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Palästina: Kirchenführer rufen um Hilfe

04/05/2010

16  führende palästinensische Christen – darunter der frühere lateinische Patriarch Sabbah – haben im Dezember 2009 eine Schrift zu ihrer Lage veröffentlicht, sie heisst  „Ein Moment der Wahrheit: Ein Wort des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, das aus dem Herzen des palästinensischen Leidens kommt“.

Nach der Beschreibung ihrer aktuellen Situation rufen sie zu internationalen Boykottmassnahmen gegen Israel und zum friedlichen Widerstand gegen die Besetzung der palästinensischen Gebiete auf: „Widerstand ist für Christen ein Recht und eine Pflicht, doch das Grundprinzip des Widerstandes ist die Liebe. “ Es wird ausdrücklich betont, dass der Widerstand nicht den Tod bringen darf. Weiterhin wird jede Theologie, „die die Besetzung rechtfertigt und dabei vorgibt, sich auf die Bibel oder auf den Glauben oder die Geschichte zu stützen“ verworfen.

Nachfolgend ein Auszug aus der Schrift, der vollständige Text kann HIER nachgelesen werden:

1.1 „Sie sagen ‚Frieden! Frieden!‘ und es gibt keinen Frieden“ (Jr 6,14). Tatsächlich sprechen alle von Frieden und vom Friedensprozess im Mittleren Orient, doch das sind bis jetzt nichts als Worte. Die Realität ist die israelische Besatzung des palästinensischen Territoriums, die Einschränkung unserer Freiheit und alles, was dies mit sich bringt:

1.1.1 Die Trennungsmauer, die auf palästinensischem Land gebaut worden ist, hat von diesem einen grossen Teil konfisziert, unsere Städte und Dörfer in Gefängnisse verwandelt und daraus getrennte und verstreute Gebiete gemacht. Gaza lebt nach dem grausamen, durch Israel im Dezember 2008 und Januar 2009 ausgelösten Krieg weiterhin unter unmenschlichen Bedingungen, unter permanentem Embargo und bleibt geographisch vom restlichen palästinensischen Territorium isoliert.

1.1.2 Die israelischen Siedlungen, die uns im Namen Gottes oder der Macht unserer Erde berauben, kontrollieren die Bodenschätze, vor allem das Wasser und die landwirtschaftlichen Böden, die sie Hundertausenden von Palästinensern vorenthalten. Diese Siedlungen sind heute ein Hindernis für jede Art von politischer Lösung.

1.1.3 Die Demütigung, der wir täglich an den militärischen Kontrollpunkten ausgesetzt sind, um uns zu unserer Arbeitsstelle, in unsere Schulen oder unsere Krankenhäuser zu begeben.

1.1.4 Die Trennung der Mitglieder einer Familie, die ein Familienleben für Tausende von Palästinensern unmöglich macht sobald einer der Eheleute nicht im Besitz eines israelischen Ausweises ist.

1.1.5 Die religiöse Freiheit selbst, d.h. der freie Zugang zu den heiligen Orten wird unter dem Vorwand der Sicherheit eingeschränkt. Die heiligen Orte in Jerusalem sind für eine grosse Zahl der Christen und Moslems des Westjordanlandes und aus Gaza nicht zugänglich. Die Bürger Jerusalems können ihre heiligen Orte nur an bestimmten Feiertagen aufsuchen und einige unserer arabischen Priester können nur unter grossen Schwierigkeiten nach Jerusalem.

1.1.6 Die Flüchtlinge sind Teil unserer Realität. Die meisten von ihnen leben immer  noch in Lagern mit inakzeptablen Bedingungen für Menschen. Sie haben das Recht auf Rückkehr und erwarten diese Rückkehr seit Generationen. Was wird ihr Schicksal sein?

1.1.7 Tausende von Menschen, die in israelischen Gefängnissen festgehalten werden sind auch Teil unserer Realität. Die Israelis setzen Himmel und Erde für einen einzigen Gefangenen in Bewegung, aber wann werden die Tausenden von palästinensischen Gefangenen, die in den israelischen Gefängnissen dahinvegitieren, die Freiheit sehen?

1.1.8 Jerusalem ist das Herz unserer Realität. Es ist gleichzeitig Symbol des Friedens und Zeichen des Konfliktes. Seitdem die „Mauer“ eine Trennung zwischen den palästinensischen Vierteln der Stadt gezogen hat, hören die israelischen Behörden nicht auf, palästinensische, christliche und muslimische Bewohnern zu vertreiben. Man konfisziert ihre Ausweise, d.h. ihr Recht, in Jerusalem zu wohnen. Ihre Häuser werden abgerissen oder beschlagnahmt. Jerusalem, die Stadt der Versöhnung, ist eine Stadt der Diskriminierung und des Ausschlusses, eine Quelle des Konfliktes anstelle einer Quelle des Friedens geworden.

1.2 Ausserdem verhöhnt Israel das internationale Recht und die internationalen Resolutionen zusammen mit der Unfähigkeit der arabischen Welt und der internationalen Gemeinschaft gegenüber dieser Verachtung. Die Menschenrechte werden verletzt. Trotz vielfacher Berichte lokaler und internationaler Menschenrechtsorganisationen geht die Unterdrückung weiter.