Posts Tagged ‘Kreuz auf sich nehmen’

Kreuzweg mit dem hl. Pfarrer von Ars (1. und 2. Station)

11/03/2011

An den Freitagen vor Ostern geben wir jeweils zwei Stationen der Kreuzweg-Betrachtung des hl. Pfarrers von Ars wieder.


Vorbereitungsgebet

Ewiger Vater, nimm hin das göttliche Blut, das Jesus Christus, dein Sohn, bei seinem Leiden vergossen hat! Im Blick auf seine Wunden, auf sein von Dornen durchbohrtes Haupt, auf sein liebendes Herz, um aller seiner Verdienste willen verzeihe den Seelen ihre Schuld und rette sie!

Göttliches Blut meines Erlösers, ich bete dich mit großer Ehrfurcht und Liebe an, um die Beleidigungen zu sühnen, welche dir so viele Menschen zufügen.

Mein Jesus, schenk mir Verzeihung und Barmherzigkeit um der Verdienste deines bitteren Leidens und deiner heiligen Wunden willen! Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die ganze Welt erlöst.

O Maria, Schmerzensmutter, drücke deines Sohnes Wunden tief in unsere Herzen ein.


I. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt

Wenn du meine Leiden betrachtest, bringst du mir Erleichterung. Sag mir, dass du keinen Anstoß an mir nimmst und bereit bist, mich auf meinem Kreuzweg zu begleiten! Tust du es gerne, bist du meine ganze Freude. Betrachte mein Herz in allen Phasen meiner Passion und meine Liebe, mit der ich alles durchlitt! Schau meine Augen! Darin findest du Mitleid und größte Liebe inmitten der Grausamkeit der Qualen.

Bringe bei jeder Station dem Vater mein Blut dar, das ich für das Heil der Welt vergossen habe! Denk daran, dass ich beim Aufstieg nach Kalvaria auch für jene betete, die mich einst begleiten würden! Ja, ich bitte dich, geh mit mir und sei an meiner Seite! Bedenke, mit welcher Liebe ich den Kreuzweg ging, um dir durch meinen Tod das Siegel göttlichen Lebens zu geben! Um den Meinen das Leben zu geben, bin ich für sie gestorben.


II. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf sich

Willig, ja mit innerer Freude habe ich das Kreuz auf mich genommen und getragen. Schon lange sehnte ich mich nach ihm um deinetwillen und aus Gehorsam zum Vater. Es war dein Heil! Die Welt erlösen, weißt du, was das für mich war? Ich trug dich beim Kreuztragen wie eine Mutter und sehnte mich danach, dir mein Bild in die Seele zu prägen. So bitte ich dich:

Nimm dein Kreuz auf dich, wie ich das meinige annahm! Doch nicht nur tragen sollst du es, sondern auch innerlich bejahen. Es ist die Reliquie meiner großen Liebe. Ganz eins geworden bin ich mit meinem Kreuz. Wenn du ihm begegnest, begegnest du mir. Tragen wir gemeinsam unser Kreuz!

Betrachten wir seine Leiden, so hören wir Jesus sagen: Meine Leiden habe ich für dich übernommen und durchlitten. Biete sie dem Vater an zur Sühne, so trägst du bei zum Heil der Welt. Wir sollten unseren Tageskreuzweg gehen mit dem Gebet: „Würdige mich, Herr, deine Last zu tragen, denn es ist unaussprechlich herrlich: DEIN zu sein.“

weiter zur 3. und 4. Station des Kreuzwegs

Kreuzweg von Sr. Josefa Menendez

„Opfert euch auf…“ (2)

17/11/2010

(zurück zu Teil 1)

Wir möchten daran erinnern, dass die Himmelsmutter 1917 in Fatima wünschte, dass wir täglich den Rosenkranz für den Frieden beten und Opfer für die Bekehrung der Sünder bringen.

In ihrer vierten Erinnerung aus dem Jahr 1941 schreibt Schwester Lucia: „Eines Tages fragte man mich, ob Unsere Liebe Frau uns aufgetragen hätte, für die Sünder zu beten. Ich verneinte. Während die Leute Jacinta befragten, rief er [Francisco] mich, sobald er konnte und sagte:

– Jetzt hast du gelogen! Wie konntest du nur sagen, daß Unsere Liebe Frau uns nicht aufgetragen habe, für die Sünder zu beten?

– Für die Sünder nicht! Sie wünschte, daß wir um den Frieden und die Beendigung des Krieges beten sollten. Für die Sünder sollten wir Opfer bringen.

– Ja wirklich! Ich habe schon gedacht, du hättest gelogen.“ (*)

Pater Augustin Fuentes (damals Postulator im Seligsprechungsprozess für Jacinta und Francisco) führte am 26. Dezember 1957 mit Schwester Lucia, die sich seit 9 Jahren im Karmel in Coimbra befand, ein Gespräch. Pater Fuentes berichtet, daß die Seherin ihn sehr traurig empfing:

„Pater, die Selige Jungfrau ist sehr traurig weil niemand ihre Nachricht beachtet; weder die Guten noch die Schlechten. Die Guten führen weiterhin ihr Leben der Tugend und des Apostolats, aber sie vereinigen ihr Leben nicht mit der Botschaft von Fatima. Die Sünder folgen weiterhin dem Weg des Bösen, weil sie die furchtbare Züchtigung, die dabei ist über sie zu kommen, nicht sehen. Glauben Sie mir, Pater, Gott wird die Welt züchtigen und das sehr bald. Die Strafe des Himmels wird kommen und sie wird sehr groß sein. Sagen Sie den Seelen nicht nur die materielle Strafe zu fürchten, die über uns kommen wird, wenn wir nicht beten und Buße tun, sondern vor allem, daß Seelen in die Hölle kommen werden.“ Mehrmals wiederholte sie: „Viele Nationen werden von der Erde verschwinden und Russland wird das Werkzeug der Züchtigung sein, falls wir nicht alle durch Gebet und Opfer die Bekehrung dieser armen Nation erreichen. Pater, sagen Sie den Seelen, daß der Teufel mit der Jungfrau Maria eine entscheidende Schlacht führt.“

 

 

 

 

 

Schwester Lucia um 1930

 

Im folgenden betont Schwester Lucia wieder, dass die beiden Waffen, die die Jungfrau uns gegeben hat, Gebet und Opfer sind. Sie erklärt dem Pater: „Gebet ist eine Unterhaltung mit Gott, unserem himmlischen Vater. Aber es ist nicht notwendig in der Kirche oder vor einem heiligen Bild zu sein, um mit ihm zu sprechen. Wir können überall beten, auf der Straße, in der Schule, im Büro, in der Werkstatt- überall. Der Teufel, der sehr darunter leidet, nie wieder Gott zu sehen, wird alles tun, um uns vom Beten und Opferbringen abzubringen. Wir alle, egal wer wir sind, müssen leiden. Wir müssen leiden wegen der Erbsünde und auch als wahre Nachfolger Christi. Jeder hat eine Art Kummer, Beschwernis, Krankheit oder ein Problem zu ertragen. Unser Herr bietet sein Kreuz allen an, wir sollten es also lieben und umarmen. Aber wir sollten nicht nur die Leiden annehmen, die er uns schickt – wir sollten auch die Großzügigkeit besitzen, viele Opfer zu bringen. Jeder Christ ist ein ‚anderer Christus‘  und als solcher sollte er bereitwillig für die Seelen beten und leiden. Jetzt sollten wir unsere Selbstsucht wie niemals zuvor beiseite lassen. Wir müssen unsere Seelen retten oder wir verlieren sie, zusammen mit anderen Seelen. Das Heil vieler Seelen hängt davon ab, ob wir der Gnade entsprechen werden. Falls wir unsere Seelen verlieren, werden auch viele andere Seelen verloren sein.“

Und weiter: „Pater, lassen Sie uns nicht darauf warten, daß der Heilige Vater eine allgemeine Aufforderung zur Buße erläßt, lassen Sie uns auch nicht solch einen Aufruf von unseren Bischöfen oder Oberen abwarten. Lassen Sie jeden von uns selbst anfangen, sich zu verändern. Es ist eine persönliche Verantwortung Gott gegenüber. Mit Gebet und Buße werden wir nicht nur uns selbst, sondern auch andere retten. Erinnern wir uns daran, daß wir mit vielen anderen Seelen in den Himmel eingehen sollen und daß, wenn wir unsere Seele verlieren, andere Seelen sagen hören werden: ‚Durch deine Schuld bin ich in der Hölle.‘ „

 


zurück zu Teil 1

(*) Die frühen Erinnerungen von Schwester Lucia können auf Deutsch über das Secretariado dos Pastorinhos bezogen werden. Wir bedanken uns dort auch dafür, dass wir hier Auszüge aus dem Buch „Schwester Lucia spricht über Fatima – Erinnerungen der Schwester Lucia, Band I“ wiedergeben dürfen.

Hl. Rafael Arnaiz Baron (5)

19/10/2010

Hl. Rafael Arnaiz BaronAm 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.


[Den nachfolgenden Brief schrieb er wieder von zu Hause aus, nachdem er die Abtei aufgrund seiner plötzlichen Erkrankung verlassen musste.]

An P. Marcelo Leon, Novizenmeister, von Oviedo aus (Teil 1)

11. Juni 1934 – Montag – im Alter von 23 Jahren

Ehrwürdiger Pater Marcelo Leon.

Lieber Pater Magister! Entschuldigen Sie bitte, daß es so lange gedauert hat, bis ich Ihnen jetzt endlich schreibe, um Ihnen Nachricht über meinen Gesundheitszustand zu geben; aber einem Kranken kann man diesen kleinen Fehler verzeihen.

Es geht mir weiterhin besser, wenn auch sehr langsam, aber nach und nach komme ich wieder zu Kräften. In den letzten Tagen konnte ich den Herrn empfangen. Ich kann natürlich nicht zu Fuß gehen – trotz der kurzen Entfernung zwischen der Kirche und meinem Elternhaus. Heute Nachmittag werde ich erstmals wieder eine Spazierfahrt mit dem Auto machen.

Ich muß weiterhin einen strengen Diätplan einhalten; die Mengen werden peinlich genau abgewogen, um die Menge an Kohlenhydraten zu kennen, die mein Organismus zuläßt, und um sie mit der an Insulin abzustimmen, die man mir verabreicht. Täglich wird mein Urin zweimal untersucht. Ich bekomme drei Insulinspritzen – auch diese täglich. Ich versichere Ihnen, Pater, daß ich mehr Hunger habe als in der Fastenzeit.

Der Arzt sagt, daß ich den ganzen Sommer so verbringen muß, daß ich aber wieder gesund werde… Das wünsche ich mir auch, um in meine Abtei zurückkehren zu können, auch wenn eine Zeit vergehen wird, bis ich den Speiseplan der ‚Trapa‘ wieder einhalten kann. Bis dahin liegt alles in Gottes Hand. Er ist es, der die Lösung bringen kann, und ich bin in Seinen Händen.

Mein seelischer Zustand ist wechselhaft. Das Ganze kam so plötzlich und so schnell, daß ich tagelang wie benommen war, nicht wußte, was in mir vorging, und wie betäubt lebte. Die Veränderung in meinem Leben ist so radikal, daß es nicht anders sein könnte. Ich glaubte, Gott nähme mich zu sich in den Himmel, aber es sieht so aus, als sei der Augenblick meiner Befreiung noch nicht gekommen und als wolle Er mich noch eine Weile länger hier auf Erden haben. Sein Wille geschehe und nicht der meine!

Als ich in die ‚Trapa‘ eintrat, übergab ich ihm alles, was ich war, und alles, was ich besaß: meine Seele und meinen Leib… Meine Hingabe war absolut und vollständig. Daher ist es ganz recht, daß Gott jetzt mit mir tut, was Er meint und was Ihm gefällt, ohne daß von meiner Seite auch nur eine Klage oder irgendeine Art von Auflehnung dagegen käme.

Gott ist unumschränkt mein Herr, und ich bin Sein Diener, der gehorcht und schweigt. Manchmal frage ich mich: Was will Gott von mir? Aber David sagt: Was ist der Mensch, um Gottes Absichten zu erkennnen? [vgl. Ps 8] Daher ist es das Beste, man schließt die Augen und läßt sich von Ihm leiten, denn Er weiß, was gut für uns ist.

Ich war allzu glücklich in der ‚Trapa‘. Die Prüfung, die Er von mir verlangt, ist hart, aber mit Seiner Hilfe wird es weitergehen. Hier oder dort oder sonstwo werde ich voranschreiten ohne umzukehren. Ich habe die Hand an den Pflug gelegt und kann nicht zurückschauen [vgl. Lk 9,62].

weiter zu Teil 2 dieses Briefes

„Mir als Jünger nachzufolgen, will heißen…“

04/09/2010
zum Sonntagsevangelium vom 5. September 2010: Lukas 14,25-33

Während die Frauen stehenbleiben, wo es ihnen erlaubt ist, begibt sich Jesus mit den Jüngern zum Gebet an den Ort der Hebräer. Nachdem alle Riten vollzogen sind, kommt er zurück, um mit den im Vorhof der Heiden Wartenden zusammenzutreffen.

Die sehr weiten und hohen Säulenhallen sind voller Menschen, die den Lesungen der Rabbis lauschen. Jesus begibt sich dorthin, wo er die beiden Apostel und die vorausgesandten Jünger warten sieht. Sofort bildet sich eine Gruppe um ihn; zu den Aposteln und Jüngern gesellen sich zahlreiche Personen aus der Menschenmenge im marmornen Hof. Die Neugierde ist so gross, dass auch einige Schüler der Rabbis – ich weiß nicht, ob freiwillig oder von ihren Meistern geschickt – sich der Gruppe um Jesus anschließen.


Jesus fragt ganz unvermittelt: „Warum drängt ihr euch so um mich? Sagt es. Ihr habt doch bekannte und weise Rabbis, die ein großes Ansehen genießen. Ich bin der Unbekannte, der Unerwünschte. Warum kommt ihr also zu mir?“

„Weil wir dich lieben“, sagen einige, und andere: „Weil deine Worte anders sind als die der anderen“, und wieder andere: „Um deine Wunder zu sehen“, und: „Weil wir von dir gehört haben“, und: „Nur du allein hast Worte des ewigen Lebens, und deine Werke entsprechen deinen Worten“, und schliesslich: „Weil wir uns deinen Jüngern anschließen wollen.“

Jesus schaut jeden einzelnen Sprecher an, als wolle er ihn mit seinem Blick durchbohren, um seine verborgensten Gefühle kennenzulernen, und mancher, der dem Blick nicht standhält, entfernt sich oder versteckt sich wenigstens hinter einer Säule oder hinter Leuten, die größer sind als er. Jesus fährt fort:

„Aber wißt ihr auch, was es heißt und was es sein soll, mir nachzufolgen? Ich antworte nur auf diese Worte, denn die Neugierde verdient keine Antwort, und wer nach meinen Worten hungert, hat folglich auch Liebe zu mir und das Verlangen, sich mir anzuschließen. Die Leute, die mit mir gesprochen haben, kann man in zwei Gruppen aufteilen: in die der Neugierigen, denen ich keine Aufmerksamkeit schenke, und in die guten Willens, die ich ohne Täuschung über das Ausmaß dieser Berufung unterrichte.

Mir als Jünger nachzufolgen will heißen, auf jede andere Liebe zu verzichten und nur eine einzige Liebe zu haben: die Liebe zu mir. Eigenliebe, sündige Liebe zu Reichtum, Sinnlichkeit oder Macht, ehrenhafte Gattenliebe, heilige Liebe zur Mutter und zum Vater, natürliche Liebe zu den Kindern und den Geschwistern, all das muß meiner Liebe weichen, wenn einer mir angehören will. Wahrlich, ich sage euch: freier als die Vögel, die in den Lüften umherschweifen, müssen meine Jünger sein, und freier als die Winde, die am Firmament dahinziehen und von niemandem und von nichts aufgehalten werden können. Frei, ohne schwere Ketten, ohne die Bande irdischer Liebe, ohne die feinen Spinngewebe selbst der leichtesten Schranken. Der Geist ist wie ein zarter Schmetterling, der im schweren Kokon des Fleisches eingeschlossen ist, und es genügt das schillernde, feine Gewebe einer Spinne, um seinen Flug zu erschweren oder ganz zu verhindern. Diese Spinne ist die Sinnlichkeit und die Trägheit im Opferbringen. Ich will alles, ohne Rückhalt. Der Geist bedarf dieser Freiheit im Geben, dieser Hochherzigkeit im Schenken, um die Gewißheit zu haben, dass er nicht im Spinngewebe der Zuneigungen, der Gewohnheiten, der Erwägungen und der Befürchtungen hängenbleibt; im dichten Spinngewebe, das von der riesenhaften Spinne, dem Seelenräuber Satan, gewoben wird.

Wenn einer zu mir kommen will und nicht heiligmäßig seinen Vater, seine Mutter, seine Gattin, seine Kinder, seine Brüder und Schwestern, ja, sogar sein eigenes Leben hasst, kann er nicht mein Jünger sein. Ich habe gesagt: „heiligmäßig“. Ihr sagt in eurem Herzen: „Haß kann nie heilig sein, er selbst lehrt es. Daher widerspricht er sich.“ Nein. Ich widerspreche mir nicht. Ich sage, man soll hassen, was die wahre Liebe beschwert: die leidenschaftliche, erdgebundene Liebe zu Vater und Mutter, zu Frau und Kindern, zu Brüdern und Schwestern und zum eigenen Leben. Andererseits verlange ich von euch, dass ihr eure Verwandten und das Leben mit der leichten Freiheit, die der Seele eigen ist, liebt. Liebt sie in Gott und durch Gott, doch zieht sie niemals Gott vor, und seid darum bemüht, sie zu dem Gott zu führen, bei dem der Jünger schon ist, zum Gott der Wahrheit. So werdet ihr die Verwandten und Gott heiligmäßig lieben, die beiden Arten der Liebe miteinander versöhnen, und die Bande des Blutes nicht zur Last, sondern zu Flügeln, nicht zur Schuld, sondern zur Gerechtigkeit werden lassen.

Ihr sollt auch bereit sein, euer Leben zu  hassen, um mir zu folgen. Derjenige haßt sein Leben, der es in meinen Dienst stellt und nicht fürchtet, es zu verlieren oder, menschlich gesprochen, es traurig zu verbringen. Aber es ist nur ein scheinbarer Haß, ein Gefühl, das irrtümlicherweise Haß genannt wird von dem Menschen, der sich nicht über sein rein irdisches Dasein erheben kann und nur wenig über dem Tier steht. In Wirklichkeit ist dieser scheinbare Haß, der im Verzicht auf sinnliche Befriedigungen besteht, um den Geist besser gedeihen zu lassen, Liebe. Liebe, und zwar die höchste und segensreichste Liebe, die es gibt.

Dieser Verzicht auf niedrige Genugtuungen und auf die Sinnlichkeit der Zuneigung, dieses Auf-sich-Nehmen von Tadel und ungerechten Bemerkungen, diese Gefahr, bestraft, verschmäht, verflucht und vielleicht sogar verfolgt zu werden, bedeuten eine Reihe von Qualen für uns. Aber man muß sie umarmen und sie auf sich nehmen wie ein Kreuz, wie einen Schandpfahl, an dem man jede vergangene Schuld sühnt, um gerechtfertigt vor Gott zu erscheinen, von dem wir jegliche Gnade, die wahre, mächtige heilige Gnade Gottes empfangen, auch für jene, die wir lieben. Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nicht nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein.

Gustave Doré: Verspottung Jesu

Überlegt es euch daher sehr gut, ihr, die ihr sagt: „Wir sind gekommen, um uns deinen Jüngern anzuschließen.“ Es ist keine Schande, sondern Weisheit, wenn man sich prüft und dann sich selbst und den anderen bekennt: ich habe nicht das Zeug, ein Jünger zu werden. Selbst die Heiden haben als Grundlage einer ihrer Lehren die Notwendigkeit, „sich selbst zu erkennen“, und ihr Israeliten, wäret ihr dazu nicht fähig, um den Himmel zu erringen?

Denn, erinnert euch immer: selig jene, die zu mir kommen werden. Aber besser ist es, nicht zu kommen und Sohn des Gesetzes zu bleiben wie bisher, als mich und den, der mich gesandt hat, zu verraten.

Wehe denen, die gesagt haben: „Ich komme“, und dann Christus schaden, weil sie die christliche Lehre verraten, die den Kleinen und den Guten Ärgernis geben! Wehe ihnen! Dennoch wird es sie geben, und immer wird es sie geben!

Macht es daher wie der Mensch, der einen Turm bauen will. Zuerst berechnet er genau die Kosten und zählt sein Geld, um zu sehen, ob er genügend hat, um ihn fertigzustellen; damit er, wenn die Grundmauern einmal beendet sind, nicht die Arbeit einstellen muß, weil kein Geld mehr da ist. In diesem Fall würde er auch das verlieren, was er zuvor hatte, ohne Turm und ohne Geld bleiben und sich noch dazu den Spott der Menschen zuziehen, die sagen würden: „Dieser hier hat zu bauen angefangen, ohne fertigbauen zu können. Nun kann er sich den Bauch mit den Ruinen seines unvollendeten Bauwerkes füllen.“

Macht es auch wie die irdischen Könige und zieht aus den nichtigen Ereignissen dieser Welt eine übernatürliche Lehre. Wenn ein König Krieg gegen einen anderen König führen will, überlegt er alles, das Für und Wider, ruhig und sorgfältig. Er berechnet, ob der Nutzen, den er von der Eroberung hat, das Lebensopfer seiner Untergebenen wert ist. Er prüft, ob seine Streitkräfte, die zwar tapfer, aber auch geringer an Zahl als die des Gegners sind, einen Ort erobern können; und wenn ein König sich eingestehen muß, dass es unwahrscheinlich ist, dass zehntausend Mann zwanzigtausend besiegen, wird er, bevor er es zum Krieg kommen läßt, dem Gegner eine Gesandtschaft mit reichen Geschenken schicken, um ihn zu besänftigen und den Verdacht zu beseitigen, den er durch seine Kriegsvorbereitungen erweckt hat. Er wird ihn mit Freundschaftsbezeugungen entwaffnen und einen Friedensvertrag mit ihm abschliessen, der tatsächlich immer noch vorteilhafter ist als Krieg, sowohl in menschlicher als auch in geistiger Hinsicht.

So müßt auch ihr es machen, bevor ihr ein neues Leben beginnt und der Welt entgegentretet. Denn dies ist die Aufgabe meiner Jünger: aufzutreten gegen die stürmischen und wilden Strömungen der Welt, des Fleisches und Satans. Wenn es euch an Mut fehlt, aus Liebe zu mir auf alles zu verzichten, dann kommt nicht zu mir, denn ihr könnt nicht meine Jünger sein.“

Auszug aus “Der Gottmensch“, Band V von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Hl. Rafael Arnaiz Baron (1)

16/08/2010

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser bereits mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Bruder Rafael wird einer der Patrone des Weltjugendtages 2011 in Madrid sein.

Hl. Rafael Arnaiz Baron

Wir danken dem CHRISTIANA-Verlag (CH-8260 Stein am Rhein, www.christiana.ch, info@christiana.ch, Tel. +41- 52 741 41 31) und der Autorin Ingrid Mohr P.I.J. für die Erlaubnis, den nachfolgenden Auszug aus den persönlichen Aufzeichnungen von Bruder Rafael vom 12. Dezember 1936 aus dem Büchlein „Ein Lichtstrahl Gottes“ hier veröffentlichen zu dürfen:

Die Pirouetten der Rüben

Drei Uhr nachmittags an einem regnerischen Tag im Monat Dezember. Es ist Arbeitszeit und da heute Samstag ist und klirrende Kälte herrscht, ziehen wir nicht aufs Feld hinaus. Wir arbeiten in einem Raum, in dem Linsen aussortiert, Kartoffeln geschält, Kohlköpfe kleingeschnitten werden usw. – wir nennen ihn „das Laboratorium“. Darin gibt es einen langen Tisch und einige Bänke, ein Fenster und darüber ein Kreuz. Der Nachmittag, den ich heute erlebe, ist trüb und traurig erscheint mir alles.

Man hat mir ein Messer in die Hand gegeben und vor mich hin einen Korb mit einer Art von sehr grossen weissen Möhren gestellt, die sich als Rüben entpuppen. Die Zeit vergeht schleppend und auch mein Messer fährt nur langsam zwischen Schale und Fleisch der Rüben hindurch, die ich wunderschön geschält beiseite lege.

Warum nur habe ich mein Elternhaus verlassen und bin hergekommen, um in dieser Kälte diese so hässlichen Dinger zu schälen!! Es ist wirklich lächerlich, mit der Ernsthaftigkeit eines Trauerbeamten Rüben zu schälen. Ich erinnere mich an mein Zuhause, an meine Eltern und Geschwister, an meine Freiheit, die ich zurückgelassen habe, um mich hier zwischen Linsen, Kartoffeln, Kohlköpfen und Rüben einzusperren. Es ist ein trüber Tag. Meine Hände sind gerötet und meine Füsse vor Kälte erstarrt… Und die Seele? Herr, vielleicht leidet die Seele ein wenig… Suchen wir Zuflucht in der Stille!

Die Zeit verging mit meinen Gedanken, den Rüben und der Kälte. Plötzlich und schnell wie der Wind dringt ein helles Licht in meine Seele, ein göttliches Licht, Sache eines Augenblicks… Jemand fragt mich, was ich tue. Was ich tue? Heiligste Jungfrau, was für eine Frage! Rüben schälen…, Rüben schälen! Wozu? – Und das Herz macht einen Sprung und antwortet, ohne gross nachgedacht zu haben: Ich schäle Rüben aus Liebe – aus Liebe zu Jesus Christus!

Ich kann nichts sagen, was man wirklich begreifen könnte. Aber dort drinnen, tief drinnen in der Seele löste ein ganz grosser Friede die Verwirrung ab, die ich vorher empfunden hatte. Ich kann nur sagen, dass man die kleinsten Dinge des Lebens in Akte der Liebe zu Gott verwandeln kann…, dass das Schälen einiger Rüben aus echter Liebe zu Gott, Ihm genau so viel Ehre und uns ebenso viele Verdienste erwirken kann wie die Eroberung Amerikas. Der Gedanke daran, dass ich einzig und allein durch seine Barmherzigkeit das grosse Glück habe, etwas für Ihn zu leiden, ist etwas, das die Seele mit einer solchen Freude erfüllt, dass ich – wenn ich mich von meinem inneren Drang hätte leiten lassen – am liebsten angefangen hätte, Rüben nach rechts und links zu werfen, um diesen armen Wurzeln des Erdbodens die Freude meines Herzens zu vermitteln… Ich hätte echte Jongleurkunststücke mit den Rüben, dem Messer und der Schürze zustande gebracht.

Bruder Rafaels Zisterzienserkloster San Isidro de Duenas

Als die Arbeit begann, bedeckten Wolken der Traurigkeit den Himmel. Die Seele litt, als sie sich am Kreuz sah; alles belastete sie sehr: die Regel, die Arbeit, das Schweigen, der Mangel an Licht an einem so trüben Tag, so grau und so kalt; der Wind, der durch die Fenster blies; der Regen und der Schlamm; das Fehlen der Sonne… Und die Welt: so weit weg…, so weit entfernt. Und ich schälte währenddessen Rüben, ohne an Gott zu denken.

Aber alles geht vorüber, sogar die Versuchung… Die Zeit verging, schon trat Ruhe ein, schon wurde es licht. Nun ist es mir einerlei, ob der Tag kalt ist, ob es Wolken gibt, der Wind bläst oder die Sonne scheint. Mir geht es darum, meine Rüben zu schälen, ruhig, glücklich und zufrieden, auf die Jungfrau Maria zu schauen und Gott zu preisen.

Was soll die Betrübnis eines Augenblicks, das Leid einer kurzen Zeit!… Ich kann sagen, dass es keinen Schmerz gibt, der nicht seinen Ausgleich hätte in diesem oder im anderen Leben, und dass in Wirklichkeit sehr wenig von uns verlangt wird, um den Himmel zu verdienen. Hier in einer Trapa ist es vielleicht leichter als in der Welt, aber in der Welt hat man die gleichen Möglichkeiten, Gott etwas anzubieten. Lasst uns die Zeit gut nutzen! Lasst uns dieses gesegnete Kreuz lieben, das der Herr auf unsern Weg stellt, wie immer es auch sei oder sein wird!

Nützen wir die kleinen Dinge des täglichen Lebens, des gewöhnlichen Lebens! Um grosse Heilige zu sein, bedarf es nicht grosser Dinge; es genügt, die kleinen Dinge auf grossartige Weise zu tun.

In der Welt wird vieles versäumt, aber das kommt daher, dass sie den Menschen ablenkt… Es hat ebensoviel Wert, Gott in der Welt im Sprechen zu lieben wie in der Trapa im Schweigen. Wichtig ist, etwas für Ihn zu tun, sich an Ihn zu erinnern. Der Ort, die soziale Stellung und die Tätigkeit sind unwichtig. Gott kann mich  heilig machen, ob ich nun Kartoffeln schäle oder ein Reich regiere.

Als die Arbeit beendet war und ich im Gebet zu Jesus ging, stellte ich dort einen Korb mit fein geschälten, sauberen Rüben nieder… Ich hatte Ihm nichts anderes anzubieten; aber Gott genügt das, was Ihm mit ganzem Herzen geschenkt wird, seien es nun Rüben oder Kaiserreiche.

Wenn ich das nächste Mal Wurzeln schäle, egal welcher Art, auch wenn sie kalt und eisig sein sollten, bitte ich Maria darum, mir Engel vom Himmel zu schicken, die ihr rote Möhren und Jesus weisse Rüben, Kartoffeln und Zwiebeln, Kohl- und Salatköpfe zu Füssen legen…

Kurz und gut: sollte ich viele Jahre in der Trapa leben, mache ich aus dem Himmel eine Art Gemüsemarkt. Und wenn mich der Herr dann ruft und mir sagt: „Jetzt genug mit der Schälerei… Lass das Messer und die Schürze fallen und komm, um dich an dem zu erfreuen, was du getan hast!“… Wenn ich dann im Himmel bin bei Gott und unter all den Heiligen und zwischen so vielem Gemüse…, Herr Jesus, dann werde ich nicht anders können: dann werde ich lachen müssen!

Bücher mit den Schriften des Heiligen oder über ihn sind beim Christiana-Verlag und beim Bernardus-Verlag erhältlich.

weiter zum nächsten Auszug aus den Schriften Bruder Rafaels