ich dies tue »; und schwingen wir uns mit übernatürlicher Freude jubelnd empor, um diese Seligkeiten zu erreichen, die der Befolgung des Gesetzes entspringen, und wie Rosenblüten aus einem Dornenstrauch hervorwachsen.

Selig, wenn ich arm im Geiste bin, denn mein ist das Himmelreich!

Selig, wenn ich sanftmütig bin, denn ich werde das Land erben!

Selig, wenn ich mich nicht gegen den Schmerz auflehne, denn ich werde getröstet werden!

Selig, wenn ich mehr hungere und dürste nach Gerechtigkeit als nach Brot und Wein, um mein Fleisch zu sättigen, denn die Gerechtigkeit wird mich sättigen!

Selig, wenn ich Barmherzigkeit übe, denn ich werde göttliche Barmherzigkeit erfahren!

Selig, wenn ich reinen Herzens bin, denn Gott wird sich über mein reines Herz neigen, und ich werde Gott schauen!

Selig, wenn ich den Geist des Friedens in mir habe, denn ich werde Kind Gottes genannt werden; denn im Frieden ist Liebe, und Gott ist Liebe und er liebt jene, die ihm ähnlich sind.

Selig, wenn ich um der Gerechtigkeit willen verfolgt werde, denn Gott, mein Vater, wird mir als Belohnung für die irdischen Verfolgungen das Himmelreich geben.

Selig, wenn ich geschmäht und verleumdet werde, weil ich dein Kind bin, o Gott! Nicht Trostlosigkeit sondern Freude wird mir daraus erwachsen, denn so werde ich deinen besten Dienern, den Propheten, gleich, die aus demselben Grund verfolgt wurden. Ich glaube beharrlich, dass ich mit ihnen einst an der erhabenen, ewigen Belohnung teilhaben werde: am Himmel, der mein sein wird. »

Auszug aus “Der Gottmensch″, Band III  von Maria Valtorta, mit  der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören.

„Ich bin gekommen, um zu dienen“

17/10/2009
(zum Sonntags-Evangelium vom 18. Oktober 09: Mk 10, 35-45)

 

Während sie sich vom langen Gehen etwas ausruhen und einige etwas Brot essen, nähert sich die Mutter des Jakobus und des Johannes Jesus und wirft sich vor ihm nieder. Jesus hat sich nicht einmal gesetzt und hat es eilig, sich wieder auf den Weg zu machen.

Da sie offensichtlich um etwas bitten will, fragt Jesus sie : « Was willst du, Frau? Sprich. »

« Gewähre mit eine Gnade, bevor du fortgehst, wie du sagst. »

« Und welche? »

« Sage, dass diese meine Söhne, die alles für dich verlassen haben, einer zu deiner Rechten und der andere zu deiner Linken sitzen sollen, wenn du in deiner Herrlichkeit in deinem Reich auf dem Thron sitzen wirst. »

Jesus schaut die Frau und dann die beiden Apostel an und sagt : « Ihr habt eure Mutter auf diesen Gedanken gebracht und also meine Verheissungen von gestern völlig falsch verstanden. Das Hundertfache dessen, was ihr verlassen habt, werdet ihr nicht in einem Reich auf dieser Welt erhalten. Seid nun auch ihr gierig und töricht geworden? Nein, es ist nicht eure Schuld. Die trübe Dämmerung der Finsternis breitet sich schon aus, und die verpestete Luft des nahen Jerusalem verdirbt und blendet euch… Ich sage euch, ihr wisst nicht, um was ihr mich bittet! Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? »

« Wir können es, Herr. »

« Wie könnt ihr dies sagen, da ihr nicht einmal verstanden habt, wie bitter mein Kelch sein wird? Es wird nicht nur die Bitterkeit sein, die ich euch gestern geschildert habe, meine Bitterkeit als Mann aller Schmerzen. Es werden auch Qualen sein, die ihr nicht begreifen könntet, selbst wenn ich sie euch beschreiben würde… Und doch, obwohl ihr noch zwei Kindern gleicht, die nicht wissen, worum sie bitten, so seid ihr doch auch zwei ehrliche und mich liebende Seelen und werdet von meinem Kelch trinken. Aber das Sitzen zu meiner Rechten und zu meiner Linken, das habe nicht ich zu vergeben, sondern es wird denen zuteil werden, denen mein Vater es vorbehalten hat. »

 

Giovanni A. da Lodi: Apostel Petrus u. Johannes

Giovanni A. da Lodi: Apostel Petrus u. Johannes

Während Jesus noch redet, empören sich die anderen Apostel über die Bitte der Söhne des Zebedäus und ihrer Mutter. Petrus sagt zu Johannes : « Auch du! Ich erkenne dich nicht wieder als der, der du immer gewesen bist! »

Und Iskariot sagt mit seinem hämischen Lächeln : »Wahrlich, die Ersten werden die Letzten sein! Welch eine Zeit der Erkenntnisse und der Überraschungen… » und er wird ganz grün vor Hohn.

« Sind wir etwa der Ehren wegen dem Meister gefolgt? » rügt Philippus.

Thomas wendet sich an Maria Salome anstatt an die beiden und sagt : »Warum beschämst du deine Söhne? Wenn sie nicht nachgedacht haben, dann hättest du es tun sollen, um dies zu vermeiden. »

« Das ist wahr. Unsere Mutter hätte nicht so gehandelt », sagt Thaddäus.

Bartholomäus spricht nicht, aber sein Gesicht drückt seine ganze Missbilligung aus.

Simon der Zelote sagt, um die Entrüsteten zu beruhigen : »Alle können wir Fehler machen… »

Matthäus, Andreas und Jakobus des Alphäus schweigen und leiden sichtlich unter dem Vorfall, der auf die schöne Vollkommenheit des Johannes einen Schatten wirft.

Jesus gebietet Schweigen durch eine Geste und sagt : »Sollen nun aus einem Fehler viele werden? Ihr, die ihr entrüstet tadelt, merkt ihr denn nicht, dass ihr selbst sündigt? Lasst eure Brüder in Ruhe. Mein Tadel genügt. Ihre Beschämung ist offensichtlich, und ihre Reue demütig und aufrichtig. Ihr müsst euch gegenseitig lieben und helfen. Denn wahrlich, keiner von euch ist schon vollkommen. Ihr dürft die Welt und die Menschen in ihr nicht nachahmen. Ihr wisst, dass in der Welt die Herrscher der Völker sie unterjochen und die Grossen in ihrem Namen Gewalt an ihnen verüben. Aber bei euch soll es nicht so sein. Ihr sollt nicht danach trachten, die Menschen oder eure Gefährten zu beherrschen. Wer unter euch der Grösste sein will, soll euer Diener sein, und wer unter euch der Erste sein will, soll euer Knecht sein. So wie es euch euer Meister gezeigt hat. Bin ich etwa gekommen, um euch zu unterdrücken und euch zu beherrschen? Oder um mich bedienen zu lassen? Nein. Wahrlich, nein. Ich bin gekommen, um zu dienen. Und so, wie der Menschensohn nicht gekommen ist, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zur Rettung vieler hinzugeben, so sollt auch ihr handeln, wenn ihr sein wollt, wie ich bin und wo ich bin. Nun geht. Und bleibt in Frieden untereinander, wie ich es mit euch bin. »

Jesus sagt mir:

« Ich weise ausdrücklich darauf hin: ‘… ihr werdet von meinem Kelch trinken.’ In den Übersetzungen steht : ‘meinen Kelch‘. Ich habe gesagt: ‘von meinem’, nicht ‘meinen’. Kein Mensch hätte meinen Kelch trinken können. Nur ich, der Erlöser,  musste meinen ganzen Kelch austrinken. Gewiss, meinen Jüngern, denen, die mich nachahmen und lieben, ist es gewährt, von dem Kelch zu trinken, den ich getrunken habe, den Tropfen, den Schluck oder die Schlücke, den die Auserwählung durch Gott ihnen zu trinken gewährt. Aber niemals wird irgend jemand den ganzen Kelch trinken, wie ich ihn getrunken habe. Daher ist es richtig zu sagen: ‘von meinem Kelch’ und nicht ‘meinen Kelch’. » (1)

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(1) Im Aramäischen, der Sprache Jesu, gibt es keinen Unterschied zwischen Dativ und Akkusativ; Jesus kann also sehr wohl ‚von meinem Kelch’ gesagt haben.

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Auszug aus “Der Gottmensch″, Band X  von Maria Valtorta, mit  der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören.

Eine kleine weiße Blume

01/10/2009

1. Oktober: Gedenktag der heiligen Therese vom Kinde Jesu

Kleine Therese

Am 9. Juni dieses Jahres, am Fest der Heiligen Dreifaltigkeit, wurde mir die Gnade zuteil, klarer denn je zu erkennen, wie sehr Jesus sich danach sehnt, geliebt zu werden (1).

Ich dachte an jene Seelen, die sich der Gerechtigkeit Gottes anbieten, um die über die Sünder verhängten Strafen abzuwenden und auf sich zu lenken. Diese Aufopferung erschien mir groß und hochherzig, doch fühlte ich keine Neigung, ein Gleiches zu tun. Oh mein Gott, rief ich aus Herzensgrund, soll denn nur deine Gerechtigkeit Seelen empfangen, die sich als Schlachtopfer darbringen?… Bedarf denn deine Erbarmende Liebe ihrer nicht ebenso?…

Von allen Seiten wird sie verkannt, verworfen; die Herzen, an die du sie verschwenden möchtest, kehren sich den Geschöpfen zu und erbetteln von ihrer erbärmlichen Zuneigung das Glück, statt sich in deine Arme zu werfen und deine unendliche Liebe anzunehmen… O mein Gott! soll deine verschmähte Liebe nunmehr in deinem Herzen verbleiben?

Fändest du Seelen, die sich deiner Liebe als Ganz-Brandopfer darböten, ich meine, du würdest sie schnell verzehren; mir scheint, du wärest glücklich; die Fluten unendlicher Zärtlichkeit, die in dir sind, nicht länger zurückzudrängen… Wenn deine Gerechtigkeit die Neigung hat, sich zu entladen, sie, die sich doch nur auf die Erde erstreckt, wieviel mehr verlangt dann deine erbarmende Liebe danach, die Seelen zu entflammen, weil doch eine Barmherzigkeit sich erhebt bis zum Himmel (2)…

Oh mein Jesus, lass mich dies glückliche Opfer sein, verzehre dein Brandopfer mit dem Feuer deiner Göttlichen Liebe!…“

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(1) Am 11. Juni 1895 vollzog Therese den Akt ihrer Hingabe an die barmherzige Liebe. (2) Vgl. Psalm 35,5

aus: Therese von Lisieux: Selbstbiographische Schriften, erschienen im Johannes Verlag, Einsiedeln, Freiburg

Therese Martin

Therese, geboren 1873, trat mit fünfzehn Jahren in den Karmel von Lisieux ein. Damals hatte sie bereits eine ungewöhnlich reiche religiöse Erfahrung. Sie selbst betrachtete Weihnachten 1886 als entscheidendes Ereignis in ihrem Leben; sie erfuhr die Gnade einer „völligen Umkehr“ und verstand von da an die Liebe zu Christus und zu den Menschen als die eigentliche Berufung ihres Lebens. Ihr Leben im Karmel verlief äußerlich sehr einfach; ihr innerer Weg ging steil nach oben. Sie begriff, dass ihre Christusliebe sich in der Kreuzesnachfolge verwirklichen musste. Die Heilige Schrift wurde mehr und mehr ihre einzige Lektüre; innere Prüfungen und körperliche Krankheit waren ihr Alltag. In der Nacht zum Karfreitag 1896 hatte sie ihren ersten Bluthusten; am 30. September 1897 starb sie mit den Worten: „Mein Gott, ich liebe dich.“ Über ihre innere Welt sind wir durch ihre Aufzeichnungen „Geschichte einer Seele“ und ihre von der Priorin gesammelten „Worte“ unterrichtet. Therese ging auf das Ganze, auf das Große. Sie wollte Jesus mehr lieben, als er jemals geliebt wurde; sie brachte sich der barmherzigen Liebe Gottes als Brandopfer dar; sie wollte alle Menschen lieben, wie Jesus sie liebte. Vor Hochmut wurde sie durch die Erkenntnis bewahrt, dass sie selbst zu alledem völlig unfähig war und nur durch die Kraft der zuvorkommenden Liebe Gottes überhaupt etwas tun konnte. – Papst Pius XI. hat sie 1925 heilig gesprochen und zur Patronin der Missionen erhoben. (Quelle: katholisch.de)