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Schmerz, Gebet und Buße Jesu (6 – letzter Teil)

02/04/2015

Vision Maria Valtortas: Mitte Dezember des Jahres 28 müssen zwei neubekehrte Jünger Jesu in Sicherheit gebracht werden, da das jüdische Synedrium nach einem Hinweis des Judas Iskariot diesen nachstellt. Ein Teil der Apostel begleitet ohne das Wissen des Iskariot die Jünger nach Antiochien. Während Jesus auf die Rückkehr der Apostel wartet, zieht er sich alleine für fast drei Wochen zu Buße und Gebet für seinen verräterischen Apostel in eine Höhle bei Jiphtael, in der Nähe des heutigen Yodfat, zurück.

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Jesus am Boden

„Ich wollte, dass niemand mein Verräter wäre…Niemand!… Nicht einmal der Entfernteste in den nördlichsten eisigen Zonen oder im Feuer der heissesten Gegenden… Ich wollte, dass der Opfernde du allein seist… wie du es schon andere Male gewesen bist, als du mit deinem Feuer die Brandopfer entzündet hast. Da ich jedoch durch Menschenhand sterben muss, durch die Henkershand eines verräterischen Freundes, des Schamlosen, der die Fäulnis Satans in sich hat und schon danach trachtet, mir an Macht gleich zu sein – so denkt er in Hochmut und Unzucht – da ich durch Menschenhand sterben muss; Vater, gewähre, dass nicht er es sei, den ich Freund genannt und als solchen geliebt habe. 

Vermehre, Vater, meine Qualen, aber gib mir die Seele des Judas. Ich lege diese Bitte auf den Altar meiner selbst als Sühneopfer… Vater, nimm sie an!…

Der Himmel ist stumm und verschlossen!… Wird dies also das Schweigen und der Kerker sein, in dem ich meinen Geist aushauchen werde?

Der Himmel ist stumm und verschlossen!… Wird dies also die größte Pein des Märtyrers sein?…

Vater, dein Wille geschehe, nicht mein Wille… Doch um meiner Leiden willen, oh, wenigstens dies! Um meiner Leiden willen gib Frieden und Hoffnung dem anderen Märtyrer des Judas, Johannes von Endor (*)! Mein Vater… er ist wahrlich besser als viele andere. Er ist einen Weg gegangen, den wenige gehen und gehen werden können. Für ihn ist die Erlösung schon vollzogen. Verleihe ihm daher deinen vollkommenen Frieden, damit ich ihn einst bei mir in meiner Herrlichkeit habe, wenn auch für mich alles erfüllt sein wird zu deiner Ehre und im Gehorsam gegen dich… Mein Vater…!“

Jesus ist allmählich auf die Knie gesunken und weint, das Gesicht am Boden.

Er betet, während das Licht des kurzen Wintertages in der dunklen Höhle rasch abnimmt und das Rauschen des Gießbaches scheinbar um so lauter wird, je länger die Schatten im Tal werden…

(*) Anm.: Es handelt sich um einen der beiden gefährdeten neubekehrten Jünger, gegen den der Iskariot das jüdische Synedrium aus Eifersucht aufgehetzt hat.

Auszug aus “Der Gottmensch″, Bd. V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

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Schmerz, Gebet und Buße Jesu (5)

29/03/2015

Vision Maria Valtortas: Mitte Dezember des Jahres 28 müssen zwei neubekehrte Jünger Jesu in Sicherheit gebracht werden, da das jüdische Synedrium nach einem Hinweis des Judas Iskariot diesen nachstellt. Ein Teil der Apostel begleitet ohne das Wissen des Iskariot die Jünger nach Antiochien. Während Jesus auf die Rückkehr der Apostel wartet, zieht er sich alleine für fast drei Wochen zu Buße und Gebet für seinen verräterischen Apostel in eine Höhle bei Jiphtael, in der Nähe des heutigen Yodfat, zurück.

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„Noch nicht zufrieden damit, die abstoßenden und gotteslästerlichen Triebe der Lüge, der Lieblosigkeit, des Blutdurstes, der Geldgier, des Stolzes und der Unzucht in sich herumzutragen, hat er sich mit Satan verbündet; dieser Mensch, der ein Engel hätte werden können, wird zum Dämon… ‚Luzifer wollte gleich Gott sein, und daher wurde er aus dem Paradies vertrieben und wohnt, in einen Dämon verwandelt, in der Hölle.‘

Aber Vater! Oh, mein Vater! Ich liebe ihn… ich liebe ihn noch. Er ist ein Mensch… Einer von denen, derentwegen ich dich verlassen habe… Um meiner Verdemtütigung willen rette ihn… Allerhöchster Herr, gewähre mir, ihn zu erlösen. Diese Buße möge mehr für ihn als für die anderen bestimmt sein! Oh, ich weiß, wie unangebracht es ist, darum zu bitten, ich, der ich alles weiß!… Doch, mein Vater, schaue nur einen Augenblick nicht auf mich als dein Wort, betrachte nur meine Menschlichkeit des Gerechten… und lass mich nur für einen Augenblick ‚der Mensch‘ in deiner Gnade sein, ein Mensch, der das unvermeidliche Schicksal nicht kennt und deshalb mit absoluter Hoffnung beten kann, um dir das Wunder zu entreissen.

Ein Wunder! Ein Wunder für Jesus von Nazareth, für Jesus der Maria von Nazareth, der von uns ewig Geliebten! Ein Wunder, das die Vorherbestimmung außer Kraft setzt und sie nichtig macht! Die Rettung des Judas! Er hat an meiner Seite gelebt, hat meine Worte in sich aufgenommen, die Nahrung mit mir geteilt und an meiner Brust geruht… Nicht er, nicht er sei mein Satan!...

Gustave Doré Verrat des Judas

Ich bitte dich nicht darum, nicht verraten zu werden… Dies muss sein und wird sein… denn durch meinen Schmerz, verraten zu werden, mögen alle Lügen vergeben werden, durch meinen Schmerz, vekauft worden zu sein, möge alle Habgier gesühnt und ausgelöscht werden, durch meinen Schmerz als Verfluchter mögen alle Gotteslästerungen wiedergutgemacht werden, dafür, dass man nicht an mich glaubt und nicht glauben wird, möge den Glaubenlosen der Glaube geschenkt werden, und durch meine Qual mögen die Menschen von allen Sünden des Fleisches gereinigt werden. Aber ich bitte dich: nicht er, nicht er, Judas, mein Freund und mein Apostel!“

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Auszug aus “Der Gottmensch″, Bd. V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

Schmerz, Gebet und Buße Jesu (3)

15/03/2015

Vision Maria Valtortas: Mitte Dezember des Jahres 28 müssen zwei neubekehrte Jünger Jesu in Sicherheit gebracht werden, da das jüdische Synedrium nach einem Hinweis des Judas Iskariot diesen nachstellt. Ein Teil der Apostel begleitet ohne das Wissen des Iskariot die Jünger nach Antiochien. Während Jesus auf die Rückkehr der Apostel wartet, zieht er sich alleine für fast drei Wochen zu Buße und Gebet für seinen verräterischen Apostel in eine Höhle bei Jiphtael, in der Nähe des heutigen Yodfat, zurück.

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Lange weint er so, schweigend und regungslos… Dann setzt er sich auf und, das Haupt zwischen den Knien, die er mit beiden Armen umfangen hat, ruft er mit seiner ganzen Seele nach der fernen Mutter: „Mutter! Mutter! Meine Mutter! Meine ewige Wonne! Oh, Mutter! Oh, Mutter, wie gerne hätte ich dich jetzt in meiner Nähe! Warum habe ich dich nicht immer bei mir, dich, den mir von Gott gesandten einzigen Trost?“

mater mea

Nur die Höhle antwortet mit einem leisen Echo auf seine Worte, auf sein Schluchzen, und es scheint, als weine und schluchze auch sie in ihren Winkeln, ihren Felsbrocken und den wenigen und noch kleinen Tropfsteinen, die in der Ecke, die die unterirdischen Gewässer wohl am stärksten benetzen, herabhängen.

Jesus beruhigt sich etwas, als ob das Rufen nach der Mutter ihn schon getröstet hätte, und sein Weinen wird langsam zu einem Selbstgespräch. „Sie sind fortgegangen… Weshalb? Wegen wem? Warum habe ich ihnen diesen Schmerz zufügen müssen? Warum mir selbst, da doch die Welt mir schon den Tag mit Schmerz erfüllt? … Judas!“ Wer weiß, wohin nun die Gedanken Jesu gehen, der das Haupt von den Knien erhebt und vor sich hinschaut mit weit geöffneten Augen und angespanntem Gesicht, wie jemand, der in Schauungen künftiger Ereignisse oder tiefe Betrachtung versunken ist. Er weint nicht mehr, leidet jedoch sichtlich.

Dann scheint er einem unsichtbaren Fragesteller zu antworten und steht auf. „Ich bin Mensch, Vater. Ich bin der Mensch. Die Tugend der Freundschaft ist in mir verwundet und zerrissen, sie krümmt sich und klagt schmerzerfüllt… Ich weiß, dass ich alles erleiden muss. Ich weiß es. Als Gott weiß ich es, und als Gott will ich es auch, zum Heil der Welt. Auch als Mensch weiß ich es, denn mein göttlicher Geist teilt es meiner Menschlichkeit mit, und auch als Mensch will ich es, zum Heil der Welt. Doch welch ein Schmerz, o mein Vater! Diese Stunde ist leidvoller, als jene, die ich mit meinem und deinem Geist in der Wüste erlebt habe… Die jetzige Versuchung, dieses abstoßende und quälende Wesen, das den Namen Judas trägt, nicht mehr an meiner Seite zu dulden und zu ertragen, ist stärker. Er ist die Ursache so vieler Schmerzen, die mich tränken und durchdringen und die Seelen quälen, denen ich den Frieden geschenkt habe.“

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Auszug aus “Der Gottmensch″, Bd. V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

Schmerz, Gebet und Buße Jesu (2)

02/03/2015

Vision Maria Valtortas: Mitte Dezember des Jahres 28 müssen zwei neubekehrte Jünger Jesu in Sicherheit gebracht werden, da das jüdische Synedrium nach einem Hinweis des Judas Iskariot diesen nachstellt. Ein Teil der Apostel begleitet ohne das Wissen des Iskariot die Jünger nach Antiochien. Während Jesus auf die Rückkehr der Apostel wartet, zieht er sich alleine für fast drei Wochen zu Buße und Gebet für seinen verräterischen Apostel in eine Höhle bei Jiphtael, in der Nähe des heutigen Yodfat, zurück.

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Jesus geht langsam, vorsichtig, überlegt jeden Schritt auf den spitzen Steinen, von denen einige sich losgelöst haben, und ist manchmal gezwungen, sich an die Wand zu pressen, wenn sich der Weg stark verengt, und um gefährliche Stellen zu überwinden, muss er sich an den Ästen festhalten, die von der Felswand herabhängen. Er geht so um die Westseite herum und gelangt zur Südseite, gerade zu der Stelle, wo der Berg, nach einem senkrechten Abfall vom Gipfel, eine Höhlung bildet, so dass der Weg breiter wird, wenngleich er auch an Höhe verliert. Jesus muss an manchen Stellen mit geneigtem Haupt gehen.

Vielleicht hat er die Absicht, hier anzuhalten, wo der Pfad wie nach einem Steinschlag plötzlich aufhört. Doch nachdem er den Ort genauer betrachtet hat, sieht er, dass sich unter dem Felsvorsprung eine Höhle befindet, mehr ein Felsspalt als eine Höhle, und lässt sich auf dem Geröll hinab. Er geht hinein. Am Anfang ist es ein Spalt, doch im Innern wird es eine geräumige Grotte, als ob der Berg vor langer Zeit, aus ich weiss nicht welchem Grund, mit Pickeln ausgehauen worden wäre. Man kann deutlich erkennen, wo die natürlichen Einbuchtungen des Felsens von Menschenhand erweitert worden sind, und zwar so, dass sich dem Eingang gegenüber ein Gang öffnet, an dessen Ende Lichtschein eindringt und ferne Büsche zu sehen sind; offensichtlich zieht sich der Gang also durch den Sporn des Berges von Süden nach Osten.

Höhle

Jesus zwängt sich durch diesen halbdunklen, engen Stollen und erreicht den Ausgang, der oberhalb der Straße liegt, die er mit den Aposteln und dem Karren genommen hat, um nach Jiphtael zu gelangen.

Die Berge, die den See von Galiläa umgeben, liegen vor ihm, jenseits des Tales, und in Richtung Nordosten glänzt der große Hermon in seinem Gewand aus Schnee. Eine uralte Treppe ist an dieser Seite des Berges, die nicht so steil abfällt, ausgehauen worden, und diese Stufen führen zum Saumpfad im Tal und zur Höhe, auf der Jiphtael liegt.

Jesus freut sich über seine Entdeckung. Er kehrt in die geräumige Höhle zurück und sucht nach einem geschützten Platz, wo er trockenes Laub, das der Wind angeweht hat, aufhäuft. Ein armseliges Lager, ein Schleier trockenen Laubes zwischen seinem Körper und dem nackten, eiskalten Erdboden… Er lässt sich darauf nieder und bleibt reglos liegen, die Hände unter dem Haupt, die Augen zur felsigen Decke gerichtet, gedankenverloren, ich möchte sagen, erschöpft, wie einer, der eine Anstrengung oder einen Schmerz, die seine Kräfte übersteigen, hinter sich hat. Dann beginnen langsam und lautlos Tränen aus seinen Augen zu quellen. Sie rollen an beiden Seiten des Gesichtes herab, verlieren sich bei den Ohren in den Haaren und enden gewiss im dürren Laub… 

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Auszug aus “Der Gottmensch″, Bd. V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

Jesus und die Jünger nach der ersten wunderbaren Brotvermehrung (Teil 2)

28/07/2012

zum Evangelium vom 29. Juli 2012: Johannes 6, 1-15

(zurück zu Teil 1 der Vision: Die erste wunderbare Brotvermehrung)

„Nehmt euren Teil und gebt auch mir ein wenig davon. Wir wollen die Speise Gottes essen.“

Sie essen Brot und Fisch, jeder entsprechend seinem Hunger… Indessen tauschen die gesättigten Menschen ihre Meinungen aus. Auch jene in der Nähe Jesu getrauen sich nun zu sprechen und betrachten dabei Margziam, der mit den Kindern lacht und seinen Fisch fertig isst. 

„Meister“, fragt der Schriftgelehrte, „warum hat das Kind sofort das Gewicht gespürt und wir nicht? Ich habe auch hineingegriffen. Es waren nur ein paar Brotbrocken und ein einziges Stücklein Fisch darin. Ich habe die Schwere erst gespürt beim Gang zu den Leuten. Aber wenn es das Gewicht von dem gehabt hätte, was ich austeilte, wären zwei Maulesel nötig gewesen, um den Korb, nein, einen mit Nahrungsmitteln beladenen Wagen zu ziehen. Anfangs war ich sparsam… dann fing ich an zu geben, zu geben, und um nicht ungerecht zu sein, ging ich zu den ersten zurück und gab ihnen nochmals; denn sie hatten das erste Mal nur wenig bekommen. Und doch hat es gereicht.“

„Auch ich habe gespürt, wie der Korb schwerer wurde, während ich hinging; ich habe sofort viel gegeben, denn ich verstand, dass du ein Wunder gewirkt hattest“, sagt Johannes.

„Ich hingegen habe mich zunächst hingesetzt und den Korb in den Schoß geleert, um zu sehen… Ich habe viele Brote gesehen. Da bin ich gegangen“, sagt Manaen.

„Ich habe sie gezählt, denn ich wollte mich nicht blamieren. Es waren fünfzig Brotstückchen. Ich habe zu mir gesagt: „Ich will sie an fünfzig Personen austeilen und dann zurückkehren.“ Ich habe gezählt. Doch bei fünfzig angekommen, war das Gewicht immer noch das gleiche. Da habe ich nachgesehen. Es waren immer noch viele darin. So bin ich gegangen und habe an Hunderte verteilt. Doch es wurden nie weniger“, sagt Bartholomäus.

„Ich, ich muss gestehen, dass ich nicht geglaubt habe. Ich habe die Brotbrocken und das Fischstück in die Hand genommen, sie angesehen und bei mir gesagt: ‚Was soll das? Jesus will einen Scherz machen…!‘ Ich stand hinter einem Baum und schaute auf ihn und auf die Stücklein und hoffte, dass sie sicher vermehren würden, und zweifelte zugleich daran. Aber es blieben immer dieselben. Ich wollte schon zurückkehren, als Matthäus vorbeikam und sagte: ‚Hast du gesehen, wie schön sie sind?‘ ‚Was denn?‘ habe ich gefragt. ‚Nun, die Brote und die Fischlein…‘ ‚Bist du denn verrückt? Ich sehe nur Brotbrocken.‘ ‚Geh und teil sie mit Vertrauen aus und du wirst sehen.‘ Ich habe die wenigen Brocken in den Korb zurückgelegt und bin zögernd weitergegangen… Und dann… Verzeih mir, Jesus, denn ich bin ein Sünder!“ sagt Thomas.

„Nein, du bist ein Weltmensch. Du denkst weltlich.“

„Auch ich, Herr. So sehr, dass ich dachte, ihnen zum Brot noch ein Geldstück zu geben, damit sie anderswo essen könnten. Ich glaubte, dir helfen zu können, einen besseren Eindruck zu machen“, sagt Iskariot. „Wie bin ich also – wie Thomas – oder noch schlimmer?“

„Noch viel mehr als Thomas, du bist weltlich.“

„Und doch wollte ich, um des Himmels willen, Almosen geben! Es war mein eigenes Geld…“

„Almosen für dich selbst und deinen Hochmut. Und Almosen für Gott. Doch er bedarf ihrer nicht. Almosen für deinen Hochmut sind Sünde, kein Verdienst.“

Judas neigt das Haupt und schweigt.

„Ich habe geglaubt, dass ich diesen Bissen Fisch und diese Bröcklein Brot noch kleiner machen müsste, damit sie genügen könnten. Aber ich habe nicht daran gezweifelt, dass sie ihrem Nährwert und ihrer Anzahl nach ausreichen könnten. Ein Tropfen Wasser, von dir gegeben, kann nahrhafter sein als eine volle Mahlzeit“, sagt der Zelote.

„Und was habt ihr gedacht?“ fragt Petrus die Vettern Jesu.

„Wir haben uns an Kana erinnert… und haben nicht gezweifelt“, sagt Judas ernst.

„Und du, Jakobus, mein Bruder, dachtest du nur daran?“

„Nein! Ich dachte, es könnte eines der Sakramente sein, von denen du zu mir gesprochen hattest… Ist es so, oder irre ich mich?“

Jesus lächelt: „Es ist so, und ist doch nicht so. Mit der Wahrheit vom Nährwert eines Tropfen Wassers, von der Simon sprach, muss der Gedanke an eine spätere Gestalt verbunden werden. Doch jetzt ist es noch kein Sakrament.“

Der Schriftgelehrte betrachtet ein Brotstückchen in seiner Hand.

„Was machst du damit?“

„Ein… Andenken.“

„Auch ich behalte eines. Ich werde es in einem kleinen Säcklein Margziam an den Hals hängen“, sagt Petrus.

„Ich will es meiner Mutter bringen“, sagt Johannes.

„Wir, wir haben alles aufgegessen…“ sagen die anderen beschämt.

„Steht auf! Geht noch einmal mit den Körben herum und sammelt die Reste ein. Sucht die Ärmsten aus dem Volk heraus und bringt sie, zusammen mit den Körben, zu mir. Dann geht ihr alle, ihr, meine Jünger, zu den Booten und fahrt auf den See hinaus, zur Ebene von Genesareth. Ich will die Leute entlassen, nachdem ich die Ärmsten beschenkt habe, und euch dann einholen.“

Die Apostel gehorchen… und kehren mit zwölf gefüllten Körben zurück. Es folgen ihnen etwa dreissig Bettler oder sehr elende Menschen.

„Gut so. Geht nun.“

Die Apostel und die Jünger des Johannes verabschieden sich von Manaen und gehen etwas widerstrebend weg, weil sie Jesus verlassen müssen. Doch sie gehorchen. Manaen wartet noch mit Jesus, bis die Menge sich im letzten Tageslicht nach den Dörfern aufmacht oder eine Schlafstätte im hohen trockenen Schilf sucht. Dann nimmt er Abschied. Vor ihm, ja sogar als einer der ersten, ist der Schriftgelehrte weggegangen; denn er ist mit seinem Söhnchen den Aposteln gefolgt.

Nachdem alle gegangen oder schon in Schlaf gesunken sind, erhebt sich Jesus, segnet die Schlafenden, und langsamen Schrittes geht er zum See auf die Halbinsel von Tarichäa zu, die sich einige Meter über dem Wasserspiegel erhebt, als wäre sie ein Stück eines in den See geschobenen Hügels. Und an seinem Fuss angelangt, steigt er, ohne in die Stadt hineinzugehen, sondern sie umgehend, auf die kleine Erhebung, setzt sich auf einen spitzen Felsvorsprung nieder und betet im Angesicht des Himmels und im Schein der klaren Mondnacht.

Auszug aus “Der Gottmensch″, Bd. V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

 

Judas Iskariot, der Gotteslästerer par excellence, ist in der Hölle

17/04/2012

15. Januar [1944]

Jesus sagt:

„(…) Die Menschen dieser Zeit glauben nicht mehr an die Existenz der Hölle. Sie haben sich ein Jenseits nach ihrem Geschmack ausgedacht, ein solches, das ihrem Gewissen weniger Schrecken erregend ist, obwohl dieses doch viel Strafe verdient. Als mehr oder weniger getreue Jünger des Bösen Geistes wissen sie freilich, dass ihr Gewissen vor bestimmten Übeltaten zurückschrecken würde, wenn es wirklich an die Hölle glaubte, so wie der Glaube es darüber belehrt; sie wissen, dass ihr Gewissen nach begangener Übeltat sich besinnen und im Gewissensbiss Reue erwecken, in der Angst Reue erwecken und mit der Reue den Weg der Umkehr zu Mir finden würde.

Ihre ihnen von Satan eingegebene Bosheit – sie sind ja seine Diener oder Sklaven (je nachdem, wie weit sie sich dem Willen und den Einflüsterungen des Bösen Feindes ergeben haben) – will dieses Zurückschrecken und diese Rückbesinnung nicht. Deshalb gibt man den Glauben an die Hölle auf, die es hingegen wirklich gibt, und fabriziert sich einen anderen – wenn man sich überhaupt einen fabriziert – einen Glauben, dass es da nichts anderes als eine Verschnaufpause gäbe, um darauf wiederum einen Aufschwung zu neuen, künftigen Höhenflügen zu nehmen.

Diese seine Meinung treibt der Mensch so weit, in gotteslästerlicher Weise  zu glauben, dass der größte aller menschlichen Sünder, Satans geliebter Sohn, der, wie das Evangelium sagt, ein Dieb war (*), der, wie Ich  sage, nach menschlichem Ruhm begierig und süchtig war, der Iskariote, der sich aus Lüsternheit zu der dreifachen Begierlichkeit zum Verkäufer des Gottessohnes gemacht und Mich für 30 Silberlinge und mit dem Zeichen eines Kusses – einem lächerlich kleinen Geldwert, aber einem unendlichen affektiven Wert – in die Hände der Henker überliefert hat, dass also dieser erlöst werden und zu Mir (in die ewige Seligkeit) gelangen könnte, indem er aufeinander folgende Lebensphasen durchlaufen würde.

Nein. Wenn er der Gotteslästerer par excellence war, so bin Ich kein solcher. Wenn er der Unredliche par excellence war, so bin Ich kein solcher. Wenn er derjenige war, der Mein kostbares Blut verächtlich vergoss, so bin ich kein solcher. Judas zu verzeihen wäre eine Lästerung Meiner Gottheit, die von ihm verraten wurde; es wäre Unrecht allen anderen Menschen gegenüber, die weniger schuldig als er sind und doch für ihre Sünden bestraft werden, es wäre Verachtung Meines eigenen kostbaren Blutes, und es hieße schließlich, dass Ich Meine eigenen Gebote nicht achtete. (…)“

(*) Judas Iskariot. Vgl. Joh 12,4-6. Und weiter, was den Iskarioten betrifft: Mt 26, 14-16.47-50; Mk 14,10-11.43-46; Lk 22,3-6.47-48; Joh 18,1-3.

Auszug aus “Die Hefte 1944“ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Jesus spricht zu den Aposteln über die verschiedenen Arten der Liebe (2)

23/01/2012

(zurück zu Teil 1)

„… Die Liebe des Menschen, besonders der Frau zum Kind, hat den Ursprung im Befehl Gottes, der zu Adam und Eva sagte, nachdem er sie gesegnet und festgestellt hatte, dass er ‚Gutes getan‘ hatte an seinem fernen sechsten Tage, dem ersten sechsten Tage der Schöpfung: ‚Wachst und mehrt euch und erfüllt die Erde…‘

Ich kenne deine unausgeprochene Entgegnung und antworte dir sofort wie folgt: Da in der Schöpfung vor dem Sündenfall alles durch Liebe geregelt und auf die Liebe gegründet war, wäre diese Vermehrung der Kinder eine heilige, mächtige und vollkommene Liebe gewesen. Und Gott hat sie dem Menschen als erstes Gebot gegeben: ‚Wachst, mehrt euch.‘ Liebt also nach mir eure Söhne! Die Liebe, wie sie heute ist, die jetzige Art, Kinder zu zeugen, gab es damals noch nicht. Der Mann liebte die Frau, und die Frau liebte den Mann auf natürliche Weise, nicht gemäß der Natur, wie ihr Menschen sie versteht, sondern gemäß der Natur der Kinder Gottes, also übernatürlicherweise.

Selige erste Tage der Liebe zwischen den beiden, die Geschwister waren, da sie denselben Vater hatten, und die doch auch Gatten waren und sich in der Liebe wie mit unschuldigen Augen von Zwillingen in der Wiege ansahen. Der Mann empfand väterliche Liebe für die Gefährtin: ‚Bein von seinem Bein und Fleisch von seinem Fleisch‘, so wie es der Sohn von seinem Vater ist; und die Frau kannte die Freude, Tochter zu sein, also beschützt von einer gar hohen Liebe; denn sie spürte, dass sie etwas in sich hatte vom herrlichen Mann, den sie mit Unschuld und engelhafter Leidenschaft in den schönen Gärten Edens liebte!

In der Ordnung der von Gott seinen geliebten Kleinen mit einem Lächeln gegebenen Gebote fügt sich das Gebot hinzu, das Adam, der durch die Gnade mit einer Intelligenz begabt wurde, die nur von der Intelligenz Gottes übertroffen wurde, selbst bestätigte in Bezug auf seine Gefährtin und in ihr für alle Frauen: den Ratschluss Gottes, der sich deutlich im klaren Spiegel des Geistes Adams widerspiegelte und im Gedanken und Wort aufblühte: ‚Der Mann verläßt seinen Vater und seine Mutter und vereinigt sich mit seiner Gattin, und die beiden werden nur ein Fleisch sein.‘

Wenn nicht die drei Säulen der genannten Arten der Liebe wären, gäbe es eine Nächstenliebe? Nein! Es könnte keine geben. Die Liebe zu Gott macht Gott zum Freund und lehrt die Liebe. Wer Gott nicht liebt, der gut ist, kann seinen Nächsten nicht lieben, der meist fehlerhaft ist. Wenn es keine Gatten- und Elternliebe auf der Welt gäbe, dann gäbe es keinen Nächsten, denn der Nächste ist das Kind, das von den Menschen geboren wird. Bist du nun überzeugt?“

„Ja, Meister. Ich hatte nicht darüber nachgedacht.“

„Es ist nicht einfach, zu den Quellen vorzudringen. Der Mensch ist seit Jahrtausenden im Schlamm eingesunken, und diese Quellen entspringen nur in den Höhen! Die erste Quelle entspringt auf einem Abgrund von Höhe: Gott! Ich aber will euch an der Hand nehmen und zu den Quellen geleiten. Ich weiß, wo sie sind…“

„Und die anderen Liebesarten?“ fragen Simon der Zelote und der Mann aus Endor gleichzeitig.

„Die erste der zweiten Reihe ist die Nächstenliebe. In Wirklichkeit handelt es sich um die Liebe vierten Grades. Dann kommt die Liebe zur Wissenschaft, und darauf die Liebe zur Arbeit.“

„Sind das alle?“

„Das sind alle.“

„Aber es gibt noch viele andere Arten der Liebe“, ruft Iskariot aus.

„Nein, es gibt andere Gelüste. Das sind keine Liebesarten. Sie sind gegen die Liebe. Sie leugnen Gott, sie leugnen den Menschen. Es kann sich also nicht um Liebe handeln, denn sie sind ihr Gegenteil, also Hass.“ (…)

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. IV von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Gleichnis vom Unkraut – Die Verantwortung des Verräters

16/07/2011

(zum Sonntags-Evangelium vom 17. Juli 2011: Mt 13,24-43)

[Anm: Jesus deutet das Gleichnis zuerst wie in Mt 13 – d.h. er bezieht es auf das Jüngste Gericht. Dann aber ergänzt er, dass es für die Apostel noch eine andere Bedeutung habe, insbesondere sei es die Antwort auf die am Vorabend gestellte Frage, ob es in der Schar der Jünger einen Verräter geben könne. Jesus sagt, dass es Verräter geben kann, dessen sei er sicher. Dann deutet er die Äcker des Gleichnisses als seine Jünger:]

„… Zu den Jüngern, den Äckern des Meisters, kommen die Feinde. Es sind ihrer viele. Der erste ist Satan, die anderen seine Diener: also die Menschen, die Leidenschaften, die Welt und das Fleisch. Somit ist der Jünger am meisten gefährdet, der nicht ganz auf der Seite des Meisters, sondern zwischen dem Meister und der Welt steht. Er kann und will sich nicht von all dem trennen, was Welt, Fleisch, Leidenschaften und Satan ist, um ganz dem anzugehören, der ihn zu Gott führt. So streuen die Welt, das Fleisch, die Leidenschaft und der Teufel ihre Samen auf einen solchen Jünger aus; es ist das Gold, die Macht, das Weib, der Stolz, die Angst vor einem abfälligen Urteil und das Nützlichkeitsdenken. „Die Großen sind die Stärkeren. Also werde ich ihnen dienen, damit sie meine Freunde seien.“ So wird man um elender Dinge willen zum Verbrecher und zum Verworfenen!… 

Warum aber entlässt der Meister, der die Unvollkommenheit des Jüngers sieht, auch wenn er nicht dem Gedanken nachgeben will: „Er wird mein Mörder sein“, ihn nicht sofort aus den Reihen der Seinen? So werdet ihr euch fragen. Weil es nichts nützen würde. Selbst wenn er es tun würde, könnte er nicht verhindern, ihn sich zum Feind zu machen, nur um so früher; ausserdem zum zweifachen Feind; dies aus Zorn oder Schmerz, erkannt und fortgejagt worden zu sein; denn das Wirken des Teufels ist so subtil, dass der Mensch es nicht merkt. Satan ergreift von ihm zunehmend Besitz, und der Mensch ahnt nichts von seinem Einfluss. 

Aus Zorn! Ja, aus Zorn darüber, dass er erkannt wurde als das, was er wirklich ist, wenn er um das Wirken Satans und seines Gefolges weiss; eines Gefolges aus den Menschen, die ihn, den Schwachen, in seinen Schwächen versuchen, um den Heiligen aus der Welt zu schaffen, dessen Güte sie kränkt, da sie im deutlichen Gegensatz zu ihrem eigenen Leben steht. Dann kann der Heilige nur noch beten und sich Gott übergeben: „Was du geschehen lassen willst, soll geschehen“, sagt er, und fügt einzig diesen Vorbehalt bei: „Vorausgesetzt, es dient deinem Ziel.“ 

Der Heilige weiss, dass die Stunde kommen wird, da aus seiner Ernte das Unkraut ausgeschieden wird. Von wem? Von Gott selbst, der nur noch zulässt, was dem Triumph seines liebenden Wirkens dient.“

„Aber wenn du zugibst, dass es immer Satan und seine Anhänger sind… dann scheint mir, dass du der Verantwortung des Jüngers eine geringe Bedeutung zuschreibst“, sagt Matthäus.

„Das darfst du nicht denken. Wie das Böse existiert, existiert auch das Gute, und ebenso besitzt der Mensch Unterscheidungsvermögen und die Freiheit.“

„Du sagst, dass Gott nur zulässt, was dem Triumph seiner liebenden Absichten nützt. Also ist auch dieser Irrtum nützlich, wenn er ihn zulässt, und er dient dem Triumph seines göttlichen Willens“, sagt Iskariot.

„So urteilst du wie Matthäus, dass dies das Verbrechen des Jüngers rechtfertigt. Gott hatte den Löwen ohne Raubgier und die Schlange ohne Gift erschaffen. Nun ist der eine wild und die andere giftig. Gott aber hat sie deswegen vom Menschen abgesondert. Denk darüber nach und wende es an. Gehen wir ins Haus. Die Sonne brennt schon zu stark, wie vor dem Ausbruch eines Gewitters, und ihr seid müde nach der schlaflosen Nacht.“

„Das Haus hat ein geräumiges, kühles Obergemach. Dort könnt ihr euch ausruhen“, sagt Elias.

Sie steigen die äussere Treppe hinauf. Aber nur die Apostel legen sich auf die Matten zur Ruhe. Jesus geht auf die von einer hohen Eiche beschattete Terrasse hinaus, setzt sich in einen Winkel und vertieft sich in seine Gedanken.

Auszug aus “Der Gottmensch″ Bd. III von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

„Maria muß Eva auslöschen“

03/04/2010


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Jesus sagt: „(…) Maria muß Eva auslöschen. Maria sieht den zweiten Kain: Judas. Maria weiß, daß er der Kain ihres Jesus ist: des zweiten Abel. Sie weiß, daß das Blut des zweiten Abel von diesem Kain verkauft wurde und vergossen wird. Aber sie verflucht nicht. Sie liebt und verzeiht. Sie liebt und ruft zur Umkehr auf.

Oh, Mutterschaft der Märtyrerin Maria! Oh, Mutterschaft, so erhaben wie deine Jungfräulichkeit göttlich ist! Diese Jungfräulichkeit wurde dir von Gott geschenkt. Aber erstere hast du, heilige Mutter, Miterlöserin, dir selbst geschenkt; denn du allein konntest in jener Stunde solche Worte zu Judas sprechen, obwohl die Geißelhiebe, die mein Fleisch zerrissen, auch dein Herz verwundeten. Du, du allein konntest lieben und verzeihen, als du das Kreuz schon dein Herz zerreißen fühltest.

Maria: die neue Eva. Sie lehrt euch die neue Religion, die die Liebe dazu treibt, auch dem zu verzeihen, der einen Sohn tötet. Seid nicht wie Judas, der sein Herz dieser Meisterin der Gnade verschließt, verzweifelt und sagt: „Er kann mir nicht verzeihen“; der an den Worten der Mutter der Wahrheit zweifelt und damit an den Worten, die ich immer wiederholt habe: daß ich gekommen bin, um zu retten, und nicht um zu richten. Um allen zu verzeihen, die reuig zu mir kommen.

Auch Maria, die neue Eva, hat von Gott einen neuen Sohn erhalten „anstelle des Abel, der von Kain getötet worden war“. Aber sie hat ihn nicht in einer Stunde brutalen Genusses empfangen, der den Schmerz in den Nebeln der Sinnenlust und in der Müdigkeit der Befriedigung verbirgt. Sie empfing ihn in einer Stunde des absoluten Schmerzes, am Fuß des Kreuzes, unter dem Röcheln des Sterbenden, der ihr Sohn war, unter den Schmähungen des gottesmörderischen Volkes und einer unverdienten und vollkommenen Trostlosigkeit, da auch Gott ihr seinen Trost versagte.

Das neue Leben beginnt für die Menschheit und die einzelnen Menschen mit Maria. Ihre Tugenden und ihre Lebensweise sind eure Schule. Und in ihrem Schmerz, der alle Gesichter hatte, auch das der Vergebung für den Mörder ihres Sohnes, liegt euer Heil.“

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. XI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch


Allerheiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist!

Ich opfere Dir auf den kostbaren Leib und das Blut,

die Seele und die Gottheit unseres Herrn Jesus Christus,

gegenwärtig in allen Tabernakeln der Welt:

zur Sühne für die Schmähungen, Sakrilegien und Gleichgültigkeiten,

durch welche Er selbst beleidigt wird.

Durch die unendlichen Verdienste Seines Heiligsten Herzens

und durch die des Unbefleckten Herzens Mariens

erflehe ich von Dir die Bekehrung der armen Sünder.

Amen.

Maria kann die Zweitgeborene des Vaters genannt werden

Das Passahmahl

29/03/2010

Jesus setzt sich. Er streckt sich nicht aus, sondern setzt sich so wie wir und sagt: „Nun, da der alte Ritus beendet ist, feiere ich den neuen Ritus. Ich habe euch ein Wunder der Liebe versprochen. Nun ist die Stunde, es zu wirken. Deshalb habe ich dieses Passahfest herbeigesehnt. Von nun an ist dies die Opfergabe, die in einem ewigen Ritus der Liebe dargebracht wird. Ich habe euch mein ganzes irdisches Leben lang geliebt, meine Freunde. Ich habe euch seit aller Ewigkeit geliebt, meine Kinder. Ich will euch lieben bis ans Ende der Welt. Es gibt nichts Größeres als dies. Denkt daran. Ich gehe von euch. Doch durch das Wunder, das ich nun wirke, werden wir für immer vereint bleiben.“

Jesus nimmt ein noch ganzes Brot und legt es auf den vollen Kelch. Er segnet und opfert beides, bricht dann das Brot in dreizehn Stücke, gibt jedem Apostel eines und sagt: „Nehmet und esset. Das ist mein Leib. Tut dies zu meinem Gedächtnis, denn ich verlasse euch.“

Dann reicht er ihnen den Kelch und sagt: „Nehmet und trinket. Das ist mein Blut. Das ist der Kelch des neuen Bundes in meinem Blut und durch mein Blut, das für euch zur Vergebung eurer Sünden vergossen wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis.“

Jesus ist todtraurig. Jegliche Spur eines Lächelns, aller Glanz und alle Farbe sind aus seinem Gesicht gewichen. Es ist schon von Todesangst gezeichnet. Die Apostel betrachten ihn bange.

Juan de Juanes: Das letzte Abendmahl

Jesus erhebt sich und sagt: „Bleibt sitzen. Ich komme sofort zurück.“ Er nimmt das dreizehnte Brotstückchen und den Kelch und verlässt den Saal.

„Er geht zur Mutter“, flüstert Johannes. Judas Thaddäus seufzt: „Arme Frau!“ Petrus fragt leise: „Glaubst du, sie weiß es?“ „Sie weiß alles. Sie hat immer alles gewusst.“ Alle sprechen sie so leise, als ob ein Toter im Raum wäre.

„Aber glaubt ihr, dass er wirklich…“ fragt Thomas, der es immer noch nicht fassen kann.

„Du zweifelst noch daran? Es ist seine Stunde“, antwortet ihm Jakobus des Zebedäus.

„Gott möge uns die Kraft geben, ihm treu zu bleiben“, sagt der Zelote.

„Oh, ich…“ will Petrus eben sagen. Aber Johannes, der achtgibt, sagt: „Pst! Er kommt.“

Jesus kommt wieder herein. Er hat den leeren Kelch in der Hand. Auf seinem Grund ist noch eine Spur von Wein zurückgeblieben und im Schein der Lampe sieht er wirklich wie Blut aus.

Judas Iskariot, der den Kelch vor sich hat, schaut ihn wie gebannt an und wendet dann den Blick ab. Jesus bemerkt es, und ein Schauer läuft über seinen Körper, den Johannes, der sich wieder an seine Brust gelehnt hat, spürt. „Aber, du zitterst ja…“ ruft er aus.

„Nein, ich zittere nicht im Fieber… Ich habe euch alles gesagt und alles gegeben. Mehr konnte ich euch nicht geben. Mich selbst habe ich euch gegeben.“

Er macht die sanfte Bewegung seiner Hände, bei der er sie zuerst faltet, dann öffnet und etwas ausstreckt, während er das Haupt senkt, als wollte er sagen: „Verzeiht, wenn ich nicht mehr kann. So ist es.“

„Alles habe ich euch gesagt, und alles habe ich euch gegeben. Ich wiederhole euch, der neue Ritus ist erfüllt. Tut dies zu meinem Gedächtnis. Ich habe euch die Füße gewaschen, um euch zu lehren, rein und demütig zu sein, wie euer Meister. Denn wahrlich, ich sage euch, wie der Meister ist, so sollen auch die Jünger sein. Denkt daran, denkt daran. Auch wenn ihr oben sein werdet, denkt daran. Kein Jünger ist mehr als der Meister. Wie ich euch gewaschen habe, so tut es auch gegenseitig. Das heißt, liebt einander wie Brüder, helft einander, achtet euch gegenseitig und gebt einander ein gutes Beispiel. Seid rein. Um würdig das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist, zu essen, damit ihr durch dieses Brot die Kraft erhaltet, meine Jünger zu sein in einer feindlichen Welt, die euch um meines Namens willen hassen wird. Aber einer von euch ist nicht rein. Einer von euch wird mich verraten. Daher ist meine Seele erschüttert… Die Hand meines Verräters ist mit mir auf dem Tisch, und weder meine Liebe, noch mein Fleisch und Blut, noch mein Wort können ihn ändern und zur Reue bewegen. Ich würde ihm verzeihen und auch für ihn in den Tod gehen.“

 

El Greco: Das letzte Abendmahl

Die Jünger sehen sich entsetzt an. Sie prüfen sich gegenseitig misstrauisch. Petrus durchbohrt Judas mit Blicken und erinnert sich an alle seine Zweifel. Judas Thaddäus springt auf die Füße und schaut Iskariot über Matthäus hinweg an.

Aber Judas gibt sich so sicher. Er sieht nun seinerseits Matthäus an, so als würde er ihn verdächtigen. Dann schaut er Jesus lächelnd an und fragt: „Bin ich es etwa?“ Es scheint, dass er seiner eigenen Redlichkeit am allersichersten ist und dies nur sagt, damit die Unterhaltung nicht ins Stocken gerät.

Jesus wiederholt seine Geste von zuvor und sagt: „Du sagst es, Judas des Simon. Nicht ich. Du sagst es. Ich habe dich nicht genannt. Warum klagst du dich an? Frage deinen inneren Warner, dein Gewissen als Mensch, das Gott der Vater dir gegeben hat, damit du dich wie ein Mensch benimmst, und höre, ob es dich anklagt. Du wirst es vor allen anderen wissen. Aber wenn es dich beruhigt, warum sagst du dann ein Wort und denkst an eine Tatsache, die auszusprechen oder zu denken selbst im Scherz schon Gotteslästerung ist?“

Jesus spricht ganz ruhig. Er scheint die aufgestellte These auszuführen, wie es etwa ein Gelehrter vor seinen Schülern tut. Die Aufregung ist groß. Doch durch die Ruhe Jesu legt sie sich.

Aber Petrus, der Judas am meißten misstraut – vielleicht Thaddäus ebenso, obwohl es weniger den Anschein hat, denn die Frechheit des Iskariot ist entwaffnend – zieht Johannes, der sich an Jesus geschmiegt hat, als von Verrat die Rede war, am Ärmel. Und als Johannes sich umdreht, flüstert er ihm zu: „Frage ihn, wer es ist.“

Johannes nimmt seine vorige Stellung wieder ein, hebt nur leicht das Haupt, als wolle er Jesus küssen, und flüstert ihm dabei ins Ohr: „Meister, wer ist es?“

Jesus antwortet ganz leise und küsst Johannes auf den Scheitel: „Der ist es, dem ich den Bissen Brot eintauchen und reichen werde.“

Er nimmt noch ein ganzes Brot, nicht den Rest des für die Eucharistie verwendeten, und bricht einen großen Bissen ab, taucht ihn in den Saft des Lammes in der Schüssel, streckt seinen Arm über den Tisch und sagt: „Nimm Judas. Du magst dies gern.“

„Danke, Meister. Ja, ich mag das gern.“ In Unkenntnis darüber, was dieser Bissen bedeutet, isst er ihn. Johannes schließt entsetzt die Augen, um das grässliche Lachen des Iskariot nicht sehen zu müssen, während dieser mit seinen kräftigen Zähnen in das anklagende Brot beißt.

Carl Bloch: Das letzte Abendmahl

 

„Gut. Nun, da du zufrieden bist, geh“, sagt Jesus zu Judas. „Alles ist hier (er betont dieses Wort ganz besonders) vollbracht. Was anderswo noch zu tun ist, das tue bald, Judas des Simon.“

„Ich gehorche dir sofort, Meister. Später treffe ich dich in Gethsemane. Du gehst doch dorthin, nicht wahr? Wie immer?“

„Ich gehe dorthin… wie immer… ja.“

„Was hast du zu tun?“ fragt Petrus? „Gehst du allein?“

„Ich bin doch kein Kind“, spöttelt Judas, der bereits seinen Mantel anlegt.

„Lass ihn gehen. Er und ich wissen, was zu tun ist“, sagt Jesus.

„Ja, Meister.“ Petrus schweigt. Vielleicht glaubt er, dass er mit seinem Verdacht gegen den Gefährten gesündigt hat. Er legt die Hand an die Stirn und denkt nach.

Jesus drückt Johannes ans Herz und flüstert ihm nochmals ins Haar: „Sage Petrus noch nichts. Es wäre ein unnötiges Ärgernis.“

„Leb wohl, Meister. Lebt wohl, Freunde.“ Judas verabschiedet sich.

„Leb wohl“, sagt Jesus.

Und Petrus: „Leb wohl, Junge.“

Johannes, das Haupt beinahe im Schoss Jesu, murmelt: „Satan!“ Jesus allein hört es und seufzt.

Auszug aus “Der Gottmensch”, Bd. XI von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz:book@parvis.ch, www.parvis.ch