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12. Dezember – Gedenktag Unserer Lieben Frau in Guadelupe

12/12/2009

Der Indianerjunge Cuauhtlatohuac wurde in der Tradition seines Volkes, der Chichimecca erzogen, er gehörte der großen Gruppe der einfachen Indianer an. 1521 besiegte der Spanier Hernán Cortéz die Azteken, die Christianisierung des Landes begann. Schon 1524 wurde Cuauhtlatohuac zusammen mit seiner Frau – möglicherweise vom Franziskaner-Missionar Turribius von Benevent getauft und erhielt den Namen Juan Diego, seine Frau den Namen Maria Lucia. 1529 starb seine Frau.

Juan Diego erfuhr im Dezember 1531 vier Tage lang eine Erscheinung der Maria auf einem Hügel nahe Mexiko-Stadt, auf dem zuvor ein Heiligtum der Azteken-Göttin „Tonantzin“, d. h. „unsere verehrungswürdige Mutter“ gestanden hatte, das von den spanischen Eroberern zerstört worden war: Er sah eine leuchtende Wolke, umrahmt von einem Regenbogen, Harfenklang und Engelsgesang drang an sein Ohr, Wohlgeruch erfüllte seine Nase, vor ihm stand eine schöne, dunkelhäutige Frau, gekleidet wie eine Aztekenprinzessin; „Sag dem Bischof, er soll mir hier eine Kirche bauen, ich bin die Jungfrau Maria“, sagte sie zu ihm in seiner Indianersprache Nahuatl. Bischof Zumarraga bleib bei diesem Bericht skeptisch, verlangte Beweise.

Drei Tage später erschien Maria ein zweites Mal, auf dem schneebedeckten Hügel wuchsen Rosen, Juan Diego sammelte sie und brachte sie in seinem Mantel zum Bischof; als er den Matel öffnete, um dem Bischof die Rosen zu geben, war auf dem Mantelfutter das Gesicht von Maria zu sehen. Der Bischof erkannte darin das Bild der „Jungfrau von Guadelupe“, die in Spanien verehrt wird; nun überzeugt, ließ er die Kirche bauen.

Noch 1531 wurde an dieser Stelle eine Kapelle errichtet und darin ein Gnadenbild aufgestellt, das schnell zum Ziel vieler Pilger wurde. Juan Diego lebte bis zu seinem Tod in dieser Kapelle als Büßer und Beter, auf besondere Erlaubnis seines Bischofs durfte er dreimal wöchentlich die Eucharistie empfangen.  Ab 1695 wurde an der Stelle der Marienerscheinung eine große Basilika erbaut. 1745 erkannte der Vatikan das Wunder an. Kritische Stimmen bezweifeln seit langem die Existenz von Juan Diego und nennen ihn eine Erfindung von Bischof Zumarraga, der damit die Zerstörung des Azteken-Tempels der „Tonantzin“ und den Bau der Kirche im Zuge der Christianisierung legitimieren wollte.

Doch bis heute sind Juan Diego und die Jungfrau von Guadelupe von höchster Bedeutung für die Katholiken in Lateinamerika, Guadelupe ist mit rund 14 Millionen Pilgern jährlich der meistbesuchte römisch-katholische Wallfahrtsort der Welt.


Quelle: Schäfer, Joachim: Ökumenisches Heiligenlexikon, 2008 – www.heiligenlexikon.de