Posts Tagged ‘Leiden’

„… preist die Leiden…“

07/12/2011

In Kapitel 119 des „Gottmensch“ schildert Maria Valtorta, wie Jesus mit drei seiner Apostel bei einem Landwirt zu Gast ist:

„(…) Glücklich ihr, die ihr immer bei ihm sein dürft!“ sagt er [Anm.: der Landwirt] dann zu Johannes, Simon und Judas, die auf einer niedrigen Mauer sitzen und saftige Feigen essen. Und der Bauer endet: „Ich bin glücklich, dass du hier für eine Nacht mein Gast sein willst. Nun fürchte ich kein Unglück mehr, denn dein Segen ist in mein Haus eingekehrt.“

Jesus antwortet: „Der Segen wirkt und bleibt, wenn die Seelen dem Gesetze Gottes und meiner Lehre treu bleiben. Andernfalls geht die Gnade verloren. Und es ist recht so. Denn wenn es wahr ist, dass Gott Sonne und Luft sowohl den Guten als auch den Bösen schenkt, damit die Guten besser werden und die Schlechten sich bekehren, so ist es auch gerecht, dass der Schutz des Vaters sich zur Strafe vom Bösen abwendet und er durch das Leid zu Gott zurückgerufen werde.“

„So ist der Schmerz nicht immer ein Nachteil?“

„Nein, Freund. Menschlich gesehen, ist er etwas Negatives, im Übernatürlichen aber etwas Gutes. Das Leid vermehrt die Verdienste der Gerechten, die es ohne Verzweiflung und Auflehnung ertragen und es aufopfern in Ergebenheit, als Opfer der Sühne für die eigenen Verfehlungen und für die Sünden der Welt; es bedeutet Erlösung für alle, die nicht gerecht sind.“

„Es ist so schwer, zu leiden!“ sagt der Landwirt, dem sich die Familienangehörigen, etwa zehn Kinder und Erwachsene, zugesellt haben.

„Ich weiss, dass der Mensch es schwierig findet. Der Vater will seinen Kindern den Schmerz ersparen, da er weiss, wie schwer er zu ertragen ist. Doch das ist die Folge der Schuld. Wie lange aber dauert irdisches Leiden in einem Menschenleben? Wahrlich, nur kurze Zeit. Nur kurze Zeit, selbst wenn es sich um das ganze Leben handelt. Ich aber sage: Ist es nicht besser, eine kurze Zeit zu leiden, als ewig leiden zu müssen? Ist es nicht besser, hier zu leiden als im Fegefeuer? Vergesst nicht, dass dort die Zeit tausendmal länger ist. Oh, wahrlich, ich sage euch, verwünscht eure Schmerzen nicht, sondern preist die Leiden, die man besser „Gnaden“ und „Barmherzigkeit“ nennen sollte.“

„Oh, deine Worte, Meister! Wir trinken sie, wie ein Dürstender im Sommer das Honigwasser aus einem frischen Krug trinkt. Willst du uns wirklich schon morgen verlassen, Meister?“

„Ja, morgen. Doch ich werde wiederkommen, um dir zu danken für alles, was du für mich und die Meinigen getan hast, und um dich nochmals um Brot und ein Lager zu bitten.“

„Immer, Meister, wirst du beides hier finden.“

Es kommt ein Mann mit einem Esel, der mit Gemüse beladen ist. (…)

Auszug aus “Der Gottmensch“, Bd. II von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

12. Oktober 2011: 50. Todestag von Maria Valtorta

11/10/2011

Am 12. Oktober 1961 um 10.35 Uhr morgens verstarb Maria Valtorta mit 65 Jahren in ihrem Elternhaus in Viareggio. Anlässlich ihres 50. Todestages werden in der Basilica Ss Annunziata in Florenz, wo sich das Grab der Valtorta befindet, hl. Messen zelebriert. Eine weitere Messe und Vorträge über Leben und Werk der Mystikerin finden dort statt am Samstag 15. Oktober. Ausführliches Programm siehe hier.

Maria Valtorta hatte schon früh im Leben Gottes Ruf vernommen, war ihm aber erst nach einigen Irrungen und Umwegen gänzlich gefolgt. In ihrer Autobiographie schildert die Schriftstellerin ergreifend ihren Werdegang zum „Sprachrohr Gottes“:

Als Heranwachsende hatte ich gesagt: „Herr, ich stehe Dir zur Verfügung.“ Und die erste Schneeflocke hatte sich gebildet und sich sachte, sachte vergrößert durch die fortwährenden Akte der Hingabe der Seele.

Dann hatte es eine Unterbrechung gegeben. Etwas hatte die Heranbildung und die schnellere Vorwärtsbewegung der Lawine aufgehalten. Das war mein menschlicher Lebensabschnitt, die Periode der Zerstreuungen, besser gesagt, der Ablenkungen. Und Jesus hatte gewartet. Nur im schlimmsten Augenblick hatte Er mir einen Wink gegeben, um mich vor dem Untergang zu retten, um mich zurückzurufen. Er war mir im Traum erschienen, um mir seine sanfte Zurechtweisung zu erteilen, um mich zum Nachdenken zu bringen und mich in meinem Lauf, der mich ins Unglück geführt hätte, aufzuhalten.

Und dann hatte er von neuem gewartet. In seiner Geduld und Güte hatte er mir die notwendige Zeit gegeben, um seelisch zu heilen, während er unmerklich daran arbeitete, mich abzusondern. Oh, darin war Er sehr aktiv! Er wollte mich – und nahm mir alles weg, auf dass nur Er mir bliebe.

Als ich dann schrie: „Ich will dein sein“, hat Er ganz von mir Besitz ergriffen. Und ich hatte keinen Herzschlag, keinen Atemzug, keinen Blick, kein Wort und keinen Gedanken mehr, die nicht durch den göttlichen Filter seiner Liebe gingen, so wie auch nichts von außen in mich eindringen konnte, das nicht denselben göttlichen Filter passierte.

Das währt nun schon seit zwanzig Jahren, und mein Einfühlungsvermögen ist immer größer und der Filter immer vollkommener geworden. Das Böse, das mir durch andere zuteil werden kann, wird durch diese göttliche Vorkehrung gemildert, und das Gute, das ich tun kann, breitet sich auf Mitmenschen immer reiner aus, da die Liebe es von allen menschlichen Unvollkommenheiten reinigt. Ich leide noch viel, denn es ist meine Bestimmung, dass ich leide. Aber das Leid, das mir durch andere zugefügt wird, wird gemildert durch die Freude, die ich von Christus empfange. Daher sage ich mir, und ich bin überzeugt von dem, was ich sage, dass ich inzwischen begriffen habe, dass die einzigen wirklichen Schmerzen eines Herzens die sind, die von Gott kommen, um uns zu prüfen oder zu bestrafen.

Schmerzen, die uns von Menschen zugefügt werden, verursachen uns Tränen. Das ist natürlich. Auch Jesus hat geweint. Aber auch wir erfahren Trost im Weinen, wenn wir nur daran denken, dass dieser Schmerz, der uns von unserem Nächsten zugefügt wird, seiner Erlösung dient, eine Sühne für unseren Nächsten ist. Wenn aber Gott uns heimsucht, indem Er uns seine unsichtbare Gegenwart entzieht und uns scheinbar alleine lässt, dann leiden wir unsagbar. Ich glaube, das ist eine abgeschwächte Form jener Qual, die die armen Seelen im Fegefeuer erleiden müssen. An die Verdammten in der Hölle will ich erst gar nicht denken.

O mein Schmerz, der du von Gott kommst und tausend Gesichter hast, sei gelobt! Gelobt seist du in deiner gegenwärtigen Form: verursacht durch die Krankheit, die fortschreitende Armut, die Verständnislosigkeit meiner Mitmenschen um mein Krankenbett herum und zahllose alltägliche Dinge! Und gelobt seist du, Schmerz der vergangenen Jahre: als ich als eingebildete Kranke ausgelacht wurde, meinem Vater in seiner Todesstunde nicht beistehen konnte, in meinem Eifer für das Apostolat nicht verstanden wurde und immer die gleiche mütterliche Lieblosigkeit ertragen musste! Gelobt seist du, Schmerz, den ich, da ich dich in deinem königlichen Gewand nicht erkannte, nicht liebte: Schmerz meiner zwanzig Jahre und meiner zerbrochenen Liebe! Gelobt, gelobt seist du, o Schmerz, der du mich der Welt entzogen und Gott geschenkt hast! Gelobt seist du für die Weisheit, die mir durch dich zuteil wurde! Gelobt seist du für die Liebe, die du mir eingeflößt hast! Gelobt seist du für die Flügel, die du meinem Ich geschenkt hast, damit ich mit all meinen heiligsten Bestrebungen zum Himmel aufsteigen könne! Gelobt seist du, o Schmerz, der mich mit Jesus auf dasselbe Kreuz genagelt hat und mich an seinem Werk teilhaben lässt, das seit zwanzig Jahrhunderten fortdauert, um die Seelen in das Reich Gottes zu bringen und das Reich Gottes in die Seelen! Nie werde ich aufhören, dich zu benedeien, o Schmerz, o meine Freude, denn in dir habe ich den Frieden gefunden!

 

Auszug aus der Autobiographie von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

14. September: Fest der Kreuzerhöhung

14/09/2011

14. September 1945

Nach dem schrecklichen Leiden, das mich an den Rand des Grabes brachte, nach drei Tagen Todesnot, nach der Beichte und Kommunion von heute Vormittag, wobei ich mich noch immer so krank fühle – der Leib möchte nur Hunger und Stille, während die Seele nach dem göttlichen Wort hungert – mit schrecklichem Kopfweh, in der Schwere einer Schlaftrunkenheit des erschöpften Körpers, sehe ich die Stunden dieses Gedenktages der hl. Kreuzerhöhung verstreichen.


Ich denke daran, wie ich mich in der furchtbaren Periode in Compito (1) wirklich wie an den letzten Halt an das Kreuz geklammert hatte, um nicht unterzugehen. Ich denke daran, dass ich auf der Rückreise so gerne in die Kirche S. Martino eingetreten wäre, um meinem Erlöser „Danke“ zu sagen. Ich denke daran, wie sich mir am Vormittag des 10. während meiner Todesnot wiederum der Gipfel des Kalvarienberges mit den drei Kreuzen gezeigt hatte, wovon eines seinen Märtyrer nicht mehr trug, ein anderes sein Martergewicht zur Erde neigte, wie, um seine gequälte Frucht niederzulegen, das dritte noch aufrecht stand. Genau so, wie ich sie gesehen hatte, als Antonietta Dal Bo (2) gestorben war. 

Ich denke an so viele Dinge. Auch daran, dass Jesus mir gestern früh als ein besserer Krankenpfleger als alle anderen geholfen hat, ohne mir freilich den Schmerz anzunehmen – und nur Er allein weiß, wie groß, wie unvorstellbar groß dieser ist – aber mir dennoch Frieden spendete. Ich denke, dass es Ihm sicherlich weh tat, mich leiden zu lassen, Er es aber tun musste, weil eine andere Seele freigekauft oder ihr durch diesen großen Schmerz geholfen werden sollte. Und während Jesus mir half, versuchte Satan, mich zu verwirren… und versucht mich noch immer. Ich denke und denke über all das nach…

Er (Satan) würde mich sofort in Frieden lassen und mir vielleicht auch materiell helfen, wenn ich zustimmte, nicht mehr das, was Jesus wünscht, zu schreiben. Aber das kann ich nicht tun. Wenn die, die da kritisieren oder bestreiten und höhnen, darüber nachdächten, dass ich weder finanziellen noch anderen Nutzen von der Arbeit des „Sprachrohrs“ habe, sondern nur Mühsal und Leiden aller Art, und wenn sie vor allem all das selbst durchlitten, was ich leide und ertrage, würden sie sofort begreifen, dass ich das, was ich tue, tun muss, weil Gott es will, und zwar ohne jeden materiellen oder seelischen Profit für mich.

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(1) Sant’Andrea di Compito, der Ort an dem die Schriftstellerin die acht Monate der Evakuierung verbracht hatte.

(2) Am 4. Januar 1944, als Antonietta Dal Bo gestorben war.

Auszug aus “Die Hefte 1945 – 1950″  von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.ch, www.parvis.ch

Rundschreiben an die Freunde des Kreuzes

Die Wissenschaft des Kreuzes

Steve Jobs tritt zurück

25/08/2011

Steve Jobs tritt vom Apple-Vorstand zurück. Das verheißt wohl leider nichts Gutes, was seine Krankheit betrifft. Hier die Rede, die er 2005 vor den Hochschulabsolventen der Stanford University hielt.

Gut, wie er die vermeintlich negativen Erlebnisse in seinem Leben annehmen kann und dankbar anerkennt, dass die ihn weitergebracht haben. Und wie er den jungen Leute rät, die eigene innere Stimme nicht zum Verstummen zu bringen, sondern den Mut zu haben, dem Gefühl und der eigenen Intuition zu folgen.


Der Gehorsam ist das Kennzeichen eines Dieners Gottes

29/05/2011
(zum Sonntags-Evangelium vom 29. Mai 2011: Johannes 14,15-21)

16. Dezember [1943]

Numeri, Kap. 23,12.19.21

Jesus sagt:

„Der wahre Diener Gottes erwidert auf jedweden Druck menschlicher Kräfte, die ihn von den Wegen Gottes abbringen wollen: „Kann ich denn vielleicht anderes sagen oder tun, als das, was der Herr mir aufgetragen hat?“

Der Gehorsam auf den göttlichen Befehl, was auch immer dieser Befehl sei, ist das Kennzeichen eines Dieners Gottes. Es gibt unendlich viele göttliche Anforderungen, und alle sind durch eine Liebesabsicht gerechtfertigt. Dem einen auferlege Ich zu schweigen, dem anderen zu reden, wieder einem, sich zu isolieren, und einem anderen, sich zum Anführer von Seelen zu machen. Dem einen gebe ich übernatürliche Schauungen und dem anderen eine übernatürliche Stimme. Also:  Meine Diener sollen nach meinem Willen handeln, dann werden sie Mir in ihren Verdiensten ohne Unterschied sein.

Ich übe keinen Zwang in der Weise aus, dass ihr mir nicht euren Gehorsam verweigern könntet. Nein, nicht einmal die, welche so weich wie ein zum Spinnen fertiges Baumwollflöckchen in Meiner Hand sind, werden von Mir zum Gehorsam gezwungen. Aber je mehr sie „Mir“  angehören, desto leichter fällt ihnen der Gehorsam und ist ihnen lieb,  so dass sie auch auf Kosten der Gefährdung – denn die Welt hasst ja die, die sich Gott zu eigen geben – und ihrer Leiden – denn die Welt lässt ihren Hass in Leiden für Meine „Heiligen“ Blüten treiben – Meinem Auftrag treubleiben. (…)“

Auszug aus “Die Hefte 1943″ von Maria Valtorta. Veröffentlicht mit der Genehmigung des Herausgebers Centro Editoriale Valtortiano srl. Isola del Liri (FR), www.mariavaltorta.com, dem die Rechte für die Werke Maria Valtortas gehören. Um die Bücher Maria Valtortas in deutscher Sprache zu erwerben bitte wenden an den Parvis-Verlag, 1648 Hauteville, Schweiz: book@parvis.chwww.parvis.ch

Kreuzweg mit dem hl. Pfarrer von Ars (13. und 14. Station)

22/04/2011

An den Freitagen vor Ostern geben wir jeweils zwei Stationen der Kreuzweg-Betrachtung des hl. Pfarrers von Ars wieder.


Vorbereitungsgebet

Ewiger Vater, nimm hin das göttliche Blut, das Jesus Christus, dein Sohn, bei seinem Leiden vergossen hat! Im Blick auf seine Wunden, auf sein von Dornen durchbohrtes Haupt, auf sein liebendes Herz, um aller seiner Verdienste willen verzeihe den Seelen ihre Schuld und rette sie!

Göttliches Blut meines Erlösers, ich bete dich mit großer Ehrfurcht und Liebe an, um die Beleidigungen zu sühnen, welche dir so viele Menschen zufügen.

Mein Jesus, schenk mir Verzeihung und Barmherzigkeit um der Verdienste deines bitteren Leidens und deiner heiligen Wunden willen! Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die ganze Welt erlöst.

O Maria, Schmerzensmutter, drücke deines Sohnes Wunden tief in unsere Herzen ein.

XIII. Station: Jesus wird vom Kreuze abgenommen


Wenn du meinen Leib gesehen hättest in den Armen, auf den Knien meiner Mutter! Er hatte alle Schönheit verloren. Für eure Sünden war er zu Tode verwundet worden, auf der Erde geschleift, seine Glieder verrenkt, sein Blick erloschen. Das war nicht mehr mein Antlitz. Meine Mutter betet ihn an, küsst alle Wunden, lässt ihre Tränen auf mein Antlitz fallen und auf meine Glieder. Sie hatte nur wenig Zeit, doch mit welcher Liebe und Ehrfurcht hat sie jede Wunde geschlossen!

Ruhe auch du in den Händen meiner Mutter! Mit Maria bete mich an, küsse meine Wunden, lass deine Tränen auf mein Antlitz fallen und sage meiner Mutter auch ein Wort des Trostes! Sie ist ja deine Mutter.

O Maria, dein Herz sei mein Altar, ich das Opfer, das du dem Heiligen Geist darbietest, damit er mit dem Liebesschwert seine Durchbohrung vollziehe und ich Jesus zur strahlenden Mitte meines Lebens mache! Sein ständiges „Sitio“ soll mich dazu anspornen, ihn auch für die anderen zu lieben.

XIV. Station: Jesus wird ins Grab gelegt

Hättest du je gewagt, den Tod deines Gottes für dich, sein Geschöpf, so vorzustellen? Du weisst nun, welch grausamen Tod ich erdulden musste.

Fasse Mut und denke oft liebend an meine Passion! Die Liebe Gottes ist unfassbar. Ihr werdet sie nie begreifen. Was immer du auch weisst von meiner Passion und deiner Erlösung, das Verlangen meines Herzens, das deine Erlösung so sehnlichst gewünscht hat, bleibt dir verborgen. Vorher war es für dich schwer, aus Liebe zu leiden, aber jetzt, da ich dir den Weg gezeigt habe, hättest du nicht das Verlangen, dich mit mir zu vereinigen zur Zeit deiner Prüfungen? Das Schwerste in allen Prüfungen und Heimsuchungen ist, sich verlassen zu fühlen und von gleichgültigen, kalten Menschen belächelt zu werden. Bete besonders für diese. Bereits vor meiner Passion wusste ich, was Leiden ist. Ich liebte meine Passion aus Liebe zu euch: liebe du sie aus Liebe zu mir. 

Beim Beten des Kreuzweges geht uns auf:

Jesus neigt sich mit seinen heiligen Wunden zu uns herab und macht alles wieder gut, wodurch wir ihn beleidigt haben. In seinem Herzen finden wir grösstes Leid – in unser Herz legt er tiefen Frieden. Sein Herz zergeht in Verlassenheit – unser Herz sucht er heim mit Trost und Freude. Er wandelt unser Unrecht in Gnade und wählt sich unser Herz als sein Daheim.

Der Kreuzweg gibt uns viel Licht für die dunklen und schweren Stunden unseres Lebens. Alle tapfer bestandenen Leidensstunden belohnt er durch unsere grössere Vereinigung mit ihm. Wir erfahren das Pauluswort: „Ich trage allzeit das Todesleiden Jesu an meinem Leibe, damit auch die Herrlichkeit des Lebens Jesu an mir offenbar werde“.

So bitten wir den Heiland: Dringe tief in mein Herz ein, dass ich deine Liebe nie mehr verliere! Gib mir Kraft, dich in dem Kreuz zu lieben, das du mir im Alltag bereitest, um mit dir aufzuerstehen! Amen.

zurück zum Anfang dieses Kreuzweges

Kreuzweg mit dem hl. Pfarrer von Ars (1. und 2. Station)

11/03/2011

An den Freitagen vor Ostern geben wir jeweils zwei Stationen der Kreuzweg-Betrachtung des hl. Pfarrers von Ars wieder.


Vorbereitungsgebet

Ewiger Vater, nimm hin das göttliche Blut, das Jesus Christus, dein Sohn, bei seinem Leiden vergossen hat! Im Blick auf seine Wunden, auf sein von Dornen durchbohrtes Haupt, auf sein liebendes Herz, um aller seiner Verdienste willen verzeihe den Seelen ihre Schuld und rette sie!

Göttliches Blut meines Erlösers, ich bete dich mit großer Ehrfurcht und Liebe an, um die Beleidigungen zu sühnen, welche dir so viele Menschen zufügen.

Mein Jesus, schenk mir Verzeihung und Barmherzigkeit um der Verdienste deines bitteren Leidens und deiner heiligen Wunden willen! Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die ganze Welt erlöst.

O Maria, Schmerzensmutter, drücke deines Sohnes Wunden tief in unsere Herzen ein.


I. Station: Jesus wird zum Tode verurteilt

Wenn du meine Leiden betrachtest, bringst du mir Erleichterung. Sag mir, dass du keinen Anstoß an mir nimmst und bereit bist, mich auf meinem Kreuzweg zu begleiten! Tust du es gerne, bist du meine ganze Freude. Betrachte mein Herz in allen Phasen meiner Passion und meine Liebe, mit der ich alles durchlitt! Schau meine Augen! Darin findest du Mitleid und größte Liebe inmitten der Grausamkeit der Qualen.

Bringe bei jeder Station dem Vater mein Blut dar, das ich für das Heil der Welt vergossen habe! Denk daran, dass ich beim Aufstieg nach Kalvaria auch für jene betete, die mich einst begleiten würden! Ja, ich bitte dich, geh mit mir und sei an meiner Seite! Bedenke, mit welcher Liebe ich den Kreuzweg ging, um dir durch meinen Tod das Siegel göttlichen Lebens zu geben! Um den Meinen das Leben zu geben, bin ich für sie gestorben.


II. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf sich

Willig, ja mit innerer Freude habe ich das Kreuz auf mich genommen und getragen. Schon lange sehnte ich mich nach ihm um deinetwillen und aus Gehorsam zum Vater. Es war dein Heil! Die Welt erlösen, weißt du, was das für mich war? Ich trug dich beim Kreuztragen wie eine Mutter und sehnte mich danach, dir mein Bild in die Seele zu prägen. So bitte ich dich:

Nimm dein Kreuz auf dich, wie ich das meinige annahm! Doch nicht nur tragen sollst du es, sondern auch innerlich bejahen. Es ist die Reliquie meiner großen Liebe. Ganz eins geworden bin ich mit meinem Kreuz. Wenn du ihm begegnest, begegnest du mir. Tragen wir gemeinsam unser Kreuz!

Betrachten wir seine Leiden, so hören wir Jesus sagen: Meine Leiden habe ich für dich übernommen und durchlitten. Biete sie dem Vater an zur Sühne, so trägst du bei zum Heil der Welt. Wir sollten unseren Tageskreuzweg gehen mit dem Gebet: „Würdige mich, Herr, deine Last zu tragen, denn es ist unaussprechlich herrlich: DEIN zu sein.“

weiter zur 3. und 4. Station des Kreuzwegs

Kreuzweg von Sr. Josefa Menendez

Hl. Rafael Arnaiz Baron (11)

27/01/2011

Am 11. Oktober 2009 wurde der spanische Trappist Rafael Arnaiz Baron (1911-1938) heilig gesprochen. Dieser mit 27 Jahren in der Abtei San Isidro de Duenas verstorbene Mystiker beeindruckt durch seine tiefe Spiritualität und sein einfaches und frohgemutes Wesen, mit dem er vertrauensvoll sein Kreuz auf sich nahm. Dank der freundlichen Genehmigung  der Herausgeberin und des Bernardus-Verlags, bei dem die Gesamtausgabe der Schriften des Heiligen bestellt werden können („Nur Gast auf Erden?“),  veröffentlichen wir hier Auszüge aus denselben.


Die folgenden Zeilen schrieb Bruder Rafael, nachdem er seine ‚Trapa‘, die Zisterzienserabtei, ungefähr anderthalb Jahre vorher wegen seiner Diabetes verlassen musste.

Kleines Album (oder Heft)

Seite 1: Ich bitte Gott und die heiligste Jungfrau, dass die Worte dieses Heftes dazu dienen mögen, meiner Seele in schweren Zeiten des Lebens Mut zu machen und sie dem Herrn näherzubringen.

Sie mögen mir einmal zum Trost dienen, dann wieder zur Meditation. Ich möchte in ihnen eine Hilfe finden, um besser zu werden, mich mehr und mehr von der Welt zu lösen und näher bei Gott zu sein.

Seite 11: Jesus, ich sehe andere leiden und leide selbst; ich sehe weinen und weine… Hilf, dass ich mein Blut lasse, und heile durch mich die Leiden derer, die um mich sind!

(Torrelodones, 27.8.1935)

Seite 6: Herr, wenn ich – um Dich zu lieben – das Kreuz brauche, dann schick es mir, denn ich sehe deutlich, dass ich Dich mehr liebe, je mehr Kreuz ich zu tragen habe! Du weisst ja, dass meine einzige Beschäftigung auf Erden die ist, Dich zu lieben, und je mehr ich Dich liebe, um so mehr Freude mach ich Dir. Heiligste Jungfrau, du lenktest meine Schritte in die ‚Trapa‘, damit ich lernte, Deinen Sohn zu lieben. Hilf mir in meinem Vorsatz, Ihn täglich inniger zu lieben! Wie wenig bescheiden bin ich! Welche Ansprüche erhebe ich!

Seite 8: Herr, schau auf Deinen Diener Rafael! … Du weisst, dass sein Leben und seine ganze Seele Dir gehören. Er hat sie Dir einmal übergeben, und Du, als Eigentümer und Herr, nahmst sie an. Du sahest, dass sie nicht vollkommen war, und wolltest sie läutern. Was ich Dir gab, war alles, was ich besass. Aber alles, was ich hatte, waren Sünden, Elend und Unvollkommenheiten, und das war Deiner nicht würdig.

Willst Du mich durch Opfer läutern? Opfere mich, Herr! Willst Du mein Leiden? Nimm es, Herr! Ich will Deinem göttlichen Handeln kein Hindernis in den Weg legen. Aber, Herr, vergiss mich nicht! Sieh, ich bin armselig und könnte es allein nicht aushalten. Gut, Herr, nimm keine Rücksicht auf mich und tu, was Du willst! Ich will mich nur darum bemühen, keine Hindernisse aufzubauen, und an mir geschehen lassen… Ausserdem ist das so einfach und so wohltuend!

Herr, mit jedem Tag, der vergeht, erkenne ich besser, was ich zu tun habe, um mich zu heiligen. Früher glaubte ich, dass ich – ich Armseliger! – derjenige war, der die Tugend übte und dass ich, wenn ich etwas Gutes tat, es aus mir selbst vollbrachte. Aber nein, Herr, das ist es nicht! Alles Gute kommt von Dir. Daher ist es das Beste, in meinem Leben Dich wirken zu lassen. Ich überlasse mich ganz Dir. Nicht einmal den Wunsch, gut zu sein, möchte ich haben, wenn es nicht auch Dein Wunsch ist. Ich will gar nichts. Ich will für die Welt ein Nichts sein. Ich möchte ganz Dein sein. Sogar meine Sünden gebe ich Dir, denn sie sind das Letzte, was mir bleibt und nur mir gehört.

Bist du zufrieden, Herr? – Ich bin’s.

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„Den erwarte, der über der Zeit ist…“

06/12/2010

Die scheinbar Glauben verdienen und die Abweichendes lehren, sollen dich nicht einschüchtern. Stehe fest wie ein Ambos unter den Schlägen (des Hammers). Einem starken Ringkämpfer ist es eigen, daß er Streiche erhält und doch den Sieg erringt. Wir müssen in erster Linie um Gottes willen alles ertragen, damit auch er uns ertrage.

Werde noch viel eifriger, als du bist. Lerne die Zeiten kennen. Den erwarte, der über der Zeit ist, den Zeitlosen, den Unsichtbaren, der unseretwegen sichtbar geworden, den Unbetastbaren, den Leidenlosen, der unseretwegen gelitten hat, der auf alle Arten unseretwegen geduldet hat.

(aus dem Brief des hl. Bischofs und Märtyrers Ignatius von Antiochien an Polycarp, zu finden auf „Bibliothek der Kirchenväter“)

Hl. Ignatius von Antiochien

 

„Opfert euch auf…“ (2)

17/11/2010

(zurück zu Teil 1)

Wir möchten daran erinnern, dass die Himmelsmutter 1917 in Fatima wünschte, dass wir täglich den Rosenkranz für den Frieden beten und Opfer für die Bekehrung der Sünder bringen.

In ihrer vierten Erinnerung aus dem Jahr 1941 schreibt Schwester Lucia: „Eines Tages fragte man mich, ob Unsere Liebe Frau uns aufgetragen hätte, für die Sünder zu beten. Ich verneinte. Während die Leute Jacinta befragten, rief er [Francisco] mich, sobald er konnte und sagte:

– Jetzt hast du gelogen! Wie konntest du nur sagen, daß Unsere Liebe Frau uns nicht aufgetragen habe, für die Sünder zu beten?

– Für die Sünder nicht! Sie wünschte, daß wir um den Frieden und die Beendigung des Krieges beten sollten. Für die Sünder sollten wir Opfer bringen.

– Ja wirklich! Ich habe schon gedacht, du hättest gelogen.“ (*)

Pater Augustin Fuentes (damals Postulator im Seligsprechungsprozess für Jacinta und Francisco) führte am 26. Dezember 1957 mit Schwester Lucia, die sich seit 9 Jahren im Karmel in Coimbra befand, ein Gespräch. Pater Fuentes berichtet, daß die Seherin ihn sehr traurig empfing:

„Pater, die Selige Jungfrau ist sehr traurig weil niemand ihre Nachricht beachtet; weder die Guten noch die Schlechten. Die Guten führen weiterhin ihr Leben der Tugend und des Apostolats, aber sie vereinigen ihr Leben nicht mit der Botschaft von Fatima. Die Sünder folgen weiterhin dem Weg des Bösen, weil sie die furchtbare Züchtigung, die dabei ist über sie zu kommen, nicht sehen. Glauben Sie mir, Pater, Gott wird die Welt züchtigen und das sehr bald. Die Strafe des Himmels wird kommen und sie wird sehr groß sein. Sagen Sie den Seelen nicht nur die materielle Strafe zu fürchten, die über uns kommen wird, wenn wir nicht beten und Buße tun, sondern vor allem, daß Seelen in die Hölle kommen werden.“ Mehrmals wiederholte sie: „Viele Nationen werden von der Erde verschwinden und Russland wird das Werkzeug der Züchtigung sein, falls wir nicht alle durch Gebet und Opfer die Bekehrung dieser armen Nation erreichen. Pater, sagen Sie den Seelen, daß der Teufel mit der Jungfrau Maria eine entscheidende Schlacht führt.“

 

 

 

 

 

Schwester Lucia um 1930

 

Im folgenden betont Schwester Lucia wieder, dass die beiden Waffen, die die Jungfrau uns gegeben hat, Gebet und Opfer sind. Sie erklärt dem Pater: „Gebet ist eine Unterhaltung mit Gott, unserem himmlischen Vater. Aber es ist nicht notwendig in der Kirche oder vor einem heiligen Bild zu sein, um mit ihm zu sprechen. Wir können überall beten, auf der Straße, in der Schule, im Büro, in der Werkstatt- überall. Der Teufel, der sehr darunter leidet, nie wieder Gott zu sehen, wird alles tun, um uns vom Beten und Opferbringen abzubringen. Wir alle, egal wer wir sind, müssen leiden. Wir müssen leiden wegen der Erbsünde und auch als wahre Nachfolger Christi. Jeder hat eine Art Kummer, Beschwernis, Krankheit oder ein Problem zu ertragen. Unser Herr bietet sein Kreuz allen an, wir sollten es also lieben und umarmen. Aber wir sollten nicht nur die Leiden annehmen, die er uns schickt – wir sollten auch die Großzügigkeit besitzen, viele Opfer zu bringen. Jeder Christ ist ein ‚anderer Christus‘  und als solcher sollte er bereitwillig für die Seelen beten und leiden. Jetzt sollten wir unsere Selbstsucht wie niemals zuvor beiseite lassen. Wir müssen unsere Seelen retten oder wir verlieren sie, zusammen mit anderen Seelen. Das Heil vieler Seelen hängt davon ab, ob wir der Gnade entsprechen werden. Falls wir unsere Seelen verlieren, werden auch viele andere Seelen verloren sein.“

Und weiter: „Pater, lassen Sie uns nicht darauf warten, daß der Heilige Vater eine allgemeine Aufforderung zur Buße erläßt, lassen Sie uns auch nicht solch einen Aufruf von unseren Bischöfen oder Oberen abwarten. Lassen Sie jeden von uns selbst anfangen, sich zu verändern. Es ist eine persönliche Verantwortung Gott gegenüber. Mit Gebet und Buße werden wir nicht nur uns selbst, sondern auch andere retten. Erinnern wir uns daran, daß wir mit vielen anderen Seelen in den Himmel eingehen sollen und daß, wenn wir unsere Seele verlieren, andere Seelen sagen hören werden: ‚Durch deine Schuld bin ich in der Hölle.‘ „

 


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(*) Die frühen Erinnerungen von Schwester Lucia können auf Deutsch über das Secretariado dos Pastorinhos bezogen werden. Wir bedanken uns dort auch dafür, dass wir hier Auszüge aus dem Buch „Schwester Lucia spricht über Fatima – Erinnerungen der Schwester Lucia, Band I“ wiedergeben dürfen.