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26. April – Hl. Rafael Arnáiz Barón

26/04/2012

Nützen wir die kleinen Dinge des täglichen Lebens, des gewöhnlichen Lebens! Um große Heilige zu sein, bedarf es nicht großer Dinge; es genügt, die kleinen Dinge auf großartige Weise zu tun.

Hl. Rafael Arnáiz Barón

Am 26. April 1938 verstarb der Trappistenbruder Rafael mit nur 27 Jahren in Palencia, Spanien. Hier geht’s zu den Textauszügen dieses überaus sympathischen Heiligen.

Hl. Rafael Arnaiz Baron (15)

20/07/2011

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

Den folgenden Brief schrieb er von seinem Elternhaus aus an seine Tante (mit der er verabredet hatte, sich gegenseitig mit ‘Bruder’ und ‘Schwester’ anzureden), nachdem er ca. 2 Jahre vorher die Abtei aufgrund seiner Erkrankung  verlassen musste. 

An seine Tante Maria, Herzogin von Maqueda, von Oviedo aus

15. Dezember 1935 – 3. Adventssonntag – im Alter von 24 Jahren

Liebste Schwester! (…) 

Morgen muss ich nach der hl. Messe zur Werkstatt, um etwas – ich weiss nicht was – am Auto herrichten zu lassen. Nun gut, ich tue es mit wahrer Freude. Ich sehe Gott zwischen dem Öl und den Schrauben… Ich denke daran, dass die Mechaniker um mich herum Gott nicht kennen, und bete für sie… Ich kenne Ihn; Er ist auch dort an meiner Seite. Ich rede über alles und mit allen und tue es sehr gern; denn es ist der Herr, der es so haben möchte. Ich übe mich in der Geduld, in der Liebe, in der Nächstenliebe… Aber nimm nur ja nichts Großartiges an, denn es kostet mich keine Mühe; ich sagte ja schon, dass ich all das mit Freude tue. Wie sollte ich es nicht? Gott ist in mir; ich habe Ihn am Morgen empfangen, und er begleitet mich durch den ganzen Tag. Es gibt keinen Kampf mehr, nichts reizt mich mehr… Warum wohl?

Früher wollte ich, dass alle Welt im Schweigen verharren, alle Welt Gott erkennen und allein schon beim Anklingen des Namens des Herrn sogar die Straßenbahnen innehalten sollten. Es war eine besondere Art, Gott zu lieben, und auch Liebe zu mir selbst, die besonderer Art war. Ich weiss nicht, ob du mich verstehst, aber in der äusseren Sammlung suchte ich mich selbst.

Jetzt ist es nicht mehr so, dank sei Gott und der Jungfrau Maria! Und wenn mich ein Mitmensch für eine Sache braucht, die nicht Gott ist, dann tue ich es im Namen Gottes… So erfülle ich zwei Dinge gleichzeitig, aber ganz besonders das Eine: ich erfülle Seinen heiligen Willen.

Mut, Schwesterlein, Du kannst fliegen, o ja, das glaube ich! Die Welt soll Dich nicht beunruhigen; bereite einen Tabernakel in Deinem Herzen und gib dem Herrn Raum darin. Und Du selbst? Was soll’s? Du bist der Tempel, in dem sich dieser Tabernakel befindet… Du bist der Tempel, in dem Gott verborgen lebt. Öffne deine Türen und mach keinen Hehl daraus! Sei wie diese bescheidenen Kapellchen, von Zerstörung bedroht durch unbarmherzige Witterungseinflüsse. Es soll Dir nichts ausmachen, wenn hin und wieder neue Dachziegel eingesetzt oder der Glockenturm repariert werden muss… Alles, was Lehm und Materie ist, wird abgenutzt und fällt manchmal zusammen, aber das macht nichts, denn alles kommt wieder in Ordnung. Dein Weg ist der kleine Pfad, und Du musst keine großen Dinge vollbringen… Aber wer sagt Dir denn, dass der Laienbruder nicht sehr hoch flog und dass er sich nicht – während er den kleinen Krug in einer Hand hielt – mit der anderen an Gottes Hand festhielt? (*)

(…) Der Gedanke, dass Gott Dich liebt, wird Dir Flügel verleihen… Dieser Gedanke muss Dir genügen. Du wirst Dich in der Welt bewegen, und die Welt wird es nicht bemerken… Und wenn Du jetzt Gelegenheit gibst, dass die Geschöpfe Unfreundlichkeit in Dir sehen statt Geduld, Ungeduld statt Liebe, und wenn Du Dich verdriesslich zeigst, wo Ruhe und Milde herrschen sollten…, dann misstraue der Sache, Schwesterlein, misstraue (vielleicht bin ich hart), aber dann bist Du entweder nicht demütig oder der Teufel steckt dazwischen…

Mach Dir keine Sorgen, denn alles geht vorüber! Du wirst sehen, wie sich der böse Geist mit der Hilfe Mariens zurückzieht. Zögere nicht, Dich Gott ganz hinzugeben. Wenn Du Dir nur bewusst würdest, wie sehr Er Dich liebt!

Du würdest gerne fliegen und nicht wieder herunterkommen… Aber Du kannst dort, wo Du bist, so viel Gutes tun. (…)

Ich bin sehr zufrieden, obwohl mir heute etwas fehlt: ich konnte nicht kommunizieren. Mein Vater hat mich nicht geweckt. Ich habe eine ziemlich schlechte Nacht hinter mir und weiss nicht warum… Aber an den Tagen, an denen ich den Herrn nicht empfangen kann, fehlt mir die Mitte, dann vermisse ich etwas, was für mich alles bedeutet. Kurz und gut, der Herr sei gepriesen!

Ich weiss nicht, ob ich mit meinem Brief das Richtige getroffen habe, aber schau – ich wiederhole es -, nimm heraus, was Dir zusagt, und lass das übrige. Ich möchte nicht, dass ich vielleicht – und trotz meiner guten Absicht – Anlass gebe, dass Du durcheinander gerätst. Verstehst Du mich? Ein andermal schreibe ich Dir mehr.

Onkel Polin erzählte mir, dass er Dich habe weinen sehen beim Lesen einer meiner Briefe…; mach bitte keinen Unsinn!

Nimm entgegen die ungeheuer große Liebe Deines Bruders,

Bruder Maria Rafael O.C.R.

Lass uns in der Zwischenzeit die Krippe für das Jesuskind bereiten.

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(*) In der ‚Ballade von den Zweifeln des Laienbruders‘ von Josef Maria Peman

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Hl. Rafael Arnaiz Baron (7)

05/11/2010

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

Hl. Rafael Arnaiz Baron

(Den folgenden Brief schrieb er von seinem Elternhaus aus, nachdem er sein Noviziat wegen der plötzlich auftretenden Diabetes unterbrechen musste.)

An Rosa Calvo von Oviedo aus

15. September 1943 – Samstag – im Alter von 23 Jahren

Liebe Tante Rosa! Schon vor längerem wollte ich dir schreiben. Jetzt, da ich Gelegenheit dazu habe, weil ich außerhalb meiner geliebten Abtei lebe, greife ich zur Feder, um Dir kurz zu schreiben und Dir damit zu sagen, daß ich meine gute Rosica nicht vergesse, von der ich immer wieder annehme, daß sie Gott lobt mit jedem Stempel, den sie auf ihre Lotteriescheine setzt. Zuerst berichte ich dir von Merceditas [seine Schwester], der es – Gott sei Dank! – weiterhin besser geht, wenn auch sehr langsam. Sie ißt sehr gut, obwohl sie keinen Appetit hat. Der Arzt sagt, daß es leicht zu einer Lösung kommen wird.

In bezug auf den anderen, den Novizen, kann ich Dir sagen, daß er schon fast wiederhergestellt ist. Er ißt von allem und bekommt keine Medikamente mehr. Ich glaube, daß ich ihn bald sehen werde, wie er in seinem weißen Habit sein Leben in der ‚Trapa‘ wieder aufnimmt.

Liebe Tante Rosa, wenn Du wüßtest, wie sehr ich mich danach sehne! Manchmal denke ich, daß es nicht sehr vollkommen ist, wenn man einen solch heftigen Wunsch hegt. Aber wenn man einmal die Milde und Güte des Herrn erfahren hat, möchte man nichts anderes mehr. Was meinst Du? Wenn Du wüßtest, wie sehr Er mich liebt! Diese Krankheit, die Er mir geschickt hat, ist ein Beweis dafür. Das war auch so, als es mir so schlecht ging, daß ich dem Tode nahe war. Jetzt, wo ich neues Leben in mir spüre, höre ich nicht auf, Ihm für alles zu danken.

Was würde ich Dir nicht alles von der ‚Trapa‘ erzählen, wenn ich in Toro wäre! In jenem Toro, wo mein größtes Vergnügen darin bestand, in einer Lotterieverwaltung von frommen Dingen zu reden. Erinnerst Du Dich? In der ‚Trapa‘ habe ich manchmal vor dem Allerheiligsten an die Verwalterin des gelb angestrichenen Lotteriekiosks gedacht, wo es wenig Geld, aber viel Liebe zu Gott gab.

Du merkst schon, daß alles eintrifft, sogar das scheinbar Unmögliche, aber für Gott gibt es nichts, was unmöglich wäre [vgl. Mt 19,26]. Erinnerst Du Dich an jenen ‚kleinen dummen Jungen‘, der eines Tages mit seinem Onkel Polin ankam? Nun, auch wenn Du mich in Deinen Gedanken im weißen Habit und mit geschorenem Kopf vor Dir siehst, bin ich doch immer noch derselbe, und ich nehme an, daß ich mich in Deinen Augen nicht verändert habe.

Ich weiß nicht, ob wir uns eines Tages wiedersehen. Gott weiß es. Aber irgendwann werden wir dort im Himmel und zusammen mit der Jungfrau Maria unsere Gespräche über Gott wieder aufnehmen. Was kümmern uns die Dinge von hier unten? Meinst Du nicht auch? Wenn wir auch durch die Entfernung voneinander getrennt sind, sind wir vor dem Tabernakel sehr verbunden miteinander. Jesus im Altarsakrament ist ja derselbe in der Stiftskirche von Toro wie in der ‚Trapa‘ zu Venta de Banos. Vergiß nicht, hin und wieder vor Ihm für mich zu beten! Ich tue es auch für Dich. Er möge Dir Leid, Trübsal, Enttäuschungen, in einem Wort, Dein Kreuz schicken! Du siehst schon, daß ich Dich auf Trappistenart liebe; denn wenn die Liebe zu Gott uns Geschöpfe eint, so vereinigt uns das Kreuz, das der Herr trug, mit Ihm, und das soll uns wichtig sein. Und wenn man alles mit Liebe, Hingabe und Freude erduldet, was können wir dann noch weiter wünschen und erbitten? Nichts, Tante Rosa, nichts! Und wären wir so, wie wir sein sollten, würden wir nicht einmal darum bitten. Alles würde sich darauf beschränken, Seinen göttlichen Willen zu erfüllen.

Gut, entschuldige meine Predigt, aber – obwohl ich außerhalb meines Klosters lebe – der Trappist, der in mir steckt, kommt fast immer durch, ohne daß ich es beabsichtige.


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Hl. Rafael Arnaiz Baron (4)

06/10/2010

Hl. Rafael Arnaiz BaronAm 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

An seine Eltern von San Isidro de Duenas aus (Teil 2)

Darum, liebste Eltern, wenn ich hier im Kloster so glücklich bin, obwohl ich als einzigen Besitz nur einen Habit und einen weißen Mantel habe, und sehe, daß man nicht mehr benötigt, um glücklich zu sein auf Erden, dann denke ich an Euch. Dann habe ich das brennende Verlagen, Euch mitzuteilen, was ich verspüre, und Euch und meinen Geschwistern zu sagen: Sorgt Euch nicht um die Welt und ihre Geschäfte; beunruhigt Euch nicht wegen der Zukunft; überlaßt sie Gottes Hand; faßt keine Zuneigung zu den Dingen der Erde, denn das bedeutet

Zeitverlust! Wendet Euch an Gott, und in Ihm werdet Ihr Frieden finden – schon hier auf Erden und später im Himmel! Ich möchte Euch in gewissen Augenblicken meine Seele mitteilen und meine Liebe zu Gott, damit Ihr sehen könntet, daß Euer Sohn den wahren Weg gefunden hat und – wie das Evangelium sagt – einen Schatz, und daß er sich schnellstens daranmacht, ihn auszugraben. Aber gleichzeitig – da ich kein Egoist bin – möchte ich all meine Mitmenschen herbeirufen und ihnen sagen: „Kommt mit und seht, daß es wahr ist, was ich euch sage! Sucht Gott, und ihr werdet Ihn finden, und wenn ihr Ihn gefunden habt, dann seid sicher, daß nichts und niemand euch dazu bewegen kann, wieder von Ihm abzulassen!“

Gut, da ist mir die Predigt herausgerutscht! Ich weiß wirklich nicht, wie ich das anstelle. Wenn Ihr zu Besuch kommt, werde ich eine kleine Predigt und sonst noch einiges vom Stapel lassen.

Jetzt gehen wir die Vesper beten, denn es ist gleich vier Uhr.

Es scheint, daß ich mich langsam an die Kapuze gewöhne …, besser gesagt, langsam gewöhne ich mich an alles. Der Leib ist ein Gewohnheitstier; man muß ihn nur zu bändigen wissen.

Befolgt das, was Pater Magister Euch sagte, und kommt jetzt nicht, denn im Gästehaus ist es noch kalt! Aber im Frühjahr ist es hier sehr angenehm. (…)

Noch mehr Einzelheiten: ich kann schon mit all meiner charakteristischen Eleganz Kartoffeln schälen. Wenn Du im Leben der Heiligen lesen solltest, daß sie sich – als bedeutende Eigenschaft – niedrigen Diensten widmeten, nimm es nicht so ernst; denn in Wirklichkeit ist es nichts Besonderes, wenn man mit einem Besen umzugehen versteht, weil alles relativ ist. Wenn ich mir zu Hause im Treppenhaus eine Schürze umgebunden und der Pfortenfrau geholfen hätte, die Treppe zu putzen, wäre ich aufgefallen, so wie hier ein Herr auffiele, der im Refektorium wie in einem Café in die Hände klatschte, um den Kellner zu rufen … Hier fegen wir alle und helfen uns gegenseitig bei allem. Vergangene Woche war mein verehrter Pater Magister Tischdiener … Heute morgen half mir beim Einpacken der Schokolade ein ehrwürdiger Priester mit weißen Haar, und später diente ich ihm bei der Konventsmesse.

Aus weltlicher Sicht ist es also nicht so leicht, das Leben in der ‚Trapa‘ zu verstehen, da das weltliche Leben so ganz anders ist.

In bezug auf die Arbeit, das Essen und das Schlafen und ebenso auf dem Friedhof sind wir alle gleich …, auch wenn es eine Reihenfolge vom Pater Abt bis hin zum letzten Novizen gibt. Jeder hat seinen Platz, sein Amt und seine Würde. Das heißt, daß im Orden der Zisterzienser Hierarchie und Gleichheit miteinander verknüpft sind: er bildet – in gewisser Hinsicht – eine vollkommene Gesellschaft, auch wenn es um menschliche Dinge geht.

Wenn Du das Ave Maria von Gounod singst, denk bitte nicht an mich! Es ist besser, Du denkst an Maria; dann wirst du mehr Nutzen daraus ziehen, und es wird besser klingen.

Keine Erinnerung an mich soll Dich traurig stimmen, ganz im Gegenteil! Laß uns keine unnützen Tränen vergießen!

Immer wenn Dich die Erinnerung an mich traurig stimmt, denk an die Jungfrau Maria! Auch sie hatte viel aufzuopfern. Ich freue mich, daß Vater sich nicht aufgehalten hat. Wäre es anders gewesen, hätte man ihm erlaubt, mit mir zu sprechen, und das wäre sowohl für ihn als auch für mich sehr schwer gewesen. Es ist nicht gut, wenn man die Dinge gewaltsam angeht. Ihr werdet natürlich verstehen, daß mein Noviziat die Zeit der größten Zurückgezogenheit in meinem Ordensleben ist.

Kurz und gut, auch ich hätte Euch vieles zu erzählen und möchte mein Herz am liebsten ausschütten auf dem Papier, aber Ihr müßt Euch mit der guten Absicht begnügen. Ich will diesen Brief beenden, der schon länger geworden ist, als er eigentlich sollte. Das Übrige hebe ich also für das nächste Mal auf.

Verteilt in meinem Namen alles, was Ihr wollt, und seid ganz lieb gegrüßt von Eurem Sohn

Br. M. Rafael


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Hl. Rafael Arnaiz Baron (2)

09/09/2010

Hl. Rafael Arnaiz BaronAm 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.

Den folgenden Brief schrieb er, während er sich bei seinem Onkel und seiner Tante in Avila aufhielt. Er wusste bereits, dass er sein Architekturstudium nicht fortsetzen, sondern nach Weihnachten in die Zisterzienserabtei (‚Trapa‘) San Isidro de Dueñas eintreten wird:


An seine Großmutter Fernanda von Avila aus

10. Dezember 1933 – 2. Adventssonntag – im Alter von 22 Jahren.

Liebste Oma! Heute hat mir Onkel Polìn Deinen Brief zum Lesen gegeben, und daraus ersehe ich, dass Du tatsächlich richtig gedeutet hast. Ich hatte nicht die Absicht, es Dir mitzuteilen, und das aus einem ganz einfachen Grund: meine Eltern wissen noch nichts. Ich habe seit vierzehn Tagen die Aufnahme in die ‚Trapa‘. Du verstehst sicher, dass ich an nichts anderes denke als an die große Gnade, die Gott mir gewährt hat, und ich höre nicht auf, dafür zu danken. Als ich das erste Mal nach Avila fuhr, kam ich nach dort, um es Onkel Polìn zu sagen. Ich war in Venta de Baños [am 24.11], stehe in Briefkontakt mit dem P. Magister, und morgen, Montag, fahre ich zu einer Besprechung in die Abtei und anschließend nach Oviedo, um es meinen Eltern zu sagen, die die Ersten sein sollen, die es erfahren. Ich möchte ihnen die Nachricht persönlich geben. Das ist meine Pflicht und eine Aufmerksamkeit, die sie verdient haben. So seid Ihr die einzigen Verwandten, die es wissen: Tante Marìa [Marìa Josefa] und Du, sowie mein geliebter Onkel Polìn und meine liebe Tante Marìa. Ich bitte Dich also um absolute Verschwiegenheit, die nicht lange dauern wird, denn möglicherweise erfahren es meine Eltern nächste Woche, weil ich wahrscheinlich Mittwoch in Oviedo bin.

Ich weiß schon, dass Du nicht überrascht bist über die Nachricht, und hoffe, dass es meine Eltern auch nicht sein werden. Seit Jahren trage ich mich mit dem Gedanken, und seit Jahren ruft mich Gott auf zarte und ruhige Weise. Daher brauche ich nur eines zu tun: dem Ruf folgen. Die Sache ist recht einfach: hineilen… Dazu muss ich selbstverständlich viele Dinge überwinden und zerstören, aber dieses Zerstören dauert nur einen Augenblick. Später, wenn sich die Wunden schließen und Gott von uns Besitz ergreift, wird diese Zuneigung, auf die wir im ersten Moment zu verzichten meinen, größer und reiner, und sie wird in Gott geläutert. Dann ähneln sich die Menschen mehr – die einen in der Welt und die andern im Chor einer Abtei -, und sie lieben sich mehr, weil die wahre Liebe die in Christus begründete ist, und sie stützt sich auf die christliche Nächstenliebe.

Glaubt nur nicht, dass ich mich entferne; im Gegenteil: ich komme Gott näher, und wenn ich mit meinen Gebeten und Opfern erreiche, dass sich Ihm andere Menschen nähern, was mehr könnte ich erbitten und was mehr könnte ich mir wünschen? Ich verzichte also nicht auf die Zuneigung meiner Lieben, die sehr schön und sehr menschlich ist; ich möchte sie vielmehr umwandeln in etwas Erhabenes und Göttliches.

Liebe Oma, ich bitte Dich inständig darum, dass Du Gott um Kraft für meine Eltern bittest und mehr noch als um Kraft, um Verständnis. Und was mich betrifft, dass Gott mich erleuchte und mir seine Gaben schenke für das Unterfangen, das in den Augen der Menschen heroisch aussieht und das in Wirklichkeit nichts weiter ist, als dass ich versuche, auf eine bestimmte Art auf die zahlreichen Wohltaten des Herrn zu antworten, die Er mir erwiesen hat.

Und sag bitte nie, dass ich es Dir gesagt habe, bevor es meine Eltern erfuhren. Die Sache ist nun einmal so gelaufen – gelobt sei Gott! -, aber es war nicht meine Absicht.

Lobe Gott, liebe Oma, lob Ihn in jedem Augenblick, auch wenn Dich der Schmerz gefangenhält, wenn das Herz zerbricht und sogar die Trostlosigkeit Besitz von Dir ergreifen möchte! Lob Gott immerzu! Es gibt kein Gebet, dass Gott wohlgefälliger wäre, und auch kein Gebet, dass uns Ihm näherbringen könnte. Das wird – sehr bald – mein Leben ausmachen: ein Leben, das sich im Chor, bei der Arbeit und im Schweigen abspielen und sich auf eine einzige Sache beschränken wird: Gott in jedem Augenblick zu loben.

Vieles kommt mir in den Sinn, vieles könnte ich Dir sagen, aber wenn die Liebe echt und tief ist, kann man es schlecht in Worten ausdrücken. Sei also zufrieden mit meinem Schweigen, das Du vielleicht besser verstehst! Letztendlich ist es ein Vorgeschmack meines monastischen Schweigens.

Mein Brief ist auch kein Abschiedsbrief. Christen verabschieden sich nicht. Gott ist ihr Ziel, und bei Ihm werden wir uns alle wiedersehen für eine ganze Ewigkeit. Was bedeuten dem gegenüber ein paar Jahre? Nichts, absolut nichts! Sie kommen uns lang vor, weil wir ungeduldig sind im Hinblick auf die Ankunft an unserm Ziel, und sie sind kurz, weil Gott uns hilft, so dass sie rasch vorübergehen. Wir müssen sie nur gut nützen, denn sie sind kurz, um Gutes und lang, um Böses zu tun.

Umarme Tante Marìa ganz fest und lieb von mir. sie weiß schon, dass die Liebe echt ist, die ich zu ihr habe. Und Dir, liebe Oma, was soll ich Dir sagen? Was ich Dir schicke, weißt Du schon. Ich erhoffe von Dir nur den Segen für Deinen ältesten Enkel

Rafael

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