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Kreuzweg mit dem hl. Pfarrer von Ars (13. und 14. Station)

22/04/2011

An den Freitagen vor Ostern geben wir jeweils zwei Stationen der Kreuzweg-Betrachtung des hl. Pfarrers von Ars wieder.


Vorbereitungsgebet

Ewiger Vater, nimm hin das göttliche Blut, das Jesus Christus, dein Sohn, bei seinem Leiden vergossen hat! Im Blick auf seine Wunden, auf sein von Dornen durchbohrtes Haupt, auf sein liebendes Herz, um aller seiner Verdienste willen verzeihe den Seelen ihre Schuld und rette sie!

Göttliches Blut meines Erlösers, ich bete dich mit großer Ehrfurcht und Liebe an, um die Beleidigungen zu sühnen, welche dir so viele Menschen zufügen.

Mein Jesus, schenk mir Verzeihung und Barmherzigkeit um der Verdienste deines bitteren Leidens und deiner heiligen Wunden willen! Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die ganze Welt erlöst.

O Maria, Schmerzensmutter, drücke deines Sohnes Wunden tief in unsere Herzen ein.

XIII. Station: Jesus wird vom Kreuze abgenommen


Wenn du meinen Leib gesehen hättest in den Armen, auf den Knien meiner Mutter! Er hatte alle Schönheit verloren. Für eure Sünden war er zu Tode verwundet worden, auf der Erde geschleift, seine Glieder verrenkt, sein Blick erloschen. Das war nicht mehr mein Antlitz. Meine Mutter betet ihn an, küsst alle Wunden, lässt ihre Tränen auf mein Antlitz fallen und auf meine Glieder. Sie hatte nur wenig Zeit, doch mit welcher Liebe und Ehrfurcht hat sie jede Wunde geschlossen!

Ruhe auch du in den Händen meiner Mutter! Mit Maria bete mich an, küsse meine Wunden, lass deine Tränen auf mein Antlitz fallen und sage meiner Mutter auch ein Wort des Trostes! Sie ist ja deine Mutter.

O Maria, dein Herz sei mein Altar, ich das Opfer, das du dem Heiligen Geist darbietest, damit er mit dem Liebesschwert seine Durchbohrung vollziehe und ich Jesus zur strahlenden Mitte meines Lebens mache! Sein ständiges „Sitio“ soll mich dazu anspornen, ihn auch für die anderen zu lieben.

XIV. Station: Jesus wird ins Grab gelegt

Hättest du je gewagt, den Tod deines Gottes für dich, sein Geschöpf, so vorzustellen? Du weisst nun, welch grausamen Tod ich erdulden musste.

Fasse Mut und denke oft liebend an meine Passion! Die Liebe Gottes ist unfassbar. Ihr werdet sie nie begreifen. Was immer du auch weisst von meiner Passion und deiner Erlösung, das Verlangen meines Herzens, das deine Erlösung so sehnlichst gewünscht hat, bleibt dir verborgen. Vorher war es für dich schwer, aus Liebe zu leiden, aber jetzt, da ich dir den Weg gezeigt habe, hättest du nicht das Verlangen, dich mit mir zu vereinigen zur Zeit deiner Prüfungen? Das Schwerste in allen Prüfungen und Heimsuchungen ist, sich verlassen zu fühlen und von gleichgültigen, kalten Menschen belächelt zu werden. Bete besonders für diese. Bereits vor meiner Passion wusste ich, was Leiden ist. Ich liebte meine Passion aus Liebe zu euch: liebe du sie aus Liebe zu mir. 

Beim Beten des Kreuzweges geht uns auf:

Jesus neigt sich mit seinen heiligen Wunden zu uns herab und macht alles wieder gut, wodurch wir ihn beleidigt haben. In seinem Herzen finden wir grösstes Leid – in unser Herz legt er tiefen Frieden. Sein Herz zergeht in Verlassenheit – unser Herz sucht er heim mit Trost und Freude. Er wandelt unser Unrecht in Gnade und wählt sich unser Herz als sein Daheim.

Der Kreuzweg gibt uns viel Licht für die dunklen und schweren Stunden unseres Lebens. Alle tapfer bestandenen Leidensstunden belohnt er durch unsere grössere Vereinigung mit ihm. Wir erfahren das Pauluswort: „Ich trage allzeit das Todesleiden Jesu an meinem Leibe, damit auch die Herrlichkeit des Lebens Jesu an mir offenbar werde“.

So bitten wir den Heiland: Dringe tief in mein Herz ein, dass ich deine Liebe nie mehr verliere! Gib mir Kraft, dich in dem Kreuz zu lieben, das du mir im Alltag bereitest, um mit dir aufzuerstehen! Amen.

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14. September: Fest des Kreuzesopfers

14/09/2010

 

Rundschreiben an die Freunde des Kreuzes (Hl. Ludwig Maria Grignion v. Montfort)

Die Wissenschaft des Kreuzes

Freunde des Kreuzes, Schüler eines gekreuzigten Gottes, die Lehre des Kreuzes ist ein Geheimnis, das den Heiden verborgen, von den Juden verworfen, von den Häretikern und den schlechten Katholiken verachtet wird, aber trotzdem ein großes Geheimnis ist, das man nur in der Schule Jesu Christi lernen kann.

Vergebens werdet ihr in allen Hochschulen des Altertums einen Philosophen suchen, der es gelehrt hätte, vergebens die Erfahrung der Sinne und das Licht der Vernunft zu Rate ziehen: Jesus Christus allein kann euch mittels seiner siegreichen Gnade dieses Geheimnis lehren und seine Süßigkeit verkosten lassen. Suchet daher Fortschritte zu machen in dieser erhabenen Wissenschaft unter der Leitung eines so großen Lehrers; bald werdet ihr alle anderen Wissenschaften erlangen, denn sie schließt alle anderen in höherer Weise in sich ein. Das ist die Frucht unserer natürlichen und übernatürlichen Philosophie, und das Ergebnis unserer göttlichen und geheimnisvollen Theologie. Das ist der Stein der Weisen, der bei geduldigem Ausharren das roheste Metall in Edelsteine, die ärgsten Schmerzen in Wonne, die Armut in Reichtum, die tiefsten Verdemütigungen in Ehre verwandelt. Wer unter euch am besten sein Kreuz zu tragen weiß, ist, selbst wenn er das ABC nicht könnte, der weiseste von allen.

Höret den hl. Paulus, welcher bei seiner Rückkehr aus dem dritten Himmel, wo er Geheimnisse schaute, die selbst Engeln verborgen sind, beseligt ausrief, dass er nichts anderes wissen wolle, als nur Jesus Christus, den Gekreuzigten. Freue dich, du einfacher, ungelehrter Mann, du arme Frau ohne Talent und ohne Wissenschaft! Wenn du mit Freuden zu leiden weißt, weißt du mehr als der gelehrteste Doktor der Sorbonne, der nicht so gut wie du zu leiden versteht. Ihr seid wahrhaft Glieder des Leibes Christi. Welche Ehre! Wie notwendig ist es aber für euch, in dieser Eigenschaft zu leiden.

Das Haupt ist mit Dornen gekrönt, und die Glieder sollten mit Rosen geschmückt sein? Das Haupt wird angespieen und auf dem Kreuzweg mit Kot beworfen, und die Glieder sollten weichlich auf Federn und Flaum gebettet sein? Das wäre ein unerhörter Widerspruch, eine sonderbare Missgestalt. Nein, teure Freunde des Kreuzes, täuschet euch nicht! Jene Christen, die ihr überall sehet, nach der Mode gekleidet, fein geschmückt, gebildet und eingebildet bis zum Übermaß, sind nicht die wahren Jünger, noch die wahren Glieder Jesu Christi, des Gekreuzigten. Ihr würdet diesem mit Dornen gekrönten Haupte und der Wahrheit des Evangeliums einen Schimpf antun, wenn ihr das Gegenteil glauben würdet. O mein Gott, wie viele Scheinchristen gibt es, welche sich für Glieder des Erlösers ausgeben, in Wahrheit aber seine Verräter und Verfolger sind, weil sie zwar mit der Hand das Zeichen des Kreuzes machen, in ihrem Herzen aber seine Feinde sind.

Wenn du vom gleichen Geiste geleitet wirst, wenn du ein ähnliches Leben führst wie Jesus Christus, dein ganz mit Dornen gekröntes Haupt, so mache dich auf Dornen, auf Geißelhiebe und Nägel, mit einem Worte, auf das Kreuz gefasst.

Denn es ist notwendig, dass die Schüler behandelt werden wie die Lehrer, die Glieder wie das Haupt. Und wenn der Himmel dir, wie der hl. Katharina von Siena, eine Dornenkrone und eine Rosenkrone anbieten würde, so wähle wie sie, ohne Bedenken, die Dornenkrone und drücke sie auf dein Haupt, um Jesus Christus ähnlich zu sein.

Auszug aus „Rundschreiben an die Freunde des Kreuzes“ in  „Das Goldene Buch“ vom hl. Louis Marie Grignon de Montfort. Neuauflage der ursprünglichen Übersetzung erschienen im Lins-Verlag, 6800 Feldkirch, Österreich

Die beiden Parteien