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Gebet zum Gekreuzigten

18/04/2014

MeisterMarienlebens_Kreuzigung_Crucifixion_Christus_Kreuz_Maria_Magdalena_Johannes_Hnf412_g Siehe, o gütigster und süßester Jesus! Vor deinem Angesicht werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre dich mit der heissesten Inbrunst meiner Seele: durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden mit dem unerschütterlichen Willen, mich zu bessern, da ich jetzt mit inniger Rührung und tiefstem Schmerz meiner Seele deine fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was von dir, o guter Jesus, der Prophet David geweissagt hat: „Sie haben meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle meine Gebeine gezählt.“

„Selig, selig, selig die, welche wahrhaftig an Mich zu glauben wissen. Immerdar.“

15/09/2012

zum Evangelium vom 16. September 2012: Mk 8,27-35

28. September [1943]

Jesus sagt:

„Ein Beispiel begrenzten Glaubens und der Folgen davon haben wir in Petrus.

Petrus hatte in der Schwerfälligkeit seines Seins Mein Wort noch nicht vollständig angenommen. Das Feuer des Heiligen Geistes hatte ihn noch nicht entzündet und Meine Hinopferung ihn noch nicht gestärkt, wie das mit ihm und mit allen geschehen sollte – Ich liebte ihn nämlich sehr, Meinen großzügigen, impulsiven, aber auch so menschlichen Petrus, in dem so viele gute Anlagen, aber auch so viel Menschliches war: ein wahres Muster des menschlich guten Menschen, der um heilig zu werden, seine Güte in die göttliche Güte einzupfropfen hatte. Gerade seine große Liebe zu Mir – und diese hat ihn schließlich von jeder Schuld reingewaschen – führte ihn dazu, jene Mir aufgesparten blutigen Wahrheiten, die Ich angekündigt hatte, zurückzuweisen.

„Herr, das sei ferne von dir“, hatte er einmal gesagt. Und wenn er es auch nach Meinem Tadel nicht mehr wiederholte, in seinem Herzensgrund lehnte er sich gegen die Vorstellung auf, dass seinem Herrn ein so grausames Los beschieden sein sollte und dass das Reich seines Königs den Gipfel eines Berges als Palast und ein Kreuz als Thron haben sollte.

Johannes, der reine und liebende Gläubige blieb treu. Petrus, der nur jene Wahrheiten der göttlichen Wahrheit annehmen wollte, die seinen noch allzu sehr mit dem Fleisch verquickten Geist begeisterten, verleugnete Mich. Seine Schuld in jener Stunde war mangelnde Tapferkeit und fehlender Glaube.

Wenn er ganz treu an Mich geglaubt hätte, hätte er verstanden, dass sein Meister niemals so sehr König, Meister und Herr war, wie in jener Stunde, in der er ein gewöhnlicher Verbrecher zu sein schien.

Ich habe also den Höhepunkt des Lehrens dadurch erreicht, dass Ich nicht eine Theorie lehrte, sondern diese zu einer echten Tat machte. 

Da habe Ich die Herrschaft über alle, die vor Mir waren, die waren und die noch sein würden, angetreten, und habe Mich in Purpur und Krone gekleidet, wie Ich glänzendere nicht hätte annehmen können, denn ersterer bestand aus Gottes eigenem Blut und letztere war das Zeugnis dafür, mit welcher Kraft Gott euch liebte, Gott, der den Martertod stirbt, um den Menschen die ewigen Martyrien zu ersparen.

Da habe Ich voll und ganz Meine Investitur als Herr des Himmels und der Erde wieder an Mich genommen, denn nur der Herr des Himmels konnte dem Herrn und Gott Genugtuung leisten, und nur der Herr der Erde konnte die Schuld der Erde tilgen; als Herr über Leben und Tod, denn Ich habe dem Leben geboten, in euch zurückzukehren und dem Tod, nicht mehr umzubringen. Ich spreche von dem geistigen Leben und dem geistigen Tod, denn in Meinen Augen hat nur das, was Geist ist, Wert. 

Selig, selig, selig die, welche wahrhaftig an Mich zu glauben wissen. Immerdar. Was auch immer geschehe, und in welchem Licht es sich zeige. Auch wenn etwas sich wie eine rauhe, schwarze Mauer vor euch auftürmt, um eure Seele zu ängstigen, dann denkt immer, dass hinter diesem kurzfristigen Hindernis immer unwandelbar Gott, Sein Licht, Seine Wahrheit stehen, die unwandelbar zu eurem Heil wirken.

Haltet das mit eurem ganzen Herzen und eurem ganzen Sinn fest, dann versteht ihr als Meine wahren Jünger zu handeln. Und wenn ihr so handelt, werdet ihr die göttliche Wahrheit besitzen. Und die göttliche Wahrheit, die als Leben im Mittelpunkt eures Daseins steht, wird euch in das ewige Leben führen.“

Auszug aus “Die Hefte 1943″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

„Weiche von Mir…!“

Die Verklärung Jesu auf dem Tabor

03/03/2012

Hier geht es zur Valtorta-Vision zum zweiten Fastensonntag 2012: Markus 9,2-10

Vatikan will Weltregierung

26/10/2011

Der Päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden fordert in einem kürzlich erschienenen Dokument die Einrichtung einer „globalen Zentralbank“ als ersten Schritt in Richtung einer „politischen Weltautorität“, um Finanz- und Wirtschaftspolitik humaner und gerechter zu gestalten. Das Dokument nennt die UN als möglichen Bezugspunkt für eine solche Einrichtung.

Diese Idee ist keineswegs neu im Vatikan, die Vatikan-II-Päpste Johannes XXIII und Paul VI haben schon in den 60er-Jahren ähnliches formuliert.

Passend dazu liest sich eine Veröffentlichung des Internationalen Währungsfonds (IWF), erschienen im April 2010. Darin wird ebenfalls die Möglichkeit einer globalen Zentralbank erörtert, sowie die Einführung einer Weltwährung. Voraussetzung für die breite Akzeptanz einer solchen Universalwährung sei eine erhebliche finanzielle Instabilität, was sich angesichts der sich verschärfenden Eurokrise und wachsender Unzufriedenheit in vielen Ländern mit der wirtschaftlichen und politischen Lage ja bereits konkret abzeichnet.

Es ist also nicht so abwegig, dass sich die globalisierte, hochgradig vernetzte und überwachte Welt früher oder später tatsächlich in einer „WU“, einer Weltunion wiederfinden wird.

Was einem zu denken gibt, ist zum einen, dass der Vatikan, Institution der Kirche Christi, die in der Welt, aber nicht von der Welt ist bzw. sein sollte (Joh 17,16), mit solchen Forderungen den rein weltlich gesinnten Institutionen quasi nach dem Mund redet.

Zum anderen fühlt man sich bei derartigen Zukunftsskizzen einer Weltregierung an Szenarien aus der Johannesoffenbarung erinnert, die die Herrschaft des Antichristen beschreiben:

„Das Tier öffnete sein Maul, um Gott und seinen Namen zu lästern, seine Wohnung und alle, die im Himmel wohnen. Und es wurde ihm erlaubt, mit den Heiligen zu kämpfen und sie zu besiegen. Es wurde ihm auch Macht gegeben über alle Stämme, Völker, Sprachen und Nationen. Alle Bewohner der Erde fallen nieder vor ihm: alle, deren Name nicht seit der Erschaffung der Welt eingetragen ist ins Lebensbuch des Lammes, das geschlachtet wurde. Wenn einer Ohren hat, so höre er.“ (Offb 13, 6-9)

Und weiter heißt es:

„Wer zur Gefangenschaft bestimmt ist, geht in die Gefangenschaft. Wer mit dem Schwert getötet werden soll, wird mit dem Schwert getötet. Hier muss sich die Standhaftigkeit und die Glaubenstreue der Heiligen bewähren.“

(Offb 13, 10)

Unsere Standhaftigkeit und Glaubenstreue müssen sich immer bewähren, in den zahlreichen Versuchungen, denen ein jeder von uns im Laufe seines Lebens ausgesetzt ist. Besonders aber auch jetzt, wo wir vielleicht am Vorabend großer gesellschaftlicher Umwälzungen stehen. Hoffen und beten wir, dass die Hirten der Kirche das auch erkennen und entsprechend handeln mögen.

Wer ist der Antichrist?

Apokalypse und Antichrist

Wir sind unnütze Knechte

03/10/2010
zum Sonntagsevangelium vom 3. Oktober 2010: Lukas 17,5-10

„… Hört. In Wahrheit sage ich euch: Niemand darf sich rühmen, daß er seine Pflicht erfüllt, und dafür eine besondere Gunst verlangen.

Judas hat daran erinnert, daß ihr mir alles gegeben habt, und daß ich deshalb die Pflicht habe, euch zufriedenzustellen. Aber hört. Unter euch sind Fischer und Grundbesitzer; mehr als einer von euch hat eine Werkstatt, und der Zelote hatte seinen Diener. Nun gut. Wenn die Schiffsjungen oder die Männer, die euch im Olivenhain, im Weinberg, auf den Feldern, in den Werkstätten oder einfach als treue Diener im Haus und bei Tisch geholfen haben, ihre Arbeit beendet hatten, seid ihr dann vielleicht hingegangen, sie zu bedienen?

Ist es nicht so in allen Häusern und bei allen Aufgaben? Wer sagt zu seinem Knecht, der die Schafe hütet, den Acker pflügt oder in der Werkstatt beschäftigt ist, nach getaner Arbeit: ‚Setz dich sofort zu Tisch‘? Niemand. Wenn er vom Feld zurückkommt oder nach der Arbeit sein Werkzeug niedergelegt hat, dann sagt jeder Hausherr: ‚Bereite mir das Essen, reinige dich und bediene mich mit reinem Gewand und umgegürteten Lenden, während ich esse und trinke. Nachher wirst du essen und trinken.‘

Man kann dies nicht als Hartherzigkeit bezeichnen, denn der Diener muß dem Herrn dienen; und der Herr ist ihm nicht verpflichtet, denn der Knecht hat das getan, was der Herr ihm am Morgen aufgetragen hatte. Wenn es auch wahr ist, daß der Hausherr verpflichtet ist, mit seinem Knecht menschlich umzugehen, so hat der Knecht doch die Pflicht, nicht arbeitsscheu und anspruchsvoll zu sein, sondern zum Wohl des Herrn mitzuarbeiten, der ihn kleidet und ihm zu essen gibt. Würdet ihr es ertragen, wenn eure Schiffsjungen, eure Bauern, Arbeiter oder Hausknechte euch sagen würden: ‚Bediene mich jetzt, da ich für dich gearbeitet habe‘? Ich glaube nicht.

So auch ihr. Im Hinblick auf das, was ihr getan habt und in Zukunft tun werdet, um mein Werk fortzusetzen und weiterhin eurem Meister zu dienen, müßt ihr immer sagen – denn ihr werdet auch sehen, daß ihr immer weniger getan habt, als recht gewesen wäre, um euch für all das Gute, das ihr von Gott empfangen habt, dankbar zu erweisen: ‚Wir sind unnütze Knechte, denn wir haben nicht mehr getan, als unsere Pflicht.‘ Wenn ihr so denkt, werdet ihr sehen, daß weder Anmaßung noch Mißmut in euch aufkommen, und ihr werdet gerecht handeln.“

Luca Signorelli

Jesus schweigt. Alle denken über das Gesagte nach. Petrus stößt Johannes mit dem Ellbogen an, der nachdenklich seine himmelblauen Augen auf das Wasser geheftet hat, das im Mondschein von Dunkelblau in Silberblau übergeht, und fragt: „Frage ihn, wann einer mehr als seine Pflicht tut. Ich möchte so weit kommen, daß ich mehr tue, als meine Pflicht ist…“

„Auch ich, Simon. Ich habe gerade daran gedacht“, antwortet Johannes mit einem lieblichen Lächeln auf den Lippen und fragt ganz klar: „Meister, sage mir: Ist es dem Menschen, deinem Knecht, nie gegeben, mehr zu tun, als seine Pflicht ist, um dir dadurch zu beweisen, daß er dich wirklich sehr liebt?“

„Kind, Gott hat dir so viel gegeben, daß nach dem Maß der Gerechtigkeit all dein Heroismus immer noch wenig wäre. Aber der Herr ist so gut, daß er das, was ihr ihm gebt, nicht mit seinem unendlichen Maß mißt. Er mißt es mit dem begrenzten Maß der menschlichen Fähigkeiten. Und wenn er sieht, daß ihr rückhaltslos großzügig, in vollem, überströmendem Maß gegeben habt, dann sagt er: ‚Dieser mein Knecht hat mir mehr gegeben, als es seine Pflicht war, daher werde ich ihm auch einen übernatürlichen Lohn geben.‘ „

„Oh! Wie glücklich ich bin! Ich will dir in überströmendem Maß geben, um dieses überreichlichen Lohnes teilhaft zu werden!“ ruft Petrus aus.

„Ja, du wirst es mir geben. Ihr werdet es mir geben. Alle die, die Wahrheit und das Licht lieben, werden es mir geben, und mit mir übernatürlich glücklich sein.“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band VII von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR),www.mariavaltorta.com,dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch


6. August: Fest der Verklärung des Herrn

05/08/2010
(zum Evangelium nach Lukas 9,28-36)

Nach einer kurzen Rast im Schatten einer Baumgruppe, sicher wegen Petrus, den der Aufstieg sichtlich ermüdet hat, beginnt Jesus weiter aufzusteigen. Er geht fast bis zum Gipfel, dorthin, wo sich ein mit Gras bewachsenes Plateau befindet, das im Halbkreis von einigen Bäumen begrenzt wird.

„Ruht euch aus, Freunde. Ich will dorthin gehen, um zu beten“, sagt Jesus indem er auf einen großen Felsblock zeigt, der nicht gegen den Abhang, sondern nach innen, dem Gipfel zu, emporragt.

Jesus kniet auf der Wiese nieder und lehnt Hände und Haupt an den Felsblock, dieselbe Haltung, die er später beim Gebet in Gethsemane einnehmen wird. Die Sonne bescheint ihn nicht, da der Gipfel ihn vor ihr schützt, doch der übrige Rasenplatz ist sehr sonnig, außer dem schattigen Rand mit den Bäumen, unter welchen sich die Apostel niedergelassen haben.

Petrus löst seine Sandalen, schüttelt Staub und Steinchen ab und bleibt barfuß, mit seinen müden Füßen im frischen Gras, halb ausgestreckt liegen, wobei er den Kopf auf einem Büschel ruhen lässt, das etwas höher aus dem Gras ragt und eine Art Polster bildet.

Jakobus tut es ihm nach. Doch, um es sich bequemer zu machen, sucht er nach einem Baumstumpf, auf den er seinen Mantel legt, um sich darauf zu stützen.

Johannes bleibt sitzen und beobachtet den Meister. Aber die Ruhe des Ortes, das frische Lüftchen, die Stille und die Müdigkeit überwältigen auch ihn, und sein Kopf sinkt auf die Brust und seine Augen fallen zu. Keiner von den dreien schläft tief, sie sind nur von der sommerlichen Schläfrigkeit wie betäubt.

Doch plötzlich werden sie durch eine Lichtfülle geweckt, die so lebendig erstrahlt, daß selbst die Sonne in ihr entschwindet; sie dringt bis zum Grün der Bäume und Sträucher, so sie sich niedergelassen haben.

Erstaunt öffnen sie ihre Augen und sehen Jesus verklärt. Jesus ist genau so, wie ich ihn in den Visionen des Paradieses schaue, natürlich ohne die Wundmale und ohne das Siegeszeichen des Kreuzes. Aber die Majestät seines Antlitzes und seiner Gestalt ist dieselbe, er strahlt wie im Himmel und trägt dasselbe Gewand wie dort, das sich aus einem dunkelroten in ein diamantenes, perlglänzendes immaterielles Gewebe verwandelt hat. Sein Antlitz ist eine Sonne, die stärker leuchtet als Sterne, und seine Augen strahlen wie Saphire. Er scheint noch stattlicher zu sein, als habe die Verklärung seine Gestalt anwachsen lassen. Ich kann nicht sagen, ob die Lichtfülle, die den ganzen Platz in phosphoreszierendes Licht taucht, ihm entströmt, oder ob sich sein eigenes Licht mit dem vermischt, das sich vom All und vom Paradies auf seinen Herrn ausgießt. Ich weiss nur, dass es etwas Unbeschreibliches ist.

Jesus steht jetzt aufrecht da, vielmehr, er schwebt über der Erde, denn zwischen ihm und dem Grün des Bodens ist eine Lichtwolke, ein Zwischenraum aus lauter Licht, auf dem er zu stehen scheint. Doch ist es so lebendig, daß ich mich auch täuschen könnte, und das Verschwinden des Grüns unter den Füßen Jesu könnte auch hervorgerufen sein durch dieses intensive Licht, das vibriert und wogt, wie man es oft bei großen Feuern sieht, blendend weiße Wogen. Jesus steht da, mit zum Himmel erhobenem Antlitz, und lächelt einer Vision zu, die ihn verzückt.

Die Apostel geraten beinahe in Angst und rufen ihm zu, denn er scheint nicht mehr ihr Meister zu sein, so erhaben verklärt und verwandelt ist er.

„Meister, Meister“, rufen sie leise und ängstlich.

Doch er hört sie nicht.

„Er ist in Ekstase“, sagt Petrus zitternd. „Was sieht er wohl?“

Die drei haben sich erhoben und möchten sich Jesus nähern, aber sie wagen es nicht.

Das Licht wird noch stärker durch zwei Flammen, die vom Himmel zu beiden Seiten Jesu herabkommen. Auf der Höhe der Ebene öffnet sich ihr Schleier, und es erscheinen zwei majestätische, strahlende Gestalten. Die eine ist älter, mit einem strengen, ernsten Blick und einem langen zweigeteilten Bart. Von seiner Stirne gehen zwei Lichthörner aus, die ihn mir als Moses anzeigen. Die andere Gestalt ist hager, bärtig und behaart, ungefähr wie der Täufer, dem er in Gestalt, Magerkeit und Strenge des Blickes ähnlich sieht. Während das Licht von Moses weiß ist, wie das von Jesus, besonders die Strahlen, die von der Stirn ausgehen, ist das Licht, das Elias ausströmt, sonnig, wie das einer lebendigen Flamme.

Die beiden Propheten stehen voller Ehrfurcht zu beiden Seiten ihres fleischgewordenen Gottes, und obwohl er in familiärem Ton mit ihnen spricht, verharren sie in ihrer ehrfurchtsvollen Haltung. Ich verstehe keines der gesprochenen Worte.

Die drei Apostel fallen zitternd auf die Knie und halten die Hände vors Gesicht. Sie möchten hinschauen, aber sie fürchten sich. Endlich sagt Petrus: „Meister, Meister, höre mich an!“ Jesus wendet sich Petrus zu und lächelt, so daß dieser Mut faßt und sagt: „Es ist schön, mit dir, Moses und Elias hier zu sein. Wenn du willst machen wir drei Zelte, für dich, für Moses und für Elias, und bleiben hier, um euch zu dienen…“

Jesus schaut ihn abermals an und lächelt noch ausdrücklicher. Dann schaut er auch Johannes und Jakobus an. Ein Blick, der die beiden mit Liebe umfängt! Auch Moses und Elias schauen die drei an und ihre Augen leuchten wie Blitze. Es müssen Strahlen sein, welche die Herzen durchdringen.

Die Apostel wagen kein Wort mehr zu sagen. Verängstigt schweigen sie und scheinen vor Verwunderung wie betäubt zu sein. Doch als ein Schleier, der weder ein Nebel, noch eine Wolke und auch kein Strahl ist, die drei Verklärten einhüllt und hinter einem noch helleren Lichtschirm verbirgt, und eine mächtige, wohlklingende Stimme die Luft erfüllt, fallen die drei zu Boden und verbergen das Antlitz im Gras.

„Das ist mein vielgeliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe. Auf ihn sollt ihr hören!“

Petrus hat, als er sich mit dem Gesicht voran zu Boden geworfen hat, ausgerufen: „Erbarmen mit mir Sünder! Die Herrlichkeit Gottes steigt herab!“ Jakobus gibt keinen Lauf von sich. Johannes flüstert mit einem Seufzer, als wäre er nahe dran, ohnmächtig zu werden: „Der Herr spricht!“

Keiner wagt seinen Kopf zu heben, selbst als es ganz still ist, und sie bemerken daher nicht, wie das natürliche Sonnenlicht zurückkehrt, in welchem Jesus in seinem roten Gewand wieder wie gewohnt erscheint. Lächelnd schreitet er auf sie zu, berührt und schüttelt sie und ruft sie beim Namen.

„Steht auf, ich bin es. Fürchtet euch nicht“, sagt er, denn die drei wagen nicht, ihre Augen zu erheben und flehen um Barmherzigkeit für ihre Sünden, da sie fürchten, daß es der Engel des Herrn ist, der sie dem Allerhöchsten zeigen will.

„So erhebt euch doch. Ich gebiete es euch“, wiederholt Jesus mit machtvoller Stimme. Sie schauen auf und sehen Jesus, der ihnen zulächelt.

„Oh, Meister, mein Gott!“ ruft Petrus aus. „Wie wird es uns noch möglich sein, fortan an deiner Seite zu leben, da wir deine Herrlichkeit geschaut haben? Wie werden wir unter den Menschen leben können, wir sündigen Menschen, nun, da wir die Stimme Gottes gehört haben?“

„Ihr werdet an meiner Seite leben müssen und meine Herrlichkeit schauen bis zum Ende. Seid dessen würdig, denn die Zeit ist nahe. Gehorcht meinem Vater und eurem Vater. Nun wollen wir zu den Menschen zurückkehren, denn ich bin gekommen, um unter ihnen zu sein und sie Gott zuzuführen. Laßt uns gehen. Seid im Gedenken an diese Stunde heilig, stark und treu. Ihr werdet einst teilhaben an meiner vollkommenen Herrlichkeit. Aber sprecht jetzt mit niemandem über das, was ihr gesehen habt. Auch nicht mit den Gefährten. Wenn der Menschensohn einst von den Toten auferstanden und in die Herrlichkeit des Vaters zurückgekehrt sein wird, dann werdet ihr sprechen, denn dann wird man, um an meinem Reich teilzuhaben, glauben müssen.“

Auszug aus “Der Gottmensch″ (Band VI) von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Das Brot, das Gott ist und der Wein, der Blut ist“

16/05/2010

(zum Sonntags-Evangelium vom 16. Mai 2010: Joh 17,20-26)

„Nun glaubt ihr? In der letzten Stunde? Seit drei Jahren spreche ich zu euch! Aber in euch wirkt schon das Brot, das Gott ist und der Wein, der Blut ist und nicht vom Menschen stammt. Sie verleihen euch den ersten Schauer der Vergöttlichung. Wenn ihr ausdauernd in meiner Liebe seid und mich immer besitzt, werdet ihr zu Göttern.

Nicht wie Satan es Adam und Eva versprach, sondern wie ich es euch sage. Es ist dies die wahre Frucht vom Baum des Guten und des Lebens. Das Böse ist besiegt in dem, der sich davon nährt und der Tod ist überwunden. Wer davon ißt, wird ewig leben und „Gott“ im Reich Gottes werden. Ihr werdet Götter sein, wenn ihr in mir bleibt. Und doch… obwohl ihr dieses Brot und dieses Blut in euch habt – denn die Stunde naht, da ihr zerstreut werdet – werdet ihr eures Weges gehen und mich alleinlassen…

Aber ich bin nicht allein. Ich habe den Vater bei mir. Vater! Vater! Verlaß mich nicht! Ich habe euch alles gesagt… Um euch den Frieden zu geben. Meinen Frieden. Noch werdet ihr betrübt sein. Doch glaubt mir. Ich habe die Welt überwunden.“

Jesus erhebt sich, öffnet weit die Arme und spricht mit leuchtendem Antlitz das erhabene, an den Vater gerichtete Gebet. Johannes gibt es uns wortwörtlich wieder.

Rio de Janeiro - Foto: Welch14

Die Apostel weinen mehr oder weniger laut und offen. Zuletzt singen sie ein Loblied.

Jesus segnet sie. Dann gebietet er: „Wir wollen jetzt die Mäntel anlegen und gehen. Andreas, sage dem Hausherrn, daß er alles so lassen soll. Das ist mein Wille. Morgen… werdet ihr euch freuen, diesen Ort wiederzusehen.“  Jesus betrachtet ihn. Er scheint die Wände, die Möbel, alles zu segnen. Dann hüllt er sich in seinen Mantel und geht, gefolgt von den Aposteln und Johannes an seiner Seite, auf den er sich stützt.

„Grüßt du deine Mutter nicht?“ fragt ihn der Sohn des Zebedäus.

„Nein. Es ist schon alles geschehen. Macht keinen Lärm.“

Simon, der eine Fackel an der Lampe entzündet hat, leuchtet voran im weiten Korridor, der zur Tür führt. Petrus öffnet vorsichtig das Haustor. Sie gehen auf die Straße hinaus und riegeln durch eine Vorrichtung von außen zu. Dann machen sie sich auf den Weg.

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. XI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Das Hohepriesterliche Gebet Jesu (Johannes 17,1-26):

Dies sagte Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.

Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.

Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt. Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.

Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.Aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.

Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt.

Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.

„Die Heilige Messe wiederholt die drei wichtigsten Punkte Meines Lebens“

„Simon des Jonas, liebst du mich?“

17/04/2010

(zum Sonntags-Evangelium vom 18. April 2010: Joh 21,1-19)


„Ihr dort im Boot, habt ihr nichts zu essen?“ Die Männerstimme kommt vom Ufer. Eine Stimme, die auffahren läßt.

Sie zucken die Achseln und antworten laut: „Nein!“ Dann sagen sie zueinander: „Man könnte glauben, ihn zu hören…!“

„Werft die Netze auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen.“

Rechts, das bedeutet zur Seemitte hin. Sie werfen etwas verwundert das Netz aus, und bald darauf neigt sich das Boot durch den Zug und das Gewicht des Netzes.

„Aber das ist doch der Herr!“ ruft Johannes.

„Der Herr, sagst du?“ fragt Petrus.

„Hast du noch Zweifel?“ Es schien uns seine Stimme zu sein, aber das hier ist der Beweis. Schau dir das Netz an! Wie damals! Er ist es, sage ich dir! Oh, mein Jesus! Wo bist du?“

Alle bemühen sich, mit ihren Blicken die Nebelschleier zu durchdringen, nachdem sie das Netz gut befestigt haben, um es in Schlepp zu nehmen; denn es ist zu gefährlich, es ins Boot zu ziehen. Und so rudern sie zum Ufer. Doch dann muß Thomas das Ruder des Petrus übernehmen, der rasch und ungestüm seine Tunika über die kurze Hose zieht, die seine einzige Bekleidung war, ebenso wie die aller anderen außer Bartholomäus. Petrus springt in den See, teilt mit kräftigen Armen das stille Wasser, schwimmt dem Boot voraus und setzt als erster den Fuß auf das verlassene Ufer, wo auf zwei Steinen im Schutz eines Dorngestrüpps ein Reisigfeuer flackert. Und dort, neben dem Feuer, steht Jesus und lächelt sanft.

„Herr! Herr!“ Petrus keucht schwer vor Erregung und bringt kein weiteres Wort heraus. Da er von Wasser trieft, wagt er nicht einmal, das Gewand seines Jesus zu berühren. In der nassen Tunika, die ihm am Rücken klebt, wirft er sich anbetend in den Sand.

Das Boot knirscht auf dem Kies und steht still. Alle sind aufgesprungen und ganz aufgeregt vor Freude…

„Bringt die Fische her. Das Feuer ist bereit. Kommt und eßt“, gebietet Jesus.

Petrus eilt zur Barke und hilft, das Netz herauszuziehen. Er nimmt aus dem zappelnden Haufen drei große Fische, schlägt sie an den Bootsrand, um sie zu töten, und weidet sie dann mit seinem Messer aus. Aber seine Hände zittern. Oh, nicht vor Kälte! Er wäscht die Fische, bringt sie zum Feuer, legt sie darauf und gibt auf sie acht, während sie braten. Die anderen beten den Herrn an, in gewisser Entfernung und, wie immer, etwas furchtsam, seit er so göttlich und mächtig auferstanden ist.

„Hier ist Brot. Ihr habt die ganze Nacht gearbeitet und seid müde. Nun werdet ihr euch stärken. Sind die Fische bereit, Petrus?“

„Ja, mein Herr“, sagt Petrus mit einer Stimme, die noch rauher als sonst klingt. Er beugt sich über das Feuer und trocknet sich die Augen, aus denen es tropft, so als müßte er wegen des Rauches weinen, der auch die Kehle reizt. Aber der Rauch ist nicht die Ursache der Tränen und der rauhen Stimme… Er bringt den Fisch, den er auf ein haariges Blatt gelegt hat, anscheinend ein Kürbisblatt, das ihm Andreas gegeben hat, nachdem er es zuvor im See gewaschen hat.

Jesus dankt und segnet, bricht das Brot, zerlegt die Fische und teilt sie in acht Stücke. Er kostet ebenfalls etwas davon. Sie essen mit einer Ehrfurcht, mit der sie ein Ritual vollziehen würden. Jesus sieht ihnen zu und lächelt. Aber auch er schweigt, bis er schließlich fragt: „Wo sind die anderen?“

„Auf dem Berg, wie du gesagt hast. Wir sind fischen gegangen, weil wir kein Geld mehr haben und den Jüngern nicht zur Last fallen wollen…“

„Gut. Aber von jetzt an sollt ihr Apostel auf dem Berg bleiben und beten und durch euer Beispiel die Jünger erbauen. Schickt sie zum Fischfang. Für euch ist es besser, daß ihr dort im Gebet  verharrt und jene anhört, die euren Rat brauchen oder kommen, um euch Nachrichten zu bringen. Haltet die Jünger eng beisammen. Ich werde bald kommen.“

„Wir werden es tun, Herr.“

„Ist Margziam nicht bei dir?“

„Du hast nicht gesagt, daß ich ihn sofort kommen lassen darf.“

„Laß ihn kommen. Sein Gehorsam ist beendet.“

„Ich werde ihn kommen lassen, Herr.“

Schweigen. Dann hebt Jesus, der mit leicht geneigtem Haupt nachdenklich dagestanden ist, den Kopf und richtet seinen Blick auf Petrus. Er schaut ihn an mit dem Blick der Stunden seiner größten Wunder und Macht. Petrus schreckt fast ängstlich zusammen und weicht ein wenig zurück… Aber Jesus legt ihm eine Hand auf die Schulter, hält ihn fest mit energischem Griff und fragt ihn: „Simon des Jonas, liebst du mich?“

„Gewiß, Herr! Du weißt, daß ich dich liebe“, antwortet Petrus mit Nachdruck.

„Weide meine Lämmer… Simon des Jonas, liebst du mich?“

„Ja, mein Herr. Und du weißt, daß ich dich liebe.“ Die Stimme ist nicht mehr so selbstsicher, eher etwas erstaunt über die Wiederholung dieser Frage.

„Weide meine Lämmer… Simon des Jonas, liebst du mich?“

„Herr, Du weißt alles… Du weißt, daß ich dich liebe…“ Die Stimme des Petrus zittert, obwohl er seiner Liebe sicher ist; aber er hat das Gefühl, daß Jesus nicht überzeugt ist.

„Weide meine Schafe. Das dreimalige Bekenntnis deiner Liebe hat deine dreimalige Verleugnung getilgt. Du bist ganz rein, Simon des Jonas, und ich sage dir: Bekleide dich mit dem Gewand des Oberhirten und trage die Heiligkeit des Herrn in meine Herde. Gürte dein Gewand um die Mitte und trage es gegürtet, bis auch du vom Hirten zum Lamm wirst. Wahrlich, ich sage dir, als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet und bist gegangen, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Jetzt aber bin ich es, der dir sagt: ‚Gürte dich und folge mir auf meinem Weg.‘ Steh auf und komm.“

 

A. Carracci: Domine, quo vadis?

Jesus steht auf, und auch Petrus erhebt sich, und sie gehen ans Ufer, während die anderen das Feuer löschen, indem sie es mit Sand ersticken. Aber Johannes folgt Jesus, nachdem er die Brotreste gesammelt hat. Petrus, der die Schritte hört, dreht den Kopf. Er sieht Johannes, zeigt auf ihn und fragt Jesus: „Und was wird mit diesem geschehen?“

„Wenn ich will, daß er bleibt, bis ich wiederkomme, was kümmert dich das? Du, folge mir nach.“

Sie sind am Ufer. Petrus möchte noch sprechen; die Majestät Jesu und die gehörten Worte halten ihn davon ab. Er kniet nieder, ebenso die anderen, und betet an. Jesus segnet sie und entläßt sie. Sie besteigen das Boot und entfernen sich rudernd. Jesus schaut ihnen nach.

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. XII von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch


„Ich bin gekommen, um zu dienen“

17/10/2009
(zum Sonntags-Evangelium vom 18. Oktober 09: Mk 10, 35-45)

 

Während sie sich vom langen Gehen etwas ausruhen und einige etwas Brot essen, nähert sich die Mutter des Jakobus und des Johannes Jesus und wirft sich vor ihm nieder. Jesus hat sich nicht einmal gesetzt und hat es eilig, sich wieder auf den Weg zu machen.

Da sie offensichtlich um etwas bitten will, fragt Jesus sie : « Was willst du, Frau? Sprich. »

« Gewähre mit eine Gnade, bevor du fortgehst, wie du sagst. »

« Und welche? »

« Sage, dass diese meine Söhne, die alles für dich verlassen haben, einer zu deiner Rechten und der andere zu deiner Linken sitzen sollen, wenn du in deiner Herrlichkeit in deinem Reich auf dem Thron sitzen wirst. »

Jesus schaut die Frau und dann die beiden Apostel an und sagt : « Ihr habt eure Mutter auf diesen Gedanken gebracht und also meine Verheissungen von gestern völlig falsch verstanden. Das Hundertfache dessen, was ihr verlassen habt, werdet ihr nicht in einem Reich auf dieser Welt erhalten. Seid nun auch ihr gierig und töricht geworden? Nein, es ist nicht eure Schuld. Die trübe Dämmerung der Finsternis breitet sich schon aus, und die verpestete Luft des nahen Jerusalem verdirbt und blendet euch… Ich sage euch, ihr wisst nicht, um was ihr mich bittet! Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? »

« Wir können es, Herr. »

« Wie könnt ihr dies sagen, da ihr nicht einmal verstanden habt, wie bitter mein Kelch sein wird? Es wird nicht nur die Bitterkeit sein, die ich euch gestern geschildert habe, meine Bitterkeit als Mann aller Schmerzen. Es werden auch Qualen sein, die ihr nicht begreifen könntet, selbst wenn ich sie euch beschreiben würde… Und doch, obwohl ihr noch zwei Kindern gleicht, die nicht wissen, worum sie bitten, so seid ihr doch auch zwei ehrliche und mich liebende Seelen und werdet von meinem Kelch trinken. Aber das Sitzen zu meiner Rechten und zu meiner Linken, das habe nicht ich zu vergeben, sondern es wird denen zuteil werden, denen mein Vater es vorbehalten hat. »

 

Giovanni A. da Lodi: Apostel Petrus u. Johannes

Giovanni A. da Lodi: Apostel Petrus u. Johannes

Während Jesus noch redet, empören sich die anderen Apostel über die Bitte der Söhne des Zebedäus und ihrer Mutter. Petrus sagt zu Johannes : « Auch du! Ich erkenne dich nicht wieder als der, der du immer gewesen bist! »

Und Iskariot sagt mit seinem hämischen Lächeln : »Wahrlich, die Ersten werden die Letzten sein! Welch eine Zeit der Erkenntnisse und der Überraschungen… » und er wird ganz grün vor Hohn.

« Sind wir etwa der Ehren wegen dem Meister gefolgt? » rügt Philippus.

Thomas wendet sich an Maria Salome anstatt an die beiden und sagt : »Warum beschämst du deine Söhne? Wenn sie nicht nachgedacht haben, dann hättest du es tun sollen, um dies zu vermeiden. »

« Das ist wahr. Unsere Mutter hätte nicht so gehandelt », sagt Thaddäus.

Bartholomäus spricht nicht, aber sein Gesicht drückt seine ganze Missbilligung aus.

Simon der Zelote sagt, um die Entrüsteten zu beruhigen : »Alle können wir Fehler machen… »

Matthäus, Andreas und Jakobus des Alphäus schweigen und leiden sichtlich unter dem Vorfall, der auf die schöne Vollkommenheit des Johannes einen Schatten wirft.

Jesus gebietet Schweigen durch eine Geste und sagt : »Sollen nun aus einem Fehler viele werden? Ihr, die ihr entrüstet tadelt, merkt ihr denn nicht, dass ihr selbst sündigt? Lasst eure Brüder in Ruhe. Mein Tadel genügt. Ihre Beschämung ist offensichtlich, und ihre Reue demütig und aufrichtig. Ihr müsst euch gegenseitig lieben und helfen. Denn wahrlich, keiner von euch ist schon vollkommen. Ihr dürft die Welt und die Menschen in ihr nicht nachahmen. Ihr wisst, dass in der Welt die Herrscher der Völker sie unterjochen und die Grossen in ihrem Namen Gewalt an ihnen verüben. Aber bei euch soll es nicht so sein. Ihr sollt nicht danach trachten, die Menschen oder eure Gefährten zu beherrschen. Wer unter euch der Grösste sein will, soll euer Diener sein, und wer unter euch der Erste sein will, soll euer Knecht sein. So wie es euch euer Meister gezeigt hat. Bin ich etwa gekommen, um euch zu unterdrücken und euch zu beherrschen? Oder um mich bedienen zu lassen? Nein. Wahrlich, nein. Ich bin gekommen, um zu dienen. Und so, wie der Menschensohn nicht gekommen ist, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zur Rettung vieler hinzugeben, so sollt auch ihr handeln, wenn ihr sein wollt, wie ich bin und wo ich bin. Nun geht. Und bleibt in Frieden untereinander, wie ich es mit euch bin. »

Jesus sagt mir:

« Ich weise ausdrücklich darauf hin: ‘… ihr werdet von meinem Kelch trinken.’ In den Übersetzungen steht : ‘meinen Kelch‘. Ich habe gesagt: ‘von meinem’, nicht ‘meinen’. Kein Mensch hätte meinen Kelch trinken können. Nur ich, der Erlöser,  musste meinen ganzen Kelch austrinken. Gewiss, meinen Jüngern, denen, die mich nachahmen und lieben, ist es gewährt, von dem Kelch zu trinken, den ich getrunken habe, den Tropfen, den Schluck oder die Schlücke, den die Auserwählung durch Gott ihnen zu trinken gewährt. Aber niemals wird irgend jemand den ganzen Kelch trinken, wie ich ihn getrunken habe. Daher ist es richtig zu sagen: ‘von meinem Kelch’ und nicht ‘meinen Kelch’. » (1)

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(1) Im Aramäischen, der Sprache Jesu, gibt es keinen Unterschied zwischen Dativ und Akkusativ; Jesus kann also sehr wohl ‚von meinem Kelch’ gesagt haben.

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Auszug aus “Der Gottmensch″, Band X  von Maria Valtorta, mit  der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören.