Posts Tagged ‘Hingabe’

„Sie hat alles gegeben“

10/11/2012

Sonntagsevangelium vom 11. November 2012: Mk 12,38-44

Zum entsprechenden Valtorta-Auszug „Das Scherflein der Witwe“ geht es hier.

Nachstehend ein dazu passender und berührender Auszug aus der Selbstbiographie der Hl. Therese vom Kinde Jesu, gefunden auf evangeliumtagfuertag.org:

„Ich will dich im Buch des Lebens lesen lassen, das die Wissenschaft der Liebe enthält“. Die Wissenschaft der Liebe, o ja, dies Wort tönt süß im Ohr meiner Seele; nur diese Wissenschaft begehre ich. Nachdem ich alle meine Schätze für sie dahingab, habe ich, wie die Braut des Hohenliedes (vgl. Hld 8,7), die Empfindung, nichts gegeben zu haben… Ich begreife so gut, dass nur die Liebe uns dem lieben Gott wohlgefällig zu machen vermag, und so ist diese Liebe das einzige Gut, das ich begehre.

Jesus gefällt es, mir den einzigen Weg zu zeigen, der zu diesem göttlichen Glutofen führt; dieser Weg ist die Hingabe des kleinen Kindes, das angstlos in den Armen seines Vaters einschläft… „Wer unerfahren ist, kehre hier ein“ (Spr 9,4), hat der Heilige Geist durch den Mund Salomos gesagt, und derselbe Geist der Liebe hat ferner gesagt: „Der Geringe erfährt Nachsicht und Erbarmen“ (Weish 6,6). In seinem Namen verkündet uns der Prophet Jesaja, dass am letzten Tage der Herr „wie ein Hirt seine Herde zur Weide führt und die Lämmer auf dem Arm trägt“ (Jes 40,11)…

Ach! Fühlten doch alle schwachen und unvollkommenen Seelen, was die kleinste aller Seelen empfindet, die Seele Ihrer kleinen Therese; so würde keine einzige daran verzweifeln, den Gipfel des Berges der Liebe zu erreichen; denn Jesus fordert keine großen Taten, sondern nur Hingabe und Dankbarkeit. Sagt er doch im Psalm 50: „Ich nehme von dir Stiere nicht an noch Böcke aus deinen Hürden. Denn mir gehört alles Getier des Waldes, das Wild auf den Bergen zu Tausenden. Ich kenne alle Vögel des Himmels… Hätte ich Hunger, ich brauchte es dir nicht zu sagen, denn mein ist die Welt und was sie erfüllt. Soll ich denn das Fleisch von Stieren essen und das Blut von Böcken trinken? Bring Gott als Opfer dein Lob“ (Ps 50,9-13). Das ist alles, was Jesus von uns fordert. Er bedarf unserer Werke nicht, sondern nur unserer Liebe; denn derselbe Gott, der erklärt, er brauche es uns nicht zu sagen, wenn er hungere, hat sich nicht gescheut, von der Samariterin ein wenig Wasser zu erbitten (Joh 4,7). Ihn dürstete… Er hatte Durst nach Liebe. Ach! Mehr denn je fühle ich: Jesus dürstet. Er trifft nur auf Undankbare und Gleichgültige unter den Jüngern der Welt, und unter seinen eigenen Jüngern findet er – ach! – so wenig Herzen, die sich ihm ohne Rückhalt hingeben und die ganze Zärtlichkeit seiner unendlichen Liebe verstehen.

Die Samariterin Fotinai

Eine kleine weiße Blume

Hl. Rafael Arnaiz Baron (11)

27/01/2011

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.


Die folgenden Zeilen schrieb Bruder Rafael, nachdem er seine ‚Trapa‘, die Zisterzienserabtei, ungefähr anderthalb Jahre vorher wegen seiner Diabetes verlassen musste.

Kleines Album (oder Heft)

Seite 1: Ich bitte Gott und die heiligste Jungfrau, dass die Worte dieses Heftes dazu dienen mögen, meiner Seele in schweren Zeiten des Lebens Mut zu machen und sie dem Herrn näherzubringen.

Sie mögen mir einmal zum Trost dienen, dann wieder zur Meditation. Ich möchte in ihnen eine Hilfe finden, um besser zu werden, mich mehr und mehr von der Welt zu lösen und näher bei Gott zu sein.

Seite 11: Jesus, ich sehe andere leiden und leide selbst; ich sehe weinen und weine… Hilf, dass ich mein Blut lasse, und heile durch mich die Leiden derer, die um mich sind!

(Torrelodones, 27.8.1935)

Seite 6: Herr, wenn ich – um Dich zu lieben – das Kreuz brauche, dann schick es mir, denn ich sehe deutlich, dass ich Dich mehr liebe, je mehr Kreuz ich zu tragen habe! Du weisst ja, dass meine einzige Beschäftigung auf Erden die ist, Dich zu lieben, und je mehr ich Dich liebe, um so mehr Freude mach ich Dir. Heiligste Jungfrau, du lenktest meine Schritte in die ‚Trapa‘, damit ich lernte, Deinen Sohn zu lieben. Hilf mir in meinem Vorsatz, Ihn täglich inniger zu lieben! Wie wenig bescheiden bin ich! Welche Ansprüche erhebe ich!

Seite 8: Herr, schau auf Deinen Diener Rafael! … Du weisst, dass sein Leben und seine ganze Seele Dir gehören. Er hat sie Dir einmal übergeben, und Du, als Eigentümer und Herr, nahmst sie an. Du sahest, dass sie nicht vollkommen war, und wolltest sie läutern. Was ich Dir gab, war alles, was ich besass. Aber alles, was ich hatte, waren Sünden, Elend und Unvollkommenheiten, und das war Deiner nicht würdig.

Willst Du mich durch Opfer läutern? Opfere mich, Herr! Willst Du mein Leiden? Nimm es, Herr! Ich will Deinem göttlichen Handeln kein Hindernis in den Weg legen. Aber, Herr, vergiss mich nicht! Sieh, ich bin armselig und könnte es allein nicht aushalten. Gut, Herr, nimm keine Rücksicht auf mich und tu, was Du willst! Ich will mich nur darum bemühen, keine Hindernisse aufzubauen, und an mir geschehen lassen… Ausserdem ist das so einfach und so wohltuend!

Herr, mit jedem Tag, der vergeht, erkenne ich besser, was ich zu tun habe, um mich zu heiligen. Früher glaubte ich, dass ich – ich Armseliger! – derjenige war, der die Tugend übte und dass ich, wenn ich etwas Gutes tat, es aus mir selbst vollbrachte. Aber nein, Herr, das ist es nicht! Alles Gute kommt von Dir. Daher ist es das Beste, in meinem Leben Dich wirken zu lassen. Ich überlasse mich ganz Dir. Nicht einmal den Wunsch, gut zu sein, möchte ich haben, wenn es nicht auch Dein Wunsch ist. Ich will gar nichts. Ich will für die Welt ein Nichts sein. Ich möchte ganz Dein sein. Sogar meine Sünden gebe ich Dir, denn sie sind das Letzte, was mir bleibt und nur mir gehört.

Bist du zufrieden, Herr? – Ich bin’s.

zurück an den Anfang der Bruder Rafael-Reihe

weiter zum nächsten Auszug aus den Schriften von Bruder Rafael

 

 

Hl. Rafael Arnaiz Baron (7)

05/11/2010

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

Hl. Rafael Arnaiz Baron

(Den folgenden Brief schrieb er von seinem Elternhaus aus, nachdem er sein Noviziat wegen der plötzlich auftretenden Diabetes unterbrechen musste.)

An Rosa Calvo von Oviedo aus

15. September 1943 – Samstag – im Alter von 23 Jahren

Liebe Tante Rosa! Schon vor längerem wollte ich dir schreiben. Jetzt, da ich Gelegenheit dazu habe, weil ich außerhalb meiner geliebten Abtei lebe, greife ich zur Feder, um Dir kurz zu schreiben und Dir damit zu sagen, daß ich meine gute Rosica nicht vergesse, von der ich immer wieder annehme, daß sie Gott lobt mit jedem Stempel, den sie auf ihre Lotteriescheine setzt. Zuerst berichte ich dir von Merceditas [seine Schwester], der es – Gott sei Dank! – weiterhin besser geht, wenn auch sehr langsam. Sie ißt sehr gut, obwohl sie keinen Appetit hat. Der Arzt sagt, daß es leicht zu einer Lösung kommen wird.

In bezug auf den anderen, den Novizen, kann ich Dir sagen, daß er schon fast wiederhergestellt ist. Er ißt von allem und bekommt keine Medikamente mehr. Ich glaube, daß ich ihn bald sehen werde, wie er in seinem weißen Habit sein Leben in der ‚Trapa‘ wieder aufnimmt.

Liebe Tante Rosa, wenn Du wüßtest, wie sehr ich mich danach sehne! Manchmal denke ich, daß es nicht sehr vollkommen ist, wenn man einen solch heftigen Wunsch hegt. Aber wenn man einmal die Milde und Güte des Herrn erfahren hat, möchte man nichts anderes mehr. Was meinst Du? Wenn Du wüßtest, wie sehr Er mich liebt! Diese Krankheit, die Er mir geschickt hat, ist ein Beweis dafür. Das war auch so, als es mir so schlecht ging, daß ich dem Tode nahe war. Jetzt, wo ich neues Leben in mir spüre, höre ich nicht auf, Ihm für alles zu danken.

Was würde ich Dir nicht alles von der ‚Trapa‘ erzählen, wenn ich in Toro wäre! In jenem Toro, wo mein größtes Vergnügen darin bestand, in einer Lotterieverwaltung von frommen Dingen zu reden. Erinnerst Du Dich? In der ‚Trapa‘ habe ich manchmal vor dem Allerheiligsten an die Verwalterin des gelb angestrichenen Lotteriekiosks gedacht, wo es wenig Geld, aber viel Liebe zu Gott gab.

Du merkst schon, daß alles eintrifft, sogar das scheinbar Unmögliche, aber für Gott gibt es nichts, was unmöglich wäre [vgl. Mt 19,26]. Erinnerst Du Dich an jenen ‚kleinen dummen Jungen‘, der eines Tages mit seinem Onkel Polin ankam? Nun, auch wenn Du mich in Deinen Gedanken im weißen Habit und mit geschorenem Kopf vor Dir siehst, bin ich doch immer noch derselbe, und ich nehme an, daß ich mich in Deinen Augen nicht verändert habe.

Ich weiß nicht, ob wir uns eines Tages wiedersehen. Gott weiß es. Aber irgendwann werden wir dort im Himmel und zusammen mit der Jungfrau Maria unsere Gespräche über Gott wieder aufnehmen. Was kümmern uns die Dinge von hier unten? Meinst Du nicht auch? Wenn wir auch durch die Entfernung voneinander getrennt sind, sind wir vor dem Tabernakel sehr verbunden miteinander. Jesus im Altarsakrament ist ja derselbe in der Stiftskirche von Toro wie in der ‚Trapa‘ zu Venta de Banos. Vergiß nicht, hin und wieder vor Ihm für mich zu beten! Ich tue es auch für Dich. Er möge Dir Leid, Trübsal, Enttäuschungen, in einem Wort, Dein Kreuz schicken! Du siehst schon, daß ich Dich auf Trappistenart liebe; denn wenn die Liebe zu Gott uns Geschöpfe eint, so vereinigt uns das Kreuz, das der Herr trug, mit Ihm, und das soll uns wichtig sein. Und wenn man alles mit Liebe, Hingabe und Freude erduldet, was können wir dann noch weiter wünschen und erbitten? Nichts, Tante Rosa, nichts! Und wären wir so, wie wir sein sollten, würden wir nicht einmal darum bitten. Alles würde sich darauf beschränken, Seinen göttlichen Willen zu erfüllen.

Gut, entschuldige meine Predigt, aber – obwohl ich außerhalb meines Klosters lebe – der Trappist, der in mir steckt, kommt fast immer durch, ohne daß ich es beabsichtige.


weiter zu Teil 2 dieses Briefes

zurück zum Anfang der Reihe über den hl. Rafael Arnaiz Baron