Posts Tagged ‘heilige Messe’

Hl. Rafael Arnaiz Baron (15)

20/07/2011

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

Den folgenden Brief schrieb er von seinem Elternhaus aus an seine Tante (mit der er verabredet hatte, sich gegenseitig mit ‘Bruder’ und ‘Schwester’ anzureden), nachdem er ca. 2 Jahre vorher die Abtei aufgrund seiner Erkrankung  verlassen musste. 

An seine Tante Maria, Herzogin von Maqueda, von Oviedo aus

15. Dezember 1935 – 3. Adventssonntag – im Alter von 24 Jahren

Liebste Schwester! (…) 

Morgen muss ich nach der hl. Messe zur Werkstatt, um etwas – ich weiss nicht was – am Auto herrichten zu lassen. Nun gut, ich tue es mit wahrer Freude. Ich sehe Gott zwischen dem Öl und den Schrauben… Ich denke daran, dass die Mechaniker um mich herum Gott nicht kennen, und bete für sie… Ich kenne Ihn; Er ist auch dort an meiner Seite. Ich rede über alles und mit allen und tue es sehr gern; denn es ist der Herr, der es so haben möchte. Ich übe mich in der Geduld, in der Liebe, in der Nächstenliebe… Aber nimm nur ja nichts Großartiges an, denn es kostet mich keine Mühe; ich sagte ja schon, dass ich all das mit Freude tue. Wie sollte ich es nicht? Gott ist in mir; ich habe Ihn am Morgen empfangen, und er begleitet mich durch den ganzen Tag. Es gibt keinen Kampf mehr, nichts reizt mich mehr… Warum wohl?

Früher wollte ich, dass alle Welt im Schweigen verharren, alle Welt Gott erkennen und allein schon beim Anklingen des Namens des Herrn sogar die Straßenbahnen innehalten sollten. Es war eine besondere Art, Gott zu lieben, und auch Liebe zu mir selbst, die besonderer Art war. Ich weiss nicht, ob du mich verstehst, aber in der äusseren Sammlung suchte ich mich selbst.

Jetzt ist es nicht mehr so, dank sei Gott und der Jungfrau Maria! Und wenn mich ein Mitmensch für eine Sache braucht, die nicht Gott ist, dann tue ich es im Namen Gottes… So erfülle ich zwei Dinge gleichzeitig, aber ganz besonders das Eine: ich erfülle Seinen heiligen Willen.

Mut, Schwesterlein, Du kannst fliegen, o ja, das glaube ich! Die Welt soll Dich nicht beunruhigen; bereite einen Tabernakel in Deinem Herzen und gib dem Herrn Raum darin. Und Du selbst? Was soll’s? Du bist der Tempel, in dem sich dieser Tabernakel befindet… Du bist der Tempel, in dem Gott verborgen lebt. Öffne deine Türen und mach keinen Hehl daraus! Sei wie diese bescheidenen Kapellchen, von Zerstörung bedroht durch unbarmherzige Witterungseinflüsse. Es soll Dir nichts ausmachen, wenn hin und wieder neue Dachziegel eingesetzt oder der Glockenturm repariert werden muss… Alles, was Lehm und Materie ist, wird abgenutzt und fällt manchmal zusammen, aber das macht nichts, denn alles kommt wieder in Ordnung. Dein Weg ist der kleine Pfad, und Du musst keine großen Dinge vollbringen… Aber wer sagt Dir denn, dass der Laienbruder nicht sehr hoch flog und dass er sich nicht – während er den kleinen Krug in einer Hand hielt – mit der anderen an Gottes Hand festhielt? (*)

(…) Der Gedanke, dass Gott Dich liebt, wird Dir Flügel verleihen… Dieser Gedanke muss Dir genügen. Du wirst Dich in der Welt bewegen, und die Welt wird es nicht bemerken… Und wenn Du jetzt Gelegenheit gibst, dass die Geschöpfe Unfreundlichkeit in Dir sehen statt Geduld, Ungeduld statt Liebe, und wenn Du Dich verdriesslich zeigst, wo Ruhe und Milde herrschen sollten…, dann misstraue der Sache, Schwesterlein, misstraue (vielleicht bin ich hart), aber dann bist Du entweder nicht demütig oder der Teufel steckt dazwischen…

Mach Dir keine Sorgen, denn alles geht vorüber! Du wirst sehen, wie sich der böse Geist mit der Hilfe Mariens zurückzieht. Zögere nicht, Dich Gott ganz hinzugeben. Wenn Du Dir nur bewusst würdest, wie sehr Er Dich liebt!

Du würdest gerne fliegen und nicht wieder herunterkommen… Aber Du kannst dort, wo Du bist, so viel Gutes tun. (…)

Ich bin sehr zufrieden, obwohl mir heute etwas fehlt: ich konnte nicht kommunizieren. Mein Vater hat mich nicht geweckt. Ich habe eine ziemlich schlechte Nacht hinter mir und weiss nicht warum… Aber an den Tagen, an denen ich den Herrn nicht empfangen kann, fehlt mir die Mitte, dann vermisse ich etwas, was für mich alles bedeutet. Kurz und gut, der Herr sei gepriesen!

Ich weiss nicht, ob ich mit meinem Brief das Richtige getroffen habe, aber schau – ich wiederhole es -, nimm heraus, was Dir zusagt, und lass das übrige. Ich möchte nicht, dass ich vielleicht – und trotz meiner guten Absicht – Anlass gebe, dass Du durcheinander gerätst. Verstehst Du mich? Ein andermal schreibe ich Dir mehr.

Onkel Polin erzählte mir, dass er Dich habe weinen sehen beim Lesen einer meiner Briefe…; mach bitte keinen Unsinn!

Nimm entgegen die ungeheuer große Liebe Deines Bruders,

Bruder Maria Rafael O.C.R.

Lass uns in der Zwischenzeit die Krippe für das Jesuskind bereiten.

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(*) In der ‚Ballade von den Zweifeln des Laienbruders‘ von Josef Maria Peman

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Hl. Rafael Arnaiz Baron (3)

27/09/2010

Hl. Rafael Arnaiz BaronAm 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

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An seine Eltern von San Isidro de Duenas aus (Teil 1)

1. April 1934 – Ostersonntag – im Alter von 22 Jahren

Liebste Eltern! Ich kann mir denken, daß Ihr ungeduldig auf meinen Brief wartet, den ich Euch zu Beginn der Fastenzeit versprach. Alles kommt und alles geht vorüber.

Heute, am Ostersonntag, hat mich Pater Magister gerufen, mir Papier gegeben und gesagt, ich solle Euch schreiben. Ich brauche Euch nicht zu sagen, mit welcher Freude ich in diesem Fall gehorche. Und ohne weitere Vorrede als ein Ave Maria – damit Gott meine Worte lenke – erzähle ich Euch, was ich in den letzten 40 Tagen getan habe.

Das ist schnell gesagt, denn da es darum geht, Jesus in der Wüste nachzufolgen, habe ich in diesen 40 Tagen gefastet, gebetet und Buße getan und sonst nichts – damit hatte ich auch genug zu tun. Und glaubt nur ja nicht, daß zu dieser Zeit des liturgischen Jahres viele lange und traurige Gesichter zu sehen sind aufgrund des Fastens, nichts davon! Man hat zwar Hunger, aber den erträgt man mit Freude, weil man ihn für Gott aushält. Und ich kann Euch versichern, daß ich nie fröhlicher vom Tisch aufgestanden bin als an einigen Freitagen, nachdem ich nichts als Brot und Wasser zu mir genommen hatte.

Es stimmt, daß die Fastenzeit in einer ‚Trapa‘ sehr hart ist, aber sie ist auszuhalten, und für den, der es nicht glaubt: hier bin ich und lebe noch, um Gott mit jedem Tag mehr und mehr zu loben. Die Finsternis ist verschwunden, die Trauer hat sich in Jubel und Freude gewandelt, der König des Himmels wird von allen Engeln gepriesen, und ein stürmisches ‚Halleluja‘ erklingt bis ans Ende der Erde, hinausgerufen von der katholischen Kirche. Ich bin stolz darauf, ein Sohn der Kirche zu sein und auch mein Gotteslob von hier, aus dem Chor einer ‚Trapa‘, erschallen zu lassen.

Alles findet seine Vergeltung im Himmel und manchmal auch auf der Erde. Pater Abt hat uns, die Gemeinschaft, heute mit einer ‚Zulage‘ beim Mittagessen dafür belohnt, daß der Gesang in diesen Tagen so gut war: es gab zwei Spiegeleier und eine Tasse Kaffee. Ihr seht, auch in der ‚Trapa‘ gibt es manchmal etwas Besonderes … Die zwei Spiegeleier haben mir köstlich geschmeckt. (…)

Dieser Tage mußte ich von einer erhöhten Stelle der Kirche aus einige Lesungen der Matutin vorsingen, und ich sage Euch: noch nie habe ich mich in einer solchen Bedrängnis gefühlt. Meine Stimme war zittrig, und ich fing mit Tönen an, die entweder zu hoch oder zu tief waren. Als ich die Stufen hinaufstieg, stolperte ich auch noch über den Mantel … Kurz und gut, es war eine richtige Katastrophe, aber daran kann man nichts ändern. Als ich mich um drei Uhr früh auf einer Kanzel sah und von oben alle Glatzen und kahlgeschorenen Köpfe der Mönche beherrschte, tanzten mir die Buchstaben des Lektionats vor den Augen; plötzlich vergaß ich die Aussprache des Lateins und kam überhaupt nicht mehr zurecht.

Ich war auch ‚Kirchendiener‘, d. h. ‚Kerzenlöscher‘. Das ist ein Dienst, der mir zusagt. Außerdem – glaubt mir! – ist er von Bedeutung, denn hier in der ‚Trapa‘ ist jede Zeremonie sehr wichtig, und um ein Licht anzuzünden oder auszumachen, muß man alle Vorschriften beachten, die die Regeln des Ordens vorschreiben. Sogar die Schritte, die Minuten und die Verbeugungen sind gezählt.

In der Kirche verhalten wir uns immer sehr feierlich. Da wird aus gar keinem Grund gesprochen, da werden keine Zeichen gegeben; man geht langsam, ohne Lärm; es werden tiefe Verbeugungen gemacht vor dem Herrn im Tabernakel. In einem Wort: man tut das, was der göttliche Kult sein soll und erfordert. Mich begeistert das, denn Ihr wißt gut, daß ich nie ein Freund von Vertraulichkeiten war und am wenigsten noch in der Kirche. Man kann sagen, daß sich die Trappisten einzig und allein für Gott heranbilden. Sie schulen zuerst ihre Seele, aber anschließend auch ihren Leib und ihr Verhalten. Und es ist nicht so, daß ich meinen Orden über irgend jemand anderen loben möchte, aber man kann sagen, daß – was die Feier des Kultes angeht – der Trappist der Vornehmste ist. Wie gern hätte ich es gesehen, wenn Ihr die Feierlichkeiten der Karwoche hättet miterleben können! Die unbedeutendsten Kleinigkeiten sind mathematisch genau geregelt, und das ist die einzige Form, kein Durcheinander zu stiften.

Kurz und gut, dieses Leben ist so anders als das, was ich bisher gefühlt habe, daß Ihr es Euch nicht vorstellen könnt, auch wenn ich Euch noch so viel erzählte … Alle Einzelheiten meines Lebens stehen im Buch des ‚Usus‘, das Ihr zu Hause habt. Bis hierher das, was sich auf das Äußere bezieht … In bezug auf meine Seele, was soll ich Euch da sagen? Gott liebt mich so sehr! Ich habe einen so tiefen Frieden in der Seele, daß ich unfähig bin, ihn zu beschreiben. Mit jedem Tag preise ich Gott mehr, weil Er mich unter so vielen auserwählt hat, ohne daß ich es verdient hätte.

Welch ganz andere Vorstellung haben die Menschen von einer ‚Trapa‘! Wie viele mag es geben, die mich bedauern und sogar über meine Lebensweise erschrecken, ohne überhaupt zu ahnen, daß im Verzicht auf sich selbst und in der Hingabe an Gott das einzige enthalten ist, was das Leben lebenswert macht, und das ist der Friede in Gott! (…)

Die größte Freude bereitet der Gedanke, daß dieser Friede ewig sein wird; denn wenn ich sterbe, wird er nur noch größer, und das in einem Ausmaß, das ich nicht erahnen kann. Die Liebe der Geschöpfe endet mit dem Tod. Der Wunsch nach menschlicher Anerkennung hört mit dem Tod auf, und die weltlichen Geschäfte lösen sich mit dem Tod in Nichts auf. Nur die Gottesliebe wird größer mit dem Tod. Das heißt: was ich habe, das habe ich für immer; das sagt mir der Glaube. Hingegen ist das, was ich in der Welt zurückgelassen habe, nur Leihgabe für einige Jahre – und danach nichts!

weiter zu Teil 2 dieses Briefes



3. Juni: Fronleichnam – Hochfest des Leibes und Blutes Christi

03/06/2010

“Die Heilige Messe wiederholt die drei wichtigsten Punkte meines Lebens.”

18. Mai 1944

Jesus sagt:

“ (…) Mein Blut hört nicht auf, sich auf die Erde zu ergießen. Schon zwanzig Jahrhunderte erglänzt es als Zeugnis der Liebe vor der Schöpfung und fällt wie Tau überall dorthin, wo ein Kreuz steht und sagt: „Hier ist Christi Territorium“.

Die Engel eines jeden Gläubigen, ja, die jedes Menschen, der den Namen „Christ“ trägt, tun nichts anderes als zwischen Himmel und Erde einher zu eilen, um für jeden ihrer Schutzbefohlenen aus den göttlichen Schatzkammern zu schöpfen. Aber das macht nicht das ganze Wirken der Engel aus. denn auch das übrige ungezählte Engelvolk betet auf ewige Anordnung für die Nichtchristen an, die nicht den wahren Gott verehren, und fleht mein Göttliches Blut an, sich auf alle Geschöpfe zu ergießen, damit Es von diesen angebetet wird.

Die Engel der Gerechten beten frohlockend an, vereint mit den Seelen derer, die schon auf Erden die ewige Anbetung vorwegnehmen. Die Engel der Nichtchristen beten hoffend an; sie hoffen, im Zeichen des Kreuzes deren Beschützer werden zu können. Die Engel der Sünder, die nicht mehr Gotteskinder sind, beten weinend an. Und weinend flehen sie das göttliche Blut an, es möge jene Herzen durch seine Kraft erlösen. Und schließlich beten die Engel alle auf der Erde verstreuten Kirchen an, indem sie das in jeder hl. Messe Mir zum Gedächtnis erhobene Blut zu Gott tragen.

In unaufhörlichem Rhythmus fließt das Kostbare Blut herab und steigt wieder zum Himmel hinauf. Es gibt keinen Augenblick des Tages, in dem nicht Mein Blut zu Gott hinaufsteigt und in dem es nicht von Gottes Thron auf die Erde herabfließt.

Darüber hast du niemals nachgedacht, Maria. Die hl. Messe wiederholt die drei wichtigsten Punkte Meines Lebens als Jesus Christus, das Fleischgewordene Wort Gottes.


Simone Martini

Wenn in der Wandlung die Gestalten Fleisch und Blut werden, inkarniere Ich Mich wie damals. Nicht im Schoss der hl. Jungfrau. Aber in den Händen eines Jungfräulichen. Deshalb sollen Meine Priester von engelgleicher Jungfräulichkeit sein. Wehe den Entweihern (Profanierern), die mit von fleischlicher Verunreinigung besudeltem Körper den Leib Gottes berühren!

Wenn nämlich euer Körper der Tempel des Heiligen Geistes ist und deshalb heilig und keusch gehalten werden soll, so muss der Körper des Priesters, auf dessen Befehl hin Ich vom Himmel herabsteige, um göttliches Fleisch und Blut zu werden, und Mich wie in eine Wiege in seine Hände lege, reiner als eine Lilie sein. Und mit dem Körper der Sinn, das Herz und die Zunge.

In der Erhebung (der hl. Gestalten) geschieht die Kreuzigung. „Wenn ich erhöht sein werde, werde ich alles an mich ziehen“ (vgl. Joh 12,32), und wenn Ich von einem Altar erhoben werde, ziehe Ich alle Herzschläge der Anwesenden, alle ihre Bedürfnisse, alle ihre Schmerzen, alle ihre Gebete an Mich und stelle Mich so dem himmlischen Vater vor und sage: „Hier bin Ich, der von der Liebe Verzehrte bittet Dich, Vater, diesen ‚Meinen‘ alles zu gewähren, denn Ich habe für sie alles hingegeben“.

Und wenn das Opfer mit dem Verzehr der hl. Gestalten beendet wird, dann kehre Ich zu Meinem Vater zurück und sage euch wie am Morgen der Himmelfahrt: „Ich segne euch. Ich bleibe bei euch bis ans Ende der Welt“.

Aus Liebe nehme Ich Fleisch an, aus Liebe verzehre Ich Mich, aus Liebe fahre Ich zum Himmel auf. Um zu euren Gunsten zu beten. Immer ist es die Göttliche Liebe, die in allen Meinen Werken vorherrscht. (…)“

Diktat Jesu an Maria Valtorta am 18. Mai 1944. Auszug aus „Die Hefte 1944“ , veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Das Brot, das Gott ist und der Wein, der Blut ist“

Briefwechsel mit den Domherren (3)

11/03/2010

von Lomitas

Sehr geehrter Herr Weihbischof,

zunächst einmal vielen Dank für Ihre Antwort. Wir waren nicht sicher, ob überhaupt eine Antwort kommen würde und waren daher umso angenehmer überrascht, als dann Ihr Brief kam.

Fürbitte für Brückenbau-Austausch im interreligiösen Bereich: Feindschaft, glaube ich, besteht eigentlich nicht, das wäre schlimm. Aber Austausch ist nur möglich, wenn die eigenen Standpunkte klar sind und auch ganz klar vertreten werden. Austausch wäre vielleicht ganz gut, aber heutzutage wo aufgrund des Wohlstandes den Kirchen die Leute weglaufen, erscheinen mir diese Art des Austausches fast schon Art Torschlusspanik zu sein.

Eigentlich sehe ich keinen Sinn in einer Ökumene, die ja fast nur auf Kosten der katholischen Kirche gehen kann. Die Gefahr sehe ich in dem Verlust einiger über 2000 Jahre bewährter katholischer Traditionen: Eucharistie in jeder Messe, Sakramente (Beichtgelegenheit) Zölibat, keine Frauen als Priester/Bischöfe – alles Werte, die jetzt überall andauernd angeprangert werden. Aus genau diesen Werten bezog die katholische K. ihre Kraft damals, wie auch jetzt. Und in dem Maße wie die katholische Kirche immer mehr unter Beschuß kommt, sehe ich Fürbitten, die von „Brückenbau“ handeln, eher kritisch.

Hl. Petrus u. Hl. Paulus (G. Reni)

Denn die einzige apostolische Nachfolge ist seit Petrus in der „Einen“ katholischen Kirche geschehen. Sonst hätte Jesus den Luther beauftragt. Wünschen würde ich mir etwas mehr katholisches Selbstbewusstsein. Toleranz ist gut, aber nicht auf Kosten von Aushöhlung der eigenen Identität. Austausch kann ich persönlich mir nur auf finanzieller Ebene vorstellen, Spenden für Arme, soziale Einrichtungen vielleicht.

Ich empfinde die Vorbereitung, die Konsekrierung als einen großen Spannungsbogen, der in der Austeilung der Hostie ihren Höhepunkt findet. Der Friedensgruß genau vor der Kommunion schwächt diesen Bogen empfindlich. Mir persönlich ist es unangenehm jedem wildfremden Menschen die Hand zu geben, aufgrund einer kirchlichen Ordnung. Wir waren in NRW bei Menden in einer Messe, bei der es keinen Friedensgruß gab: die Konzentration blieb bei Besuchern, wie auch den durchführenden Priestern während der gesamten Zeremonie erhalten. Das fühlt sich ganz anders an.

Die musikalische Begleitung mittels Gitarre mutet mir schon eher als „Volksinstrument“ an, auch wenn es mittlerweile zum kirchenmusikalischen Repertoire gehört, klingt es in dem ehrwürdigen 1000jährigen Dom nicht „standesgemäß“. Da klingt die Orgel doch schon ganz anders, um zwischen „Himmel und Erde“ zu vermitteln.

Zur Ministrantin möchte ich noch sagen, daß es auch mir auffällt, das sie „geschwächt“ (nicht bei sich selber) wirkt, womöglich nimmt sie Medikamente? Das ist heutzutage leider keine Seltenheit mehr, wie ich in meiner direkten Umgebung erleben muß. Manchmal ist aber eine klare Position auch hilfreicher für so ein Mädchen, als das Nachgeben „um des lieben Friedens Willen“.

Anbringen möchte ich noch, daß mir manche Begebenheiten der Geschichte in der Tat nicht so bekannt sind, bzw. Begriffe wie Gabenbereitung sind vermutlich falsch gewählt. Selbst bin ich erst seit knapp 2 Jahren in der katholischen Kirche angekommen. Daher kenne ich manche Entwicklungen oder Pfarrer aus der Vergangenheit nicht so, sondern betrachte nur, was sich mir hier bietet. Daß inzwischen die in meinem ersten Brief von mir kritisierte evangelisch geschiedene Bischöfin schon wieder aus dem Amt ist, das hätt ich so nicht gedacht. So schnell kann es gehen!!

Aber es stimmt mich traurig, das die katholische Kirche, die über Jahrtausende die Lehre Christi aufrecht erhalten hat, so dermaßen angegriffen wird. Ganz zu schweigen von den inzwischen bekannt gewordenen Missbrauchs- und Vertuschungspraktiken in manchen Klöstern. Womöglich muß sie wirklich das Leiden und Sterben Christi durchleben… Und vielleicht ist es ja so, das ein Neu-Katholik ohne überheblich sein zu wollen, manche Dinge noch mit klareren Augen sieht, als diejenigen, die schon von Geburt an katholisch waren, aber leider sich dieser Kirche (inzwischen) nicht mehr zugehörig fühlen.

In diesem Sinne und nochmals mit vielen Dank für Ihre Antwort,

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Briefwechsel mit den Domherren (2)

08/03/2010

(Antwort des Weihbischofs an Lomitas auf den Brief nach einem Dombesuch, siehe HIER)

Sehr geehrte Frau Sch., sehr geehrter Herr Sch.!

Es tut mir außerordentlich leid, dass Sie im Gottesdienst am 07. Februar im Dom die entsprechende Andacht nicht gefunden haben.

Etwa alle 2-3 Jahre einmal gestaltet die PAX CHRISTI-Gruppe anlässlich des Weltfriedenstages im Januar oder Anfang Februar einen entsprechenden Gottesdienst. Ich denke, alle 2 bzw. 3 Jahre einmal ist das verkraftbar. Ich gebe zu, dass die Gestaltung mit einer Gitarre, die durchaus etwas laut und manches Mal auch schrill war, nicht jedem Menschen gefällt.

Ganz erschließt sich mir nicht, was Sie gegen eine Fürbitte für „Brückenbauer“ haben, die sich für den Austausch im interreligiösen Bereich einsetzen. Ich meine, dass gerade heute das wirklich sehr notwendig ist – zwar mit Engagement, aber auch mit einem klaren Blick. Wir können es uns in unserer Zeit nicht leisten, dass wir Feindschaften zwischen den Religionen belassen. Das würde den Frieden in der Welt doch erheblich beeinträchtigen.

Was Sie mit „ökumenisierter Fürbitte“ meinen, ist mir ebenso nicht klar. Ich kenne keine katholische bzw. ökumenische Fürbitte, sondern nur „Fürbitten“. Bei dem Kirchenangestellten, der den Armen Brot gespendet hat, ist (…) gemeint, der auf dem Domberg ein Denkmal hat. Das Grinsen war nicht hämisch, sondern schmunzelnd. Ich kann das so sagen, weil wir uns auch schon lange kennen. Dass „große Gestalten“, aus der Kirchengeschichte nicht erwähnt wurden, liegt daran, dass das Thema „Friedenswege – Kriegspfade“ hieß – eine Aktion von PAX CHRISTI, die schon einige Jahre besteht, und die vor allem Persönlichkeiten, die sich für Frieden und Gerechtigkeit eingesetzt haben, darstellen will, u.a. den allseits geschätzten Prälaten Dr. M.H., der bei diesem Gottesdienst auch genannt wurde.

Ferner ist mir nicht klar geworden, was Sie mit dem folgenden Satz meinen: „Die folgende Gabenbereitung, – die hier leider ohnehin schon immer durch den leidigen Friedensgruß in ihrer Zeremonie auseinander gerissen und ihrer Feierlichkeit beraubt wird…“ Die Gabenbereitung in diesem Gottesdienst wurde – wie sonst auch – in ganz normaler Weise vollzogen. Der Friedensgruß wird nicht während der Gabenbereitung, sondern vor der Kommunion, wie in der Ordnung der Kirche vorgesehen, und bei uns im Dom an jedem Sonntag, gegeben.

Ich möchte auch feststellen, dass dieser Gottesdienst eine Eucharastiefeier war; es handelte sich um keinen ökumenischen Gottesdienst. Musikbegleitung mit Gitarre hat nichts mit Ökumene zu tun, sondern gehört mittlerweile auch zum kirchenmusikalischen Repertoire in unserer Kirche.

Noch ein Wort zur Ministrantin, die Sie hier anführen: Sie bezeichnen das als „offensichtlich, ,tolerant-liberale´ Duldung der Haartracht…“ Ich gebe schon zu, dass diese nicht besonders schön und gut ist. Aber diese Ministrantin befindet sich in einer schwierigen Situation, was sie eben durch diese Art von Haartracht und Schminke zum Ausdruck bringt. Ich möchte sie nicht verprellen und in dieser Lage allein lassen. Und ich muss Ihnen ehrlich gestehen: Mir ist sie so – und zwar als Ministrantin – lieber, als dass sie gar nicht mehr kommt.

In der Hoffnung, dass Sie in Zukunft bei uns im Dom wieder Gottesdienste mitfeiern können, in denen Sie die nötige Sammlung finden, grüße ich Sie herzlich.

Dr. H.B., Weihbischof

Briefwechsel mit den Domherren (Teil 1)

25/02/2010

von Lomitas

Frohgemut besuchten wir am heutigen Sonntag den Dom. Wir wussten zwar von einer Ankündigung, dass die Messe durch Pax Christi mitgestaltet werden sollte, ahnten aber nicht, was uns erwarten würde.

Anstatt einer inneren Sammlung auf die bevorstehende Messe, deren Beginn mit dem Erscheinen der Priester eingeläutet wird, erschien ein Mann mit Gitarre, der durch diverse Ankündigungen genau diese verhinderte. Diese Ansage dauerte schon etwas lang, und sein anschließendes Begrüßungslied, durch Gitarre nebst Verstärker begleitet, ließ einen aufgrund der übertriebenen Lautstärke erschrocken ahnen, dass dies heute in diesem Stil so weiter gehen würde…

Anstatt einer Predigt durch den Priester erfolgten teils sehr langatmige Reden durch Angehörige der Pax Christi.

Unter anderem war da die Fürbitte für diejenigen Brückenbauer, die sich für den Austausch im interreligiösen Bereich einsetzen. Im folgenden Dialog zwischen Geschichte und anschließender ökumenisierter Fürbitte, wurde  außerdem eine Begebenheit vorgetragen, bei der ein Kirchenangestellter trotz Verbot durch den amtierenden Bischof den Armen Brot gespendet habe. Als Abschluss der Geschichte wurde dann mit – wie es uns erschien – hämischen Grinsen zum Weihbischof hin gesagt, dass es auch gut sei, einem Bischof manchmal zu widersprechen.

Mochte es auch noch so gut gemeint sein im Hinblick auf die Einheit der Kirche in einer Ökumene – dieser Satz hinterließ einen unangenehmen Eindruck – weil Ungehorsam als Tugend dargestellt, gar das Bischofsamt nicht respektiert wird. Desweiteren wurde noch die Verfolgung und anschließende Ermordung der Protestanten im Jahre 1528 thematisiert. Wobei mit keinem Wort all die Märtyrer und Heiligen ab dem allerersten, nämlich Stephanus erwähnt wurden. Bis heute beanspruchen die „Protestanten“ den Begriff einer eigenen Kirche, obwohl sie nicht in der apostolischen Nachfolge sind. Zu allem Überfluss haben sie eine geschiedene Bischöfin, die als Vorbild für christliches Leben die Zügel in der Hand hält. Das hinterlässt in Verbindung mit dem seltsamen Blick zum Weihbischof, nebst aufbegehrendem Wunsch nach Widerspruch auch einem Bischof gegenüber, einen doch äußerst schalen Nachgeschmack.

Die folgende Gabenbereitung, – die hier leider ohnehin schon immer durch den leidigen Friedensgruß in ihrer Zeremonie auseinander gerissen und ihrer Feierlichkeit beraubt wird, – wurde dann noch begleitet durch prostestantisch anmutende, lautstarke und unpassende Gitarrenklänge. Dies führte dazu, das selbst meinem Mann die Stimmung zur Kommunion zu gehen genommen wurde, weil keine Atmosphäre von Anbetung und Würde aufkam. Nachdem wir uns kurz ausgetauscht hatten, verließen wir kurz entschlossen noch während der Kommunion fluchtartig den Dom. Eigentlich schade.

Wenn es im Rahmen der allseits stattfindenden Kirchenaustritten zu einem drohenden Zusammenschluss der Konfessionen kommen sollte, würde ein solcher Gottesdienst mit Laienrednern, gar noch mit „moderner“ Musikbegleitung wo der amtierende Priester nur noch Begleitcharakter  hat, zur Regel werden. Man könnte sich durchaus vorstellen, dass anfangs solche Gottesdienste mit Laienrednern und Musikbegleitung (digital oder live) gut besucht wären, doch den Besuchern würde nach kurzer Zeit die Oberflächlichkeit auffallen und sie würden schließlich wegbleiben.

In einer orthodoxen Kirche, mit denen eine Ökumene noch am ehesten vorstellbar ist, wäre ein solches Experiment völlig undenkbar und das, wie ich meine, zu Recht.

Mit freundlichen Grüßen

P.S. Was uns schon lange unangenehm aufstößt, ist die offensichtliche „tolerant-liberale“ Duldung der Haartracht nebst auffälliger Schminke einer Ministrantin, die in dieser Maskerade auch noch ganz vorne sitzen darf, und so als „Vorbild“ für alle Kinder, Jugendlichen und deren Eltern „dient“! Die unpassende Art der Schminke weckt bei jedem aufmerksamen Kirchenbesucher zumindest Verwirrung aufgrund der Nähe des Altars und der Priester zu besagter Ministrantin. Anmerken möchte ich dazu, dass meine Bekannte, Mutter eines 11jährigen Ministranten in München, aufgrund seiner etwas zu lang gewachsenen Haarpracht durch den dortigen Pfarrer angehalten wurde, ihren Jungen mal zum Friseur zu schicken, andernfalls wäre er kein gutes Vorbild und somit für den Dienst in seiner Kirche ungeeignet.

Bitte verstehen Sie dies einfach als Anregung von aufmerksamen Dombesuchern.

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Die heilige Fastenzeit (2)

18/02/2010

Ebenso wie die Kirche unter dem Namen Fasten aller Werke christlicher Abtötung begreift, so versteht sie unter dem Namen Gebet alle frommen Übungen, mit welchen sich die Seele an Gott wendet. Der häufige Besuch der Kirche, die tägliche Beiwohnung der heiligen Messe, fromme Lesungen, Betrachtungen über die Heilswahrheiten und das bittere Leiden und Sterben des Erlösers, Gewissenserforschung, der Besuch der Fastenpredigten und vor allem der Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares, das sind die wichtigsten Mittel, wodurch die Gläubigen dem Herrn die Huldigung des Gebetes darbringen können. Das Almosen umfaßt alle Werke der Barmherzigkeit gegen den Nächsten (…).

Ein Mittel, um uns der Früchte des Fastens zu versichern, ist der Geist der Zürückgezogenheit und der Trennung von der Welt. Die Bräuche dieser heiligen Zeit sollen sich in allem von dem übrigen Teil des Jahres unterscheiden; sonst würde der heilsame Eindruck, welchen wir in dem Augenblick empfangen, da die Kirche uns mit dem Kreuz von Asche bezeichnete, in wenigen Tagen verwischt sein. Der Christ soll daher die eiteln Vergnügungen, die weltlichen Unterhaltungen und Zusammenkünfte abbrechen.

Zum wahrhaften Fasten gehört auch die Flucht vor der Sünde, die Unterdrückung der bösen Neigungen, der Eifer im Gebete, Tränen und Zerknirschung und die Sorge für die Armen (…). Alle haben die Pflicht, sich ein geistiges Fasten aufzuerlegen, welches in Änderung des Lebens, Flucht vor der Sünde, Streben nach allen guten Werken besteht. Vereinige das wenige, was du dir während der heiligen Fastenzeit zu tun vornimmst, mit allem, was das Haupt aller Büßer während seines 40tägigen Fastens für uns getan.

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tägliche Gewissenserforschung