Posts Tagged ‘Jesuskind’

6. Januar: Epiphanie – Hochfest der Erscheinung des Herrn

05/01/2013

Hier geht es zur Valtorta-Vision: Die Anbetung der Weisen

die Hl. Drei Könige

2. Februar: Fest der Darstellung des Herrn

02/02/2012

Hier geht’s zur entsprechenden Valtorta-Vision

„… der Christus unser Herr ist!“

31/12/2011

zum Sonntagsevangelium vom 1. Januar 2012, Hochfest der Gottesmutter Maria: Lukas 2,16-21

Anlässlich des Lichterfestes, das der Geburtstag Jesu ist, geben die Geschwister Lazarus und Martha ein Essen zu Ehren Jesu. Anwesend sind ausserdem die Apostel und fünf der Hirten, die damals in Bethlehem auf dem Feld waren: Isaak, Jonathan, Levi, Elias, Joseph. Auf die Bitten der Apostel hin beschreibt Jesus seinen Eintritt ins Leben auf dieser Erde: die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau, die Verkündigung durch den Erzengel Gabriel, den Traum Josephs, dann:

„… Joseph ging darauf in das heilige Haus seiner Braut und sorgte für die Bedürfnisse der Jungfrau und des Ungeborenen. Und als für alle die Zeit des Erlasses gekommen war, ging er mit Maria in das Land der Väter, und Bethlehem wies in ab, denn das Herz der Menschen ist der Nächstenliebe verschlossen. Jetzt müsst ihr weitererzählen.“

„Ich begegnete eines Abends einer jungen lächelnden Frau, die rittlings auf einem Eselchen saß. Ein Mann war mit ihr. Er bat mich um Milch und Auskunft. Ich sagte ihm, was ich wusste… Dann kam die Nacht… und ein großes Licht… und wir gingen hinaus, und Levi sah einen Engel beim Stall. Der Engel verkündete: ‚Der Retter ist geboren.‘ Es war gerade Mitternacht, der Himmel war voller Sterne. Aber ihr Licht verlor sich im Licht des Engels, der Tausende von Engeln… (Elias weint immer wieder, wenn er daran denkt.) Der Engel sagte: ‚Geht hin, um ihn anzubeten. Er ist in einem Stall, in einer Krippe inmitten zweier Tiere. Ihr werdet ein kleines Kind finden, in armselige Tücher eingewickelt….‘ Oh, wie strahlte der Engel, als er diese Worte sprach! Aber erinnerst du dich, Levi, wie seine Flügel Flammen sprühten, als er, nachdem er niedergekniet war um den Retter zu nennen, sagte „… der Christus, unser Herr ist!‘ „

„Oh, und ob ich mich erinnere! Die Stimmen der Tausende von Engeln! Oh! ‚Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen, die guten Willens sind.‘ Diese Musik ist hier und trägt mich zum Himmel, jedesmal, wenn ich sie höre.“ Levi hebt sein verzücktes Gesicht, auf dem Tränen glänzen.

„Dann gingen wir hin“, sagt Isaak, „beladen wie Saumtiere, froh wie zu einer Hochzeit, und dann… als wir dein kleines Stimmchen hörten und die Stimme der Mutter, waren wir zu nichts mehr fähig, und wir stiessen den Knaben Levi vorwärts, damit er nachschaue. Wir fühlten uns wie Aussätzige neben all dieser Reinheit. Levi lauschte, weinte und lachte zugleich, und seine Stimme hörte sich an wie das Blöken eines Lämmleins, so dass das Mutterschaf des Elias darauf antwortete. Joseph kam zum Eingang und hiess uns eintreten… Oh, wie warst du klein und schön! Eine fleischfarbene Rosenknospe auf dem rauhen Heu… und du weintest… Dann lächeltest du, als du die Wärme des Lammfells spürtest, das wir dir anboten, und in der Freude über die Milch, die wir für dich gemolken hatten… deine erste Mahlzeit… Oh!… und dann… und dann küssten wir dich. Du duftetest nach Mandeln und Jasmin… und wir konnten uns nicht mehr von dir trennen…“

„Ihr habt mich nicht mehr verlassen, wirklich!“

„Das ist wahr“, sagt Jonathan. „Dein Antlitz blieb in uns, und deine Stimme und dein Lächeln… „

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. III von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

2. Februar: Fest der Darstellung des Herrn

01/02/2011

(…) Maria steigt vom Esel, nahe der Pforte, wo sich eine Art Stallung für Lasttiere befindet. Ich sage Stallung; aber es ist eine Art Schuppen, besser ein Wetterdach, wo Stroh gestreut ist und Pflöcke mit Ringen angebracht sind, an denen man die Vierfüßler anbinden kann. Joseph gibt einem jungen Mann einige Münzen für etwas Heu, holt in einem Wasserschlauch aus einem einfachen Ziehbrunnen in einem Winkel Wasser und tränkt den Esel.

Dann begibt er sich wieder zu Maria, und beide betreten den Tempelbereich. Sie wenden sich einem mit Säulenhallen umgebenen Hof zu, wo die Verkäufer sind, die Jesus später energisch geißeln wird; Verkäufer von Turteltauben und Lämmern sowie die Geldwechsler. Joseph kauft zwei weiße Täubchen. Geld wechselt er nicht. Offenbar hat er schon, was er braucht.


Joseph und Maria begeben sich nun zu einer Seitentür, zu der acht Stufen führen – wie mir scheint, ist dies vor allen Türen der Fall -, so dass sich der Kubus des Tempels etwas über dem normalen Boden erhebt. Dieser Tür folgt eine grosse Vorhalle, wie bei den Eingängen unserer großstädtischen Häuser; hier ist sie aber viel geräumiger und voller Schmuck. In ihr befinden sich rechts und links zwei Altäre oder zwei rechteckige Konstruktionen, deren Zweck ich vorläufig noch nicht einsehe. Es sind niedrige Wannen, denn der äußere Rand erhebt sich einige Zentimeter über die innere Fläche. Ein Priester eilt herbei; ich weiss nicht, ob Joseph ihn gerufen hat. Maria überreicht ihm die beiden Täubchen als Reinigungsopfer. Und ich wende, da ich das Los der Täubchen kenne, den Blick anderswohin. Ich betrachte die Ornamente des schweren Portals, der Decke, des Vorhofs. Nun scheint mir, dass der Priester Maria mit Wasser besprengt. Es muss wohl Wasser sein, denn ich sehe keine Flecken auf dem Gewand Marias. Sie hat dem Priester zusammen mit den Täubchen eine Anzahl Geldstücke gegeben (ich hatte vergessen, es zu sagen) und tritt nun mit Joseph und in Begleitung des Priesters in das eigentliche Tempelgebäude ein.

Ich schaue nach allen Seiten. Sie befinden sich in einem reich geschmückten Raum. Skulpturen, wie Engelsköpfe und Palmen und Verzierungen, laufen den Säulen, Wänden und der Decke entlang. Licht tritt ein durch merkwürdig lange, schmale Fenster, natürlich ohne Glas, die schräg die Wände durchbrechen. Ich nehme an, dass sie so gebaut worden sind, um das Eindringen des Regens zu verhindern.

Maria geht bis zu einer bestimmten Stelle. Dann bleibt sie stehen. Einige Meter vor ihr sind weitere Stufen, und über diesen erhebt sich eine Art Altar, und jenseits davon schliesst sich ein weiteres Gebäude an. Ich glaubte, schon im Tempel zu sein; in Wirklichkeit aber befinde ich mich in einem Bau, der den wahren und eigentlichen Tempel, das Allerheiligste, umgibt, in das, wie mir scheint, niemand außer dem Priester eintreten darf. Was ich für den Tempel hielt, ist nur eine geschlossene Vorhalle, die von drei Seiten den Tempel umschliesst, in dem sich der Tabernakel befindet. Ich weiss nicht, ob ich mich gut ausgedrückt habe, da ich weder Architekt noch Ingenieur bin.

Maria opfert das Kind, das nun aufgewacht ist und die unschuldigen Äuglein mit dem erstaunten Blick eines nur wenige Tage alten Kindes zum Priester hinwendet. Dieser nimmt es und hebt es mit ausgestreckten und zum Tempel hingewandten Armen empor, während er sich an den altarähnlichen Aufbau lehnt.

Der Ritus ist beendet. Das Kind wird der Mutter zurückgegeben, und der Priester geht fort. Neugieriges Volk steht da umher. Zwischen ihm macht sich ein gebeugter, hinkender Greis Platz, der sich auf seinen Stab stützt. Er muss sehr alt sein; ich schätze ihn über achtzig. Er nähert sich Maria und bittet sie, ihm für einen Augenblick den Kleinen zu geben. Lächelnd erfüllt Maria seinen Wunsch.


Simeon, von dem ich immer glaubte, dass er zur Klasse der Priester gehöre, der aber nur ein einfacher Gläubiger ist, wenigstens dem Gewand nach zu urteilen, nimmt ihn entgegen und küßt ihn. Jesus lächelt ihm zu, mit dem unsicheren Gesichtsausdruck, der den Säuglingen eigen ist. Es scheint, als beobachte er ihn neugierig; den der Alte weint und lacht zu gleicher Zeit, und die in die Falten fliessenden Tränen bilden ein Glitzerwerk und fallen dann auf den langen weissen Bart, nach dem Jesus seine Händchen ausstreckt. Jesus ist noch das Kindlein, das von allem angezogen wird, was sich bewegt, und alles anfassen möchte, um es besser anschauen zu können. Joseph und Maria lächeln, ebenso wie die Anwesenden, die die Schönheit des Kleinen loben.

Ich höre die Worte des heiligen Alten und bemerke den erstaunten Ausdruck Josephs (Lk 2,20-32) und die Rührung Marias und der kleinen Menge, die teils erstaunt und bewegt ist, teils bei den Worten des Greises in ein Gelächter ausbricht. Es sind auch bärtige Männer da und aufgeblasene Mitglieder des Synedriums, die den Kopf schütteln und mit ironischem Mitleid auf Simeon schauen. Sie glauben wohl, er habe infolge des Alters den Verstand verloren.

Das Lächeln Marias schwindet, und eine starke Blässe tritt in ihr Antlitz, als Simeon ihr das Leiden ankündigt (Lk 2, 34-35). Obwohl sie davon weiss, durchbohren die Worte ihre Seele. Maria nähert sich Joseph, um Trost zu finden und drückt in ihrem Schmerz das Kind an die Brust. Wie eine dürstende Seele trinkt sie die Worte der Anna des Phanuel in sich hinein, die sich als Frau ihres Schmerzes erbarmt und ihr verheißt, dass der Ewige ihr die Stunde der Leiden mit übernatürlicher Kraft lindern werde. „Frau! Dem, der seinem Volk den Erlöser geschenkt hat, wird die Macht nicht fehlen, seinen Engel auszusenden, damit er dir in deinem Leid beistehe. Die Hilfe des Herrn hat den grossen Frauen Israels nie gefehlt, und du bist viel grösser als Judith und Rachel (Judith 13; Richt 4, 17-23). Unser Gott wird dir ein Herz aus lauterem Gold geben, damit es dem Meer der Schmerzen gewachsen sei; denn du bist die größte Frau der Schöpfung, die Mutter. Und du, Kindlein, gedenke meiner in der Stunde deiner Sendung!“

Hier endet die Vision.

Auszug aus “Der Gottmensch″, Band I von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch


26. Dezember: Fest der Heiligen Familie

25/12/2010

Die Heilige Familie in Ägypten

Eine liebliche Vision von der Heiligen Familie. Der Ort befindet sich in Ägypten; darüber besteht kein Zweifel, denn ich sehe die Wüste und eine Pyramide.

Ich sehe ein Häuschen, das aus einem weissen Erdgeschoß besteht. Ein armes Haus sehr armer Leute. Seine Mauern sind kaum verputzt und mit einer schwachen Kalkschicht bestrichen. Das Häuschen hat zwei nebeneinanderliegende Türen, die in die zwei einzigen Räume führen, in die ich vorerst nicht eintrete. Das Häuschen steht auf einem sandigen Boden, der von einem Schilfrohrhag eingezäunt ist. Nur ein schwacher Schutz gegen Diebe; er kann wohl höchstens Hunde oder umherirrende Katzen abwehren. Wer möchte auch dort etwas stehlen, wo offenbar keine Spur von Reichtum zu finden ist?

Um den Zaun etwas solider und weniger armselig erscheinen zu lassen, hat man an ihm eine einfache Ackerwinde emporklettern lassen. Nur auf der einen Seite ist ein blühender Jasminstrauch und ein Rosenstock von der allergewöhnlichsten Sorte. Das kleine Stück Land innerhalb des Rohrzauns ist sorgfältig bebaut. Trotz des trockenen und mageren Geländes ist ein kleines Gärtchen angelegt worden. Ich sehe das bescheidene Grün der wenigen Beete unter einem Baum mit hohem Stamm, dessen Namen ich nicht kenne; dieser gibt dem der Sonne sehr ausgesetzten Gelände und dem Häuschen etwas Schatten. An dem Baumstamm ist eine schwarzweiße Ziege angebunden, die Blätter von Zweigen, die auf dem Boden liegen, abreißt und wiederkäut.


Im Schatten des Baumes, auf einer am Boden ausgebreiteten Matte, sitzt das Jesuskind. Es scheint mir zwei, höchstens zweieinhalb Jahre alt zu sein. Es spielt mit einigen geschnitzten Figuren, die Schäfchen oder Pferdchen darstellen, und mit einigen hellen Holzspänen, die weniger geringelt sind als seine goldenen Locken. Mit den Patschhändchen versucht es, Hobelspäne um den Hals seiner Tierchen zu legen.

Das Jesuskind ist brav und lächelt. Ein wunderschöner Anblick! Ein Köpfchen voller goldener, sehr dichter Locken. Die Haut hell und zart gerötet; lebhafte, strahlende, tiefblaue Augen. Der Ausdruck ist natürlich nicht der frühere, aber an der Farbe der Augen erkenne ich meinen Jesus: zwei dunkle, überaus schöne Saphire. Es trägt eine Art langes weißes Hemdchen, das sicher als Tunika dient. Die Ärmel reichen bis zu den Ellbogen. Er ist zurzeit barfuß. Die Sandälchen liegen auf der Matte, und auch sie dienen dem Kind als Spielzeug; es legt seine Tiere auf die Sohle und zieht an den Nesteln des Sandälchens, als wäre es ein kleines Fuhrwerk. Es sind sehr einfache Sandälchen: eine Sohle und zwei Nesteln, von denen eine an der Spitze, die andere an der Ferse befestigt ist. Die an der Spitze teilt sich an einem bestimmten Punkt, und ein Teil geht durch die Öse des Riemens an der Ferse, um sich dann mit dem anderen Teil verflechten zu lassen und auf dem Rist des Fußes einen Ring zu bilden.

In geringer Entfernung, ebenfalls im Schatten des Baumes, sitzt die Muttergottes. Sie webt an einem einfachen Webstuhl und überwacht das Kind. Ich sehe, wie die feinen, weissen Hände das Weberschiffchen hin-und herbewegen; ihr mit Sandalen bekleideter Fuß tritt das Pedal. Sie trägt eine malvenfarbige Tunika: rötlich-violett wie gewisse Amethyste. Sie ist barhaupt, und so kann ich erkennen, dass ihre auf dem Haupt gescheitelten blonden Haare einfach gekämmt, zu zwei Zöpfen geflochten und am Nacken zu einem zierlichen Knoten zusammengefasst sind. Sie trägt lange, fast enge Ärmel. Sie hat keinen anderen Schmuck als ihre Schönheit und ihren lieblichen Gesichtsausdruck. Die Farbe des Gesichtes, der Haare, der Augen und die Gesichtsform sind so, wie ich sie immer sehe. Hier scheint sie sehr jung, höchstens zwanzig Jahre alt.

Auf einmal erhebt sie sich, beugt sich über das Kind, legt ihm die Sandälchen an und schnürt sie mit Sorgfalt. Dann liebkost sie es und küßt es auf das Köpfchen und die Äuglein. Das Jesuskind lallt etwas, und sie antwortet; aber ich verstehe die Worte nicht. Dann kehrt sie zu ihrem Webstuhl zurück, breitet über Leinwand und Gestell ein Tuch aus, nimmt den Schemel, auf dem sie gesessen hat, und trägt ihn ins Haus. Das Knäblein folgt ihr mit dem Blick, ohne sich zu ängstigen, weil sie es allein läßt.

Man sieht, dass die Arbeit beendet ist und der Abend hereinbricht. Tatsächlich senkt sich die Sonne über die nackte Landschaft, und ein wahrer Feuerbrand zieht am Himmel hinter der fernen Pyramide auf.

Maria erscheint wieder; sie nimmt Jesus bei der Hand und lässt ihn von seiner Strohmatte aufstehen. Das Kind gehorcht ohne Widerstand, während die Mutter das Spielzeug und die Matte zusammenrafft und ins Haus trägt. Es trippelt auf seinen wie gedrechselten Beinchen zur kleinen Ziege und wirft ihr die Ärmchen um den Hals. Die Ziege meckert und streift ihr Mäulchen an der Schulter Jesu.

Maria kommt wieder. Jetzt hat sie einen langen Schleier auf dem Haupt und einen Krug in der Hand. Sie nimmt Jesus beim Händchen, und beide gehen um das Häuslein herum auf die Vorderseite.

Ich folge ihnen mit meinen Augen und bewundere die Anmut des Bildes. Die Muttergottes bemisst ihren Schritt nach dem des Kindes, und das Kind trippelt an ihrer Seite. Ich sehe die rosigen Fersen, die mit der den Kinderschritten eigenen Grazie sich erheben und im Sand des Pfades aufsetzen. Es fällt mir auf, dass seine Tunika nicht bis zu den Füssen, sondern nur bis zur Mitte der Waden reicht. Sie ist sehr reinlich, sehr einfach und wird um die Lenden von einer ebenfalls weissen Kordel festgehalten.

Ich sehe, dass vor dem Haus der Zaun von einer einfachen Gartentür unterbrochen wird, die Maria öffnet, um auf den Weg hinauszutreten. Ein armseliger Weg am Rand einer Stadt oder eines Dorfes, was es auch immer sein mag, dort, wo es auf dem sandigen Boden endet; noch ein anderes Häuschen steht hier, arm wie das ihrige, mit einem kleinen Garten. Ich sehe niemanden. Maria schaut zur Ortsmitte hin, nicht zum Land, als ob sie jemanden erwarte; dann geht sie auf eine Quelle oder einen Brunnen zu, der  zehn, zwanzig Meter weit entfernt und von einigen schattigen Palmen umgeben ist. Ich sehe, dass der Boden dort auch grüne Gräser aufweist.

Ich sehe einen Mann des Weges kommen; er ist nicht sehr gross, aber kräftig. Ich erkenne in ihm Joseph. Er lächelt; er ist jünger als zu dem Zeitpunkt, da ich ihn in der Paradiesesvision sah. Er scheint höchstens vierzig Jahre zu zählen. Haut und Barthaare sind dicht und schwarz, die Haut etwas gebräunt, die Augen dunkel. Er hat ein ehrliches und ansprechendes Gesicht und einen Blick, der Vertrauen einflösst. Sobald er Jesus und Maria sieht, beschleunigt er seine Schritte. Auf der linken Schulter trägt er eine Säge und eine Art Hobel, und in der Hand hält er andere Werkzeuge seines Handwerks, die den heutigen ähnlich sind. Es scheint, dass er von einer Arbeit heimkehrt, die er in irgendeinem Haus geleistet hat.

Sein Gewand hat die Farbe zwischen nuss- und haselnussbraun; es ist nicht sehr lang; es endet ein gutes Stück über den Knöcheln, und die Ärmel reichen bis zu den Ellbogen. Um die Lenden trägt er einen Ledergurt, wie mir scheint; ein wahres Arbeitergewand. An den Füssen Sandalen, die um die Knöchel geschnürt sind.

Maria lächelt, das Kind gibt Freudenschreie von sich und streckt das freie Ärmchen aus. Bei der Begegnung der drei beugt sich Joseph über das Kind und gibt ihm eine Frucht, offenbar einen Apfel, nach Farbe und Form zu schliessen. Dann hält er ihm die Arme entgegen, und das Kind verlässt die Mutter und stürzt sich in Josephs Arme, neigt das Köpfchen zum Hals Josephs, küsst ihn und wird von ihm geküsst. Eine Szene voll zärtlicher Anmut.

Ich vergaß zu sagen, dass Maria bereitwillig die Arbeitswerkzeuge Josephs übernommen hat, um ihn für die Umarmung des Kindes frei zu machen.

Joseph erhebt sich wieder; er hatte sich bis zur Höhe Jesu niedergebeugt. Nun nimmt er mit der linken Hand seine Werkzeuge wieder und hält auf dem rechten Arm den kleinen Jesus fest an seine starke Brust. Er nähert sich dem Haus, während Maria zur Quelle geht, um ihren Krug mit Wasser zu füllen. Nachdem er in die Umzäunung des Hauses eingetreten ist, stellt Joseph das Knäblein zu Boden, nimmt den Webstuhl Marias und trägt ihn ins Haus; dann melkt er die Ziege. Und Jesus beobachtet aufmerksam jede Handlung, auch wie die Ziege in ihren kleinen Stall auf einer Seite des Hauses gebracht wird.

Der Abend sinkt hernieder. Ich sehe, wie das Rot des Sonnenuntergangs auf dem Sand in Violett übergeht; die Luft scheint vor Wärme zu zittern, und die Pyramide wird dunkler.

Joseph geht in das Haus, in ein Zimmer, das zugleich Werkstatt, Küche und Esszimmer ist. Es scheint, dass das andere Zimmer als Schlafraum dient. Aber dort sehe ich nicht hinein. Hier ist eine niedrige brennende Feuerstelle, dort eine Hobelbank, ein kleiner Tisch, ein Schemel, ein Gestell mit Geschirr und zwei Öllampen. In einem Winkel steht der Webstuhl.

Es herrscht sehr gute Ordnung und Reinlichkeit. Eine arme, aber äusserst saubere Wohnung.

Folgende Beobachtung mache ich immer wieder: Bei allen Visionen, die das menschliche Leben Jesu betreffen, habe ich bemerkt, dass sowohl Jesus als auch Maria, Joseph und ebenso Johannes immer ordentlich und reinlich sind in ihren Kleidern und in der Haarpflege. Bescheidene Gewänder und einfache Frisur, aber eine Reinlichkeit, die sie vornehm erscheinen lässt.

Maria kommt mit ihrem Krug zurück, und die Tür wird von der plötzlich hereinbrechenden Dämmerung geschlossen. Der Raum wird von einer Lampe erhellt, die Joseph angezündet und auf eine Bank gestellt hat. Dort hat er wieder begonnen, an kleinen Holzstücken zu basteln, während Maria das Abendbrot bereitet. Auch das Feuer erhellt den Raum.

Die Händchen auf die Bank gestützt und das Köpfchen nach oben gerichtet, beobachtet Jesus, was Joseph tut. Dann setzen sie sich nach einem Gebet zu Tisch. Sie machen natürlich nicht das Kreuzzeichen, aber sie beten. Joseph betet vor, und Maria antwortet. Ich verstehe nichts. Es muss ein Psalm sein. Aber es ist eine Sprache, die mir völlig unbekannt ist.

Dann setzen sie sich an den Tisch, auf dem jetzt die Lampe steht. Maria hat Jesus auf dem Schoß und gibt ihm Ziegenmilch zu trinken, in welche sie Brotstückchen eintunkt, die sie von runden Brotscheiben abgebrochen hat. Die Kruste des Brotes ist dunkel, aber auch die Krume. Das Brot ist aus Roggen- oder Gerstenmehl hergestellt, jedenfalls enthält es viel Kleie und ist grau. Dann setzt Maria Jesus neben sich auf ein Sesselchen und bringt gekochtes Gemüse auf den Tisch; es scheint mir gekocht und angemacht zu sein, wie wir es zu tun pflegen. Nachdem Joseph sich bedient hat, isst auch Maria davon. Jesus knabbert ruhig an seinem Apfel und lächelt, wobei seine weissen Zähnchen sichtbar werden. Die Mahlzeit endet mit Oliven oder Datteln; ich bin mir nicht sicher; für Oliven sind sie zu hell und für Datteln zu hart; Wein fehlt. Ein Nachtmahl armer Leute. Aber der Raum strahlt einen grossen Frieden aus; der Anblick eines prunkvollen Königspalastes könnte mir keinen so tiefen Eindruck vermitteln. Und welch eine Harmonie!

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band I von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Schöne Weihnachten,

24/12/2010

liebe Leser und Leserinnen, wir hoffen, Ihr seid alle wohlbehalten dort angekommen, wo ihr die Feiertage verbringen möchtet.

Den Valtorta-Auszug zur Geburt unseres Herrn hatten wir ja bereits letztes Jahr wiedergegeben, HIER findet ihr ihn.

Fra Angelico


Die Geburt Jesu, unseres Herrn

23/12/2009

 

Fra Angelico - Madonna der Demut

Joseph wirft sich neben dem Feuer auf die Knie, um nicht wieder dem Schlaf zu verfallen, und betet. Er betet mit den Händen vor dem Gesicht. Bisweilen entfernt er sie, um das Feuer zu schüren; dann kehrt er wieder zu seinem inständigen Gebet zurück. Abgesehen von dem Geräusch der Holzstücke, die im Feuer prasseln, und dem des Esels, der dann und wann mit einem Huf auf den Boden schlägt, hört man nichts.

Ein feiner Mondstrahl dringt durch einen Spalt in der Decke und scheint wie eine körperlose, silberne Klinge Maria zu suchen. Sie wird mit dem Höhersteigen des Mondes immer größer, so dass sie schließlich das Haupt der Betenden erreicht und es mit einem strahlenden Glanz umgibt.

Maria hebt das Haupt, wie einer himmlischen Stimme folgend, und wirft sich von neuem auf die Knie. Oh! Wie schön ist sie jetzt! Ihr Haupt scheint im weißen Licht des Mondes zu strahlen, und ein übernatürliches Lächeln verklärt sie. Was sieht sie? Was hört sie? Was empfindet sie? Nur sie allein könnte sagen, was sie sieht, hört und empfindet in der leuchtenden Stunde ihrer Mutterschaft. Ich sehe nur, daß um sie herum das Licht stärker und immer stärker wird. Es scheint vom Himmel zu kommen; es scheint von den ärmlichen Dingen rings um sie herum auszugehen; es scheint vor allem, daß sie selbst es ist, die es ausstrahlt.

Ihr dunkelblaues Gewand erscheint jetzt im milden Himmelsblau des Vergißmeinnichts. Die Hände und das Gesicht werden bläulich, wie unter dem Licht eines riesigen, bleichglühenden Saphirs. Diese Farbe erinnert mich, auch wenn sie zarter ist, an jene, die ich in den Visionen des heiligen Paradieses und auch bei der Ankunft der Weisen gesehen habe. Immer mehr breitet sie sich aus über die Gegenstände und Kleider und läutert sie und gibt ihnen ihren Glanz.

Immer mehr strömt dieses Licht vom Körper Marias aus. Es scheint, daß sie alles Licht anzieht, das vom Himmel kommt. Nunmehr ist sie selbst die Verwalterin des „Lichtes“, sie, die dieses Licht der Welt geben soll. Es ist das beseligende, unbezwingbare, unermessliche, ewige, göttliche Licht, das jetzt gegeben wird und das sich ankündet durch eine Morgendämmerung, einen Morgenstern, einen Chor von Lichtatomen, die anwachsen, wachsen wie eine Meeresflut, die steigen, aufsteigen wie Weihrauch, die herniederfallen wie ein Strom und sich ausbreiten wie ein Schleier…

Die Decke voller Risse, Spinngewebe, hervorspringender Trümmer, die in der Schwebe hängen wie ein statisches Wunder, rauchgeschwärzt und abstoßend, erscheint nun wie das Gewölbe eines königlichen Saals. Jeder Stein wirkt wie ein silberner Block, jeder Riß wie das Schimmern eines Opals, jedes Spinngewebe wie ein kostbarer Baldachin, durchwirkt mit Silber und Diamanten. Eine große Eidechse, die sich zwischen zwei Felsstücken im Winterschlaf befindet, scheint ein Smaragd zu sein, der dort von einer Königin vergessen wurde, und eine Traube von schlafenden Fledermäusen sieht aus wie ein kostbarer Leuchter von Onyx. Das Heu, das von der höheren Krippe herunterhängt, ist kein Gras mehr: Es sind Fäden aus reinem Silber, die in der Luft mit der Anmut aufgelöster Haare zittern.

Die darunterliegende Krippe in ihrem groben Holz ist ein Block von gebräuntem Silber geworden. Die Wände sind bedeckt mit einem Brokat, in dem der Glanz der weißen Seide unter den perlfarbigen Verzierungen verschwindet. Und der Boden? … Was ist aus dem Boden geworden? Ein von weißem Licht erhellter Kristall. Die Buckel sind wie Lichtrosen, die als Ehrenbezeigung auf den Boden gestreut wurden, und die Löcher wie kostbare Kelche, aus denen Wohlgerüche aufsteigen.

Das Licht wird stärker und stärker. Es wird für das Auge unerträglich. In ihm verschwindet, wie von einem weißglühenden Lichtschleier verhüllt, die Jungfrau… und kommt aus ihm hervor als die Mutter.

Ja, als das Licht für meine Augen wieder erträglich wird, sehe ich Maria mit ihrem neugeborenen Sohn auf den Armen. Ein Kindlein, rosig und mollig, das sich bewegt und mit seinen Händchen – gross wie Rosenknospen – herumfuchtelt und mit seinen Füßlein zappelt, die im Herzen einer Rose Platz hätten. Es wimmert mit einem zitternden Stimmlein, gerade wie ein eben geborenes Lämmlein, und zeigt beim Öffnen des Mündleins, das klein wie eine Walderdbeere ist, ein gegen den Gaumen zitterndes Zünglein. Ein Kindlein, das sein Köpfchen bewegt, das die Mutter in ihrer hohlen Hand hält, während sie ihr Kindlein betrachtet und anbetet, weinend und freudig zugleich. Sie neigt sich, um es zu küssen, nicht auf das unschuldige Haupt, sondern tiefer, mitten auf die Brust, dort, wo das Herzchen schlägt… ja, für uns schlägt… dort, wo eines Tages die Wunde sein wird. Sie heilt sie schon im voraus, die Wunde; sie, die Mutter, mit ihrem unbefleckten Kuß.

Der vom Lichtglanz geweckte Ochse erhebt sich mit großem Lärm der Hufe und mit einem lauten Muhen. Der Esel wendet seinen Kopf und schreit sein „Iah!“. Das Licht, das sie verwundert, hat sie geweckt; aber ich denke lieber, daß sie ihren Schöpfer haben grüßen wollen, in ihrem Namen und in dem aller Tiere.

Auszug aus “Der Gottmensch″, Band I von Maria Valtorta, mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören.