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Hl. Rafael Arnaiz Baron (12)

15/02/2011

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.


Im November 1935, zwei Monate vor seiner Rückkehr in die Trapa, beginnt eine regelmässige Korrespondenz zwischen Rafael, der sich seit eineinhalb Jahren zur Heilung der Diabetes in Oviedo im Haus seiner Eltern aufhält und seiner Tante Maria in Avila, mit der er ausgemacht hat, sich ‚Bruder‘ bzw. ‚Schwester‘ zu nennen.

An seine Tante Maria, Herzogin von Maqueda, von Oviedo aus

11. November 1935 – Montag – im Alter von 24 Jahren

Meine liebste Schwester! Wie viele Dinge vergaß ich vor ein paar Tagen trotz des langen Briefes! In Wirklichkeit sagte ich Dir gar nichts. Es stimmt, dass unsere Worte zu armselig sind, um manches auszudrücken, und dass wir unfähig zu allem sind. Nun ist es aber ebenso eine Tatsache, dass es unter uns auch nicht nötig ist, meinst Du nicht?

Heute oder morgen erwarte ich Deinen Brief, in dem Du mir viel „dummes Zeug und Einfältigkeiten“ schreibst … Wenn Du wüßtest, wie oft ich Deinen Brief gelesen habe! Du machst mir so viel Mut zum Fortsetzen meines Weges! Wie gut ist der Herr! Wie einfach sind Seine Wege! Es sieht aus, als warte Er darauf, daß wir in Schwierigkeiten geraten, um uns eine Hand hinzuhalten und uns Seine Hilfe anzubieten. Siehst Du das auch so?

Weißt Du was? Es scheint mir, daß Dich der Herr erhört hat; Deine Liebe ist nicht umsonst. Ich habe großen inneren Frieden, und mein Ungestüm hat sich etwas gelegt; zumindest habe ich es in eine Bahn gelenkt. Und Dir, wie geht’s Dir? Bestimmt liebst Du Maria jetzt mehr; ist es nicht so? Hat sie Dir nicht geholfen? Teil mir alles mit! Das hilft mir sehr.

Du sagst an einer Stelle Deines Briefes, wo Du von Maria sprichst, daß Du zu ihren Füßen gekniet hast und daß Du das Salve nicht vergißt. Beides ist sehr gut, aber es ist wenig. Ich muß mit Dir schimpfen. Verzeih mir, aber wir sind so verblieben, daß ich nicht Dein Neffe, sondern Dein Bruder bin! Und wenn ich mich darauf berufe, dann sage ich Dir, daß Dir die Briefe besser gelängen, wenn Du in ihnen mehr von der Jungfrau Maria redetest… Sieh, Schwesterchen, nimm dies nicht als Belehrung;  aber als ich anfing, Maria zu lieben, nahm ich mir vor, nichts und niemandem zu schreiben, ohne Maria wenigstens einmal zu erwähnen… Und ich habe mir angewöhnt, mich ihr immer anzuempfehlen, bevor ich zu schreiben beginne. Dann suche ich in meinen Gedanken auch stets nach einer günstigen Gelegenheit, um aus irgendeinem Grund von ihr zu sprechen, und schließlich – wenn ich fertig bin – danke ich ihr für alles, besonders dafür, mir erlaubt zu haben, so kühn zu sein, um… Gut, Du verstehst mich schon!

Die Gottesmutter liebt Dich sehr? Darüber mußt Du vor Jesus, ihrem göttlichen Sohn, Rede und Antwort stehen. Alles, was wir für sie und durch sie tun, ist wenig.

Ich erlaube mir, Dir diese Dinge zu sagen, weil ich versprach, Dir zu helfen. Sieh darin keine Überheblichkeit, sondern meine Liebe zu Dir und meinen Wunsch, daß Du sie sehr liebst, weil Dich dann Gott mehr liebt und Du Ihn! Der hl. Bernhard sagt, daß wir alles durch die Vermittlung Mariens erhalten, und das stimmt.

Wie sollten wir nicht heilig werden, mein Gott, wenn Du uns auf Erden durch so viele gottverbundene Seelen hilfst und vom Himmel aus mit Maria! Entsprechen wir hin und wieder dieser Tatsache? Ich glaube, ja. Jetzt versuchen wir es jedenfalls, meinst Du nicht? Du wirst schon sehen, wie gut das geht. Mit der heiligsten Jungfrau gehen wir, egal wohin. Vergiß das nicht, und bitte sie darum! Ich flehe sie auch für Dich an, und Du wirst sehen, wie sie mich erhört. Sie liebt mich sehr: meine Berufung gehört ihr, und ihr habe ich sie zu verdanken.

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