Posts Tagged ‘Himmelreich’

„Wisst zu handeln wie weise Perlenhändler…“

23/07/2011

(zum Sonntags-Evangelium vom 24. Juli 2011: Mt 13,44-52)

„Meister, vor einigen Tagen hast du gesagt, dass es viele gibt, die sich von den Dingen der Welt verführen lassen. Sind es sie, die für Satan fischen?“ fragt Jakobus des Alphäus.

„Ja, mein Bruder! In diesem Gleichnis lässt sich der Mensch verführen vom vielen Geld, das viele Ergötzlichkeiten verschaffen kann, und er verliert so jegliches Recht auf den Schatz des Reiches Gottes. Wahrlich, ich sage euch, von hundert Menschen ist nur ein Drittel darum bemüht, der Versuchung des Geldes oder anderen Verführungen zu widerstehen; und von diesem Drittel versteht es nur die Hälfte, es auf heroische Weise zu tun.

Die Welt stirbt an Erstickung, weil sie sich freiwillig von den Stricken der Sünde erdrosseln lässt. Es ist besser, von allem entblößt zu sein, als törichte und blendende Reichtümer zu besitzen. Wisst zu handeln, wie weise Perlenhändler, die erfahren haben, dass irgendwo eine große, seltene Perle gefunden wurde, und sich nicht von kleinen Perlen in ihrer Werkstatt aufhalten lassen, sondern sich von allem entledigen, um diese wunderbare Perle zu erwerben.“

„Aber warum machst du selbst Unterschiede in der Mission, die du deinen Nachfolgern überträgst, und sagst uns, dass wir diese Mission als ein Geschenk Gottes halten sollen? Also müssten wir auch darauf verzichten, denn auch dies sind Brosamen im Vergleich zum Himmelreich“, sagt Bartholomäus.

„Keine Brosamen, Mittel sind es! Krumen wären es, oder besser noch, schmutzige Strohhalme, wenn sie menschlichen Zwecken im Leben dienen würden. Wer bemüht ist, einen menschlichen Gewinn aus einem solchen heiligen Posten zu ziehen, macht aus diesem einen schmutzigen Strohhalm. Aber macht daraus einen Akt des Gehorsams, eine freudige Pflicht, ein wirkliches Opfer, und es wird für euch eine wirkliche Perle sein. Die apostolische Mission ist eine vollkommene Aufopferung, wenn sie ohne Vorbehalt geübt wird, ein Martyrium und eine Glorie. Sie trieft von Tränen, Schweiss und Blut, doch sie bildet die Krone der ewigen Herrlichkeit.“

„Du weisst wirklich auf alles eine Antwort!“

„Aber habt ihr mich wirklich verstanden? Begreift ihr, was ich euch mit Vergleichen sage, die sich auf alltägliche Dinge beziehen, die aber, vom übernatürlichen Licht erleuchtet, eine Erklärung für die ewigen Dinge sind?“

„Ja, Meister!“

„Dann erinnert euch dieser Methode bei der Belehrung der Menge. Denn eines der Geheimnisse der Schriftgelehrten und der Rabbis ist das Gedächtnis. In Wahrheit sage ich euch, dass ein jeder von euch, der in der Wissenschaft vom Besitz des Himmelreiches erfahren ist, einem Familienvater gleicht, der aus seinem Schatz herausholt, was der Familie dienlich ist, indem er alte und neue Dinge zum einzigen Zweck benützt, das Wohlbefinden seiner eigenen Kinder zu fördern… Es hat aufgehört zu regnen. Lassen wir jetzt die Frauen im Frieden, und gehen wir zum alten Tobias, der dabei ist, seine geistigen Augen der Morgenröte des Jenseits zu öffnen.

Der Friede sei mit euch, Frauen!“

Auszug aus “Der Gottmensch″ Bd. IV von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

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Das Reich Gottes ist mitten unter euch

13/07/2011

13. Juli 1943

Jesus sagt:

„Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Die Welt, in der ihr euren Aufenthalt fristet, ist die Strickleiter, auf der ihr Mein mystisches Schiff erklimmen könnt. Auf einer Strickleiter emporzusteigen, ist freilich keine leichte Sache. Man muss behende, beschwingt, gesund, schwindelfrei sein, was nicht für die zutrifft, die sich einem Übermaß an Vergnügungen hingeben. Das Laster verhindert den Aufstieg, auch die Krankheiten, der Blutandrang der Anhänglichkeiten an die irdischen Dinge und die geistige Trägheit.

Seid also gesund in eurer Seele, aber da diese vollständige Gesundheit dem Menschen beinahe unmöglich ist, trachtet wenigstens danach, eure geistlichen Krankheiten in den Anfängen zu bekämpfen.

Seid fleißig. Sagt nicht: „Ich habe schon so viel gearbeitet, dass ich mich jetzt ausruhe.“ Nein, Meine Kinder, die Ich in der himmlischen Herrlichkeit erwarte! Mein Reich ist eine so große Freude, dass keine Mühe zu langwierig und zu hart ist, es zu erobern. 

Wenn ihr nach Meinem Gesetz handelt, ist Mein Reich schon in euch. Und das bemerkt ihr an dem Frieden, der wie eine unerschöpfliche Woge in euch fließt. Das ist nicht der armselige menschliche, von so vielen feindlichen Dingen und Personen bedrohte Friede. Es ist der wahre Friede: Mein Friede.“ 

Auszug aus “Die Hefte 1943″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Ich allein bin das Tor“

15/05/2011
(zum Sonntags-Evangelium vom 15. Mai 2011: Johannes 10,1-10)

(…) Wie immer werden die Pharisäer durch die Zustimmung des Volkes nur noch giftiger und beissender im Ton, in dem sie sich an Christus wenden: „Antworte, ohne so viel Worte zu verlieren, und beweise uns, dass du der Messias bist.“

„Wahrlich, wahrlich ich sage euch, ich bin es. Ich, ich allein bin das Tor zum Schafstall der Himmel. Wer nicht durch mich hindurchgeht, kann nicht in das Himmelreich eingehen. Es ist wahr, dass falsche Messiasse gekommen sind, und andere werden noch kommen. Aber der einzige und wahre Messias bin ich. Alle, die bisher gekommen sind und sich so genannt haben, waren es nicht. Sie waren lediglich Diebe und Räuber. Und das gilt nicht nur für jene, die sich von wenigen Gleichgesinnten Messias nennen liessen, sondern auch für die, die ohne diesen Namen anzunehmen eine Anbetung verlangen, die nicht einmal dem wahren Messias zuteil wird. Wer Ohren hat zu hören, der höre.

Aber nun gebt acht. Weder den falschen Messiassen noch den falschen Hirten und Meistern haben die Schafe Gehör geschenkt, denn die Seelen fühlten die Falschheit ihrer Stimmen, die sanft erscheinen wollten, in Wirklichkeit aber grausam waren. Nur die Böcke sind ihnen gefolgt, um bei ihren Schurkereien mitzuwirken. Wilde, ungezähmte Böcke, die nicht in den Schafstall Gottes, unter das Szepter des wahren Königs und Hirten kommen wollen. Denn dieser ist nunmehr in Israel. Und er, der König der Könige, wird zum Hirten der Herde, während früher einmal einer, der der Hirte der Herden war, König wurde; und der eine wie der andere entspringen einer einzigen Wurzel, der Wurzel Jesse, wie es geschrieben steht in den Verheissungen und Prophezeiungen. Die falschen Hirten sprachen weder aufrichtige Worte noch vollbrachten sie Worte des Trostes. Sie haben die Herde zerstreut und gequält, sie den Wölfen überlassen oder sie sogar getötet, sie ausgenützt und verkauft, um ihres eigenen Lebens sicher zu sein. Oder sie haben ihr die Weide entzogen, um daraus Stätten des Vergnügens und Götzenhaine zu machen.

Wisst ihr, wer die Wölfe sind? Es sind die bösen Leidenschaften, die Laster, die die falschen Hirten die Herde gelehrt haben und denen sie als Erste frönten. Und wisst ihr, was ich mit den Götzenhainen meine? Es ist die Eigensucht, die allzu viele mit Weihrauch beräuchern. Die anderen beiden Dinge bedürfen der Erklärung nicht, denn sie ergibt sich klar genug aus dem schon Gesagten. 

Aber dass die falschen Hirten so handeln ist logisch. Sie sind nichts als Räuber, die kommen um zu rauben, zu töten und zu zerstören, um die Schafe aus dem Stall auf trügerische Weiden oder in falsche Schafställe zu führen, die nichts anderes sind als Schlachthäuser. Die dagegen, die zu mir kommen, sind in Sicherheit. Sie können hinausgehen auf meine Weide oder wieder hereinkommen zu meinen Ruhestätten, um sich dort durch heilige und gesunde Nahrung zu stärken. Denn dazu bin ich gekommen. Meine Schafe, die bisher mager und betrübt waren, sollen nun das Leben haben, überreiches Leben, Leben des Friedens und der Freude. Und so sehr wünsche ich dies, dass ich gekommen bin, um mein eigenes Leben hinzugeben, auf dass meine Schafe das vollkommene, überreiche Leben der Kinder Gottes haben. (…)“

Auszug aus “Der Gottmensch″ Band IX von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

„Wehe den Hirten, die sich selbst weiden


Zeit und Ewigkeit (II) – Das Gleichnis von den Talenten

10/05/2011

Unter Talent verstehen wir eine Begabung, eine Fähigkeit, etwas besonders gut zu tun. Es fällt uns leichter, das zu tun, worin wir talentiert sind. Man möchte daher meinen, dass jeder also seine Talente ausbaut und sich zu Nutzen macht. Und doch, wie oft lassen wir sie einfach links liegen, oder sie gehen verschüttet im Hürdenlauf des Alltags. Das biblische Gleichnis von den Talenten mag eine Mahnung sein, ihnen mehr Beachtung zu schenken und diese Gaben entsprechend auch einzusetzen. 

Gegenüber Maria Valtorta erklärt Jesus das Gleichnis aber noch in einem anderen Sinne. Das Talent, das jeder erhält, ist unser „Begrüssungsgeld“ in Ewigkeitswährung. Seine Höhe richtet sich nach der uns zur Verfügung stehenden Zeitspanne, die wir hier auf Erden haben. Und am Ende unseres Lebens heisst es dann: „Was hast du aus deinem Leben gemacht?“  

Jesus sagt: „Jedes lebende Wesen und alle Dinge der Lebewesen sterben dahin und verschwinden ohne Wiederkehr. Freude, Schmerz, Gesundheit, Krankheit, Leben sind Episoden, die sich früher oder später verflüchtigen und in dieser Form niemals wiederkehren. Freude und Schmerz, Gesundheit oder Krankheit können in anderer Gestalt und unter anderem Gesicht wiederkehren. Aber diese bestimmte Freude, dieser bestimmte Schmerz, diese Krankheit, diese Gesundheit kehren nicht wieder. Sie sind Augenblicksdinge. Ist der Augenblick vorüber, kommt ein anderer, ähnlicher herbei, aber niemals wieder dieser.

Und das Leben… Oh! das Leben, einmal vergangen, kommt es nicht wieder. Es ist euch eine Ewigkeitsstunde geschenkt, ein Ewigkeitsaugenblick, um die Ewigkeit für euch zu erobern.

Hast du niemals darüber nachgedacht, dass es dieses Motiv sein könnte, das dem Gleichnis von den Talenten bei Lukas zu Grunde liegt?

Es wird euch ein Talent der Ewigkeitswährung übergeben. Der Herr vertraut es euch an und sagt: „Nun geht. Wirtschaftet mit eurem Talent, bis ich wiederkomme. Und bei seiner Wiederkehr, vielmehr bei eurer Rückkehr zu Ihm, fragt Er euch: „Was hast du mit dem erhaltenen Talent angefangen?“ Dann kann der getreue Knecht glücklich antworten: „Hier, mein König. Mit diesem Ewigkeitstalent habe ich dies, dies und das gearbeitet. Und nicht auf Grund meiner Berechnung, sondern wegen des Wortes des hl. Evangeliums weiss ich, das Zehnfache dafür verdient zu haben.“ Und der Herr sagt diesem: „Du tüchtiger treuer Knecht! Weil du über Weniges getreu warst, soll dir Macht über zehn Städte gegeben werden, und in deinem Falle sollst du, weil du so gearbeitet hast, wie du mehr und besser gar nicht konntest, unverzüglich hier regieren, wo Ich in Ewigkeit regiere.“

Ein anderer, von Gott Gerufener, wird sagen: „Mit Deinem Talent habe ich dies und das angefangen. Schau nach, mein König, was über mich geschrieben steht.“ Und Ich werde ihm sagen: „Tritt auch du ein, denn du hast auf die Weise und soviel du vermochtest, gearbeitet.“

Aber dem, der Mir sagen wird: „Hier ist dein Talent, so wie Du es mir übergeben hast. Ich habe keinen Handel damit getrieben, weil ich mich vor Deiner Gerechtigkeit fürchtete“, werde Ich erwidern: „Geh und lerne die Liebe kennen im Reinigungsort und arbeite dort, um dir das Reich zu erobern, denn du warst ein fauler Knecht und hast dich auch nicht gemüht zu erkennen, wer Ich bin; du hast Mich als ungerecht verdächtigt und an Meiner göttlichen Gerechtigkeit gezweifelt und vergessen, dass Ich göttliche Liebe bin. Dein Talent soll nun in Sühneleistung umgewandelt werden.“

Dem hingegen, der mit diesen Worten vor Mich hintritt: „Ich habe dein Talent verschwendet und habe es mir damit wohl sein lassen, denn ich glaubte nicht, dass es dieses himmlische Reich wirklich gäbe, und habe lieber den mir geschenkten Augenblick geniessen wollen“, werde Ich entrüstet erwidern: „Du törichter und gotteslästerlicher Knecht! Mein Geschenk soll dir fortgenommen werden und wieder in den Ewigen Schatz zurückfallen, du aber, geh dorthin, wo Gott nicht ist und es kein ewiges Leben gibt, denn es war dein Wille, nicht zu glauben, sondern zu geniessen. Du hast es genossen. Du hast also bereits deine seelenlose Fleischeslust gehabt. Genug. Das Reich der Ewigkeit bleibt dir für immer verschlossen.“

Wie viele Male müsste ich diese Worte donnern, wenn Ich lediglich göttliche Gerechtigkeit wäre! Aber die göttliche Liebe ist grösser als Meine Gerechtigkeit. Die eine wie die andere sind vollkommen. Die Liebe ist jedoch Mein Wesen und steht über allen anderen Vollkommenheiten. Deswegen lasse Ich dem Sünder Zeit und wirke auf eine solche Weise, dass der Schuldige nicht ganz und gar verloren gehe.“

Auszug aus “Die Hefte 1944″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

Zu Teil I

Johannes der Täufer, „ein Großer des Reiches Gottes“ (2)

12/12/2010

(zurück zu Teil 1 des Auszugs)

Zum Sonntags-Evangelium vom 12. Dezember 2010: Mat 11,2-11

„(…) Johannes hat den Weg bereitet, wie es seine Aufgabe war. Was habt ihr in der Wüste gesucht? Ein Schilfrohr, das jeder Wind hin- und herbewegt? Was seid ihr hingegangen, zu sehen? Einen Menschen in weichlichen Kleidern? Aber diese wohnen in den Palästen der Könige, eingehüllt in weiche Gewänder, von tausend Dienern und Schmeichlern umgeben, und sind selbst nur Schmeichler eines armen Menschen. Hier ist einer von diesen. Fragt ihn, ob er nicht Abscheu vor dem Leben am Hof empfindet und Bewunderung für den rauhen und einsamen Felsen, auf den Blitze und Hagelkörner fallen und um den Winde brausen, die ihn zerschmettern wollen, während er aufrecht dasteht und sich mit allen Kräften zum Himmel erhebt und die Freude der Höhe predigt, erhaben und aufstrebend wie eine Flamme, die zum Himmel steigt.

Das ist Johannes! So sieht ihn Manaen; denn er hat die Wahrheit des Lebens und des Todes begriffen und sieht die Größe dort, wo sie wirklich ist, auch wenn sie sich unter dem Anschein der Rauheit verbirgt.

Und ihr, was habt ihr in Johannes gesehen, als ihr in aufgesucht habt? Einen Propheten? Einen Heiligen? Ich sage es euch: er ist mehr als ein Prophet. Er ist mehr als viele Heilige; denn er ist es, von dem geschrieben steht: „Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, damit er deinen Weg dir bereite.“


Engel! Bedenkt dies! Ihr wißt, daß die Engel reine Geister sind – von Gott geschaffen nach seinem geistigen Bild – als eine Verbindung zwischen dem Menschen: der Vollkommenheit des Himmels und der Erde, dem Schöpfer des geistigen und irdischen Reiches.

Im Menschen, auch im heiligsten, sind es immer Fleisch und Blut, die einen Abgrund zwischen ihm und Gott schaffen. Und der Abgrund wird immer tiefer durch die Sünde, die auch belastet, was geistig im Menschen ist. Da erschafft Gott die Engel, Geschöpfe, die die höchste Stufe der Schöpfungsleiter erreichen, so wie die Mineralien ihre Grundlage bilden; die Mineralien, der Staub aus dem die Erde besteht, die anorganische Materie im allgemeinen. Reine Spiegel des göttlichen Gedankens, willensbegabte Flammen, wirkend durch die Liebe, bereit zu verstehen und zu handeln, frei im Wollen wie wir, aber in einer ganz heiligen Weise, die keine Auflehnung und keine Sünde kennt: das sind die Engel, die Anbeter Gottes, seine Boten bei den Menschen, unsere Beschützer, die Spender des Lichtes, das sie umkleidet, und des Feuers, das sie anbetend aufnehmen.

Johannes wird in der Sprache der Propheten „Engel“ genannt. Ich aber sage euch: Unter den von der Frau Geborenen ist keiner größer als Johannes der Täufer. Und doch wird der Kleinste im Himmelreich großer sein als er, der Mensch. Denn ein jeder im Reich des Himmels ist Sohn Gottes und nicht Sohn einer Frau. Strebt daher alle danach, Bewohner des Reiches zu werden.(…)“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com,dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


Hl. Rafael Arnaiz Baron (6)

21/10/2010

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

Hl. Rafael Arnaiz Baron

An P. Marcelo Leon, Novizenmeister, von Oviedo aus (Teil 2)

Gott begnügte sich nicht nur damit, mein Opfer anzunehmen, als ich die Welt verließ, sondern Er verlangte ein noch größeres Opfer von mir, als ich in die Welt zurückkehren mußte. Wie lange noch? Gott hat das letzte Wort. Er gibt die Gesundheit und Er nimmt sie. Wir Menschen können nichts weiter tun, als Seiner göttlichen Vorsehung zu vertrauen, wohl wissend, daß das, was Er tut, gut ist, auch wenn es auf den ersten Blick gegen unsere Wünsche zu sein scheint. Aber ich bin davon überzeugt, daß die wahre Vollkommenheit darin besteht, keine weiteren Wünsche zu haben, als daß Sein Wille sich an uns erfülle.

In Seiner unendlichen Weisheit fragt Gott den Menschen nicht, was er sich wünscht, um es ihm unmittelbar zu gewähren; denn meistens weiß der Mensch nicht, was für sein Heil angebracht ist. Er wirkt vielmehr über die Vernunft und die Absichten des Geschöpfes hinaus und führt und lenkt und prüft es auf tausend Weisen. Und der Mensch fragt: „Herr, warum tust du das?“ Und Gott scheint zu sagen: „Vertraue mir! Ihr seid wie Kinder. Um in das Reich meines Vaters zu gelangen, könnt ihr weder allein gehen, noch andern den Weg zeigen; ich werde euch führen. Folgt mir, auch wenn das gegen eure Pläne geht! Das Himmelreich leidet Gewalt“ [vgl. Mt 11,12]. Und um ans Ziel zu gelangen, muß es nicht auf dem vom Menschen bestimmten Weg sein, denn als Kind – das Mensch in Gottes Augen ist – kann er kaum laufen. „Vertraue mir – sagt Jesus -, ich werde dich führen!“

Lieber Pater Magister, ich lasse mich von Jesus leiten… Als ich am glücklichsten war, als ich meine Zukunft als Zisterzienser klar vor mir sah, als ich kein Verlangen mehr hatte nach der Welt und mein einziger Wunsch darin bestand, bis zum Tod mit meinen Brüdern im Ordensstand zusammen zu sein, da sagt Jesus: „Jetzt eine Krankheit, und hinaus!“ Nun gut: „Fiat“ [‚Mir geschehe‘; Lk 1,38]. Was könnte ich sonst noch tun?

Daher – Sie merken es schon, Pater – bin ich ruhig, denn die Schwierigkeiten, die ich durchzustehen habe, hängen nicht von mir ab. Und weil Gott es ist, der mich aus dem Noviziat herausgeholt hat, wird Er mich auch wieder dorthin zurückbringen, wenn Er will.

Was würde ich den Patres, den Novizen und den Oblaten nicht alles sagen! Mein Schweigen wird – glaube ich – beredter sein als alles, was ich in einem Brief mitteilen könnte. Ich habe in der ‚Trapa‘ so viel aufrichtige Zuneigung erfahren, daß ich es nicht vergessen kann. Ich bestelle Ihnen für niemanden besondere Grüße, weil ich sonst nach und nach die ganze Gemeinschaft mit Namen nennen müßte. Wenn ich auch – körperlich gesehen – hier bin, bin ich doch in Gedanken oft im Chor.

Ich stehe spät auf, gehe spät zu Bett und bin den ganzen Tag im Haus, ohne etwas zu tun. Das Lesen ermüdet meine Augen so sehr, daß ich es lassen muß, und meine Kräfte reichen zu nichts aus… Ich wandere von einem Sessel der Wohnung zum nächsten, um nicht immer in demselben zu sitzen. Und weil ich Ihnen nichts verheimlichen will: ich rauche wieder.

Den Habit ziehe ich nicht an, um nicht aufzufallen; ich bewahre ihn sorgfältig auf. Für mich war es ein Trost, ihn mitnehmen zu dürfen.

Ich empfange keinen Besuch; an den ersten Tagen, weil mich die Leute wirklich plagten, und jetzt, weil mich das, was sie mir erzählen, überhaupt nicht interessiert,  wie Sie sich leicht denken können. Es gibt zwar Menschen, die mich wirklich schätzen, aber es gibt auch viel Neugier, denn einen Trappisten sieht man nicht alle Tage.

Vor ein paar Tagen war Pater Felipe hier, den ich bisher nicht kannte. Er besuchte seine Angehörigen und kam vorbei, um mich kennenzulernen. Er ist sehr sympathisch und scheint ein sehr guter Mensch zu sein.

Ansonsten weiß ich Ihnen nichts zu berichten. Verzeihen Sie das Durcheinander dieser Zeilen, aber Sie wissen schon, wie ich schreibe: viel, schnell und schlecht, aber das bin ich nun einmal. Höflichkeitsbriefe schreibe ich Leuten, die nicht mein Pater Magister sind.

Ich rechne mit den Gebeten, die die Novizen und Oblaten an die heiligste Jungfrau richten. Darauf verlasse ich mich mehr als auf die Ärzte, denen Gott verzeihen möge, daß sie mich dermaßen hungern lassen. Ich kann Ihnen sagen, Pater: dieser Hunger ist schrecklich; ausserdem ist er typisch für diese Krankheit.

Für heute nichts weiter als die Bitte, daß Sie Pater Abt und die Novizen von mir grüßen, und von Ihnen erhofft sich Ihren Segen und Ihr Gebet Ihr Novize

Bruder Maria Rafael

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„Bemüht euch, durch die enge Pforte einzutreten“

21/08/2010
(zum Sonntagsevangelium v. 22. August 2010: Lukas 13,22-30)

„… Wer Christus verfolgt und ihn verleugnet, wer nicht nach dem lebt, was er lehrt, wird keinen Anteil haben an seinem Reich“, sagt Thomas mit seiner mächtigen Stimme.

Einer zieht ihn am Ärmel, zeigt auf Jesus und fragt: „Ist er sehr streng?“

„Nein! Im Gegenteil, er ist zu gut.“

„Was meinst du, werde ich gerettet werden? Ich gehöre nicht zu den Jüngern. Aber du weißt, wie ich bin und wie ich immer an das geglaubt habe, was du mir gesagt hast. Aber mehr als das bin ich nicht imstand zu tun. Was genau muß ich tun, außer dem, was ich schon tue, um gerettet zu werden?“

„Frage ihn selbst. Er hat eine viel weichere Hand und ein sanfteres Urteil als ich.“

Der Mann wagt sich vor. Er sagt: „Meister, ich beachte das Gesetz, und seit Thomas mir deine Worte wiederholt hat, versuche ich, noch besser danach zu leben. Aber ich bin nicht sehr großzügig. Ich tue das, was ich unbedingt tun muß. Ich meide die Sünde, weil ich mich vor der Hölle fürchte. Aber ich liebe meine Bequemlichkeiten… Ich bekenne, daß ich darauf achte, nicht zu sündigen, aber es darf mich keine allzu große Anstrengung kosten. Wenn ich so handle, werde ich dann gerettet werden?“

„Du wirst gerettet werden. Aber warum so kleinlich sein mit Gott, der so großmütig ist? Warum erstrebst du mehr schlecht als recht die Rettung und strebst nicht nach großer Heiligkeit, die den ewigen Frieden sofort schenkt? Auf, Mann! Sei hochherzig mit deiner eigenen Seele!“

Der Mann sagt demütig: „Ich werde darüber nachdenken, Herr! Ich werde nachdenken. Ich fühle, daß du recht hast und daß ich meiner Seele unrecht tue,  wenn ich sie einer langen Reinigung unterwerfe, bevor sie zum Frieden gelangt.“

„Bravo! Dieser Gedanke ist schon der Beginn der Vervollkommnung.“

Ein anderer von Rama fragt: „Herr, werden es nur wenige sein, die gerettet werden?“

„Wenn der Mensch Achtung vor sich selbst und liebevolle Ehrfurcht vor Gott hätte, dann würden alle Menschen gerettet werden, wie Gott es wünscht! Aber der Mensch handelt nicht so. In seiner Torheit gibt er sich mit Flittergold ab, anstatt echtes Gold zu erwerben. Seid großzügig im Streben nach dem Guten. Kostet euch das etwas? Gerade darin liegt das Verdienst. Bemüht euch, durch die enge Pforte einzutreten, denn die andere, die weitgeöffnete geschmückte Pforte, ist eine Verführung Satans, um euch auf Abwege zu führen.

Demutspforte, Eingang zur Geburtskirche in Bethlehem

Die Himmelspforte ist eng, niedrig, kahl und schmucklos. Um hindurchzukommen, muß man beweglich, unbelastet, ohne Prunk und ohne Hang zur Materie sein. Ihr müßt geistig sein, um es zu schaffen, andernfalls werdet ihr, wenn einst die Stunde des Todes schlägt, nicht hindurchkommen. In Wahrheit wird man dann viele sehen, die einzutreten versuchen, aber es nicht können, weil sie mit materiellen Dingen überlastet sind, mit weltlichem Prunk geziert, verhärtet durch eine Kruste von Sünden, unfähig sich zu beugen wegen des Hochmuts, der ihr Rückgrat versteift.

Und dann wird der Herr des Reiches kommen und das Tor schließen, und diejenigen, die nicht zur rechten Zeit hindurchgehen konnten, werden vor dem Eingang stehen, anklopfen und schreien: „Herr, öffne uns! Auch wir sind da.“ Aber er wird sagen: „Wahrlich, ich kenne euch nicht, noch weiß ich woher ihr kommt.“ Und sie: „Aber wie? Erinnerst du dich nicht an uns? Wir haben doch mit dir getrunken und gegessen, und dir zugehört, als du auf unsren Plätzen lehrtest.“ Aber er wird antworten: „Wahrlich, ich kenne euch nicht. Je länger ich euch anschaue, desto mehr scheint ihr mir gesättigt zu sein mit dem, was ich als unreine Speise bezeichnet habe. Wahrlich, je mehr ich euch durchforsche, desto mehr erkenne ich, daß ihr nicht von meiner Familie seid. Wahrlich, jetzt erkenne ich, wessen Kinder und Untergebene ihr seid: die des anderen.

Ihr habt Satan zum Vater und das Fleisch zur Mutter, als Amme den Hochmut, als Knecht den Haß, als Schatz die Sünde und als Perlen die Laster. In euren Herzen steht geschrieben: ‚Selbstsucht‘, und eure Hände sind beschmutzt vom Raub an euren Brüdern. Fort von hier! Weichet von mir, ihr alle, die ihr Werkzeuge der Bosheit seid.“


Und dann, während aus der Tiefe der Himmel in strahlender Herrlichkeit Abraham, Isaak, Jakob und alle Propheten und Gerechten des Reiches Gottes erscheinen werden, werden jene, die keine Liebe gehabt, sondern nur Egoismus gekannt haben, die kein Opfer auf sich genommen, sondern sich ihrer eigenen Weichlichkeit ergeben haben, weit fortgejagt, verbannt werden an jenen Ort, wo ewiges Klagen herrscht und es nichts als Schrecken gibt.

Doch die glorreich Auferstandenen, die von Osten und Westen, von Norden und Süden gekommen sind, werden sich versammeln an der Hochzeitstafel des Lammes, des Königs des Reiches Gottes. Und dann wird es sich zeigen, daß viele, die als die „Geringsten“ im Heer der Erde galten, die Ersten sein werden unter den Bewohnern des Reiches. Und man wird auch sehen, daß nicht alle Mächtigen Israels Mächtige im Himmel sind und daß nicht alle der von Christus zu seinem Dienste Erwählten es verdient haben, zum Hochzeitsmahl geladen zu werden. Vielmehr werden viele, die als die „Ersten“ angesehen wurden, nicht einmal die „Letzten“ sein. Denn viele sind berufen, aber nur wenige imstand, aus ihrer Erwählung eine wahre Ehre zu machen.“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band VI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Selig die Diener, die der Herr wachend findet, wenn er kommt“

07/08/2010
(zum Sonntagsevangelium vom 8. August 2010: Lk 12,32-48)

„… Fürchte dich nicht, meine kleine Herde! Meinem Vater hat es gefallen, euch zum Reich zu berufen, damit ihr dieses Reich besitzt. Ihr könnt daher nach ihm streben und dem Vater mit eurem guten Willen und eurem heiligen Tun helfen. Verkauft eure Güter und gebt Almosen, wenn ihr allein seid. Laßt den Euren das Nötige, wenn ihr das Haus verlaßt, um mir zu folgen; denn es ist gerecht, den Kindern und den Frauen das Brot nicht vorzuenthalten.

Wenn ihr euer Geld nicht opfern könnt, dann opfert den Reichtum des Mitgefühls. Auch das sind Münzen, die Gott als solche bewertet, und zwar wie reinstes Gold und Perlen, die kostbarer sind als die des Meeres; wie Rubinen, die seltener sind als die aus dem Schoß der Erde. Denn meinetwegen auf die eigene Familie verzichten bedeutet Liebe, die vollkommener ist als lauteres Gold, eine Perle aus Tränen und ein Rubin aus Blut, das aus der Wunde des Herzens quillt, das zerrissen wurde durch die Trennung von Vater und Mutter, von Frau und Kindern.

Und diese Börsen bekommen keine Löcher, dieser Schatz geht nie verloren. Diebe können nicht in den Himmel eindringen. Die Motte zerstört nicht, was dort aufgehoben ist. Habt den Himmel im Herzen und das Herz im Himmel bei eurem Schatz. Denn das Herz, sei es gut oder böse, ist immer dort, wo es glaubt, daß sich sein Schatz befindet. So wie das Herz also dort ist, wo der Schatz ist – im Himmel – so ist der Schatz dort, wo das Herz ist – also in euch -; ja, der Schatz ist im Herzen, und mit dem Schatz der Heiligen ist im Herzen der Himmel der Heiligen.

Seid immer bereit wie einer, der auf Reisen gehen will oder auf seinen Herrn wartet. Ihr seid Diener Gottes, des Herrn. Jede Stunde kann er euch zu sich rufen oder dorthin kommen, wo ihr seid. Seid daher immer bereit, aufzubrechen oder ihm mit zur Reise oder zur Arbeit gegürteten Lenden und mit brennenden Lampen Ehre zu erweisen. Beim Verlassen des Hochzeitssaales mit einem, der euch in den Himmel, oder bei der Weihe an Gott auf Erden, vorausgegangen ist, kann Gott sich euer, die ihr wartet, erinnern und sagen: ‚Gehen wir zu Stephanus oder Johannes, zu Jakobus oder Petrus.‘ Gott kommt unversehens und sagt: ‚Komm!‘ Seid daher bereit, ihm die Tür zu öffnen, wenn er kommt, oder aufzubrechen, wenn er euch ruft.

Selig die Diener, die der Herr wachend findet, wenn er kommt. Wahrlich, um sie für ihre treue Erwartung zu belohnen, wird er sein Gewand schürzen und sie am Tisch Platz nehmen lassen, um sie zu bedienen. Das kann zur ersten, zur zweiten oder zur dritten Nachtwache geschehen. Ihr wißt es nicht. Seid daher immer wachsam! Selig seid ihr, wenn euch der Herr wachend findet! Täuscht euch nicht, indem ihr sagt ‚Es ist noch Zeit! Heute Nacht wird er nicht kommen.‘ Es könnte schlecht ausgehen. Ihr wißt es nicht. Wenn einer wüßte, wann der Dieb kommt, würde er das Haus nicht unbewacht und den Bösewicht nicht die Türe und die Schlösser aufbrechen lassen. Seid auch ihr wachsam, denn wenn ihr am wenigsten daran denkt und darauf vorbereitet seid, wird der Menschensohn kommen und sagen: ‚Die Stunde ist gekommen.‘ „

Petrus, der sogar vergessen hat, fertigzuessen, um dem Herrn zuzuhören, fragt nun: „Was du da sagst, gilt das für uns oder für alle?“

Jesus und Petrus

„Es gilt für euch und für alle. Doch mehr für euch, denn ihr seid wie Aufseher, die der Herr an die Spitze seiner Diener gestellt hat; ihr seid doppelt verpflichtet, bereit zu sein, als Aufseher und als einfache Gläubige.

Wie muss der vom Herrn an die Spitze der Diener bestellte Aufseher sein, um jedem zur rechten Zeit den gerechten Anteil zu geben? Er muß gewissenhaft und treu sein. Um seine Pflicht zu erfüllen und um die Untergebenen ihre Pflicht erfüllen zu lassen. Sonst würden die Angelegenheiten des Herrn, der dafür bezahlt, daß der Aufseher ihn vertritt und in seiner Abwesenheit die Geschäfte abwickelt, Schaden leiden. Selig der Knecht, den der Herr bei seiner Rückkehr treu, eifrig und gerecht vorfindet. Wahrlich, ich sage euch, er wird ihn auch zum Aufseher über andere Güter, alle seine Güter, machen und sich ausruhen und sich in seinem Herzen freuen über die Sicherheit, die ein solcher Diener ihm gibt.

Wenn aber dieser Knecht sich sagt: ‚Oh, gut! Der Herr ist weit fort und hat mir geschrieben, daß sich seine Rückkehr verzögern wird. So kann ich tun, was ich will, und wenn seine Ankunft bevorsteht, werde ich mich um alles kümmern‘; wenn er dann zu essen und zu trinken beginnt, bis er betrunken ist, und betrunken Anordnungen gibt, und die guten Knechte, die ihm unterstellt sind, sich weigern, ihm zu gehorchen, um dem Herrn keinen Schaden zuzufügen; wenn er dann anfängt, Diener und Dienerinnen zu schlagen, so daß sie krank werden und dahinsiechen; wenn er glaubt, glücklich zu sein und sagen zu können: ‚Endlich kann ich einmal verkosten, was es heißt, Herr zu sein und von allen gefürchtet zu werden‘, was wird dann geschehen? Es wird geschehen, daß der Herr zurückkehrt, wenn er es am wenigsten erwartet; vielleicht in eben dem Augenblick, da er Geld einsteckt oder einen der schwächeren Knechte besticht. Dann – das sage ich euch – wird der Herr ihn von seinem Posten als Aufseher und sogar aus den Reihen seiner Diener verjagen, denn es ist nicht statthaft, Untreue und Verräter unter den Redlichen zu lassen. Und je mehr der Herr ihn zuvor geliebt und unterwiesen hatte, desto mehr wird er bestraft werden.

Denn je besser man die Absichten und den Willen des Herrn kennt, desto mehr ist man gehalten, alles mit äußerster Sorgfalt auszuführen. Wer nicht alles ausführt, was der Herr ihm ausführlich gesagt hat, wird schwer bestraft werden, während ein geringerer Diener, der wenig weiß und Fehler macht im Glauben, das Richtige zu tun, weniger bestraft werden wird.

Von dem, dem viel gegeben wurde, wird auch viel verlangt werden, und wer beauftragt war, viel zu verwalten, wird viel geben müssen; denn von meinen Verwaltern wird auch die Seele des Kindes gefordert werden, das nur eine Stunde gelebt hat. …“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Martha, Martha, du machst dir Sorge und Unruhe um vieles“

18/07/2010

(zum Sonntagsevangelium vom 18. Juli 2010: Lk 10,38-40)

Ich begreife sofort, daß es wieder um die Person der Magdalena geht, denn ich sehe sie als erste, in einem einfachen Gewand von einem Rosalila, das mich an eine Malvenblüte erinnert. Sie trägt keinen kostbaren Schmuck, ihr Haar ist in einfachen Zöpfen im Nacken zusammengesteckt. Sie scheint viel jünger als früher, da sie noch ein Meisterwerk der Schönheitspflege war. Sie hat nicht mehr den herrischen Blick aus jener Zeit, als sie die „Sünderin“ war, und auch nicht den niedergeschlagenen Blick von damals, als sie das Gleichnis vom verlorenen Schäflein hörte. Sie hat nicht mehr den beschämten, tränenfeuchten Blick, wie damals im Saal des Pharisäers… Jetzt ist ihr Auge ruhig und wieder klar wie das eines Kindes, und ein friedliches Lächeln strahlt von ihm aus.

Hl. Maria Magdalena

Sie hat sich an der Grenze des Besitztums von Bethanien an einen Baum gelehnt und schaut zur Straße hin. Sie wartet. Dann stößt sie einen Freudenschrei aus. Sie wendet sich zum Hause und ruft laut, um gehört zu werden; sie ruft mit ihrer herrlichen, samtenen, leidenschaftlichen, unverwechselbaren Stimme: „Er kommt!… Martha, sie haben Recht gehabt. Der Rabbi ist hier!“ und sie beeilt sich, das schwere quietschende Tor zu öffnen. Sie läßt den Dienern keine Zeit, es zu tun, und wie ein Kind zur Mutter eilt, läuft sie mit ausgestreckten Armen auf die Straße hinaus. In liebevoller Freude ruft sie: „O mein Rabbomi!“ und wirft sich zu Jesu Füßen nieder, die sie trotz des Staubs des Weges küßt.

„Der Friede sei mit dir, Maria. Ich komme, um mich unter deinem Dach auszuruhen.“

„O mein Meister!“ wiederholt Maria, indem sie ihr von Ehrfurcht und Liebe erfülltes Antlitz erhebt, in dem so vieles geschrieben steht: Segenswünsche, Freude, die Einladung, einzutreten, und der Jubel, weil er einkehrt…

Jesus hat ihr die Hand aufs Haupt gelegt und es ist, als ob er ihr noch einmal die Absolution erteilen würde. Maria erhebt sich und kehrt an der Seite Jesu auf ihren Besitz zurück. Inzwischen sind einige Diener und Martha herbeigeeilt. Die Diener mit Krügen und Schüsseln, Martha nur mit ihrer Liebe, aber diese ist groß.

Die erhitzten Apostel trinken kühle Getränke, die ihnen von den Dienern eingeschenkt werden. Sie möchten sie zuerst Jesus reichen, aber Martha ist ihnen schon zuvorgekommen. Sie hat einen Becher voll Milch genommen und ihn Jesus angeboten. Sie muß wohl wissen, daß Jesus Milch sehr gern hat.

Nachdem die Jünger sich erfrischt haben, sagt Jesus zu ihnen: „Geht und benachrichtigt die Gläubigen. Ich werde heute abend zu ihnen sprechen.“

Kaum haben sie den Garten verlassen, zerstreuen sich die Apostel in verschiedene Richtungen.

Jesus geht mit Martha und Maria weiter.

„Komm, Meister!“ sagt Martha. „Bis Lazarus kommt, kannst du dich ausruhen und stärken.“

Während sie einen kühlen Raum hinter der schattigen Vorhalle betreten, kommt Maria zurück, die sich eiligen Schrittes entfernt hatte. Sie kommt mit einem Krug Wasser, gefolgt von einem Diener, der ein Waschbecken trägt. Aber Maria will Jesus die Füße waschen. Sie löst ihm die staubigen Sandalen und gibt sie dem Diener, damit er sie reinige, zusammen mit dem Mantel, der ebenfalls vom Staub befreit werden soll. Dann taucht sie seine Füße ins Wasser, das durch eine aromatische Zugabe leicht rosa gefärbt ist, trocknet sie ab und küßt sie. Daraufhin wechselt sie das Wasser und bietet Jesus reines für seine Hände an. Während sie auf den Diener mit seinen Sandalen wartet, kauert sie sich zu den Füßen Jesu auf den Teppich nieder, streichelt sie, und bevor sie die Sandalen anlegt, küßt sie die Füße noch einmal und sagt: „Heilige Füße, die ihr so viel gewandert seid, um mich zu suchen!“

Martha, die praktischer veranlagt ist, geht zum menschlich Nützlichen über und fragt: „Meister, wer wird außer deinen Jüngern noch kommen?“

Jesus sagt: „Ich weiß es noch nicht genau. Aber du könntest noch für fünf weitere Vorbereitungen treffen.“

Jesus geht in den kühlen, schattigen Garten. Er trägt nur sein dunkelblaues Gewand. Der Mantel, sorgfältig von Maria zusammengefaltet, bleibt auf einer Truhe im Zimmer liegen. Maria begleitet Jesus. Sie gehen auf gepflegten Wegen zwischen blühenden Beeten bis zum Fischteich, der einem ins Grüne gefallenen Spiegel gleicht.

Die klare Reglosigkeit des Wassers wird nur hie und da durch das silberne Aufschnellen eines Fisches und durch den Regen des feinen, hohen Wasserstrahls in der Mitte unterbrochen. Bei dem großen Becken, das einem kleinen See gleicht, von dem kleine Bewässerungskanäle ausgehen, stehen Sitzbänke. Ich glaube, daß einer der Kanäle den Fischteich speist und die anderen, kleineren, die von ihm abzweigen, zur Bewässerung dienen.

Jesus setzt sich auf eine Bank neben dem Becken, und Maria setzt sich zu seinen Füßen auf den grünen, wohlgepflegten Rasen. Anfangs sprechen sie nicht. Jesus genießt sichtlich die Stille und Ruhe in der Kühle des Gartens. Maria erfreut sich an seinem Anblick.

Jesus spielt mit dem klaren Wasser des Beckens. Er taucht seine Finger hinein, kämmt es, so daß sich viele kleine Kielwasser bilden, und taucht dann die ganze Hand in die reine Frische.

„Wie schön ist dieses klare Wasser!“ sagt er.

Und Maria: „Gefällt es dir so sehr, Meister?“

„Ja, Maria. Weil es so klar ist. Schau, es ist keine Spur von Schlamm zu sehen. Es ist Wasser, aber es ist so rein, daß es fast scheint, als wäre es nicht ein Element, sondern nur Geist, auf dessen Grund man die Worte lesen kann, die sich die Fischlein sagen…“

„Wie man in der Tiefe der reinen Seele lesen kann. Nicht wahr, Meister?“ und Maria seufzt mit einem geheimen Bedauern.

Jesus bemerkt den zurückgehaltenen, mit einem Lächeln verschleierten Seufzer und heilt sofort das Leid Marias.


„Die reinen Seelen, wo gibt es die, Maria? Eher wird sich ein Berg in Bewegung setzen, als daß ein Geschöpf die dreifache Reinheit zu erlangen vermag. Viele, allzu viele Dinge umgeben einen Erwachsenen und gären. Es läßt sich nicht immer verhindern, daß sie ins Innere eindringen. Nur Kinder haben eine engelgleiche Seele, eine Seele, die in ihrer Unschuld vor Erkenntnissen bewahrt bleibt, die sich in Schlamm verwandeln können. Daher liebe ich sie so sehr. Ich sehe in ihnen einen Widerschein der unendlichen Reinheit. Sie sind die einzigen, die diese Erinnerung an den Himmel mit sich tragen.

Meine Mutter ist die Frau mit der Seele eines Kindes. Mehr noch. Sie ist die Frau mit der Seele eines Engels, so wie Eva war, als sie aus der Hand des Vaters hervorging. Kannst du dir vorstellen, Maria, wie diese erste blühende Lilie im irdischen Garten war? So schön auch diese hier sein mögen, an denen das Wasser vorbeifließt, die erste, die aus der Hand des Schöpfers hervorgegangen ist, war sie Blume oder Diamant? Waren es Blütenblätter oder Blätter aus reinem Silber? Und doch ist meine Mutter noch reiner als jene erste Lilie, die ihren Duft in den Winden verströmte. Ihr Duft der unversehrten Jungfrau erfüllt Himmel und Erde, und ihm werden von Jahrhundert zu Jahrhundert die Guten folgen.

Das Paradies ist Licht, Duft und Harmonie. Aber wenn der Vater sich nicht der Wunderbaren erfreuen könnte, die aus der Erde ein Paradies macht, und wenn das Paradies in Zukunft nicht diese lebendige Lilie hätte, in deren Schoß die drei Blütenstengel des Feuers der göttlichen Dreifaltigkeit, Licht, Duft und Harmonie, sind, so wäre die Glückseligkeit des Paradieses um die Hälfte vermindert. Die Reinheit der Mutter wird der Edelstein des Paradieses sein. Aber das Paradies ist unendlich! Was würdest du von einem König sagen, der nur eine Perle in seinem Schatz hat? Auch wenn es die allerschönste wäre?

Wenn ich die Pforten des Himmelreiches geöffnet habe – seufze nicht, Maria, denn dazu bin ich gekommen – dann werden viele Seelen von Gerechten und von Kindern hineingehen. Eine Schar der Reinheit folgt dem Purpur des Erlösers nach. Aber es werden immer noch zu wenige sein, um den Himmel mit Perlen zu schmücken und die Bürgerschaft des Ewigen Jerusalem zu bilden. Doch später… wenn die Lehre der Wahrheit und Heiligung bei den Menschen bekannt sein wird, später, wenn mein Tod den Menschen die Gnade wieder geschenkt haben wird, wie würden die Erwachsenen wohl den Himmel erwerben können, wenn das arme Menschenleben immer nur Schlamm wäre, der unrein macht? Wird mein Paradies also nur den Kindern gehören? O nein! Wie die Kinder müssen sie werden, dann steht auch den Erwachsenen das Reich offen.

Wie die Kinder… So ist die Reinheit. Siehst du dieses Wasser? Es scheint ganz klar zu sein. Aber beobachte: es genügt, daß ich mit diesem Zweig den Grund aufwühle, und schon trübt es sich. Abfälle und Schlamm kommen an die Oberfläche. Das kristallklare Wasser wird gelblich, und niemand würde mehr davon trinken.

Aber wenn ich den Zweig herausziehe, kehrt der Friede zurück und das Wasser wird langsam wieder klar und schön. Der Zweig ist die Sünde. So ist es bei den Seelen. Die Reue, glaube mir, ist das, was reinigt…“

Martha kommt bekümmert hinzu: „Bist du immer noch hier, Maria? Und ich mühe mich so sehr ab!… Die Zeit vergeht… Bald werden die Geladenen kommen, und es ist noch so vieles zu tun. Die Dienerinnen sind beim Brotbacken, die Diener bereiten und kochen das Fleisch. Ich sorge für die Gedecke, die Tische und die Getränke. Aber es sind noch Früchte zu pflücken und Pfefferminz- und Honigwasser herzurichten…“

Maria hört sich die Klagen ihrer Schwester mehr oder weniger an. Mit einem seligen Lächeln schaut sie unentwegt auf Jesus, ohne sich zu bewegen.

Martha wendet sich an Jesus: „Meister, schau, wie erhitzt ich bin. Scheint es dir recht, daß ich mich allein für die Bewirtung abmühe? Sag ihr doch, sie soll mir helfen.“ Martha ist wirklich aufgeregt.

Jesus schaut sie mit einem halb milden, halb wissenden, oder vielmehr scherzhaften Lächeln an.


Martha wird etwas ungeduldig: „Ich sage es im Ernst, Meister. Schau nur, wie faul sie ist, während ich arbeite, und sie sieht doch, daß…“

Jesus wird ernster: „Das ist nicht Müßiggang, Martha. Es ist Liebe. Müßiggang war es einmal, und du hast über diesen unwürdigen Müßiggang so viel geweint. Deine Tränen haben meinen Bemühungen, sie mir zu retten und sie deiner ehrlichen Liebe wiederzugeben, Flügel verliehen. Willst du ihr nun ihre Liebe zu ihrem Erlöser streitig machen? Möchtest du sie lieber fern von hier sehen, damit sie dich nicht arbeiten sieht, aber auch fern von mir?

Martha, Martha! Muß ich nun sagen, daß sie (Jesus legt ihr die Hand aufs Haupt), die von so weit her gekommen ist, dich in der Liebe übertroffen hat? Muß ich nun sagen, daß sie, die nicht ein einziges gutes Wort zu sagen wußte, nun eine Gelehrte in der Wissenschaft der Liebe ist? Laß sie doch in ihrem Frieden! Sie war so krank, und nun ist sie eine Genesende, die gesundet, indem sie Getränke trinkt, die sie kräftigen. Sie war so sehr gequält… Und nun, aus dem Alptraum erwacht, schaut sie um sich und in sich und entdeckt sich neu und entdeckt eine neue Welt. Lasse sie sich darin sicher fühlen. Mit diesem ihrem „neuen“ Leben muß sie die Vergangenheit vergessen und sich das ewige erwerben… Dieses wird nicht allein durch Arbeit erworben, sondern auch durch Anbetung. Wer dem Apostel und dem Propheten ein Brot gereicht hat, wird dafür belohnt werden, aber doppelt belohnt werden jene, die sogar vergessen haben, Speise zu sich zu nehmen, um mich zu lieben; denn mehr als das Fleisch wird dann der Geist gekostet haben, dessen Stimme stärker war als die selbst der berechtigten menschlichen Bedürfnisse.

Du machst dir Sorge und Unruhe um vieles, Martha. Diese hier hat nur eine Sorge, die jedoch genügt für ihren Geist, und vor allem für ihren und deinen Herrn. Laß die unnützen Dinge beiseite. Ahme deine Schwester nach. Maria hat den besseren Teil gewählt, und er wird ihr nicht genommen werden. Wenn alle anderen Tugenden verblaßt sind, weil sie für die Bürger des Reiches entbehrlich sein werden, wird als einzige Tugend die Liebe bleiben. Sie wird als ewig Einzige bestehen und herrschen. Maria hat diese zu ihrem Schild und Wanderstab erwählt und mit ihr wird sie wie auf Engelsflügeln in meinen Himmel gelangen.“

Martha senkt beschämt den Kopf und geht weg.

„Meine Schwester liebt dich sehr, und sie müht sich ab, um dir Ehre zu erweisen“, sagt Maria, um Martha zu entschuldigen.

„Ich weiß es, und es wird ihr vergolten werden… Aber sie bedarf der Läuterung in ihrem menschlichen Denken, so wie dieses Wasser jetzt rein geworden ist. Schau, wie klar es wieder geworden ist, während wir gesprochen haben. Martha wird sich durch die Worte, die ich zu ihr gesagt habe, reinigen. Du… du durch die Aufrichtigkeit deiner Reue…“

„Nein, durch deine Vergebung, Meister. Meine Reue hätte nicht genügt, um meine große Sünde abzuwaschen…“

„Sie genügt, und sie wird deinen Schwestern genügen, die es dir nachtun werden, all den armen Kranken im Geiste. Die aufrichtige Reue ist ein Filter, der reinigt; die Liebe ist dann das Mittel, das vor jeglicher neuen Befleckung bewahrt. Dadurch können jene, die das Leben zu Erwachsenen und Sündern gemacht hat, wieder unschuldige Kinder werden und wie sie in mein Reich eintreten. Wir wollen jetzt zum Haus gehen, damit Martha nicht zu lange in ihrem Schmerz verweilt. Bringen wir ihr unser Lächeln eines Freundes und einer Schwester.“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. VII von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Maria Magdalena bittet Jesus um die unendliche Liebe

Novene zur heiligen Martha


29. Juni: Hochfest der Hl. Apostel Petrus und Paulus

29/06/2010

Herr, unser Gott,

durch die Apostel Petrus und Paulus

hast du in der Kirche den Grund des Glaubens gelegt.

Auf ihre Fürsprache hin

erhalte und vollende diesen Glauben,

der uns zum ewigen Heil führt.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Amen.

 

Am 11. Januar 1944 um 10 Uhr spricht der Apostel Paulus zu Maria Valtorta über die Theorie der Reinkarnation, die er leidenschaftlich verurteilt. Er sagt ihr, dass die Toten nicht in einem neuen Körper wiederkehren und dass es nur eine Auferstehung gibt: die am Jüngsten Tag.

„(…) Der Körper fällt, wenn sein Lebenszyklus zu Ende ist, wie ein Samenkorn in die Grabesverwesung. Der Geist hingegen kehrt zu seiner göttlichen Quelle zurück, um wie das Fleisch als lebendig oder verfault beurteilt zu werden und, je nach seiner Verfassung, seiner Bestimmung zugewiesen zu werden. (…)

In dem zweiten Leben werdet ihr die sein, als die ihr in diesem (irdischen) Leben gelebt habt. Wenn in euch das Himmelreich vorherrschend war, werdet ihr Gottes Natur in euch erkennen und eine solche Natur besitzen, denn Gott wird euer ewiger Besitz sein. Wenn das Irdische in euch vorherrschend war, werdet ihr auch jenseits des Todes Undurchsichtigkeit, Tod, Frost, Schrecken, Finsternis erfahren, alles das, was dem ins Grab gesenkten Körper eignet; mit dem einzigen Unterschied: dass dieser zweite, wahre Tod ewig währt.

Ihr, die ihr nach Gottes Willen Erben Gottes seid, wollet doch nicht, o meine Brüder, diese Erbschaft verschleudern, um dem Fleisch und dem Blut und dem geistigen Irrtum zu folgen.

Ich selbst hatte ja geirrt und lebte der göttlichen Wahrheit entgegengesetzt (1). Ich hatte Christus verfolgt. Meine Sünde ist mir immer noch vor Augen, sogar in der Herrlichkeit dieses Reiches, dessen Pforten sich mir durch meine Reue, meinen Glauben, mein Martyrium, um Christus und das unsterbliche Leben zu bekennen, öffneten. Als aber das göttliche Licht mich zu Boden warf und sich mir zu erkennen gab, wandte ich mich vom Irrtum ab und folgte dem göttlichen Licht.

Murillo: Bekehrung des Hl. Paulus

Euch hat sich das göttliche Licht zwanzig Jahrhunderte lang durch Wundertaten zu erkennen gegeben, die auch der wildeste und hartnäckigste Verleugner nicht zu bestreiten vermag. Warum also wollt ihr Glücklichen, die ihr zwanzig Jahrhunderte göttlicher Bekundungen zum Zeugnis dieses göttlichen Lichtes habt, im Irrtum verbleiben?

Ich, als Zeuge Christi, schwöre euch das: Weder Fleisch noch Blut können das Reich Gottes erben, sondern einzig und allein der Geist. Und wie es im Evangelium unseres Herrn Jesus gesagt ist (2), sind es nicht die Kinder dieses Säkulums – versteht doch, o meine Brüder, dass hier ‚Säkulum‘ die bezeichnet, die in der Welt, das heisst irdische Menschen sind – denen eine Auferstehung und eine Wiederverheiratung in einem zweiten irdischen Leben bestimmt ist.

Es werden nur die auferstehen, die eines zweiten Zeitalters (Säkulums), des ewigen, würdig sind, die, welche nicht mehr sterben können, da sie bereits gelebt haben, die aber, weil sie ein geistliches Leben geführt haben und den Engeln gleich und Kinder des Allerhöchsten geworden sind, nicht mehr nach menschlicher Hochzeit verlangen, sondern eine einzige geistliche Vermählung anstreben: die mit dem Gott der Liebe; einen einzigen Besitz: den Besitz Gottes; eine einzige Wohnung: die im Himmel; ein einziges Leben: dasjenige im göttlichen Leben.

Amen, amen, amen!

Ich sage euch: Glaubt, um es zu erlangen.“

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(1) Vgl. Apg 9,1-22; das vorstehende Diktat scheint die Interventionen des hl. Paulus aus Apg 17,22-34 und 1 Ko 15, besonders 15, 45-49, wieder aufzunehmen.

(2) In: Mt 22,23-33; Mk 12,18-27; Lk 20,27-40

Auszug aus “Die Hefte 1944” von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch