Posts Tagged ‘Hochmut’

Jesus und die Jünger nach der ersten wunderbaren Brotvermehrung (Teil 2)

28/07/2012

zum Evangelium vom 29. Juli 2012: Johannes 6, 1-15

(zurück zu Teil 1 der Vision: Die erste wunderbare Brotvermehrung)

„Nehmt euren Teil und gebt auch mir ein wenig davon. Wir wollen die Speise Gottes essen.“

Sie essen Brot und Fisch, jeder entsprechend seinem Hunger… Indessen tauschen die gesättigten Menschen ihre Meinungen aus. Auch jene in der Nähe Jesu getrauen sich nun zu sprechen und betrachten dabei Margziam, der mit den Kindern lacht und seinen Fisch fertig isst. 

„Meister“, fragt der Schriftgelehrte, „warum hat das Kind sofort das Gewicht gespürt und wir nicht? Ich habe auch hineingegriffen. Es waren nur ein paar Brotbrocken und ein einziges Stücklein Fisch darin. Ich habe die Schwere erst gespürt beim Gang zu den Leuten. Aber wenn es das Gewicht von dem gehabt hätte, was ich austeilte, wären zwei Maulesel nötig gewesen, um den Korb, nein, einen mit Nahrungsmitteln beladenen Wagen zu ziehen. Anfangs war ich sparsam… dann fing ich an zu geben, zu geben, und um nicht ungerecht zu sein, ging ich zu den ersten zurück und gab ihnen nochmals; denn sie hatten das erste Mal nur wenig bekommen. Und doch hat es gereicht.“

„Auch ich habe gespürt, wie der Korb schwerer wurde, während ich hinging; ich habe sofort viel gegeben, denn ich verstand, dass du ein Wunder gewirkt hattest“, sagt Johannes.

„Ich hingegen habe mich zunächst hingesetzt und den Korb in den Schoß geleert, um zu sehen… Ich habe viele Brote gesehen. Da bin ich gegangen“, sagt Manaen.

„Ich habe sie gezählt, denn ich wollte mich nicht blamieren. Es waren fünfzig Brotstückchen. Ich habe zu mir gesagt: „Ich will sie an fünfzig Personen austeilen und dann zurückkehren.“ Ich habe gezählt. Doch bei fünfzig angekommen, war das Gewicht immer noch das gleiche. Da habe ich nachgesehen. Es waren immer noch viele darin. So bin ich gegangen und habe an Hunderte verteilt. Doch es wurden nie weniger“, sagt Bartholomäus.

„Ich, ich muss gestehen, dass ich nicht geglaubt habe. Ich habe die Brotbrocken und das Fischstück in die Hand genommen, sie angesehen und bei mir gesagt: ‚Was soll das? Jesus will einen Scherz machen…!‘ Ich stand hinter einem Baum und schaute auf ihn und auf die Stücklein und hoffte, dass sie sicher vermehren würden, und zweifelte zugleich daran. Aber es blieben immer dieselben. Ich wollte schon zurückkehren, als Matthäus vorbeikam und sagte: ‚Hast du gesehen, wie schön sie sind?‘ ‚Was denn?‘ habe ich gefragt. ‚Nun, die Brote und die Fischlein…‘ ‚Bist du denn verrückt? Ich sehe nur Brotbrocken.‘ ‚Geh und teil sie mit Vertrauen aus und du wirst sehen.‘ Ich habe die wenigen Brocken in den Korb zurückgelegt und bin zögernd weitergegangen… Und dann… Verzeih mir, Jesus, denn ich bin ein Sünder!“ sagt Thomas.

„Nein, du bist ein Weltmensch. Du denkst weltlich.“

„Auch ich, Herr. So sehr, dass ich dachte, ihnen zum Brot noch ein Geldstück zu geben, damit sie anderswo essen könnten. Ich glaubte, dir helfen zu können, einen besseren Eindruck zu machen“, sagt Iskariot. „Wie bin ich also – wie Thomas – oder noch schlimmer?“

„Noch viel mehr als Thomas, du bist weltlich.“

„Und doch wollte ich, um des Himmels willen, Almosen geben! Es war mein eigenes Geld…“

„Almosen für dich selbst und deinen Hochmut. Und Almosen für Gott. Doch er bedarf ihrer nicht. Almosen für deinen Hochmut sind Sünde, kein Verdienst.“

Judas neigt das Haupt und schweigt.

„Ich habe geglaubt, dass ich diesen Bissen Fisch und diese Bröcklein Brot noch kleiner machen müsste, damit sie genügen könnten. Aber ich habe nicht daran gezweifelt, dass sie ihrem Nährwert und ihrer Anzahl nach ausreichen könnten. Ein Tropfen Wasser, von dir gegeben, kann nahrhafter sein als eine volle Mahlzeit“, sagt der Zelote.

„Und was habt ihr gedacht?“ fragt Petrus die Vettern Jesu.

„Wir haben uns an Kana erinnert… und haben nicht gezweifelt“, sagt Judas ernst.

„Und du, Jakobus, mein Bruder, dachtest du nur daran?“

„Nein! Ich dachte, es könnte eines der Sakramente sein, von denen du zu mir gesprochen hattest… Ist es so, oder irre ich mich?“

Jesus lächelt: „Es ist so, und ist doch nicht so. Mit der Wahrheit vom Nährwert eines Tropfen Wassers, von der Simon sprach, muss der Gedanke an eine spätere Gestalt verbunden werden. Doch jetzt ist es noch kein Sakrament.“

Der Schriftgelehrte betrachtet ein Brotstückchen in seiner Hand.

„Was machst du damit?“

„Ein… Andenken.“

„Auch ich behalte eines. Ich werde es in einem kleinen Säcklein Margziam an den Hals hängen“, sagt Petrus.

„Ich will es meiner Mutter bringen“, sagt Johannes.

„Wir, wir haben alles aufgegessen…“ sagen die anderen beschämt.

„Steht auf! Geht noch einmal mit den Körben herum und sammelt die Reste ein. Sucht die Ärmsten aus dem Volk heraus und bringt sie, zusammen mit den Körben, zu mir. Dann geht ihr alle, ihr, meine Jünger, zu den Booten und fahrt auf den See hinaus, zur Ebene von Genesareth. Ich will die Leute entlassen, nachdem ich die Ärmsten beschenkt habe, und euch dann einholen.“

Die Apostel gehorchen… und kehren mit zwölf gefüllten Körben zurück. Es folgen ihnen etwa dreissig Bettler oder sehr elende Menschen.

„Gut so. Geht nun.“

Die Apostel und die Jünger des Johannes verabschieden sich von Manaen und gehen etwas widerstrebend weg, weil sie Jesus verlassen müssen. Doch sie gehorchen. Manaen wartet noch mit Jesus, bis die Menge sich im letzten Tageslicht nach den Dörfern aufmacht oder eine Schlafstätte im hohen trockenen Schilf sucht. Dann nimmt er Abschied. Vor ihm, ja sogar als einer der ersten, ist der Schriftgelehrte weggegangen; denn er ist mit seinem Söhnchen den Aposteln gefolgt.

Nachdem alle gegangen oder schon in Schlaf gesunken sind, erhebt sich Jesus, segnet die Schlafenden, und langsamen Schrittes geht er zum See auf die Halbinsel von Tarichäa zu, die sich einige Meter über dem Wasserspiegel erhebt, als wäre sie ein Stück eines in den See geschobenen Hügels. Und an seinem Fuss angelangt, steigt er, ohne in die Stadt hineinzugehen, sondern sie umgehend, auf die kleine Erhebung, setzt sich auf einen spitzen Felsvorsprung nieder und betet im Angesicht des Himmels und im Schein der klaren Mondnacht.

Auszug aus “Der Gottmensch″, Bd. V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

 

Unterweisung Jesu zur Sturm-Vision

29/01/2012

zur Vision: Jesus gebietet dem Sturm auf dem See

Jesus sagt dann :

« Ich erkläre dir das Evangelium nicht in dem Sinne, wie alle es auslegen. Ich erläutere dir die Vorgeschichte eines jeweiligen Abschnittes im Evangelium.

Warum schlief ich ? Wusste ich vielleicht nicht, dass das Unwetter hereinbrechen würde ? Doch, ich wusste es. Ich allein wusste es. Warum also schlief ich ? Die Apostel waren Menschen, Maria. Von gutem Willen beseelt, aber doch noch zu sehr Menschen. Der Mensch glaubt immer, alles zu können, und ist er einmal in etwas wirklich tüchtig, dann wird er selbstgefällig und brüstet sich mit seiner « Tüchtigkeit. » Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes waren gute Fischer und glaubten sich unübertroffen im Umgang mit Booten. Ich war für sie ein großer Rabbi, aber als Seemann eine Null. Deshalb hielten sie mich für unfähig, ihnen zu helfen ; und als wir ins Boot stiegen, um das Galiläische Meer zu überqueren, baten sie mich, sitzen zu bleiben, weil ich zu nichts anderem zu gebrauchen war. Ein weiterer Grund war aber auch ihre Zuneigung, denn sie wollten mir keine körperlichen Anstrengungen zumuten. Doch die Überzeugung von ihrer Tüchtigkeit übertraf sogar ihre Zuneigung.

Maria, ich dränge mich nur in außergewöhnlichen Fällen auf. Im allgemeinen lasse ich euch die Freiheit und warte. An jenem Tage setzte ich mich zum Schlafen hin, da ich müde war und sie mich aufgefordert hatten, mich auszuruhen und sie allein machen zu lassen, da sie ja so erfahren waren. In meinem Schlaf mischte sich auch die Feststellung, wie sehr der Mensch doch Mensch ist und eigenhändig handeln will, ohne darauf zu achten, dass Gott nichts anderes möchte als helfen. Ich sah in diesen « geistig Tauben », in diesen  »geistig Blinden », alle Tauben und Blinden im Geiste, die sich im Laufe der Jahrhunderte zugrunde richten werden, weil sie « selber tun wollen », während ich mich über ihre Erbärmlichkeit neige und nur darauf warte, zu Hilfe gerufen zu werden.

Als Petrus rief : « Rette uns ! «, fiel meine Bitterkeit von mir wie ein Stein, den man fallen lässt. Ich bin nicht « Mensch », ich bin der Gottmensch. Ich handle nicht, wie ihr handelt. Wenn jemand euren Rat und eure Hilfe ausgeschlagen hat und ihr diesen Menschen in Schwierigkeiten seht, selbst wenn ihr nicht so schlecht seid, Schadenfreude zu empfinden, so steht ihr doch mit stolzer Ablehnung und Gleichgültigkeit seinem Hilferuf gegenüber. Mit eurem Verhalten gebt ihr ihm zu verstehen : « Als ich dir helfen wollte, hast du mich abgelehnt. Nun hilf dir selbst. » Aber ich bin Jesus. Ich bin der Retter, und ich rette, Maria, immer rette ich, sobald man mich ruft.

Die armen Menschen könnten einwenden : « Warum erlaubst du dann so vielen einzelnen und vereinten Stürmen, sich zu bilden ? » Wenn ich mit meiner Macht das Böse- was es auch sein mag- zerstören würde, dann würdet ihr euch schließlich für die Urheber des Guten halten, das in Wirklichkeit mein Geschenk ist, und ihr würdet euch nicht mehr meiner erinnern. Überhaupt nicht mehr ! Ihr armen Kinder habt das Leid nötig, um euch zu erinnern, dass ihr einen Vater habt, so wie der verlorene Sohn sich seines Vaters erinnerte, als er Hunger litt.

Heimsuchungen dienen dazu, euch von eurer Nichtigkeit, eurer Torheit als Ursache so vieler Irrtümer zu überzeugen, von eurer Bosheit als Ursache von so viel Leid und Schmerz, von euren Sünden als Ursache von Strafen, die ihr selber heraufbeschwört, und schliesslich von meiner Existenz, meiner Macht und meiner Güte. Das ist es, was das heutige Evangelium euch sagen will, « euer » Evangelium für die gegenwärtige Stunde, ihr armen Kinder.

Ruft mich an. Jesus schläft nur, wenn er betrübt sehen muss, dass er von euch nicht geliebt wird. Ruft mich, und ich werde kommen. »

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. III von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Der Engelssturz

07/05/2011

Luzifer trat bei seiner Erschaffung im Schmuck blitzender Herrlichkeit und im Gewand lichter Schönheit ins Dasein. Und mit ihm sprühten alle Funken auf, die seine Heerschar bildeten.

Doch Luzifer neigte sich gleich nach seiner Erschaffung zum Bösen. Er und seine Trabanten verachteten in ihrem Stolz den Herrscher des Himmels. Sie schauten auf Gott nicht mit dem Blick erkennender Liebe, sondern mit dem Verlangen, sich über ihn emporzuschwingen. Sofort erloschen sie und wurden schwarz wie Kohle.

Doch bei ihrem Erlöschen kehrte der lichte Glanz, das klare, strahlende Licht zu Gott zurück. Gott barg diese Herrlichkeit und bewahrte das Lichtkleid des gefallenen Engels für den Lehm, den er zu Menschen bilden wollte.

(Hl. Hildegard v. Bingen)

  

Jesus spricht zu den Aposteln über seine Versuchung durch Satan

20/02/2010
(zum Sonntags-Evangelium vom 21. Februar 2010: Lukas 4,1-13)

„Um sich vorzubereiten, ein Meister zu sein, muß man erst Schüler gewesen sein. Ich war allwissend, als Gott. Meine Einsicht ließ mich mittels meiner Erkenntnis die inneren Kämpfe des Menschen geistig verstehen. Doch eines Tages hätte ein armer Freund, irgendein armer Sohn, zu mir sagen können: ‘Du weißt nicht, was es heißt, Mensch zu sein und Gefühle und Leidenschaften zu haben.’ Es wäre ein gerechter Vorwurf gewesen. Ich bin hierher gekommen, auf den Berg, um mich vorzubereiten; nicht allein auf die Sendung, sondern auch auf die Versuchung. Seht ihr?  Hier, wo ihr euch jetzt befindet, wurde ich versucht. Von wem? Von einem Sterblichen? Nein. Zu gering wäre seine Macht gewesen. Ich wurde vom Satan selbst versucht.

Ich war erschöpft. Seit vierzig Tagen hatte ich nicht gegessen … doch solange ich ins Gebet vertieft war, fühlte ich nichts in meiner Freude der Zwiesprache mit Gott. Ich empfand den Hunger als erträglich, weil er nur die Materie betrifft, die Materie allein. Dann kehrte ich zur Welt zurück … auf die Wege der Welt … und fühlte die Bedürfnisse des Menschen. Ich hatte Hunger, ich hatte Durst. Ich fühlte die schneidende Kälte der Wüstennacht. Ich fühlte den Körper, seinen Mangel an Ruhe und Schlaf und die Erschöpfung vom langen Weg, den ich in einer derartigen Verfassung zurückgelegt hatte: ich konnte nicht mehr weitergehen …


Denn auch ich habe Fleisch und Blut, Freunde. Wahres Fleisch. Und es ist denselben Schwächen unterworfen, die jedes Fleisch empfindet. Und mit dem Leib habe ich ein Herz. Ja, von der menschlichen Natur habe ich den ersten und den zweiten der drei Teile, aus denen der Mensch besteht, übernommen: die Materie mit ihren körperlichen Bedürfnissen und das Gemüt mit seinen Neigungen. Und da ich mit meinem Willen alle nicht guten Neigungen schon im Keime erstickt habe, konnten die heiligen Neigungen der kindlichen Liebe, der Heimatliebe, der Freundschaft, der Arbeit und alles, was gut und heilig, groß und mächtig ist, werden wie jahrhundertealte Zedern. So habe ich hier die Sehnsucht nach meiner lieben Mutter empfunden. Hier habe ich das Bedürfnis ihrer sorgenden Liebe in meiner Hinfälligkeit als Mensch empfunden. Hier hat mich von neuem der Schmerz überwältigt, mich von der Einzigen, die mich vollkommen liebt, trennen zu müssen. Hier habe ich das Bedürfnis nach ihrer Pflege meiner menschlichen Gebrechlichkeit gespürt; hier habe ich erneut den Schmerz erfahren, mich von der Einzigen getrennt zu haben, die mich vollkommen liebte; hier habe ich den Schmerz vorausgefühlt, der mir vorbehalten ist, und den Schmerz über ihren Schmerz, arme Mutter, die einmal keine Tränen mehr haben wird, da sie so viele vergießen muß für ihren Sohn und um der Menschen willen. Und hier habe ich die Müdigkeit des Helden und des Asketen kennengelernt, der in einer Stunde die Vorahnung, die Nutzlosigkeit seiner Bemühung erkennt.

Ich habe geweint. Die Traurigkeit, sie ist ein magisches Mittel für Satan. Es ist keine Sünde, traurig zu sein, wenn die Stunde leidvoll ist. Sünde ist, der Traurigkeit freien Lauf zu geben und der Haltlosigkeit oder Verzweiflung zu verfallen. Satan ist sofort da, wenn jemand von geistiger Mattigkeit befallen wird.

Er ist gekommen. Im Gewande eines wohlwollenden Wanderers. Er gibt sich immer wohlwollend … Ich hatte Hunger … und ich hatte meine dreißig Jahre im Blut. Satan hat mich versucht; denn er glaubte, ich sei verwundbar, da er mich hungrig sah und auch mein Alter kannte. Er hat mir seine Hilfe angeboten. Zuerst hat er zu mir gesagt : ‘Gebiete diesen Steinen Brot zu werden!’… Doch zu allererst hat er mir von der Frau gesprochen. Oh! er versteht sich darauf, von ihr zu sprechen. Er kennt sie von Grund auf. Er hat die Frau als erste verführt, um aus ihr seine Verbündete in der Verführung zu machen. Ich bin nicht nur der Sohn Gottes. Ich bin Jesus, der Handwerker von Nazareth.

Ich sagte damals zum Mann, der mich gefragt hat, ob ich die Versuchung kenne, und der mich beinahe beschuldigte, ungerechterweise glücklich zu sein, da ich nicht wüßte, was Sünde sei. ‘Der Akt bewirkt die Befriedigung. Die zurückgedrängte Versuchung weicht nicht, sondern wird noch stärker, auch weil Satan sie anschürt!’ Ich habe der Versuchung des Hungers nach Brot und nach der Frau widerstanden. Und ihr sollt wissen, daß Satan die Frau – menschlich gesprochen nicht zu Unrecht – mir zuerst anbot, denn sie ist seine beste Verbündete, um sich in der Welt zu behaupten.

Der ‘Versucher’, der sich mit meinem: ‘Nicht vom Brot allein lebt der Mensch’ nicht geschlagen gab, begann nun von meiner Sendung zu sprechen. Satan wollte den Messias verführen, nachdem er den jungen Mann versucht hatte. Und er trieb mich an, die unwürdigen Diener des Tempels durch ein Wunder zu vernichten. Das Wunder, die Flamme des Himmels, dient nicht dazu, um sich aus Weidenruten eine Krone zu winden und sich mit ihr zu schmücken. Und man versucht Gott nicht, indem man um Wunder für menschliche Zwecke bittet. Das wollte Satan. Das vorgebrachte Motiv war nur ein Vorwand. Die Wahrheit war: ‘Rühme dich, der Messias zu sein!’ Auf diese Weise dachte er, in mir eine Begehrlichkeit zu wecken: den Hochmut.

Gustave Doré: Jesus wird vom Teufel versucht

Nicht besiegt von meinem: ‘Du sollst den Herrn, deinen Gott nicht versuchen!’, hat er mich mit der dritten Kraft seiner Natur versucht: dem Gold! Oh, das Gold! Eine große Sache ist das Brot, noch begehrenswerter die Frau für den, der nach Nahrung und Genuß verlangt. Ganz groß aber ist der Beifall der Massen für den Menschen… Wie viele Verbrechen werden aus diesen drei Gründen begangen! Aber das Gold … das Gold … Es ist der Schlüssel, der aufschließt, der Ring, der kettet, das Alpha und Omega von neunundneunzig Prozent der menschlichen Handlungen. Für das Brot und die Frau wird der Mensch zum Dieb. Um Macht zu erobern, wird er auch zum Mörder. Doch für das Gold wird er zum Götzenanbeter. Der König des Goldes, Satan, hat mir sein Gold angeboten, damit ich ihn anbete … Ich habe ihn vertrieben mit den ewigen Worten: ‘Den Herrn, deinen Gott allein sollst du anbeten!’

Und hier an dieser Stelle hat sich dies ereignet.“

Jesus ist aufgestanden. Er scheint viel größer als sonst in der ebenen Umgebung und in dem leicht phosphoreszierenden Schein, der von den Sternen träufelt. Auch die Jünger stehen auf. Jesus spricht weiter und blickt Judas fest in die Augen.

„Dann sind die Engel des Herrn gekommen… Der Mensch Jesus hatte die dreifache Schlacht gewonnen. Der Mensch Jesus wußte, was es heißt, Mensch zu sein, und er hatte gesiegt. Er war erschöpft. Der Kampf war ermüdender gewesen wegen des langen Fastens. Doch es war ein überwältigender Sieg des Geistes. Ich glaube, daß der ganze Himmel gebebt hat, angesichts dieses Standhaltens eines mit Geist begabten Geschöpfes, und ich glaube, daß von jenem Augenblick an die Gabe des Wunderwirkens in mir war. Ich war Gott gewesen. Und ich bin Mensch geworden. Nun, da das Animalische besiegt war, das zur Natur des Menschen gehört, bin ich der Gottmensch. Ich bin es. Als Gott bin ich allmächtig! Und als Mensch kenne ich alles. Macht es also wie ich, wenn ihr tun wollt, was ich vollbringe! Und tut es zu meinem Gedächtnis!“

Auszug aus “Der Gottmensch″ (Band II) von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


Das Scherflein der Witwe

07/11/2009

zum Sonntags-Evangelium vom 8. November 09: Mk 12, 38-44:

Zuerst sehe ich nur Säulengänge und Vorhöfe, die ich als zum Tempel gehörig erkenne, und Jesus, der einem Herrscher gleicht – so feierlich ist er in seinem leuchtend roten Gewand und dem etwas dunkleren Mante l- und an einer riesigen viereckigen Säule lehnt, die einen Bogen der Säulengänge stützt.

Er schaut mich fest an. Ich verliere mich in seiner Betrachtung und beselige mich an seinem Anblick, da ich ihn seit zwei Tagen nicht gesehen und gehört habe. Diese Vision dauert lange. Und solange sie dauert, schreibe ich nicht, denn sie erfüllt mich mit Freude. Aber nun, da die Szene sich belebt, verstehe ich, dass etwas geschieht, und schreibe.

Der Platz füllt sich mit Menschen, die aus allen Richtungen kommen. Es sind Priester und Gläubige, Männer, Frauen und Kinder. Die einen gehen spazieren, andere bleiben stehen, um den Lehrern zuzuhören, wieder andere ziehen Lämmer hinter sich her oder tragen Tauben irgendwohin, vielleicht Opfertiere.

Jesus steht an seiner Säule gelehnt und schaut. Er sagt nichts. Zweimal schon hat er auf Fragen seiner Apostel nur mit einem Kopfschütteln geantwortet, ohne ein Wort zu sagen. Er beobachtet sehr aufmerksam. Aus seinem Ausdruck schließe ich, dass er ein Urteil fällt über das, was er sieht. Seine Augen und sein Antlitz erinnern mich an die Vision des Paradieses, als er beim besonderen Gericht die Seelen richtete. Nun ist er natürlich Jesus, der Mensch; dort oben war er der verherrlichte Jesus und deshalb noch beeindruckender. Aber der Gesichtsausdruck ist ähnlich. Er ist ernst, prüfend, manchmal so streng, dass auch der Frechste erzittern muss, und manchmal so sanft, von einer lächelnden Traurigkeit, die mit Blicken zu liebkosen scheint.

Anscheinend hört er nichts. Aber er muss wohl alles genau hören, denn als sich aus einer Gruppe, die einige Meter entfernt um einen Lehrer versammelt ist, eine näselnde Stimme erhebt und erklärt: „Wichtiger als jedes andere Gebot ist dieses: Was für den Tempel ist, soll dem Tempel gegeben werden. Der Tempel steht über dem Vater und der Mutter, und wenn jemand dem Herrn zu Ehren alles geben will, was er übrig hat, so soll er es tun, und er wird gesegnet sein, denn kein Blut und keine Liebe steht über dem Tempel.‘, da wendet Jesus sein Haupt in diese Richtung und schaut mit einem Blick… den ich nicht auf mich gerichtet sehen wollte.

Er scheint jetzt nur allgemein umherzuschauen. Doch als ein zitternder Greis sich bemüht, die fünf Stufen zu einer Art Terrasse hinaufzusteigen, die sich in der Nähe Jesu befindet und wohl zu einem anderen, weiter innen liegenden Vorhof führt, und beim Aufsetzen des Stockes, der sich in den Kleidern verfängt, beinahe fällt, streckt Jesus seinen Arm aus und fängt ihn auf. Er stützt ihn und lässt ihn nicht los, bis er wieder sicher auf den Beinen steht. Das alte Männchen erhebt sein graues Haupt, sieht seinen hochgewachsenen Retter an und flüstert ein Wort des Segens. Jesus lächelt ihm zu und liebkost seinen halbkahlen Kopf. Dann lehnt er sich wieder an seine Säule, verlässt sie aber noch einmal, um ein Kind aufzurichten, das sich von der Hand der Mutter losgemacht hat, gerade vor seinen Füßen gegen die erste Stufe gefallen ist und weint. Er hebt es auf, liebkost es, tröstet es. Die verwirrte Mutter dankt ihm, und Jesus lächelt auch ihr zu und gibt ihr das Kind zurück.

Aber er lächelt nicht mehr, als ein aufgeblasener Pharisäer vorübergeht, und auch nicht, als eine Gruppe von Schriftgelehrten und anderen Männern – ich weiss nicht, wer sie sind – vorbeikommt. Diese Gruppe grüßt ihn mit großen Gesten und tiefen Verbeugungen. Jesus schaut sie so fest an, als wolle er sie mit seinem Blick durchbohren, und grüßt sie trocken. Er ist streng. Auch einen Priester, der vorbeikommt und ein hohes Tier sein muss, da die Leute den Weg freigeben und ihn grüßen, während er selbst wie ein Pfau vorbeistolziert, sieht Jesus lange an. Mit einem Blick, der diesen trotz seines Hochmuts den Kopf senken lässt. Er grüßt nicht. Aber er kann dem Blick Jesu nicht standhalten.


Jesus wendet die Augen von ihm ab und beobachtet ein armes, dunkelbraun gekleidetes Frauchen, das verschämt die Stufen hinaufsteigt zu einer Wand, an der sich etwas wie ein Löwen- oder ähnliche Tierköpfe mit offenen Mäulern befinden. Viele gehen dorthin. Doch Jesus scheint bisher nicht darauf geachtet zu haben. Nun blickt er aufmerksam diesem Weiblein nach. Sein Auge drückt Mitleid aus und wird liebevoll, als er sieht, wie die Frau eine Hand ausstreckt, um etwas in das steinerne Maul eines dieser Löwen zu werfen. Als die Frau zurückkommt und nahe an ihm vorbeigeht, sagt er: „Der Friede sei mit dir, Frau.“

Diese hebt erstaunt den Kopf und ist sprachlos.

„Der Friede sei mit dir“, wiederholt Jesus. „Geh, der Allerhöchste segnet dich.“ Die arme Frau kann es gar nicht fassen. Dann flüstert sie einen Gruß und geht.

„Sie ist glücklich in ihrem Unglück“, sagt Jesus und bricht endlich sein Schweigen. „Nun ist sie glücklich, denn der Segen Gottes begleitet sie. Hört, Freunde, und ihr, die ihr mich umgebt. Seht ihr diese Frau? Sie hat nur zwei kleine Münzen gegeben, nicht einmal genug, um dafür Futter für einen Sperling im Käfig zu kaufen, und doch hat sie mehr gegeben als alle anderen, die ihren Beitrag in den Tempelschatz geworfen haben, seit der Tempel bei Sonnenaufgang geöffnet wurde.

Hört. Ich habe eine große Anzahl reicher Leute beobachtet, die in die Mäuler dort Geldmengen geworfen haben, die ausreichen würden, diese Arme ein Jahr lang zu ernähren und ihre Armut zu kleiden, die nur deshalb anständig aussieht, weil sie sauber ist. Ich habe gesehen, wie Reiche mit sichtlicher Genugtuung Summen dort hineingelegt haben, die ausgereicht hätten, die Armen der Heiligen Stadt einen oder mehrere Tage satt zu machen und Gott preisen zu lassen. Aber wahrlich, ich sage euch, niemand hat mehr gegeben als sie. Ihr Almosen ist Liebe, das der anderen nicht. Ihres ist Großmut, das der anderen nicht. Ihres ist Opfer, das der anderen nicht. Heute wird die Frau nichts essen, denn sie hat nichts mehr. Sie muss erst wieder um Lohn arbeiten, um ihren Hunger mit Brot stillen zu können. Sie hat keine Reichtümer und sie hat keine Verwandten, die für sie verdienen. Sie ist allein. Gott hat ihr die Eltern, den Mann und die Kinder genommen, er  hat ihr das wenige genommen, was diese ihr hinterlassen hatten, und mehr als Gott haben es ihr die Menschen genommen; diese Menschen, die nun, ihr seht es, weiterhin mit großmütiger Geste von ihrem Überfluss dort hineinwerfen, den sie zu einem guten Teil durch Wucher den armen Händen der Schwachen und Hungernden entrissen haben.  Sie sagen, es gibt kein Blut und keine Liebe, die höher stehen als der Tempel, und so lehren sie, den Nächsten nicht zu lieben.

Ich sage euch, über dem Tempel steht die Liebe. Das Gesetz Gottes ist die Liebe, und wer kein Mitleid mit dem Nächsten hat, liebt nicht. Das überflüssige Geld, das von Wucher, Habgier, Härte und Heuchelei beschmutzte Geld singt nicht das Lob des Herrn und zieht auf seinen Spender den himmlischen Segen nicht herab. Gott lehnt es ab. Es füllt diese Kasse. Aber es taugt nicht für den Weihrauch. Es ist Schlamm, in dem ihr versinkt, ihr Diener, die ihr nicht Gott, sondern den eigenen Interessen dient. Es ist ein Strick, der euch erdrosselt, ihr Lehrer, die ihr eure eigene Lehre lehrt. Es ist Gift, das euch den Rest der Seele verdirbt, ihr Pharisäer, der euch noch verblieben ist. Gott will nicht, was mit tränenerstickter Stimme schreit: „Ich hätte einen Hungernden sättigen sollen, aber man hat mich ihm verweigert, um hier zu prahlen. Ich hätte einem alten Vater, einer hinfälligen Mutter helfen sollen, und man hat es nicht gestattet, da diese Hilfe vor der Welt verborgen geblieben wäre. Ich muss meine Glocke ertönen lassen, damit die Welt den Geber erkennt.“

Nein, Rabbi, der du lehrst, dass der Überfluss Gott gegeben werden soll, und dass es erlaubt ist, dem Vater oder der Mutter etwas vorzuenthalten, um es Gott zu geben. Das erste Gebot ist: „Liebe Gott mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele, deinem ganzen Verstand und deinen ganzen Kräften.“ Daher muss man ihm nicht den Überfluss, sondern das eigene Blut geben, und man soll es lieben, für ihn zu leiden. Leiden. Nicht leiden machen. Und wenn es schwerfällt, viel zu geben, weil man sich nicht gerne von seinem Reichtum trennt, weil die Schätze der Mittelpunkt des von Natur aus verderbten Menschenherzens sind, dann muss man sich von ihnen trennen, gerade weil es schwerfällt. Aus Gerechtigkeit: denn alles, was man besitzt, besitzt man durch die Güte Gottes. Aus Liebe: denn es ist ein Beweis der Liebe, das Opfer zu lieben, um dem Freude zu schenken, den man liebt. Man soll leiden, um schenken zu können. Aber selbst leiden! Nicht leiden machen, ich wiederhole es. Denn das zweite Gebot heisst: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Das Gesetz erklärt, dass nach Gott die Eltern die Nächsten sind, denen man verpflichtet ist, Ehre und Hilfe zu erweisen.

Daher sage ich euch, diese arme Frau hat das Gesetz wahrhaft besser verstanden als die Weisen und ist mehr als alle anderen gerechtfertigt und gesegnet; denn in ihrer Armut hat sie Gott alles gegeben, während ihr gebt, was übrig bleibt, und es nur gebt, um in der Achtung der Menschen zu steigen. Ich weiss, dass ihr mich hasst, weil ich so spreche. Aber solange dieser Mund sprechen kann, wird er solche Worte sprechen. Vereinigt euren Hass auf mich mit der Verachtung für die Arme, die ich lobe. Aber glaubt nicht, dass ihr aus diesen beiden Steinen ein doppeltes Postament für euren Hochmut errichten könnt. Sie werden die Mühlsteine sein, die euch zermalmen.

Gehen wir. Lassen wir die Vipern einander beissen, um ihr Gift zu vermehren. Wer rein, gut, demütig und zerknirscht ist und das wahre Antlitz Gottes kennenlernen will, soll mir folgen.“

Auszug aus “Der Gottmensch″, Band XI  von Maria Valtorta, mit  der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören.

Allein den Betern kann es noch gelingen

17/09/2009

Allein den Betern kann es noch gelingen,Beten
Das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten
Und diese Welt den richtenden Gewalten
Durch ein geheiligt Leben abzuringen.

Denn Täter werden nie den Himmel zwingen:
Was sie vereinen, wird sich wieder spalten,
Was sie erneuern, über Nacht veralten,
Und was sie stiften, Not und Unheil bringen.

Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt,
Und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,
Indes im Dom die Beter sich verhüllen.

Bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt
Und in den Tiefen, die kein Aug entschleiert
Die trocknen Brunnen sich mit Leben füllen.

Reinhold Schneider