Posts Tagged ‘Gottesliebe’

„Sie hat alles gegeben“

10/11/2012

Sonntagsevangelium vom 11. November 2012: Mk 12,38-44

Zum entsprechenden Valtorta-Auszug „Das Scherflein der Witwe“ geht es hier.

Nachstehend ein dazu passender und berührender Auszug aus der Selbstbiographie der Hl. Therese vom Kinde Jesu, gefunden auf evangeliumtagfuertag.org:

„Ich will dich im Buch des Lebens lesen lassen, das die Wissenschaft der Liebe enthält“. Die Wissenschaft der Liebe, o ja, dies Wort tönt süß im Ohr meiner Seele; nur diese Wissenschaft begehre ich. Nachdem ich alle meine Schätze für sie dahingab, habe ich, wie die Braut des Hohenliedes (vgl. Hld 8,7), die Empfindung, nichts gegeben zu haben… Ich begreife so gut, dass nur die Liebe uns dem lieben Gott wohlgefällig zu machen vermag, und so ist diese Liebe das einzige Gut, das ich begehre.

Jesus gefällt es, mir den einzigen Weg zu zeigen, der zu diesem göttlichen Glutofen führt; dieser Weg ist die Hingabe des kleinen Kindes, das angstlos in den Armen seines Vaters einschläft… „Wer unerfahren ist, kehre hier ein“ (Spr 9,4), hat der Heilige Geist durch den Mund Salomos gesagt, und derselbe Geist der Liebe hat ferner gesagt: „Der Geringe erfährt Nachsicht und Erbarmen“ (Weish 6,6). In seinem Namen verkündet uns der Prophet Jesaja, dass am letzten Tage der Herr „wie ein Hirt seine Herde zur Weide führt und die Lämmer auf dem Arm trägt“ (Jes 40,11)…

Ach! Fühlten doch alle schwachen und unvollkommenen Seelen, was die kleinste aller Seelen empfindet, die Seele Ihrer kleinen Therese; so würde keine einzige daran verzweifeln, den Gipfel des Berges der Liebe zu erreichen; denn Jesus fordert keine großen Taten, sondern nur Hingabe und Dankbarkeit. Sagt er doch im Psalm 50: „Ich nehme von dir Stiere nicht an noch Böcke aus deinen Hürden. Denn mir gehört alles Getier des Waldes, das Wild auf den Bergen zu Tausenden. Ich kenne alle Vögel des Himmels… Hätte ich Hunger, ich brauchte es dir nicht zu sagen, denn mein ist die Welt und was sie erfüllt. Soll ich denn das Fleisch von Stieren essen und das Blut von Böcken trinken? Bring Gott als Opfer dein Lob“ (Ps 50,9-13). Das ist alles, was Jesus von uns fordert. Er bedarf unserer Werke nicht, sondern nur unserer Liebe; denn derselbe Gott, der erklärt, er brauche es uns nicht zu sagen, wenn er hungere, hat sich nicht gescheut, von der Samariterin ein wenig Wasser zu erbitten (Joh 4,7). Ihn dürstete… Er hatte Durst nach Liebe. Ach! Mehr denn je fühle ich: Jesus dürstet. Er trifft nur auf Undankbare und Gleichgültige unter den Jüngern der Welt, und unter seinen eigenen Jüngern findet er – ach! – so wenig Herzen, die sich ihm ohne Rückhalt hingeben und die ganze Zärtlichkeit seiner unendlichen Liebe verstehen.

Die Samariterin Fotinai

Eine kleine weiße Blume

Das Gesetz Gottes dreht sich ganz und gar um die Liebe: um die Gottes- und die Nächstenliebe

04/11/2012

zum Evangelium vom 4. November 2012: Mk 12,28b-34

21. Oktober [1943]

Jesus sagt:

„(…) Im ersten Gebot gebiete ich euch mit aller Feierlichkeit, die die Würde meiner göttlichen Natur gegenüber eurer Nichtigkeit erfordert, verehrungsvolle Liebe: „Ich bin der Herr, dein Gott“.

Allzu oft vergesst ihr das, o ihr Menschen, die ihr euch Götter glaubt, und wenn der Geist in euch nicht von der Gnade belebt ist, seid ihr doch nichts anderes als Staub und Fäulnis, Lebewesen, die ihrer Tierheit lediglich die Gerissenheit der von dem TIER besessenen Intelligenz beigesellen, die euch tierische Werke, ja, schlimmere als tierische, vollbringen lässt: dämonische.

Sagt euch am Morgen und am Abend, sagt euch am Mittag und zur Mitternacht, sagt euch, wenn ihr esst, wenn ihr trinkt, wenn ihr schlafen geht, wenn ihr erwacht, wenn ihr arbeitet, wenn ihr ruht, sagt euch, wenn ihr liebt, wenn ihr Freundschaften schließt, sagt euch, wenn ihr befehlt und wenn ihr gehorcht, sagt euch immer: „Ich bin nicht Gott. Speise und Trank und Schlaf sind nicht Gott. Die Arbeit, die Ruhe, die Beschäftigungen, die Werke des Genies sind nicht Gott. Die Frau, oder schlimmer: die Frauen sind nicht Gott. Die Freundschaften sind nicht Gott. Die Vorgesetzten sind nicht Gott.

Einer nur ist Gott: Er ist mein Herr, der mir das Leben gegeben hat, damit ich damit das ewige unsterbliche Leben verdiene, der mir Kleider, Speisen, Wohnung gegeben hat, damit ich mir damit den Lebensunterhalt verdiene, die Genialität, damit ich bezeuge, König der Erde zu sein, der mir Liebesfähigkeit gegeben hat und Geschöpfe, die ich ‚in Heiligkeit‘, nicht aber in Begierlichkeit lieben darf, der mir Vollmacht und Autorität verliehen hat, damit ich sie zum Mittel der Heiligung und nicht der Verdammnis mache. Ich darf ihm ähnlich werden, denn Er hat gesagt: ‚Ihr seid Götter‘, freilich nur, wenn ich Sein göttliches Leben, das heißt, Seine Liebe lebe. Einer nur ist Gott: Ich bin Sein Kind und Untergebener, der Erbe Seines Königreiches. Wenn ich jedoch fahnenflüchtig und zum Verräter werde, wenn ich mir ein eigenes Reich schaffe, in dem ich auf menschliche Weise König und Gott sein will, verliere ich das wahre Königreich, und meine Bestimmung des Gotteskindes verfällt und sinkt herab auf die des Satanskindes, da man nicht gleichzeitig dem Egoismus und der Liebe dienen kann, und der, welcher dem Ersteren dient, dem Feind Gottes dient und die göttliche Liebe, das heißt Gott, verliert.“

Entfernt all die falschen Götter aus eurem Sinn und eurem Herzen, die ihr dort inthronisiert habt, angefangen von dem Gott des Schlammes, der ihr selbst seid, wenn ihr nicht in Mir lebt. Bedenkt, was ihr Mir schuldet für all das, was Ich euch gegeben habe – und Ich hätte euch noch mehr gegeben, wenn ihr nicht eurem Gott durch eure Lebensweise die Hände gebunden hättet – für das alltägliche und das ewige Leben. Für dieses hat Gott euch Seinen eigenen Sohn hingegeben, der wie ein fleckenloses Lamm hingeopfert werden und mit Seinem Blut eure Schuld abwaschen sollte und so nicht, wie zu den Zeiten des Mose, die Schuld der Väter bis in die vierte Generation auf die Söhne der Sünder als „die, die Mich hassen“ zurückfalle, denn die Sünde ist Beleidigung Gottes, und wer beleidigt, hasst.

Errichtet keine Altäre für falsche Götter. Stellt auf den lebendigen Altar eures Herzens – und nicht so sehr auf die steinernen Altäre – einzig und allein euren Herrgott. Ihm sollt ihr dienen und Ihm einen wahren Kult der Liebe, der Liebe, nur der Liebe darbringen, ach, ihr Kinder, die ihr nicht zu lieben wisst, die ihr nur und immer nur Lippengebete zu murmeln wisst, bloße Worte, nicht aber eure Liebe zum Gebet macht, zu dem einzigen, das Gott wohlgefällt.

Denkt daran, dass ein wahrer Herzschlag der Liebe, der wie eine Weihrauchwolke aus den Flammen eures in Mich verliebten Herzens aufsteigt, für Mich einen unendlich viel größeren Wert hat als tausend und abertausend Gebete und Zeremonien, die mit lauem oder kaltem Herzen verrichtet werden. Ihr zieht Meine Barmherzigkeit durch eure Liebe auf euch. Wenn ihr wüsstet, wie tätig und groß Meine Barmherzigkeit für den ist, der Mich liebt! Sie ist eine Woge, die über euch hinflutet und jeden Flecken von euch abwäscht. Sie schenkt euch eine schneeweiße Stola, um in die heilige Stadt des Himmels einzutreten, in der die Liebe des Lammes, das sich für euch hingeopfert hat, als Sonne strahlt. (…)“

Auszug aus “Die Hefte 1943″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

Die in die Flammen des Fegefeuers getauchten Seelen leiden einzig und allein aus Liebe

Jesus spricht zu den Aposteln über die verschiedenen Arten der Liebe (2)

23/01/2012

(zurück zu Teil 1)

„… Die Liebe des Menschen, besonders der Frau zum Kind, hat den Ursprung im Befehl Gottes, der zu Adam und Eva sagte, nachdem er sie gesegnet und festgestellt hatte, dass er ‚Gutes getan‘ hatte an seinem fernen sechsten Tage, dem ersten sechsten Tage der Schöpfung: ‚Wachst und mehrt euch und erfüllt die Erde…‘

Ich kenne deine unausgeprochene Entgegnung und antworte dir sofort wie folgt: Da in der Schöpfung vor dem Sündenfall alles durch Liebe geregelt und auf die Liebe gegründet war, wäre diese Vermehrung der Kinder eine heilige, mächtige und vollkommene Liebe gewesen. Und Gott hat sie dem Menschen als erstes Gebot gegeben: ‚Wachst, mehrt euch.‘ Liebt also nach mir eure Söhne! Die Liebe, wie sie heute ist, die jetzige Art, Kinder zu zeugen, gab es damals noch nicht. Der Mann liebte die Frau, und die Frau liebte den Mann auf natürliche Weise, nicht gemäß der Natur, wie ihr Menschen sie versteht, sondern gemäß der Natur der Kinder Gottes, also übernatürlicherweise.

Selige erste Tage der Liebe zwischen den beiden, die Geschwister waren, da sie denselben Vater hatten, und die doch auch Gatten waren und sich in der Liebe wie mit unschuldigen Augen von Zwillingen in der Wiege ansahen. Der Mann empfand väterliche Liebe für die Gefährtin: ‚Bein von seinem Bein und Fleisch von seinem Fleisch‘, so wie es der Sohn von seinem Vater ist; und die Frau kannte die Freude, Tochter zu sein, also beschützt von einer gar hohen Liebe; denn sie spürte, dass sie etwas in sich hatte vom herrlichen Mann, den sie mit Unschuld und engelhafter Leidenschaft in den schönen Gärten Edens liebte!

In der Ordnung der von Gott seinen geliebten Kleinen mit einem Lächeln gegebenen Gebote fügt sich das Gebot hinzu, das Adam, der durch die Gnade mit einer Intelligenz begabt wurde, die nur von der Intelligenz Gottes übertroffen wurde, selbst bestätigte in Bezug auf seine Gefährtin und in ihr für alle Frauen: den Ratschluss Gottes, der sich deutlich im klaren Spiegel des Geistes Adams widerspiegelte und im Gedanken und Wort aufblühte: ‚Der Mann verläßt seinen Vater und seine Mutter und vereinigt sich mit seiner Gattin, und die beiden werden nur ein Fleisch sein.‘

Wenn nicht die drei Säulen der genannten Arten der Liebe wären, gäbe es eine Nächstenliebe? Nein! Es könnte keine geben. Die Liebe zu Gott macht Gott zum Freund und lehrt die Liebe. Wer Gott nicht liebt, der gut ist, kann seinen Nächsten nicht lieben, der meist fehlerhaft ist. Wenn es keine Gatten- und Elternliebe auf der Welt gäbe, dann gäbe es keinen Nächsten, denn der Nächste ist das Kind, das von den Menschen geboren wird. Bist du nun überzeugt?“

„Ja, Meister. Ich hatte nicht darüber nachgedacht.“

„Es ist nicht einfach, zu den Quellen vorzudringen. Der Mensch ist seit Jahrtausenden im Schlamm eingesunken, und diese Quellen entspringen nur in den Höhen! Die erste Quelle entspringt auf einem Abgrund von Höhe: Gott! Ich aber will euch an der Hand nehmen und zu den Quellen geleiten. Ich weiß, wo sie sind…“

„Und die anderen Liebesarten?“ fragen Simon der Zelote und der Mann aus Endor gleichzeitig.

„Die erste der zweiten Reihe ist die Nächstenliebe. In Wirklichkeit handelt es sich um die Liebe vierten Grades. Dann kommt die Liebe zur Wissenschaft, und darauf die Liebe zur Arbeit.“

„Sind das alle?“

„Das sind alle.“

„Aber es gibt noch viele andere Arten der Liebe“, ruft Iskariot aus.

„Nein, es gibt andere Gelüste. Das sind keine Liebesarten. Sie sind gegen die Liebe. Sie leugnen Gott, sie leugnen den Menschen. Es kann sich also nicht um Liebe handeln, denn sie sind ihr Gegenteil, also Hass.“ (…)

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. IV von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Jesus spricht zu den Aposteln über die verschiedenen Arten der Liebe (1)

10/01/2012

„Was willst du sagen, Meister, wenn du von Liebe zweiten Grades sprichst?“ fragt Judas Thaddäus.

„Mein Freund, es gibt Liebe verschiedener Art. Ersten Grades ist jene, die man Gott schenkt. Die Liebe zweiten Grades ist die mütterliche oder väterliche Liebe. Denn wenn die erste Liebe ganz geistig ist, so ist die zweite zu zwei Drittel geistig und zu einem Drittel fleischlich. Hier mischt sich das menschliche Gefühl bei, aber es herrscht das höhere vor; denn eine Mutter und ein Vater, die gesund und heiligmäßig leben, beschränken sich nicht darauf, den Körper des Kindes zu ernähren und zu liebkosen, sondern geben auch dem Geist und der Seele ihres Geschöpfes Nahrung und Liebe. Es ist wahr, wenn ich sage, dass wer sich den Kindern widmet, wenn auch nur um sie zu unterrichten, sie schliesslich liebt wie sein eigenes Fleisch.“

„Ich habe meine Schüler sehr geliebt“, sagt Johannes von Endor.

„Ich habe verstanden, dass du ein sehr guter Lehrer gewesen bist, als ich beobachtete, wie du mit Jabe umgehst.“

Der Mann von Endor neigt sich und küsst die Hand Jesu, ohne zu antworten.

„Fahre fort, ich bitte dich, mit der Klassifizierung der Liebe“, bittet der Zelote.

„Es gibt die Gattenliebe, die Liebe dritten Grades; sie ist zur Hälfte – ich spreche immer von einer gesunden, heiligen Liebe – geistig und zur anderen Hälfte körperlich. Der Mann ist für seine Frau außer dem Gatten ein Lehrer und ein Vater; und die Frau ist für den Mann außer der Gattin ein Engel und eine Mutter. Dies sind die drei Arten der höheren Liebe.“

„Und die Nächstenliebe? Irrst du dich nicht? Oder hast du dies vergessen?“ fragt Iskariot. Die anderen blicken ihn erstaunt und entsetzt ob dieser Bemerkung an.

Aber Jesus antwortet ruhig: „Nein, Judas! Aber schau, Gott wird geliebt, weil er Gott ist, und keine Erklärung ist nötig, um von der Notwendigkeit dieser Liebe zu überzeugen. Gott ist, der ist, also alles; und der Mensch ist das Nichts, das Anteil an dem „alles“ hat durch die vom Ewigen eingegossene Seele, ohne welche der Mensch eines der vielen unvernünftigen Tiere wäre, die auf der Erde, im Wasser oder in der Luft leben. Und der Mensch muss Gott anbeten, um zu verdienen, in dem „alles“ zu überleben; das heisst verdienen, Teil des heiligen Volkes Gottes im Himmel zu werden, Bürger des Jerusalem, das in alle Ewigkeit keine Schändung und Zerstörung kennen wird.“

weiter zu Teil 2

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. IV von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Hl. Rafael Arnaiz Baron (14)

09/04/2011

Heute, am 9. April 2011, ist der 100. Geburtstag des spanischen Trappisten Rafael Arnaiz Baron, der am am 11. Oktober 2009 heilig gesprochen wurde. Er ist einer (der jüngste) der Patrone des Weltjugendtages in Madrid.

Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas an Diabetes verstorbene Mystiker beeindruckt vor allem durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

Den folgenden Brief schrieb er von seinem Elternhaus aus an seine Tante (mit der er verabredet hatte, sich gegenseitig mit ‚Bruder‘ und ‚Schwester‘ anzureden), nachdem er ca. 2 Jahre vorher die Abtei aufgrund seiner Erkrankung  verlassen musste. Seine Rückkehr in die ‚Trapa‘ stand kurz bevor:

An seine Tante Maria, Herzogin von Maqueda, von Oviedo aus

26. November 1935 – Dienstag – im Alter von 24 Jahren

Meine liebste Schwester! Ich weiss nicht, wie ich beginnen soll. Dein Brief heute war für mich etwas, wofür ich weder Gott noch Dir genug danken kann. Er möge Dich segnen!

Ich sage Dir nur, dass ich in diesen Tagen eine Stelle aus der Sext des Offiziums betrachtet habe, die lautet: „Helft euch gegenseitig beim Tragen der Lasten. So werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal 6,2).

Wie tröstlich, nicht wahr? Und was machen wir? Ich weiss nicht, aber in Deinem Brief habe ich heute morgen eine ganz zarte, von Christus herrührende Liebe gesehen. Du möchtest mir helfen, mich trösten und ein wenig mein Kreuz tragen helfen; Du möchtest mein Mann aus Cyrene sein. Gepriesen sei die Liebe der Geschöpfe, die solche Dinge vollbringt! Gelobt sei der Herr, der uns ein Herz schenkt, das uns manchmal leiden, aber auch viele reine und übernatürliche Freuden erfahren lässt! Das geschieht, wenn wir Seelen begegnen, die uns derart lieben, wie du mir in Deinem Brief zeigst. Liebe Schwester, Du bist ein Engel, den mir der Herr in genau dem Augenblick schickt, da ich es am dringendsten benötige… Es soll Dir nicht sehr wichtig sein, dass ich es Dir sage, aber ich sehe es wirklich so.

Gerade jetzt, da ich dir zu schreiben beginne, komme ich vom Kloster der ‚Esclavas‘ zurück. Es ist halb sieben. Dort, vor dem Herrn und mit Deinem Brief in der Tasche, habe ich vor Freude fast geweint… Wie sehr liebst du mich, Herr! Wenn  Du wüsstest, Schwesterlein, wie glücklich ich bin! Du auch, nicht wahr?

Sieh, ich ging hin zu Jesus, um Ihm alles zu erzählen, so wie ich es immer tue, wenn ich einen Brief von Dir erhalte. Zuerst hielt ich einen Akt der Danksagung. Gott behandelt mich auf eine Weise, wie ich es nicht verdiene. Kurz und gut, warum sollte ich Dir alles nochmals aufzählen? Danach überdachte ich einige Dinge, die Du mir schreibst und von denen Du mich bittest, nicht böse darüber zu sein. Um Gottes willen, ich werde doch nicht ärgerlich darüber und habe Dir nichts zu verzeihen! Du meinst das nur. Du glaubst, dass ich so gut bin. Ich erzählte es dem Herrn, und wir lachten beide ein wenig. Ich sage es Dir in aller Einfachheit. Jesus gab mir zu verstehen, dass ich weder von Ihm noch vor Seiner Mutter etwas gewinne oder verliere durch die Meinung, die Du vielleicht von mir hast – das sei unwichtig.

Du bist wirklich ein ‚goldiges Fräuchen‘, liebe Schwester. Ich finde das ganz lustig und beneide fast Deine Treuherzigkeit. Du kannst mir mitteilen, was Du willst… Gott weiss alles, und ich erzähle Ihm schliesslich auch alles.

Als ich das heute nachmittag tat und merkte, dass der Herr mir zuhörte und auch lächelte, empfand ich plötzlich eine so grosse Freude, dass ich – hätte ich die Leute um mich herum nicht bemerkt – zu lachen angefangen hätte wie ein Irrer; mehr brauche ich Dir wohl nicht zu sagen.

Anschliessend konzentrierte ich mich sehr, und diese etwas unpassende Äusserung der Freude verwandelte sich in einen ganz grossen Frieden… Wenn Du sehen könntest, Schwester, wie gut Gott ist! Ich vergass alles: mich, Dich, alles… Jesus liebt mich so sehr, liebe Schwester! Liebe auch Du Gott ganz innig! Könntest Du doch auch diese Erfahrung machen! Nun gut…

 

Später liess Er mich merken, dass immer noch eine arme alte Frau in der Kirche war, die neben mir kniete und ganz fürchterlich anfing zu husten. Zuerst machte sie mich ungeduldig, dann aber war ich so beschämt über meine Ungeduld, dass ich die arme Frau bei der Hand nahm und sie der Jungfrau Maria vorstellte. Ich bat die Herrin, sich ihrer anzunehmen – und der Husten hörte auf. Dann betete ich für sie. Ich begann mit dem alten Frauchen neben mir, und schliesslich stellte ich alle Glaubenden unter den Schutzmantel der Gottesmutter. Hin und wieder habe ich derartige innere Anwandlungen, und ich sage Dir: dann fällt es mir schwer, stillzuhalten. Gut, versteh mich bitte recht!

Ich blieb in der Kirche, bis man mich hinauswarf (ich weiss nicht, wie man dieses Wort schreibt; verzeih meinen Fehler!) [Er schreibt ‚hecharon‘ statt ‚echaron‘, streicht das ‚h‘ aber durch.] Ich ging sehr fröhlich fort, weil ich eine Weile bei Jesus verbracht hatte, und hätte den Küster am liebsten umarmt. Wie glücklich bin ich doch, Schwesterlein! Wie sehr liebt mich Jesus!

Du, ja Du musst mir die Dinge verzeihen, die ich Dir erzähle. Aber ich möchte Dich teilnehmen lassen sowohl an meinen Freuden als – ich würde sagen – auch an meinen Leiden… Aber gut, was meine Leiden angeht, lassen wir es. Sie gehen rasch vorüber; der Herr lässt nicht zu, dass ich mich lange damit aufhalte. Er will nicht, dass ich egoistisch sei. Und wenn Du in meinen vorhergehenden Briefen eine Spur von Traurigkeit gefunden hast, verzeih mir, denn ich bin immer noch recht armselig.

Da Du mir in Deinem Brief davon sprichst, dass wir mit unserer Liebe zu Gott frohe Menschen sein müssen, konnte ich nicht anders und musste den Herrn loben mit heiliger Freude in dem Bewusstsein, dass wir Ihm gehören, im Bewusstsein darüber, dass wir von ihm brennend geliebt werden. Weg mit der Traurigkeit und mit den Sorgen! Gott, und Gott allein! Ich kann Dir sagen, dass unser Leben – wenn wir das immer so sähen – ein vorweggenommener Himmel wäre. Alles würde sich darauf beschränken, Gott zu lieben und zu wissen, dass Er uns liebt. Was würden wir dann nicht alles erreichen, nicht wahr? Uns mit den Engeln, mit den Heiligen, mit Maria vereinigen! Ja, dann könnten wir wirklich nicht stillhalten, wenn wir zum Gebet gingen. Und dann würden sich diese inneren Anwandlungen mit solcher Häufigkeit wiederholen, dass wir in einer davon… O Herr, wie lange noch belässt Du mich hier, wo ich mich dahinschleppe, Dich suche und nach Dir rufe, ohne dass das Herz entlastet würde oder zur Ruhe kommen könnte? … Es erkennt unser Elend, das uns daran hindert, uns ein für allemal an Dir zu erfreuen.

Wie egoistisch sind wir, Herr! Tu mit mir, was Du willst, nimm keine Rücksicht auf mich! Ich habe Deine Liebe nicht verdient. Aber Herr, diese Worte gibt nicht mein Herz mir ein; das Herz bittet Dich um Liebe, und dass Du es für immer nimmst und es weit machst oder es einfach zum Stillstand bringst… Herr, so ist das kein Leben. Mein Leben bist Du, und manchmal scheinst Du so fern zu sein. O mein Herr und mein Gott!

Schau, liebe Schwester, heute habe ich nichts als eines: Gott…; ich schicke Ihn Dir.

Ich möchte, dass der Brief heute weggeht. Es ist halb acht, und um halb neun wird der Briefkasten geleert. Ich möchte nämlich – auch wenn es nicht mehr als ein paar Zeilen sind -, dass Du morgen das erhältst, was ich Dir schicken möchte.

Der nächste Brief wird länger, und darin werde ich Dir sagen, was ich mir für die hl. Adventszeit vorgenommen habe. Heute abend fange ich an, Dir zu schreiben und ausführlich auf Deinen Brief zu antworten. Ich sehe in ihm tatsächlich unsere gute Mutter und dass Du sie sehr liebst.

Wie gut bist Du Schwesterchen! Gott möge es Dir lohnen.

Denk nicht daran, dass ich wieder in die ‚Trapa‘ zurückkehre… Was soll’s! Für Dich bin ich immer derselbe, meinst Du nicht?

Heute weiss ich Dir nichts mehr zu sagen. Es steckt etwas in mir, dass mich nicht lässt.

Es schickt Dir seine ungeheuer grosse Liebe Dein armer, verrückter Bruder,

Bruder Maria Rafael O.C.R.

Verzeih ihm!!

P.S. Ich schicke Dir einen Brief aus meiner ‚Trapa‘. Er sagt nichts aus, und doch sagt er mir viel… Wie gut ist Jesus! Alles ist mir ein Trost.

Heiliger Rafael Arnaiz Baron, bitte für uns und ganz besonders für die Jugend dieser Erde. Nimm uns, genau wie das ‚alte Frauchen‘ in Deinem Brief, an die Hand und stelle uns der Gottesmutter vor, damit sie uns alle unter ihren Mantel nehme, uns zu ihrem Sohn führe und ihn uns lieben lehre. Amen.

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Hl. Rafael Arnaiz Baron (3)

27/09/2010

Hl. Rafael Arnaiz BaronAm 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

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An seine Eltern von San Isidro de Duenas aus (Teil 1)

1. April 1934 – Ostersonntag – im Alter von 22 Jahren

Liebste Eltern! Ich kann mir denken, daß Ihr ungeduldig auf meinen Brief wartet, den ich Euch zu Beginn der Fastenzeit versprach. Alles kommt und alles geht vorüber.

Heute, am Ostersonntag, hat mich Pater Magister gerufen, mir Papier gegeben und gesagt, ich solle Euch schreiben. Ich brauche Euch nicht zu sagen, mit welcher Freude ich in diesem Fall gehorche. Und ohne weitere Vorrede als ein Ave Maria – damit Gott meine Worte lenke – erzähle ich Euch, was ich in den letzten 40 Tagen getan habe.

Das ist schnell gesagt, denn da es darum geht, Jesus in der Wüste nachzufolgen, habe ich in diesen 40 Tagen gefastet, gebetet und Buße getan und sonst nichts – damit hatte ich auch genug zu tun. Und glaubt nur ja nicht, daß zu dieser Zeit des liturgischen Jahres viele lange und traurige Gesichter zu sehen sind aufgrund des Fastens, nichts davon! Man hat zwar Hunger, aber den erträgt man mit Freude, weil man ihn für Gott aushält. Und ich kann Euch versichern, daß ich nie fröhlicher vom Tisch aufgestanden bin als an einigen Freitagen, nachdem ich nichts als Brot und Wasser zu mir genommen hatte.

Es stimmt, daß die Fastenzeit in einer ‚Trapa‘ sehr hart ist, aber sie ist auszuhalten, und für den, der es nicht glaubt: hier bin ich und lebe noch, um Gott mit jedem Tag mehr und mehr zu loben. Die Finsternis ist verschwunden, die Trauer hat sich in Jubel und Freude gewandelt, der König des Himmels wird von allen Engeln gepriesen, und ein stürmisches ‚Halleluja‘ erklingt bis ans Ende der Erde, hinausgerufen von der katholischen Kirche. Ich bin stolz darauf, ein Sohn der Kirche zu sein und auch mein Gotteslob von hier, aus dem Chor einer ‚Trapa‘, erschallen zu lassen.

Alles findet seine Vergeltung im Himmel und manchmal auch auf der Erde. Pater Abt hat uns, die Gemeinschaft, heute mit einer ‚Zulage‘ beim Mittagessen dafür belohnt, daß der Gesang in diesen Tagen so gut war: es gab zwei Spiegeleier und eine Tasse Kaffee. Ihr seht, auch in der ‚Trapa‘ gibt es manchmal etwas Besonderes … Die zwei Spiegeleier haben mir köstlich geschmeckt. (…)

Dieser Tage mußte ich von einer erhöhten Stelle der Kirche aus einige Lesungen der Matutin vorsingen, und ich sage Euch: noch nie habe ich mich in einer solchen Bedrängnis gefühlt. Meine Stimme war zittrig, und ich fing mit Tönen an, die entweder zu hoch oder zu tief waren. Als ich die Stufen hinaufstieg, stolperte ich auch noch über den Mantel … Kurz und gut, es war eine richtige Katastrophe, aber daran kann man nichts ändern. Als ich mich um drei Uhr früh auf einer Kanzel sah und von oben alle Glatzen und kahlgeschorenen Köpfe der Mönche beherrschte, tanzten mir die Buchstaben des Lektionats vor den Augen; plötzlich vergaß ich die Aussprache des Lateins und kam überhaupt nicht mehr zurecht.

Ich war auch ‚Kirchendiener‘, d. h. ‚Kerzenlöscher‘. Das ist ein Dienst, der mir zusagt. Außerdem – glaubt mir! – ist er von Bedeutung, denn hier in der ‚Trapa‘ ist jede Zeremonie sehr wichtig, und um ein Licht anzuzünden oder auszumachen, muß man alle Vorschriften beachten, die die Regeln des Ordens vorschreiben. Sogar die Schritte, die Minuten und die Verbeugungen sind gezählt.

In der Kirche verhalten wir uns immer sehr feierlich. Da wird aus gar keinem Grund gesprochen, da werden keine Zeichen gegeben; man geht langsam, ohne Lärm; es werden tiefe Verbeugungen gemacht vor dem Herrn im Tabernakel. In einem Wort: man tut das, was der göttliche Kult sein soll und erfordert. Mich begeistert das, denn Ihr wißt gut, daß ich nie ein Freund von Vertraulichkeiten war und am wenigsten noch in der Kirche. Man kann sagen, daß sich die Trappisten einzig und allein für Gott heranbilden. Sie schulen zuerst ihre Seele, aber anschließend auch ihren Leib und ihr Verhalten. Und es ist nicht so, daß ich meinen Orden über irgend jemand anderen loben möchte, aber man kann sagen, daß – was die Feier des Kultes angeht – der Trappist der Vornehmste ist. Wie gern hätte ich es gesehen, wenn Ihr die Feierlichkeiten der Karwoche hättet miterleben können! Die unbedeutendsten Kleinigkeiten sind mathematisch genau geregelt, und das ist die einzige Form, kein Durcheinander zu stiften.

Kurz und gut, dieses Leben ist so anders als das, was ich bisher gefühlt habe, daß Ihr es Euch nicht vorstellen könnt, auch wenn ich Euch noch so viel erzählte … Alle Einzelheiten meines Lebens stehen im Buch des ‚Usus‘, das Ihr zu Hause habt. Bis hierher das, was sich auf das Äußere bezieht … In bezug auf meine Seele, was soll ich Euch da sagen? Gott liebt mich so sehr! Ich habe einen so tiefen Frieden in der Seele, daß ich unfähig bin, ihn zu beschreiben. Mit jedem Tag preise ich Gott mehr, weil Er mich unter so vielen auserwählt hat, ohne daß ich es verdient hätte.

Welch ganz andere Vorstellung haben die Menschen von einer ‚Trapa‘! Wie viele mag es geben, die mich bedauern und sogar über meine Lebensweise erschrecken, ohne überhaupt zu ahnen, daß im Verzicht auf sich selbst und in der Hingabe an Gott das einzige enthalten ist, was das Leben lebenswert macht, und das ist der Friede in Gott! (…)

Die größte Freude bereitet der Gedanke, daß dieser Friede ewig sein wird; denn wenn ich sterbe, wird er nur noch größer, und das in einem Ausmaß, das ich nicht erahnen kann. Die Liebe der Geschöpfe endet mit dem Tod. Der Wunsch nach menschlicher Anerkennung hört mit dem Tod auf, und die weltlichen Geschäfte lösen sich mit dem Tod in Nichts auf. Nur die Gottesliebe wird größer mit dem Tod. Das heißt: was ich habe, das habe ich für immer; das sagt mir der Glaube. Hingegen ist das, was ich in der Welt zurückgelassen habe, nur Leihgabe für einige Jahre – und danach nichts!

weiter zu Teil 2 dieses Briefes